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Montag, 8. September 2014

Thumpers, Sun Club, Little Racer, New York, 28.08.14

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Konzert: Little Racer, Sun Club, Thumpers
Ort:  Rough Trade, New York
Datum: 28.08.2014

Zuschauer: ca. 30 bis 100 bis verschwindend weniger



von Christine aus Stuttgart

Ich bin sehr viel beruflich unterwegs. So viel, dass ich ungefähr zwei Drittel aller Konzerte verpasse, auf die ich gehen würde, hätte ich einen geregelten Bürojob. Durch einen schönen Zufall im Allgemeinen und Sparmaßnahmen meiner Firma im Besonderen habe ich einen freien Abend in New York. Krank, Jetlag, egal…in dieser Stadt läuft bestimmt irgendwo Live Musik, um meine Entzugserscheinungen zu behandeln. 



Auf der „Bowery Presents…“ Webseite klingt das Konzert bei Rough Trade in Brooklyn passend, kennen tu ich keine der Bands. Bin natürlich viel zu früh da, genau richtig, um am East River zu sitzen und die Sonne hinter der Manhattan Skyline untergehen zu sehen. Dann höre ich Platten im Rough Trade Record Store. Schlaues Geschäftsmodell, der Konzertraum ist direkt hinter dem wirklich sehr schönen Plattenladen angeschlossen. Der Abend ist jetzt schon viel zu teuer…


Die erste Band Little Racer aus New York betritt die Bühne. Direkt vor mir beeindruckt mich der spindeldürre Gitarrist in Röhrens-Jeans und sehr langen Haaren (Neid!). Das sich spärlich eingefundene Publikum besteht u.a. aus einem Grüppchen von Hipster-Mädchen, die nach jedem Song begeistert „woohoo“ schreien. Vielleicht die Freundinnen? Des Weiteren: Die Jungs der nachfolgenden Bands, dich sich solidarisch vor die Bühne stellen. Ein paar alleine gekommene männliche Musik-Fans. Touristen. Beim ersten Hinhören erinnern mich Little Racer entfernt an die Strokes, spätestens beim dritten Lied aber hinkt der Vergleich gewaltig. Die eigentlich guten Melodien werden mit einer ordentlichen Portion cheesyness überzogen, also Käse, Zucker, irgendwas Anbiederndem. Vielleicht ist es sogar eine Spur ironisch gemeint, aber ich verstehe es nicht. Als ob sie sich nicht ganz trauten, in dieser Stadt der Coolness tief empfundene Musik zu machen, ohne sich einen Vollbart wachsen lassen zu müssen. Schade, die nicht so kitschig klingenden rockigen Passagen finde ich recht gut. Gegen Ende des Sets drehen sie auf und es wird stellenweise echt toll! Diese Band hat mir unterm Strich dann doch Spaß gemacht. Ein Mann neben mir meint, Little Racer klingen nach den Ramones. Hä? Ich glaub, dann hab ich die Ramones auch nicht verstanden. Nach ungefähr 30 Minuten ist das Set der ersten Vorband vorbei. 


Die zweite Band des Abends, die zusammen mit den Thumpers durch die Lande tourt, ist Sun Club. „Oh, süß!“, denke ich als erstes, als ich sie sehe. Die haben lustige, wuschlige Frisuren und sehen aus wie 16-jährige Lausbuben. Die Hälfte der Band könnte unverändert in den Cast der Big Bang Theory. Jetzt füllt sich der Raum deutlich. Es werden viel mehr recht unterschiedliche Menschen. Es ist schon viertel nach zehn und ich frage mich, wann das heute eigentlich vorbei ist…Bin ich naiv, davon auszugehen, dass in New York fucking City die Bahn bis tief in die Nacht hinein fährt? In Stuttgart würde ich schon so langsam nervös werden. Weil ich nicht gerne alleine unterwegs bin, halte ich mich konstant an einem Bier fest und bin schon betrunken, bevor die zweite Band angefangen hat.

Wow, Sun Club haben mich vom ersten Moment! Die Dutts des Sängers und des Drummers lösen sich sofort auf. Sie erinnern mich im Sound und in der geballten Live Energie an Motorama. Aber irgendwie skizzenartiger, rotziger, jugendlicher, ungestümer. Der Sänger gröhlt, alle hüpfen, schwingen wild ihre Instrumente, und grinsen sich gegenseitig an. Ein scharfes Foto zu bekommen, ist mit meiner Handy-Kamera fast unmöglich. Der Wuschel am Keyboard drischt nebenher so auf eine Trommel ein, dass sich auf dem Boden so langsam ein Häufchen Holzspäne sammelt. Ich bin wild am Zappeln (das Bier?), der Rest des Publikums lässt sich nicht so leicht dazu animieren, aber was soll’s... Gegen Ende des Sets überlege ich kurz, ob ich nicht über die musikalische Bedeutsamkeit der Band nachdenken sollte. Intellektuell jedoch stimuliert die Band so gar nix bei mir! Hier blüht die Spät-Adoleszenz. Das Treiben auf der Bühne und das Mithüpfen haben einfach nur großartigen Spaß gemacht (das Bier?). 

Ich bin gespannt auf die Hauptband des Abends, Thumpers aus London und erwarte eigentlich eine Steigerung. Und dann klingen sie…och…irgendwie poliert, sehr brav. Die Melodien schmiegen sich so gar nicht in mein Ohr, bewegen sich auf zu wenigen Ebenen. Nach der überbordenden Energie von Sun Club klingen sie ganz schön flach. Während ich dies schreibe höre ich sicherheitshalber nochmal in die Platte rein, aber nee, ich finde sie immer noch nicht aufregend. Aber auch nicht furchtbar. Am besten gefallen sie mir, wenn sie die Gitarren und das Schlagzeug schrammelig und laut aufdrehen und dazu der Keyboarder schönes kling klong beiträgt. An leider nicht genug Stellen haben sie schöne Indie-Momente. Der Typ von vorhin raunt mir von hinten „Genesis“ ins Ohr. Hä? Das nun auch wieder nicht. Als ich sehe, wie er mit seinem japanischen Arbeitskollegen total abgeht, weiß ich, wo vorhin das Problem lag. Dem Rest des Publikums scheint es ähnlich zu gehen wie mir. Die Reihen lichten sich, es wird viel gequatscht, es fühlt sich nach Aufbruch an. Ich trete den Fußweg durchs nächtliche Williamsburg an. Von den Thumpers gibt es heute Abend von mir kein Foto. Aber vielleicht lag es auch am Bier.


Donnerstag, 19. Juni 2014

The National, Brooklyn, 17.06.14

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Konzert: The National (celebrate Brooklyn)
Ort: Prospect Park Bandshell, Brooklyn, New York
Datum: 17.06.2014
Dauer: The National 110 min, Phosphorescent 40 min
Zuschauer: ausverkauft, vielleicht 5.000

 

von Claudia aus Stuttgart

„Es ist so großartig, wenn man zu seinem eigenen Gig mit dem Fahrrad kommen kann!“ 


Aaron Dessner ist glücklich, dass The National heute ihr erstes von drei Heimspielen in Brooklyn haben und wir sind glücklich, dass wir dabei sein können. Es ist heiß in New York an diesem Dienstag, gut 30 Grad und das bei bekannt hoher Luftfeuchtigkeit. Um unsere Kräfte zu schonen, waren auch wir im Rahmen unseres Touriprogramms mit dem Fahrrad unterwegs. Start in Manhattan über die Williamsburg Bridge, fancy Williamsburg mit seinen chassidischen Juden im südlichen Teil, DUMBO und über die Brooklyn Bridge zurück. Radfahren im Big Apple. Wer hätte gedacht, dass es tatsächlich so viele markierte Radwege hier gibt. Wer’s nachmachen will, dem sei Frank’s Bikeshop aller wärmstens empfohlen! Der Mann ist ein New Yorker Urgestein. 

Aaron ist vielleicht wirklich mit dem Fahrrad da und meint auf Nachfrage von Sänger Matt Berninger, dass er für später auch mit der ausreichenden Beleuchtung ausgestattet sei. „I got even two!“ 


Der Prospect Park liegt mitten in Brooklyn, mit wunderschönem Baumbestand. Ein Naherholungsgebiet. Im Sommer werden hier jede Menge kostenlose Konzerte veranstaltet und um das zu finanzieren, wird für die eine oder andere Veranstaltung zwischendurch auch mal Eintritt verlangt, so auch für die drei Tage, die The National mit unterschiedlichen Vorbands hier in ihrer Bandhomebase Brooklyn spielt. Vermutlich werden es die letzten Konzerte in New York City im Rahmen der Trouble-Will-Find-Me-Tour sein. 


Als wir in unseren luftigen Sommerkleidchen mit Sommerpicknick ausgestattet kurz nach 6 am Park ankommen, gibt es bereits eine riesiglange, höchst disziplinierte Schlange am Eingangsbereich, alt und jung, Kinderwagen, hip und weniger hip, eine typische The-National-Mischung. Der für die Konzerte abgesperrte Bereich ist eigentlich recht übersichtlich. Die geteerte, pefekt sichtgeeignet ansteigende Fläche vor der Bühne bis zum Mischturm fasst vielleicht 2000 Menschen. Wir laufen am seitlich offenen VIP-Zelt vorbei, in dem gerade gegessen wird. Teile von Band und Crew sitzen entspannt an den Tischen. Statt auf einer der umliegenden Rasenflächen unsere Picknickdecke auszubreiten, entscheiden wir uns für den Bereich direkt vor der Bühne. Das sollte später für entspanntes Stehen in der dritten Reihe reichen. 


Pünktlich um 7 fängt Matthew Houck aka Phosphorescent an zu spielen. Mit ihm stehen 7 Musiker auf der Bühne, die zwischendurch noch von 3 Blechbläsern unterstützt werden. Houck hat sich dafür den Trompeter und den Posaunisten von The National ausgeliehen. Das Set ist nicht schlecht, überzeugt aber nicht wirklich. Die Musik klingt austauschbar, nach gutem alten Classic American Rock und leider geht Phosphorecents Stimme bei der vorhandenen Überinstrumentalisierung ziemlich unter. Manchmal wäre weniger vielleicht doch mehr. Wir hätten gut und gerne auf eines der beiden Keyboards verzichtet. 


Nach kurzem Umbau betritt The National die Bühne. Die Videoleinwand ist im Vergleich zu den europäischen Konzerten etwas kleiner und besteht aus unterbrochenen Teilstücken. Der Wirkung tut es keinen Abbruch und der eigens für die Tour engagierte Videotechniker/-künstler macht auch an diesem Abend wieder einen grandiosen Job. 

Gleich das dritte Lied wird eines der absoluten Highlights des Abends. Matt Berningers Hand weist in die Ferne. „Das nächste Lied ist gleich dahinten, hinter dem Park entstanden.“ „This goes to our neighbors!“ wirft Aaron Dessner ein. Es handelt sich um The Geese Of Beverly Road vom Durchbruchalbum Alligator. Die Straße liegt irgendwo ganz in der Nähe des Dessnerschen Hauses und der Song entstand wohl in einer ähnlich schönen Sommernacht. Mit den „Gänsen“ sind Autoalarmanlagen gemeint, die von irgendwelchen Kids in so einer Nacht ausgelöst wurden. Der Song könnte nicht besser zu diesem Abend inmitten von Brooklyn passen. Gänsehautmoment. 

Wie auch schon in Mannheim braucht es ein paar Lieder bis der Sound wirklich stimmt und Matt Berninger ganz in seiner Trance angekommen ist. Die Weißweinflasche steht vor den Drums in einem dieser typischen US-Cooler und getrunken wird aus wenig stilvollen roten Plastikbechern oder später direkt aus der Flasche, die achtlos in hohem Bogen in die Kühlbox zurückgeworfen wird. 


Einer der packendsten Momente ist Afraid of Everyone, der Song der die Ängste des damaligen Neuvaters spiegelt. Schon so oft live gehört, aber heute ergreift mich die Emotionalität des Berningerschen Vortrags mit voller Wucht. 


Die gesetzten Songs der Tour werden auch heute durchgehend gespielt, wobei ja auch hier immer wieder kleine Änderungen vorgenommen werden. Insofern gibt es zwar keine großen Überraschungen, aber die Dichte und die Arrangements sind nach wie vor fantastisch. Unglaublich schön bleibt die in Luxemburg erstmalig gespielte Live-Fassung von Hard To Find. Wirklich toll auch der Einsatz des Geigenbogens an der E-Gitarre durch Bryce Dessner bei Slow Show. Überhaupt liefert Bryce einen immer showtauglicheren Einsatz mit seinen Gitarren ab. Nicht nur herrlich zu hören, sondern auch herrlich anzuschauen. 


About Today ist auch so ein Gänsehautlied! „Hey are you awake. Yeah I’m right here. Well can I ask you about today.“ Für die Klavierbegleitung bitten die 5 einen alten Freund und Wegbegleiter auf die Bühne, dessen Namen wir leider nicht genau verstanden haben. 


Kurz fragen wir uns, ob der Prospect Park mit seiner verschwitzten Menschenmenge und die viel strengeren amerikanischen Regeln wohl das Bad in der Menge zulassen. Als erste Zugabe spielt die Band Santa Clara von der Viginia-EP. Ein weiterer Gänsehautmoment. „It’s alright to see a ghost.“ Danach geht’s zu Mr. November ab durch die Zuschauerreihen. Auch eine offensichtliche Platzwunde an der Stirn nach der ersten Runde vermag einen Berninger nicht aufzuhalten. Bei Terrible Love - mit Phosphorescent als Gastgitarrist - ist die linke Seite dran und als ihm Aaron danach ein Handtuch reichen will und auf die Schläfe deutet, wischt er es brüsk zur Seite. This man is on fire und die Weißweinflaschen auch mal wieder leer. 

Bei Vanderlyle wird nochmal deutlich, dass wir uns in einem englischsprachigen Land befinden. Wir hatten’s fast vergessen. Wunderschön. 

Auf dem Weg nach draußen, zurück zur Subway machen wir noch am Merchstand Halt. Als Erinnerung an diesen herrlichen Sommerabend in New York ergattern wir die letzten beiden Siebdruckplakate, Specialedition for tonight! Es hat bestimmt immer noch 28 Grad. 

Setlist The National, Prospect Park, Brooklyn, New York:  

01: Don’t Swollow The Cap 
02: I Should Life in Salt 
03: Geese Of Beverly Road 
04: Bloodbuzz Ohio 
05: Demons 
06: Sea Of Love 
07: Hard To Find 
08: Afraid Of Everyone 
09: Conversation 16 
10: Squalor Victoria 
11: I Need My Girl 
12: This Is The Last Time 
13: Green Gloves 
14: Abel 
15: Slow Show 
16: Pink Rabbits 
17: England 
18: Graceless 
19: About Today 
20: Fake Empire 

21: Santa Clara (Z) 
22: Mr. November(Z) 
23: Terrible Love (Z) 
24: Vanderlyle Cry Baby Geeks (Z)


Links: 

- aus unserem Archiv:
- The National, Köln, 11.06.14
- The National, Mannheim, 01.06.14
- The National, Paris, 18.11.13
- The National, Brüssel, 17.11.13
- The National, Esch-sur-Alzette, 06.11.13
- The National, Düsseldorf, 05.11.13
- The National, Zagreb, 02.07.13
- The National, Paris, 25.06.13
- The National, Camber Sands, 09.12.12
- The National, Barcelona, 27.05.11
- The National, Eindhoven, 18.02.11
- The National, Paris, 23.11.10
- The National, Neu-Isenburg, 18.11.10
- The National, Wien, 18.08.10
- The National, Haldern, 14.08.10
- The National, Latitude-Festival, 16.07.10
- The National, Paris, 07.05.10
- The National, Haldern, 09.08.08
- The National, Montreux, 16.07.08
- The National, Köln, 27.11.07
- The National, Paris, 14.11.07



Freitag, 1. Oktober 2010

Belle & Sebastian, New York, 30.09.10

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Konzert: Belle & Sebastian (& Teenage Fanclub)
Ort: Williamsburg Waterfront, Brooklyn, New York
Datum: 30.09.2010
Zuschauer: gut 5.000 (ausverkauft)
Dauer: Belle & Sebastian 115 min, Teenage Fanclub 40 min


Die Setdesigner der Batman Filme wären neidisch gewesen, wie düster Manhattan wirklich aussehen kann. Regenwahrscheinlichkeit 100% und schwere Gewitterstürme waren gemeldet worden, die Band war kurz davor, das Konzert abzublasen. Man verlegte den Start um eine halbe Stunde nach vorne, um den Auftritt zu retten.

Den ganzen Nachmittag war es eklig schwül in New York, es war wirklich eine Frage der Zeit, wann das angekündigte Unwetter starten sollte. Im Gegensatz zu vielen bei lastfm, die schrieben, daß sie nicht kommen würden, saß ich irgendwann in der U-Bahn zur anderen Flußseite. Hielten wir vor ein paar Tagen noch die Gegend um den
Brooklyn Bridge Park für sehr hip, scheint Williamsburg das zu sein, was Neukölln neulich noch in Berlin war, der angesagteste Stadtteil. Die Konzertserie an der Williamsburg Waterfront ist recht gut erreichbar und liegt, der Name verrät es, direkt am East River. Auf den Blick auf Manhattan hatte ich mich gefreut, allerdings war davon im Dunst kaum etwas zu sehen. Mein Gott, war das apokalyptisch!

Ich mußte nicht lange warten, da passierte etwas auf der Bühne: die erste der Glasgower Bands erschien, Teenage Fanclub, auf die ich
mich extrem gefreut hatte (auch die Vaselines waren in der Stadt, die supporten aber wohl in Mexiko). Allerdings hatte ich vorher immer wieder gehört, daß Teenage Fanclub live sehr langweilig seien. Die mitunter verhaltene Musik der Schotten lässt das schon vermuten, allerdings erlebte ich den Auftritt anders.

Die Lieder der Band aus Glasgow erscheinen auf Platte überwiegend ruhig, keine Frage. Aber auch wenn die in die Jahre gekommenen Musiker nicht nach Rockern aussahen, machten sie live enormen Krach. Flucht nach vorne vielleicht. Leise Lieder laut gespielt funktioniert bei mir wohl immer, in diesem Fall aber ganz besonders gut, denn auch Teenage Fanclub sind eine Band, die ausschließlich Hits im Repertoire hat. Die Stücke der neuen Platte Shadows bilden da keine Ausnahme, es waren also 40 Minuten, die unglaublich kurzweilig und aufregend waren, Begriffe, die ich vorher nicht unbedingt mit Teenage Fanclub verbunden hätte.

Setlist Teenage Fanclub, Williamsburg Waterfront, Brooklyn, New York:

01: Sometimes I don't need to believe in anything
02: Baby Lee
03: About you
04: I need direction
05: I don't want control of you
06: Don't look back
07: Your love is the place where I come from
08: When I still have thee
09: Sparky's dream
10: The concept

Um acht kamen dann die, die Teenage Fanclub als weitere Glasgower Band angekündigt hatten. Die wären gut!

Das allerdings war massiv untertrieben, Belle & Sebastian waren heute der Szenerie
entsprechend dramatisch gut!

Die Band trat in der gleichen Besetzung wie beim Latitude Festival auf, also verstärkt um vier Streicher und die zusätzliche Keyboarderin, Sängerin, Cellistin und Flötistin Sarah Wilson. Ich hatte mich auch insgeheim darauf eingestellt, daß das Programm das gleiche sein würde wie im Sommer. Weit gefehlt! Zum einen spielten die Schotten
nicht bloß die beiden live schon bekannten Stücke vom neuen Album, sie spielten vier neue Sachen - und alle waren großartig!

Ganz besonders toll allerdings waren die alten Perlen
im Set- Piazza, New York catcher hätte man noch erwarten können, schließlich kommt darin der New Yorker Baseball-Held Mike Piazza vor (Stuart Murdoch verriet, daß er Fan der Boston Red Sox ist - was auch sonst!). The loneliness of a middle distance runner hatte ich mir still und heimlich heute morgen gewünscht, There's too much love oder Another sunny day und We rule the school waren weitere grandiose Überraschungen!

Das das Konzert nicht nur für uns Zuschauer etwas Besonderes sein würde, hatte man vorher gemerkt (und gelesen). Die Schotten (und Bobby, der Nordire) schienen ganz besonders viel Spaß zu haben, heute aufzutreten. Es muß aber auch zu eindrucksvoll gewesen sein: oben der schwarze Himmel, der starke Wind, der den Bühnennebel zerfetzte, dann der Blick auf die Zuschauermassen, alle, restlos alle mit glücklichen Gesichtern und dahinter der schwarze Fluß und die Wolkenkratzer im Dunst.

Die gute Laune spiegelte sich in Stuart Murdochs Redseligkeit wider, er erzählte viel, aber immer so, als seien alle alte Freunde. "Gibt es hier eigentlich heute Baby Belles?
Habt ihr Kinder bekommen seit wir zuletzt hier waren? Ist jemand mit seinen Eltern da?" Es gab viele... und die bekamen signierte Footbälle zugeworfen. Da bedarf es doch keiner weiteren Erklärung, warum man diese Band liebt, oder?

Und das alles wäre keine amerikanische Geschichte, wenn nicht auch das Wetter ein Happy End gehabt hätte. Es war dunkel wie in besonders düsteren Bärenhöhlen, es regnete aber nicht, keinen Moment. Belle & Sebastian haben das Gewitter weggespielt. Oder wie es jemand bei lastfm kommentierte: "Awesome Glaswegian Bands 1, Weather Forecasters 0."

Setlist Belle & Sebastian, Williamsburg Waterfront, Brooklyn, New York:

01: I didn't see it coming (neu)
02: I'm a cuckoo
03: Step into my office baby
04: Like Dylan in the movies
05: I'm not living in the real world (neu)
06: Piazza, New York catcher
07: I want the world to stop (neu)
08: Lord Anthony
09: Sukie in the graveyard
10: We rule the school
11: Another sunny day
12: The loneliness of a middle distance runner
13: Write about love (neu)
14: There's too much love
15: The boy with the arab strap
16: If you find yourself caught in love
17: Judy and the dream of horses
18: Sleep the clock around

19: Me and the major (Z)
20: Get me away from here, I'm dying (Z)

Links:

- Belle & Sebastian, Latitude Festival, 17.07.2010
- God Help The Girl live in Den Haag



Samstag, 25. September 2010

Stars, New York, 24.09.10

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Konzert: Stars (& Wild Nothing)
Ort: Terminal 5, New York
Datum: 24.09.2010
Zuschauer: 1.200 vielleicht (voll)
Dauer: Stars knapp 100 min, Wild Nothing 30 min


Wow, was für ein Erlebnis! Mein sechstes Stars-Konzert war das bisher beste. Nicht weil die kanadische Band eine ähnliche Hitdichte erzeugt hätte wie in Köln vor zwei Wochen, sie spielte nämlich vor allem Stücke des neuen Albums und unbekanntere Perlen, heute passte einfach alles zusammen. Der Sound im stylischen Terminal 5 war perfekt, der Laden wundervoll ausgeleuchtet (wen wundert das, gegenüber ist die Technik von CBS, drei Blocks weiter der Broadway), die Band hervorragend aufgelegt. Selbst das anstrengende und junge Publikum ("komm wir fotografieren uns mal") konnte den hervorragenden Eindruck nicht versauen. Wenn gut 1.000 Leute Your ex-lover is dead singen, gibt es wenig, was daran ranreicht. "We are Stars and so are you."

Das Terminal 5 liegt in der Nähe des Hudson River auf der New Yorker Westside, etwa auf Höhe des Central Parks. Wir hatten etwas sehr Hippes befürchtet, der Club erwies sich aber als weit weniger unangenehm cool als erwartet.

Nachdem Wild Nothing ein kurzes Set gespielt hatten, das wahrscheinlich dem in Köln ein paar Wochen vorher entsprach, mich aber trotz der viel besseren Umstände etwas weniger begeisterte, begann um 22.15 die eigentliche Show.

Wenn man das nervende Publikum ausblendet, war das Konzert perfekt! Amy und Torquil schienen gut aufgelegt zu sein, vor allem passten ihre Stimmen. Das eine schlimme Stars-Konzert, das ich einmal in Köln gesehen habe, bei dem die Einsätze furchtbar waren, wäre in der brillanten Akustik des Terminal 5 grausam gewesen. Aber heute war es so, wie man es sich wünscht, jedes der wundervollen Duette entfaltete seine Wirkung vollständig: es war ein Abend, der keinen Platz zum Nörgeln ließ.

Setlist Stars, Terminal 5, New York:

01: He dreams he's awake
02: Elevator love letter
03: The passenger
04: Fixed
05: Wasted daylight
06: Time can never kill the true heart
07: Bitches in Tokyo
08: Undertow
09: The comeback
10: Ageless beauty
11: The woods
12: Dead hearts
13: Take me to the riot
14: We don't want your body
15: Se yourself on fire
16: How much more
17: Your ex-lover is dead
18: One more night

19: Celebrations guns (Z)
20: I died so I could haunt you (Z)
21: Reunion (Z)
22: Midnight coward (Z)
23: Changes (Z)

Links:

- Stars, Köln (Luxor), 09.09.10
- Stars, Köln (Gloria), 11.02.08
- Stars, Köln (Gebäude 9), 27.09.07
- Stars, Berlin (PopKomm), 20.09.07




Mittwoch, 22. September 2010

Pavement, New York, 21.09.10

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Konzert: Pavement (Comeback Show)
Ort: Central Park, New York City
Datum: 21.09.2010
Zuschauer: ausverkauft aber nicht unangenehm viele (2.000 vielleicht)
Dauer: 115 min


Wie überaus sympathisch, daß Pavement die gleichen schlechten Witze über ihr Comeback-Konzert machen wie wir. "So eine erste Show ist schon etwas besonderes." "Danke, daß ihr Karten für heute gekauft habt. Aber die waren ja am Ende auch billig nach all den anderen Konzerte." Das Reunionkonzert der US-Indiehelden war zwar als Comeback vergangenes Jahr angekündigt worden, vorher kamen allerdings so viele Pre-Reunion-Shows, daß schon zu befürchten war, daß die nicht mehr ganz jungen Männer das eigene Comeback vielleicht nicht mehr vor einem erneuten Split erreichen würden. Spätestens als wir Bandmitglieder am Cateringstand sehen, erweisen sich diese Befürchtungen als zu weit hergeholt.

Das erste Pavement Konzert nach vielen Jahren fand auf der Summerstage im Central Park in Manhattan statt. Wir hatten vorher überhaupt keine Vorstellung, wie groß die Veranstaltung werden würde; nur der Hinweis Einlaß 17:00 Uhr ließ Schlimmes erahnen. Nachdem wir uns als volljährig ausgewiesen hatten und unser Bändchen dafür erhalten hatten, kamen wir auf einen viel kleineren Platz als erwartet. Der Bereich der Summerstage war hinten von Mini-Tribünen und seitlich von Essens- und Trinkbuden begrenzt. Er bot Platz für vielleicht 1.500 oder 2.000 Leute. Die, die um sechs schon da waren, saßen auf dem grünen Kunstrasen und genossen die Abendsonne.

Das Programm begann um sieben mit einer Ansagerin, für die ein kleines Pult für ihre Notizen aufgebaut worden war. Die Frau, die vermutlich im Hauptjob gerade auf den Durchbruch am Broadway wartet, dankte den vielen Sponsoren, die das ermöglicht hätten, den drei Biersorten, der Kreditkarten- und der Kommunikationsfirma. Das gehört dann wohl auch dazu. Danach endlich Musik...

Thee Oh See aus Kalifornien eröffneten für Pavement. Die Musik der vierköpfigen Band war unspannend und belanglos, die einzigen Hingucker boten die bunt bemalten Arme und die albernen Gesten von Gitarrist und Bassist. Der Gitarrist und Sänger hatte zudem den Gitarrengurt so kurz gespannt, daß sein Instrument unmittelbar unter dem Hals hing. Dies war allerdings auch schon das einzig Erwähnenswerte eines halbstündigen Langweilers.

Nach Thee Oh See wurde erst einmal die Bühne feucht gewischt! Ein Putzmann mit Schrubber machte den gesamten Bühnenboden sauber. Dazu lief vom Band Eisbär von Grauzone, alles ein wenig irreal (die fünf koksenden, kiffenden und Pfeifchen rauchenden Jungs hinter uns wunderten sich vermutlich
wenig darüber).

Punkt acht gingen die Lichterketten am Bühnendach an, und das fast zweistündige Konzert begann (mit Shady lane überaus toll!). Viel Überraschendes bot der Auftritt nicht, da dies mein drittes Konzert der Band in diesem Jahr war. Aber wenn es wirklich Nummer eins gewesen wäre, da waren wir uns hinterher einig, wir wären überaus zufrieden gewesen. So kannte man den Ablauf, inclusive der verpatzten Liedeinsätze ("mein Fehler! Ich habe nur drei Pedale und dann vergesse ich, eins zu treten!"), der Schreieinlagen von Bob Nastanovich, des vielen Lachens und Sprechens untereinander - und der gespielten Lieder. Aber nichts davon war langweilig oder abgestumpft, es war ein hervorragendes Konzert.

Zumindest ein Teil der Ehrengäste sah das auch so und sprang immer wieder von den weißen Klappstühlen auf, die rechts am offenen Bühnenrand aufgebaut waren. Da saßen Familienmitglieder der Musiker, u.a. Scotts Schwiegereltern (Lieblingslied des Schwiegervaters: Grounded)!

Setlist Pavement, Summerstage, Central Park, New York:

01: Shady lane
02: Frontwards
03: Heckler spray
04: Elevate me later
05 : Starlings of the slipstream
06: Stereo
07: Kennel District
08: Grounded
09: Rattled by the rush
10: We dance
11: In the mouth a desert
12: Perfume v
13: Unfair
14: Fin
15: Gold soundz
16: Debris slide
17: Range life
18: Trigger cut
19: Cut your hair
20: Perfect depth
21: Fight this generation
22: Box Elder

23: Date with IKEA (Z)
24: Shoot the singer (Z)
25: Conduit for sale (Z)
26: Silence kit (Z)
27: Heaven is a truck (Z)
28: Stop breathing (Z)





 

Konzerttagebuch © 2010

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