Sonntag, 3. Juli 2011

Tender Forever, u.a., Paris, 02.07.11


Konzert: Tender Forever, The Big Crunch Theory, Terry Poison (Festival Ladyfest Paris)

Ort: Le Café de la Danse, Paris
Datum: 02.07.2011
Zuschauer: geschätzte 250


Ladyfest im Pariser Café de la Danse. Das hieß hinsichtlich des Publikums: ein paar lüsterne alte Männer wie ich, die gerne Frauen auf einer Konzertbühne sehen und jede Menge Mädchen, die Mädchen lieben.



Musikalisch bedeutete das: tolle Konzerte! Vor allem der Auftritt von Mélanie Valera alias Tender Forever war verblüffend und sehr bewegend. Die in den USA lebende Französin machte keinen Hehl daraus, daß sie gay ist und erzählte zwischen ihren experimentellen Elektropopsongs immer wieder witzig-zynische Anekdoten über die Reaktionen von Leuten hinsichtlich ihrer sexuellen Orientierung.

Das Mädel ist nicht auf den Mund gefallen, begeisterte mich durch ihre Direktheit (der erste herrlich mürrische Satz von ihr heute war: "Hallo ich heiße Melanie, bin gerade aus den USA gekommen und habe heute keine Sekunde gepennt"), Offenheit und Unverblümtheit. Sie ist geradeheraus ("wenn ihr heute eine schlanke, hetereosexuelle Frau erwartet, habt ihr Pech gehabt"; "je vous emmerde", wie sie auf französisch sagte) hat Mut und jede Menge Temperament. Kostproben davon gab sie heute reichlich. Mal wanderte sie ins Publikum, mal hüpfte sie wie ein Derwisch auf der Bühne rum und immer wirkte sie dabei authentisch und glaubwürdig. Wahnsinn, wieviel Seele sie in jedes ihrer Stücke legte! Manchmal war das schon harter Tobak, zumal sie sicherlich viele autobiografische Momente (Liebeskummer, gesellschaftliche Ausgrenzung, Kampf um Akzeptanz) in den Songs verarbeitet. Songs, die keinem bekannten Muster folgten, stattdessen stilistisch Eigenkrationen der eigenwilligeren Künstlerin waren. Viel DIY Spirit, Freude am Experimentieren und Grenzen überschreiten kamen hier zum Ausdruck und manchmal mischten sich Elemente des Hip Hop und des R'n B mit dem organischen Elektropop der Mélanie Valera. Teilweise gab es Parallelen zum wummernden 80 er Jahre Discobeat von Fever Ray, stimmlich zu Björk oder Stina Nordenstam und wenn es lieblicher wurde, waren auch Au Revoir Simone nicht allzu weit. Dennoch: das Ganze entsprach wirklich dem bizarr-schönen, persönlichen musikalischen Universum von Mélanie. Toll, daß es so viel Schrulligkeit und Unabhängigkeit heutzutage noch gibt.



Aber ihr Label K-Records bürgt ja bereits für Qualität. Karl Blau, Lake, Rose Melberg, Tara Jane O'Neil und etliche andere Künstler gehören zu der Plattenfirma in Olympia, Washington, die sich ihre Unabhängigkeit vom Mainstram nicht nur alibimäßig auf die Fahne geschrieben hat.

Und Olympia, Washinton ist übrigens auch der Ort, in dem im Jahre 2000 das erste Ladyfest stattfand. Ziel war und ist das Fördern des weiblichen Engagements auf allen möglichen kulturellen Feldern, sei es Musik, Theater, Kunst oder Literatur. Zunächst eine lokale Veranstaltung, hat sich der Gedanke des Festivals schnell weltweit ausgebreitet und so durften wir dann heute auch in Paris das erste Ladyfest feiern!

Morgen möchte ich davon noch ein wenig mehr erzählen und auch noch kurz auf die Auftritte von The Big Crunch Theory und Terry Poison eingehen.

Dann auch Fotos.



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