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Mittwoch, 12. April 2017

Motel Mozaique Festival, Innenstadt Rotterdam, 08.04.2017

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Konzert: Motel Mozaique
Ort: Innenstadt Rotterdam
Datum: 08.04.2017

Der zweite Tag in Rotterdam beginnt mit strahlendem Sonnenschein und ist zunächst geprägt vom gleichzeitig in der Stadt stattfindenden Marathon. 

Über den Tag verteilt begegnet man immer wieder den beiden großen Fangruppen. Die einen tragen joggend ständig eine Wasserflasche mit sich herum, während die anderen den in den Niederlanden typischen Einweg-Bierbecher in 0,2l Größe in Händen halten. Zu sagen hatten sich beide Gruppen leider wenig.

Ab 12:00 Uhr mittags finden dann fünf kurze Sessions in einer der beiden Kirchen statt, organisiert von der 3voor12 Crew, die immer schon eine gute Nase für junge Talente hatte. 

Zu meinem Erstaunen ist sogar "Lisa Hannigan", am Abend eine der beiden Headliner im Stadttheater, dabei und beginnt mit einem kurzen Set aus vier Songs ihren akustischen Reigen. Die Sonne taucht durch die bemalten Kirchenfenster tief in den Raum ein und die Stimme von Lisa Hannagin wärmt uns zusätzlich.



Begleitet von zwei Sängerinnen ihrer derzeitigen Vorband aus Irland (Saint Sisters) ergeben sich sehr gefühlvolle, intime Versionen ihrer Songs, die mit einem a capella gesungenen, irischen Poem "Anahorish" enden. 

Als nächstes ist "Novo Amor" (John Meredith-Lacey) an der Reihe. Ein junger, in sich gekehrter Sänger aus Wales, dessen hohe Stimme und todtraurigen Songs sehr an Bon Iver erinnern. Er spielt mit seiner kompletten Band und seine Single "Anchor" ist eine Hit mit Ansage. Die mutige Coverversion von Guns N`Roses (Welcome to the Jungle) ist mit dieser Stimme und der gleichzeitig totalen Entschleunigung des Songs zwar originell aber gewöhnungsbedürftig. 



Wesentlich melodischer, und anscheinend schon mittags einigermaßen beraucht, betreten die jungen und unfassbar schlanken "The Lemon Twigs" die Bühne. Zwei junge Amerikaner im Second Hand Look der Extraklasse. Am Abend sollten sie ihre komplette Glamrockshow im Rotown zeigen. Hier spielen sie, beide mit riesigen akustischen Gitarren bewaffnet, drei Songs aus ihrem Debutalbum, das passenderweise den Titel "Do Hollywood" trägt.

Das tolle "As long as we`re together" überstrahlt zunächst alles, bevor sie am Ende mit leichten Textproblemen noch eine BeeGees Coverversion zum Besten geben. Sehr unterhaltsam, für Freunde von David Bowie und Foxygen sehr zu empfehlen.



Der letze an diesem Nachmittag ist der hoffnungsvolle Singer/Songwriter "Isaac Gracie", dessen Name schon länger die Runde macht. Heute wirkt er aber im Vergleich zu den Vorgängern etwas fahrig und hat nicht seinen besten Tag. Wer Glen Hansard und/oder Jeff Buckley, ist hier aber goldrichtig.

Am späteren Abend dann wieder ab zum großen Theatersaal wo zunächst "Lisa Hannigan" ihren Auftritt hat. Diesmal mit voller "Show" und mit ihrer Begleitband aus akustischem Bass, Schlagzeug und Keyboarder im Rücken, dazu Lisa an der Gitarre und einem antiken Harmonium mit Blasebalg.   

Der Auftritt ist gelungen, auch wenn manchmal das Überschlagen der hohen Töne etwas zu oft einsetzt und für etwas Eintönigkeit sorgt. Die Songs schwanken zwischen ruhig und ganz ruhig, was bei der bestuhlten Halle zu etwa Müdigkeit führt. Trotzdem sind es gerade die neuen Songs, die mir hier besonders gut gefallen, zum Beispiel "Fall" und "Prayer for the dying" der akutellen Platte "At Swim".  

Viel schwieriger wird es aber danach. "Anna Meredith" aus England führt mit ihrer Band eine Art von Musikschulen-Abschiedsabend auf. So jedenfalls wirkt es, wenn Anna am Bühnenrand den Takt vorgibt und auf zwei riesige Becken eindrischt, während sie ansonsten den Bandmitgliedern ein Solo nach dem anderen durchgehen lässt. Anna Meredith ist gleichermaßen in der Klassik wie auch im Pop verwurzelt und konnte in England schon viel Aufmerksamkeit erlangen. 



Diese unausgegorene Mischung aus Mike Oldfield der 1970er Jahre (in schlecht) und wildem Jam ist leider überhaupt nicht mein Ding. Also genug Zeit für das nächste Shoarmapita, um trotzdem noch pünktlich um 24:00 Uhr für das Finale von "The Slow Show" zurückkehren zu können.

Die Band hat sich ja gerade in Deutschland und Benelux zwischenzeitlich sehr viele Fans erspielt. Zurecht, sind ihre Auftritte doch in ihrer Emotionalität und Musikalität immer etwas Besonders. 

Auch heute wird das Publikum nicht enttäuscht. Zwar kommen, im Vergleich zu den unvergessenen Auftritten in Haldern, hier einige Streicher und Bläser vom Band, trotzdem schafft es Band aber erneut, Nuancen ihres Sounds weiter zu entwickeln und die früher zu sehr in Moll geprägten Songs live etwas zu entzerren und das Tempo zu erhöhen.

Highlights sind, wie so oft, "Ordinary Lives" und "Bloodline". Sänger Rob Goodwin tänzelt am Bühnenrand, geht immer wieder in die Knie und beobachtet seine Band und das Publikum. Dann wieder steht er mit nackten Füssen auf dem Teppich vor seinem Mikrofonständer, gebeugt und konzentriert. 



Diese Band aus Manchester kann live wohl in jeder Halle bestehen, obwohl ihre Songs so gar nicht in ein Hitkonzept passen wollen. Selten unter fünf Minuten und mit getragenen Waldhörnern arrangiert, ist es Musik aus einer anderen Welt. 

Montag, 10. April 2017

Motel Mozaique, Innenstadt Rotterdam, 07.-08.04.2017

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Konzert: Motel Mozaique
Ort: Rotterdam
Datum: Innenstadt
Dauer: 07.-08.04.2017
Zuschauer: div.

Freitag 07.04.2017: Ein Festival im April, verteilt auf die Clubs und Kirchen der Stadt, dazu die Headliner in der großen Schouwburg (Theatersaal). Plus Kunst, Tanz, Schlafprojekte ! und über 30 (von freiwilligen, geführte Touren per Rad durch die spannendsten Ecken von Rotterdam, dass klang nach einem lohnenswerten Ausflug.

Das "Motel Mozaique Festival" sieht sich daher auch nicht als reines Musikevent. Für meinen Bericht beschränke ich mich aber darauf, da die Masse der anderen Veranstaltungen zeitlich gar nicht zu bewältigen war.

Eine entspanntere Stimmung als diese beiden tollen Tage ist kaum vorstellbar. Eine kleine Bühne, auf einem der Marktplätze Rotterdams, dient als Treffpunkt und Ruhezone für alle quer durch die überschaubare Innenstadt eilenden Festivalbesucher.

Trotzdem erlebe ich zu keinem Zeitpunkt Wartezeiten, überfüllte Locations oder sonstigen Ärger, der einem den Spaß am eigenen, engen Zeitplan vermiesen kann. Uns so beginnt der Freitag direkt in einer wunderbaren, alten Kirche mit hoher Kanzel, vor der jetzt eine Bühne aufgebaut ist. 

"Rex Orange County" eröffnet den Reigen mit seinem lässigen Soulpop, der in den besseren Songs vielleicht ein wenig an Mike Skinner von "The Streets" erinnert. Viel bleibt da allerdings nicht hängen, zu groß ist die Vorfreude auf "Haley Bonar", die im nun schon 30 Jahre alten Rotown-Club (dem Pendant zum Amsterdamer Paradiso) spielen wird.



Haleys neue CD "Impossible Dream" gefällt mir außerordentlich gut, wer auf klassischen Indiepop mit Frauenstimme steht wird hier nicht enttäuscht. Leider blieb der größere Erfolg bisher aus. Unverständlich, denn die Songs haben Größe, die Performance der vierköpfigen Band ist gelungen und der volle Saal verlangt nach einer Zugabe.

Danach müssen die deutschen "Gurr" leider wegen einer doofen Überschneidung für mich ausfallen, schließlich will man ja den Hype um "Thundercat" nicht verpassen, zumal dieser im Theatersaal angesetzt wurde. 

Ich gebe zu, die CD nicht verstanden zu haben. Zu wirr werden mir da diverse Soulanleihen und Verweise auf alte Helden nach wenigen Minuten ausgeblendet. "Thundercat" betritt die Bühne, zusammen nur mit einem Keyboarder und einem, am rechten Bühnenrand sitzenden Schlagzeuger, und beginnt unvermittelt, mit seinem riesigen Bass, ein ca. 10-minütiges Freejazz-Gekniedel.



Nun respektiere ich den umfangreichen Weg des Künstlers. Immerhin ist es ein weiter Weg vom Bassisten der Suicidal Tendencies, über Kendrick Lamar zu seinem jetzigen Soloprojekt. Warum aber in den ersten Reihen extrem junge Menschen in Fan T-Shirts "Thundercat" huldigen, statt die Originale zu hören ist mir schleierhaft. 

Einige Stücke können mich live dann doch mitreißen, das Zusammenspiel ist wirklich perfekt. Sobald die Stücke aber die auf CD kurze Spielzeit verlassen ist der Zauber dahin. Vielleicht liegt es auch daran, eine komplette Stunde füllen zu müssen. Thundercat selber hat jedenfalls viel Freude an seinem Auftritt, auch wenn der Saal am Ende halbleer gespielt ist.

Danach noch der von mir langerwartete Auftritt von Grandaddy, über den ich in den nächsten Tagen einen ausführlichen Bericht nachreichen werde, es lohnt sich. 

Leider verpasste ich dadurch auch die neuen, gehypten "Shame" aus England, die ihre T-Shirts in der ganzen Stadt verkauften. Ein schlauer Schachzug. 

Zum Ausklang dann, mitten in der Nacht nochmal zurück ins Rotown. Hier gab es noch Standardware vom SubPop-Label zu bewundern. "LVLup" aus New York spielen härteren Indierock. Für diese Uhrzeit OK, aber kein echter Geheimtipp mit Chance auf größere Taten.



Müde und begeistert von den tollen Eindrücken des ersten Tages, und froh nicht auf ein eingezäuntes Festivalgelände beschränkt zu sein, schleppe ich mich mit einer köstlichen Shoarmatasche in der Hand zum Hostel.


 

Konzerttagebuch © 2010

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