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Samstag, 9. August 2008

Guillemots, Haldern Festival, 08.08.08

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Konzert: Guillemots

Ort: Hauptbühne des Haldern Pop Festivals
Datum: 08.08.2008
Zuschauer: tausende
Konzertdauer: ca. 1 Stunde

Die Guillemots haben ein im Großen und Ganzen ansprechendes Konzert aufs Parkett gelegt. Allerdings hatten sie Pech mit dem Sound: ausgerechnet zu ihrem famosen Abschlußsong Sao Paulo fiel mehrfach die linke Box aus...

Mehr demnächst.

Setlist Guillemots, Haldern Pop Festival 2008:

01: Get Over It
02: Go Away
03: Made Up Lovesong # 43
04: Clarion
05: Don't Look Down
06: If The World Ends
07: Kriss Kross
08: Falling Out Of Reach
09: Trains To Brazil
10: Sao Paulo

Fotos von den Guillemots beim Haldern-Pop 2008 hier




Montag, 12. Mai 2008

Loney, dear, Soko, White Rabbits & Guillemots, Frankfurt, 11.05.08

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Konzert: Loney, dear, Soko, White Rabbits & Guillemots (25 Jahre Haldern-Pop Tour)

Ort: Batschkapp, Frankfurt
Datum: 11.05.2008
Zuschauer: ca. 100
Konzertdauer: jeweils etwa 40 min.


Daß wir das Haldern Festival sehr schätzen, ist kein Geheimnis. Aber auch drumherum schaffen es die Verantwortlichen des Indie-Events vom Niederrhein immer wieder, interessante Veranstaltungen zu organisieren. Im März waren die großartigen Los Campesinos! bei Rock im Saal in Haldern, zum 25-jährigen Jubiläum von Haldern-Pop findet zur Zeit eine Tour von "Haldern-Bands" durch Clubs statt. Typische "Haldern-Bands" sind Indiepop-Gruppen, gerne mal ein wenig schrullig, vor allem aber musikalisch interessant und sehr liebenswert. Für Leute, die Musik ausschließlich durch große Radiosender beziehen, sind die Namen der Bands, die in Haldern oder bei solchen Touren auftreten, in der Regel vollkommen unbekannt - neben dem heißen Sommertag sicher ein Grund, warum höchstens 100 Zuschauer in die Frankfurter Batschkapp gekommen waren. Ich habe keine Ahnung, wie groß das Fassungsvermögen des Clubs ist, die Leute, die da waren, verliefen sich aber in dem gar nicht so großen Laden.

Man merkte den White Rabbits, die als erste angesetzt waren, richtig an, daß sie gerne noch gewartet hätten, ob nicht noch mehr Zuschauer kommen würden. Kurz vor acht guckten Bandmitglieder ein paarmal aus der Garderobe in den Raum, so wie
man mit der Fußspitze die Wassertemperatur in Schwimmbädern testet. Aber sie mußten hüpfen, der Zeitplan war mit vier Bands wenig flexibel. Ich hatte bisher von den New Yorkern keine Lieder gehört, ich war wegen Loney, dear und Soko (und trotz der Guillemots...) da. Den White Rabbits tat meine Ignoranz aber schon einmal unrecht. Beeindruckend bei der sechsköpfigen Band waren zunächst schon einmal die beiden Schlagzeuger. Das ist sicher nicht vollkommen ungewöhnlich, bei eher popiger Musik allerdings schon und gibt der Musik einen ganz besonderen Sound, eine Klangtiefe (klingt toll - in jeder Hinsicht). Neben den beiden Schlagzeugern (die aber nicht immer gleichzeitig spielten) gehörten ein singender Keyboarder, ein Bassist und zwei Gitarristen zu der amerikanischen Band. Der Keyboarder, Stephen Patterson, scheint der Hauptsänger der Gruppe zu sein. Einer der Gitarristen (Gregory Roberts) singt zwar auch, teils alleine, Stephens Anteile schienen mir aber deutlich höher. Die Musik der vielleicht nach Alice im Wunderland benannten Kaninchen ist schöner Indiepop, der uns gut unterhalten hat. Das erste Album der Band "Fort Nightly" brachte ihnen gute Kritiken ein, nachvollziehbar nach dem, was in der Batschkapp zu hören war. Bei zwei der Stücken kamen wir Assoziationen zu anderen (echten oder potentiellen) Haldern-Bands in den Kopf, ohne leider die Titel der Stücke zu kennen (auch wenn mittlerweile die Setlist im Kommentarteil steht). Eines der Lieder klang nach Afrobeat, also Paul Simon (oder in hip oder hype Vampire Weekend), eines, als wäre es ein Shout Out Louds Cover.

Die White Rabbits waren ein interessanter und
kurzweiliger 40-minütiger Auftakt, der ganz gut mehr Zuschauer vertragen hätte.

Anschließend wurde es lustig. Auf dem Programm stand Soko, Stéphanie Sokolinski, über die Oliver schon mehrfach aus Paris geschrieben hat. Die Französin mit dem niedlichen Akzent ist seit einiger Zeit auch in Deutschland bekannt, ihr Hit "I'll kill her" läuft sogar im Radio (ok, zumindest in 1live abends). Ich kannte von ihr bisher die eine veröffentlichte EP, auf der neben "I'll kieeeelll her" noch vier andere Lieder sind. Eines davon war dann auch das erste Stück des Konzerts, "Shitty day" (oder "S***** day", damit wir keine Probleme mit der Altersfreigabe bekommen), ein niedliches Popstück. "Niedlich" ist ohnehin die passende Zusammenfassung für Sokos 40 Minuten. Musikalisch war Soko sicher keine Offenbarung, ihr Charme, ihr
Spaß, untermalt von Dauerlachen, machten das aber wett. Soko hatte einen zusätzlichen Musiker dabei (Jean?), der Gitarre spielte, mitsang und Geräusche mit Händen, Füßen und seinem Mund machte. Schon gleich am Anfang wünschte sich eine Frau aus dem Publikum ein Lied. Soko fragte, ob sie nicht mitsingen wolle, sie solle doch auf die Bühne kommen, später komme aber noch etwas Einfacheres, da müsse sie dann mitmachen.

Die Ansagen und die quirlige Art der jungen Pariserin waren wirklich sehr reizend, dem konnte ich mich kaum entziehen, daher verstehe ich meinen Pariser Bloggerkumpel nur zu gut, daß er mit seit langem von Soko vorschwärmt. Ich kann mir zum Beispiel nicht vorstellen, daß Mando Diao oder die Hives (beliebig fortsetzbar) ein Lied mit "It's a shit song but I like it" ansagen. Das Stück, das Soko meinte, ist "My little green scooter", das auf ihrer Myspace-Seite zu hören ist.

Ihr war es auf der Bühne zu hell. Mit "Mister light no more job, free time!" und einem
Tänzchen löste sie das Problem bevor sie "Why would you lie" anstimmte. Dazu war Schlagzeuger von Loney, dear als Unterstützung auf die Bühne gekommen. Soko hatte auch schon eines der Lieder an den Drums bestritten, für "Why would you lie" brauchte sie aber offenbar einen professionelleren Schlagzeuger. Zusätzlich erschien aber während des Stücks auch Loney. dear Sänger (und Mastermind) Emil auf der Bühne und schnippte und sang mit, was Stéphanie vollkommen überraschte und zu dem ein oder anderen Lachanfall brachte. Niedlich eben...

Danach der nächste Gastauftritt. "The next song is called 'My little baby cat'" sagte sie,
schaltete eine Katzenlampe an ihrem Keyboard an und bat die Frau aus dem Publikum nach oben, um als Refrain "Miao" zu singen. Auch das war sehr amüsant, auch wenn es "My little baby cat" sicher in keine Jahrescharts bringt.

Etwas später klappte ihre Gitarre nicht, was sie zu einem improvisierten Liedchen mit der Zeile "I break my guitar" brachte, das sie einmal angefangen habe und irgendwann weiterschreiben werde. Nachdem sie das als Pausenfüller gespielt hatte (und erklärt hatte, daß sie alles kaputtmache), ging es mit "
I wanna look like a tiger" weiter. Danach - wie passend - sagte sie lachend, sie habe sich gerade einen Schneidezahn am Mikro kaputtgehauen! Vor lauter Kaputtmachen, Lachen und Erzählen hatte die Pariserin ihr Zeitgefühl vollkommen verloren. Sie bakam nach einer Weile einen Hinweis, daß sie jetzt enden müsse. Ob "I'll kill her" eigentlich noch vorgesehen war, weiß ich nicht, als Abschluß folgte nach der Mahnung jedenfalls "I will never love you more" und ihr Hit, den sie wohl selbst nicht mehr hören und singen mag, blieb ungespielt. Sehr, sehr witzig alles, das Gesamtkunstwerk Soko.

Setlist Soko, Haldern-Pop Tour, Batschkapp, Frankfurt:

01: Shitty day
02: Ali Gator
03: I never meant to hurt me (neu)
04: My little green scooter
05: I think I'm pregnant
06: Why would you lie?
07: Baby cat
08: Nervous breakdown
09: People are mean, people are bad
10: I wanna look like a tiger
11: ??? (I won't forget about you)
12: I will never love you more


Anschließend wurde die Musik wieder anspruchsvoller, trotz der vielen Nananananahhh Passagen in den Texten. Aber auch für die liebe ich Loney, dear so
sehr. Ich habe Probleme mit beegeehaftem Gesang, das führt eigentlich zu schnellem Ausschalten des Radios oder Fernsehers. Bei den Nordschweden klappte dieser Schutzmechanismus überhaupt nicht - und wie dankbar bin ich dafür! Denn Emil Svanängen (der Loney, dear ist - das ist ein Projekt- und keine Bandname) schreibt wunderschöne Poplieder (nananananaaaahhh), die ich immer wieder hören kann und mag.

Soweit ich mich erinnere hatte Emil die gleichen Musiker dabei, die er im vergangenen Jahr in Haldern mit auf die Bühne gebracht hatte, seine Keyboarderin, einen zweiten Keyboarder, einen Bassisten und den Schlagzeuger.
Das Set begann mit "Life has been this low" von "The year of river fontana", seinem ersten noch selbstveröffentlichten Album. Ach - und es war wieder so schön.

Mit "Le fever" und "Won't you do" folgten zwei Stücke von der dritten Platte "Sologne" (nananananaaahhh), bevor drei Lieder von der letzten, bei Sub Pop erschienenen CD "Loney, noir" folgten, die Hits "Saturday waits", "I am
John" und "Carrying a stone (nanananahhh). Zwischen diesen drei Lieblingsliedern kam aber etwas ganz Neues, ein Stück namens "Everything", das erst einmal Probleme bereitete. Sie hätten es zwar geübt, sagte Emil, nachdem sie den ersten Versuch abbrechen mussten, dann gab er aber seiner Band ein paar Anweisungen auf Schwedisch. "Ola, Du mußt bitte die Bassdrum weniger laut spielen, Malin, sing bitte lalala." - Nein, nein, dafür reicht mein Schwedisch leider nicht, mitbekommen habe ich nur, daß Emil seinen Kollegen etwas vorsang (einen nanananaaah-Part!). Der zweite Versuch klang sehr schön, das Üben hatte sich also gelohnt! Leider war es mit "Ignorant boy, beautiful girl" auch schon wieder viel zu schnell vorbei!

Emil hatte hinterher aber am Merchandising Stand noch die gute Nachricht, daß Loney, dear auch beim Festival im August freitags im Zelt auftreten! Juchuu und nananahh!

Setlist Loney, dear, Haldern-Pop Tour, Batschkapp, Frankfurt:

01: Life has been this low
02: Le fever
03: Won't you do
04: Saturday waits
05: Everything
06: I am John
07: Carrying a stone
08: Ignorant boy, beautiful girl

Die nachfolgenden Künstler, die Guillemots (der Namensgeber ist ein kauziger Vogel...), und ich verstehen uns nicht richtig gut. So etwas gibt es ja. Schon beim ersten Treffen waren wir uns nicht sympathisch (das war ein Haldern-Festival). Das nächste mal begegnete mir Sänger Fyfe Dangerfield (keine Wortwitze!) auf einer Anna Ternheim Maxi als Co-Sänger einer zauberhaften "A lover's dream" Version. Das versöhnte. Allerdings erschien dann die neue Platte der Band ("Red"), die (nicht nur mich) kräftig kalt ließ. Aber da der Abend nicht mehr schlecht werden konnte, hörten wir uns die Vögel noch an. Über eine knappe Dreiviertelstunde und gutgelaunt waren die Guillemots auch gut hörbar. Bis auf zwei Stücke hat mich aber nichts vom Hocker gerissen. "Trains to Brasil" war sehr nett und das solo von Fyfe vorgetragene und offenbar neue "Faster than the setting sun" (keine Ahnung, ob ich den Refrain richtig verstanden habe) gefiel mir auch gut. Allerdings gab es auch echte Scheußlichkeiten. "Last kiss" von "Red" klang wie Portishead für ganz arme. Oh je, war das schrecklich! Oder "Kriss Kross" am Ende... Schwere Kost für mein Ohr - auch für Augen, denn Fyfe trug da bereits eine fesche Sonnenbrille, im sehr dunklen Raum.

Freunde sind die Guillemots und ich nicht geworden. Allerdings bin ich auch nicht reflexartig aus dem Saal gelaufen. Ein Erfolg.

Setlist Guillemots, Haldern-Pop Tour, Batschkapp, Frankfurt:

01: Get over it
02: Clarion
03: Don't look down
04: Falling out of reach
05: Last kiss
06: Trains to Brasil
07: Faster than the setting sun (?)
08: Made up love song #43
09: Kriss Kross

Ein schöner Abend, interessante Bands, viel Unterhaltung. Wieder einmal etwas mit Haldern im Namen, das Spaß gemacht hat. Die Haldern-Tour macht noch folgende Stationen:

12.05.08 Berlin - Lido
13.05.08 Hamburg - Übel & Gefährlich
14.05.08 Haldern - Saal Tepferdt

Links:

- aus unserem Archiv:
- Soko, Paris, 04.10.07

- Soko, Paris, 31.05.07
- Soko, Paris, 02.05.07
- Loney, dear, Paris, 12.11.07
- Loney, dear, Haldern, 04.08.07
- Loney, dear, Paris, 15.05.07
- Guillemots, Paris, 19.02.07
- Guillemots, Paris, 11.11.06

- mehr Fotos



Dienstag, 20. Februar 2007

Guillemots, Paris, 19.02.07

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Konzertbericht Guillemots
Datum: 19.02.2007

Ort: La Maroquinerie, Paris

Zuschauer: wahrscheinlich ausverkauft, trotz des Rauchverbots


Seit circa zwei Wochen herrscht in der Maroquinerie striktes Rauchverbot, so daß man den kleinen Kellerraum inzwischen auch ohne Gasmaske betreten kann. Eine zu begrüßende Maßnahme, wenn auch zum Unmut der Qualmer. Für frischen Wind war heute abend aber ohnehin gesorgt, denn die prickelnden, in London beheimateten Guillemots standen auf dem Programm. Zuvor hatte ich allerdings den Auftritt des nordirischen Rastafarians Duke Special erwartet. Statt des barocken Zöpfchenträgers erspähte ich aber eine junge Dame am Piano, die melancholische Lieder im Stile einer Cat Power vortrug. Auf meine Nachfrage hin, konnte mir keiner der Zuschauer sagen, wer das denn wohl war. Sei's drum!

Die Guillemots sollten ohnehin abendfüllend genug sein...

Los ging es ganz romantisch mit "Come away with me", mit der markanten
Songzeile "Will you recognize my face", welches, wie auf dem Debütalbum, irgendwann in das ungleich flottere "Through the windowpane" überging. Hier konnte man sofort die Stärken der Band erkennen, die da wären: spritzige, frische Popmelodien, eine überaus reiche Instrumentierung, prompte Tempo- und Stilwechsel und die mal sanfte, mal hysterische Stimme von Bandchef Ffyfe Dangerfield. Letzgenannter stellte sich dann auch dem Publikum vor und kramte dabei Reste seines Schulfranzösisch hervor. "Excuse me please for my bad French, but the English education system is so bad", stammelte er ein wenig verlegen.

Das war wohl auch ein wenig "Fishing for compliments", denn sein Französisch war eigentlich ganz passabel. Anbiedernd fand ich die Bemerkung aber nicht, sondern eher charmant und humorvoll. Und Humor hat er, der Fyfe: so führte er dem belustigten Publikum die Möglichkeiten seines riesigen Keyboards vor und drückte in bester Stefan Raab-Manier verschiedene Tasten, die dann mitunter obszöne Samplegeräusche von sich gaben. Da hörte man dann das Stöhnen einer Frau, gefolgt von den Balzgeräuschen eines erregten Mannes. Die Leute wieherten vor Vergnügen. Aber auch und vor allem musikalisch war es eine Freude den sechs Leuten auf der Bühne zuzusehen. Nach dem an dritter Stelle gebrachten "Go away", kamen hintereinander mehrere neue Songs unter anderem der "Lovesong", den er als einen "Sexy song" anpries. "Zumindest ist es das, was ich als sexy empfinde", schob er hinterher. Mit dem Thema "Sex" hatte Fyfe dann einen Aufhänger gefunden, weitere Scherze hierzu folgen zu lassen. "Damit ihr es wißt, wir haben untereinander immer Gruppensex!" Das ging der niedlichen Kontrabassistin Aristazabal Hawkes dann aber doch zu weit, denn sie schüttelte verneinend energisch ihr süßes Köpfchen. Ach, überhaupt diese Aristazabal, eine Augenweide, ich konnte gar nicht meinen Blick von ihr lassen! Besser jedenfalls als den ziemlich häßlichen Drummer anzusehen! Aber Schluß jetzt mit den Anzüglichkeiten! Zurück zur Musik! Nach den in der Setlist auffindbaren neuen Songs des Mittelteils kam mit "Annie, let's not wait" auch mal wieder ein Lied, das ich kannte. Auch "Annie" im übrigen wieder eine dieser spritzigen Pop-Perlen. Mein persönlicher Favorit auf dem Album ist aber "We're here", das dann auch energisch vom Publikum gefordert wurde. Nett, wie er ist, ging Fyfe dann auch auf den Vorschlag ein. "O.K., the next song is called: 'We're here'". Zu meiner kleinen Enttäuschung wurde dieser Titel dann aber vom Sänger allein in einer Unplugged-Version geboten. Andererseits ist das aber auch das Schöne an den Guillemots. Ich sah sie zum dritten Male und jedes Konzert hörte sich anders an. Immer interpretierten sie die Lieder ganz neu, ohne aber den roten Faden zu verlieren, wenn es auch das ein oder andere mal fast in Richtung Free-Jazz ging. Krönender Abschluß war dann, wie auf dem Album das fulminante Sao Paolo, welches immer wieder neue Überraschungen brachte. Das Publikum ragierte darauf mit einem langanhaltenden Applaus, der so energisch war, daß Fyfe schließlich mit einem kleinen Keyboard in der Hand noch einmal auf die Bühne kam und die Ballade "Blue would still be blue" vortrug. Danach war aber wirklich Schluß und ich ging in der Gewissheit nach Hause einer der interessantesten Bands aus England gesehen zu haben, mögen die Lästerer sagen, was sie wollen.

Setlist:
01: Come away with me
02: Windowpane
03: Go away
04: Lovesong
05: Sea out
06. Big dog
07: Words
08: 21st of May
09: She's evil
10: Annie
11: Lost star
12: We're here
13: Redwings
14: Trains
15: Sao Paulo

16: Blue would still be blue (Z)

von Oliver



Sonntag, 12. November 2006

Bat for Lashes, Love is all, Guillemots, Midlake, Gang of Four, Paris, 11.11.06

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Konzert: Bat for Lashes, Love is all, Guillemots, Midlake, Gang of Four
Datum 11.11.2006
Location: La Cigale, Paris
Zuschauer: fast ausverkauft

Los ging es heute bereits um 17.30 Uhr, denn schließlich traten im Rahmen des Festival des Inrocks fünf Gruppen auf. Den Auftakt machten in der bereits zu dieser frühen Stunde gut gefüllten Cigale Bat for Lashes. Hinter dem Namen verbirgt sich die junge und sehr hübsche Natascha Khan, übrigens verwandt mit dem hervorragenden Squash-Spieler. Die regelmäßig als Squaw auftretende Musikerin, die ich dieses Jahr bereits zum zweiten Mal sah, wird von drei jungen weiblichen Bandmitgliedern begleitet, die übrigens erstaunlich talentiert, munter die Instrumente wechseln. Mal sitzt Natascha am Klavier, mal ihre Freundin, etc. Den Musikstil könnte man als feenhaften Folk-Pop bezeichnen, aber es ist nicht so leicht das Ganze in eine vorgefertigte Schublade zu stecken, da Natascha erfreulicherweise viele neue, gute Ideen einbringt. Stimmlich wird als Referenz immer wieder Björk genannt, auch der Name Kate Bush fällt ziemlich häufig. Toll ist, daß die Musik gut hörbar bleibt, trotz des experimentellen Einschlags. Streicher kommen hier zum Einsatz, immer wieder eine Rassel, Handclaps, das Piano natürlich auch und auch eine große Trommel, auf die Natascha bei einem Titel gemeinsam mit ihrer Bandkollegin einhämmerte. Besonders aufgefallen ist mir bei dem leider ziemlich kurzen Set insbesondere das Lied "The Wizard", übrigens dem gerade erschienenen Debütalbum "Fur and Gold" entnommen. Hier passte der Vergleich mit Kate Bush ziemlich gut, aber die stimmliche Bandbreite von Fräulein Khan reicht viel weiter. Mir hat es auf jeden Fall sehr gut gefallen.

Nach ein
er kurzen Pause geht dann der rote Vorhang auf für die fünf jungen Schweden von Love is All. Die körperlich Kleinste ist hier die Größte, ich spreche von der zierlichen blonden Sängerin Josephine Olausson, die völlig ungeniert die freche Punk-Göhre raushängen läßt. Stimmlich könnte man sie mit Minni Mouse vergleichen, denn sie piepst so schrill, daß sie womöglich Glas zum Bersten bringen könnte. Mir kam sofort der Vergleich zu einer Band aus den sehr frühen 80ern namens Altered Images, die mit dem Song "Happy birthday" einen Hit hatten. Ansonsten passt natürlich wie so oft bei einer weiblichen Punksängerin der Vergleich zu Blondie. Blondie ist auch deshalb als Referenz geeignet, weil Debby Harry zu einer Zeit aktiv war, in der ein schrilles Saxophon jedes Lied verziert, bzw. versaut hat. Ich spreche natürlich von den späten 70ern, bzw. frühen 80ern. Ja, ja ein Saxophon gibt es bei Love is all, es ist nicht zu überhören. Gestartet wurde das Set übrigens von dem fetzigen "Talk Talk Talk" und beendet wurde es von dem bisher größten Hit "Make out fall out make up". Leider ging das Publikum nicht sonderlich mit, aber es spendete zumindest artig Applaus.

Dann folgte der übliche Umbau bevor die Kritikerlieblinge Guillemots die Bühne betraten. Zunächst sah man aber nur einen und zwar Sänger und Pianist Fyfe, der mit Clochard-Hut-und-Mantel die Ballade "My chosen one" vortrug. Stimmlich war er voll auf der Höhe, da gab es überhaupt nichts auszusetzen, selbst wenn man den Musikstil der Guillemots nicht sonderlich mag. Dann kam die erstaunlich heterogene Band (sind die gecastet?) dazu, wobei insbesondere die hübsche Kontrabass-Spielerin ins Auge stach. Gespielt wurden natürlich Songs des Debütalbums "Through the Windowpane", das von den Kritikern mit Lob nur so überschüttet wurde. Nach dem heutigen Abend meine ich zu Recht. Selbst wenn man den etwas schmalzigen und überfrachteten Stil nicht schätzt, so muß man doch fairerweise die Kreativität und die Musikalität dieser Gruppe, deren Mitglieder übrigens aus vielen verschiedenen Nationen stammen, anerkennen. Ein Höhepunkt für mich war der beschwingte "Made-Up Lovesong#43", dessen Titel Sänger Fyfe mit etwas Mühe ins Französische übersetzte. Er weiß wahrscheinlich, daß es bei Franzosen immer überaus gut ankommt, ein paar französische Sätze anzubringen. Anbiedernd fand ich diese Geste aber nicht. Das Set, welches u.a. auch "Anni let's not wait" umfasste, ebenso wie den Titeltrack, wurde wie auch auf dem Album von dem fabelhaften "Sao Paulo" abgeschlossen, ein Titel, der sich über 11 Minuten erstreckt, ohne allerdings langweilig zu werden. Ich war jedenfalls ziemlich begeistert, auch wenn ich Cécile noch nicht so richtig überzeugen konnte.

Als vorletzte Gruppe des Abends durften dann die fünf eher schüchternen Texaner von Midlake zeigen, ob die Lorbeeren, die sie von Kritikern für ihr Album "The Trials of van occupanther" erhalten hatten, zurecht verteilt wurden. Midlake hatte ich dieses Jahr bereits als Vorgruppe der Flaming Lips gesehen und einen recht positiven Eindruck gewonnen. In der Zwischenzeit ist deren aktuelles, oben erwähntes Album schon so einige Male durch meinen i-pod gelaufen und ich habe es sehr lieb gewonnen. Bereits der dritte Titel des Sets stellte für mich dann ein erstes kleines Glanzlicht dar. Romantische Geigentöne erklangen, gefolgt von einem behutsam gesetzten Schlagzeug, bevor der sich durch den ganzen Song erstreckende markante Basslauf einsetzte. Gemeint ist das wunderschöne Lied "Young bride", für mich eine der besten Singles des Jahres. Fast jedes Lied wurde übrigens visuell durch richtige kleine Spielfilme unterstrichen, hier kamen folglich auch die Cineasten auf ihre Kosten. Weitere Höhepunkte waren das gesanglich etwas an Thom Yorke erinnernde "Branches" und eine der wenigen schnelleren Nummern "Roscoe". Insgesamt dominierten aber eher die ruhigen, sentimentalen Stücke, denen etwas herrlich Altmodisches innewohnt. Viele Musikkritiker zitieren immer wieder etwas mittelmäßige Bands aus den 70ern, wie z.B. Crosby & Nash, oder auch Fleetwood Mac. Diese Vergleiche können aber in die Irre führen, denn es handelt sich eher um das Phänomen, das Midlake einen Sound kreieren, der wegen seiner Unaufgeregtheit und Gediegenheit so gar nicht in die heutige Zeit passen will. Ich habe jedenfalls wieder einen sehr positiven Eindruck gewonnen, obwohl ich zugeben muß, daß mich allmählich nach etwas schnellerer, härterer Musik dürstete.

Von den Postpunk-Veteranen der Gang of Four wurde dieses Bedürfnis allerdings hervorragend gestillt. Vor deren Auftritt stellte ich mir zusammen mit Cécile und einem sehr netten deutschen Mädchen, mit dem sehr französich klingenden Namen Odile die Frage, ob denn die Band aus Leeds auch heute noch etwas tauge. Wer Musikzeitschriften liest, weiß, daß deren zeitweise vergriffenes Album "Entertainement" als eines der besten und einflußreichsten der Rockgeschichte gilt. Aktiv war die vierköpfige Band übrigens offiziell von 1977 bis 1984, ehe sie sich 2004 in der Urbesetzung neu formierten. Die Band besteht aus Jon King (Gesang), Andy Gill (Gitarre), Dave Allen (Bass) und Hugo Burnham (Schlagzeug). Unsere Zweifel, ob es Sinn macht, in dem Alter noch mal ein Comeback zu starten, wurden bereits nach dem ersten Titel eindrucksvoll weggewischt. Jon King stürmte wie ein wildgewordener Gorilla auf die Bühne, hüpfte mit ausgebreiteten Armen in der Hocke von links nach rechts und stellte sich oft beschwörend wie ein Guru vor die schnell in Extase geratene Menge. Es ging ganz gewaltig der Punk ab und schnell wurde in den vorderen Reihen Pogo getanzt. Neben dem wie sich wie ein Psychopath gebärdenden Sänger wirkten natürlich die messerscharfen Bassläufe und stakkatischen Gitarrenriffe als Stimulanz. Nicht nur ich war sprachlos, ob dieses Spektakels. Ich verwende dieses Wort nicht gerne, aber hier passt es: es war saugeil! Die alten Hits wurden abgefeuert, daß es nur so krachte.Von Highlights will ich eigentlich nicht sprechen, da es gar keine Verschnaufpause gab, ich würde als erstes ganz großes Glanzlicht aber trotzdem "At home he's a tourist" bezeichnen. "At home he feels like a tourist, he fills his head with culture, he gives himself an ulcer (Magengeschwür!)", schmetterte Jon King der wilden Masse in die Fresse. Hierzu stellte er sich ganz nah an den Bühnenrand und peitschte die Leute hektisch gestikulierend noch zusätzlich auf. Alle waren außer Rand und Band, auch mir zuckte es gewaltig in den Füßen. Manchmal wurde bewußt ein ruhigeres Lied eingestreut, damit sich Jon, der schweißgebadet war, ein wenig erholen konnte. Manchmal lag er halbtod auf dem Boden, nur um dann beim nächsten Titel noch mehr aufzudrehen. Spektakulär war eine Passage, in der Herr King mittels einer kurzen Eisenstange auf eine bereitgestellet Mikrowelle einprügelte. Schon nach kurzer Zeit hatte das Gerät gewaltige Dellen in der Mitte, bevor sich dann der Psychopath kurzerhand das Ding unter die schlaksigen Arme packte, um es mit Wut auf den Boden zu pfeffern. Das Publikum wieherte vor Vergnügen. Ruhiger und gespenstisch monoton und depressiv wurde es dann mit dem Lied "Anthrax", ein Titel, den man vor fünf Jahren bestimmt nicht hätte spielen dürfen. Mir lief ein kalter Schauer über den Rücken, so ungefähr habe ich mir Joy Division vorgestellt! Letztes Lied des offiziellen Sets war dann "To hell with poverty", ein Titel der auf die Neo-Marxistische Vergangenheit der Band hinweist. Der Song stellt geradezu ein Paradebeispiel dafür da, wie viele aktuelle Bands noch von der Viererbande beeinflußt sind, denn nicht nur ich stellte fest, daß "I need your love" von The Rapture stark von "To hell with poverty" abgekupfert wurde. Danach schlichen die alten, aber unglaublich dynamischen Herren erstmal von der Bühne. Was Zugabe sein würde war hier (fast) jedem klar. Natürlich "Damged goods", das noch mal gewaltig aufmischte. Unter völlig verdientem frenetischen Applaus verließen die Engländer dann den Ort des Geschehens. Ich war völlig platt, aber auch tief beeindruckt von diesem Spektakel. Die Senioren hatten den Jungspunden nochmal gezeigt, wo der Hammer hängt.

von Oliver



 

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