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Montag, 10. März 2008

Nina Nastasia, Paris, 09.03.08

1 Kommentare

Konzert: Nina Nastasia
Ort: Le Nouveau Casino, Paris
Datum: 09.03.2008
Zuschauer: leider viel zu wenige
Konzertdauer: (nur Nina) : ca.70-75 Minuten

"Folk stirbt niemals!"

Ein wunderbarer Spruch, der die Runde machen könnte und sich vielleicht bald auf Band T-Shirts und Stickern wiederfinden wird. Er stammt von meinem lieben Blogger-Freund Eike (zumindest habe ich ihn auf seinem Klienicum gelesen) und der gutinformierte Bajuware spricht mir damit aus dem Herzen.

"Es gibt zuviele Singer/Songwriter" liest man immer mal wieder.

Ist natürlich kompletter Unsinn, es gibt lediglich zu wenige Menschen, die zuhören können. Die Event- und My Space (Un)-Kultur hat unsere Hörgewohnheiten versaut. So sieht die Realität aus. Die heutige Gesellschaft giert nach Highlights, Hits, Lautstärke, (Drogen)-Skandalen, Sex und reißerischen Posen. Ich nehme mich da selbt überhaupt nicht aus, keineswegs.

Dennoch: Folk stirbt niemals!

Solange es noch Musikfans gibt, die nicht nur den schnellen Kick, den eingängigen Refrain, die mitsingbare Hymne suchen, gibt es noch Hoffnung für das scheinbar antiquierte Genre. Klar, manchmal muß man etwas Geduld aufbringen, einen Zugang zu der Stimme und den oft autobiographisch geprägten Geschichten der Folk-Künstler finden. Für diese Ausdauer aber, wird man nicht selten mit unglaublichen Glücksgefühlen belohnt, die zudem auch noch wesentlich langanhaltender sind, als die Fast-Food-Adrenalinstöße, die einem der neueste Hype auf My Space, oder You-Tube bereitet. Allerdings: Fans von Singer/Songwritern sind eine kleine, feine, fast elitäre Minderheit.

So fanden auch heute wieder nur wenige Zuhörer den Weg in das nicht sehr große Nouveau Casino im Pariser Oberkampf-Viertel. Schade, schade, aber diejenigen, die da waren, kamen zumindest für die auftretenden Künstler und nicht zum Schwatzen.

Das lobte auch der an zweiter Stelle auftretende Ire Declan De Barra. "The Parisian crowd is a very respectful audience, that's why I love to come playing here". Ein (zumindest heute) richtiger Satz eines sympathischen Künstlers, der mich allerdings mit seiner extrem kraftvollen Stimme nicht wirklich erreichte. Das war zu operntenorhaft, zu frontal, ließ mir keinen Platz zum Atmen.

Zuvor hatte mich allerdings die zierliche Dorothée, ihres Zeichens auch Sängerin von Hopper, mit ihrem neuen Projekt The Rodeo erneut verzaubert. Ich sah sie nun zum bereits fünften Male und bin immer wieder begeistert von ihrer Stimme. Stimme kommt von Stimmung (aber Kunst nicht von Können, bitteschön!), kann man oft lesen. Und so platt diese Aussage auch sein mag, hier trifft sie zu. Manchmal ist Dorothée zornig, übellaunig, genervt, dann wieder sanftmütig, einfühlsam und heiter. Und diese Stimmungen spiegeln sich auch in den Liedern wieder, die sie mit viel Inbrunst und Inbrunst vorträgt. Zunächst alleine mit ihrer an ihr groß wirkenden Gitarre, wurde sie später von ihrem Drummer Jean begleitet, der auch bei Hopper, Tahiti Boy und Fugu trommelt. Und nicht nur das, er spielte auch Ukulele und schwang ein Teil, das aussah wie eine Mischung zwischen einem Handtuch und einem Boomerang. Keine Ahnung wie dieses kuriose Instrument heißt.

Und auch ein paar Titel des heutigen Sets kannte ich nicht, sie waren neu im Programm, ich glaube ein Stück hieß "Modern Girl". Ansonsten gab es natürlich sämtliche Lieder, die auch auf der ersten EP von The Rodeo enthalten sind. Das Repertoire reichte von dem trotzigen "I'm Rude", über das beschwingte "People Know" bis zum melancholischen Schlußlied "Winterlands". Ich liebe dieses Lied ganz besonders und vor allem die Songzeilen "No more pain" und "Hear the sound of all the birds around" lassen mich immer wieder erschaudern.

Um Birds (=Vögel), ging es auch bei dem Konzert von Nina Nastasia, welches folgte. Die New Yorkerin erzählte nämlich zwischen zwei Lieder unvermittelt von einem kuriosen Soundcheck (oder war es ein Videodreh, wenn ich doch bloß auch besser zuhören könnte!), bei dem Vögel eine Rolle spielten. Die Viecher sollten effektvoll herumfliegen und so die Stimmung eines Liedes unterstützen. Die dummen Dinger hatten aber anscheinend keinen Bock darauf: "They Were just sitting around, doing nothing!"

Dies war nur eine der lustigen und zynischen Anekdoten, die die interessante Künstlerin erzählt hatte. Zuvor war sie gleich an mir vorbei auf die Bühne marschiert um einen recht langwierigen Soundcheck zu absolvieren. Da wurde noch etwas rumgestimmt, an den Mikros hantiert, etc., bevor die Amerikanerin erst noch einmal die Bühne verließ. Ich blickte auf das verwaiste Stühlchen, auf das sich die Sängerin bald setzen würde und die einsame Gitarre, die daneben lehnte. Ansonsten: nichts! Kein Schlagzeug, kein Piano, dies würde ein rein akustisches Konzert werden, soviel war sicher. Also kein Jim White und auch keine Klavierklänge. Würde es deshalb lanweilig?

Keineswegs! Schon mit "Dumb I Am" gelang ihr nämlich ein vorzüglicher Auftakt. Ihre recht groben Finger zupften schnell an der Gitarre und sie wippte zum Gesang leicht mit ihren schwarzbestrumpften Beinen, die in roten Schuhen steckten. Ihr Gitarrenspiel hatte es mir angetan. Jeder Musiker behandelt ja seine Klampfe anders und bei Nina war ihre quirlige Zupftechnik bemerkenswert. Sie bewegte ihre Finger ähnlich dem Gang einer Spinne, die sich rasch fortbewegt. Ich sah Hände einer Frau, die einer Bildhauerin, oder sonstigen plastischen Künstlerin hätten gehören können. Kurz, stämmig, aber sehr agil. Keine Pianistenhände.

Wesentlich filigraner war da natürlich ihre wunderbar-einfühlsame Stimme. Sanft, beruhigend, perfekt geeignet um zu trösten und Geschichten zu erzählen. Voller Melancholie und Wehmut, gleichzeitig aber auch hoffungsspendend und zuweilen aufmüpfig und forsch (so z.B. bei dem an zweiter Stelle gebrachten "Late Night"). Und "dump and weak" (also dumpf und schwach) wie sie bei dem Opener sang, ist die Frau natürlich keineswegs. Eher eine starke, eigenwillige, intelligente und bisweilen zynische Persönlichkeit. Eine Kostprobe ihres scharzen Humors gab sie ab, nachdem "The Way I Could Bury You" verklungen war: "My father died some years ago. He loved Paris. So he wanted me to spread his ashes on the seine. But I always forget to bring him!" Großes Gelächter, obwohl das Thema ja alles andere als komisch war. Sie hatte also immer die Urne mit der Asche ihrer Vaters vergessen, wenn sie mal nach Paris kam! "It's always in a storage facility in New Yersey"...

"Sorry Jim (ihr Vater), the next song is for you" und es erklang ein Lied, welches sie auf der Setlist als "Empty Spaces" bezeichnte hat. Ich denke es handelte sich um "The Matter Of Our Discussion" welches auf "You Follow Me" zu finden ist und auch schon zusammen mit Boom Bip eingespielt wurde. Ein wunderschönes, wenngleich trauriges Lied ("I don't believe in the Power of Love"), genau wie "Counting Up Your Bones", bei dem mich der traumhafte Refrain "Inside of me, your bones fall in, your bones fall out" förmlich niederstreckte. Die Atmosphäre war knisternd, jeder lauschte andächtig den zauberhaften Klängen der Künstlerin. Das Set glich fast einem "Best Of", so ausgeglichen hochkarätig war es. Im Grunde genommen wurde rege gewechselt zwischen dem vorletzten und eingängigeren Album "On Leaving" und dem spröden 2007 er Werk "You Follow Me", welches mit Jim White eingespielt wurde. Verblüffend war, wie wie es Nastasia hinbekam, die Titel so zu interpretieren, daß sie sich ineinanderfügten. Die beiden genannten Alben sind nämlich sehr unterschiedlich instrumentiert (ein dominantes und innovatives Schlagzeugspiel bei "You Follow Me") und geben völlig andere Stimmungen wieder. Aber trotzdem passte alles heute und auch das Fehlen des Schlagzeugs machte sich nicht bemerkbar.

Und es wurden auch Songs von anderen Alben gespielt, allen voran das famose "Stormy Wheather", das man auf "Dogs" finden kann. "I can be on best behaviour, I'm not afraid of stormy wheather", sah ich eine amerikanische Zuschauerin andächtig mitsingen. Ach, herrlich!

Auch mit "Rosemary" von "Blackened Air" wurden wir später beglückt, als es nämlich in die Verlängerung ging. "Rosemary", I've almost forgotten your name" sang Nina da mit lieblicher Stimme und ich war mir sicher, daß ich sie und diesen sehr gelungenen Konzert-Abend nicht so schnell vergessen würde!

"Folk stirbt niemals!"

Setlist Nina Nastasia, Le Nouveau Casino, Paris:

01: Dumb I Am
02: Late Night
03: The Way I Would Bury You
04: Empty Space - Our Discussion
05: Counting Up Your Bones
06: Brad Haunts A Party
07: I Write Down Lists
08: There Is No Train
09: I've Been Out Walking
10: One Old Woman
11: Why Don't You Stay Home
12: Stormy Weather
13: Odd Said The Doe
14: I Come After You
15: Been So Long
16: That's All There Is
17: Bird Of Cuzco

18: Rosemary
19: All your Life

Hier gibt es noch ein paar mehr Fotos von Nina Nastasia




Samstag, 19. Januar 2008

The Rodeo, Paris, 18.01.08

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Konzert: The Rodeo

Ort: La Bellevilloise (la Halle aux Oliviers)
Datum: 18.01.2008
Zuschauer: gut besuchtes Café/Restaurant


Selbst alte Konzerthasen wie ich können in einer Metropole wie Paris noch Neues entdecken. So landete ich heute statt in meiner geliebten Maroquinerie zum ersten Mal im gleich nebenan gelegenen Café/Restaurant/Konzertsaal La Bellevilloise. Ich war dem Lockruf von The Rodeo gefolgt, einem Projekt der Hopper- Sängerin Dorothée, das immer eigenständiger wird und bald auch die erste EP mit sieben Titeln ausbrütet.

Seitdem ich Dorothée und ihre rauhe Stimme bei einem Konzert von Hopper im Vorprogramm von den Two Gallants und den Cold War Kids kennen-und liebengelernt habe, bin ich der dunkelhaarigen jungen Frau auf den Fersen. Immer, wenn sie in einem Club in Paris auftritt, bin ich dabei. Meistens begegnete ich der französischen Folksängerin in der Flèche d'or, aber heute zur Einweihung des neuen Cafés in der Halle des Oliviers, war The Rodeo in der Bellevilloise als Stargast auserkoren. Gelegenheit für mich, den hübsch restaurierten Saal zu bestaunen, in dem man auf stilvollen Eisenstühlen an Holztischen ansprechend aussehende Speisen verköstigen kann. Die Location hat etwas von einem Wintergarten im arabischen Stil. So findet man dort typisch marokanische Lämpchen und an manchen Tischen plüschige Kissen. Witzigerweise handelte es sich bei den Pflanzen, die über den ganzen Raum verstreut aufgestellt waren, aber nicht um Oliven -, sondern um Orangenbäumchen. Der Name Halle des Oliviers (Olivier= Olivenbaum) passte also nicht mehr so ganz...

Wie auch immer, mich interessierte ohnehin in erster Linie das musikalische Programm. Circa gegen 21 Uhr schnappte sich Dorothée ihre Gitarre und begann mit ihrem Set. Ein Set, das ich so langsam schon ziemlich gut kenne, weil es sich um mein viertes The Rodeo-Konzert handelte, welches aber heute glücklicherweise etwas länger als üblich dauerte (am Ende hatte die Französin circa. 50 Minuten gespielt). Das früh gebrachte "I'm Rude" ist deshalb auch schon so etwas wie ein Klassiker, gleichzeitig aber auch die persönliche Beschreibung von Dorothée hinsichtlich ihrer eigenen Persönlichkeit. "Baby, I'm rude..., aren't you" kann man gleich eingangs auf ihrer MySpace Seite lesen. Hinter dieser rauhen Schale und dem oft motzigen Gesichtsausdruck versteckt sich aber eine sensible Künstlerin, die einen auch samtweich und mit viel Liebe umgarnen kann. Der Song "Your Love Is Huge" ist hierfür der beste Beweis. "Your love is huge, I can share it with you, if you want", heißt es da auf recht simple Beweise. Hinter diesen scheinbar naiven Balladen stecken aber regelmäßig tiefgründigere Aussagen voller Melancholie und Wärme.

Und Dorothée ist bei The Rodeo nie durchgängig alleine auf der Bühne. Je nach Gelegenheit wird sie von mehreren männlichen Bandmitgliedern unterstützt (the John Waynes), heute allerdings nur von einem Musiker (François), der ab der Mitte des Konzertes die gefühlvollen Violine-Parts beisteuerte und auch Ukulele spielte. Die beiden harmonieren gut zusammen, aber im Vordergrund bleibt natürlich immer die Dame. Diese konnte stolz verkünden, daß demnächst endlich ihre erste EP erscheinen wird, ein Werk mit sieben Titeln, von dem es natürlich heute so einige Kostproben gab. Das schunkelnde "People Know" dürfte mit Sicherheit auch darauf enthalten sein, genau wie mein persönlicher Favorit "Winterlands". Dieser traurig-schöne Schmachtfetzen ist übrigens dermaßen gelungen, daß er auch prompt auf dem Sampler "Les Filles Sont Folk" gelandet ist. Er findet sich dort in bester Gesellschaft neben Titeln von u.a. Alela Diane und Stephanie Dosen. Ebenfalls ein Highlight war "High Resolution World", welches als Zugabe gespielt wurde. Dem teils mampfenden, trinkenden, oder mitklatschenden Publikum gefiel es übrigens auch so gut, daß Dorothée noch zwei Bonustracks auspacken mußte. Die Künstlerin war zu Recht gerührt und verkündete zu meiner Freude auch noch, daß sie wiederkommen wird und zwar am 9.März ins Nouveau Casino, im Vorprogramm der ebenfalls vorzüglichen Nina Nastasia. Der Termin ist bereits jetzt schon rot in meinem Kalender eingetragen!

Ein Interview, welches ich im Anschluß mit der Sängerin geführt habe, wird in Kürze hier veröffentlicht werden. Eine faustdicke Überraschung war schon dabei: sie wird wahrscheinlich bei dem glänzenden Festival South By Southwest im texanischen Austin auftreten! Dies ist aber noch nicht bestätigt, deshalb bitte ich, diese Information auch noch nicht weiterzutragen. Ich wünsche es ihr auf jeden Fall, denn in Texas wimmelt es nur so vor Talentsichtern!

Link: unbedingt das Video von I'm Rude" angucken




Dienstag, 23. Oktober 2007

The Rodeo, Paris, 22.10.07

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Konzert: The Rodeo (& Phoebe Killdeer)

Ort: La Flèche d'Or
Datum: 22.10.2207
Zuschauer: nicht so voll wie sonst


Am Sonntag bekam ich elektronische Post von der Flèche d'Or: "wenn sie möchten, können sie sich gerne wieder in die Gästeliste eintragen, morgen werden unter anderem The Rodeo und Phoebe Killdeer spielen und sie bekommen sogar den Apperitif noch gratis dazu. Freuen sie sich also auf einen Abend mit guter Musik und einem kostenlosen Wodka."

The Rodeo und einen Wodka, alles für lau, da sagt man doch nicht nein, oder?

Sehr pünktlich stand ich also mit den ebenfalls konzertbesessenen Marguerite und Silvia auf der Matte bzw. an der Bar, nur um zu erfahren, daß die Nummer mit dem Gratis-Wodka... ersatzlos gestrichen wurde! Für Getränke mußte also wie immer gelöhnt werden, und wenn man weiß, daß alleine ein Gläschen Cola 5 € kostet, kann einem schnell der Durst vergehen. Wissen die etwa in dem Laden nicht, daß Musikfanatiker ihr Geld für iPods, CDs, Singles, Konzerttickets, T-Shirts etc. brauchen? - Anscheinend nicht...

Nun gut, zumindest die Musik war - wie so oft in dem Schuppen - gut und die Mädchen im Publikum sahen auch nicht übel aus. Da gibt es immer wieder die ein oder andere fesche Schnalle zu bewundern; wer also im Gegensatz zu mir männlich (na gut männlich bin ich auch), ledig und ungebunden ist, sollte mal in der Flèche d'or aufkreuzen, wenn er in Paris ist.

Auch auf der Bühne gab es eine charmante junge Frau zu sehen, Dorothée nämlich, die hinter dem Projektnamen The Rodeo steckt, und ansonsten auch bei Hopper mitsingt. The Rodeo ist aber ihr eigenes Baby und das wächst und gedeiht. Nur ein Album, daß man auch käuflich erwerben kann, ist leider noch nicht abgefallen, kein Wunder die Gute arbeitet Vollzeit!

Den Opener "I'm Rude" und auch "I Could" sang sie noch ohne Begleitung, dann stießen aber zwei Herren (später auch drei) hinzu, ein Schlagzeuger und ein schnauzbärtiger Herr an diesen seltsamen waschbrettartigen Holzteilen, die man in der Country-Szene benutzt (man reibt hierzu mit einem Metallteil an den Fingern über das Instrument). Weiß jemand, wie so etwas heißt? - Wie auch immer, der Sound wurde aufgrund der Unterstützung durch die Band wuchtiger und lauter. Das launemachende "People Know" wurde gespielt und die ersten Leutchen im Publikum trauten sich, ein wenig mit dem Tanzbein zu wankeln (von schwingen konnte hingegen nicht die Rede sein). Schade, daß es in der Flèche d'or noch so leer war, die meisten standen verschüchtert hintenrum, kaum jemand traute sich näher an den Bühnenrand.

Die Zuspätgekommenen verpassten in der Folge auch den Höhepunkt des Sets, nämlich das starke Stück "Your Love Is Huge" ("I can share it with you, if you want"), das sich immer mehr zum Ohrwurm entwickelt. Wie ich erfahren habe, ist dieser Knüller auch auf einem Sampler enthalten. Wenn ich bloß wüßte, wo man das gute Stück kaufen kann...

Ein weiteres Glanzlicht im Repertoire von The Rodeo wurde den Zuschauern aber leider vorenthalten. Das ganz und gar fabelhafte "Winterlands" war zwar auf der Setlist vermerkt, wurde aber vermutlich aus Zeitgründen gestrichen. Einfach gestrichen, wie zuvor schon der Wodka, die Veranstalter des heutigen Abends schulden mir also noch etwas!

Setlist The Rodeo, Flèche d'or:

01: I'm Rude
02: I Could
03: People Know
04: Feel The Fire
05: Your Love Is Huge
06: HRW
07: Little Soldier
08: Cha Cha Cha

Die Geschichte des anschließenden Auftritts der ehemaligen Nouvelle Vague Sängerin Phoebe Killdeer ist schnell erzählt. Viel Pose, schicke Klamotten und Schuhe (der Gitarrist trug silberne Schühchen) und eine perfekte Rockstar-Attitüde, aber die Qualität der Lieder ließ leider etwas zu wünschen übrig. Geboten wurde ein bluesiger Garagenrock, wohl inspiriert durch Tom Waits und Co. aber leider mit wenig packendem Songmaterial. Die englischen Noisettes oder auch die kleine Sharah Worden aka My Brightest Diamond setzten Ähnliches deutlich gekonnter in Szene. Die zahlreich verwendeten exotischen Rasseln, Kastagnetten, etc. waren allerdings schon ein kurioser Hingucker. Und schlecht sah die leicht verückte Phoebe ja auch nicht aus, ihre Frisur hat mir auf jeden Fall gefallen...





Freitag, 5. Oktober 2007

Soko, Sharko, u.a., Paris, 04.10.07

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Konzert: Soko, Sharko, Euros Childs & The Rodeo

Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 04.10.2007
Zuschauer: sehr voll, ca. 500


Die Flèche d'or ist ja schon ein dufter Laden, der Eintritt ist gratis, die Mädchen hübsch und das musikalische Programm oft auch nicht von schlechten Eltern. Wenn die Anreise doch bloß nicht so beschwerlich wäre! Die U-Bahnstation Gambetta ist für mich mehr als einen Katzensprung entfernt und wenn man an der Haltestelle aussteigt, muß man auch noch einen nicht gerade kurzen Fußweg in Kauf nehmen...

Weitaus unangenehmer ist aber die häufig anzutreffende Überfüllung des hippen Ladens und die damit unweigerlich verbundenen Schlangen vor der Tür. Gerade wenn das Programm attraktiv ist, stehen die Leute meilenweit an. Und heute war das Line-Up nun einmal sehr ansehnlich: Soko, Euros Childs, Sharko und zum Abschluß auch noch The Rodeo, Musikfan, was willst Du eigentlich mehr für Dein nicht bezahltes Eintrittsgeld?

Zum Glück löste sich aber heute die zunächst bedrohlich aussehende Menschenansammlung recht schnell auf und ich konnte pünktlich zu Soko Stellung vor der schönen Bühne mit dem goldenen Bilderrahmen beziehen. Wer unseren Blog regelmäßig liest, kennt die Pariser Band ja schon und weiß, daß es keinem Zusammenhang mit der Krimiserie gibt. Vielmehr ist Soko das höchst unterhaltsame Projekt der süßen Stéphanie Sokolinski, die sich bei ihren Live-Auftritten von ständig wechselnden männlichen Partnern unter die Arme greifen läßt. Heute hieß der Glückliche an ihrer Seite übrigens Robin Le Duc, von der Band Robin Le Duc & The Pacemakers, den ich auch schon im Vorprogramm zu Constance Verluca gesehen hatte. Alles irgendwie eine große Familie in Paris, nicht umsonst gibt es in der schönen Metropole eine Band, die sich Tahity Boy And The Palmtree Family nennt und die - ähnlich wie die kanadische Broken Social Scene - Mitglieder von anderen Bands wie z.B. Hopper, Syd Matters, Los Chicros unter ihrem Dach vereint.

Stéphanie ist also nie alleine unterwegs, obwohl sie die treibende Kraft hinter Soko ist. Und dass sie Energie hat, stellt sie in schöner Regelmäßigkeit unter Beweis, auch wenn sie anscheinend mit ihrem Äußeren nicht immer zufrieden ist: "i hate my face today, i think i look so shitty... my hair are crazy, i look disgusting..." ("Shitty Day"). Aber, aber Stéphanie, natürlich siehst Du nie "shitty" aus,im Gegenteil, immer wenn ich Dich live beobachtete, warst Du bezaubernd! Und ich bin wohl nicht der Einzige, der dem Charme der frechen brünetten Dame mit dem unwiderstehlichen Akzent erlegen ist, über 770 000 (!) Profilaufrufe bei MySpace sprechen eine deutliche Sprache. Die Popularität kommt aber auch nicht von ungefähr, mit Soko hat man schließlich immer einen Heidenspaß. Beispiel gefällig? - Baby Cat, ein neuer Titel, den man auch auf der MySpace Seite finden kann. "So, ihr übernehmt jetzt mal den "Miau-Part", immer wenn das Wort "Baby Cat" fällt, will ich Euch hören!", werden wir angewiesen und leisten Stéphanie nur allzugern Folge. "This is the Story of the Baby Cat-Miau, Baby Cat-Miau", klappt doch!

Auch sonst klappt Vieles, "The Dandy Cowboys", z.B, ein witziger Country-Song, den man auch auf der bei i-tunes erhältlichen Ep "Not Sokute" hören kann, oder natürlich "I'll Kill Her", fast schon ein Klassiker. Wer die zitierte EP allerdings schon in-und auswendig kennt, erfreute sich vielleicht noch mehr an neuen Stücken, der Ballade "Hide And Seek beispielsweise, oder dem urkomischen "I Think I'm Pregnant (I'm Fat And Heavy"), bei dem sich Stéphanie fragte, wie es denn sein kann, daß sie schwanger sei, sie habe doch schon mit 13 die Pille genommen und mit niemandem außer ihren eigenen Händen Sex gehabt...

Antworten auf diese Fragen liefert das Lied dann am Ende gleich selbst, aber wenn man schon mal "Ex-Boyfriends" hatte, erscheint eine ungewollte Schwangerschaft ja ohnehin nicht völlig abwegig...

Ganz und gar nicht abwegig ist im Übrigen, daß das Album von Soko ein Knüller wird! Nachdem, was ich live so hören durfte, darf man da auf ein höchst abwechslungsreiches und unterhaltsames Werk gespannt sein!

Setlist Soko:

01: Shitty Day
02: People Always Look Better In The Sun
03: Baby Cat
04: The Dandy Cowboys
05: My Wet Dream
06: "I Shared My Life With You" (You're My Enemy Now)
07: I'll Kill Her
08: Hide & Seek
09: I Think I'm Pregnant (I'm Fat And Heavy)
10: The Way I Feel Inside
11: My Ex-Boyfriends

Neue Konzertermine von Soko in Deutschland und der Schweiz:

07.05.2008: Zürich (Abart)
08.05.2008: München (Kleine Elserhalle)
09.05.2008: Dresden (Beatpol)
11.05.2008: Frankfurt (Batschkapp)
12.05.2008: Berlin (Lido)
13.05.2008: Hamburg (Übel & Gefährlich)
14.05.2008: Haldern (Saal Tepferdt)
09.08.2008: Haldern, Haldern Pop Festival 2008
16.08.2008: Hamburg (Dockville)

Den nachfolgenden Waliser Euros Childs konnte man schon vorher kurz auf der Bühne bewundern, bei einem Titel von Soko leistete er nämlich gesangliche Unterstützung. Bekleidet mit einem nachtblauen The Longcut T-Shirt und begleitet von seiner Band, machte sich der ehemalige Gorky's Zygotic Mynci Vorstand daran, die gute Stimmung, für die Soko gesorgt hatten, nicht abreißen zu lassen. Und das gelang ihm auch recht gut, vor allem mit der früh gebrachten Single-Auskoppelung "Horse Riding", die man auch dem bereits dritten Album "The Miracle Inn" finden kann. Ein schwungvoller Ritt im Übrigen, dieses "Horse Riding", man fühlte sich glatt ein wenig an Paul Mc Cartney erinnert. Ansonsten kamen mir auch die Beach Boys in den Sinn, oder die Kinks und - wie so oft wenn Pop mit psychedelischem Einschlag vorliegt - die Flaming Lips und Mercury Rev.

Vom aktuellen Opus stammten mit "Ali Day" und dem Titeltrack "The Miracle Inn" auch zwei weitere Glanzlichter, während das relaxte und sonnige "Costa Rita" von "Chops" entnommen war. Am coolsten und heute irgendwie am passendsten war jedoch das abschließende "My Country Girl", das den ähnlich lautenden Song von Primal Scream um Längen schlägt!

Setlist Euros Childs:

01: Her Ways
02: Horse Riding
03: First Time I Saw You
04: Ali Day
05: The Miracle Inn
06: Costa Rita (kein Tippfehler!)
07: Chop Chop
08: My Country Girl

Ziemlich schnell mußte Euros Childs dann die Bühne für die Belgier Sharko räumen, die heute Headliner zu sein schienen. Die Mehrheit der Leute, die ich befragte, gaben zumindest Sharko als Grund für ihr Erscheinen an. Besonders die weiblichen Fans standen dicht an dicht, als die dreiköpfige Band erschien. Angeführt wird das Trio von David Bartholomé, einem Typen mit Fußballermatte auf dem Kopf und nicht besonders sexy aussehenden Wanderschuhen an den Füßen. Was finden die Weiber also an diesem Typen? Für mich hat er irgendwie die Ausstrahlung eines Pornodarstellers aus den frühen 1980er Jahren. Auch der ganz in rot gekleidete Gitarrist Teuk Henri (was für ein Name!) ist nicht gerade das, was man in Bayern als fesch bezeichnet, nur Drummer Julien Paschal hat noch am Ehesten was von einem Weiberhelden.

Was macht also die Anziehungskraft von Sharko aus? Die namentliche Nähe zu Frankreichs Präsidenten (Sarko)? - Wohl kaum! Vielmehr ist es wohl die unglaublich eindringliche Stimme von David Bartholomé, die begeistert. Zumindest diejenigen begeistert, die früher auf Police standen und auch heute noch Sting mögen. Einfach verblüffend, diese stimmliche Ähnlichkeit! Ich muß zugeben, daß auch ich nicht völlig unbeeindruckt von dem Goldkehlchen an der Spitze von Sharko war. Aber irgend etwas störte mich an den Belgiern. Wenn sie da "Excellent "(I'm Special) singen und das Publikum auffordern, den Refrain mitzugröhlen, ist das doch arg anbiedernd, oder etwa nicht? Und überhaupt: mitgröhlen ist scheiße! Das dürfen nur die Kaiser Chiefs und ein paar andere Auserwählte, aber Belgier? - Stimmt, ich bin unfair, aber Stadionrock ist nunmal nicht mein Fall und davon hat Sharko zweifelsohne manchmal etwas. Die Tatsache, daß Lockenkopf David, der im Übrigen nicht nur sang, sondern auch markante Bassläufe spielte, einen Bartresen erstürmte und von dort die Massen aufpuschte, unterstrich das stadionhafte noch einmal eindrucksvoll. Allerdings kann man nicht abstreiten, daß die Show sehr gut ankam, die Stimmung war ganz ausgezeichnet. "No Contest", i'm the best sangen die Belgier dann auch konsequenterweise und zumindest ihre eingefleischten Fans teilten diese Meinung. Ich persönlich war hinterher unschlüssig, was ich vom Auftritt von Sharko halten sollte. War das jetzt feister, auf Melancholie getrimmter Rock, oder doch irgendwie mitreißend und gut? Der unbestrittene Hit "I Went Down" läßt mich in meinem Urteil schwanken, ich kriege diesen verdammten Ohrwurm nämlich nicht mehr aus meinem Ohr hinaus!


Setlist Sharko:

01: Minute
02: Sugarboy
03: Motels
04: Spotlite
05: Excellent
06: Sweet
07: Protection
08: No Contest
09: Rip Off
10: Trip
11: I Went Down

12: Radio 1 (Z)

Nach dem Auftritt von Sharko leerte sich die Flèche d'or dann merklich, viele wollten noch die letzte U-Bahn kriegen, um nicht auf die Leihfahrräder, die die Stadt Paris zur Verfügung stellt, angewiesen zu sein. Auch ich wankte kurz, blieb aber dann doch noch, um die von mir sehr geschätzten The Rodeo nicht zu verpassen. Und diese Entscheidung stellte sich schnell als goldrichtig heraus! The Rodeo ist ein Neben-(oder inzwischen Haupt?) Projekt von Dorothée, der Rockröhre, die auch bei Hopper singt. Die charmante dunkelhaarige Dame machte dann auch sofort klar, daß mit ihr nicht zu scherzen ist: "I'm Rude" war die deutliche Ansage. Dorothée hat aber viele Gesichter, sie ist nicht nur grob und vorlaut, sondern, wenn es sein muß, auch sanft und einfühlsam. Musikalische Vorbilder sind Karen Dalton, Cat Power, oder Joanna Newsom, was ihre Verwurzelung im Folk deutlich macht. The Rodeo bringt aber frischen Wind in die manchmal verstaubte Szene und eine Französin, die amerikanischen Folk und Blues singt, das ist doch was Tolles! Zumal, wenn so viele vorzügliche Lieder im Set auftauchen. "Your Love Is Huge" und "People Know" seien hier nur exemplarisch genannt. Noch einen Zacken schärfer war allerdings das abschließende Winterlands, das mich mit seinem herzzereißenden Text ("no more pain") und seiner innewohnenden zarten Melancholie so richtig ins Herz traf. Wow, was für ein Ende eines ohnehin schon sehr gelungenen Sets! Wann kommt endlich ein Album, oder zumindest eine Ep von The Rodeo auf den Markt? Ich halte meinen Geldschein jedenfalls gezückt!

01: I'm Rude (solo)
02: I Could
03: Hard To Say/I'm Gonna Leave You
04: People Now
05: Feel The Fire
06: Your Love Is Huge
07: Little Soldier
08: Cha Cha Cha
09: High Resolution World
10: Winterlands




Dienstag, 27. Februar 2007

My Brightest Diamond & Rodeo, Paris, 26.02.07

1 Kommentare
Konzert: My Brightest Diamond & The Rodeo
Datum: 26.02.2007

Ort: Le Point Éphémère, Paris

Zuschauer: gerammelt voll


Volle Hütte heute abend zum Konzert von My Brightest Diamond, was wohl auch daran lag, daß der Gig kurzfristig von der Maroquinerie in das eher kleinere Point Éphémère verlegt wurde. Zum Glück habe ich den entsprechenden Bulletin bei MySpace gelesen, sonst wäre ich nichtsahnend zur Maroquinerie getigert...

Zunächst einmal lauschte ich aber den folkigen Klängen von The Rodeo, dem neuen Projekt der Sängerin Dorothée, die ansonsten bei der Pariser Band Hopper röhrt. Da ich Hopper vor allem wegen der Stimme von Dorothée mag, hatten The Rodeo leichtes Spiel bei mir. Schon die auf der MySpace-Seite bereitgestellten Songs "People know", "Your love is huge" und vor allem "I'm rude" haben mir auf Anhieb gefallen. Auch mit den musikalischen Einflüssen der Band kann ich etwas anfangen, denn dort finden sich solch illustre Namen wie z.B. Willy Mason, Cat Power und Bright Eyes. Da die zierliche Sängerin aber eine unverkennbare Rockröhren-Stimme hat, behält die Band ihre Eigenständigkeit. Dorothée wurde am heutigen Abend begleitet von einem Country-Violinisten und einem Schlagzeuger, der, soweit ich das richtig erkannt habe, ansonsten auch in Diensten von Hopper steht. Leider war das Set schnell zu Ende, was auch damit zu tun hatte, daß ich wesentlich zu spät gekommen bin, schade...

Ich werde mir aber The Rodeo, von denen es bisher keinerlei Tonträger zu kaufen gibt, bei Gelegenheit wieder anschauen.

Dann wartete das fachkundige Publikum auf My Brightest Diamond aus Brooklyn, USA bzw. vielmehr auf die Frau, die dahinter steckt, nämlich Shara Worden. Letzgenannte erschien dann schließlich zunächst ganz alleine auf der Bühne und trug mit ihrer Klampfe "bewaffnet" zwei Stücke vor, die einen deutlich souligen, ja phasenweise chansonesquen Einschlag hatten. Kein Wunder im übrigen, da Shara aus einer Musikerfamilie mit einem breiten musikalischen Horizont stammt. Schon ihr Großvater war musizierender, evangelischer Wanderprediger, ihr Vater ein nationaler Akkordeon-Champion und ihre Mutter Organistin in der Kirche. So wuchs sie auf mit sunday morning gospel, klassischer Musik und Jazz. Und wie so oft bei klassisch ausgebildeten Musikern (sie hat an der Uni u.a. Debussy studiert), neigen sie dazu ,die gesamte Bandbreite ihres Könnens zu zeigen, was auch gewaltig nerven kann! Ja nerven! Nach den zwei Anfangsstücken fragte ich mich ernsthaft, ob ich das bis zum Schluß aushalten könne, da Shara ihre Stimme ähnlich einer Björk einsetzte. Zum Glück kamen dann aber ein Schlagzeuger und ein Gitarrist hinzu und das Konzert gewann mächtig an Dampf. Vor allem das an PJ Harvey erinnernde Stück "Something of an end" von ihrem Debütalbum "Bring me the workhorses" gefiel mir sehr gut. Was man da zu hören bekam, war schon fast Stoner-Rock, Josh "Queen of the stone age" Homme könnte sie also durchaus mal zu seinen berühmten Dessert Sessions einladen. Auch "Golden star" und "Disappear" waren stark und ich fand langsam aber sicher Gefallen an diesem Konzert. Zum Ende hin wurde es aber wieder phasenweise recht anstrengend, weil die Stimme von Shara einige Kapriolen schlug und es teilweise ziemlich jazzig wurde, was nicht so ganz mein Ding ist. Der letzte Song des offiziellen Sets war dann aber wieder etwas für mich, denn mit "Freak out" kam ein fetziges Stück, zu dem die kleine Sängerin, die ein grünes Kleid und eine rosa Strumpfhose trug, wie wild umherhüpfte. Für mich wäre das eigentlich schon ein würdiger Abschluß gewesen, aber die Zuschauer wollten mehr und sie bekamen auch mehr. Zunächst kam das zierliche Persönchen alleine zurück und trug zum größten Gefallen des Publikums ein Lied auf französisch vor. Ich glaube es handelte sich um ein Stück von Edith Piaf, bin mir aber nicht sicher. Das Stück kam logischerweise unglaublich gut an, zum einen weil Shara fast akzentfrei sang, zum anderen, weil sie das Lied zunächst aufgrund eines Lachkrampfes abbrechen mußte. Das hatte etwas sehr natürlich-symphatisches und spätestens jetzt waren die Pariser der Amerikanerin verfallen. "I think I was born in the wrong place", sagte sie dann auch belustigt, woraufhin ein frecher Zuschauer einwarf: "Where? In Iowa?" - "In Arkansas, that's worse", antwortete der neue Publikumsliebling schlagfertig.

Zur zweiten Zugabe kam ihre Band zurück und danach glaubte ich, daß das Konzert endgültig vorbei sei. Der Beifall war aber so tosend, daß Sharah noch einmal alleine zurückkam und barfuß ein Blues-Stück vortrug, zu dem sie mit den Füßen energisch auf den Boden trat. Wieder frenetischer Applaus und jetzt war ich sicher, daß Schluß sei. Aber erneut gefehlt, das Publikum hatte immer noch nicht genug und es gab noch eine Zugabe! Inzwischen hatte auch ich meine Reserviertheit abgelegt und klatschte begeistert in die Hände. Die kleine Sängerin verteilte gerührt Kußhände und ganz plötzlich schossen ihr Tränen in die Augen. Um nicht hemmunglos zu weinen, verließ sie schnell die Bühne. Zwei junge Frauen rechts von mir konnten ihre Tränen aber nicht zurückhalten, so gerührt waren sie! Auch ich hatte einen Kloß im Hals. Einen solch intensiven Moment habe ich seit langem nicht mehr erlebt. My Brightest Diamond hat nicht nur mich verzückt. Ich glaube daran werde ich mich noch eine ganze Weile erinnern...

von Oliver


 

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