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Mittwoch, 29. Juni 2016

Sun Kil Moon, Down the Rabbit Hole Festival, 24.06.2016

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Konzert: Sun Kil Moon
Ort: Down the Rabbit Hole Festival
Datum: 24.06.2016
Dauer: 50min
Zuschauer: 600


Sun Kil Moon für ein Festival zu verpflichten ist ja schon mutig genug. Die "vermeintlich" schlechte Laune von Sänger und Bandleader Mark Kozelek ist legendär. Ihn aber an einem Freitagmittag (die meisten sind noch mit Zeltaufbau und Kaltgetränken beschäftigt) um 15:50 Uhr auf einer Zeltbühne zu platzieren wirkt absurd. 


Die dunkle, traurige und wortgewaltige Musik passt viel mehr zur Nacht als zum Tag. Doch Kozelek hat anscheinend keine Abneigung mehr gegen Tourneen und Festivals, in den letzten Jahren spielt er ja zum Glück häufiger als früher live. 

Fotos und Gerede werden natürlich direkt von der Präsentatorin der Bühne verboten. Kozelek erscheint, gewohnt hemdsärmelig und beginnt gleich mit dem ersten Zehnminüter. "Somehow the Wonder of Life Prevails", dem einzigen Song heute, der nicht von den letzten drei Platten stammen sollte.

Der Set beginnt also mit dem langsamsten Stück, für einen guten Aufbau sinnvoll, aber zu der oben genannten Uhrzeit eine Geduldsprobe. Kozelek mahnt sofort wieder zur Ruhe, er wolle etwas "magisches kreieren", muss dann aber selber lachen und macht einfach weiter. 

So steigert sich der Set weiter, immer mehr kommen die anderen Bandmitglieder ins lautere Spiel, einzelne Eskapaden wie ein Solo oder ähnliches verbieten sich natürlich. Alle Blicke sind immer auf Kozelek gerichtet, der mit seinen Wortlawinen das Ende eines Songs immer mit einer nach unten fallenden Handbewegung ankündigt. 

Die Intensität seiner Stimme ist immer wieder großartig. Diese Art von Sprechgesang für Erwachsene ist einmalig.

Da muss sich selbst ein Schlagzeuger wie Steve Shelley unterordnen, der ja immerhin schon eine halbe Ewigkeit für Sonic Youth trommelt. Waren die Stücke auf Benji ja noch von großer Erzählkunst im kleinen geprägt (einfache, fast banale Geschichten) hat Kozelek im einzigen neuen Song des frühen Tages ein großes Thema mit großen Parolen zu bieten.

"Me We" handelt schon von dem Attentat in Orlando und ist ein wütender Protest gegen die Waffenlobby in Amerika. Auch hier reichen 10 Minuten kaum um die konstanten Reime zu fassen, der Mann hat wirklich viel zu erzählen. 

Dann noch das schönste Stück, eine rockige Version von "Richard Ramirez died today of natural causes". Ein Hit wäre das, wenn es noch Sendungen gäbe, die im Radio solche Musik spielen würden. 

Leider war das neue Album (hier spielt  Justin Broadrick von Godflesh noisige Gitarre zu den Lyrics) nur im letzten Stück präsent, einer tollen Version von "America`s most wanted".

Aber das war ja zu erwarten. Das Einzige was bei einem Sun Kil Moon Konzert zuverlässig ist, ist die Veränderung. Kozelek wird nie mehr ein Künstler werden, der dem Publikum ein "Best of..." oder eine falsches Lächeln schenkt. 

Hier und heute aber überzeugt er als Songschreiber und Performer der es sich leisten kann, die Zuhörer das eine oder andere Mal zu fordern oder zu überfordern. Ein Privileg.

Foto: Michael Graef


Dienstag, 28. Juni 2016

Anohni, Down the Rabbit Hole Festival, 26.06.2016

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Konzert: Anohni
Ort: Down the Rabbit Hole Festival
Datum: 26.06.2016
Dauer: 75min
Zuschauer: 4.000

Der dritte und letzte Abend des Festivals war für alle im Vorfeld das größte Mysterium. Ein Headliner mit nur einer CD ? Dazu noch die ganzen anderen Geheimnisse um den/die ehemalige(n) Sänger(in) von Anthony and the Johnsons. Was würde auf der Bühne passieren ? 

Während sich diese Fragen unter den interessierten Konzertgängern mehren, hatten die anderen Besucher wichtigere Probleme. Durch die Sperrung der Parkplätze mussten fast alle Camper mit Pendelbussen zurück zu ihren Autos, was die Abreise auf den sowieso schon durchtränkten Zeltplätzen nicht verkürzte. Als dann am Sonntagnachmittag die Sonne plötzlich erstrahlte, nutzen das die Meisten für eine zeitige und möglichst geregelte Abreise. 

Der Name Anohni dürfte sowieso, selbst bei den konzerterfahrenen holländischen Gästen, kaum einen Bleibereflex ausgelöst haben. Der Veranstalter wusste sicher mehr, zumindest waren die Vorgaben der Show eines Headliners würdig. 

Das zu Beginn nur halbvolle, riesige Zirkuszelt wurde mit einer unfassbar großen Videoleinwand ausgestattet. Davor befanden sich nur zwei Keyboard/Laptopplätze und in der Mitte eine Art Showtreppe an deren Bühnenkante eine riesiger, zum Mikrophon geneigter LCD-TV stand. 

Denn was es zu sehen gab sprengte so ziemlich jede Vorstellung eines "normalen" Konzertes. 

Die Show beginnt mit einer wundervollen, elegischen Videosequenz und den Texten von Hopelessness: "How did i become a virus". Ein Klagelied, wie so viele an diesem Abend, hier mit einem blutverschmierten Gesicht auf der Leinwand. 

Anohni singt erst hinter der Bühne, erscheint dann aus dem Nichts und trägt eine zunächst lächerlich aussehende Mischung aus Burka (Vollschleier), "Das schwarze Phantom" und Imkeranzug. 

Bis auf die Handschuhe sollte sich dies auch den ganzen Set über nicht ändern. Staunende Gesichter sind die Folge, die Konzentration auf die Musik fällt zunächst schwer, aber der brillante Sound und die helle, zutiefst soulige Livestimme von Anohni sorgen für Gänsehaut am Stück. Überhaupt, diese Stimme...klingt sie auf CD manchmal ermüdend, so ist sie live eine Offenbarung.

Mit einer Leichtigkeit nimmt sie jede der noch so vertrackten Hürden der Arrangements: jubiliert, träumt, weint, lacht und tanzt dabei über die gesamte Bühnenbreite. Sie füllt das Zelt mit Wärme und der Hoffnung, die Anohni mit ihren, wenn auch manchmal platten Thesen, entfachen möchte. 

Es gibt kein einziges älteres Stück. Im Gegenteil, fünf weitere Songs sind neben dem kompletten Album zusätzlich im Programm.

Auf der Leinwand folgen konstant immer nur ausdrucksstarke Gesichter in Großaufnahmen, zu deren Lippenbewegungen Anohni live singt. 

Ist es ein Gospelgottesdienst, eine Kunstinstallation,ein Konzert, wer will das sagen?
  
Immer wieder laufen den Gesichtern Tränen über die Wangen, eine fast unerträgliche Intensität strahlt von der Leinwand. 

"Obama" wird zur offenen Anklage, viel gewaltiger als auf der CD klingt das hier, voller Wut und trotzdem tanzbar schleudert Anohni Beats und Message durch den Raum. Vielleicht wirkt das alles auch nur so gut, weil politische und gesellschaftliche Äußerungen heute in der Popkultur so selten geworden sind.

Anohni wählt den Weg der Künstlerin, benutzt ihr Talent und oft vorhandenen Selbstzweifel um andere aufzurütteln und zum Nachdenken anzuregen. Keine neue Idee, aber eine fast vergessene. 

Das Konzert beendet sie im Liegen, schaut selber zur Leinwand und hört die Stimme von Ngalangka Nola Taylor, deren Stimme jetzt erstmals nicht die von Anohni ist, sondern ihre eigene:

"Wir wundern uns, was in der Welt geschieht. Alles verändert sich, und man wundert sich, wird es besser, wird es schlimmer ? Was können wir gemeinsam tun um aus der Welt einen besseren Platz zum Leben für uns alle zu machen ? Was haben wir der Welt angetan ?"

Dann erlischt das Licht und einen kurzen, langen Moment ist die Stille spürbar, der Rest ist Jubel.

Fotos: Michael Graef


The National, Down the Rabbit Hole Festival, 25.06.2016

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Konzert: The National
Ort: Down the Rabbit Hole Festival
Datum: 25.06.2016
Dauer: 75min
Zuschauer: 10.000

Auch drei Jahre nach Erscheinen des letzten Albums "Trouble will find me" sind The National immer (noch) wieder auf Tournee. Neue Stücke müssen bei ihnen lange Reifen und oft bildeten sie sich erst bei Live-Auftritten zu ihrer späteren Form. Nicht ungewöhnlich also, das Matt Berninger die Bühne mit den Worten "Let´s play a new song" betritt.

Was dann folgt, ist leider sinnbildlich für den Rest der Show. Berninger dreht sich verloren im Kreis, alle anderen sehen sich fragend an, und der Song startet einfach nicht. Unklar ob Matt den Text völlig vergessen hat oder die Technik streikt, es wird heute einfach nichts wirklich Großes gelingen. Berninger, als bekennender Bühnenalkoholiker bekannt, ist an diesem Abend jedoch definitiv mehr als eine Flasche drüber. 


Ist seine Mischung aus Schüchternheit, Derwisch und coolem Frontmann sonst immer entweder komisch oder besorgniserregend, wirkt seine Vorstellung heute einfach nur traurig und respektlos. Wer die sonst strafenden Blicke der Dessner-Zwillinge kennt, sie bilden ja durch ihre Perfektion das Gegengewicht zu Matts Eskapaden, kann sich vorstellen das es nach dieser Show Gesprächsbedarf gab. 

Matt Berninger singt an diesem Abend kaum, sein sonst tiefer Brummton gerät zu einem einzigen Nuscheln und Murmeln, während die Band ansonsten großartig klingt. Und so sind keine ausladenden Versionen möglich, nur Standardprogramm mit Blick auf den taumelnden Sänger. Die Setlist kommt daher auch ohne Überraschungen daher, zwei neue Songs gibt’s dann doch noch. Aber es gibt keinen, von vielen erwarteten, Grateful Dead Song, andere Cover oder gar Gäste auf der Bühne.

Wer The National schön öfter gesehen hat, mag das weniger stören. Lieber auch mal eine schwächere Show, wenn es dafür beim nächsten Mal auch wieder besonders gut wird. Trotzdem ist die Band jetzt an einem weiteren Scheidepunkt angekommen. 


Als Headliner eines 20.000er Festivals wird die Luft nach oben dünner, die Erwartungen, der bei Festivals oft zufälligen Zuhörer, höher. Die flackernde Leinwand alleine bietet da nicht viel Blickfang, lenkt aber trotzdem noch zu stark vom Geschehen auf der Bühne ab. Moderne Klassiker wie "England" und "Graceless", sowie der wie immer geplante Sprung ins Publikum bei "Terrible Love" sind da schon bessere Argumente.

Aber spätestens wenn Matt eine halbvolle Weinflasche quer über die Bühne in Richtung Kollegen wirft, scheint vom Spaß auf der Bühne nicht mehr viel übrig zu sein. 

Eine Show mit so vielen tollen Songs kann natürlich nie völlig enttäuschen, aber vielleicht sollten The National es wirklich einmal ernsthaft mit einer längeren Pause versuchen und die neuen Stücke im Studio zu Ende führen. Nach drei Jahren sollte die Zeit dafür reif sein.

Fotos: Michael Graef 


Montag, 27. Juni 2016

PJ Harvey, Down the Rabbit Hole Festival, 24.06.2016

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Konzert: PJ Harvey
Ort: Down the Rabbit Hole Festival
Datum: 24.06.2016
Dauer: 80min.
Zuschauer: 10.000


PJ Harvey ist nicht für endloses Touren bekannt. Fünf Jahre nach der letzten längeren Tournee spielt sie jetzt einige Konzerte und Festivals in Europa. Beim "Down the Rabbit Hole" Festival trat sie am Freitag als Headliner auf.

 Die Bühne ist bereitet, und sie ist riesig. Neun weitere (männliche) Musiker marschieren ein, und das ist wörtlich zu nehmen. Von rechts kommend, mit Trommeln, Pauken, Gitarren und Saxophonen im Anschlag formen sie das Bild einer Militärband. PJ Harvey steht dazwischen, wirkt zierlich und sieht fantastisch aus. Sie trägt ein längeres, schwarze Oberteil und einen sehr kurzen, schwarzen Minirock. 

Ihre Bewegungen sind fließend, sie macht ausladende Bewegungen mit den Armen und tänzelt wie in Zeitlupe über die Bühne bevor sie wieder zum Saxophon greift und der Sound einem völlig den Atem nimmt. Alle Instrumente sind gedoppelt: Zwei Schlagzeuger, zwei Gitarren, zwei Keyboards und zwei Saxophone sorgen für einen tiefen, bedrohlichen und rumpelnden Sound den man so vielleicht noch nie gehört hat.

Nur PJ`s Stimme steht alleine für sich und klingt brillant. Nach "Chain of Keys" folgen zunächst weitere Stücke vom neuen Album und wer dieses, vielleicht wie ich, auf CD etwas sperrig und unrund fand wird live mehr als entschädigt. Zwar ist es eine durch und durch perfekt geplante Show, jeder Einsatz und jedes Solo sind fester Bestandteil der Aufführung, die manchmal fast wie das klassisches Bühnenstück einer modernen Oper wirkt. Trotzdem ist dies alles kein Nachteil. 


Es gibt soviel zu sehen, so tolle, druckvolle Versionen der neuen Songs das es fast zu viel wird. Dazu ein Bühnenbild, zu deuten entweder als dreidimensionales Kunstwerk oder als symbolische Schießscharten, passend zu den aufwühlenden Texten über den Status Quo in England. Und dann kommt der Punkt, wo diese Show eben doch noch ihren spontanen Moment erhält.

Aufgewühlt vom "Brexit" trägt PJ ein Gedicht des Autors John Donne aus dem Jahr 1624 vor:


"No man is an island, Entire of itself, Every man is a piece of the continent, A part of the main.
If a clod be washed away by the sea, Europe is the less.
As well as if a promontory were. 
As well as if a manor of thy friend's Or of thine own were:
Any man's death diminishes me, Because I am involved in mankind, And therefore never send to know for whom the bell tolls;
It tolls for thee."

Mehr gibt es an diesem Abend zu diesem Thema wohl nicht zu sagen. Es folgen die drei stärksten Songs aus "Let England Shake" bevor weitere neue Songs folgen.

Die Band ist einfach nur brillant, sogar Blues und Bluegrass sind hörbar und immer wieder diese tiefen Tenorsaxophone die wie Sirenen durch die Songs grooven. Am Ende dann noch fast ein Punksong, das uralte "50th Queenie", damals im alten Huxleys in Berlin 1992 zum ersten Mal gespielt.

"Down the Water", hier eher in einer schwächeren Version, das immer tolle "To bring you my love" sowie eine einmalige Interpretation von "River Anacostia" beenden einen denkwürdigen Abend. 

Die künstlerische Klasse des gesamten Vortrags war in jeder Sekunde spürbar und machten diesen Festivalauftritt zu einem kompletten Konzertersatz. Das ist selten und muss gerade, einen Tag vor dem wichtigen Glastonbury-Auftritt besonders gelobt werden. 


Hoffen wir, dass PJ Harvey weiterhin lieber sparsam mit ihren Liveterminen umgeht um die Spannung und Qualität der einzelnen Gigs weiterhin so hoch zu halten.

Fotos: Michael Graef


Montag, 30. Juni 2014

Warpaint, Ewijk, 29.06.14

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Konzert: Warpaint
Ort: Vakantiepark De Groene Heuvels, Ewijk (Down The Rabbit Hole Festival)  
Datum: 29.06.2014
Dauer: knapp 60 min
Zuschauer: halbvolles Hauptbühnenzelt



Sonntag ist Festivalabreisetag, richtig. Aber eigentlich doch erst nach den Konzerten? Mir kamen schon auf dem Parkplatz etliche schwer schleppende, orangefarben gekleidete Menschen entgegen. Holland spielte am späten Nachmittag gegen Mexiko. Das war vielen sehr viel wichtiger als die Bands des dritten Tags des Down The Rabbit Hole Festivals. Dabei gab es für das nur Wochenendkarten, die Frühabreiser hatten also pro Tag 50% mehr bezahlt. Wären die letzten drei Minuten des Achtelfinales nicht gewesen, hätten sie sich vermutlich sehr geärgert.

Warpaint waren bereits um 15:45 Uhr angesetzt. Die DTRH Veranstalter haben wirklich vieles absolut richtig gemacht, allerdings machen sie den gleichen Fehler, den alle Festivalmacher machen, die offenbar selbst nie wegen der Musik bei einem Festival waren. Sie setzten die Bands auf den abwechselnd bespielten beiden großen Bühnen so an, daß die eine in der Minute begann, in der die andere aufhörte. Da man von einer zur anderen mindestens fünf Minuten brauchte, füllten sich die Zelte in der Regel erst nach dem ersten Lied. Und Leute, die eben wegen der Künstler da waren und nicht, um in lustigen Hasenkostümen den Rausch von letzter Nacht wegzudösen, verpassen immer Teile der Konzerte. Dämlich ist das - und durch fünf Minuten Wechselpause so einfach zu beheben.

Als Warpaint auf die Bühne kamen, war es noch gähnend leer im großen Zelt. Erst nach und nach kamen die Zuschauer von der anderen Bühne rüber. Aber auch als alle da waren, war das Zelt höchstens halb gefüllt. Den Amerikamerinnen, die am Wochenende auch in Glastonbury gespielt hatten, schien das nichts auszumachen, sie schienen hervorragende Laune zu haben. Ich hatte die Musikerinnen bisher nur konzentriert erlebt, hier lachten Emily, Jenny und Theresa einige Male sehr breit.

Auch musikalisch war es wieder einmal anders. Mir sind wieder etliche Variationen aufgefallen. Ich kenne keine Band, die ihre Stücke so oft live varriert. Das könnte dafür sprechen, daß Warpaint ihre Songs auf der Bühne nicht 1:1 reproduzieren können oder daß sie dies sehr bewußt machen. Für die zweite Theorie spricht, daß es durchaus unveränderte Titel gibt, daß aber offenbar das Verändern der Band Spaß macht.

Anfang und Ende bei No way out waren komplett anders. Am Anfang hätte ich das Lied nicht erkannt, obwohl ich es sehr mag. Emily verunsicherte das Stück offenbar auch. "It's a new song" - "It's not on the album" - "It hasn't been recorded, yet" druckste sie rum. Love is to die hatte ein anderes Ende, Undertow ebenso, bei Composure gab es einen kleinen Zwischengesang von Theresa, den ich nicht kannte. 

Auch Elephants verändern Warpaint von Konzert zu Konzert. Die zweite Hälfte des zehnminütigen Stücks war wieder einmal komplett improvisiert.

Die auffälligste Änderung war aber, daß Intro, das nunja Introstück der Platte, das seitdem alle Konzerte eröffnete und dann in Keep it healthy übergeht, diesmal in der Mitte des Konzerts gespielt wurde. Vermutlich war der Band der andere Beginn mittlerweile zu langweilig. 

Oh ja, ich habe immer noch viel Spaß an Warpaint-Konzerten. Auch dieses Festival haben die vier Amerikanerinnen bereichert.

Setlist Warpaint, Down The Rabbit Hole Festival:

01: Keep it healthy
02: Bees
03: Composure
04: Undertow
05: Intro
06: Love is to die
07: Drive
08: No way out
09: Elephants
10: Disco/very

Links:

- aus unserem Archiv:
- Warpaint, Mannheim, 31.05.14
- Warpaint, Barcelona, 29.05.14
- Warpaint, Köln, 23.02.14
- Warpaint, Den Haag, 16.11.13
- Warpaint, Larmer Tree Gardens, 31.08.13
- Warpaint, Rüsselsheim, 20.07.12
- Warpaint, Rüsselsheim, 20.07.12
- Warpaint, Prag, 10.07.12
- Warpaint, Lüttich, 05.07.12
- Warpaint, Haldern, 13.08.11
- Warpaint, Köln, 28.06.11
- Warpaint, Amsterdam, 19.06.11
- Warpaint, Barcelona, 28.05.11
- Warpaint, Frankfurt, 11.11.10
- Warpaint, Paris, 06.11.10
- Warpaint, Brüssel, 16.05.10


Sonntag, 29. Juni 2014

Damon Albarn, Ewijk, 27.06.14

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Konzert: Damon Albarn
Ort: Vakantiepark De Groene Heuvels, Ewijk (Down The Rabbit Hole Festival)
Datum: 27.06.2014
Dauer: 95 min
Zuschauer: einige Tausend im Hauptbühnenzelt


"I wanna dedicate tonight to a very good friend of mine who's just passed, Bobby Womack."

Es war kein leichtes Konzert für Damon Albarn, das sah man dem Sänger in jedem Moment an. Der Blur- und Gorillaz-Frontmann ist Profi genug, Konzerte auch unter widrigen Umständen souverän runterzuspielen und er verfügt über ein solch brillantes Repertoire, daß man ihm das Runterspielen nie anmerkte. Aber es reichte ein Blick in Damon Albarns Gesicht, um zu sehen, wie es ihm ging. Immer wieder sprach er über den Soulmusiker, mit dem er bei den Gorillaz und bei dessen Album The bravest man in the universe zusammengearbeitet hatte. Vor der letzten Zugabe erzählte er, daß Bobby Womack oft zum Abschied gesagt habe "I see you in church". "I see you in church, Bobby!"


Einem Musiker zuzujubeln, dem man ansieht, wie schlecht es ihm geht, hinterläßt einen faden Beigeschmack. Aber das Konzert war trotz allem sehr gut, außerdem hilft Musik ja meist.


Das Down The Rabbit Hole ist ein neues Festival, ein Ableger des Lowlands. Das Gelände liegt in der Nähe von Nijmegen, in einem Ferienpark mit kleinem See. Die drei großen Bühnen befinden sich alle in großen Zirkuszelten, die natürlich an allen Seiten offen sind, sodaß die Luft in den Zelten angenehm und Zugang von allen Seiten möglich ist. Damon Albarn spielte auf der Hauptbühne im größten Zelt, das ganz am Ende des sichelmondförmigen Geländes steht. Der Zugang zum Festival ist ganz am anderen Ende. Wenn man vom Parkplatz kommt, muß man einmal komplett außen um das Areal gehen, dann über den Campingplatz, um dann Luftlinie 50 m vom Parkplatz an der Hauptbühne anzukommen. Das ist nachts auf dem Heimweg ärgerlich, allerdings auch der einzige kleine Makel des Festivals.

Aber vor dem Rückweg spielte ja noch der Headliner...


Damon Albarn hat vor einigen Wochen sein (Solo)-Debüt-Album veröffentlicht. Everyday robots gehört neben Owen Pallett und natürlich Fear Of Men zu meinen Lieblingsplatten des Jahres. Es ist ruhig, manchmal versponnen, fast komplett ohne blursche Mitsinghymnen und vor allem wunderschön. Meine Begeisterung war Grund, Ende April Damons erstes Solo-Konzert mit der Platte in London zu sehen, das ganz anders ablief, als ich erwartet hatte. Es war nicht der ruhige Auftritt eines einzelnen Künstlers an Klavier und akustischer Gitarre. Es war eine wilde Show mit ausgezeichneter Band und ordentlich Rumms. Damons "The Heavy Seas" sind vor allem Musiker, mit denen er bereits bei den Gorillaz gearbeitet hat. Viele Überraschungen hielt das Konzert diesmal also für mich nicht bereit, aber darum geht es ja auch nicht.



Beim ersten Lied Lonely press play stand der Sänger alleine vorne mit einem Taburin mit aufgedruckten betenden Händen und sichtbarem Kloß im Hals und oft nach oben gerichteten Blick in der Bühnenmitte. Everyday robots bestritt er am Klavier - diese Wechsel fanden immer wieder statt. Ich glaube, erst bei Kids with guns (siebtes Lied) griff Damon erstmals zur Gitarre. 


Wegen seiner ausgezeichneten Begleiter (mehr dazu bei meinem Bericht vom London-Konzert), bzw. wegen deren musikalischer Herkunft stehen Gorrillaz-Songs (sechs) im Mittelpunkt der Damon-Albarn-Konzerte. Neu im Vergleich zu London war To binge, zu dem der Sänger seine Kollegin von Little Dragon, die am Nachmittag gespielt hatten, auf die Bühne bat. Es ist keines meiner Lieblingslieder, ich mag aber diese Kooperationen, die Damon auch live enorm oft bietet. Er hat eben in den vergangenen Jahrzehnen mit so vielen anderen Künstlern gearbeitet, daß offenbar in jedem Hafen ein Kooperationspartner wartet. Bin gespannt, wen er in Hamburg und Berlin kennt.

Kingdom of doom (The Good, The Bad & The Queen) ist einer meiner Live-Lieblinge und war eines der mitreißendsten Stücke des Abends. Etwas später folgte ein erneuter Gruß an seinen Freund Bobby, Damon coverte dessen Please forgive my heart.



Nach dem Abschluß mit den beiden Blur-Liedern Out of time und All your life endete das Konzert. Ich war nicht sicher, ob es heute Zugaben geben würde. Der Auftritt sollte laut Programm um Mitternach enden und so war es. Die Band und Damon Albarn kamen aber zurück. Für Clint Eastwood rief Damon einen Rapper (dessen Namen ich nicht verstanden habe - Digits? Dijix?, es war nicht Kano, der in London dazukam). Danach kam sein Gospel-Chor auf die Bühne, um Mr. Tembo und das atemberaubend gute Heavy seas of love mitzuschmettern.



Das Konzert war wegen der bedrückten Stimmung und des typischen "ich-guck-mal-rein" Festival-Publikums bei weitem nicht so gut wie das in dem kleinen Londoner Club. Aber "bei weitem nicht so gut" bedeutet hier immer noch, daß es sehr gut war. Jedenfalls fürs Publikum.

Setlist Damon Albarn, Down The Rabbit Hole Festival:

01: Lonely press play
02: Everyday robots
03: Tomorrow comes today (Gorrilaz)
04: Hostiles
05: To binge (Gorrilaz) (mit Yukimi Nagano von Little Dragon)
06: Slow country (Gorrilaz)
07: Kids with guns (Gorrilaz)
08: Three changes (The Good, The Bad & The Queen)
09: You and me
10: Photographs (you are taking now)
11: Kingdom of doom (The Good, The Bad & The Queen)
12: Poison (Rocket Juice & The Moon)
13: Hollow ponds
14: Please forgive my heart (Bobby Womack Cover)
15: El mañana (Gorrilaz)
16: Out of time (Blur)
17: All your life (Blur)

18: Clint Eastwood (Gorrilaz) (Z)
19: Mr. Tembo (Z)
20: Heavy seas of love (Z)



Links:

- aus unserem Archiv:
- Damon Albarn, London, 30.04.14
- Blur, Sao Paulo, 09.11.13
- Blur, Rom, 29.07.13
- Blur, Barcelona, 24.05.13
- Blur, London, 12.08.12




 

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