Konzert: Fleet Foxes (Villagers) Ort: Salle Pleyel, Paris Datum: 04.07.2011 Zuschauer: ausverkauft, etwa 2000 Konzertdauer: Villagers etwa eine Stunde, Fleet Foxes 2 Stunden
"C'est trop fort". Wenn Franzosen das sagen, kann das zwei verschiedene Dinge bedeuten. Zum einen, daß eine Sache einfach unglaublich toll, ist, sprich zu stark (trop fort), um wahr zu sein. Zum anderen, daß der Ton zu laut ist. "Parle moins fort" ermahnen Pariser Mütter oft ihre Kinder, um ihnen zu sagen, daß sie leiser sprechen und nicht so schreien sollen.
Heute im Salle Pleyel beim Konzert der Fleet Foxes traf leider die zweite Alternative zu. "C'est trop fort", es ist viel zu laut, riefen mindestens 30 Leute nach dem dritten Lied der Amerikaner herein. Und sie hatten so verdammt recht damit. Der Lärm war ohrenbetäubend, die Gitarren wild und brachial und das Schlagzeug von Josh Tillman bollerte plump und schwer aus dem Hintergund. Wie schon beim enttäuschenden Konzert im Bataclan klangen die Fleet Foxes wie eine vulgäre Stadionrockband, die das Publikum mit Wucht, aber ohne Feingefühl und Finesse, beindrucken will. Im Gegensatz zum Bataclan wehrten sich aber heute die Pariser und machten ihrem Unmut über den saturierten Bombastsound Luft. Auch ich beteiligte mich an den Protesten, den ich war bitter enttäuscht darüber, daß eine frühere Lieblingsband so derbe und wenig subtil klang. Zum zweiten Mal in Folge, das konnte kein Zufall sein.
Dabei war ich so optimistisch und frohgemut in dieses Konzert gegangen und überzeugt davon, daß in dem klassischen Konzertsaal Pleyel mit viel Zärtlichkeit und Innigkeit zu Werke gegangen würde. Das neue Album ist doch gut, das Altmaterial eh super, warum sollten dann die Fleet Foxes nicht einen wunderbaren Auftritt aufs Parkett legen können? Den Flop vom Bataclan redete ich mir als einmaligen Fehltritt schön. Heute sollte alles besser werden.
Aber Pustekuchen! Es war noch schlimmer als im Bataclan! Noch plumper, noch feister, noch herzloser. Echte Gefühle kann man nicht mit Lautstärke übertünchen, soviel sollte klar sein. Das Publikum protestierte also. Und wie reagierte die Band? Robin schien zunächst überrascht, nicht richtig zu verstehen, was los war. "What? The sound ist too loud? Too much noise?" "Can you turn it down a bit", gab er nicht wirklich von seiner Schuld überzeugt alibihaft Anweisungen an die Leute vom Ton. Wer aber glaubte, es würde in der Folge dezenter weitergehen, wurde enttäuscht. Es donnerte und krachte genauso wie vorher, jeder gute Song wurde durch den Wummersound nach spätestens 30 Sekunden ruiniert, die Stimme von Pecknold zugekleistert und dies obwohl er rumschrie wie ein Besessener. Ein Trauerspiel, eine Katastrophe. Mehr noch: eine Frechheit. Robin versuchte ein paar Lieder später zu beschwichtigten, erklärte, daß sie kürzlich bei einem Festival neben Iron Maiden angetreten sind und sich durch massive Lautstärke Gehör verschaffen mussten. Nur er schmunzelte darüber...
In der Folge wurde es dann immer weniger komisch, denn nun schaltete sich plötzlich Josh Tillman von hinten ein. Ob es an seinem Schlagzeugspiel liege? Ob das auch zu laut sei? Ein paar Leute trauten sich die Wahrheit zu sagen und die Frage zu bejahen. Das schmeckte Tillman überhaupt nicht. Er reagierte wie ein beleidigter Rotzbengel, wie ein ungezogenes Kind, schmollte rum und spielte beim nächsten Lied bewußt leise und viel zu langsam. Witzig fand ich das nicht, eher provozierend und deplatziert. Wäre ich Schiedsrichter gewesen, hätte ich ihm mindestens die gelbe Karte für unsportliches Verhalten gezeigt. Der Kerl verweigerte allen Ernstes in der zweiten Hälfte des Konzertes die Arbeit, spielte manchmal in den ersten Minuten gar nicht richtig mit und wirkte ansonsten extrem lustlos und angepisst. Er ließ das auch die Leute merken, denn nachdem der Bassist Christian Wargo irgendwann frustiert sagte: "it feels like playing a diet version of Fleet Foxes", reagierte er mit: "I don't feel like being on a diet, I feel fater than ever." War klar, was er damit sagen wollte, er war tierisch genervt.
Dabei war es zu 100 % die Schuld der Band. Einer Band, die mit aller Gewalt ins Stadion, auf die großen Bühnen dieser Welt drängt und ihren einst so feinen Sound entsprechend fett gemacht hat. Da darf man sich nicht wundern, wenn die Altfans murren.
Es war einzig und allein der Souveränität von Robin Pecknold zu verdanken, daß dieser Auftritt nicht ausuferte und zum Eklat führte. Er blieb besonnen und sportlich fair, schaffte es die Leute zu besänftigen und beruhigte die erhitzten Gemüter. Dadurch mobilisierte er sogar einen Teil der Fans, die nun verstärkt: "we love you" und "merci" riefen, was ihm sichtlich gut tat.
Und prompt wurde das Konzert gegen Ende besser. Bei Montezuma hatte Pecknold endlich mal freie Bahn und konnte seinen Gesang richtig schön entfalten. Keine Band, die ihm nach einer Minute die Luft abschnitt und alles zudröhnte. Ein tolles Lied, ein Highlight, keine Frage. Aber die Herrlichkeit hielt zunächst nicht allzulange, denn bei He Doesnt Know Why wurde nach gutem Beginn schon wieder zu stark auf die Tube gedrückt. Dennoch war das Konzert nun in einer stärkeren Phase, mit The Shrine/An Agument und Blue Spotted Tail konnten die Füchse noch einmal punkten, bevor Blue Ridge Mountains erneut zu pompös geschmettert wurde.
Bei den Zugaben sah man dann zu Oliver James Robin solo und merkte noch einmal deutlich, daß hier und heute die Regler einfach zu laut aufgedreht waren.Wenn der Sänger auf das Holz seiner Gitarre klopfte, klang das fast als würde er massive Steine dagegen werfen. Alles andere als harmonisch.
Aber zumindest ganz zum Schluß wurde dann noch einmal auf Harmonie gemacht, Pecknold bedankte sich beim Publikum "for being sweet and respectful" (ein paar Leute hielten das für einen ironischen Kommentar) und "for the constructive criticism."
So etwas hatte ich auch noch nie zum Abschluß gehört. "Danke für die konstruktive Kritik." Hoffentlich nehmen sie sich diese zu Herzen, vor allem Josh Tilmann.
Gerne möchte ich nämlich zukünftig wieder einmal nach einem Fleet Foxes sagen können: "C'était trop fort", das war einfach zu stark.
Setlist Fleet Foxes, Salle Pleyel, Paris:*
01: The Cascades 02: Grown Ocean 03: Drops In The River 04: Battery Kinzie 05: Bedouin Dress 06: Sim Sla Bim 07: Mykonos 08: Your Protector 09: Tiger Mountain Peasant Song 10: White Winter Hymnal 11: Ragged Wood 12: Lorelai 13: Montezuma 14: He Doesn't Know Why 15: The Shrine/An Argument 16: Bue Spotted Tail 17: Blue Ridge Mountains
18: Oliver James (Pecknold solo) 19: Helplessness Blues
* exakt die gleiche Setlist wie im Bataclan. Enttäuschend, daß da nicht zumindest ein wenig variiert wird.
Konzert: Cat Power (Ólafur Arnalds) Ort: Salle Pleyel, Paris Datum: 04.07.2011 Zuschauer: ausverkauft (ungefähr 2000) Konzertdauer: Ólafur Arnalds etwa 1 Stunde, Cat Power 2 Stunden
Sublime Cat Power! Elle se produisait juste devant mon nez dans une salle de musique classique qui compte quand même 2000 personnes! J'étais vraiment chanceux d'avoir été si prêt d'elle et parfois j'avais l'impression d'assister à un concert d'appartement. C'était incroyablement intimiste! Merci Rockerparis!!
Et la belle Chan n'a pas déçu. Malgré ses angoisses et agitations habituelles (elle parcourait la scène comme un tigre/une tigresse en cage) elle a su gérer le stress et elle a chanté d'une manière incroyable pendant deux heures de pur bonheur. Parfaitement assisté par son groupe Dirty Delta Blues (Jim White: batterie, Erik Paparazzi: guitare, bass, Judah Bauer: guitare, Gregg Foreman:clavier) discret, mais efficace, elle est montée un peu plus en puissance avec chaque nouveau morceau. Après un début un brin hésitant elle a pris plus de confiance en elle dans la suite en mettant tout son coeur dans ses chansons magnifiques. Sa voix de velours n'a rien perdu de son charme et ses chansons, notamment celles de son dernier disque Jukebox (2008), ont éte interprétées d'une manière nouvelle et inattendue. On avait également du mal à reconnaître The Greatest, titre phare de l'album du même non, qui a clôs la première partie du concert, stylistiquement plutôt bluesy et calme.
Après Chan et ses musiciens sont devenus plus rock et bruyants et Miss Marshall a pour la premiére fois mis sa guitare autour du cou.I Wanna Be Your Dog n'avait plus grand chose a voir avec l'original des Stooges, tant mieux. Puis après Cherokee (paroles: "marry me to the moon") m'as mis une belle gifle. Morceau fabuleux, fiévreux, habité et rock. Une pure merveille! Le groupe a su garder cette tension tout au long de la deuxième partie du concert.
Juste avant la fin viendra le titre espagnolAngelitos Negros (Roberta Flack) et on voyait une Chan Marshall très émue, dans un état presque hypnotique. Elle mettait tout qu'elle avait dans cette ballade si triste, mais si touchante en même temps.
Pour finir en beauté, le public a eu droit au classique I'Dont Blame You (de l'album You are free), une fois de plus interpréte d'une manière nouvelle et différente de l'album, montrant parfaitement que Cat Power ne se contente jamais de jouer des morceaux comme sur ses disques, mais toujours à la recherche de nouveaux arrangements.
Et puis il y avait comme d'habitude des fleurs que Chan lançait dans le public, des larmes (de joies), des applaudissements frénétiques, des salutations, des bisous, des remerciements chaleureux ("Paris, je t'aime, merci, je t'aime!").
Un grand concert.
Unfassbar! Sensationell! Atemberaubend! Und diese Superlative beziehen sich zunächst auf die Tatsache, daß ich in diesem verfluchten (bzw. eigentlich sehr schönen) Salle Pleyel in Paris in der allerersten Reihe saß und Chan Marshall quasi zwei Stunden lang direkt vor meiner Nase hatte, während ich bequem in meinem Kinosessel lungerte. Ich altes Glücksschwein! Ich Gustav Gans! Ich war so nah dran, daß mir bei einer unbedarften Bewegung der Chanteuse der Mikrofonständer in meine blöde Fresse geflogen wäre! Ich hätte ihr die Schnürsenkel aufmachen können! Und hinter mir sitzen 2000 Fans, die teilweise meilenweit von der Bühne entfernt waren. So etwas nennt man dann wohl Dusel haben!
Zu verdanken hatte ich meine privilegierte Sitzposition meinem Freund von Rockerparis, der mir gestern zum regulären Preis sein Kärtchen verscherbelt hat, weil er selbst zu einem Konzert von den Doors ins Bataclan gegangen ist Den Doors, Freunde?! Überlegt selbst, was daran seltsam ist...
Statt wie der Rockerparis alten abgehalfterten Musikern dabei zuzusehen, wie sie sich aus Anlaß des vierzigsten Todestages eines gewissen Jim Morrisson die Taschen voll machen, verfolgte ich also genüßlich die ewig jugendliche Cat Power.
Überflüssig zu sagen, daß sie mich fast wieder zu Tränen rührte. Ihr bemerkenswertester Satz (den sicherlich nicht viele mitbekommen haben, weil sie ihn fast beiläufig ins Mikro nuschelte) war sinngemäß: "It's not important to think about our worries and doubts, because they never go away, they are always there." Später habe ich lange darüber nachgedacht, wie sie das meinte. War das nicht sehr fatalistisch? Die Sorgen gehen nie weg. Der Mensch kann einfach nicht glücklich sein.
Oder war der Spruch vielmehr psoitiv zu deuten. So nach dem Motto: "warum machen wir uns überhaupt Sorgen, ist doch eigentlich egal, schließlich machen wir uns ständig neue. Also scheiß drauf!
Aber selbst wenn nicht viele diesen Spruch gehört haben und selbst wenn ich ihn nicht 100 % korrekt widergegeben habe, so wurde doch erneut deutlich, daß dort eine sensible, fragile und teilweise verängstigt bzw. verunsichert wirkende Künstlerin auf der Bühne stand, die gerade deshalb so gut beim Publikum ankam. Die Franzosen lieben Chan Marshall, eben weil sie eine solch verletztliche Person ist. Niemand möchte Roboter in Aktion sehen, die gefühlskalt und routiniert ihre Show abziehen und dann wieder gehen. Stattdessen fiebert man mit einer Cat Power mit, hält den Atem an, wenn sie ihre sensationelle Hauchstimme erhebt, gerät in Ekstase, wenn sie innere Blockaden aus dem Weg räumt und sich in ihre Songs so richtig emotional reinsteigert. Man liebt sie, weil sie trotz iher Bekanntheit so natürlich ist, so liebenswürdig, so saunett. Gerne würde man sie in den Arm nehmen, gegen die Brust drücken, ein Lächeln von ihr geschenkt bekommen. Ihr Charisma ist unbeschreiblich, die Sympathien die ihr heute abend wieder zuflogen fast grenzenlos.
Zwei Stunden lang berauschte ich mich an der samtweichen Stimme, der die Songs untermalenden Theatralik und der natürlichen Schönheit der Amerikanerin, die oft so unfassbar nah vor mir agierte, ja mir manchmal von oben runter scheinbar in die Augen schaute. Das war fast wie ein Wohnzimmer-Konzert in einer 2000 Zuschauer Location! Unbeschreiblich intim!
Morgen mehr...
Setlist Cat Power, Salle Pleyel, Paris:
01: Bully 02: Dreams 03: Don't Explain (Billie Holiday) 04: Nilo/Song To Bobby 05: Woman Left Lonely (Janis Joplin) 06: Silver Stallion (The Highwaymen) 07: Lord Help (Jessie Mae Hemphill) 08: Real Life 09: Brave Liar 10: The Greatest
11: I Wanna Be Your Dog (The Stooges) 12: Cherokee 13: Horizon 14: Let Me Go 15: Monster 16: Woman Of My Word 17: Ruin 18: Angelitos Negros (Roberta Flack) 19: I Don't Blame You
Konzert: Tender Forever, The Big Crunch Theory, Terry Poison (Festival Ladyfest Paris) Ort: Le Café de la Danse, Paris Datum: 02.07.2011 Zuschauer: geschätzte 250
Ladyfest im Pariser Café de la Danse. Das hieß hinsichtlich des Publikums: ein paar lüsterne alte Männer wie ich, die gerne Frauen auf einer Konzertbühne sehen und jede Menge Mädchen, die Mädchen lieben.
Musikalisch bedeutete das: tolle Konzerte! Vor allem der Auftritt von Mélanie Valera alias Tender Forever war verblüffend und sehr bewegend. Die in den USA lebende Französin machte keinen Hehl daraus, daß sie gay ist und erzählte zwischen ihren experimentellen Elektropopsongs immer wieder witzig-zynische Anekdoten über die Reaktionen von Leuten hinsichtlich ihrer sexuellen Orientierung.
Das Mädel ist nicht auf den Mund gefallen, begeisterte mich durch ihre Direktheit (der erste herrlich mürrische Satz von ihr heute war: "Hallo ich heiße Melanie, bin gerade aus den USA gekommen und habe heute keine Sekunde gepennt"), Offenheit und Unverblümtheit. Sie ist geradeheraus ("wenn ihr heute eine schlanke, hetereosexuelle Frau erwartet, habt ihr Pech gehabt"; "je vous emmerde", wie sie auf französisch sagte) hat Mut und jede Menge Temperament. Kostproben davon gab sie heute reichlich. Mal wanderte sie ins Publikum, mal hüpfte sie wie ein Derwisch auf der Bühne rum und immer wirkte sie dabei authentisch und glaubwürdig. Wahnsinn, wieviel Seele sie in jedes ihrer Stücke legte! Manchmal war das schon harter Tobak, zumal sie sicherlich viele autobiografische Momente (Liebeskummer, gesellschaftliche Ausgrenzung, Kampf um Akzeptanz) in den Songs verarbeitet. Songs, die keinem bekannten Muster folgten, stattdessen stilistisch Eigenkrationen der eigenwilligeren Künstlerin waren. Viel DIY Spirit, Freude am Experimentieren und Grenzen überschreiten kamen hier zum Ausdruck und manchmal mischten sich Elemente des Hip Hop und des R'n B mit dem organischen Elektropop der Mélanie Valera. Teilweise gab es Parallelen zum wummernden 80 er Jahre Discobeat von Fever Ray, stimmlich zu Björk oder Stina Nordenstam und wenn es lieblicher wurde, waren auch Au Revoir Simone nicht allzu weit. Dennoch: das Ganze entsprach wirklich dem bizarr-schönen, persönlichen musikalischen Universum von Mélanie. Toll, daß es so viel Schrulligkeit und Unabhängigkeit heutzutage noch gibt.
Aber ihr Label K-Records bürgt ja bereits für Qualität. Karl Blau, Lake, Rose Melberg, Tara Jane O'Neil und etliche andere Künstler gehören zu der Plattenfirma in Olympia, Washington, die sich ihre Unabhängigkeit vom Mainstram nicht nur alibimäßig auf die Fahne geschrieben hat.
Und Olympia, Washinton ist übrigens auch der Ort, in dem im Jahre 2000 das erste Ladyfest stattfand. Ziel war und ist das Fördern des weiblichen Engagements auf allen möglichen kulturellen Feldern, sei es Musik, Theater, Kunst oder Literatur. Zunächst eine lokale Veranstaltung, hat sich der Gedanke des Festivals schnell weltweit ausgebreitet und so durften wir dann heute auch in Paris das erste Ladyfest feiern!
Morgen möchte ich davon noch ein wenig mehr erzählen und auch noch kurz auf die Auftritte von The Big Crunch Theory und Terry Poison eingehen.
Konzert: The Weakerthans (& Alamo Race Track) Ort: Underground, Köln Datum: 01.07.2011 Zuschauer: ca. 400 (ausverkauft) Dauer: The Weakerthans 85 min, Alamo Race Track 30 min
Gestern war kanadischer Nationalfeiertag, Canada Day, der an die Gründung des Landes durch die Zusammenführung britischer Kolonien erinnert.* Da ein Großteil meiner Lieblingskünstler aus Kanada stammt, las ich den ganzen Tag schon bei Twitter "Happy Canada Day!"
Mit den gleichen Worten kamen die Weakerthans um zwanzig nach neun** im knallvollen und warmen Underground auf die Bühne. Das Konzert war seit einiger Zeit ausverkauft, die Weakterthans haben in Deutschland enorm treue Fans. Der Anteil des üblichen Kölner Indiepublikums, das am Wochenende zu irgendeiner hippen Band geht, schien mir recht überschaubar zu sein, die Leute waren gezielt (und im Gegensatz zu mir nicht zum ersten Mal) bei den Weakerthans.
Hip im klassischen Sinne sind die fünf Kanadier wirklich nicht. Aber sie sind verflucht sympathisch und haben ein scheinbar unerschöpfliches Repertoire an Krachern. Bands, die es schaffen, in anderthalb Stunden nur Hits zu spielen, sind entweder Kirmes-Cover-Bands oder verdammt gut. Da die Weakerthans weder Sunday, bloody sunday noch In the army now spielten, gehören sie zur zweiten Kategorie.
Die Musik der aus der Punkszene Winnipegs stammenden Band ist klassischer nordamerikanischer Indierock. Auf Platte klingt einiges deutlich folkig, manchmal sind Country-Anleihen zu entdecken. Diese ruhigen Töne waren live nicht auszumachen, rockige Gitarren bestimmten die Stücke. Keyboard und Trompete gehören zwar auch zur Instrumentierung, allerdings waren meist drei Gitarren, Bass und Schlagzeug im Einsatz. Daß die vier Musiker vorne dabei großen Spaß daran hatten, ihre Gitarren mit Truckstop-Gesten in die Höhe zu reißen, fände ich bei anderen Bands eklig, den unglaublich sympathischen Weakerthans verzeiht man das ohne Zögern. Die fünf sahen nicht nur aus, als hätten sie viel Spaß beim Musizieren, das steckte auch an, das Publikum sang während des kompletten Sets lauthals mit!
Höhepunkte gab es nicht, das würde ja voraussetzen, daß es Hänger gegeben hätte, alles war toll und kurzweilig. Und als nach fast anderthalb Stunden Schluß war, hätte ich gerne noch mehr gehört. Die Chance wäre da, die Weakerthans spielen heute beim Traumzeit Festival in Duisburg!
"In Paris kennt die niemand," hatte Oliver zu den Weakerthans festgestellt. Ein Fehler, liebe Franzosen.
Setlist The Weakerthans, Underground, Köln:
01: Reunion tour 02: Tournament of hearts 03: Benediction 04: Reconstruction site 05: Aside 06: Leash 07: The reasons 08: One great city! (John K. Samson solo) 09: Bigfoot 10: Civil twilight 11: Plea from a cat called Virtute 12: Sun in an empty room 13: Left and leaving 14: This is a fire door, never leave open 15: (manifest)
16: My favourite chords (Z) 17: Confessions of a futon-revolutionist (Z) 18: Our retired explorer (dines with Michel Foucault in Paris, 1961) (Z) 19: Pamphleteer (Z)
20: Night windows (Z)
* allerdings noch nicht als souveräner Staat, das folgte erst gut 60 Jahre später
** Vor den Weakerthans hatten Alamo Race Track aus Amsterdam eröffnet. Auf die Niederländer hatte ich mich sehr gefreut, weil ich sie in Haldern vor zwei Jahren sehr gut erlebt hatte, und das Album, das ich von ihnen besitze, sehr mag. Der Auftritt im Underground war allerdings eine echte Enttäuschung, weil die Stimme von Sänger Ralph Mulder enorm schief und knarzig klang. Wenn alle sangen, waren die Lieder hervorragend, wenn keiner sang auch. Ralph schien einen sehr schlechten Tag erwischt zu haben und darunter litt der kurze Auftritt. Black Cat John Brown und ein Lied am Anfang (das dritte Stück) gefielen mir am besten, der Rest ging leider unter.
Konzert: Florent Marchet Ort: La Mairie du 3ème, Paris, Festival Soirs d'été Datum: 01.07.2011 Zuschauer: ein paar hundert
Den guten Vorsatz von gestern, mehr auf französisch singende Franzosen zu begutachten, konnte ich heute gleich in die Tat umsetzen. Völlig gratis und bei schönstem Wetter spielten der famose Florent Marchet und seine Band vor der Mairie des 3. Pariser Arrondissements auf und begeisterten auf ganzer Linie.
Neben den hochmelodischen Ohrwürmern mit den astreinen Gitarren stachen auch die Texte und die witzigen zynischen Kommentare hervor.
Ein absoluter Konzerthit!
Morgen gibt es den vollständigen Bericht.
Setlist Florent Marchet @ Festival Soirs d'été, Paris:
01: Courchevel 02: Mes Nouveaux Amis 03: Benjamin 04: Levallois 05: L'eau de Rose 06: La Chance de ta vie 07: L'idole 08: Hors Piste 09: Notre Jeunesse 10: Qui je suis 11: Roissy 12: Je n'ai pensé qu'à moi 13: Des Hauts, des Bas (Reprise de Stephan Eicher) 14: La Charette 15: La Famille Kinder
Mein Zuhause. Mein Blog. ist als kleines privates Konzert- Tagebuch entstanden. Und weil es zur Zeit musikalisch so spannend ist, wächst unsere Sammlung schnell. Wir schreiben die Berichte spontan, unüberarbeitet und so zeitnah wie möglich. Die Reviews stehen meist noch in der gleichen Nacht online, spätestens jedoch am nächsten Tag. Musik ist für uns vor allem Spaß und keine Wissenschaft.
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