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Donnerstag, 20. Juni 2019

OBS - Orange Blossom Special Festival 2019 - Beverungen

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Konzert: Orange Blossom Festival 2019
Ort: Beverungen
Datum: 07.-09.06.2019
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: ausverkauft



Bericht von unserem Gastautor Denis. Seine komplette, einmalige Fotogalerie findet ihr im Link unter dem Artikel. 

Liebes Konzerttagebuch  - Alles neu macht der Juni! 

Klima hat Meer abgelöst. Grün ist das neue Vorne und Sea-Watch sieht sich immer noch juristischen Angriffen ausgesetzt. Und doch startet auch der Festivalsommer. 

Nicht als Ablenkung vom politischen, sondern als politische Verstärkung. Und wir dürfen froh sein, dass Rembert, seine Freunde und Helfer den eigentlichen Auftakt starten. Klar, es gibt auch andere gute, aber nicht viele bessere, kleine, feine Festivals, mit politischen Statements überall.

Und wer schafft es wohl sonst, ein Line-Up zu stricken, dass erstmal wieder verblüfft und später Grübelgrübchen schafft. Die wie üblich veröffentlichte Doppel-CD läuft auch erstmal vorab etwas öfter. Und wie schon  allen bekannt, wird es wieder einmal darum gehen, wie das Ganze zusammengepuzzelt wird. Dazu noch neuer Web Auftritt und neues Bier!

Denn wer mit Nestle kollaboriert, gehört raus. Tschüss Krombacher! I Love it! Und dann - gefühlter Frühsommer, Sonne und zunächst noch kaum kein Wölkchen an Tag 1. 

Jan Röttger grüßt beim Check in, das Gelände ist abermals gewachsen und bietet weiteren 400 Ticketbeseelten Platz und wenn Rembert und Simon rufen, dann ist auch meistens gutes Wetter. 

Eröffnungsjingle, kurzes Statement und dann DAS! The Yawpers - Was für eine Eröffnung! Das Trio aus den USA brillieren mit geilstem Bluesrockpunk mit einer ganz gehörigen Portion Billy Idol. Great and Thx. für die kleine Zeitreise.


Angie McMahon - die junge Australierin überzeugt mit Charme und Stimme. Sie ist sich ihrer Wirkung auf das Publikum durchaus bewusst und lässt sich dabei in keinster Weise von ihrem Kurs abbringen. Sie brilliert mit dunkler, leicht brüchiger Stimme und kurzen, fast zarten Riffs. Und ihr gefühlvolles Set spannt den Bogen vom Klangbild eines Neil Young, American Folk Road Music und einfach nur schönen Balladen. 

Kent Coda - die türkisch stämmige Combo aus Köln verbindet geschickt Folkpop mit westeuropäischen Beats. Sie begeisterten schon beim Crossroads Festival die Bonner Harmonie und rocken nun zweimal die Publikumsbühne, die seit Jahren schon den Ruf eines Hauptbühnensprungbretts besitzt, und die Menge tobt. 

Linn Koch-Emmery - in Hamburg geboren, aufgewachsen und musikalisch geprägt in Schweden, scheppert über die Bühne. Sofort gab es Druck und dazu leicht schnoddrige Vokals. Totaler Genuss bei angezogener Handbremse. Da hätte noch was kommen können... 

Sinkane - nachdem die Band sich aus dem Stau befreien konnte und dann doch noch fast pünktlich das Gelände betrat, verzögerte der umfangreiche Soundcheck den Auftritt. Die Band lies es sich nicht nehmen einen einen Soundmann mitzubringen. Und wie so oft in diesen Fälle heißt es dann warten bis dieser musikalische Hybrid sich endlich voll in seine Afrobeat-Rythmen, gepaart mit luftigen Sudan-Pop Gitarren und musikalischen Elementen aus aller Herren Länder entfalten kann. Muss man mögen und nach vier Songs war dann auch schon wieder Schluss, denn nicht ganz unbemerkt rollte dann das heran, was einer Nahtoderfahrung eines jeden geschmackvollen musikalischen Tages gleichkommt. 

Die Schleusen öffneten sich und Wasser über Wasser ergoß sich über das Mekka des herausragend guten Musikgeschmacks. Wer die letzten Jahre schon mal im Regen stand, wunderte sich nun schon etwas über den Aufwand, den die OBS Crew nun anlaufen lassen muss. Umfängliche Sicherheitsauflagen machen dies nun nötig und leere Hallen in direkter Nachbarschaft möglich. 



Für den reibungslosen, entspannt nassen Ablauf, Chapeau an Crew, Security und dem nassen Hörer! Nachdem Abbruch des Konzertes von Sinkane, einfach kein guter Tag für die Band, startet nun noch das Feuerwerk von Adam Angst.

Nichts geht über diesen grandiosen Deutsch Punkrock. Niclas von "Sparta Booking" auf die Frage „Wer oder was ist eigentlich dieser ADAM ANGST? Ich sag dir, wer er ist. ADAM ANGST ist ein arroganter Drecksack! Er ist scheinheilig, er ist überheblich und tut auch noch so als wäre er dein bester Freund! Such dir was aus: Er ist deine Ex-Freundin, der Call Center-Agent, der dir das Abo berechnet, obwohl du nie zugestimmt hast, er ist der Rentner, der die Bullen ruft, wenn die Musik zu laut ist. Eigentlich ist er ne richtig arme Sau. Auf der Suche nach Aufmerksamkeit und auf der Suche nach sich selbst". Eigentlich… ist er genau so wie wir. 

Mitglieder der Bands Blackmail, FJØRT und Monopeople schlossen sich Felix an und die Band ADAM ANGST war komplett. Das gleichnamige Debüt ist im Februar 2015 über das Hamburger Indie-Label “Grand Hotel van Cleef” – Heimat von Künstlern wie Thees Uhlmann oder Marcus Wiebusch – erschienen.“ Familie eben. 

Tag 2. Noch etwas desolat geht es zum ersten Konzert der wunderbaren Suzanne Köcher mit ihrem sehr feinen Gespür für feine Melodien. Sie ist für die verhinderte Laurel eingesprungen und macht die Absage fast vergessen.

Dann passiert etwa grandioses und bislang einzigartiges. Rund 50 kleine Lieblingsmenschen und Kristof Beutener (Musiklehrer aus Celle und bekannt für wunderbare Kolumnen und Schreibereien zum OBS) machen sich auf, die Herzen der Anwesenden im Sturm zu nehmen, die bis in die letzten Reihe das Gelände vor der Hauptbühne füllten. 



Als Rembert dann noch ankündigt, dass die Tiny Wolves in Kürze ihre erste Single via Glitterhouse Records veröffentlichen werden - „Sie haben einen Vertrag unterschrieben - jetzt hab ich euch!“ - folgt der nächste Sturm. Die Tiny Wolves spielen zwei Songs, Tom Pettys „Free Fallin‘“ und „Denkmal“ von Wir sind Helden, dem ein vielstimmiges lautes „Jaaaaaa“ nach Zugabe  vorausging. Was für eine berührende Sequenz inmitten des ganzen Punk, Blues, Folk and Countryturbos. 

Lewsberg - da gab es fotografisch gesehen nix zu holen. Nach zwei Songs bin ich raus und stehe dann in hinterster Reihe und dann packt mich dieser nahezu hypnotische Sound einer von mir völlig unterschätzten Band, bei der die Protagonisten auf der Bühne fast unsichtbar bleiben. 

Blind Butcher - totales Spektakel, nicht nur an den Sticks. Ein fast unglaubliches Tempo und wer die beiden schon im vergangenen Jahr auf der viel zu kleinen Publikumsbühne erlebt hat, der freut sich hier besonders. Lysistrata- eine Band wie ein Tornado. Düstere laute Jungs! Die Menge tobt und ich bin hin und weg. Was für ein wildes Getöse. 



Auf der kleinen Bühne: Trixi - der Jöörk macht an diesem Wochenende das Triple voll und unterschreibt live mal eben einen Plattenvertrag mit Glitterhouse.  Auch wenn ich Jöörk etwas besorgt betrachte, er wirkt alles andere als fit an diesem Wochenende, so zolle ich erneut Respekt vor der Musik. Sie ist klar, aufbauend und auch Mut machend. Dabei trennt uns mehr, als uns vereint. 

Ein weiblicher Mops wurde gefunden... Ok. Kann passieren und später geht es wieder allen gut. 

Black Sea Dahu - dass lass mal alle genießen. Da steht eine Combo (früher mal Josh) mit fantastischen Leuten auf der Bühne und haben besten IndieFolk im Gepäck. Money for Rope - taffes Kollektiv aus Melburne. Bereits beim OBS 2015 haben sie die Richtung aufgezeigt. Und nun? Doppelbrett! Aus zwei Drums ergießen sich vollendete energetische Ströme. Was ihr auch immer bis dahin gehört habt. Lasst euch nun hinwegfegen.

Christian Kjellvander - das sollte man sich im Ohr zergehen lassen. Der schwedische Singer-Songwriter fügt sich, trotz bester und langjähriger Referenzen, unauffällig ist das diesjährige OBS Line-Up und bereitet den Boden für die herausragenden The Holy. 



The Holy schliessen des zweiten Abend ab, sphärisch und genussvoll. Sie spannen den Bogen des musikalischen Tages perfekt und schicken alle in die Arme des Sandmännels, der am Ausgang wartet um bier- und glückselige Menschen nach Hause zu schicken.

Tag 3 - alles endet - aber nie die Musik! Suprise Act - ok, dass hätte wir ahnen können. Der Jöörk macht das Triple voll. Mit Schreng Schreng LALA auf dem Campingplatz, mit Trixi auf der Minibühne - es fehlt: Love A auf der Hauptbühne. 


Gunner & Smith - schönster Dark Country aus dem Hause Devil Duck. Das Label hat ein Händchen für derartige Bands und untereinander besteht ja eine langjährige Labelfreundschaft, so dass mit Gunner & Smith erneut ein herausragender Gig für die Freunde des gepflegten düsteren Sounds beim OBS herausspringt. 

Coogans Bluff - ein bizarrer Mixt aus allem was rockt. Schick mit Bläsern untermalt, spektakelt das Ganze zur besten Kaffee- und Kuchenzeit und rettet über den ein oder anderen Schwächeanfall hinweg.

Steiner & Madlaina - es wurde schon so viel geschrieben seit dem vergangenen Jahr. Nichts könnte es besser beschreiben und nichts könnte es besser treffen als - "Ja, dann trink ich auf das schöne Leben - welches wir vor der Bühne immer haben werden".

The Sheepdogs - mit eingängigem Southern Rock und Country Folk dann doch ein recht ungefährliches Konzert bei dem nix falsch läuft und die gesamte Gemeinde in Sicherheit gewogen wird für das, was dann kam: Cash Savage and the last Drinks - bester Commonwealth-Indie-Punk, nicht Manchester oder London, nein schon wieder Melbourne. 



Der Sound hatte mich schon auf dem Sampler erreicht. Live aber unschlagbar. Was für ein Biest. Gehören auf jeden Fall in die persönlichen Top 3 dieses Wochenendes. So richtig Fahrt nimmt der Abend auf als Die Nerven das Podium betreten und vom ersten Akkord an voll da sind. Sofortiger Moshpit und der ein oder die andere versinken fast lustvoll im Getümmel. 



Die Stuttgarter sind nach diversen Veröffentlichungen unter verschiedenen Labels nun auch bei Glitterhouse angekommen und es scheint, als würde diese Zusammenarbeit äußerst trefflich in FAKE einen ersten Höhepunkt finden. Wir freuen uns auf mehr. 

Garda - ein grandioses Finale eines tollen Wochenendes und durchaus vergleichbar mit den herausragenden Sophia oder dem phantastischem Sivert Høyem. Das Dresdner Kollektiv schickt das versammelte Publikum tiefen entspannt und beseelt mit feinster Indienote in das Leben zurück.



OBS aus - Welt an. Deine Sorgen jr. - Wie groß sind unsere Sorgen denn überhaupt? Danke OBS und kommt gut durch das Jahr. 

Die komplette Galerie findet ihr unter www.desc-photography.com 


Sonntag, 10. Juni 2012

Nive Nielsen And The Deer Children, Beverungen, 27.05.12

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Konzert: Nive Nielsen and the deer children

Ort: Beverungen, OBS 16

Datum: 27. 05. 2012

Zuschauer: vielleicht 1500

Dauer: 14:25-15:25 Uhr



Bericht und Fotos von Gudrun aus Karlsruhe


Durch das Line-up des Festivals angeregt, hatte ich mich schon frühzeitig mit der Musik der Gruppe um Nive Nielsen beschäftigt und festgestellt, dass mir die Musik der Inuit-Frau sehr gut gefällt. Ich hatte mir sogar schon die CD ''Nive sings'' gekauft, weil ich nicht abwarten konnte, bis ich sie im Glitterhouse-Garten am Merchstand finden würde. Vielleicht bin ich ja ein bisschen grüblerisch veranlagt, aber wenn die Erwartungen so hoch gehen, dann schwingt bei mir dann doch leise immer die Angst mit, es könnte vielleicht live enttäuschen. Schließlich kann leicht die filigrane Vielfalt der Musik auf der Platte live ein Problem sein. Diese Ängste stellten sich hier zum Glück als komplett unbegründet heraus. Es wurde mein schönstes Konzert auf dem diesjährigen OBS und das hatte mehrere Gründe.

Erstens natürlich die Musik an und für sich, die es versteht Leichtigkeit zu vermitteln, und dabei auch in alltäglichen Themen über Morgenkaffee und Staubsauger nie flach ist. Sie ist zeigt das Einfache, was doch so schwer herzustellen ist. Man hat im hören das Gefühl, man könnte nächstens auch die Gitarre zur Hand nehmen und sich mit einem Lied den Ärger und die Traurigkeit davonspielen, wenn man es nur mal richtig versuchte.

Besonderen Spaß hatte ich am ''pirate song'' (in das Ahahahahah möchte
man dann doch zu gern einstimmen) und ''aqqusernit'' (mit Tuba und Triola ''hinten'' und einigem Spaß von Seiten Herrn Pinters vorn, der zunächst den Eindruck erweckte, er könnte mit seiner Stimme eine Tuba so täuschend echt nachahmen).

Zweitens war es die frische Darbietung durch die Hirschkinder. Die vielen Musiker auf der Bühne genauer drei Frauen und vier Männer, an Kontrabass & Tuba, Cello & Triola, Gitarre & Ukulele, Keyboard Glockenspiel, Schlagzeug, E-Gitarre, E-Bass und anderes mehr.

Jeder einzelne von ihnen verstand es mich zu fesseln und die Aufmerksamkeit zu binden. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Frau am Schlagzeug, die mich echt restlos begeistert hat. Aber auch der lange junge Mann (Tim Vandenbergh) am großen Kontrabass, der Herr an der E-Gitarre, der sie auch mal locker auf den Schoss legte und als Steelguitar spielte,dann Jan De Vroede (das personifizierte Understatement), der an allen Ecken und Enden mittat und Tom Pintens vorn der zu allerlei Späßen aufgelegt war. Die Dame am Cello war die meiste Zeit für mich verdeckt.


Das Publikum war begeistert und in vielen andere Festivalberichten vom OBS wird dieses Konzert ebenfalls als eines der hervorstechenden und besonders in Erinnerung bleibenden Sets herausgestellt.

Nive hat eine besondere Ausstrahlung. Sie ist da und es entsteht fast automatisch ein Lächeln im eigenen Gesicht. Sie erzählte zwischendurch darüber, wie die Lieder entstanden sind und was sie heute darüber denkt und hatte dabei eine wirklich erstaunliche Bühnenpräsenz.


So wie man vielleicht geneigt ist, die Einfachheit der Musik mit poppiger Beliebigkeit zu verwechseln wird wohl die zarte Frau vom Rand der Welt meistens unterschätzt. Sie hat schon einiges geleistet und ist gut in der Welt herumgekommen. Mich hat das schon im Konzert nachdenklich gemacht (ausgelöst durch die flapsige Einführung) woran es wohl liegt, dass die Newcomer-Jungsbands da mit anderem Respekt behandelt werden als die junge Frau mit ihrer bunten Truppe.


Für die Entstehung der Scheibe ''Nive sings'' zeichnen u.a. solche Namen mit verantwortlich:

Eric Craven,

Patrick Carney,
John Parish,
Alain Auger,
Alden Penner,

Matt Bauer,
Howe Gelb,
Giselle Webber,
Ralph Carney

Für eine interessante Übersicht auf Nives Hintergrund verweise ich auf:
http://www.girlieaction.com/client.php?id=192

In die Musik kann man auch von daheim bequem hineinhören:
http://nivenielsen.bandcamp.com/album/nive-sings

Setlist (war auf Nives Unterarm notiert, deshalb hatte ich hinterher eine Chance, sie
vom Foto zu rekonstruieren):

Room

Good for you
Pirate song
Circumstances
Dear leopold
My Coffee boy
Uulia
Done and gone
Vacuum cleaner killer
??
Aqqusernit
In my head



Montag, 4. Juni 2012

Scott Matthew, OBS Beverungen, 26.05.12

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Konzert: Scott Matthew

Ort: Beverungen, OBS 16
Datum: 26.05.2012

Zuhörer: etwa 1000

Dauer: 70 min

Bericht und Fotos von Gudrun aus Karlsruhe


Dass das Orange Blossom diese besonders familiäre Atmosphäre hat wurde vielleicht am deutlichsten am Auftritt von Scott Matthew?

Ein lupenreiner Troubadour mit Gitarre und einer Flasche Rotwein
hielt hier mit Schalk im Nacken und sichtlich entspannt Hof mitten am Tag. Er hatte den Slot sehr kurzfristig übernommen und angekündigt, daraus etwas besonderes zu machen, indem nur Cover-Versionen zu Gehör getragen werden sollten. Bemerkenswert war, in welcher Spannbreite dies geschah und wieviel Freude es ihm bereitete, uns die zum Teil bis zur absoluten Unkenntlichkeit verarbeiteten Songs zu präsentiern. Natürlich hatte selbst die heißeste Disco-Nummer den typischen touch, der ja auch durch die Instrumentierung vorgegeben ist. Aber da findet sich vielleicht auch so das eine oder andere dunkle und gut gehütete Geheimnis an früher Musikgeschmacksbildung verborgen für den der nachgraben möchte?

Zwischendurch gab es zu fast jedem Song eine Geschichte, eine Würdigung, eine Einordnung in die eigene Lebensgeschichte zwischen New York, Australien und dem Touralltag. Auch selbstironische Spiegelung an den Werken von Künstlern, die er sichtlich verehrt oder solchen, die man mal gegen den Strich bürsten möchte und es dann bei solcher Gelegenheit einfach tut. Wenn er im Eifer des Gefechts darüber stolpert, das Wort LOVE richtig zu buchstabieren und noch einmal ansetzen muss, wird dies souverän genutzt, sich erst recht das Publikum zum Komplizen zu machen.

Mit einer Geschichte über Liebeskummer wurde auch das einzige eigene Lied gerechtfertigt. Es sei so neu und er möchte es gern hier spielen. Sein Freund hätte ihn verlassen und sich erdreistet sich in seinem dicken französischem Akzent auch noch zu rechtfertigen: ''You will write such a nice song about that'' Und er war nicht einmal Franzose sondern ... Belgier!! Deshalb nun das Lied darüber, warum es kein Lied darüber geben wird. Für Neil Youngs harvest moon nahm er eine Mundharmonika um den Hals und gerierte sich wie der erste Mensch: "Wie machen das die Folk-Sänger nur, ich hab das noch nie gemacht, das verhängt sich ja bös in meinem Bart!"

Seinem Affen Zucker geben konnte er besonders im letzten Song, dem Rihanna cover, wo er genüsslich immer mal innehielt und sozusagen innerlich mit dem Kopf schütteln musste über den Text oder gar den Text schlüpfrig teilte: "I wanna make you beg for it, then im gonna make you swallow.... (your pride)"

Am Schluss der Stunde war die Rotweinflasche ordentlich geleert. Die Frage nach halb voll oder halb leer war somit gründlich vermieden worden. Ich war mit meiner ersten Begegnung sehr zufrieden und werde wohl weiter die Augen nach Konzerten mit dem freundlichen Bänkelsänger offen halten.

Setliste (ohne Zugaben):

Simon & Garfunkel: Kathy's song

Morissey: I won't share you
Bob Dylan (Olivia Newton-John): If not for you
Sex Pistols: Anarchy
The Divine Comedy: Eye of the needle
Neil Young: Harvest moon (mit Ukulele und Mundharmonika)
Simone White: Roses are not red
Whitney Houston: i wanna dance with somebody
Nat King Cole: Love was meant for me and you
Charlie Chaplin: Smile
Scott Matthew: I don't write a song
Rihanna: Like I'm the only girl in the world



Samstag, 2. Juni 2012

Orange Blossom Special 16, Beverungen, 25.-27. Mai 2012

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Konzert: Orange Blossom Special 16

Datum: 25.-27. Mai 2012

Ort: Beverungen

Zuschauer: 1800


Bericht und Fotos von Gudrun aus Karlsruhe

Ich bin sicher nicht im Fokus der Werbung für Freiluft Musikfestivals. Beim Lesen der Line-ups habe ich freilich schon immer mal leise geseufzt und diejenigen beneidet, die so viel geile Musik in so kurzer Zeit geboten bekommen, aber wenn ich ehrlich bin, könnte ich nicht gut damit leben, ein Wochenende lang rumgeschubst zu werden und das eine oder andere Bier über den Latz gekippt zu bekommen. Dann lieber Rockpalast schauen und auf dabei auf dem Sofa liegen...

Eine erste Ausnahme hatte ich im letzten Herbst gemacht, als mich das Sound of Bronkow Festival nach Dresden gelockt hatte. Aber da war mir klar, ich kann mich jederzeit zurückziehen, wenn es mir zu viel wird. Das war aber dann zum Glück nicht nötig. Statt dessen traf ich lauter interessante Leute, hatte nette Unterhaltungen mit Fremden und alles war recht entspannt und locker. Von der Musik mal gar nicht zu
reden: da gab es diverse Neuentdeckungen und emotional tolle Konzerte. Das passte.


Dementsprechend war es dann nicht mehr so schwierig, einen weiteren Schritt zu wagen und eine Nummer größer, nämlich beim Orange Blossom mein Glück zu versuchen. Im klienicum las man ja darüber die dollsten Sachen. Pfingsten passte als Termin auch erst einmal in den Plan und schließlich gelang es mir auch noch, Betten in einer Pension zu bekommen (über die Warteliste noch reingerutscht).

Ganz zum Schluss stellte sich überdies heraus, dass sich Petrus ganz besonders viel Mühe geben würde und uns sonnige Pfingsttage gegönnt waren.

Im Vorfeld hatte ich mich besonders auf folgende Programmpunkte gefreut:

Christian Kjellvander, Amanda Rogers, Andrea Schröder, Kill it kid, und Nive Nielsen. Sehr neugierig war ich auf The Miserable Rich und auf Orph.

Blöderweise trafen die zwei kurzfristigen Änderungen im der Liste genau zwei der Acts auf die ich mich speziell gefreut hatte. Der ``Ersatz'' Scott Matthew war aber meinerseits sofort akzeptiert. Nach den vielen Berichten hier im Konzerttagebuch war unser Bekanntwerden miteinander ohnehin überfällig.

Leider verzögerte sich zu allem Überfluss die Anreise und ich war erst mit 2 Std. Verspätung im Glitterhouse-Garten. Damit war einerseits Christian Kjellvanders Auftritt schon Geschichte und es war auch nicht der glücklichste Zeitpunkt um dazu zu stoßen. Der Garten war rapppelvoll, viele der Besucher (gefühlte ALLE) auch, die Mondinvasoren machten einen Heidenlärm (jedenfalls kam es mir in dem Moment so vor und man betritt das Gelände direkt neben der Bühne) und es war nicht so einfach, sich erst einmal zu orientieren zwischen den Massen. Wo war ich da nur hingeraten...


Aber das Konzert der jämmerlichen Reichen versöhnte mich dann auf's Schönste. Dafür war es in jedem Fall lohnend gewesen, am Freitag schon dabei gewesen zu sein. Diese folkige und selbstironisch poppige Art Musik ist ja sowieso meins und vor allem James de Malplaquet trat als purer Verführer für die Musik der Truppe vor die Massen und ließ sie aus seiner Hand fressen. Es gab viele lustige und schaurige Geschichten zur Musik serviert und vollen Stimm- und Körpereinsatz. Das sollte man wirklich mal live und dabei erlebt haben! Als sie zur Zugabe auch noch schaurig geschminkt wieder auftraten war die Inszenierung perfekt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich dieser Band die Treue halten werde und die nächste Gelegenheit ergreife, sie live wieder zu sehen. Ich hatte mich in der Umbauphase sehr weit vorn positionieren können und genoss, dass es dort freundlich zuging und wohl doch nicht alle nur noch volltrunken torkelten...

Am Samstag lagen die herbeigesehnten Acts schon recht früh: 12:40 Uhr Scott Matthew, anschließend Andrea Schröder. Als ich kam, erwischte ich noch den Abschluss von Rocco Recycle und war ganz bezaubert, was dieses Gesamtkunstwerk von Vollblut-Entertainer so losmacht. Kindergeburtstag in bester Tradition für das Kind in mir würde ich das kurz und respektlos zusammenfassen.

Scott Matthew soll später einen eigenen Bericht bekommen. In jedem Fall war dies ein Wechsel von laut und schrill nach leise und innig. Aber beiden Acts gemeinsam sicher die selbstironische und dem Publikum zugewandte Haltung und die offensichtliche Spielfreude.

Mit modernster Technik war es anschließend gelungen, E. vom klienicum zu finden (am nächsten Tag wäre es deutlich leichter gewesen, da trug er das Shirt zum Blog). Auch das ein sehr spannender Teil des OBS 16 für mich und hoffentlich nicht das letzte persönliche Treffen bei einem netten Anlass!


Der Wechsel zu Andrea Schroeder (und Band - hier werden wohl die drei Herren im weiblichen Namen subsumiert) war anschließend wieder sehr interessant. Eine irgendwie andere Aura, etwas gediegener, aber auch geheimnisvoll (geht das überhaupt zusammen?). Ich hatte mich schon im ersten Versuch, das Line-up vom OBS16 für mich zu bewerten in die im Netz zum Probehören verfügbaren dunklen Balladen verliebt und hatte die Hoffnung, hier auch schon vor dem offiziellen Veröffentlichungstermin das Album erwerben zu können. Es war offensichtlich, dass allen der Auftritt beim Orange Blossom viel bedeutete, fast wirkten sie etwas nervös. Dann fiel dem Schlagzeuger sogar das Becken vom Sockel... Dabei wurden die Lieder vom für die frühe Stunde wirklich zahlreichen Publikum von Anfang an sehr freundlich aufgenommen. Auch dies sicher Musik, die ich im Auge behalten werde und die für mich durch das Live-Erlebnis einen neuen Stellenwert bekommen hat.


In das Set der Fuzztones hörte ich lieber mit etwas Abstand von weiter hinten hinein. Das war solide, rotzig und wie erwartet. Vielleicht am meisten nachwirkend für mich die Ansage der Band über New York und Los Angeles nun in Berlin zu Hause zu sein und was in diesem Satz alles steckt. Ich blieb nicht bis zum Ende, sondern gönnte mir ein Päuschen am Weserrand und anschließend ein gutes Abendessen.


Pünktlich zu Erland & the Carnival war ich dann wieder dabei. Der Name war mir geläufig, die Soundschnipsel hatten mich noch etwas unentschlossen gelassen, ob das Set meins würde. Aber die Bedenken zerstreuten sich ganz schnell. Schon die Show des Sängers war es wert :) Ein wirklich energetisches und aufgeheiztes Set neben dem die Sonne langsam unterging.

Ähnlich unentschieden erwartete ich schließlich Immanu El als
Nachtmusik für den Samstag. Es erinnerte mich sehr an Sigur Rós aber überforderte meine Aufnahmefähigkeit für die späte Stunde. Für mich angemessen wäre es gewesen, diesen Klängen mit geschlossenen Augen in einem bequemen Sitz- oder Liegemöbel zu folgen. Freilich hätte man dann die Segelfahrtimpressionen nicht verfolgt, die an die Leinwand projiziert wurden. Aber die verfing bei mir sowieso nicht so richtig als Mehrwert des Konzertes gegenüber dem Hören der CD bequem zu Hause. Es war finster auf der Bühne und es passierte wenig und ich gab nach 30 min auf.


Am Sonntag waren Clickclickdecker mein absoluter Überraschungshit. Mit deutschen Texten ist es ja immer so eine Sache. Da gibt es die tollen wie die Locas in Love und dann... die anderen eben. Aber hier waren die Text toll und die Live-Performance führte direkt in mein Herz. Es wurde so viel gelacht zu den traurigen und nachdenklichen Liedern. ``Jeder Mensch kann schwimmen. Ich bezweifle das stimmt.''Da bildet sich mir unversehens ein Kloß im Hals und fühlt der Wahrheit dieses simplen Statements nach. ``Leiden ist ok. solange Hoffnung bleibt.'' ist vielleicht eine ganz passende Zusammenfassung der Stimmung des Sets. Der Umgang mit Fehlern und mit den Kameras zwischendurch war souverän, spielerisch und in meinen Augen grundsympatisch. Auch hier werde ich nicht zögern, live wieder dabei zu sein, wenn es klappt!

Nive Nielsen spielten für mich vielleicht das schönste Set. Ich werde versuchen, das noch extra zu beschreiben in einem eigenen Bericht. Hier stimmte auch mal die Frauenquote so einigermassen....

Das Set von Orph war etwas rätselhaft fast könnte man sagen distanziert. Das schon in der Kleidung, die zeitlich und örtlich deutlich nicht hier und jetzt anzeigte und auch in sehr wenig Interaktion mit dem Publikum. Die Musik bediente ebensowenig gewohnte Schemata - in jedem Stück wieder neu überraschend, dass man noch Noten zusammenfügen kann und das anschließend nicht klingt wie... Aber der Auftritt der vier war wirklich fesselnd für mich. Im Nahblick hatte es den Anschein, dass alle drei vorn an der Bühne doch etwas nervös waren. Die Blätter flogen ein paar Mal davon und mussten gebändigt werden. Aber auch hier muss man dem OBS-Publikum bescheinigen, dass es die Herzen den jungen Männern ganz und gar geöffnet hat.

Für die letzten zwei Acts am Sonntag fehlte mir dann der Antrieb. Ich war so voller schöner Eindrücke und wollte das nicht gefährden indem weniger intensive Konzerte das abschließen (alles Ansichtssache und gemutmaßt, aber das war die Entscheidung am Sonntag für mich).


Was mir neben der Musik sehr gefallen hat war, dass man die Musiker häufig als Zuhörer anderer Bands sah und im Publikum oder unversehens im Ort oder an der Weser traf. Die freundliche Stimmung, die Rücksichtnahme und das aufeinander schauen. Dass ich mich nicht zwischen Bühnen entscheiden sollte. Dass von klein bis recht betagt wirklich jede Altergruppe dabei war und sichtlich Freude hatte. Dass aufmerksam zugehört wurde und alle Musiker mit Respekt behandelt wurden.

Meiner Meinung nach könnte man aber in Zukunft etwas besser darauf achten, dass die Musik nicht unnötig laut ist. Ich weiß, das ist ein weites Feld..


 

Konzerttagebuch © 2010

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