Ariel Pink's Haunted Graffitti(Dom, The Berg Sans Nipple) Ort: la Machine du Moulin Rouge, Paris Datum: 22.05.11 Zuschauer: bei den Vorgruppen noch nicht so viele, bei Ariel Pink dann gut gefüllte Ränge
Schlimmer als Twin Shadow geht's nimmer?
Weit gefehlt! Eigentlich dachte ich das man den Auftritt von Twin Shadow an gleicher Stelle in negativer Hinsicht nicht mehr toppen könnte, aber Ariel Pink's Haunted Graffitti packte locker noch 'ne Schippe mehr seichten 80 er Jahre Kitsch drauf. Meine Fresse, war das fies!
Da fragt man sich, was die Leute in den Abteilungen der eigentlich bis dato immer so geschmackssicheren Indielabel zur Zeit rauchen?! Ich würde gerne wissen, was das für ein Gras ist, denn damit ist es sicherlich möglich, noch die häßlichste Frau als Sexbombe wahrzunehmen. Oder eben Ariel Marcus Rosenberg aka Ariel Pink als genialen Neuerer experimentellen psychedelischen Indiepops.
Also für meine Ohren klang das, was ich da heute hörte , grausam. Billiger Diskosound mit ekelerregender 70 er Jahre Glamsoße, ein unerträglich eunuchenhafter Gesang, Bubblegumrefrains und ein exentrischer Sänger, der aussah wie ein Typ, der sich als Frau verkleidet hat (eine Tunte würde man politisch inkorekt sagen, aber das tun wir nicht). Da hampelte er also so rum, der Kerl mit den langen blonden strähnigen Haaren und erinnerte mich irgendwie an einen jungen Udo Lindenberg ohne Hut und mit hellem Schopfe. Amüsanterweise besaß er auch Udo's Marotte, die Gitarrenparts (oder gar die Keyboardparts von denen es viel gab?) luftgitarrespielend mit den Händen nachzuahmen. Manchmal steckte er sich auch einen Finger in den Mund und ließ es ploppen wie ein kleiner Junge im Sandkasten. Nervige und hochgradig lächerliche Gesten dieser Art hatte er tonnenweise auf Lager. Optisch hatter er aber auch etwas von Ozzy Osbourne. Schon erstaunlich, da dachte man Typen wie Ariel Pink seien seit den 80 er Jahren ausgestorben und da wird mann doch glatt eines Besseren belehrt!
Ich rechne es mir hoch an, daß ich diesen Käse über eine Stunde tapfer ertragen habe. Irgendwann war es aber zuviel und ich verließ vor dem Ende den Konzertsaal.
Warum ich überhaupt gekommen bin? Man hat mich netterweise eingeladen. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul? Hmm, ich schon...
Und wie waren die Vorgruppen? The Berg Sans Nipple experimentell, anstrengend und ziemlich langweilig (obwohl sie die Einzigen waren, die ich mir theoretisch noch einmal ansehen würde) und Dom aus den USA, zunächst ganz schwungvoll powerpoppig, über die gesamte Länge dann aber doch belanglos und sehr unreif. Und damit meine ich nicht nur das Mickey Mouse T-Shirt des Sängers, sondern vor allem die musikalische Komponente. The Strokes very light.
Konzert: Karl Blau & Dominant Legs (Delorean) Ort: La Flèche d'or, Paris Datum: 04.03.2010 Zuschauer: 200 oder so Konzertdauer: Karl Blau 35 Minuten, Dominant Legs etwa 40 Minuten
Och menno! Was für eine Unverschämtheit, daß sie den blauen Karl als ersten angesetzt haben! Wenn wie heute eine heterogene Schar an Musikern auf dem Programm steht, machen die das in der Flèche d'or ja gerne so. Verbraten gleich am Anfang den ruhigsten Act, sprich Folk und Lofi-Musiker und setzen die Lärmer später, sprich zu einer attraktiveren Zeit, an. Eine Unsitte! Als ich ankam, war Karl Blau jedenfalls mit seinem kurzen Programm schon durch. Bereits im letzten Jahr wollte ich mir den Backenbartträger in Paris ansehen (er spielte damals im Point Éphémère), aber auch da schaffte ich es nicht.
Gab es denn überhaupt einen Grund, sich zu ärgern? Hatte ich heute etwas verpasst, wenn ich Karl Blau nicht live auf der Bühne, sondern nur am CD- Stand gesehen habe? - Da gab es unterschiedliche Auffasssungen. Gleich zwei Mitglieder eines (nicht nur in Frankreich) sehr bekannten Blogs, winkten demonstrativ ab. "Haste nix verpasst! War musikalisch nicht sehr hochstehend. Ein Musiker mit begrenzten Möglichkeiten.", so ihr ziemlich vernichtendes Urteil. Was? Wie bitte? Ich wollte das nicht recht glauben, denn wenn das Klienicum (hier!) lobende Worte verliert, dann muss der Mann was auf der Pfanne haben. Ich fragte nun Alban, der die letzten beiden Oliver Peel Sessions gefilmt hatte, wie er den Auftritt von Karl Blau einschätzte: "Wunderbar. Authentisch, schnörkellos, wahrhaftig", so sein lobpreisendes Urteil. Hmm, ich kratzte in meinem nicht vorhanden Bart und fragte mich, wem ich nun glauben sollte. Ich entschied mich dafür, die Frage offen zu lassen und stattdessen unsere Leser zu beteiligen. Wie haben Euch die Konzerte von Karl Blau gefallen? Er spielt demnächst in Deutschland und ich wäre erfreut, zu erfahren, wie ihr die Shows empfunden habt. Hier die Termine:
Konzertermine Karl Blau(ohne Gewähr):
05.03.2010: Les Ateliers Claus, Brüssel 06.03.2010: Vera, Groningen 07.03.2010: FabrIQ Festival, Den Bosch 08.03.2010: Der Bock, Mannheim 09.03.2010: Café Cairo, Würzburg 10.03.2010: King Georg, Köln 11.03.2010: Schokoladen, Berlin 13.03.2010: Spedition, Bremen 14.03.2010: Hafenklang, Hamburg
Nach Karl Blau sah ich dann noch das ansprechende, wenngleich nicht weltbewegende Konzert des gemischten Duos Hannah Hunt (auf dem Foto) & Ryan William Lynch. die sich Dominant Legs nennen. Die klangen irgendwie wie Felt, was nicht verwundert, da sie diese Band als Einfluss bezeichnen. Sonniger, charmanter Pop, ohne größere Ambitionen. Nicht übel, aber ich war ja für den blauen Karl gekommen und schon gar nicht für die spanischen Elektropopper Delorean, die den Abend im meiner Abwesenheit beschlossen. Der NME und Pitchfork loben sie, wir waren sie wurst und ich ging nach zwei Stücken...
Mein Zuhause. Mein Blog. ist als kleines privates Konzert- Tagebuch entstanden. Und weil es zur Zeit musikalisch so spannend ist, wächst unsere Sammlung schnell. Wir schreiben die Berichte spontan, unüberarbeitet und so zeitnah wie möglich. Die Reviews stehen meist noch in der gleichen Nacht online, spätestens jedoch am nächsten Tag. Musik ist für uns vor allem Spaß und keine Wissenschaft.
Wir sind: Oliver Peel aus Paris Christoph aus nicht weit von Köln Julius aus Wien Gudrun aus Karlsruhe Tanita aus Mainz Jens aus Stuttgart Ursula aus Frankfurt Michael aus Chemnitz Dirk aus Mönchengladbach Vielen Dank unseren Gastautoren!
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