Dienstag, 15. Januar 2008

Babyshambles, Paris, 14.01.08

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Konzert: Babyshambles
Ort: L'Olympia, Paris
Datum: 14.01.2008
Zuschauer: ausverkauft? : gute Frage, auf jeden Fall war es ziemlich voll.


Kommt er, oder kommt er nicht? Das ist bei einer ziemlich labilen Persönlichkeit wie Pete Doherty immer die Frage. Unmittelbar danach rätselt man natürlich weiter, ob er denn im Falle seines Erscheines auch in anprechender Form sein wird.

Zunächst einmal: Pete war da und zwar auch recht pünktlich! Die Pariser Luft (oder vielmehr das einheimische Bier?) scheint ihm zu bekommen, mir ist keine Absage von früherer Zeit bekannt. Im Frühjahr 2006, in einer seiner schlimmsten Phasen, kreuzte er zwar mit erheblicher Verspätung im Bataclan auf (23 Uhr Ortszeit), spielte aber dann ein recht ordentliches Konzert. Und im November 2006 setzte er sogar im Elysée Montmartre ein kleines Glanzlicht beim Festival des Inrocks, Gastauftritt von Kate Moss inklusive.

Heute nun gingen um 21 Uhr 15 die Lichter aus und die Show konnte beginnen. Zuvor hatten die Pariser Jungspunde der Band Second Sex die Ehre, für die Babyshambles eröffnen zu dürfen und die Grünschnäbel machten ihre Sache auch recht gut.

Schließlich wollten sie zeigen, daß sie zu Recht als Vorgruppe ausgewählt wurden. In Paris gibt es zur Zeit etliche junge Bands, die auf den Spuren der Libertines bzw. Babyshambles wandeln und als Support in Frage gekommen wären (man spricht in diesem Zusammenhang von den sogenannten Babyrockern). Mit Sicherheit hätten auch die jungen Kollegen, als da wären The Parisians, BB Brunes, The Tatianas, oder Naast gerne die Chance bekommen, sich vor einem großen Publikum zu präsentieren. Oder auch die Mädels von Plastiscines, die haben sich schließlich auf einem Konzert der...Libertines kennengelernt und daraufhin ihre Band gegründet! Ihnen allen blieb aber nur die Zuschauerrolle.

Die vier Typen von Second Sex hingegen, genoßen es sichtlich, sich ein wenig wie "richtige" Stars zu fühlen. Die entsprechenden Rockerposen haben sie schon drauf, auch ihre Skinny-Jeans und die engen Lederjacken sitzen perfekt. Und Girlies, die auf sie stehen, gab es im Publikum auch zu Hauf. Ob die jungen Dinger aber auch so weit gehen würden, Second Sex die Schuhe zu lecken, wie es die smarten Pariser Musiker in ihrem bisher größten Hit "Lick My Boots" fordern? Das kommt wohl darauf an, wie devot veranlagt die Sechzehnjährigen heutzutage sind. Zumindest aber küsst ihnen der Chefredakteur der Zeitschrift Rock & Folk, Philippe Manoeuvre, die Füße, denn es gibt kaum eine Ausgabe, in denen die jungen Pariser Garagenrocker, wie immer sie auch heißen mögen, nicht über den grünen Klee gelobt werden. Ob das nicht ein bißchen übertrieben ist, will ich mal dahingestellt sein lassen, denn ihren Zweck haben Second Sex erfüllt. In einem schwungvollen, 9 Stücke umfassenden Set, haben sie den Fuß nie vom Gaspedal genommen und das Publikum ordentlich aufgewärmt. Bestes Stück? Klar, das abschließende "Lick My Boots". Aber auch Love's Gone Bad" war nicht übel.

Setlist Second Sex, Paris Olympia:

01: Le Monde Est Silencieux
02: Love's Gone Bad
03: Baby Doo
04: Dis Moi Qui Je Suis
05: I'm Ready
06: J'ai couché Avec le Diable (ich habe mit dem Teufel geschlafen, ein lustiger Titel, oder?)
07: Mon autre coté
08: Fille Facile
09: Lick My Boots

Danach war das übliche tröge Rumstehen angesagt. Meine Befürchtung, noch eine ganze Weile Löcher in die Luft zu gucken, traf aber zum Glück nicht ein. Das Gekreische der jungen Frauen war ohrenbetäubend, als die Lichter schließlich erloschen und Pete und seine Bande vom Scheinwerferlicht angestrahlt wurden. Jeder guckte genau hin. Welchen Eindruck macht er? Wie bewegt er sich? Wie sieht er aus? - Nun, seine Körpersprache war schon einmal positiv. Er war flott zu Fuß, energiegeladen und hatte im Vergleich zum Ende letzten Jahres wieder deutlich abgenommen. Sein Gesicht schien deutlich weniger aufgedunsen, als noch bei seinen Pariser Radiokonzerten vom November 2007. Auch der Sound, der aus den Boxen drang, ließ nichts zu Wünschen übrig. Aber was war das jetzt? "It's not easy, it was not eas-ehey" hatten zahlreiche Münder gutgelaunt mitgesungen, als Pete plötzlich abrupt abbrach. Er brabbelte irgend etwas vor sich, das nach "Ich verstehe nix, der Sound stimmt nicht" klang. Kurze Beratung innerhalb der Band, Tontechniker laufen durch die Gegend und dann ging es auch schon weiter. Anstatt das erste Stück noch einmal wiederaufzugreifen, wird prompt und erstaunlich früh "Delivery" geschmettert. Wieder erfasst eine Woge der Begeisterung die ersten Reihen. Kein Wunder, "Delivery" könnte auch gut und gerne "Direct Hit" heißen (ein Augenzwinkern geht Richtung Art Brut), so eingängig und packend ist dieser Smasher. Aber leider, leider wird auch hier wieder nach ein paar Takten abgebrochen. Ähnliche Szenen wie zuvor spielen sich ab. Leichte Ratlosigkeit im Publikum, aber in motorischer Hinsicht ist Mister Doherty in zu stabiler Verfassung, als daß man sich ernsthaft Sorgen machen müßte. Er hat nicht etwa den Text vergessen, oder ist zu zugedröhnt, um seine Titel zu spielen, lediglich der Sound gefällt ihm irgendwie nicht. Komisch, mir war nichts aufgefallen, aber sei es drum. Vielleicht war es auch nur eine Rockstareinlage? Ein inszenierter Gag? Wie auch immer, irgendwie war das gleichzeitig genial und peinlich, auf jeden Fall nahe dran am ursprünglichen Esprit des Punk, der nun einmal eine chaotische Musikbewegung war (und ist). Kurze Zeit später klappt dann "Delivery" beim zweiten Anlauf besser. Allerdings hat man hier schon einen Vorgeschmack darauf bekommen, was in der Folge immer wieder etwas die Laune verderben wird. Es gibt häufiger Leerläufe im Set, selten wird die Spannung mal über mehrere Lieder gehalten. Das ist schade, denn oft hat man den Eindruck, daß der Funke gerade dabei ist, vollends auf das Publikum überzuspringen. Bei "Baddies Boogie" zum Beispiel geht ordentlich die Post ab, aber mit "Unstookie Titled" wird gleich im Anschluß wieder ein langsamerer Gang eingelegt. Allerdings berührt mich gerade dieser leicht melancholische Titel fast am Meisten. Wunderbar ist hierbei vor allem das feingliedrige Gitarrenspiel von Leadgitarrist Mick Whitnall. Überhaupt ist dieser Kerl irgendwie der Coolste. Genau wie Pete mit dem typischen kleinen Hütchen auf der Rübe ausgestattet(Herr Doherty legte es allerdings im Gegensatz zu ihm genau wie seinen Mantel recht schnell ab), verzieht er während des gesamten Gigs kaum eine Miene, auch dann nicht als ihm eine aus dem Publikum zugeworfene Krawatte im Leoparden (!)-Muster um das Mikro gebunden wird. Zwischendurch streckt er auch mal den Leuten die Zunge raus, wenn ihm danach ist. Er hat halt eben den Schalk im Nacken. Das gefällt mir. Ich mag den nicht mehr ganz jungen Musiker (geboren 1968) von nun an gerne und mir wird bewußt, daß die Babyshambles eine Band sind und nicht nur ein Synonym für Pete Doherty. Auch der irische Bassit Drew McConell ist durchaus aktiv und nicht nur ein Instrumentenhalter. Drummer Adam Ficek bleibt naturgemäß im Hintergrund, spielt aber seinen Part ebenfalls gut.

Zu der eben erwähnten Leopardenkrawatte gesellen sich übrigens auch noch andere zugeworfene "Teile". Das witzigste Accessoire hat sich der Chef selbst gekrallt. Es handelt sich um einen fleischfarbenen BH, der circa. von der Mitte des Konzerts an am Mikro des Ex-Libertines baumelt. Scheint eine Gewohnheit bei Babyshambles - Gigs zu sein. Aus dem Jahre 2006 erinnere ich mich auch noch an Schals, Fahnen, etc., die nach vorne flogen.

Zurück zur Musik. Da besticht hinsichtlich der Titel insbesondere die erste Single "Killamangiro". "Why would you pay to see me in cage?" Gute Frage, Pete! Anstatt im Käfig (oder Gefängnis) sehe ich Dich lieber in Freiheit und auf der Bühne. Besonders, wenn ein solches Stück dermaßen fetzig und mit vollem Einsatz gespielt wird, wie dieser alte Knüller. Keine Frage, das Konzert erlebt in diesem Moment seinen Höhepunkt. Schade, daß nicht durchgängig diese Begeisterung gehalten werden kann. Das Gequalme der Musiker zwischen den Stücken (während die Raucher im Publikum ihre Sucht wegen des neuen Gesetzes unterdrücken müssen), spielt dabei auch eine gewisse Rolle. Der Schwung kann dadurch nie ganz gehalten werden. "Back To The Dead" und vor allem "Pipedown" räumen aber noch einmal ordentlich ab. Wir scheinen uns dem Ende zu nähern. Untrügliches Zeichen hierfür: Pete hat seinen Trenchcoat wieder angzogen und auch sein Hütchen sitzt wieder auf seinem rundlichenKöpfchen, als "Fuck Forever" angestimmt wird. Kurz zuvor gab es auch noch eine Szene, in der der großgewachsene Mann sein Mikro runierte. Ob er zuviel Gewalt angwendet hatte, oder das Ding einfach unglücklich aufgeschlagen war, konnte ich leider nicht erkennen. Irgendwie hat man aber den Eindruck, daß der Meister leicht genervt ist. Und vielleicht entsprach dies auch den Tatsachen, denn als die letzte Note von dem Lied mit dem gelungenen Titel verklungen ist, geht das Licht aus und auch nicht wieder an. Eine Zugabe gibt es schlicht und einfach nicht! Schade, schade, etwas mehr Babyshambles live hätte ich schon vertragen können! Stattdessen bleiben ein paar zwiespältige Gefühle zurück. Ein ordentliches Konzert war es durchaus. Das zweifelsohne vorhandene Talent von Pete Doherty und seiner Band hätte man aber gerne durchgängiger und länger aufblitzen sehen.

Setlist, Babyshambles, Paris Olympia:

01: Carry On Up The Morning (in der Mitte abgebrochen wegen Soundproblemen)
02: Delivery (abgebrochen)
03: Delivery (wiederaufgenommen)
04: Beg, Steal Or Borrow
05: Pretty Sue (neu)
06: Baddies Boogie
07: Unstookie Titled
08: Side Of The Road
09: Unbilo Titled
10: Boy David (neu)
11: Babyshambles Instrumental (neu)
12: Killamangiro
13: There She Goes
14: You Talk
15: Albion
16: Back To The Dead
17: I Wish
18: What Katie Did
19: Pipedown
20: Fuck Forever

Keine Zugabe!

Konzertdauer (Babyshambles): 82 Minuten

Mehr Bilder von Pete Doherty und den Babyshambles hier



Mittwoch, 9. Januar 2008

Die größten Musikfreaks 2007,2008 und der nächsten 50 Jahre (Oliver)

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Es soll ja noch ein paar ähnliche nerdige Typen wie Christoph und mich geben, wenn es um das Thema Musik geht. Auch die folgenden Persönlichkeiten könnten problemlos bei "High Fidelity" (ja genau, der Streifen von Nick Hornby) Hauptrollen spielen.

Platz 1 : Eike (dasklienicum):

Gibt es jemanden auf diesem Planeten, der mehr Ahnung von Musik hat als Eike? John Peel vielleicht? - Ach so, der ist schon tot! Oliver Peel? - Unsinn, der hat viel zu große Lücken bei Klassikern aus den 60ern und 70ern! Eike besitzt mehr Fachwissen als gutbezahlte Chefredakteure bei der Visions oder dem Musikexpress. Beispiel gefällig? Schon mal was von Samara Lubelski gehört oder gelesen? Von den Bowerbirds? Bon Iver? BeatBeat Whisper? Von dem Klienicum wird man diesbezüglich umfassend verarztet und erfährt von Künstlern, die möglicherweise erst in 2- 3 Jahren in Insiderkreisen bekannt werden (an die fiese breite Masse wendet sich dieser Blog ohnehin nicht). Darüber hinaus lernt man auch eine Menge über kleine Labels und wird auch großzügig mit mp3s versorgt. Weiter so!

Platz 2: Christina (internationalpopjetset):

Diesen Konzertblog lese ich zugegebenermaßen viel zu selten. Dabei ist Christina länger im Geschäft als wir und schreibt sowohl auf ihrer Seite als auch für das gaesteliste.de unterhaltsame und informative Reviews. Chapeau! Lest unbedingt ihre Bestenliste von 2007!

Platz 3: Frank (prettyparacetamol):

Frank hat für seinen Blog einen der besten Namen gefunden (ist das ein Bekenntnis zur Pharmaindustrie? Als halber Franzose bekämpfe ich Wehwechen auch lieber mit Pillen als mit Kräutertees und Homöopathie!) und setzt seine geschliffene Feder neuerdings auch für uns ein. Vielen Dank dafür!

Platz 4 :Philippe (soundofviolence):

Um seine Konzertreviews auf diesem auf rein englische Musik fixierten Blog zu lesen, muß man des Französischen mächtig sein. Allein dies sollte ein Grund sein, endlich die schönste Sprache der Welt zu lernen, falls man sie noch nicht beherrschen sollte. Philippe ist seit 20 (!) Jahren der fleißigste Konzertgänger von Paris, der 41 jährige Postbeamte (er hat sich bewußt für einen einfachen Job entschieden, um abends den Kopf frei zu haben) läßt nie einen guten Gig aus. Ein absolutes Phänomen! Er hat übrigens für das letztjährige Festival des Inrocks Freikarten gewonnen, weil er als Einziger das komplette Line Up der letzten 20 (!) Jahre jenes Festivals aufzählen konnte. Er war immer dabei, genau wie bei den 270! (inzwischen mehr) Radiosendungen von France Inter. Wahnsinn! In Glasto war er auch schon, logisch! Leeds/Reading? - Klar. Außerdem läßt er sich nach jedem Gig die Setlisten von den Künstlern unterschreben. Er dürfte 1000e besitzen! Ein Mann für das Guiness Buch der Rekorde...

Platz 5: Marguerite

Marguerite hat einen Dayjob, der sie fordert. Sie organisiert Messen, vor allem in Cannes, lebt aber in Paris. Das hindert sie nicht daran, jeden Abend auf die Piste zu gehen, um alle guten Konzerte zu besuchen, die gerade so anstehen. Auf ihrem rekordverdächtigen Konzertkonto stehen 36 (!) Auftritte von Placebo (igitt!) und 23 (!) Gigs von Muse (nochmal igitt!) zu Buche. Ansonsten hat sie aber wirklich einen famosen Musikgeschmack, wenn man mal davon absieht, daß sie zu Take That 2007 in die Kölnarena gereist ist. Ich rechne es ihr hoch an, daß sie dieses "guilty pleasure" nicht geleugnet hat. Hach, ich bin gemein ihre Fehltritte zu erwähnen, wo sie doch ansonsten bei Beirut, PJ Harvey und auch etlichen kleinen hervorragenden Bands Gast war! Neuerdings tut sie sich auch als Managerin hervor und zwar bei der jungen Pariser Band Sheraff. Außerdem spricht die Französin fließend deutsch (sie ist in Suttgart groß geworden), englisch und mit Sicherheit noch etliche andere Sprachen. Ich mag sie so gern...

Platz 6: Stéphane:

Der gute Stéphane ist Filmer. Seit mindestens sechs Jahren bannt er jedes ordentliche Indie-Konzert in Paris auf Zelluloid (verwendet man das überhaupt noch?). Seine Sammlung muß riesig sein, ein wahnsinniger Fundus, auf den auch so mancher Pariser Club zurückgreift, weil er Konzerte für die Archive braucht. Stéphane darf leider seine Werke nicht kommerzialisieren, sonst wäre er wohl steinreich. Videoabende mit ihm dürften so ausgiebig sein, daß man Kriegszeiten in einem Bunker mit seinen Filmchen locker überstehen könnte...

Platz 7 : Robert Gil (photosconcerts.com)

Robert ist Fotograf und zwar ein ganz ausgezeichneter, obwohl bei ihm alles auf Learning by Doing besteht. In den letzten drei bis vier Jahren hat er über 2000 (!) Konzerte und fast 1500 (!) Gruppen abgeknipst. Auf seiner Seite sammeln sich mehr als 30 000 Fotos in bester Qualität. Wenn ihr wissen wollt, wie ein bestimmter Künstler aussieht, den ihr bisher nur von CDs kennt, solltet ihr bei ihm vorbei schauen. Er hat alle Musiker alphabetisch gelistet...

Platz 8: Kirstie (kirstiecat)

Kirstie ist Amerikanerin und lebt in Chicago. Auch sie schießt sensationelle Konzertfotos und ist nebenher auch noch bei allen möglichen wichtigen amerikanischen Indie-Festivals dabei. Wer sich insbesondere für amerikanische Künstler interessiert, ist hier genau richtig. Eike, die Frau hat auch schon die Bowerbirds vor der Linse gehabt! Ihre ungemein lustigen Tags sind allein schon den Besuch ihrer flickr-Seite wert. Auch ihren Blog sollte man lesen.

Platz 9: Rod (Rod Le Hiboo)

Rod ist (ausgezeichneter) Fotograf und macht auch Interviews. Ich habe ihn über Flickr kennenglernt, wo er seit geraumer Zeit meine Fotos kommentiert. Und zwar nicht immer auf besonders nette Weise. Meine Pics seien sauhäßlich hat er einmal öffentlich für den Hiboo geschrieben. außerdem hätte ich eine Scheiß-Kamera und meine Bilder seien zu grobkörnig. Als ich ihm klarmachte, daß ich im Gegensatz zu ihm kein Profi sei, mäßigte er seine Worte etwas. Einen Narren scheint er trotzdem an mir gefressen zu haben, regelmäßig schaut er auf meiner Seite vorbei und hat auch schon Fotos zu seinen Favoriten erklärt. Außerdem lobte er öffentlich meine Konzertberichte und bezeichnete mich als Titanen. (im Wortlaut hat er geschrieben, meine Arbeit sei "titanesque"). Das lasse ich mir gefallen, auch wenn ich nicht mit Olli Kahn in einen Topf geworfen werden will :-)

Platz 10 : Franck Pompidor (groundzero + Hushpuppies); Nelson; Louise von Plastiscine:

Franck Pompidor ist Schlagzeuger bei den Hushpuppies geht aber auch unglaublich gerne als Besucher auf Konzerte. Sein Geschmack ist breitgestreut, ich traf ihn u.a. schon bei den Hidden Cameras, Archie Bronson Outfit und The National. Er betreibt aber auch einen kleinen, sehr gut sortierten Indie-CD - und Plattenladen. Dort findet man dann auch französische Künstler, die auf kleinen Labels veröffentlichen, beispielsweise gibt es die schwer zu beziehende Debüt Ep von Dorian Pimpernel (heißer Tip) oder Singles von den Shades.

Ansonsten hatte ich bereits an anderer Stelle erwähnt, daß Nelson auch immer bei allen kleinen Konzerten dabei sind, genau wie Louise die Bassistin der Girlgroup Plastiscines. Ich sah sie u.a. bei Razorlight (für die sie in den USA auch schon als Support Band auftraten), den Kings Of Leon, Amy Winehouse und Scout Niblett. Nur, daß sie meine privaten e-mails bei MySpace nicht beantwortet, nehme ich ihr etwas übel. Steht die nicht auf mich?? Ist ihr zu Kopfe gestiegen, daß Plastiscines beim Festival Coachella 2008 gemeldet sind?

Die übrigen Plätze gehen an unsere Leser, vor allem natürlich unsere Stammleser Christina, Eike (insofern eine doppelte Erwähnung als Autoren und Reader) den Undertaper und den Nice Boy. Schön, daß ihr Euch so intensiv zu Wort meldet! Danke auch an Maggali, Buzz, Solveig, Kaddi und alle, die schon für uns geschrieben haben!

Eigentlich hätten all unsere Leser Platz eins verdient, denn was gibt es schon freakigeres, als regelmäßig unseren Blog zu konsumieren?

Wenn ihr unsere Arbeit unterstützen wollt, könnt ihr auf die Werbelinks klicken (oben in der Mitte), oder über die roten Links bei Amazon shoppen. Vielen Dank! (keine Pflicht, jeder interessierte Leser ist bei uns herzlich willkommen!)




Ausblick auf das Konzertjahr 2008 (Oliver)

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Das Konzertjahr 2007 ist schon wieder Geschichte, konzentrieren wir uns also auf das, was uns 2008 erwartet. Und ich denke, dieses Jahr wird ganz sicher auch wieder einige Glanzlichter aufweisen können. Das Schöne ist: man weiß nie im Voraus, ob Konzerte das halten, was sie versprechen. Man kann aber natürlich auch positiv überrascht werden. Langweilig wird es deshalb nie! Nachfolgend gebe ich einen kurzen Überblick, auf welche Musiker und Bands ich mich besonders freue:

- Morrissey

Mozer is back! Nach einer Pause 2007 und Gerüchten über das Ende seiner Karriere (im NME war zu lesen, er habe zwar noch Lust, CDs aufzunehmen, aber keinen Bock mehr auf das anstrengende Touren) ist der Altmeister des Britpop wohl doch wieder heiß darauf, sich feiern zu lassen. Schon Mitte Januar spielt er einige Gigs in der französischen Provinz und am 4.2. läßt er das Pariser Olympia beben...

- The Charlatans

Auch die Charlatans wollen es wohl noch einmal wissen und spielen einige Termine in Europa. Christoph hat schon für Deutschland geordert, ich in Paris noch nicht.

- The Cure

Für die habe ich bereits Karten. Mal sehen was die alten Säcke noch so drauf haben!

- Band Of Horses

Verlassen wir die alten Engländern und widmen uns ein paar spannenden amerikanischen Kapellen. Die Band Of Horses gehört mit Sicherheit dazu. Sind sie besser als die Shins, denen sie durchaus ähneln? Sowohl Christoph, als auch ich lassen uns das nicht engehen.

- Okkervil River

Diese Amis hätte ich eigentlich schon 2007 erleben können, allerdings "nur" im Vorprogramm zu Vic Chesnutt. Der quälende Streik machte mir im November einen Strich durch die Rechnung.

- Apostle Of Hustle

Die Kanadier werden mit den Stars touren. Ich bin gespannt!

- Alela Diane

Nachdem ich die hübsche Frau mit der souligen Stimme 2007 im Rahmen eines Festivals erleben konnte, freue ich mich endlich auf ein richtiges , sprich längeres Konzert. Am 19. März in der Cigale ist es soweit. Am Besten sie bringt ihre ebenfalls hochbegabte Freundin Marie Sioux mit!

- Eleni Mandell

Bloggerfreund Eike hat mich auf diese in LA lebende Dame gestoßen. Sie läßt gekonnt ein wenig Soul und Jazz in ihre Kompositionen einfließen, ohne damit zu nerven. Ende Januar erlebe ich sie im Vorprogramm der wunderbaren Franzosen Hey Hey My My.

- Adele

Nicht aus den USA, sondern aus England kommt diese junge Folkkünstlerin. Man rede viel von ihr, hoffentlich taugt sie mehr als Lilly Allen, oder Kate Nash. Beim Festival Les Fêmmes s'en mêlent werde ich das überprüfen.

- Foals

Ebenfalls Hoffnungsträger aus dem UK. Ende 2007 schon beobachtet und für nicht schlecht befunden. Wer Post-Punk vermischt mit Mathrock mag, ist hier richtig. Am 21.2. in der Maroquinerie.

- Los Campesinos!

So die Zeit ist gekommen, daß junge Talente zeigen, daß sie wirklich was taugen. Christophs Lieblingsband muß mir noch einmal beweisen, daß sie wirklich etwas Besonderes sind und kein Strohfeuer. Am 4.3. im Nouveau Casino.

- Operator Please

Diese jungen Australier(innen) habe ich persönlich gehypt. War ich damals einfach nur von der zuckersüßen blonden Geigerin betört, oder sind die in der Tat eine neue Sensation? Zusammen mit Foals am 21.2. in der Maroquinerie...

- Tiny Masters Of Today

Noch so eine blutjunge Band. Ach was sage ich, Kinder sind das! Die Geschwister Ada und Ivan sind gerade einmal 11 und 13 Jahre alt! Wird der Auftritt (23. Februar, Maroquinerie) so etwas ähnliches wie die Mini Playback Show, oder sind die einfach frühreif??

- The Do

Der Hype aus Frankreich schlechthin. Ein Duo, bestehend aus einer bildhübschen (aber braunhaarigen Finnin) und einem Franzosen. Ich bin auf ihren Auftrit im März in der Cigale sehr gespannt.

- Moriarty

Von Moriarty hat man auch schon viel gesprochen in 2007, zumindest in Paris. Schafft die folkig-theatralische Band auch in anderen Teilen Europas und im Rest der Welt den Durchbruch?

- Soko

Für mich fast schon wieder ein alter Hut, dabei kann man wohl erst 2008 mit dem ersten richtigen Album rechnen. Stéphanie Sokolinski ist jedenfalls eine äußerst niedliche Ulknudel und wird mit Hits wie "I'll Kill Her" auch den Deutschen den Kopf total verdrehen, wetten?

- Nelson

Mit den jungen Hüpfern von Nelson bin ich ein wenig befreundet. Kein Wunder, die Jungs aus Paris lassen selten ein gutes Konzert aus. 2007 sah ich sie u.a. bei Animal Collective, Grizzly Bear, Yo La Tengo und Au Revoir Simone. 2008 wollen sie in Deutschland durchstarten. Ich drücke ihnen dafür mit ihrem düsteren Neo New Wave Sound beide Daumen. Ein Interview, daß ich mit den Sympathen geführt habe, wird demnächst veröffentlicht.

- Kim Novak

Die französische Antwort auf Interpol. So kann man das oft in der Presse lesen. Ihre Einflüsse gehen aber viel weiter, sie haben eine wunderbare Musikkultur und sind darüber hinaus die nettesten Kerle, die man sich vorstellen kann. Konzertveranstalter aus Deutschland: Ladet diese Band nach Allemagne ein, die sind ganz große Klasse!



Montag, 7. Januar 2008

Konzerte des Jahres 2007 (Oliver) : Top 20

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Alle Versuche, meine Lieblingskonzerte des Jahres wie Christoph auf 15 zu reduzieren, sind gescheitert, da es einfach zu viele erwähnenswerte Gigs gab (sorry Partner!). Hier also meine Auswahl:

Platz 20: The Twang (La Boule Noire, Paris):

Wenn eine Band, die in England oft vor mindestens 3000 Zuschauern auftritt, in Paris vor 30 Leuten ebensoviel Spielfreude vermittelt wie in ihrer Heimat, sagt das schon eine Menge über den Enthusiasmus der hochsympathischen Proleten aus Birmingham aus. Die Newcomer, die in Großbritannien alle bedeutenden Festivals gerockt haben, waren auch beim Festival des Inrocks nicht zu stoppen und hüpften zu später Stunde vor wenigen, aber dafür einsatzfreudigen Fans wie kleine hyperaktive Jungen durch die Gegend und schnorrten sich von den anwesenden Musikerkollegen von Hard-Fi und den Subways Zigaretten. Ihr Dauergrinsen bekommen Sänger Phil und Martin wohl nie aus dem Gesicht und auch ich denke gerne an den gelungenen Auftritt von The Twang zurück.

Platz 19: Battles (La Maroquinerie, Paris):

Bei Battles denke ich als erstes an den unglaublichen Schlagzeuger John Stanier, der auch schon die Schießbude bei Helmet bediente und zudem noch bei Tomahawk im Einsatz ist. Wahnsinn, wie der kräftige Bursche auf sein Instrument einprügelte und zur Krönung des Ganzen zur Mitte des Konzertes von seinem Platz aufsprang, um sein Becken zu vermöbeln! Dazu kam noch der schlumpfige Gesang von Tyondai Braxton, der Killersong "Atlas" und der kaugummikauende Ian Williams, der mit auf dem Rücken geschnallter Gitarre Keyboard spielte. Abgefahren!

Platz 18: Kooks (L'Olympia, Paris):

Einmal von so vielen Weibern angehimmelt werden wie Luke "The Kooks" Pritchard, das wär's! Ich habe heute noch den Tinnitus in den Ohren , den kreischende Girlies verursacht haben, als ihre britischen Helden Hits wie den "Sofa Song", "She Moves In Her Own Way", oder "Ooh La" abfeuerten...

Platz 17: Shins (La Cigale, Paris):

Auch die Shins wurden von den Mädchen gefeiert, allerdings war ihr (zum Großteil amerikanisches) Publikum weniger trendy und passte auch nicht in ganz so enge Jeans wie die süßen Dinger bei den Kooks. Dafür gab es einen Querschnitt aller drei Alben der Amerikaner, die nicht nur das Leben von Natalie Portman zum Positiven gewendet haben.

Platz 16: Blood Red Shoes (Le Baron, Paris):

"Sind sie der Manager?" - Der Typ, der die schwere silberne Tür zum Privatclub Le Baron öffnete, hatte offensichtlich keine Peilung. Nein, ich bin nicht der Manager dieses winzigen puffigen Ladens und ich war auch viel zu früh dran. Später gab's dann aber mächtig was auf die Ohren und zwar aus nächster Nähe. Die blutjungen Mary-Lou Carter und Steven Ansell mischten mit Knüllern wie "It's Getting Boring By The Sea" den beknackten schicki-micki-Club mal so richtig auf. Den blondierten Tussen, die später in ihrem Stammlokal aufkreuzten, fielen ob dieser ungewohnt punkigen Klänge fast die Silikonbrüste aus dem Dekolleté...

Platz 15: The Go! Team (La Cigale, Paris):

Eine ordentliche Überraschung bereitete mir das britische Go! Team beim Festival des Inrocks. Eigentlich stehe ich nämlich nicht auf Hip Hop Einlagen, selbst wenn sie bei der Band mit Indie-Rock vermischt wird. Die ganze Cigale tanzte ausgelassen zu dem energiegeladenen Set des mehrköpfigen Teams. Nach Gossip der zweitbeste Act des Festivals!

Platz 14: Alamo Race Track (La Maroquinerie, Paris):

Wer glaubt, Holland hätte nur Käse, Fußball und Tulpen zu bieten, täuscht sich gewaltig! Alamo Race Track sind nämlich zu Unrecht nur in Frankreich und den Beneluxländern einigermaßen bekannt. Die Band, die das beste Album des Jahres lieferte (Ja, genau! - "Black Cat John Brown"), ist auch live dufte!

Platz 13: Yo La Tengo (Le Trabendo, Paris):

Eine der besten, vielseitigsten und langlebigsten Bands der Indie-Szene und immer noch nicht Stadienfüller wie Sonic Youth. Ungerecht, oder? Thurston Moore und Kim Gordon durften schon im nahegelegenen riesigen Zénith auftreten, Ira Kaplan und Georgia Hubley war das jedoch nicht vergönnt. Stattdessen blieb ihnen das von mir wenig geliebte unschmucke Trabendo, während Schnulzenkönig Elton John im Zénith seine unzähligen Scheußlichkeiten zum Besten gab.

Platz 12: Razorlight (Le Bataclan, Paris):

Razorshite werden sie in Großbritannien oft genannt und auch die deutschen Musikmedien lästern gerne über Großmaul Johnny Borrell und seine Band ab. Diese Form der Miesmache geht mir aber wirklich am Arsch vorbei, denn Razorlight sind definitiv eine der besten Livebands aus England. Kaum eine Formierung hat so viele Hits zu bieten und ist live so packend und kurzweilig.

Platz 11: Coco Rosie: (Le Grand Rex, Paris):

Schwer zu sagen, ob das Konzert der Cassady Schwestern im Grand Rex besser war als ein paar Monate später im Olympia. Beide Male verzauberten mich nämlich die in Paris lebenden Amerikanerinnen mit ihrer feenhaften Show, den herzerweichenden Liedern und der spektakulären Inszenierung.

Platz 10: Bonnie "Prince" Billy ( Le Trianon, Paris):

Da kommen mir doch glatt noch einmal die Tränen, wenn ich an die berührenden Songs von Will Oldham und an seine wunderschöne Stimme denke. Einer der ganz großen Singer/Songwriter unserer Zeit! Und der Mann hat Humor!

Platz 9: PJ Harvey (Le Grand Rex, Paris):

Auch dies Frau ein Ausnahmetalent! Und im Gegensatz zu Will, der ab und zu eine Geigerin einsetzte, kam die Lady ganz alleine, um eine höchst gelungene Show aus alten, gitarrenlastigen und neuen, am Piano vorgetragenen Stücken zu präsentieren. Außerdem hatte sie das schönste Kleid und den stilvollsten englischen Akzent...

Platz 8: Loney, Dear (La Boule Noire):

Der beste Exportartikel aus Schweden seit Björn Borg und Anna Ternheim. Und nicht so langweilig wie Ikea und Volvo, sondern mit ganz viel Leidenschaft ausgestattet! Emil Svanängen und seine wunderbar melancholischen Lieder muß man ganz einfach lieben. Spätestens wenn man den Blondschopf mal live erlebt hat, wird man ihm verfallen.

Platz 7: Kings Of Leon (Le Bataclan, Paris):

Auch hier war der Kreischfaktor bei den jungen Damen im Publikum sehr hoch. Und die Chicks sahen noch einen Zacken schärfer aus als bei den Kooks und waren zudem ein paar Jährchen älter. Lieber Gott im Himmel, schenk' mir die krächzige Stimme von Caleb Followill und seinen knackigen Körper, damit ich auch diesen Schlag bei den Weibern habe! Aber Spaß bei Seite, an jenem Tag im restlos ausverkauften Bataclan hatten auch harte Typen ihre Freude an den blues-rockenden Knüllern der immer tighter werdenden Band.

Platz 6: Gossip (La Cigale, Paris)

Beth Ditto ist wirklich ganz fett im Geschäft. Und dies nicht nur wegen ihrer Leibesfülle, sondern vor allem auf Grund ihrer soulig punkigen Stimme. Selten hat die Cigale so gebebt wie beim Auftritt des amerikanischen Trios. Beth Ditto, eine Traumfrau, trotz ihrer Pfunde!

Platz 5: Kaiser Chiefs (O2 Wireless Festival, London):

Ähnlich wie bei Razorlight wird in der Fachpresse oft über die Band um den hyperaktiven Ricky Wilson gelästert. Kirmesmusik heißt es da unter anderem. Scheiß drauf! Sollen sich die Kritiker doch bei Gruppen wie Mogwai (die ich auch mag) langweilen, während ich mit 20.000 Fans "Ruby" oder "Oh My God" gröhle.

Platz 4: Interpol (Highfield Festival bei Erfurt):

Meine Lieblingsband, ganz klar! Wie man in Hohenfelden sehen konnte, auch live eine Wucht! Und endlich gingen auch die Zuschauer bei Smashern wie "Say Hello To The Angles" mal richtig mit. Ein großes Lob an die Konzertgänger aus dem Osten! Highfield, ich komme wieder!

Platz 3: Joanna Newsom (La Cigale, Paris):

Wie bei Bonnie "Prince" Billy: ich brauche ein Taschentuch, wenn ich an den Auftritt der hochtalentierten Amerikanerin zurückdenke! Wie ihren zarten Finger durch die mächtige Harfe glitten und sie dazu "Emily", oder "Colleen" mit ihrer einzigartigen Stimme sang, einfach unglaublich! Was sagte ich da? Hochtalentiert? - Unsinn, diese Frau ist ein Genie!

Platz 2: Arcade Fire: (L'Olympia, Paris):

Win Butler und Régine Chassagne sind vielleicht keine Genies (allerdings nahe dran), dafür aber dermaßen engagiert und mitreißend, daß einem Hören und Sehen vergeht. Zusammen mit fünf anderen Musikern, die der Stammbesetzung angehören und Künstlern, die live dabei sind, sorgen sie regelmäßig für ein gewaltiges Spektakel. Ich war 2007 gleich mehrfach Zeuge ihrer eindrucksvollen Darbietungen, behalte aber besonders den Gig im Olympia in würdiger Erinnerung. Unglaublich, wie sie den Ausfall von Drummer Jeremy Gara kompensierten! Man merkte kaum etwas davon, lediglich der Wutausbruch von Win Butler, der am Ende seine Gitarre zertrümmerte, zeugte von der immensen Anspannung...

Platz 1: My Brightest Diamond (Point Éphémère, Paris):

Ich hätte vorher nie daran gedacht, hier das Konzert des Jahres zu erleben! Wie die kleine, quirlige Amerikanerin aber das Pariser Publikum um ihre Finger wickelte, war schlicht und einfach nicht zu überbieten! Jeder in dem kleinen Saale hatte hinterher einen riesigen Klos im Hals. Auch ich war unglaublich gerührt, ob dieser fulminanten Darbietung. Immer wieder wurde die zierliche Künstlerin zu erneuten Zugaben herausgeklatscht, der Applaus wollte einfach nicht abreißen. Shara Worden beschloß das Konzert am Ende wohl nur deshalb, weil sie in ihrer Kabine Freudentränen verdrückte, die ihr schon bevor sie von der Bühne eilte, in die Augen geschossen waren! Das französische Publikum hatte sie vollkommen angenommen und dies nicht nur, weil sie zwei Zugaben auf französisch gab.




Mittwoch, 2. Januar 2008

Konzerte des Jahres 2007 (Christoph): Top 15

12 Kommentare


Platz 15:
Voxtrot (Cooky's in Frankfurt): Einen Tag nach ihrem Auftritt in Haldern spielten die Amerikaner ein Clubkonzert in meinem neuen Liebling Cooky's. Es war ganz anders als am Wochenende vorher, härter, energiereicher - und das machte aus einem sehr guten (Haldern) ein großartiges Konzert.

Platz 14: The New Pornographers (Gebäude 9 in Köln): Einer der Überraschungstreffer des Jahres. Ich habe wirklich nicht erwartet, an diesem Abend ein solch vorzügliches Konzert zu erleben, wundervolle Melodien, fantastische Stimmen... und Melodicas. Das waren die besseren Stars!

Platz 13: Malajube (Cooky's in Frankfurt): Die kanadische Band, die eigentlich so gar nicht die Musik macht, die ich mag (in der Theorie), habe ich 2007 viermal gesehen und liebe sie und ihre Musik sehr. Von den vier Konzerten war Frankfurt wohl das beste, es könnten aber alle in dieser Rangliste auftauchen.

Platz 12: Maximo Park (Barrowland Ballroom in Glasgow): MP sind Jahressieger - keine andere Band habe ich so oft gesehen (fünfmal). Das erste Konzert, das in Bochum an Ostern, war schon wahnsinnig toll, die anderen (bis auf den Auftritt im Palladium) nicht schlechter. Der klare Höhepunkt war aber Glasgow vor gröhlenden Schotten und mit mehreren Extra-Portionen Energie!

Platz 11: The Maccabees (Haldern-Festival): Als ich mir die ersten Gedanken über diese Rangliste gemacht habe, kamen mir sofort die Maccabees in den Sinn, auch wenn ich über das noch nicht einmal selbst geschrieben habe. Ich weiß nicht, ob es die besondere (wilde) Atmosphäre im hoffnungslos überfüllten Spiegelzelt war, die das Konzert zu etwas Besonderem gemacht hat - das ist aber auch egal, es war eines der besten Konzerte des Jahres!

Platz 10: Malcolm Middleton (Gebäude 9 in Köln): Auch so eine stille Konzertperle... Wunderschöne, traurige Lieder, ein schnodderiger Sänger mit breitem Akzent, viele Pannen, eine traumhafte weibliche Stimme und alles im Gebäude 9. Ich kann den Abend nicht in dieser Aufstellung übergehen, keine Chance.

Platz 9: Loney, dear (Haldern-Festival): Mein Gott, schreibt dieser Mann schöne Lieder. Ganz sicher wird niemals eines von Emils Liedern es schaffen, im Mainstream-Radio gespielt zu werden. Also wird auch die große Masse der Musikhörer nichts von diesem schwedischen Singer/Songwriter mitbekommen - und das ist schreiend ungerecht! Alles andere zu diesem Auftritt schreibt Oliver, wenn Ihr dem Link folgt.

Platz 8: Los Campesinos! (Botanique in Brüssel): Als ich die (nicht richtig-) Waliser beim Wireless Festival gesehen habe, war es Liebe auf den ersten Blick. Das erste richtige und komplette Konzert haben wir dann in Brüssel gesehen, nachdem LC! in Berlin abgesagt hatten. Es war ... hach! Eigentlich gehört das Konzert viel weiter nach oben, alleine wegen des Glockenspiels und der Violine!

Platz 7: The Twang (Prime Club in Köln): Auch so eine Band, die ich erst 2007 kennengelernt habe (dafür aber gleich mehrfach gesehen habe). Als Vorgruppe von James habe ich sie erstmals gesehen und danach immer wieder Spaß mit den Engländern gehabt. Köln war insofern besonders, weil
die Stimmung unfassbar war, obwohl es kein Countrykonzert war...

Platz 6: Editors (Live Music Hall in Köln): Eine hervorragende zweite Platte, die aus einer kleinen geliebten eine große Radioband gemacht hat, Bombastklang und Chöre, eine Haldern-Absage, der tausendfach geäußerte Satz "die werden wie Coldplay" (... aber ich mag Coldplay) - all das hat nicht verhindert, daß die Band aus Birmingham in Köln zwei bemerkenswerte Konzerte gespielt hat. Das zweite (in der LMH) wurde von keinem "SEK" "gestürmt", war dafür musikalisch eindrucksvoll.

Platz 5: Anna Ternheim (Stadtgarten in Köln): Im März hatte die Schwedin mir im Prime Club den Kopf verdreht (dieses Cape!), im September spielte sie ohne Band - und es war ein Genuß. Es ist eine Frechheit, das nur auf Platz fünf zu setzen, wahrscheinlich mache ich das, um nicht zu verliebt zu klingen.

Platz 4: Klee (Klamottenrockerei im Media Park in Köln): Eigentlich war das viel zu kurz, kalt und leise, um in Erinnerung zu bleiben. Eigentlich. Weil aber Klee eine so fabelhafte und liebenswerte Band ist, wird auch ein Minifestival vor wenigen Leuten Open Air im März, streng beaufsichtigt vom Ordnungsamt zu einem einzigartigen Erlebnis. Außerdem war es das Konzert mit dem dämlichsten Namen...

Platz 3: Travis & The Taste (E-Werk in Köln): Das habe ich nicht erwartet. Absolut nicht. Travis wollte ich halt schon seit Jahren mal sehen. Mehr war ich aber wegen The Taste da, die mich zweimal vorher begeistert hatten (und die eine der nettesten Bands sind, die ich kenne). Travis war dann aber so anders als geplant - nämlich schlicht brillant. Wenn die beiden ersten Plätze nicht wären, wäre das ein sehr würdiges Konzert des Jahres!

Platz 2: James (Olympia Theatre in Dublin): Einer der Warm-Up-Gigs der ersten James Tour nach Jahren. Ich hatte eine Karte bekommen, saß in diesem ehemals prachtvollen Theater, hatte als Vorgruppe die mir noch unbekannten The Twang gehört und bekam dann alte Helden zu hören, die frisch und aufregend klangen. Und denen einige hundert Leute andächtig und feierlich zuhörten. An dem Abend wurden große Erwartungen mehr als bloß erfüllt.

Platz 1: Interpol (Highfield Festival in Hohenfelden): Das geht nicht besser. Eindeutig das beste Konzert, das ich 2007 gesehen habe.



 

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