Sonntag, 18. März 2007

Los Chicros, Paris, 17.03.07

Konzert: Los Chicros
Datum: 17.03.2007
Ort: La Maroquinierie, Paris
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft

Samstage sind eigentlich ungewöhnliche Tage für Indie-Konzerte und so sagte dann auch einer der beiden Sänger von Los Chicros: "Vielen Dank, daß ihr gekommen seit, ihr hättet ja auch was anderes machen können." Ja gut, hätte man schon, aber dann hätte man wirklich ein gutes Konzert einer interessanten Band verpasst.

Bei Los Chicros (wie es zu dem Namen kam, erklären sie sehr schön auf ihrer MySpace-Seite!) handelt es sich um ein rein männliches Pariser Quintett, angeführt von Philippe Monthaye und Mathieu Warsky. Einer der beiden ist bärtig und sehr schlank, fast hager, der andere ist ebenfalls bärtig und eher etwas füllig. Eine ziemlich kauzige Band also, aber sehr eigenständig und abwechslungsreich in ihrem Stil und seit langem mehr als ein Geheimtipp in der Pariser Indie-Szene. Ihre Einflüsse reichen von den Beatles, Neil Young und Robert Wyatt bis hin zu den amerikanischen Indierock-Ikonen Pavement. In der Musikpresse fallen zudem häufig die Namen Grandaddy, Apples in Stereo und Beach Boys. Grandaddy scheinen mir am ehesten geeignet, den Sound der Franzosen zu beschreiben, denn hier gibt es sowohl melancholische und ruhige Passagen, als auch bisweilen knackige Gitarren und eine Prise Psychedelic.

Als ich gegen 21 Uhr 20 zusammen mit meiner Berliner Freundin Henrike den Keller in der szenigen Maroquinerie betrat, hatten die Frenchies leider schon mit ihrem Programm begonnen. Circa fünf Lieder hatten wir mit Sicherheit verpasst, ebenso die originelle Vorgruppe The Konki Duet, die entgegen ihrem Namen aus drei jungen Frauen besteht. Schade, schade!!

Was wir in der Folge zu sehen bekamen, entschädigte dann aber für die verpassten Momente, denn Los Chicros boten ein unterhaltsames Konzert, bei dem natürlich Songs von dem aktuellen Album "Sour Sick Soul" dominierten, aber auch Stücke von ihrem Erstlingswerk "Too cool for school" nicht zu kurz kamen. Darunter die amüsante Nummer "Naked Girls" mit solch witzigen Textzeilen wie "So I spend all my life on the www I go from site to site looking for naked pictures of you and i see naked girls wearing your face..." So wird auf treffende Weise das Phänomen Fotomontagen beschrieben und mal ehrlich: wer hat nicht auch schon solche Bilder gesehen, auf denen man z.B. Anna Kurnikowa nackt sehen kann, obwohl die Russin sich noch nie unbekleidet fotografieren ließ? Sehr gut waren auch die Titel "Clouds", "Open bar" und vor allem "Mountains", bei dem sie wunderbar Tempo und Lautstärke varierten, fast wie die Schotten von Arab Strap oder Mogwai.

"Mountains" war dann auch der letzte Song des offiziellen Sets, bevor sie noch einmal zurückkamen und das fabelhafte "Anna" brachten. Dieser Kracher, der am Ende in wilden Gitarrenriffs endet, brachte sogar Gitarrist Olivier Marguerit dazu, mit den Knien auf dem harten Parkett zu landen. Ein standesgemäßer Abschluß für ein Rockkonzert also.

Aufgrund des langanhaltenden Applauses kamen die fünf Musiker dann sogar noch einmal für eine letzte, ungeplante Zugabe zurück. Insgesamt hatte es sich also gelohnt, nichts anderes unternommen zu haben, an diesem Samstag.

Witziger Abschluß des Tages war dann die völlig zufällige Begegnung mit dem ergrauten Schnulzenstar Adamo, vor dem Bataclan, wo später eine Techno-Party der Zeitschrift Trax mit den Belgiern von Goose stattfinden sollte. Selten habe ich so viele alte Damen in solcher Ekstase gesehen! Adamo, der alte Charmeur, ließ es sich dann auch nicht nehmen, seine mehr oder weniger rüstigen Fans alle einzeln abzuküssen!

Setlist Los Chicros:

01: Intro/Diskonoise
02: Like the sun
03: What i've done
04: Los Guedros
05: My Life
06: New Orleans
07: Back in the wild
08: Foreplay/Walking
09: King Creole
10: Our love your lies
11: Naked Girls
12: Clouds
13: Open Bar
14: Mountain

15: Anna (Z)
16: ? (Z)

von Oliver



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