Donnerstag, 29. November 2007

Caribou, Paris, 28.11.07


Konzert: Caribou

Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 28.11.2007
Zuschauer: ca.400


In einer Weltstadt wie Paris kann es vorkommen, daß am gleichen Tag mehrere interessante Konzerte stattfinden. Besonders am 4.02.2008 wird das wieder der Fall sein, wenn Morrissey im Olympia und die Babyshambles im Zénith auftreten werden.

Aber auch heute war wieder so einiges geboten: Dominique A einer der besten französischen Chansoniers spielte im Centre Beaubourg,, die "neue Feist" Yael Naim in der Boule Noire und vor allem Les Rita Mitsouko im längst ausverkauften Olympia. Als Vorgruppe waren sensationellerweise die Magic Numbers vorgesehen. Die knuffigen Engländer hätten sicherlich liebend gern für das französische Kultduo eröffnet, wenn, ja wenn Fred Chichin nicht...am gleichen Tage verstorben wäre! Der hagere Gitarrist von Les Rita Mitsouko mußte schon in den letzten Wochen einige Konzerte krankheitsbedingt absagen und schon das Konzert vom 13. November, ebenfalls im Olympia bestritt Catherine Ringer alleine. Traurig, traurig. Mein herzliches Beileid.

Diese triste Neuigkeit erreichte mich, als ich mich schon für Caribou in der Flèche d'or entschieden hatte. Ein Todesfall im November, was kann es deprimierenderes geben? Da mußten glücklichmachende Farben her und die lieferte Dan "Caribou" Snaith reichlich. Auf die Videoleinwand hinter der vierköpfigen Band wurden nämlich allerhand halluzinatorische Quadrate, Kreise, Sterne und Striche in knalligen Tönen produziert. Wenn man sich längere Zeit auf diese rotierenden Figuren konzentrierte, konnte man all das Schlechte dieser Welt ausblenden und sich mittels Sebsthypnose in eine schönere Welt beamen. Das war wie Flower-Power für die jetzige Generation, bloß mit 40 Jahren Verspätung und auch musikalisch anders, wenngleich das peacige Element durchaus an Bands wie Love, die Beach Boys, oder auch die regelmäßig unterschätzten The Zombies erinnerte. Ansonsten kam man sich aber wie ein Zaungast vor, der einen wirren Mathematiker, der Dan Snaith nun einmal ist, beim Ausleben seiner experimentellen Phantasien beobachtet. Gleich zu Beginn wurde man Zeuge des abgefahrenen Doppelschlagzeuges, welches von Snaith und einem Bandmitglied mit besonders schnellen Fingern parallel gespielt wurde. Mit einem gewaltigen Schlag hatten die beiden Drummer das Set eröffnet und mich dazu gezwungen, schleunigst meine Ohrenstöpsel in die Gehörgänge zu propfen. Ohne diese "Kondome für Ohren" wären die satten und unglaublich harten Hiebe der Heißsporne kaum zu ertragen gewesen. Leider hörte ich aber den ohnehin schon arg hingehauchten Gesang nicht wirklich, wenn denn überhaupt gesungen wurde. Manchmal lief das Ganze nämlich auch rein akustisch ab, was aber zu keiner Langweile führte, weil vor allem das Schlagzeugspiel unglaublich schnell und auch optisch sehenswert war. Die beiden Musiker im Hintergrund, ein Bassist den ich zunächst für ein Mädchen hielt und ein diskreter Gitarrist, waren hingegen eher unauffällig. Das doppelte Schlagzeug kam aber nicht bei jedem Lied zum Einsatz, manchmal sprang das Zahlengenie auch auf und schnappte sich seine Gitarre. Nicht nur in diesen Momenten wurden dann Assoziationen zu Battles, oder auch Animal Collective wach. Bei Caribou ist aber alles weniger düster als bei zitierten Bands und auf psychedelische Weise poppiger. Ohnehin ist der Stil schwer zu beschreiben, man findet hier Elemente des Krautrocks, der Ambientmusik, des Elektropops, des Math-Rocks, aber auch des Freak-Folks vor. Vor allem dann, wenn Dan in seine kleine Flöte hineinbläst, ist eine Band wie Espers nicht sehr weit.

Zu den gespielten Liedern kann ich leider nicht sehr viele Aussagen machen, "Melody Day" und "She's The One" von Andorra kamen natürlich und auch andere Titel des Neulings, ob allerdings Stücke von den drei Vorgängeralben Teil des Sets waren, entzieht sich meiner Kenntnis. Die Spielzeit war mit gut einer Stunde recht knapp bemessen. Für das erstmals fällige Eintrittsgeld (die Flèche d'or ist normalereise gratis) von 11 € kam man aber immerhin in den Genuß einer Zugabe, die frenetisch gefeiert wurde. Caribou haben mich neugierig gemacht und ich werde in den nächsten Monaten weiterverfolgen, wie sich ihre Titel bei mir persönlich entwickeln. Live ist das auf jeden Fall sehens-und hörenswert!

Video: Melody Day live

Konzerttermine von Caribou:

29.11.07: Brüssel
30.11.07: Luxembourg
01.12.07: Utrecht
02.12.07: Schorndorf
04.12.07: St. Gallen
05.12.07: Nürnberg
06.12.07: Wien
07.12.07: Berlin (Lido)
08.12.07: Hamburg (Übel und Gefährlich)
09.12. 07 - 14.12.07: diverse Konzerte in Skandinavien

Die super Bilder stammen von meiner ebenfalls bloggenden amerikanischen Flickr-Freundin Kirstie Shanley aka Kirstiecat.

Thank you very much much, Kirstie, you are great!



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