Montag, 5. März 2007

Lily Allen, Paris, 04.03.07

Konzertbericht Lily Allen
Datum: 04.03.2007
Ort: Le Bataclan, Paris
Zuschauer: weitestgehend ausverkauft

Heute abend habe ich mich einmal auf musikalisches Neuland begeben, denn mit der kleinen Londonerin Lily Allen stand ausnahmsweise mal nicht Indie-Rock oder Folk auf dem Programm, sondern eher Hip Hop, Pop, oder Ska. Grund für diesen Ausflug in fremde Gefilde war in erster Linie Neugierde, ich wollte unbedingt mal herausfinden, was hinter dem Phänomen Lily Allen steckt. Haben wir es hier wirklich mit der neuen Pop-Prinzessin zu tun, die Madonna ins Altersheim schickt, oder ist alles ein perfekt inszenierter Marketing-Gag? Lily Allen, die Ikone der Generation MySpace mit ihren über 2 Millionen Seitenaufrufen und unzähligen virtuellen Freunden, ist sie wirklich so gut wie es das riesige Interesse vermuten lassen könnte?

Eins ist schon mal sicher: vom Geschäftemachen versteht sie was, wenn man sich den Merchandising Stand anguckte, entdeckte man nämlich so unverzichtbare Fan-Artikel wie z.B. die schwarzen Schweißbänder mit ihrem Schriftzug zum stolzen Preis von 10 (!) Euro. Auch die Einkaufstasche aus Jute schlug mit 15 Euro zu Buche (ein ähnliches Model der Long Blondes war auf deren Konzert für fünf Euro zu haben), während die T-Shirts mit 25 Euro fast für einen Spotpreis zu haben waren.

Bis Lily kam, waren aber erst mal Geduld und gute Nerven gefragt, denn die scheußliche Vorgruppe Onily (oder so ähnlich) mußte ertragen werden. Einziger Lichtblick bei diesem musikalischem Desaster war der Anblick der Sängerin, die einem wenigstens ein corsagenartiges Oberteil und ein schwarzes, kurzes Röckchen bot, so daß man zumindest etwas fürs Auge hatte, wenn schon die Ohren gequält wurden.

Das Warten auf Fräulein Allen entpuppte sich dann als ziemlich langwierig und schweißtreibend, denn im Bataclan herrschten tropische Temperaturen, das Aneinanderreiben von Teenager Körpern erzeugt nun mal eine große Wärme...

Von rhythmischen Lily Rufen angefeuert, kam dann endlich die junge Turnschuhträgerin begleitet von einer mehrköpfigen männlichen Combo auf die Bühne. Der Publikumsliebling trug heute ein schwarzes Kleid, welches nicht unbedingt zu den weißen Sneakers passte (oder eher umgekehrt)... Aber das ist eben ihr Stil.

Erstaunt war ich, daß so viele Musiker benötigt werden, um den ziemlich simpel klingenden Sound zu kreieren, denn auf der Bühne waren bestimmt mindestens sieben Musiker versammelt, darunter Saxophonisten, Trompeter und andere Blechbläser. Im Mittelpunkt stand aber natürlich nur Eine: Li-Ly. Die Zunge schlägt zweimal gegen den Gaumen und zurück, wenn man versucht den kurzen, einprägsamen Namen auszusprechen.

War aber auch das Konzert zum Zungeschnalzen, werdet ihr Euch jetzt fragen?

Nun, ich habe natürlich schon musikalisch bessere Konzerte gesehen, aber es ist unbestreitbar, daß die Newcomerin einen kindlich-frechen Charme hat und einige Lieder deutliche Hit-Qualitäten haben. Von ihrer rotzgörenhaften Seite zeigte sie sich zum Beispiel als sie den Titel "Not big" ankündigte: "it's about having having sex with boys with small dicks; it's not a pleasure, I can tell you!"

Aha, so tickt die also, das kleine Miststück! Wahrscheinlich ist sie aber noch Jungfrau und die flotten Sprüche nur Teil der Show, würde mich jedenfalls nicht wundern...

Die Lieder des Debütalbums wurden routiniert abgespult, darunter die Singleauskoppelung "LDN", "Everything is just wonderful" und "Shame for you". Mich persönlich ließ aber eine Cover-Version das erste Mal richtig aufhorchen. Zu meiner Überraschung brachte Lily nämlich "Heart of Glass" von der Punk-Ikone Blondie. Auch in dieser Version übrigens ein Genuß. Cover-Versionen scheint die Britin ohnehin zu mögen, denn sie hat auch bereits den nicht sehr alten Hit "Naive" von den Kooks neu interpretiert. Eine tolles Cover sollte allerdings noch als Zugabe folgen...

Erst gab es einmal ein neues Lied, von dem sie sagte, daß die Leute ihr hinterher ehrlich sagen sollten, ob es "shit" sei. Nun shit war es eigentlich nicht, aber war es ein Hit? À propos Hits, die kamen am Ende, allen voran ihre Erfolgssingle "Smile", die das Bataclan mächtig ins Wanken brachte, aber auch "Knock em out" kam gut an.

Nach gut einer Stunde hatte Miss Allen offiziell ausgetanzt und verließ mit ihrer Band unter langanhaltendem Applaus und "Lily-Lily"-Rufen die Bühne.

Das Beste hatte sie sich aber zum Glück für den Schluß aufgehoben, denn als sie zurückkam, traute ich zunächst meinen Ohren kaum. Was war das für ein Lied, das kenn' ich doch irgendwo her? Auch Cécile wartete auf den Geistesblitz. Aber Moment, das war doch..., ja ganz klar, "Oh my god" im Original von den Kaiser Chiefs! Well done, Lily! Großes Ohrenkino! Diese Version muß ich auch unbedingt haben! Sie hatte nun meine Symphatie gewonnen und auch die zweite und letzte Zugabe, das an ein Volkslied erinnernde "Alfie" war klasse.

Also, Lily Allen hat schon was, auch wenn das heute nicht unbedingt meinem bevorzugtem Musikstil entsprach!

Auszüge aus der Setlist Lily Allen:

- Shame for you
- Everything ist just wondeful
- LDN
- Not big
- Heart of glass
- Knock em out
- Friday night
- Smile

- Oh my god (Z)
- Alfie (Z)

von Oliver



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