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Dienstag, 27. November 2012

Shearwater, Paris, 23.11.12

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Konzert: Shearwater (Jesca Hoop)
Ort: La Boule Noire, Paris
Datum: 23.11.2012
Zuschauer: nur halb voll (ich bin Optimist), also etwa 200
Konzertdauer: gut 80 Minuten



Schon verflixt, wenn man die Qual der Wahl hat. Da spielen am 23. November in Paris doch ausgerechnet auch noch 'Allo Darin & Myra Lee gratis im International, aber ich bin schon mit Shearwater verabredet und halte mein Date auch ein.



Andere Fans der Texaner sind da weniger treu. War die Show von Shearwater im Februar 2010 in der 500 Leute fassenden Maroquinerie noch ausverkauft, so fanden sich heute optimistisch geschätzt nur etwa 200 Besucher in der Boule Noire ein. Eine Denkzettel für das weniger gemochte aktuelle Album Animal Joy, Ausdruck einer allgemeinen Krise bei  Indie-Konzerten oder zuviel Konkurrenz am heutigen Tage auf anderen Bühnen der Stadt? Hmm, ich denke eine Mischung aus allen drei aufgezählten Faktoren.



Den musikalischen Höhepunkt hat die Band von Sänger Jonathan Meiburg sicherlich im Jahre 2009 mit ihrem vorzüglichen Album Rooks erreicht, an das qualitativ bisher nichts mehr rankam. Schlecht waren The Golden Archipelago und das 2012 Werk freilich nicht, aber einen gewissen Abschwung muss man dennoch nüchtern konstatieren. Dabei war ich 2009 davon überzeugt, daß die Gruppe noch deutlich größer und bekannter werden und es nur noch nach oben gehen würde. Aber ich lag falsch, weiß ohnehin nicht was ein breiteres Publikum mag oder nicht.



Das wichtigste ist eh, daß Shearwater nach wie vor eins sind: toll. In der Boule Noire zu Paris haben sie dies wieder einmal bewiesen. Von Anfang an machten sie wahnsinnig viel Druck, feuerten aus allen Rohren und klangen nach saftigstem Indierock und viel weniger nach Folk als damals. Alle ruhigen Elemente und Instrumente sind inzwischen verschwunden. Es gibt keinen Kontrabass mehr, auch keine esoterischen Flöten, keine mysteriösen Töne, die dadurch entstehen, daß ein Geigenbogen durch ein Xylophon gezogen wird und viel weniger Pianotracks. Shearwater 2012 das ist Rock pur. Wer befürchtete, Jonathan würde mit seinen Pianoballaden Chris Martin immer ähnlicher, kann aufatmen, in diesem Jahr speit der schlaksige Bursche Feuer, schreit rum wie ein Gestörter. Und das ist auch gut so, denn live berauscht nur weniges so gut wie kompromissloser, auf den Punkt gespielter Indierock ohne Schnörkel. Leute, die es geil finden, wenn ihre Ohren hinterher rauchen, kamen hier voll auf ihre Kosten. Vor allem das Schlagzeug knallte brutal laut aus den Boxen und die Gitarren und verzerrten Synthieparts erreichten ebenfals enorm hohe Werte auf der Dezibel-Skala. Für Meiburg war es dennoch kein Problem, über diese Gitarrenwände drüber zu singen. Er hat ein solch lautes und kraftvolles Gesangesorgan, daß er sicherlich noch einen Presslufthammer übertönen könnte. Dabei beherrscht er natürlich auch die leiseren Töne perfekt und sein Falsettgesang verdiente sowieso Schönheitspreise. Meistens sah man ihn heute aber mit weit aufgerissenem Mund und kämpferischer Pose.



Das Publikum dankte ihm und seiner Band den vollen Einsatz, die 200 Besucher klatschten und johlten regelmäßig euphorisch, wenn ein Song beendet wurde und hinterher sprach Meiburg noch ganz angetan auf glaubwürdige Weise von der "great crowd in Paris".



Ich persönlich amüsierte mich ebenfalls gut und konnte auch ein paar Highlights benennen. Das früh gebrachte Animal Life hatte berauschende Wirkung und bewies, daß das neue Album so schlecht nicht ist, Castaways vom Vorgänger kam herrlich melancholisch rüber und Open Your Eyes entwickelte sich überraschend gegen Ende zu einem wahren Killersong mit einem umwerfenden Instrumentalpart.


You As You Were war schnörkelos, catchy und flott, während Insolence subtiler aufgebaut war. Der Schlagzeuger hatte hier zunächst einen sich ständig wiederholenden Trommelrhythmus zu spielen, bevor Meiburg mit sanfter Falsettstimme einsetzte. Erst später wurden die Gitarren lauter, der Gesang von Jonathan fordernder. Es war ein ständiger Wechsel zwischen leisen und lauten Passagen. Für Leute die nur direkte zündende Songs mögen, war das wohl eher nix, aber ich empfand dieses mindestens 8 Minuten dauernde Stück als eines der spannendsten.


Unbedingt hervorzuheben auch die (halbe) Ballade für Jesca Hoop, die auf vorzügliche Weise solo in den Abend eingeleitet hatte (Born To in der langsamen Akustikversion absolut traumhaft!) und das ungemein stimmungsaufhellende Star Of The Age, bei dem sich die Band in einen regelrechten Rausch spielte.



Die Hits von Rooks kamen erst gegen Ende, genauer gesagt im Zugabenteil,  dann aber geballt. Leviathan Bound solo am Piano war atemberaubend intim, The Snow Leopard mit Band traumhaft schön und Rooks, das nach Black Eyes vom Album The Golden Archipelago perfomt wurde, verdiente nach wie vor die Krone des besten Lieds im Set. Nie haben Shearwater ihre Stärken mehr zur Geltung gebracht als hier, nie klang der Gesang von Meiburg berührender, die Melodie einschmeichelnder als auf dieser Perle. Es folgte noch das rockige Century Eyes und die Messe war gelesen.

Toll war's, wie immer bei Shearwater! Diese Band ist live einfach eine Bank.



Freitag, 6. April 2012

Shearwater & Julie Doiron, Paris, 05.04.12

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Konzert: Shearwater & Julie Doiron

Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 05.04.2012
Zuschauer: etwa 400, nicht ganz ausverkauft
Konzertdauer: Julie etwa 40 Minuten, Shearwater etwa 90 Minuten


Lola, ähem nein, Oliver Peel rennt!


Rennen für Julie. So in etwa konnte man das beschreiben, was ich an jenem 5. April abends erlebte. Ich wollte keine Minute vom Konzert der Kanadierin Julie Doiron verpassen, schließlich hatte die talentierte Dame doch 2011 bei einer Oliver Peel Session geglänzt. Aber ein verwirrter Nutzer der Pariser Metro machte mir einen Strich durch die Rechnung. Eigentlich war ich pünktlich aufgebrochen, aber gleich mehrfach wurde der Verkehr auf der Linie 2 unterbrochen, weil jemand über die Gleisanlagen lief. Was ihn dazu angetrieben hatte, weiß ich nicht, aber ich war erleichtert zu hören, daß es nicht zu einer Tragödie, sprich zu einem Suizid kam. Der Bursche kletterte irgendwann wieder nach oben und wurde in Gewahrsam genommen. Uff!


Resultat: es war bereits 20 Uhr 10 als ich an der U-Bahnstation Menilmontant ankam und nun musste ich auch noch den steilen Berg hochwetzen, weil der Anschlußbus 9 Minuten Wartezeit verzeichnete. Ich rannte wie verrückt, obwohl ich vom Training auf meinem Stepper bleischwere Beine hatte. Ziemlich erschöpft kam ich gegen 20 Uhr 20 in der Maroquinerie an. Ich hatte einen Gästelistenplatz von Julie persönlich zugeschanzt bekommen, aber die stand unten im Keller schon auf der Bühne, während ich oben noch mit dem Ordner darüber diskutierte, ob ich einen Fotopass bräuchte, um mit meiner Kamera reinzukommen. Kurzerhand lief ich noch mal zur Kasse und forderte kess und prompt einen Fotopass, den ich überraschenderweise problemlos ausgehändigt bekam, weil ich darauf verwies, daß Miss Doiron mich gebeten hatte, ein paar hübsche Fotos von ihr zu machen.


Ich rannte nun die Treppenstufen runter, stieß die Tür zum Konzertsaal auf und hörte Julie gerade Shady Lane alleine auf ihrer Elektrischen performen. Ein cooles Cover von Pavement, das ihren guten musikalischen Geschmack unterstrich.

Wie immer präsentierte sich die Kanadierin sehr natürlich und down to earth und dies owohl sie massiv viel Erfahrung und Talent in die Wagschale zu werfen hat. Ab und zu habe ich den Eindruck, daß sie es extra macht, sich an der ein oder anderen Stelle zu verspielen, um so ihre Authenzität zu waren. Sie ist die Letzte, die Lust darauf hat, ein geschliffenes und bis in den letzten Notenschlüssel ausgeklügeltes Set abzuspulen. Gerade dieses Ungekünstelte, dieses Spontane macht sie aus. Eine vorgeschriebene Setlist? Hat sie nie. Sie spielt immer frei Schnauze, performt, was ihr gerade in den Sinn kommt. Heute hatte sie zum Beispiel Bock, Lovers of The World zu bringen, was sie sonst nie tut. Ihr war einfach danach. Und die Tatsache, daß sie gleich drei französische Lieder spielte, war sicherlich dem heutigen Umfeld geschuldet. Die französischen Chansons gehören mit Abstand zu ihrem softesten, kontemplativsten Material, wirken aber dennoch nicht als Fremdkörper in ihrer Diskografie. Gemeinsamer Nenner aller Lieder ist immer der sehr persönliche, intime Ansatz, die Melancholie, die Ungeziertheit.


Julie versteht stets, mich emotional zu treffen, egal ob mit oder ohne Band. Den anderen Zuschauern schien der Solo-Auftritt aber irgendwann ein wenig zu getragen zu sein und so jubelten sie laut, als plötzlich in der Mitte des Sets ein Drummer und ein Bassist hinzustießen, um den tollen Klassiker Swanpond und einen neuen Song (Arbeitstitel: Cars And Trucks) zu performen. Zwei Solo-Lieder später war dann Schluß und Julie überließ die Bühne nun Shearwater.

Vorläufiges Fazit: das Rennen für Julie hatte sich gelohnt, die zweifache Mutter ist einfach immer klasse!

Auszug aus der Setlist Julie Doiron, La Maroquinerie, Paris:

- Shady Lane (Pavement)
- The Tailor
- Lovers Of The World
- Ce Charmant Coeur
- Le Piano
- Pour Toujours
- Dark Horse
- Swanpond
- Cars And Trucks (neu)



Und dann ging es mit Shearwater weiter. Eine jener Bands, die mir schon unvergessliche Konzerte in der Vergangeheit bereitet hat, dessen neues Album Animal Joy ich aber noch nicht habe. Vor nicht allzu langer Zeit erfuhr ich zudem, daß die attraktive Bassistin Kimberley und der geniale Drummer und Multiinstrumentalist Thor (zumindest vorläufig) ausgestiegen sind. Kimberly ist Mutter geworden und pausiert, Thor spielt mit Swans und hat noch andere Projekte. Auch der Trompeter Jordan Geiger ist nicht mehr dabei, er konzentriert sich jetzt auf seine eigene Gruppe Hospital Ships.


Folglich präsentierte sich mir und den etwa 400 Zuschauern in Paris eine ganz neue Band, deren Fels in der Brandung aber der famose Falsett-Sänger Jonathan Meinburg war. Der hochgewachsene, sportlich schlanke Bursche ist nun umso mehr der unumstrittene Chef, erwies sich aber heute als ausgezeichneter Teamplayer und harmonierte gut mit seiner Backing Band.


Die "neuen" Shearwater waren unfassbar rockig ausgerichtet. Allein das Schlagzeug schepperte tonnenschwer und höllisch laut und der Bass klang postpunkig und stark nach Interpol. Das heute war kein Folkrock-Konzert, sondern ging eher in Richtung Postrock/Indierock à la Pink Flyoyd. Alle Schnörkel die es vorher gab, waren verschwunden. Keine Trompete mehr, auch kein Glockenspiel, keine Flöte, nichts dergleichen. Stattdessen wurde phasenweise mit drei (!) Gitarren und zwei Schlagzeugen gleichzeitig angegriffen. Offensive pur!


Zwar fingen die Amerikaner mit The Snow Leopoard mit einem alten Stück von Rooks an, aber dann wurde die Aufmerksamkeit auf den neuen Output Animal Joy gerichtet. Ein famoses Album, zumindest was die Livedarbietung betrifft. Schon Animal Life an dritter Stelle war formidabel, das wirbelnde, nach vorne treibende und euphorisierende You As You Were noch stärker und das enorm basslastige Breaking The Yearlings sicherlich das stärkste Stück vom neuen Opus.


Jonathan, ein außerhalb der Bühne und zwischen den Liedern so ruhiger und fast schüchterner Mann, war auf Krawall gebürstet und wirkte fast wie ein Krieger der in den Kampf zieht. In vielen Sitautionen sah man ihn mit weiß aufgerissenem Mund und hervorstechenden Adern. Aber er zeigte auch Humor. Als er sich bei dem von Rooks stammenden Leviathan, Bound am Piano verspielte, grinste er hinterher und erklärte mit witzigen Gesten, wie seine Finger daneben gegriffen hatten.


Mehr als eine Stunde wurde also massiv gepowert, bevor Shearwater zum ersten Mal die Bühne verließen. Nach ein paar Minuten kam Meiburg zunächst alleine zurück und performte mit viel Gefühl Hail, Mary, ein altes Tück von Palo Santo. Ein Album auf das nun der Focus gerichtet wurde. Auch Nobody (leider durch zu viel Rückkopplung ruiniert) und White Waves stammten von diesem feinen Machwerk, bevor ein wirklich grandioses R.E.M Cover, These Days, das Konzert auf perfekte Weise abschloß.


Zu meckern gab es wirklich nix, auch wenn immer mehr Fans von den Alben behaupten, sie würden ständig epischer und bombastischer. Gerade live zeigt sich aber immer wieder, daß Shearwater einfach brillante Musiker sind, Meiburg eine unfassbare Stimme hat und aus den Studioversionen das Maximum herausgeholt wird.

Aftershow:

Als schon die meisten Zuschauer weg waren, hatte ich die Gelegenheit, im oben gelegenen Café draußen mit Julie und Jonathan zu plaudern. Julie trank ein bißchen Rotwein, Jonathan Whiskey. Er gestand, schon fünfmal in Paris gespielt zu haben, aber nie den Eiffelturm oder den Arc de Triomphe gesehen zu haben. Es hatte einfach nie die Zeit dazu gegeben. In Hamburg wolle er sich aber ein altes Schiff ansehen und auch den freien Tag in Istanbul für Kultur nutzen. Julie berichtete von den Yoga Klassen, die sie in Kanada unterrichtet hat. Aus meiner Hinsicht besonders schön war allerdings, daß sich Jonathan für die Oliver Peel Sessions interessierte, nachdem ihm Julie davon erzählt hatte. Ich sagte zum Abschluß: "Jonathan, please play in my house, and then I can die." Er schmunzelte vielversprechend und unsere Wege trennten sich...

Setlist Shearwater, La Maroquinerie, Paris:

01: The Snow Leopard
02: Castaways
03: Animal Life
04: Dread Sovereign
05: You As You Were
06: Insolence
07: Rooks
08: Immaculate
09: Pushing The River
10: Open Your Houses
11: Run The Banner Down
12: Leviathan, Bound
13: Breaking The Yearlings
14: Star Of The Age

15: Hail, Mary
16: Nobody
17: White Waves
18: These Days (REM)

Aus unserem Archiv:

Julie Doiron, Paris, 27.05.11*
Julie Doiron, Paris, 26.05.11
Julie Doiron, Paris, 24.05.11
Julie Doiron, Paris, 19.11.10
Julie Doiron, Paris, 01.12.09
Julie Doiron, Paris, 05.12.07

Shearwater,Frankfurt,06.08.10
Shearwater, Paris, 19.02.10
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Shearwater, Paris, 11.11.08





Montag, 9. August 2010

Shearwater, Frankfurt, 06.08.10

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Konzert: Shearwater (Nils Frahm)

Ort: Das Bett, Frankfurt
Datum: 06.08.2010
Zuschauer: etwa 120
Konzertdauer: Nils Frahm 35 Minuten, Shearwater 60-70 Minuten


Als wir gegen Viertel vor neun vor dem Frankfurter Indieclub Das Bett aufkreuzen, stehen wir vor verschlossenen Türen. Ein kleiner weißer (nein nicht der mit den Klopapier-Ersatzrollen!) Zettel am runtergelassenen Rollladen liefert die Erklärung: Einlass heute um 21 Uhr. Zu früh gekommen! So etwas passiert mir in meinem heimischen Konzertjagdrevier in Paris nie. Aber ich bin nun einmal mit meinem für seine Pünktlichkeit bekannten Bloggerfreud Christoph unterwegs und da wird keine Minute verpasst. Von Verpassen kann aber ohnehin nicht die Rede sein, denn bevor es mit dem jungen Berliner Pianisten Nils Frahm losgeht, vergehen quälend lange 70 Minuten. Um 21 Uhr hatte der Clubchef pünktlich den Rollladen hochgelassen und danach war erst einmal Dauerbeschallung durch die aktuelle Beach House CD Teen Love angesagt. Als die Scheibe zum dritten Mal durchläuft, würde ich am liebsten Amok laufen, denn der eiernde Orgelsound hängt mir bis zum geht nicht mehr zum Halse raus. Irgendwann ist die Qual zu Ende und Nils Frahm setzt sich hinter sein vor der Bühne aufgebautes Piano. Sein Spiel ist anmutig, traumversunken, hochmelancholisch. Es ist ein Genuss ihm zuzuhören. Das hinter und vor ihm stehende Publikum dankt es ihm durch vorbildliche Stille und applaudiert auch angemessen lang. Frahm selbst spricht scheinbar überrascht vom längsten Applaus, den er auf der Tour mit Shearwater bekommen hat. Seine Bescheidenheit macht ihn sympathisch, aber er muss sich wirklich nicht verstecken, denn er hat jede Menge Talent und sein rein instrumentales Set , das aus Stücken (insgesamt vier) von Wintermusik und Bells besteht, passt atmosphärisch auch gut zum Headliner des heutigen Abends.

Shearwater bequemen sich schließlich erst nach 23 Uhr auf die Bühne. Fünf amerikanische Musiker mit dem hochaufgeschossenen Sänger, Gitarristen und Pianisten Jonathan Meiburg an der Spitze und der schönbeinigen Bassistin Kimberley Burke als optisches Highlight. Natürlich hat sie mehr zu bieten als nur tadellose Beine und ein entzückendes Lächeln. Ihr graziles Baßspiel (mal gezupft, mal gestrichen) ist hochfein und ich kann meine Augen nicht von ihr lassen. Ihr friedlicher, verträumter Blick hätte allein schon das Kommen gerechtfertigt (am Ende habe ich ungefähr 400 Fotos von ihr, ...ähem, ja). Klarer Chef von Shearwater ist aber Jonathan, der wie immer mit seiner von zarten Anmut zur heroischen Stürmigkeit wechselnden Stimme begeistert. Sein anrührender Falsettgesang ist schlicht und einfach sensationell! Auch seine Mimik zu beobachten lohnt sich. Wenn er in den rockigen Passagen alle Zügel losläßt (der Kerl kommt aus dem Pferdeland Texas!) und den Mund wie ein angriffslustiger Löwe aufreißt, bleibt kein Auge trocken. Auch die anderen drei Musiker agieren effizient und hochklassig, fallen aber abgesehen von dem lustig frisierten Drummer mit dem Mickey Mouse T-Shirt nicht sonderlich auf. Letztgenannter hat gegen Ende seinen großen Auftritt, als er am vorderen rechten Bühnenrand zusammen mit Kimberley um die Wette klöppelt und dem Glockenspiel wahre Wohlklänge entlockt. Witziger als diese Szene ist aber eine Passage, in der er auf der Bühne nicht gebraucht wird, sich in aller Seelenruhe eine Flasche Bier holt und sich seitlich neben Kimberley kauert, um ihr Bein zu tätscheln. Ob der langmähnige Muskelprotz wirklich mit der Beauty zusammen ist? Eifersucht! Aber musikalisch ist er ja wirklich unumstritten toll, denn er spielt nicht nur formidabel Schlagzeug, sondern auch Klarinette.

Hinsichtlich des Songmaterials steht eindeutig das aktuelle Werk The Golden Archipelago im Vordergrund. Für mich nicht unproblematisch, weil ich von dem Vorgänger Rook so dermaßen bgeistert war, daß ich mich bis zum heutigen Konzert nicht getraut hatte, das neue Opus zu hören. Meine Bedenken werden aber ziemlich schnell zerstreut, denn schon der Opener Black Eyes ist betörend schön und auch Castaways lässt mich mit der Zunge schnalzen. Absolute Highlights bleiben aber Rooks und Century Eyes im Doppelpack, an diese mit jubilierenden Trompeten untersetzten Perlen kommen die neuen Sachen einfach nicht ran. Euphorisierend allerdings auch 74/75, das live noch mehr rockt als aus der Konserve. Ohnehin werden sämtliche Lieder leicht abgewandelt gespielt, nichts klingt wie vom Band und es bleibt Platz für Improvisation und Spontaneität, kleine Patzer inklusive. Schade, daß das Frankfurter Publikum so zurückhaltend bleibt und nur bedingt mitswingt, aber die Hessen sind wahrscheinlich stille Genießer, denn zufriedene Gesichter sieht man hinterher reichlich. Auch die deutsche Folksängerin Caroline (Projekt Radio Caroline) ist hingerissen. Sie kannte Shearwater vorher nicht und ist innerhalb von einer guten Stunde zum Fan geworden.

Das lange Warten auf die Bands hat sich letztlich also mehr als gelohnt. Dann läuft wieder Beach House vom Band. Die sehen wir am 15. August an gleicher Stelle und darauf freue ich mich bereits sehr. Trotz der nervigen Dauerberieselung bin ich nämlich glühender Anhänger des Duos...

Setlist Shearwater, Am Bett, Frankfurt:

01: Black Eyes
02: Landscape At Spead
03: Castaways
04: White Waves
05: God Made Me
06: Corridors
07: Hidden Lakes
08: Home Life
09: Rooks
10: Century Eyes
11: I Was A Cloud
12: 74/75
13: Uniforms

14: Missing Islands
15: Snow Leopard

Shearwater:

Past shows:

05.08.2010: München, Ampere
06.08.2010: Das Bett, Frankfurt
07.08.2010: Beatpol, Dresden

Demnächst:

09.08.2010: Comet Club, Berlin
10.08.2010: Übel & Gefährlich, Hamburg



Mittwoch, 24. Februar 2010

Shearwater, Paris, 19.02.10

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Konzert: Shearwater

Ort: Le Nouveau Casino, Paris
Datum: 19.02.2010

Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: ungefähr 80 Minuten




Am Geburtstag meiner Schwester (Glückwunsch noch einmal!) steppte in Paris musikalisch der Bär. Ich war bei Chokebore, mein Freund Philippe D bei Shearwater. Er hat uns einen französischen Bericht mitgebracht. Merci beaucoup, Philippe!


Les Texans de Shearwater ont fait vendredi soir leur 3ème concert en tête d’affiche à Paris en moins de 18 mois (après la Maroquinerie en septembre 2008 et le Café de la Danse en avril 2009). Cette fois-ci, ça se passait au Nouveau Casino, dont la programmation devient de meilleure en meilleure, et qui affichait complet.

La première partie était assurée par le britannique David Thomas Broughton qui a délivré seul une prestation un peu folle, avant-gardiste et finalement assez réussie : sa technique : des boucles façon Andrew Bird, mais sans violon, avec des superpositions de sons étranges, l’artiste affichant un comportement assez bizarre quoi que tout a fait réjouissant (par exemple lorqu’il a mimé, horrifié, une crampe de toute la partie supérieure de son corps en grognant « the weirdest thing ! »).

Mais c’est bien sûr pour Jonathan Meiburg et sa bande (le batteur-clarinettiste à l’allure de viking et au prénom prédestiné, Thor Harris, la charmante Kimberley à la basse, et deux autres musiciens) que l’on était venu. Une fois de plus, ils ne nous ont pas déçus !

La setlist était consacrée très majoritairement au nouvel album (qui sort la semaine prochaine), The Golden Archipelango et dont au moins 10 titres ont été joués, dont le magnifique Castaways. Malgré le manque de familiarité avec la plupart des titres, le show a été superbe, conduit par la voix majestueuse de Jonathan Meiburg, avec une poignée de morceaux des albums précédents (superbes versions de Rooks, de Home Life et de 74/75 notamment).

Après le concert, les artistes ont passé de longues minutes à discuter avec les fans et à signer des autographes. Malgré une notoriété en forte hausse, ces types sont toujours aussi accessibles et sympas !

Setlist Shearwater, Le Nouveau Casino, Paris:

01: Meridian
02: Castaways
03: Landscape At Speed
04: Rooks
05: Black Eyes
06: Hidden Lakes
07: Corridors
08: White Waves
09: God Made Me
10: Runners Of The Sun
11: Century Eyes
12: The Snow Leopard
13: 74/75
14: Uniforms

15: Home Life
16: ?

17: ?
18: La Dame Et La Licorne

Nicht verpassen! :

Deutsche und Schweizer Konzerttermine von Shearwater (ohne Gewähr):

27.02.2010: Knust, Hamburg
28.02.2010: Magnet Club, Berlin
02.03.2010: 59:1, München
03.03.2010: L'Usine, Genf
04.03.2010: Nouveau Monde, Fribourg

Aus unserem Archiv:

Shearwater, Paris, 13.05.09
Shearwater, Paris, 11.11.08

* Archivfotos by Oliver Peel. Das letzte Bild stammt von Philippe D. Merci!



Donnerstag, 14. Mai 2009

Shearwater, Paris, 13.05.09

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Konzert: Shearwater (DM Stith, Hospital Ships)
Ort: Le Café de la danse, Paris
Datum: 13.05.2009
Zuschauer: gute Raumauslastung, nicht ganz so voll wie bei A. Ternheim an gleicher Stelle



Es soll ja nerdige Zeitgenossen geben, die hauptsächlich wegen des Vorprogramms zu Konzerten gehen. Ich kenne da jemanden, der hat sogar eine Tasche, auf der in großen Lettern: "Ich bin nur wegen der Vorgruppe hier", eingraviert ist. Konsequenterweise verlässt dieser jemand sogar gelegentlich den Saal, bevor der Headliner auf der Bühne steht.

Ob ich auch noch zu einem solchen Vorgruppenliebhaber mutiere? Der junge Amerikaner DM Stith hat mir zumindest eine ausgezeichnete halbe Stunde bereitet! Der Bursche hat eine Folkstimme, bei der ausnahmsweise der häufig zitierte Nick Drake Vergleich perfekt passt. Wenn er ins Falsett abdriftet, sind aber auch Spurenelemente von Bon Iver nachweisbar, was ja wahrlich nichts Schlechtes ist! Zusammen mit einer versierten Band, in der die Streicherinnen schon Erfahrung bei Sufjan Stevens , My Brightest Diamond und Clare & The Reasons gesammelt haben, zelebrierte DM atemberaubend schöne, reduzierte Songs.


Aber bin ich dann auch nach der Vorgruppe gegangen? Natürlich nicht! Denn ganz unabhängig davon, wie gut der Support ist, es fehlt regelmäßig ein ganz wichtiges Kriterium für ein tolles Konzert: Die Stimmung. Die war quasi auf Knopfdruck bei Shearwater mit von der Partie und hielt auch über die gesamte Länge an.

Jonathan Meiburg hat eine solch sensationell gute Falsettstimme und einen solch unglaubliche Inbrunst, daß man sich fragt, warum er noch nicht so bekannt wie Win Butler ist. Sind Shearwater etwa schlechter als die ungleich berühmteren Arcade Fire? Keineswegs! Nach dieser absolut beeindruckenden Vorstellung im Café de la Danse, bei der sich rockige und melancholische Parts wunderbar abwechselten und die gespickt war mit fesselnden Songs (Leviathan Bond, Rooks etc.) scheint mir für die Band aus Austin, Texas kein Superlativ für übertrieben! Das Quintettt (zumindest live, ansonsten sind sie wohl nur ein Trio) spielte etliche gehypte Acts an die Wand, die ich in den letzten Wochen gesehen hatte! Sie waren definitiv packender als gestern Beirut oder vor ein paar Tagen Andrew Bird.

Ich habe also eine der momnetan besten Bands der Welt gesehen, bei der es instrumententechnisch so unglaublich viele Finessen gibt. Fein dosiert werden Melodica, diverse Glöcken, Klarinette und Trompete eingesetzt. A propos Trompete: Die fehlte heute! Das edle Teil ist dem armen Musiker, der unter dem Namen Hospital Ships als allererster ins Programm startete, zu Bruch gegangen. Er hatte sogar noch mehr Pech: Am Vortag wurde ihm sein ganzes Hab und Gut geklaut, Tasche, Laptop, wichtige Dokumente. Diese Schweine, die immer die armen Indiebands bestehlen, sollte man wirklich amtlich mit Sackratten infizieren! Aber niemand wird diesen Musikern ihre wichtigsten Qualitäten nehmen können: Ihr Talent, ihre Hingabe und ihre Liebe, die sie so großzügig ans Publikum weitergeben.

Shearwater should be huge!

Nicht verpassen:

15. Mai 2009: Café Glocksee, Hannover
16. Mai 2009: Pop Up Festival Leipzig

Setlist DM Stith, Café de la danse, Paris (ohne Rücksicht auf die Reihenfolge der Songs):

- Around The Lion Legs
- Abraham's Song (Firebird)
- Pity Dance
- Pigs
- Thanksgiving Moon
- Morning Glory Cloud
- Braid Of Voices

Links:


Fotos von Shearwater hier
Fotos von DM Stith hier





 

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