Sonntag, 18. Januar 2009

The Rakes, Köln, 17.01.09


Konzert: The Rakes (& James Yuill, Filthy Dukes - intro intim)
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 17.01.2009
Zuschauer: sehr voll, fast ausverkauft
Dauer: The Rakes 60 min, Filthy Dukes 45 min, James Yuill knapp 30 min


Ach, die Rakes... Seit fast zwei Jahren habe ich nichts mehr von den Londonern gehört, in jeder Beziehung. Seit ihrem ersten Album Capture/Release (aus 2005) liebe ich die Musik der Band; auch den Nachfolger Ten New Messages habe ich wegen seiner vielen Hits vor zwei Jahren sehr oft gehört. Dann kam ein Bruch, den ich mir eigentlich gar nicht erklären kann. Nach dem Kölner Konzert ließ mein Interesse schlagartig nach. Etwas später hätte ich die Band beim Wireless Festival in London noch einmal sehen können, entschied mich aber dagegen. Gestern habe ich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder beide Platten rausgekramt und gehört. Und beide gefielen mir wieder sehr gut... Komisch alles.

Wie gut, daß da ganz zufällig ein intro intim mit den Rakes im Gebäude 9 stattfinden sollte.

Vor den Rakes spielten noch zwei andere Künstler im sehr gut gefüllten Lieblingsladen. Introtypisch standen unglaublich viele Sampler und Keyboards auf der Bühne. In die Musik der ersten beiden Acts hatte ich bisher nicht gehört, allerdings hatte ich bei einem intro intim schon Elektrisches erwartet.

James Yuill (auch als Yuilly bekannt) aus London war der erste Künstler, der um neun begann. Auch wenn der wie der Comedian Florian Simbeck aussehende Musiker als Singer/Songwriter des Genres "Folktronica" bezeichnet wird, war seine Darbietung eher ein elektronisches DJ-Set mit Gitarre. Spannend fand ich das nicht, mit Ausnahme des vorletzten Lieds, dessen Titel ich nicht kenne. Also aus den Augen, aus dem Sinn.

Die nächste Dreiviertelstunde gehörte den Filthy Dukes, ebenfalls aus London. Die
eigentlich Band besteht aus Olly Dixon, Tim Lawton und Mark Ralph (v.l.n.r.). Heute hatten sie allerdings einen zusätzlichen "klassischen" Schlagzeuger als Verstärkung dabei. Ich konnte ihn nicht erkennen, weiß daher nicht, ob es vielleicht der der Rakes war.

Obwohl die Filthy Dukes eigentlich überhaupt nicht meine Musik machen, unterhielt mich das Set teilweise sehr. Einige der Stücke waren richtig
gut! Es gab zwar immer wieder Passagen, die langatmig (weil ereignislos) waren, aber auch dann wieder sehr lichte Momente. Vermutlich werde ich mir keine CD von ihnen besorgen, der Auftritt war aber wirklich amüsant! Und, viel wichtiger: die Engländer machten ordentlich Stimmung!

Die Keyboard-, Notebook- und Sampler-Sammlung wurde entfernt, und es wurden Gitarren herbeigeschafft. Um kurz nach elf erschienen dann auch die Rakes (aus... London). Neben den mir (wohl) bekannten vier Mann
(bin nicht ganz sicher) - Sänger Alan, Gitarrist Matthew Swinnerton (äußerlich eine Mischung aus John Lennon, den Gallaghers und Harry Potter), Schlagzeuger Lasse Petersen und Bassist Jamie Hornsmith hatte die Band einen fünften Musiker dabei, einen Gitarristen und Keyboarder.

Alan trägt eine 1a-Popperfrisur, hatte eine weiße Jacke mit grauem T-Shirt und eine graue verwaschene Jeans an. Hmmm.

Das Programm startete mit 1989, einen der Songs vom neuen Album, das die Band in Berlin aufgenommen hat. Und sofort fiel mir wieder auf, warum ich den Frontmann live nicht mag. Zum einen ist seine Stimme arg dünn, zum anderen nervt mich dieses Armgehampel, die "Robotermoves", die ich schrecklich unnötig und lästig finde. Gesanglich hat mich die zweite Stimme, die von Gitarrist Matthew, deutlich mehr überzeugt. Schade eigentlich, daß er nur kleinere Passagen singt.

1989 hat keinen großen Eindruck bei mir hinterlassen. Alan war aber auch so leise, daß vieles schwer einzuschätzen war. Das Lied war - wie die meisten anderen der neuen Stücke - wirklich nicht schlecht, allerdings schien es auch nicht an Hits wie Suspicious eyes, The world was a mess... oder die vielen Kracher des ersten Albums ranzukommen.
Light from your Mac gefiel mir unter den Neuheiten eigentlich am meisten. Leider hat das Lied aber am Anfang ein Bassriff, das eine Kopie von Seven nation army ist. Ich weiß nicht, ob das Ironie war, fand es aber recht platt. Denn ansonsten war das Lied gut! Auch That's the reason blieb mir als gut im Gedächtnis, ebenso wie das knackige The loneliness of the outdoor smoker (oder Middle distance runner in a hospital?). Riesige Kracher waren das aber wie gesagt nicht.

Die mitreißenden Stücke des Sets waren natürlich 22 grand job (das die Filthy Dukes auch geremixt haben), Strasbourg, Violent oder Retreat. The world was a mess litt
unter der kaum hörbaren Stimme des Sängers, während We are all animals durch einen zu schnell spielenden Schlagzeuger versaut wurde.

Die letzten Tage haben meine Meinung über die Rakes bestätigt: die Londoner haben viele tolle Lieder, live muß man die aber nicht sehen (obwohl ich fairerweise sagen muß, daß die Stimmung im Gebäude 9 ausgezeichnet war). Ein unterhaltsamer Abend, überhaupt keine Frage. Aber nichts, an das ich mich sehr lange erinnern werde.


Erinnerungswürdig war aber eine kleine Szene. Ein englischer Zuschauer wollte auch Matthews Setlist gucken. Der sah das, schüttelte lachend den Kopf und trat auf die Liste, um das zu verhindern!

Setlist The Rakes, intro intim, Gebäude 9, Köln:

01: 1989 (neu)
02: Retreat
03: We danced together
04: Terror!
05: You're in it (neu)
06: Binary love
07: Light from your Mac (neu)
08: When Tom Cruise cries
09: We are all animals
10: Woes of the working woman (neu)
11: 22 grand job
12: Violent
13: The loneliness of the outdoor smoker (neu)
14: Strasbourg
15: That's the reason (neu)
16: Open book
17: The world was a mess but his hair was perfect

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Rakes, Köln, 06.05.07
- The Rakes, Paris, 21.04.07



15 Kommentare :

Anonym hat gesagt…

Ey dude...was ist denn mit dir los....wo soll ich anfangen...okay chronologisch:
1.Diese Robotermoves sind doch gerade das tolle an Alan,wie kann man das bitte unnötig finden? Dann schau sie dir doch nicht live an wenn dus so schrecklich findest,also so ein schwachsinn...
2.Du kannst die neuen lieder doch noch überhaupt nicht mit den alten vergleichen,das macht doch gar keinen sinn,hast sie doch zum ersten mal gehört...
3.Der bassriff hatte ziemlich viel von Evil von Interpol aber mal so gaaaaaaaar nichts von seven nation army...keine ahnung wie man das auch nur im entferntesten raushören konnte..
4.alan hat wirklich super gesungen.
5. Rakes sind absolut klasse live,eine der besseren und vielleicht der besten live-bands,dieser bericht ist wohl der schlechteste und verfehlteste,den ich jeh gelesen habe.

Christoph hat gesagt…

Ey anonymer Dude,
danke für Deinen ausführlichen Kommentar.

1) Roboterkrams hin oder her. Ich gehe doch nicht zu einem Konzert (oder eben nicht) wegen des Gehampels des Sängers. Mir ging es um die Musik, das habe ich versucht zu erklären. Außerdem fand ich es, wenn Du damit das Konzert meinst, nicht schrecklich.

2) Ich habe die Lieder doch nicht stilistisch sondern ganz abstrakt beurteilt. Ob sie nach Hitpotential klangen. Wieso sollte man Lieder nach dem ersten Hören nicht einschätzen können? Verstehe ich nicht.

3) Ich habe keine Ahnung, wie man Seven Nation Army nicht raushören konnte. ;-)

4) Das er so oft so schlecht rauszuhören war, lag nicht an ihm. Das ist klar. Aber ich fand seine Stimme eben auch brüchig und nicht immer treffsicher.

5) Das tut mir leid, daß das der schlechteste und verfehlteste Bericht ist, den Du je gelesen hast.
Und die Rakes eine der besten Live-Bands? Ich bitte Dich!

oliver r. hat gesagt…

Haben die bei der Intro keine spannenderen Bands als die Rakes an der Hand? Es gibt soviele Talente in der Musikszene, die eine Chance verdienen würden.

Man kann sich ja wohl kaum einen ausgelutschteren Musikstil als dieses Post-Punk Revival vorstellen! Das Ganze war schon bei den zweiten Alben der 2005 noch so unglaublich gehypten englischen Bands totgenudelt, daß es schon an eine Zumutung grenzt, daß man 2009 dritte Alben von diesen ganzen The Clash-Klonen vorgesetzt bekommt!

The Rakes waren live nie gut, ich habe sie während ihrer Tourneen für das erste und zweite Album fünfmal gesehen. Das Programm wurde jedes Mal nur lustlos abgespult, die Setlisten nie geändert und das Gehampel von Alan war auch nur anfangs lustig, später dann nur noch nervig.

Christoph hat noch sehr schmeichelhafte Formulierungen gefunden, ich hätte an seiner Stelle sicherlich drastischer geurteilt!

Christina hat gesagt…

Christoph? Oliver? Ihr seid euch einig?? Ich markiere diesen Tag rot in meinem Kalender!

oliver r. hat gesagt…

Hahaha! Wir sind uns fast immer einig, Christina :-)

Lars hat gesagt…

äh, na ja, da kann ich eigentlich nur mit dem Kopf schütteln Oliver, ob man jetzt wegen eines vermeintlich schlechten Rakes-Konzerts ein ganzes "Genre" abkanzeln muss halte ich nun wirklich für übertrieben, dafür sind die Bands viel zu unterschiedlich, oder möchte jemand wirklich The Rakes, die Kaiser Chiefs und Bloc Party in einen Topf werfen? Die machen doch schon sehr unterschiedliche Stile.

Und von mir aus klingen die dennoch alle wie The Clash, ich würde auch liebend gern auf eines von deren Konzerten gehen, hmm klappt nicht, na gut, dann nehm ich die aktuellen Bands, die durchaus spannend sind und live (bis auf die Kaiser Chiefs) sehr viel Spaß bringen.

Mal ehrlich, Blood Red Shoes und Sky Larkin machen jetzt auch keine innovative Musik und die feiert ihr regelmäßig ab...

Christoph hat gesagt…

Ich sehe das ganz ähnlich. Mir ist auch egal, ob eine Band innovativ klingt oder ein Stil gerade in oder out ist. Das mag nicht sonderlich tiefsinnig sein, ich höre aber Musik wegen des Spaßes, also die, die mir gefällt.

Die Musik der Rakes mag ich sehr. Nur brauche ich sie nicht unbedingt noch mal live, das habe ich Samstag gemerkt.

Widersprechen muß ich Dir bei den Kaiser Chiefs. Die finde ich auch live immer noch toll (hoffentlich, weil ich sie morgen sehen will).

oliver r. hat gesagt…

Christoph, alter Rüpel, ich war angesprochen, Du entreißt mir das Wort, bevor ich mich äußern kann! :-))

Also, Lars:

Das sogenannte Post-Punk Revival scheint mir in der Tat in den letzten Zügen zu liegen. Das hat zum Teil mit einem gewissen In/out Faktor zu tun (der mich nicht weiter interessiert), viel wichtiger und entscheidender ist aber, daß einfach alle Ideen restlos verbraucht sind. Man dreht sich im Kreis, wiederholt sich nur noch.

Bloc Party versuchen dieser Zwickmühle zu entgehen, in dem sie seit dem zweiten Album elektrische Elemente und Samples miteinbauen. Ob ihnen das gelingt, scheint mir fragwürdig, die Hits vom ersten Album ziehen auch live nach wie vor am besten.

Die Kaiser Chiefs halten sich durch die Energie ihres Frontmannes. Allerdings bläst auch ihnen ein scharfer Wind entgegen, da das dritte Album schwächer ist als die Vorgänger.

Letztlich werden sich nur die besten dieser ganzen Welle halten. Diejenigen also, die es schaffen, ihren Sound zu wandeln und weiterzuentwickeln und gleichzeitig das Kunststück hinkriegen, alte Fans zu halten und neue hinzuzugewinnen.

Viele Mitläufer des Post Punk Revivals (Bloc Party, Kaiser Chiefs und die Rakes weisen in der Tat Unterscheide auf, aber man kann sie auf eine handvoll älterer britischer Bands zurückführen) existieren schon gar nicht mehr und 2009 und 2010 werden viele weitere dieser Bands sterben. Selbst die Platzhirsche müssen kämpfen!

Aber das ist letztlich gut so, denn Musik, ja Kunst an sich, muß sich immer weiterentwickeln, innovieren, in Frage stellen, damit Neues entstehen kann.

Auch ich höre Musik des Spaßes willen. Stillstand und Langeweile bedeuten aber keinen Spaß für mich.

Wobei es sich manchmal wie in der Gastronomie verhält: gute Bratkartoffeln sind meistens besser als ein mißratenes Gourmetessen!

Christoph hat gesagt…

Ey, nenn mich nicht Rüpel! :-)

oliver r. hat gesagt…

In Ordnung, dude ;-)

oliver r. hat gesagt…

"Die Musik der Rakes mag ich sehr". Warum ruderst Du eigentlich wieder zurück, wenn Dir Gegenwind ins Gesicht bläst, Christoph?

Auf den ersten glasklaren Verriss muß man wohl noch etwas warten, oder Kollege?

Christoph hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Lars hat gesagt…

hmm, gut damit kann ich leben, mag man anders sehen, aber in Bezug auf Franz Ferdinand und die Kaiser Chiefs kann man sicherlich sagen, dass die sich ob ihrer eigenen Ideenlosigkeit dabei sind sich ihren Weg in die Bedeutungslosigkeit zu ebnen. Wie sich das mit den anderen verhält wird man dann sehen, bis dahin kann man mit denen ja einfach noch eine gute Zeit haben, da es auch den wenigsten gelingen wird, auf ein The Clash Konzert zu gehen, muss man eben die heutigen Interpretation nehmen :)

oliver r. hat gesagt…

@ Lars: The Clash kann man nicht mehr sehen, dafür aber andere Bands, von denen sich Gruppen wie Maximo Park, Bloc Party, The Futureheads und Franz Ferdinand eine Menge abgeschaut haben:

- Gang Of Four: die alten Säcke habe ich Ende 2006 gesehen und deren sensationeller Auftritt beim Festival des Inrocks bleibt mir in allerbester Erinnerung!

- Wire: sind demnächst in Deutschland auf Tour. Haben ein paar höchst einflußreiche Post Punk- Alben gemacht. Live allerdings nicht mehr ganz so umwerfend wie die Gang Of Four,aber immer noch sehenswert.

- The Buzzcocks: auch die spielen dieses Jahr wieder

Die Liste könnte man fast endlos fortführen...

Die alten Bands, die das Genre Post Punk begründet haben, sind nicht per se besser als die jungen Nachahmer. Ob man die Oldies heutzutage live sehen muss, kann auch diskutiert werden. Aber sie waren früher dran und hatten oft mehr Ideen!

Zur Vertiefung kann ich das Buch von Simon Reynolds sehr empfehlen:

Rip it up and start again, PostPunk 1978-1984

Interessant: Du hast zunächst das Post Punk Revival in der Gesamtheit verteidigt, nennst jetzt mit den Kaiser Chiefs und Franz Ferdinand aber doch Bands, die Du inzwischen für bedeutungslos hältst, Lars.

Mach doch mal eine Liste mit Revival-Bands, die gut und überlebensfähig sind und anderen, die Deiner Ansicht nach besser abtreten sollten.

Wäre vielleicht überhaupt mal ein spannendes Thema für alle Leser des Konzerttagebuches:

Hat sich das Post-Punk Revival totgelaufen oder ist das Genre nach wie vor interessant?

Welche Bands halten sich, welche werden bald in der Bedeutungslosigkeit versinken?

oliver r. hat gesagt…

The Rakes haben heute ihre Trennung bekannt gegeben. Irgendwie hatte ich es ja geahnt, die Meldung überrascht mich nicht.

 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates