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Donnerstag, 30. Oktober 2025

Left of the Dial Festival - Rotterdam - 23.10.-25.10.2025

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Konzert: Left of the Dial Festival
Ort: Innenstadt Rotterdam
Datum: 23.10.-25.10.2025
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: ausverkauft


Die Wetterprognose für das Wochenende versprach stürmische und regnerische Tage und sie sollte recht behalten. Schon auf dem Weg zwischen den Locations wurde man ordentlich durchgepustet, und so gehörte das frieren im Nieselregen fast genauso zum Festivalerlebnis wie die Musik selbst. Doch irgendwie passte das: Der Wind, die dunklen Wolken, das hektische Lichtermeer der Stadt, all das verlieh dem Left of the Dial 2025 eine ganz eigene Energie. 

Das Left of the dial Festival wächst langsam aber stetig. Dieses Jahr waren es nochmal mehr Spielstätten und Konzerte, viel mehr. Schwerpunkt liegt auf Newcomern aus UK und Irland. Einen deutschen Act suchte man im Line-Up vergeblich. 


Der Festivalauftakt am Donnerstag begann mit No Joy im Theater De Doelen Up. Die Kanadier waren ein perfekter Start: dichte Gitarrenwände, schwebender Gesang und ein Sound, der sofort klarmachte, worum es an diesem Wochenende gehen würde. Um das Eintauchen in neue Klangwelten. No Joy schafften es, das Publikum in eine melancholische, aber zugleich euphorische Stimmung zu versetzen. Ein Auftakt, wie man ihn sich nur wünschen kann. 


Den nächsten schönen Moment gab es mit Green Gardens. Warmes Schlagzeug, schöne Melodien, weicher Indie-Rock, der sich anfühlte wie eine Umarmung nach einem langen, kalten Tag. Ihr Set war unaufgeregt, ehrlich und voller Gefühl. Zwischen all den lauten, kantigen Bands war das ein wohltuender Ruhepunkt. Fast so, als würde jemand kurz die Tür zum Sturm schließen und sagen: Bleib doch noch ein bisschen hier. 


Danach ging es weiter durch die Stadt. Vom eleganten Theater wo DBA! aus Liverpool einem ordentlich einheizten bis in kleinere Clubs, wie das Cube, wo man PollyfromtheDirt lauschte. Überall Menschen mit Festivalbändchen, tropfnassen Jacken und leuchtenden Augen. 

Freitag – Entdeckungen zwischen Windstille und Wohlklang. Am Freitag hatten Wind und Regen deutlich nachgelassen. Nach Sturmtief Benjamin am Donnerstag fühlte sich die Stadt fast schwerelos an. Über Rotterdam lag eine ruhige, gespannte Festivalenergie. Man konnte endlich ohne Jacke von venue zu venue ziehen und sich ganz auf die Musik konzentrieren. 


Eines der Highlights am Freitag war die US-Amerikanerin Prewn. Eine klare Stimme, zerbrechlich und doch kraftvoll, jeder Song hatte Gewicht. Ihre Musik war melodisch, leicht und schwer zugleich, voller schöner Gegensätze. Zwischen den Songs zeigte sie sich sympathisch, witzig und nahbar. Prewn hat dieses seltene Talent, das Publikum zum Lächeln und gleichzeitig fast zum Weinen zu bringen. 

Später in der Paradijskerk spielten DUG, die mit ihrer fesselnd freundlichen und optimistischen Stimmung im feinsten Americana-Folk das Publikum verzauberten. Ihre Songs waren warm, erzählerisch und voller Charme und für einen Moment verwandelte sich die alte Kirche gefühlt in einen kleinen Pub irgendwo in den Hügeln Irlands. Es war einer dieser Auftritte, die keine großen Effekte brauchen, nur Ehrlichkeit und Herz. 


Samstag – Durchgefeiert bis zum letzten Akkord. Der Samstag fühlte sich an wie das große Finale einer intensiven Reise. Die Tageskonzerte des „Official Unofficial“-Programms lockten bereits am Nachmittag viele in kleine Bars und Cafés, wo es bereits tolle Bands wie Pebbledash zu sehen gab. Präsentiert, wie zwei weitere Bands, von unseren Freunden des Misty Fields Festival.

Auch die Band Ain´t ist ein Traum für alle, die den 90er-Gitarrensound lieben. Wunderschön melodisch, mit schnellem, treibendem Bass und einer großartigen Sängerin, deren Stimme zwischen Kraft und Melancholie pendelte. Den Tag über ging es weiter von Bühne zu Bühne, immer wieder neue Überraschungen, neue Sounds, neue Begegnungen. 


Am Abend erreichte das Festival seinen Höhepunkt. Basht. (mit Punkt) spielten ein beeindruckendes Abschluss-Set, das noch einmal zeigte, warum Left of the Dial kein gewöhnliches Festival ist: Es geht hier nicht um große Namen, sondern um das Gefühl, Teil von etwas Echtem und Unvorhersehbarem zu sein. 

Einen tollen Moment wollen wir nicht vergessen: Zac Lawrence, ansonsten oberkörperfreier Sänger der Band Deadletter präsentierte in der Kirche sein wirklich gelungenes Solo-Album "Beware of Pity". (Hörtipp)   
 
Natürlich haben wir noch viel mehr gute Acts gesehen. Diese stellen wir euch in den nächsten Tagen immer noch in einzelnen Insta-Posts vor.


Left of the Dial war Laut, nass und echt. Man kommt, um neue Bands zu entdecken, und geht mit einem halben Dutzend Lieblings-Acts im Kopf wieder zurück nach Hause. Man läuft durch Regen und Wind, verliert sich in unbekannten Straßen und findet genau dort den Soundtrack, den man nie gesucht, aber dringend gebraucht hat. 

Rotterdam hat an diesem Wochenende wieder einmal gezeigt, dass Musik nicht glatt und bequem sein muss. Sie darf weh tun, nass machen und überraschen. Und genau das war Left of the Dial 2025: laut, ungeschliffen und absolut großartig.

Der VVK für 2026  hat bereits begonnen: TIX 2026: 


Dienstag, 22. Oktober 2024

left of the dial Festival - Rotterdam - 17.-19.10.2024

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Konzert: "left of the dial" Festival
Ort: Rotterdam - div. Locations 
Datum: 17.-19.10.2024
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: ausverkauft



Schon im letzten Jahr stand dieses rasant wachsende Showcase-Festival auf unserer "to do" Liste. Einige Viren hatten leider etwas dagegen. 130 Acts auf 22 Bühnen, verteilt über die Innenstadt von Rotterdam. Ein Moloch von Programm, bei dem die Playlist alleine 14 Stunden in Anspruch nimmt.

Interessanterweise besteht hier das Line-Up aus unzähligen UK-Acts, die z.B. beim Reeperbahn Festival vor einem Monat fast gar nicht anzutreffen waren. Auch sind die Genre hier enger gefasst. Post-Punk, Indie und ein paar wenige Ausreißer in Richtung Pop, Folk und Punk. 


Umso besser, aber auch anstrengender ist daher die Planung mit der Festival eigenen App. Zwar sind alle Clubs in Gehweite, thematisch gibt es aber keine weitere Zuordnung. Ansonsten ist aber alles ganz liebevoll und organisatorisch perfekt gestaltet. 


Die Läden hören auf so tolle Namen wie Worm, Roodkapje oder Tiki`s. Drei  wunderschöne Kirchen werden bespielt. Dazu die bekannten und ehrwürdigen Clubs:  Perron und Rotown. 


Das Rahmenprogramm bietet einen Moshpit Lehrgang (auch in einer Kirche), Merch fast aller Bands zum Selberdrucken und Kinofilme am Mittag. Extra-Tickets gibt für vier Hafenrundfahrten in Booten mit je zwei Bands. Die Innenstadt präsentiert darüber hinaus noch einige Bands gratis und ohne Eintritt. 


Fast alle Bands treten mehrmals am Wochenende auf, so dass sich der Zeitdruck etwas entspannt. Irgendwann muss man dann ja auch nochmal etwas Essen und Schlafen. Ich kann diese Innenstadt Festivals nur immer wieder empfehlen. Man sieht trotzdem immer noch genug von der Stadt und entdeckt Ecken, die einem ein normaler Städte Tripp definitiv vorenthalten hätte. 

Bands auf ihren ersten Live-Schritten zu sehen macht einfach Freude. Viele werden den Sprung auf andere Festivals in 2025 schaffen. Musikalisch gab es folgende Bands zu beachten:


Deary konnte man bereits als Support von Slowdive in diesem Jahr erleben. Hier spielen sie am Nachmittag ihren ruhigen Mix aus Shoegaze und Indiepop. Pamphlets aus New York ziehen dann das Tempo schon etwas an. Klassischer Indie-Rock mit amerikanischem 90er Einschlag. 

Als einer der Gewinner des Wochenendes können dann Human Intrest punkten. Auf dem gleichen Label wie Sports Team und Englisch Teacher (Nice Swan) spielen sie tolle Songs mit Harmoniegesang und einen Sound zwischen Arcade Fire und T. Rex. Tipp. 


Eine der wenigen Bands, die schon vorher etwas Aufmerksamkeit bekamen, waren Dog Race. Ich konnte den Hype aus Haldern hier nicht nachvollziehen. Der Gesang ist sehr gewöhnungsbedürftig, irgendwo zwischen Highlands und Exorzist. Eine Coverversion von Joan Baez bleibt unverstanden. Trotzdem hat die Bands zwei echte Hits im Gepäck und wird ihren Weg machen. 

Viel mehr Spaß machten mir da schon zwei Bands aus dem BCNR Umfeld. Sowohl ladylike als auch Ugly sah ich in der Kirche und beide waren hervorragend. Introvertierte Pop-Perlen, meist jenseits der fünf Minutengrenze. Himmlisch. Danach noch zur Aftershow-Abriss Party ins Rotown. So schön können Herbst-Festivals sein. 


Eine besondere Erwähnung gibt es dann noch für Meryl Streek. Zunächst nur mit einer Taschenlampe beleuchtet betritt er die Bühne und startet einen Rant gegen Kirche und Staat, der Mike Skinner wie einen wortkargen Anfänger klingen lässt. In Dublin scheint sich einiges angestaut zu haben. Miete, Missbrauch und Mafia bieten genug Themen für einen explosiven Auftritt. Unbedingt reinhören. 

Und so verfliegen die Stunden, Tage und dann ist es auch schon wieder vorbei. "Left of the dial" beweist, wie ein perfektes Indoor-Festival funktioniert und wenn man in die lachenden Gesichter der unzähligen Musiker blickt, die ihre Instrumente durch die Gassen tragen, scheinen sie es genauso zu genießen.  

3 Fotos: Tineke Klamer    



Freitag, 24. Mai 2024

Brimheim - V11 - Rotterdam - 18.05.2024

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Konzert: Brimheim
Ort: V11-Rotown
Datum: 18.05.2024
Dauer: 90 min.
Zuschauer: ca. 80


Die dänische Künstlerin Brimheim steht schon länger auf unserer Liste. Leider gab es zu ihrem ersten, tollen Album keine echte Tour, und auch diesmal gibt erstmal nur eine Handvoll Gigs außerhalb ihrer Heimat. Also auf nach Rotterdam.


Das V11, im Verbund mit der wohl bekannteren Rotown Konzerthalle, ist ein wunderschönes, rotes Seenot-Rettungsschiff, das nun fest vertäut in einem der alten Hafenarme, mitten in Rotterdam, an Land liegt. Oben gibt es ein Open-Air Café, während die Konzerte im Inneren des mächtigen, metallenen Rumpfs stattfinden. Wieder einmal eine traumhaft schöne Location für ein Konzert.


Einen Support gibt es diesmal nicht. Brimheim bestehen zur Zeit aus einer vollständigen Band mit vier weiteren Musikern. Während die erste CD noch düsteren Indierock bot, gibt es auf der neuen Platte wesentlich tanzbarere Songs und Elemente. Dazu kommt der eindringliche und markante Gesang von Helena Heinesen Rebensdorff (wow !). 

Der wirkt in vielen Songs passend emotional und mitreißend, in einigen der neueren Stücke aber auch manchmal zu gewollt und gothic-like, was mir persönlich nicht so gut gefällt. Diese kleinen Schwächen überspielt die Performance an diesem Abend allerdings ganz locker. Die Band ist in überbordender Spiellaune, zweimal fällt ihr Gitarrist fast ungeplant von der kleinen Bühne ins Publikum. 


Helena selber ist ebenfalls ausgelassen. Seit sie 12 sei, Träume sie von einer eigenen Tournee, das muss gefeiert werden. Fast beide Platten werden komplett geboten. Zwei Zugaben, darunter das grandiose "Hurting me for fun" bilden den Schlusspunkt eines tollen Konzerts. 

Brimheim spielten letzte Woche beim OBS Festival in Beverungen. Auch von dort habe ich nur Gutes gehört. Hoffen wir also, das die Tour im Herbst fortgesetzt wird, nachdem sie im Sommer erstmal ausgiebig in Dänemark auftreten wird.


Am Ende stehen dann Publikum und Band mit breitem Grinsen zusammen am Merch. Die düsteren Texte sind vergessen und die Zukunft hoffentlich farbenfroher.             




Donnerstag, 13. April 2017

Grandaddy, Rotterdam, 07.04.2017

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Konzert: Grandaddy
Ort: Rotterdam, Grote Schouwburg
Datum: 07.04.2017
Dauer: 60min.
Zuschauer: ca.1.500

Grandaddy sind zurück. Nicht nur, wie so viele andere Band, mit einer Tour, sondern gleich mit einem neuen Album. "Last Place" fügt sich nathlos ein in die Reihe hervorragender Alben dieser immer etwas abseitigen Band aus Modesto, Kalifornien.

Immerhin waren sie es, die vor 20 Jahren mit ihren Vollbärten und Truckercaps einen modischen Stil pflegten, der sie hierzulande nicht als coole Hipster, sondern als US-Landeier aussehen ließ. Wie sich die Zeiten ändern.

Immerhin sind Grandaddy so gelassen, dass sie heute immer noch so aussehen, Beständigkeit statt Modetrend. Und so ist es auch verständlich, dass Mastermind Jason Lyte auf der neuen Platte nicht viel am Sound der Band veränderte. 

Etwas schräg klingende Soundteppiche aus dem Keyboard, dazu besonders melodiöse Gesangs-und Gitarrenparts waren immer das Markenzeichen von Grandaddy, irgendwo zwischen dem DIY-Sound von Pavement und dem Schönklang der Beach Boys. 


Die US-Romantik ist ebenfalls geblieben. Während des gesamten Konzerts laufen auf der riesigen Leinwand im Hintergrund monotone aber wunderschöne Landwirtschaftsvideos, die von selbsternannten Agrar-Bloggern gedreht, auch auf Youtube zu bewundern sind.

Romantische Fahrten mit dem Mähdrescher in den Sonnenuntergang, dazu passen Songs wie "The Crystal Lake" und "Way we won`t" natürlich hervorragend. Gerne hätte man aus der Sicht der Band natürlich einige Sätze zur aktuellen Situation in den USA gehört, doch Jason macht gleich zu Beginn klar: "We are Grandaddy, we play music, we don`t talk". 

Ansonsten ist das Konzert ein langer, wunderschöner Song mit fast 60 Minuten Länge. Alles fließt, brodelt und klingt wie einer der gut geölten Landmaschinen auf der Leinwand. 

Die Band spielt wie damals solide, fast brav und Jason gibt den Takt vor. Doch dann kommt der besondere Gänsehautmoment, der das Theater zum Schweigen bringt. Grandaddy spielen ihr "Paranoid Android", ihren besten Song überhaupt: "He`s simple, he`s dumb, he`s the pilot".


Während das ganze Album "The Sophtware Slump" damals Fragen zur Beziehung und Entwicklung von Mensch und Maschine (im Alltag, Beruf und der Zukunft) stellte, war diesem Song immer seine zutiefst emotionale und menschliche Seite anzuhören. 

Eine Art Seufzen und schweres Atmen durchzieht das Lied. Es stock, setzt dann immer wieder mit dem monotonen Refrain ein und hinterlässt den Zuhörer sprachlos. So auch hier.

Obwohl dies der untypischste Song des Abends ist, die Halle ist den Tränen nahe, auch wenn die endgültige Deutung unklar bleibt. Mit dem wesentlich optimistischeren und schnelleren "Now it`s on" beschließt die Band den Abend. 


Aus der müden und vom fehlenden, großen Erfolg desillusionierten Band vor fast 15 Jahren ist eine gereifte, neue Perspektive entstanden, die Grandaddy hoffentlich jetzt den Respekt entgegenbringt, die das Werk der Band schon immer verdient hat.


Mittwoch, 12. April 2017

Motel Mozaique Festival, Innenstadt Rotterdam, 08.04.2017

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Konzert: Motel Mozaique
Ort: Innenstadt Rotterdam
Datum: 08.04.2017

Der zweite Tag in Rotterdam beginnt mit strahlendem Sonnenschein und ist zunächst geprägt vom gleichzeitig in der Stadt stattfindenden Marathon. 

Über den Tag verteilt begegnet man immer wieder den beiden großen Fangruppen. Die einen tragen joggend ständig eine Wasserflasche mit sich herum, während die anderen den in den Niederlanden typischen Einweg-Bierbecher in 0,2l Größe in Händen halten. Zu sagen hatten sich beide Gruppen leider wenig.

Ab 12:00 Uhr mittags finden dann fünf kurze Sessions in einer der beiden Kirchen statt, organisiert von der 3voor12 Crew, die immer schon eine gute Nase für junge Talente hatte. 

Zu meinem Erstaunen ist sogar "Lisa Hannigan", am Abend eine der beiden Headliner im Stadttheater, dabei und beginnt mit einem kurzen Set aus vier Songs ihren akustischen Reigen. Die Sonne taucht durch die bemalten Kirchenfenster tief in den Raum ein und die Stimme von Lisa Hannagin wärmt uns zusätzlich.



Begleitet von zwei Sängerinnen ihrer derzeitigen Vorband aus Irland (Saint Sisters) ergeben sich sehr gefühlvolle, intime Versionen ihrer Songs, die mit einem a capella gesungenen, irischen Poem "Anahorish" enden. 

Als nächstes ist "Novo Amor" (John Meredith-Lacey) an der Reihe. Ein junger, in sich gekehrter Sänger aus Wales, dessen hohe Stimme und todtraurigen Songs sehr an Bon Iver erinnern. Er spielt mit seiner kompletten Band und seine Single "Anchor" ist eine Hit mit Ansage. Die mutige Coverversion von Guns N`Roses (Welcome to the Jungle) ist mit dieser Stimme und der gleichzeitig totalen Entschleunigung des Songs zwar originell aber gewöhnungsbedürftig. 



Wesentlich melodischer, und anscheinend schon mittags einigermaßen beraucht, betreten die jungen und unfassbar schlanken "The Lemon Twigs" die Bühne. Zwei junge Amerikaner im Second Hand Look der Extraklasse. Am Abend sollten sie ihre komplette Glamrockshow im Rotown zeigen. Hier spielen sie, beide mit riesigen akustischen Gitarren bewaffnet, drei Songs aus ihrem Debutalbum, das passenderweise den Titel "Do Hollywood" trägt.

Das tolle "As long as we`re together" überstrahlt zunächst alles, bevor sie am Ende mit leichten Textproblemen noch eine BeeGees Coverversion zum Besten geben. Sehr unterhaltsam, für Freunde von David Bowie und Foxygen sehr zu empfehlen.



Der letze an diesem Nachmittag ist der hoffnungsvolle Singer/Songwriter "Isaac Gracie", dessen Name schon länger die Runde macht. Heute wirkt er aber im Vergleich zu den Vorgängern etwas fahrig und hat nicht seinen besten Tag. Wer Glen Hansard und/oder Jeff Buckley, ist hier aber goldrichtig.

Am späteren Abend dann wieder ab zum großen Theatersaal wo zunächst "Lisa Hannigan" ihren Auftritt hat. Diesmal mit voller "Show" und mit ihrer Begleitband aus akustischem Bass, Schlagzeug und Keyboarder im Rücken, dazu Lisa an der Gitarre und einem antiken Harmonium mit Blasebalg.   

Der Auftritt ist gelungen, auch wenn manchmal das Überschlagen der hohen Töne etwas zu oft einsetzt und für etwas Eintönigkeit sorgt. Die Songs schwanken zwischen ruhig und ganz ruhig, was bei der bestuhlten Halle zu etwa Müdigkeit führt. Trotzdem sind es gerade die neuen Songs, die mir hier besonders gut gefallen, zum Beispiel "Fall" und "Prayer for the dying" der akutellen Platte "At Swim".  

Viel schwieriger wird es aber danach. "Anna Meredith" aus England führt mit ihrer Band eine Art von Musikschulen-Abschiedsabend auf. So jedenfalls wirkt es, wenn Anna am Bühnenrand den Takt vorgibt und auf zwei riesige Becken eindrischt, während sie ansonsten den Bandmitgliedern ein Solo nach dem anderen durchgehen lässt. Anna Meredith ist gleichermaßen in der Klassik wie auch im Pop verwurzelt und konnte in England schon viel Aufmerksamkeit erlangen. 



Diese unausgegorene Mischung aus Mike Oldfield der 1970er Jahre (in schlecht) und wildem Jam ist leider überhaupt nicht mein Ding. Also genug Zeit für das nächste Shoarmapita, um trotzdem noch pünktlich um 24:00 Uhr für das Finale von "The Slow Show" zurückkehren zu können.

Die Band hat sich ja gerade in Deutschland und Benelux zwischenzeitlich sehr viele Fans erspielt. Zurecht, sind ihre Auftritte doch in ihrer Emotionalität und Musikalität immer etwas Besonders. 

Auch heute wird das Publikum nicht enttäuscht. Zwar kommen, im Vergleich zu den unvergessenen Auftritten in Haldern, hier einige Streicher und Bläser vom Band, trotzdem schafft es Band aber erneut, Nuancen ihres Sounds weiter zu entwickeln und die früher zu sehr in Moll geprägten Songs live etwas zu entzerren und das Tempo zu erhöhen.

Highlights sind, wie so oft, "Ordinary Lives" und "Bloodline". Sänger Rob Goodwin tänzelt am Bühnenrand, geht immer wieder in die Knie und beobachtet seine Band und das Publikum. Dann wieder steht er mit nackten Füssen auf dem Teppich vor seinem Mikrofonständer, gebeugt und konzentriert. 



Diese Band aus Manchester kann live wohl in jeder Halle bestehen, obwohl ihre Songs so gar nicht in ein Hitkonzept passen wollen. Selten unter fünf Minuten und mit getragenen Waldhörnern arrangiert, ist es Musik aus einer anderen Welt. 

Montag, 10. April 2017

Motel Mozaique, Innenstadt Rotterdam, 07.-08.04.2017

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Konzert: Motel Mozaique
Ort: Rotterdam
Datum: Innenstadt
Dauer: 07.-08.04.2017
Zuschauer: div.

Freitag 07.04.2017: Ein Festival im April, verteilt auf die Clubs und Kirchen der Stadt, dazu die Headliner in der großen Schouwburg (Theatersaal). Plus Kunst, Tanz, Schlafprojekte ! und über 30 (von freiwilligen, geführte Touren per Rad durch die spannendsten Ecken von Rotterdam, dass klang nach einem lohnenswerten Ausflug.

Das "Motel Mozaique Festival" sieht sich daher auch nicht als reines Musikevent. Für meinen Bericht beschränke ich mich aber darauf, da die Masse der anderen Veranstaltungen zeitlich gar nicht zu bewältigen war.

Eine entspanntere Stimmung als diese beiden tollen Tage ist kaum vorstellbar. Eine kleine Bühne, auf einem der Marktplätze Rotterdams, dient als Treffpunkt und Ruhezone für alle quer durch die überschaubare Innenstadt eilenden Festivalbesucher.

Trotzdem erlebe ich zu keinem Zeitpunkt Wartezeiten, überfüllte Locations oder sonstigen Ärger, der einem den Spaß am eigenen, engen Zeitplan vermiesen kann. Uns so beginnt der Freitag direkt in einer wunderbaren, alten Kirche mit hoher Kanzel, vor der jetzt eine Bühne aufgebaut ist. 

"Rex Orange County" eröffnet den Reigen mit seinem lässigen Soulpop, der in den besseren Songs vielleicht ein wenig an Mike Skinner von "The Streets" erinnert. Viel bleibt da allerdings nicht hängen, zu groß ist die Vorfreude auf "Haley Bonar", die im nun schon 30 Jahre alten Rotown-Club (dem Pendant zum Amsterdamer Paradiso) spielen wird.



Haleys neue CD "Impossible Dream" gefällt mir außerordentlich gut, wer auf klassischen Indiepop mit Frauenstimme steht wird hier nicht enttäuscht. Leider blieb der größere Erfolg bisher aus. Unverständlich, denn die Songs haben Größe, die Performance der vierköpfigen Band ist gelungen und der volle Saal verlangt nach einer Zugabe.

Danach müssen die deutschen "Gurr" leider wegen einer doofen Überschneidung für mich ausfallen, schließlich will man ja den Hype um "Thundercat" nicht verpassen, zumal dieser im Theatersaal angesetzt wurde. 

Ich gebe zu, die CD nicht verstanden zu haben. Zu wirr werden mir da diverse Soulanleihen und Verweise auf alte Helden nach wenigen Minuten ausgeblendet. "Thundercat" betritt die Bühne, zusammen nur mit einem Keyboarder und einem, am rechten Bühnenrand sitzenden Schlagzeuger, und beginnt unvermittelt, mit seinem riesigen Bass, ein ca. 10-minütiges Freejazz-Gekniedel.



Nun respektiere ich den umfangreichen Weg des Künstlers. Immerhin ist es ein weiter Weg vom Bassisten der Suicidal Tendencies, über Kendrick Lamar zu seinem jetzigen Soloprojekt. Warum aber in den ersten Reihen extrem junge Menschen in Fan T-Shirts "Thundercat" huldigen, statt die Originale zu hören ist mir schleierhaft. 

Einige Stücke können mich live dann doch mitreißen, das Zusammenspiel ist wirklich perfekt. Sobald die Stücke aber die auf CD kurze Spielzeit verlassen ist der Zauber dahin. Vielleicht liegt es auch daran, eine komplette Stunde füllen zu müssen. Thundercat selber hat jedenfalls viel Freude an seinem Auftritt, auch wenn der Saal am Ende halbleer gespielt ist.

Danach noch der von mir langerwartete Auftritt von Grandaddy, über den ich in den nächsten Tagen einen ausführlichen Bericht nachreichen werde, es lohnt sich. 

Leider verpasste ich dadurch auch die neuen, gehypten "Shame" aus England, die ihre T-Shirts in der ganzen Stadt verkauften. Ein schlauer Schachzug. 

Zum Ausklang dann, mitten in der Nacht nochmal zurück ins Rotown. Hier gab es noch Standardware vom SubPop-Label zu bewundern. "LVLup" aus New York spielen härteren Indierock. Für diese Uhrzeit OK, aber kein echter Geheimtipp mit Chance auf größere Taten.



Müde und begeistert von den tollen Eindrücken des ersten Tages, und froh nicht auf ein eingezäuntes Festivalgelände beschränkt zu sein, schleppe ich mich mit einer köstlichen Shoarmatasche in der Hand zum Hostel.


 

Konzerttagebuch © 2010

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