Posts mit dem Label Twin Shadow werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Twin Shadow werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 15. Mai 2011

Twin Shadow, Paris, 14.05.11

2 Kommentare

Konzert: Twin Shadow (Wagner)

Ort: La Machine Du Moulin Rouge

Datum: 14.05.2011
Zuschauer: 500 vielleicht?
Konzertdauer: Twin Shadow fast genau eine Stunde, Wagner etwa 30 Minuten



Bloggerfreund Eike hat vor ein paar Monaten mal das interessante Thema "Beeinflußbarkeit von Bloggern" auf die erste Seite gehoben. Schreibt man anders (viel netter?), wenn man die CD eines Künstlers vom Label geschenkt bekommen hat bzw. bei einem Konzert auf der Gästeliste steht? Diese Frage hat durchaus Berechtigung, denn man fühlt sich nun einmal freier und ungebundener, wenn man sich die Platte bzw. das Konzert-Ticket selbst gekauft hat.

Dennoch, ich persönlich bin da wenig zimperlich und lasse mich nicht gerne verbiegen. Will heißen: ich war für das heutige Konzert von Twin Shadow ordnungsgemäß akkreditiert, hatte auch einen Fotopass, muss den Auftritt aber dennoch als schauderhaft bezeichnen! Da kann ich wirklich gar nichts beschönigen, es war einfach von Anfang bis Ende hochgradig kitschig und musikalisch unfassbar flach. Ein grauenvoller Synthiesound im Stile der abscheulichen 80 er Jahre, ein Sänger mit einer unerträglich manikürten Stimme, eine wahnsinnig gelangweilt wirkende Keyboarderin und zwei andere eitle Hanseln an Bass und Schlagzeug, viel fehlte nicht und ich hätte mein Abendessen auf den Boden gereihert! Gute Lieder? Fehlanzeige! Im Grunde genommen konnte nur zwischen fies und unsäglich fies abgewogen werden. Christoph hatte mich zwar schon darauf eingestimmt, daß When We Are Dancing eine absurde Scheußlichkeit sei, daß aber der Rest ähnlich abscheulich sein würde hatte ich jedoch nicht erwartet. Jeder einzelne Titel war eine Zumutung. Twin Shadow klang nach "Musikern", die man eigentlich längst verdrängt hatte wie z. B. Haddaway ("What Is Love?") oder Modern Talking. Kein Scheiß jetzt, es war wirklich so grottig. Warum die Typen auf der Bühne Bass und Gitarren umgebunden hatten, wurde mir auch nicht klar, denn man hörte verflucht noch mal keine Gitarren, sondern sterilen Plastiksound, der zudem phasenweise abstoßend bombatische Züge hatte.

Kein Wunder, daß das Publikum ähnlich doof rauf war. In meiner Nähe hingen Amerikaner ab. Ekliges Gesindel aus Brooklyn, angezogen wie Deppen, dumm wie Brot und arrogant bis zum geht nicht mehr. Schlimm.

Zum Glück hat der Käse nur eine Stunde gedauert, Zugaben inklusive. Ich hatte bis zuletzt vergeblich auf ein vernünftiges Lied gehofft, ansonsten wäre ich früher gegangen.

Klarer Anwärter für das schlechteste Konzert des Jahres! Der Song Forget konnte durchaus als Motto des Abends gelten.

Vorgruppe war übrigens Wagner aus Frankreich. Hatte aber nichts mit der Steinofenpizza zu tun.

Setlist Twin Shadow, Machine du Moulin Rouge, Paris*

01: Shooting Holes At The Moon
02: Tyrant Destroyed
03: When We 're Dancing
04: I Can't Wait
05: Circus Is Gone
06: Yellow Balloon
07: Slow
08: Castles In The Snow
09: Forget

10: Focus
11: Tether Beat
12: At My Heels

*
auch so eine seltsame Sache. Nach dem Konzert holt sich ein aufgestyltes Mädchen die Setlist von der Bühne und als ich sie frage, ob ich diese fotografieren dürfe, sagt sie eiskalt: "Non, merci" und stakst im Laufschritt davon. Ist mir in 8 Jahren Konzertgängerei in Paris noch nie passiert. So eine blöde Ziege! Eine richtige Pissnelke. Nun ja, jede Band hat die Fans, die sie verdient...

Aber es gab ja irgendwo noch eine andere Liste, die man mich abknipsen ließ.



Mittwoch, 9. Februar 2011

Twin Shadow, Köln, 08.02.11

6 Kommentare

Konzert: Twin Shadow
Ort: Stadtgarten, Köln
Datum: 08.02.2011
Zuschauer: sehr viele (Saal fast voll)
Dauer: Twin Shadow 50 min, Tellavision 40 min


Gar nicht schlecht, dieser Abend im Kölner Stadtgarten... Obwohl Twin Shadow kräftig gehypt wird, ist der New Yorker Musiker George Lewis jr. bisher an mir vorbeigegangen; scheinbar bin ich gerade zu träge, den Säuen hinterherzurennen, die durch die umliegenden Dörfer getrieben werden, auch James Blake z.B. nehme ich bislang nicht wahr. Aber - das predigen wir hier regelmäßig: warum vorher die Platte hören, wenn man eine Band auch live kennenlernen kann. Für die Konserve bleibt schließlich hinterher genug Zeit.

Bevor allerdings dieser Test stattfand, spielte ein erstaunlich gutes Vorprogramm: Tellavision, eine junge Musikerin aus Hamburg, die mit allerlei Instrumenten und einer Loopmaschine sehr gute Lieder zusammenbastelte. Dieses Liveerzeugen von Samples, die immer wieder wiederholt werden und nach und nach ein Lied ergeben, ist nicht mehr unbedingt originell, viele Künstler bedienen sich dieses raffinierten Hilfsmittels. Wir haben einige Male darüber geschrieben, bei Owen Pallett, Entertainment For The Braindead oder Dear Reader zum Beispiel. Originelle Technik oder nicht, das Live-Loopen macht mir immer wieder Spaß, weil es etwas zu sehen gibt. Besonders gut gefielen mir die exotischen Instrumente, die geloopt wurden und dadurch ganz neu klangen, die gesampleten Kalimba- und Mundharmonika-Töne hatten eine Menge Pepp!

Es gab zwar ein paar kleinere Pannen, einen Neustart, weil die Künstlerin mit ihrem Geloope nicht zufrieden war, oder ein versehentlich mitaufgenommenes Drumstick auf Tisch-Geräusch, was dann zigmal wiederholt wurde. Oder die Frisur der Musikerin. Aber auch diese kleinen Pannen waren sehr charmant und versauten
nicht den positiven Gesamteindruck, denn die Lieder der Hamburgerin mit ostwestfälischem Migrationshintergrund waren abwechslungsreich und packend!

Frisuren waren auch das Motto der Hauptgruppe, das ahnte man schon, als George Lewis jr. und sein Schlagzeuger kurz vor Beginn des Konzerts letzte Soundchecks
durchführten. Wenn man New Yorker Bands vorgestzt bekommt, erwartet man Nachhilfe in Sachen Stil. George und seine drei Begleiter enttäuschten da schon einmal keinesfalls. Während der Sänger (und Gitarrist) George vor allem durch viele und hohe Haare auffiel, waren die drei anderen durchweg hip. Die Keyboarderin (Wynne Bennett) hatte ein kurzes schwarzes Cape über einem Blumenröckchen an und trug ein (Luftwaffen?-) Schiffchen auf dem Kopf. Das Hemd des Schlagzeugers war sicherlich auch der letzte New Yorker Modeschrei, auch wenn ich nicht den Mut hätte, so etwas zu tragen. Am coolsten wirkte aber der Bassist der Band, der sich mit Jeans, T-Shirt mit sehr kurzen Ärmeln und dicker Brille zwar ein Mittlerer Westen Outfit verpasst hatte, damit aber vermutlich der große Hippster ist. Und er glich Prinz Carl Alexander v. Hohenzollern (ehemals Metzen).

Musikalisch war ich vollkommen unbefleckt; ich kannte ein Lied der Band. Was wir in den folgenden fünfzig Minuten geboten bekamen, rechtfertigte den Ausflug aber sehr. Die wenigen Beschreibungen vorher hatten mich eigentlich schaudern lassen, in denen kamen nämlich viel zu oft "Glam", "80s" und "Wave" vor. Die treibenden Rhythmen und das wundervolle Keyboard (das Instrument) erzeugten bei mir eher Assoziationen zu Dream Pop, wie ihn die Pains Of Being Pure At Heart wieder hochaktuell gemacht haben. Dazu Georges hervorragende Stimme - das machte schon sehr viel Spaß! Auch die Band schien den zu haben, der charismatische Sänger redete viel und bot auf Anfrage aus dem Saal schließlich an, am Merchtisch auch Unterwäsche zu verkaufen (erstaunlich viele Leute suchten anschließend den Weg zum Verkaufsstand).

Nur ein Lied war fies: When we are dancing, das als drittes gespielt wurde. Ich hörte
neben mir nur noch ein "das meint der jetzt nicht ernst?!" Das Lied wäre eine perfekte Traumschiff-Melodie und stach aus dem sonst sehr hörenswerten Set heraus.

Der Abend hat viel Spaß gemacht, viel mehr, als ich eigentlich erwartet hatte. Aber das ist ja das Schöne an musikalischen blind dates - und jetzt kaufe ich wahrscheinlich auch die Platte.



 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates