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Sonntag, 2. April 2017

Slowdive, Den Haag, 31.03.17

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Konzert: Slowdive
Ort: Paard van Troje, Den Haag (Rewire Festival)
Datum: 31.03.2017
Dauer: genau 90 min
Zuschauer: etwa 1.000 (dabei kam mir der Saal kleiner vor)



Als Slowdive When the sun hits anstimmten, mußte ich kurz die Luft anhalten.* Zwei meiner Konzertnachbarn fingen ernsthaft an, rhythmisch zu klatschen! Bei Slowdive! Bei When the sun hits! Das ist, als frittiere man Trüffel. Und esse sie dann mit Ketchup und spüle sie mit Cola runter. Cherry Cola.

Slowdive spielen seit vergangener Woche (London) kleine, intime Clubkonzerte, in denen sie Lieder ihrer im Mai erscheinenden ersten Platte nach zwei Jahrzehnten vorstellen. Daß sie auch in Den Haag auftreten würden, hatte ich erst am Donnerstag gesehen. In der niederländischen Hauptstadt findet am Wochenende das Rewire statt, ein Festival für "adventurous music" (Selbstbeschreibung). Die Künstler des Wochenendes kannte ich mit Ausnahme meines Reisegrunds nicht. Aber da Slowdive mit anderthalb Stunden im Programmheft standen, musste ich mir die lange Fahrt nicht schönreden.**

Slowdive spielten im Paard van Troje, einem dieser typischen Musikclubs ("poppodium"), die es in jeder Stadt in Benelux zu geben scheint. Der große Saal des Paard van Troje sieht aus wie eine kleine Kopie des Ancienne Belgique in Brüssel. Angeblich hat er eine Kapazität von 1.000 Zuschauern, er wirkte aber deutlich kleiner. Was gäbe ich für solche Säle in Deutschland?!


Seit meiner exzessiven Slowdive-Saison 2014 mit sechs Konzerten hat sich optisch einiges geändert. Neil Halsteads Mann-aus-den-Bergen-Bart ist weg, dafür trägt er jetzt einen buschigen Schnauzbart. Die scheinen gerade en vogue zu sein, denn auch Schlagzeuger Simon Scott trägt so etwas, zu einer verwegenen Frisur. Christian Savills Einsatz bei der ganz offensichtlich verlorenen Wette (die Bassist Nick gewonnen haben muß, er hat nichts um Mund und Kinn) war nur ein Vollbart. Wie egal das alles ist, war aber nach ein paar Klängen von Avalyn deutlich. Spätestens wenn die Gitarren einsetzen, sollte man eigentlich für die nächsten anderthalb Stunden die Augen schließen und sich vom ästhetischst-vorstellbaren Krach berauschen lassen.



Nach Avalyn folgten Catch the breeze, Crazy for love und Machine gun. Und wie bei all meinen Slowdive-Konzerten bisher klang die Band fantastisch. 2014 hatte ich irgendwo aufgeschnappt, Slowdive arbeite mit dem gleichen Soundmann wie damals zusammen. Ich hatte die Band u.a. in London in einem Ziegelkeller, in Genf in einem Dorfgemeinschaftssaal und in einem Zelt auf einem Festival erlebt, der Klang war überall fabelhaft. In Den Haag seien sie mit sieben Stunden Verspätung angekommen (ein Problem mit dem Bus). Das hatte aber weder der Laune der Band noch dem Können des Soundingenieurs Probleme bereitet.


Nach Machine gun wurde es dann zum ersten Mal besonders spannend, weil eines der ersten neuen Lieder folgte. Star roving hatten Slowdive vor ein paar Wochen geteilt. Daß eine Platte immer eines der Ziele der Reunion 2014 war, hatte die Band von Beginn an betont. Die Gagen der beiden Shows im Village Underground in London und (vor allem) beim Primavera Sound Festival im Mai sollten die neue Musik finanzieren. Aber Anspruch und Wirklichkeit... auch Lush hatten eine neue Platte aufnehmen wollen, kamen aber nicht mehr über eine (gute) EP hinaus.

Star roving ist wundervoll! Auch live! Besonders gefiel mir das gehetzte Schlagzeug, das am Anfang fast etwas vor dem Rest herzurennen schien. Der Gesang, die Gitarren... das wird ganz sicher einer der A-Songs im Slowdive-Repertoire. Sollte das nicht das beste Lied auf Slowdive (das macht die Band wie My Bloody Valentine, denen auch nur der Bandname als Comeback-Album-Titel eingefallen war) sein, oh, da mag ich gar nicht mal von träumen.




Die Setlist war wie bisher Souvlaki-lastig, aber das ist prima! Der "Titeltrack" Souvlaki Space Station folgte auf Star roving, bevor einer der großen Sieger der Reunion kam - Blue skied an' clear. Das Lied stammt von Pygmalion, dem Album, nach dessen Veröffentlichung Slowdive bei Creation rausgeflogen waren und sich auflösten. Die Prollisierung der britischen Musik durch den Britpop hatte dazu geführt, das auch Slowdive eine Pop-Platte machen sollten, weil sich die Presse nur noch dafür interessierte. Daß ihre Zeit vorbei war, hatte die Band bei einem Konzert bemerkt, bei dem eine Frau während der Show den Boden gewischt hatte. Blue skied an' clear hatte seine Live-Premiere knapp 20 Jahre nach seiner Veröffentlichung.



When the sun hits ist ja bekanntlich das schönste Lied der Welt und von so einschüchternder Schönheit, daß auch die beiden Klatscher ihre Hände glücklicherweise nicht mehr koordiniert bekamen. Auf When the sun hits folgte mit Alison ein nächster Souvlaki-Knüller.

Sugar for the pill, das zweite neue Lied hatte die englische Band erst vor ein paar Tagen veröffentlicht. Ich hatte bis zur Fahrt nach Den Haag gebraucht, um es zum ersten (und einzigen Mal) zu hören. Sugar for the pill beginnt sehr ruhig und hätte vielleicht Alan McGees Vorstellung von einem Slowdive-Popsong entsprochen. Etwas eklig war, das dabei ein Pärchen hinter mir pinguinte. Unabhängig davon hat auch Sugar for the pill das Zeug, ein großer Liebling zu werden, es hörte nur ein wenig unvermittelt auf, das ist das (goldene) Haar in der Suppe des Konzerts. 




Zwei B-Seiten der frühen EPs, She calls (Morningrise) und das Syd Barrett Cover Golden hair (Holding our breath) - wobei das ja eigentlich keine echten B-Seiten waren, beendeten nach 75 min den Hauptteil des Konzerts. Golden hair ist der perfekte Abschluß, weil Rachel Goswell dabei nur den kurzen Text singt und danach von der Bühne geht, während ihre Kollegen sich austoben. Die Sängerin spielt bei den meisten der Lieder Gitarre oder Keyboard, Gitarren-Techniker Kev mußte zwischen manchen Stücken drei Instrumente auf die Bühne schleppen.


Die erste Zugabe Slowdive... eines der vielen Slowdive-Lieder, die man Leuten vorspielen kann, um ihnen zu erklären, warum Shoegaze die beste Musik der Welt ist. Slowdive als Zugabe war erwartbar. Ich hatte mir bewußt vorher keine Setlist angesehen, wurde daher überrascht, daß es noch ein drittes neues Lied gab (No longer making time). Tja... Mir fiel erst auf, daß Simon Scott am Anfang ausschließlich ein E-Schlagzeug bei No longer making time einsetzte, dazu kam in den ersten Takten nur ein Bass, bevor ganz sanfte Gitarren einsetzten - und dann Rachels und Neils Stimmen. Am Anfang dominieren das leicht stampfige Schlagzeug und der tolle Bass, dann hageln irgendwann die Gitarren rein. Als ich das nächste Mal zu Simon guckte (nach ein paar Minuten) hatte er sich wieder nach rechts gedreht und spielte sein großes Schlagzeug. Gut möglich, daß No longer making time auf den ersten Blick neben den beiden anderen neuen auf der Platte blaß aussieht. Aber nicht lange. Mich hat es in der zweiten Hälfte schon komplett umgehauen - ein fantastisches Lied!

Danach hätte es 40 days eigentlich nicht mehr gebraucht, aber ich beschwere mich nicht! 40 days ist natürlich auch ein Liebling.

Nach anderthalb Stunden war das Kunstwerk beendet. Auch wenn ich versuche, eine Band pro Jahr maximal zweimal zu sehen, um keine Langeweile aufkommen zu lassen, wird mir das hoffentlich bei Slowdive 2017 auch wieder nicht gelingen - je öfter desto besser! Wir sind noch nicht fertig. Beim besten deutschen Festival, dem Maifeld-Derby headlinen Slowdive den Abschluß-Sonntag (danke, Timo!). Da sehen wir uns, oder?

Setlist Slowdive, Paard van Troje, Den Haag:

01: Avalyn
02: Catch the breeze
03: Crazy for you
04: Machine gun
05: Star roving (neu)
06: Souvlaki Space Station
07: Blue skied an' clear 
08: When the sun hits
09: Alison
10: Sugar for the pill (neu)
11: She calls
12: Golden hair (Syd Barrett Cover)

13: Slowdive (Z)
14: No langer making time (neu) (Z)
15: 40 days (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
-
Slowdive, London, 20.12.14 
- Slowdive, London, 19.12.14
- Slowdive, Genf, 09.09.14
- Slowdive, Saint-Malo, 15.08.14
- Slowdive, Hilvarenbeek, 21.06.14
- Slowdive, Barcelona, 30.05.14
- Slowdive, London, 19.05.14



* strenggenommen musste ich die meiste Zeit die Luft anhalten. Mein Nachbar war deoskeptisch. 
** hätte ich das gemußt, hätte ich auf den supergünstigen Preis für die Tageskarte (27 €) verwiesen.


Dienstag, 19. November 2013

Savages, Den Haag, 16.11.13

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Konzert: Savages
Ort: Crossing Border Festival, Den Haag
Datum: 16.11.2013
Dauer: 55 min
Zuschauer: 350 ca.



Savages sind still und heimlich zu einer meiner Live-Lieblingsbands des Jahres geworden. Als ich die Londoner Musikerinnen im Mai in Frankfurt zum ersten Mal gesehen habe, hatte ich vorher keine großen Erwartungen. Das Debüt-Album war mir eine Spur zu rockig, live würde das nicht weltbewegend umgesetzt werden. Damit lag ich vollkommen daneben. Das Konzert war musikalisch hervorragend und dank des eindrucksvollen Auftritts der Frontfrau Jehnny Beth eines, das lange in Erinnerung bleibt. Ende August hatten Savages beim End Of The Road Festival meinen Eindruck bestätigt und mich erneut begeistert.

Als die große Bestätigungsrunde des Crossing Border Festivals in Den Haag veröffentlicht wurde, waren Savages der endgültige Grund, hinzufahren. Warpaint und Savages nacheinander, dafür verbringe ich ein Wochenende gerne auswärts.

Das Crossing Border Festival ist eines von zahlreichen Kultur-Festivals in den Niederlanden, die zeitgleich in verschiedenen Städten stattfinden und einen Musik- oder wie dieses einen Musik- und Literatur-Schwerpunkt haben. Das diesjährige Crossing Border fand in Enschede, Antwerpen und Den Haag statt. Wegen des besten Line-Ups hatten wir uns für den niederländischen Riegierungssitz entschieden. Die musikalischen Programmpunkte fanden in zwei benachbarten Gebäuden statt, in der Koninklijke Shouwburg (im königlichen Theater) und dem Nationale Toneel (Theater) Gebäude. Da meine drei Bands alle im gleichen Saal im Toneel Gebouw stattfanden, wirkte mein Samstag noch weniger wie ein Festival, als diese Veranstaltungen ohnehin vermitteln (was gut ist).


Savages spielten nach The Leisure Society (Bericht folgt) und vor Warpaint um 21 Uhr. Der Hauptraum des Theater-Gebäudes ist ein reiner Konzertsaal mit guter Akustik und hoher Bühne. Als geübter Savages-Gucker bedauerte ich ein wenig, daß die Boxen von der Decke hingen und es keine hohen Lautsprechertürme rechts und links der Bühne gab und Kletterpartien der Sängerin ausbleiben würden. Aber das ist ein Luxusproblem, wenn ein Konzert schon ansonsten sehr viel bietet!


Savages sind ein Quartett um die sehr auffällige französische Sängerin Jehnny.  Auffällig ist schon Jehnnys Erscheinungsbild. Die Musikerin wirkt bis auf ihre sehr femininen Schuhe androgyn. Dies ist sicher genau wie ihr Tanzstil Teil eines Konzepts und soll vermutlich bewußt Assoziationen zu Joy Division hervorrufen, ich mag ihr das aber nicht verübeln, weil die Musik eben doch so viel Eigenes hat und Savages-Shows so knackig kurzweilig sind, daß mir etwas entginge, wenn ich die Band aus grundsätzlichen Erwägungen boykottierte. Also ist es mir vollkommen egal, ob Siouxsie & the Banshees (große alte Lieblinge) vielleicht damals ähnliche Shows hingelegt haben, heute gibt es Savages, und deren Konzerte sind brillant.


Natürlich liegt diese Brillanz auf den ersten Blick an der charismatischen (und sicher ein wenig durchgeknallten) Frontfrau. Die Band allerdings auf die Frau mit den kurzen Haaren zu reduzieren, wäre dämlich, ihre drei Begleiterinnen Fay Milton (Schlagzeug), Ayse Hassan (Bass) und Gemma Thompson (Gitarre) sind -  soweit ich das beurteilen kann - musikalisch ganz hervorragend und lohnen jeden Blick weg von der Mitte. Aber Jehnnys schrille, oft vibrierende Stimme zieht natürlich die Aufmerksamkeit an, keine Frage. Und wäre es nicht die, wäre es das Hin- und Herlaufen, die rudernden Arme, die strengen Blicke der Sängerin. Als bei einen sehr ruhigen Liedanfang (bei I need something new, einem mir unbekannten Stück) die vielen Spiegelreflexkameras lauter als die Musik waren und Jehnny darauf hinwies, hätte ich als Fotograf keinen Mut mehr gehabt, noch einmal zu klicken. Die Französin wirkt einschüchternd.

Außer dem neuen Stück spielten Savages nur bekannte Titel. Bis auf das Manifest Fuckers am Ende stammten alle vom Debüt Silence yourself, mit dem es die Band auf die Shortlist des Mercury Preises geschafft hatte. Lieder wie She will ("for the ladies"), Shut up, City's full oder Husbands sind enorme Kracher. Aber auch der Rest steht denen nicht viel nach. Der Abschluß mit Fuckers ("don't let the fuckers get you down", immer und immer wieder) ist ein lauter, irrer Schlußpunkt, ein perfektes Stück, um solche in Konzert zu beenden.

Daß Jehnny diesmal keine Boxentürme zum Hochklettern hatte, verzeiht der Nörgler in mir der Französin. Ihr Stunt beim End Of The Road Festival, von einer dieser Boxen runterzuhüpfen und auf ihren hohen Absätzen zu landen, fehlte mir zwar, vielleicht erlebe ich den aber in Köln oder Frankfurt (Termine: s. unten) wieder. Savages sind still und heimlich... aber das habe ich ja schon gesagt!

Setlist Savages, Crossing Border Festival, Den Haag:

01: I am here
02: Shut up
03: I need something new
04: Strife
05: Waiting for a sign
06: City's full
07: She will
08: No face
09: Hit me
10: Husbands
11: Fuckers

Links:

- aus unserem Archiv:
- Savages, End Of The Road Festival, 30.08.13
- Savages, Frankfurt, 19.05.13
- Savages, Paris, 23.02.13 

Livedaten Savages:

- 20.11.13 Gebäude 9, Köln
- 21.11.13 Zoom, Frankfurt
- 22.11.13 Kesselhaus, Berlin 
- der Rest der Tour wurde abgesagt




Sonntag, 17. November 2013

Warpaint, Den Haag, 16.11.13

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Konzert: Warpaint
Ort: Crossing Border Festival, Den Haag
Datum: 16.11.2013
Dauer: gut 50 min
Zuschauer: 350 etwa 



Puh, nicht das Konzert, das ich mir erhofft hatte. Warpaint sind seit einem zum Großteil verpassten Support-Konzert in Brüssel im Mai 2010 eine meiner liebsten Livebands. Auf Platte sind die Amerikanerinnen hervorragend, live aber noch einmal deutlich besser. Ihre Konzerte mit immer neuen Variationen der Songs tauchen immer in meinen Jahresbestenlisten auf. Dieses leider nicht. Beim zweiten Hören ist meine Euphorie um die neuen Stücke von der im Januar erscheinenden zweiten Platte Warpaint deutlich kleiner als nach der Premiere beim End Of The Road Festival Ende August. Auch wenn beispielsweise Love is to die mehr und mehr gewinnt, fallen die neuen Lieder gegenüber den alten merklich ab. Den meisten der neuen Titel fehlen die Gitarren. Stehen die vier neuen Lieder beispielhaft für die Platte, wird die eine viel elektronischere. Das nimmt der Band ihre stärkste Waffe, die wundervollen, verspielten Gitarrenmelodien.

Daß das Konzert trotz meines Jammerns trotzdem noch besser als die meisten anderen war, die ich jahrein, jahraus sehe, lag an Perlen wie Composure (in neuer Form) oder den beiden deutlich längeren Undertow und Elephants (sehr lang!). Aber es war das schlechteste meiner Warpaint-Konzerte. Die Band wirkte müde und spielte deutlich kürzer als geplant. 

Mehr zu den neuen (und alten Stücken) in Kürze hier!

Setlist Warpaint, Crossing Border Festival, Den Haag:

01: Keep it healthy (neu)
02: Bees
03: Hi (neu)
04: Composure
05: Love is to die (neu)
06: Undertow
07: No way out (neu)
08: Elephants

Links:

- aus unserem Archiv:
- Warpaint, End Of The Road Festival, 31.08.13
- Warpaint, Rüsselheim, 20.07.12
- Warpaint, Rüsselsheim, 20.07.12
- Warpaint, Prag, 10.07.12
- Warpaint, Lüttich, 05.07.12
- Warpaint, Haldern, 13.08.11
- Warpaint, Köln, 28.06.11
- Warpaint, Amsterdam, 19.06.11
- Warpaint, Barcelona, 28.05.11
- Warpaint, Frankfurt, 11.11.10
- Warpaint, Paris, 06.11.10
- Warpaint, Brüssel, 16.05.10
- unser Interview mit Warpaint (Stella) 



Samstag, 21. November 2009

Grizzly Bear, Den Haag, 20.11.09

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Konzert: Grizzly Bear
Ort: Koninklijke Schouwburg Den Haag (Crossing Border Festival)
Datum: 20.11.2009
Zuschauer: ausverkauft; Saal proppenvoll
Dauer: 75 min


Gestern hatte ich sie in Köln verpasst, heute eigentlich gar nicht eingeplant (weil ich sie ja gestern hätte sehen wollen) und daher wieder vergessen, daß ich Grizzly Bear ja heute in Den Haag sehen könnte. Das fiel mir erst wieder ein, als ich das Programmheft in die Hände bekam. Mein Problem, mich nicht zwischen Laura Marling und den parallel auftretenden Tegan and Sara entscheiden zu können, war damit gelöst. Grizzly Bear im prunkvollen Saal der Königlichen Showburg (frei übersetzt) sollten den Abend perfekt beenden - und das taten sie auch. Das hätte ich nicht verpassen wollen!

Auch wenn das drittscheußlichste Musikinstrument der Welt, das Saxophon, vorkam (ich muß nicht erklären, was die beiden ekelhaftesten sind, oder?), waren die eineinviertel Stunden am späten Abend ganz vorzüglich! Ein königliches Dessert zu meinem heutigen Dreigängemenü (was für eine saxonphonartige Metapher). Mehr schlechte Vergleiche nach dem Aufwachen!

Setlist Grizzly Bear, Koninklijke Schouwburg, Crossing Border Festival, Den Haag:

01: Southern point
02: Cheerleader
03: Little brother
04: Knife
05: Deep blue sea
06: Two weeks
07: Colorado
08: Shift
09: Ready, able
10: I live with you
11: Foreground
12: While you wait for the others
13: On a neck, on a spit
14: All we ask

Alles andere dazu morgen! Zu müde...



God Help The Girl, Den Haag, 20.11.09

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Konzert: God Help The Girl

Ort: Nationale Toneel Gebouw Den Haag (Crossing Border Festival)
Datum: 20.11.2009
Zuschauer: ausverkauft; Saal nicht ganz voll
Dauer: 45 min


Mein Grund, zum Crossing Border Festival zu fahren, war der Auftitt von God Help The Girl, dem Soundtrack-Projekt des Belle & Sebastian Kopfs Stuart Murdoch. Gelegenheiten dafür sind enorm selten, bisher hatte die Band, die keine ist, erst einmal live gespielt. In der Landsdowne Church in Glasgow hatte dieser Auftritt stattgefunden, über den Channel 4 eine Dokumentaion mit dem Titel "God Help The Girl: We play a show" gezeigt hat. Nach Den Haag folgen zwei Konzerte in London und Edinburgh, mehr ist zumindest öffentlich nicht geplant, ich mußte also einfach nach Den Haag...

God Help The Girl ist ein Soundtrack zu einem Film, den es noch nicht gibt. Erst das Huhn, dann das Ei.
Wobei Soundtrack eigentlich auch nicht richtig ist, denn neben der selbstbetitelten Platte existieren mehrere Singles und eine frisch erschienene EP.

Der Auftritt sollte nicht in der
Koninklijke Schouwburg sondern im Nationaltheater stattfinden. Das stellte allerdings kein größeres Problem dar, die beiden Gebäude werden nur durch eine Straßenecke voneinander getrennt. Der Saal (Buchanan) war nicht bestuhlt, wirkte wie ein schöner aber nicht ungewöhnlicher Konzertraum. Als ich reinkam, begannen gerade die Aufbauarbeiten, es wurde für viele Musiker gerichtet!

Bevor dann aber die Musik begann, fand ein anderer Aspekt des Festivals Beachtung. Crossing Border ist nicht nur Musik- sondern auch Film- und Literatur-Fest. Vor God Help The Girl erschien "just another Glasgow voice", der Schriftsteller und Booker-Preisträger James Kelman und las drei seiner Kurzgeschichten (an "Half an hour before he died" und "The thread" erinnere ich mich). Das war richtig toll und passte perfekt! Der schottische Akzent Kelmans tat den Rest!

Dann traten viele Musiker auf den Plan... Neben Stuart Murdochs waren drei Mikros
für die Sängerinnen Catherine Ireton, Alex Klobouk und Celia Garcia aufgebaut. Ans Schlagzeug setzte sich Francis MacDonald (Teenage Fanclub), hinten links standen Stühle für Bobby Kildea und Stevie Jackson von Belle & Sebastian, auf der anderen Seite bauten sich Bassist Dave McGovan (aus dem TFC Umfeld, den ich, wenn ich mich richtig erinnere, schon als Bassist bei Isobel Campbell & Mark Lanegan gesehen hatte) und der Keyboarder Brian McNeill auf.

Wie die Platte begann das Konzert mit der Neuinterpretation des Belle & Sebastian Songs Act of the apostle*. Die drei Sängerinnen, alle in Kleidchen, wirkten erst noch ein wenig zurückhaltend, kamen
aber schnell immer besser ins Konzert und tanzten und schnippten im Takt zu ihren Songs - herzallerliebst! Die in der Mitte stehende Catherine hatte den größten Sing-Anteil, wurde aber fast immer von den beiden anderen begleitet. Es folgte der Titelsong der Platte, auch in der Liveumsetzung ganz hervorragend! Spätestens da hatte sich auch die Zurückhaltung der Damen gelegt - und die des Publikums. Der Applaus steigerte sich von Lied zu Lied. Es waren schon viele im Saal, die wegen der folgenden Tegan and Sara gekommen waren. Aber die fanden offenbar auch großen Gefallen an der schottischen 60s Band.

Stuart Murdoch hielt sich während des ganzen Konzerts extrem zurück. Man wäre nicht unbedingt auf die Idee gekommen, daß er der Kopf hinter all dem sein würde. Auch ihm merkte man an, daß es neu war, in dieser Besetzung aufzutreten. Die Musiker wechselten ab und zu ihre Plätze. Stuart saß dann auch auf Bobbys Platz, konnte von
da aber nicht den Beginn eines Lieds für alle sichtbar dirigieren, also musste er erst aufstehen. Eine andere schöne Szene dieser Art ereignete sich, als Bobby eine Gitarre griff, Stevie ihm aber zuzischte "the acoustic!"

Daß von der fehlenden Erfahrung musikalisch nichts, aber auch nicht ein Fitzelchen zu merken war, liegt sicher an dem vielen Talent, das da auf der Bühne stand und saß. Man verständigte sich leise, gab hier und da Anweisungen, und dann saß jeder Einsatz und jeder Ton.

Nach zwei Lieder der Stills EP (die es, wie es sich gehört, als 10" Vinyl gibt), kamen
die beiden schönsten Lieder des Abends, Come monday night und Musician, please take heed, die beide auch auf jeder Belle & Sebastian Platte sein könnten.

God Help The Girl erzählt die Geschichte von Eve, die sich von einem psychischen Tief erholt. Dabei lernt sie die heilende Kraft der Musik - und James und Cassie kennen. Eve bzw. Catherine, die deren Parts singt, sagte irgendwann The
psychiatrist is in als nächstes Stück an. Aus einer Rückfrage Stuarts entwickelte sich ein Dialog, der den gleichen Charme versprühte wie die Musik und die beteiligten Künstler: "Was würdest du sagen, wovon das handelt? " - "Wahrscheinlich handelt es davon, daß Eve versucht, James zu helfen..." - "Aber wer sind Eve und James, das wissen die Leute hier gar nicht?" - "Eve ist dieses Mädchen, das ein wenig verloren ist. Sie versucht, ihr Leben wieder auf die Reihe zu bekommen - und das anderer. James ist ihr Mitbewohner, richtig?" - "Jaja, mich interessierte deine Interpretation. James versucht eine bessere psychologische Behandlung zu finden." - "Für kleines Geld!" - "Oh ja!" - "30 Pfund" - "45 €. Aber das ist gar nicht so billig." Wundervoll!

Danach folgte ein neues, mir bisher unbekanntes Lied.
Saturday night, the loneliest night of the week, das von Celia Ann Garcia gesungen wurde. Bis dahin hatte Stuart Murdoch noch nicht singen dürfen. "Can I sing one? Just one?" an seine Bandkollegen und uns gerichtet. "Ich werde es aber nicht so gut hinbekommen wie der Kerl auf der Platte." Das Lied war Perfection as a hipster, der Plattenkerl Divine Comedys Neil Hannon, dessen Anwesenheit das einzige gewesen wäre, was dem Auftritt noch ein Krönchen aufgesetzt hätte. Auch so waren das letzte Lied - und das Konzert - unglaublich schön und einmalig! Das war so viel mehr als nur Belle & Sebastian Methadon, um die Zeit bis zur nächsten Platte und Tour zu überbrücken! Friday night, the best night of the week!

Setlist God Help The Girl, Nationale Toneel Gebouw, Crossing Border Festival, Den Haag:

01: Act of the apostle
02: God help the girl
03: I'm in love with the city
04: Baby's just waiting
05: Come monday night
06: Musician, please take heed
07: Stills
08: I'll have to dance with Cassie
09: The psychiatrist is in
10: Saturday night, the loneliest night of the week (neu)
11: Perfection as a hipster

* das ist so nicht ganz richtig, weil beide Versionen des Songs - wie auch Funny little frog - gleichzeitig entstanden

Links:

- mehr Fotos von God Help The Girl in Den Haag





Yo La Tengo, Den Haag, 20.11.09

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Konzert: Yo La Tengo
Ort: Koninklijke Schouwburg Den Haag (Crossing Border Festival)
Datum: 20.11.2009
Zuschauer: ausverkauft; Saal voll
Dauer: 75 min


Ein sehr schöner Auftakt meines Besuchs beim Crossing Border Festival. Detaillierte Schwärmereien in Kürze.

Setlist Yo La Tengo, Crossing Border Festival, Den Haag:

01: Here to fall
02: More stars than there are in heaven
03: Stockholm Syndrome
04: Tears are in your eyes
05: If it's true
06: Mr. Tough
07: Tom Courtenay
08: When it's dark
09: Sugarcube
10: Periodically double or triple
11: Nothing to hide
12: The story of Yo La Tengo
13: Our way to fall



 

Konzerttagebuch © 2010

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