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Montag, 4. August 2014

The National, Šibenik, 03.08.14

2 Kommentare

Konzert: The National
Ort: SuperUho Festival, Šibenik
Datum: 03.08.2014
Dauer: ca. 100 min
Zuschauer: 1.500 vielleicht



Die Trouble will find me Tour von The National geht langsam zu Ende. Je häufiger ich die Stücke der Platte live höre, desto besser werden sie, desto mehr bestärken Sie mich aber auch, daß die Lieder der Vorgängerplatten deutlich besser sind. Klingt unlogisch, ist aber vielleicht mathematisch so zu erklären, daß das Wachstum der älteren Songs größer ist (sehr viel Sonne hier in Kroatien...). Nach dem hervorragenden Konzert Samstagabend auf der Michaels-Festung über der winzigen Altstadt des wundervollen Šibenik, hätte ich eigentlich nicht noch ein Konzert der Amerikaner am nächsten Tag gebraucht. Das Festungs-Dings war aber erst später dazugekommen, also hatten wir die Karten für Sonntag schon - und dann geht man dann natürlich auch hin.

SuperUho heißt das Festival, das in dieser Woche zum ersten Mal direkt am Meer, gleich neben dem Stadtstrand stattfindet. Daß das Festival von Sonntag bis Dienstag dauert, sowie die Auswahl der Bands erscheint komisch. Ausverkauft war das "Super-Ohr-Festival" dann auch nicht. Es funktioniert aber insofern, daß es dem Veranstalter gelungen war, mit The National einen riesigen Headliner zu gewinnen (mir waren im dreitägigen Lineup sonst nur die Black Lips, Chelsea Wolfe und Tuxedomoon bekannt). Wir kamen pünktlich zu den Black Lips, die offenbar eine gute Show ablieferten, die - wenn sie nach den Ramones klangen - mir auch gefielen, mich aber insgesamt sehr kühl liessen. Anschließend trat eine Band auf, in deren Wikipediabeschreibung in einem Satz die Worte "psychedelisch" und "Didgeridoo" fielen, zwei nogo-areas auf einmal. Auf The National mussten wir bis 23.15 Uhr warten. Die Amerikaner, die seit einer Woche in der Gegend sind, spielten natürlich auf der großen der beiden Bühnen, die keinen Bühnenhintergrund hatte und einen schönen Blick auf die hügellige Landschaft bot. Schade, daß die Bühne nicht 90° gedreht mit Meereshintergrund aufgebaut werden konnte. Das Gelände war aber früher bebaut, wohl mit Industrie- oder Gewerbebauten, und die Hauptbühne bespielte einen Bereich zwischen zwei hohen Mauern. 

Obwohl der Platz gut gefüllt war, war es selbst vorne nicht eng. Allerdings war die Publikums-Qualität enorm. Selbst bei selten gespielten Stücken war der Großteil der Leute vorne 100%ig textsicher. Kroatien scheint ein gutes Pflaster für The National zu sein.

Der Beginn des Konzerts war wenig spannend. Der Festivalbeginn scheint eine abgespeckte Version des Standardkonzertstarts zu sein. Nach This is the last time variiert die Band. Danach wurde es für mich spannend. 

Daughters of the Soho riots war das erste der Überraschungsstücke. "It's an old one from Alligator", leitete Matt Berninger ein. Mit "it's enough" beendete er das Mitsingen des Publikums, lange nachdem das Lied eigentlich vorbei war. Und dann nuschelte er etwas wie "wisst ihr überhaupt, wovon der Song handelt?" Mir gingen einige Male ähnliche Gedanken durch den Kopf, wenn die viele Pärchen engumschlungen bei den so romantischen Melodien schunkelten, bei denen mit den heftig-bitteren Texten.

Nach Daughters of the Soho riots ging es mit All the wine und Available. So wenig wie mich die erste Konzerthälfte mitgerissen hat, weil sie eben eine Kurzversion des Vorabends war - obwohl sie auch in der Form objektiv sehr gut war - so sehr begeisterte mich der Rest. In Available mischten The National das Ende vom Cardinal song rein, nur die letzten Zeilen "Jesus Christ you have confused me. Cornered, wasted, blessed and used me. Forgive me girls i am confused. Stiff and pissed and lost and loose" Machen sie das so schon länger? Ich weiß es nicht, es passte aber perfekt! Die Band spielt nach meiner Wahrnehmung immer häufiger kurze Instrumental-Einleitungen, die nichts mit dem eigentlichen Lied zu tun haben. Zwischen Available und Cardinal song war das eine echte Überleitung, die aus den beiden Songs einen machten.

Danach wurde es wieder normaler. Auch das Ende der Show ähnelte den anderen (diesmal war aber England wieder dabei). The National variieren meist das erste Lied der Zugaben, auf der Festung war es Santa Clara, beim Festival About today. Den Abschluß bilden immer Mr. November, Terrible love und Vanderlyle crybaby geeks. Bei Mr. November verausgabte sich Matt noch mehr als sonst. Er quälte sich scheinbar durch die Schreiphasen. Schon bei Graceless hatte er sich um Kopf und Kragen (und Stimmband) gebrüllt.

Eigentlich dachte ich vorher, das Konzert nicht unbedingt sehen zu müssen. Trotz der Wiederholungen war es aber dann doch wieder hervorragend. Auch die Band schien großen Spaß zu haben und sich in Dalmatien wohlzufühlen. Besonders Bassist Scott blühte offenbar richtig auf! Nachdem es am Samstag Anfeuerungsrufe für ihn gegeben hatte, die die Frontmann spöttisch kommentiert hatte, tanzte und wippte Scott auf der Festivalbühne ausgelassen! Etwas zu ausgelassen sind mir die immer wilder werdenden Rockstar-Posen der Dessner-Zwillinge. Aber vielleicht ist das der Weg eines Gitarristen, gegen Lange-Tour-Langeweile vorzugehen.

Setlist The National, SuperUho Festival, Šibenik: 

01: Don't swallow the cap
02: I should live in salt
03: Bloodbuzz Ohio 
04: Sea of love
05: Afraid of everyone
06: Squallor Victoria
07: I need my girl
08: This is the last time
09: Daughters of the Soho riots
10: All the wine
11: Available
12: Cardinal song (kurz)
13: Abel
14: Slow show
15: Pink rabbits
16: England
17: Graceless
18: Fake empire

19: About today (Z)
20: Mr. November (Z)
21: Terrible love (Z)
22: Vanderlyle crybaby geeks (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The National, Šibenik, 02.08.14
- The National, Brooklyn, 17.06.14
- The National, Köln, 11.06.14
- The National, Mannheim, 01.06.14
- The National, Paris, 18.11.13
- The National, Brüssel, 17.11.13
- The National, Esch-sur-Alzette, 06.11.13
- The National, Düsseldorf, 05.11.13
- The National, Zagreb, 02.07.13
- The National, Paris, 25.06.13
- The National, Camber Sands, 09.12.12
- The National, Barcelona, 27.05.11
- The National, Eindhoven, 18.02.11
- The National, Paris, 23.11.10
- The National, Neu-Isenburg, 18.11.10
- The National, Wien, 18.08.10
- The National, Haldern, 14.08.10
- The National, Latitude-Festival, 16.07.10
- The National, Paris, 07.05.10
- The National, Haldern, 09.08.08
- The National, Montreux, 16.07.08
- The National, Köln, 27.11.07
- The National, Paris, 14.11.07
- mehr Fotos später!



Sonntag, 3. August 2014

The National, Šibenik, 02.08.14

0 Kommentare

Konzert: The National
Ort: Tvrđavi sv. Mihovila (Festung St. Michael), Šibenik (Kroatien)
Datum: 02.08.2014
Dauer: 110 min
Zuschauer: 800 (ausverkauft)


all die tollen Fotos stammen von Claudia

Eigentlich hatten The National dieser Tage Konzerte in Russland und der Ukraine spielen wollen. Wegen der eskalierenden Situation zwischen beiden Ländern strich die Band die Termine und fand mit dem SuperUho-Festival in Šibenik in Kroatien Ersatz - und die Gelegenheit zu einem Kurzurlaub in einer wunderschönen Gegend.  Etwas später kam zum Festival-Headliner-Job noch ein Minikonzert auf einer der zahlreichen Festungen der Stadt dazu, wieder später ein zweites. 

Den ersten dieser beiden Auftritte auf der St. Michaels-Festung hatten wir ausgelassen, zwei National-Konzerte nacheinander würden genügen, denn die Band variiert zwar immer wieder Songs, das Grundgerüst der Konzerte ist aber stets gleich. Die Setlist des Auftritts am Freitag enthielt keine großen Überraschungen. Šibenik ist klein, wir konnten überall im Ort zuhören. Erstaunlicherweise war das Konzert nicht ausverkauft, obwohl der Innenhof der Festung winzig ist. Unseres am Samstagabend war schon eine Weile ausgebucht. 

Die Tvrđavi sv. Mihovila liegt mitten in der Stadt und bietet einen atemberaubenden Blick über Altstadt und Meer. The National hatten am Vorabend neiderzeugende Fotos aus dem Backstagebereich (sprich der Mauer an der Meerseite) gepostet. Als wir ankamen, ging gerade die Sonne über der Adria unter, es war hochromantisch! Der winzige Festungshof war zu einem Drittel mit der Bühne, zu zwei Dritteln mit einer 20-Reihen-Tribüne ausgefüllt. Es gab ausschließlich Sitzplätze. Allerdings nur bis zu den ersten Takten von Start a war, denn da saß niemand mehr (bis auf die beiden ketterauchenden Frauen neben mir, die stoisch auf den Boden guckten und sich nur bewegten, wenn die aktuelle Kippe abgelöst werden musste). Am Vorabend war die Stimmung wohl weit weniger gut, erst spät war der Raum vor der ersten Reihe zu Stehplätzen umfunktioniert worden.


Einige kroatische Fans hatten am Eingang Wunderkerzen verteilt und organisiert, daß die zu Konzertstart gezündet würden. Das klappt hervorragend und sah wundervoll aus. Nur Matt Berninger schien eingeschüchtert. "I have terrible fear of sparklers! It's a nightmare! That's the worst possible thing that could have happened!" Puh, das würde ja toll werden!

Matt ließ sich zumindest (nicht mehr als normal) von Panik und Angst nichts anmerken. Start a war (immer wieder einer meiner Lieblinge) war toll - wie fast alles, was folgte! Die Band schien Spaß zu haben, besonders die Gitarren-Zwillinge wirkten ausgelassen. So ein Kurzurlaub am Meer wirkt Wunder!

Die erste Hälfte des Konzerts war wie mein letztes The National-Konzert in Köln im Juni und enthielt (aus dem Gedächtnis) keine Überraschungen. Teil zwei - ab meinem anderen Liebling Green gloves - dafür umso mehr. Guest room hatte ich noch nie live gehört. Wie auch? The National hatten das Lied von Boxer erst vor ein paar Tagen ins Liveprogramm aufgenommen und auch bei der damaligen Tour nur dreimal gespielt. Alleine dafür hatte es sich schon gelohnt, die Band aus Brooklyn noch einmal zu sehen.

Auch Lit up von Alligator direkt danach war für mich live neu. Die beiden Frauen rechts und links von mir beeindruckte das nicht. Dame rechts gingen irgendwann die Kippen aus, Dame links rechnete offenbar, wie oft sie noch das Feuerzeug bedienen müsste, bis diese komischen Typen vorne endlich aufhörten. Beide waren übrigens alleine da, was ihr Verhalten für mich umso schwieriger zu kapieren macht. Ich lese gerade ein Buch eines englischen Hummelforschers, in dem er viele Versuchsaufbauten beschreibt, die Rätsel dieser (wirklich!) spannenden Tiere zu lösen. Aber vermutlich wäre er vor den beiden auch verzweifelt.

Meine dritte Songpremiere eröffnete die Zugaben. Santa Clara (die B-Seite von Mistaken for strangers) spielen The National auch selten. Erst dieses Jahr ist es regelmäßiger im Programm. Der Rest war National-Standard: Mr. November, Terrible love und Vanderlyle. Für mich ist dieses Ende eine der Schwachstellen der National-Konzerte, zumindest, wenn man es mehrfach sieht. Wenn die Überraschungen bei Mr. November (Matts Geschrei) und bei Terrible love (seine Ausflüge durchs Publikum) und das akustische Ende nicht mehr neu sind, verlieren sie an Reiz. Es gehört nicht viel Weitsicht dazu, vorherzusagen, daß auch der Auftritt beim SuperUho-Festival heute abend am Strand gleich enden wird. Aber mein Gott, es kommt ja wieder eine neue Tour mit neuem Ende (und vielleicht mit einer Wiederentdeckung von Lieblingen wie Racing like a pro).

So waren es bei dem Grundgerüst der Tour diesmal die kleinen Änderungen, die mir aufgefallen sind. Einige Intros schienen mir neu zu sein. Vor Slow show verschwand Matt von der Bühne (zum wiederholten Male), die Band spielte eine "der Sänger ist weg"-Instrumental-Sache. Überraschend für die Amerikaner war die große Fanbasis, die Bassist Scott Devendorf in Kroatien hat "you're shouting for Scott?" fragte Matt und drehte sich zu seinem Bassisten um: "how does this feel?" Ich war am meisten perplex, als der Frontmann die beiden Bläser bei Fake empire plötzlich anttanzte. Ehrlich gesagt war das weitaus verstörender als die beiden apathischen Frauen neben mir!

Wegen der außerordentlich tollen Konzertstätte, der Begeisterung des Großteils des Publikums und der Überraschungssongs war mein elftes The National-Konzert* eines meiner besten! Heute abend erwarte ich weit weniger. Aber trotzdem ist die Animation hier im Sommerurlaub nicht so schlecht, wie ich das immer gedacht hatte.

Setlist The National, Festung St. Michael, Šibenik:

01: Start a war
02: Don't swallow the cap
03: I should live in salt
04: Anyone's ghost
05: Bloodbuzz Ohio
06: Sea of love
07: Sorrow
08: Afraid of everyone
09: Conversation 16
10: Squalor Victoria
11: I need my girl
12: This is the last time
13: Green gloves
14: Guest room
15: Lit up
16: Abel
17: Slow show
18: Apartment story
19: Pink rabbits
20: Graceless
21: Fake empire

22: Santa Clara (Z)
23: Mr. November (Z)
24: Terrible love (Z)
25: Vanderlyle cry baby geeks (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The National, Brooklyn, 17.06.14
- The National, Köln, 11.06.14
- The National, Mannheim, 01.06.14
- The National, Paris, 18.11.13
- The National, Brüssel, 17.11.13
- The National, Esch-sur-Alzette, 06.11.13
- The National, Düsseldorf, 05.11.13
- The National, Zagreb, 02.07.13
- The National, Paris, 25.06.13
- The National, Camber Sands, 09.12.12
- The National, Barcelona, 27.05.11
- The National, Eindhoven, 18.02.11
- The National, Paris, 23.11.10
- The National, Neu-Isenburg, 18.11.10
- The National, Wien, 18.08.10
- The National, Haldern, 14.08.10
- The National, Latitude-Festival, 16.07.10
- The National, Paris, 07.05.10
- The National, Haldern, 09.08.08
- The National, Montreux, 16.07.08
- The National, Köln, 27.11.07
- The National, Paris, 14.11.07

* ich Amateur!
 


 

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