Posts mit dem Label Lucy Rose werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Lucy Rose werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 3. Juni 2014

Maifeld Derby 2014, Tag 1

1 Kommentare

Konzert: Rah Rah, Fenster, Lucy Rose, ClickClickDecker, Future Islands
Ort: Maifeld Derby, Mannheim
Datum: 30.05.2014
Dauer: Rah Rah ca. 40 Minuten, Fenster ca. 40 Minuten, Lucy Rose ca. 50 Minuten, ClickClickDecker ca. 35 Minuten, Future Islands ca. 60 Minuten
Zuschauer: unterschiedlich


Letztes Jahr habe ich ja ein bisschen geschimpft über das Maifeld Derby. Aus meiner Sicht hatten das Wachstum und die Erweiterung auf drei Festivaltage nicht die erforderlichen Verbesserungen der Infrastruktur nach sich gezogen. Richtig schlimm war das alles nicht gewesen, sonst wäre ich ja auch nicht wiedergekommen, aber bei der Anreise war ich dieses Mal natürlich besonders gespannt, was nun anders sein würde – zumal im Vorfeld von etlichen Neuerungen die Rede gewesen war.



Tatsache! Schon die Bändchenausgabe war an einem neuen Ort und erzwang mittels Absperrungen eine ordentliche Schlange, was erfolgreich ein Kuddelmuddel drängelnder Gäste, wie ich es letztes Jahr erlebt hatte, vermied. Beim Betreten des eigentlichen Geländes dann die nächsten Schocks: Die Open Air Bühne war größer und woanders aufgebaut! Zusätzlich zum bekannten Palastzelt, das vergrößert worden war, war nun auch die Brückenaward-Bühne in einem ähnlichen Zelt untergebracht. Und - ich hatte nicht mehr wirklich damit gerechnet - dem Fressstand der Langmetzgerei Kumpf hatten sich mehrere weitere hinzugesellt! Es gab Falafel (vegan), etwas namens Handbrot, thailändisches Essen und Pakora. Fast alles vegetarisch oder mit vegetarischer Alternative! Etwas weiter entfernt entdeckte ich zusätzlich einen Crêpe-Stand.



Und als ich es endlich schaffte, meinen Blick von all den attraktiven Essensoptionen abzuwenden, entdeckte ich, dass auf dem Boden Schotterstreifen ausgegossen worden waren, sicherlich als eine Art Laufsteg, falls es bei Regen Pfützen geben sollte. Auch im Dekobereich hatte man sich wieder mehr Mühe gegeben, einige Bäume mit bunten Lampions dekoriert und die Freifläche mit Holzschaukelpferden und einer Springhürde auf den Steckenpferdwettbewerb am Sonntag vorbereitet. Damit waren sämtliche meiner Nörgelpunkte des Vorjahres von Timo Kumpf und seinen Helfern behoben worden. Toll! Für nächstes Jahr möchte ich bitte noch einen Streichelzoo!



Wir mussten an diesem Punkt unsere Besichtigung abbrechen und ins Palastzelt eilen, denn dort begann der für uns erste Bandauftritt des Festivals, Rah Rah. Das Quintett aus Kanada (laut Wikipedia ist es normalerweise ein Sextett) machte einen ausgesprochen fröhlichen Eindruck und hält viel von Abwechslung in Bezug auf Instrumente und Sänger. Der Bassist des ersten Songs („Art & A Wife“) wechselte für den Großteil des restlichen Sets ans Schlagzeug, der Leadsänger der meisten Songs, Marshall Burns, machte mehrmals Platz für die beiden weiblichen Bandmitglieder, die ansonsten Geige, Keyboard, Bass oder auch mal Schlagzeug spielten. In Bezug auf eine der Damen, Kristina Hedlund (mit Pelzmütze), wäre den Kollegen möglicherweise anzuraten, sie zu bitten, ihre anderen musikalischen Fähigkeiten verstärkt nachzukommen und das Singen den anderen zu überlassen. Gerade bei „20s“ fand ich ihr Gesinge eher schlimm, und das in Gegenwart von mindestens zwei besseren Sängern – die Stimme von Erin Passmore (im Lamettakleid) gefiel mir nämlich ebenfalls deutlich besser. Nichtsdestotrotz ein guter, fröhlicher Einstieg ins diesjährige Maifeld Derby.


Gimmick Nummer 1:  Bei „Beaches“ schlugen der Schlagzeuger und der Gitarrist den Rhythmus auf dem Gestänge der Bühne. Gimmick Nummer 2: Die Band hatte riesige silberne Aufblasbuchstaben dabei (R, A, H), die bei den letzten beiden Songs ins Publikum geworfen wurden und dort großen Anklang fanden.


Setliste:

Art & A Wife
Dead Men
I'm a Killer 
Fake Our Love
Run 
Beaches 
20s 
First Kiss 
Duet for Emmylou and the Grievous Angel 
Prairie Girl


Auf ging es zum Parcours d’Amour, der seit der Premiere des Festivals altbekannten kleinen Bühne im Reitstadion. Auch hier hatte man aufgestockt, indem man die Bühne vergrößert und weiter nach hinten verlegt hatte. Geblieben waren die liebevolle Dekoration, der Weinstand und die im Vergleich zu den anderen Bühnen intimere Atmosphäre – verbunden mit der Möglichkeit, sich hinzusetzen.
Dort waren Fenster bereits mit dem Soundcheck beschäftigt. Das deutsch-amerikanisch-französische Quartett hatte optisch einiges Auffälliges zu bieten: blonde Frau mit Lidschatten“brille“ und Hot Pants, ein Sänger, der aussah wie ein jüngerer Rudi Völler und ein Schlagzeuger, der mit blondem Haar und Schnurrbart wirkte, wie Barbies Freund Ken in den 70ern. Auch Fenster tauscht gerne einmal Instrumente und Rollen, so dass die blonde Frau, die ich zunächst für die Sängerin hielt, diese Rolle nach dem ersten Song weitgehend an Rudi Völler abgab. Musikalisch wurde ich mit dem Gebotenen Dream Pop nicht recht warm und deshalb ganz froh, als wir nach Ende des Sets zu Lucy Rose im Palastzelt aufbrachen.


Die Britin war anscheinend bereits im Line-up des vergangenen Jahres gewesen, hatte jedoch absagen müssen.  Ihr Auftritt war bei unserem Eintreffen bereits im Gange, aber es war recht leicht, sich noch in die ruhigen, emotionalen Lieder einzufinden, die die Sängerin meist auf der Gitarre, einmal auch am Klavier begleitete.  Die Zwischenansagen der Künstlerin zeugten von einer gewissen Unsicherheit: Mit ihrem eigenen Klavierspiel war sie nicht sonderlich zufrieden, außerdem war sie positiv überrascht, dass sich das Zelt recht gut gefüllt hatte, war sie doch überzeugt gewesen, vor einem sehr dürftigen Publikum zu spielen. Außerdem sei das riesige „Lucy Rose“ Transparent, das hinter der Bühne hing, heute erstmalig im Einsatz, obwohl sie es bereits seit einem Jahr hätte, weil hier ausreichend Platz sei und viele ja auch sicher nicht wüssten, wer sie sei.


Bezüglich der Setliste konnte ich nicht allzu viel erkennen und mitschreiben, gespielt wurden mit Sicherheit aber „Shiver“ und „Middle of the bed“. Im Nachhinein hätte ich lieber mehr von Lucy Rose gesehen als von Fenster.  Im Später las ich auf Wikipedia, dass die Künstlerin als Merchandise Tee verkauft, was ich auch gerne genutzt hätte.


Nach Lucy Rose pilgerten wir zurück zum Parcours d’Amour, vor dem sich überraschenderweise bereits eine lange Schlange für ClickClickDecker gebildet hatte. Unsere kurze Sorge, drinnen könne es bereits voll sein, erwies sich als unbegründet, es gab nur einfach Stauungen zwischen den Konzertbesuchern, die hinaus wollten, und den Neuankömmlingen. Als wir erst einmal hinein konnten, fanden wir also problemlos einen Platz, allerdings sollte es doch noch zu Kapazitätsproblemen kommen – auf Facebook konnte man später den Unmut von Fans lesen, die später als wir gekommen waren und die man zunächst tatsächlich nicht mehr hinein gelassen hatte. Irgendwann wurde dann ein ursprünglich abgesperrter, zusätzlicher Sitzblock geöffnet, aber zu diesem Zeitpunkt war das Set der Band schon fast vorbei.


Aus irgendeinem Grund gab es nämlich Zeitprobleme: Wir waren recht pünktlich zum Konzertbeginn laut Programm erschienen, warteten aber noch eine gute Viertelstunde, während die Band auf der Bühne in aller Ruhe ihren Soundcheck absolvierte - der Schlagzeuger verband den Mikrophoncheck dabei mit einer Runde Quizduell, indem er die Fragen ins Publikum stellte (Ich habe aber Zweifel an der Authentizität folgender Frage: "Welche Meinung zum Thema Fleisch kommunizierte die Band The Smiths auf ihrem zweiten Album? A: Fleisch ist Fleisch Nanananana B: Fleisch ist Mord C: Auch Fleisch ist Fleisch Nanananana.")

Als es schließlich mit „Und darüber nachdenken nicht nötig“ losging, zeigte sich, dass in der ersten Reihe ein dreiköpfiger Damen-Fanclub Platz genommen hatte, der jeden Song begeistert mitsang und abfeierte.  Auch sonst waren sichtlich viele Anhänger der Band auf der Tribüne.


Ich dagegen kannte vor dem Auftritt keinen einzigen Song, konnte mich aber mit den nachdenklichen Texten schnell anfreunden, zumal es bei einem derart begeisterten Publikum schwer war, neutral zu bleiben. Lustig auch die Szene, als Kevin Hamann einer der Damen aus der ersten Reihe, die unablässig einen Songtitel schrie, irgendwann ruhig sagte. „Du, ich hab das gehört. Wir sind ja nur einen Meter voneinander entfernt. Zwischen uns wird es heute keine Kommunikationsprobleme geben.“ Dafür aber Zeitprobleme, denn nach dem späten Beginn des Auftritts mussten offenbar Verzögerungen aufgeholt werden, so dass die Setliste nach einem entsetzten „Wie, noch vier Minuten? Wir haben doch gerade erst angefangen!“  spontan zusammengekürzt werden musste.

„Händedruck am Wendepunk“ und „Durch die Kastanienanlagen“ wurden nicht gespielt, daher endete das Set mit „Tierpark Neumünster“ dann recht abrupt vor mittlerweile stehend abfeierendem Publikum. Auch die geplanten Zugaben „Der ganze halbe Liter“ und „Mit Neumanns Füßen“ mussten leider entfallen.


Setliste:

Und darüber nachdenken nicht nötig
Einbahnstraße
Was kommt wenn nichts kommen will
Die Nutzlosen (unentbehrlich)
Erste Schritte
Wer hat mir auf die Schuhe gekotzt
Erledigungsblockaden
Niemand tanzt so kacke wie ich
Tierpark Neumünster


Wir verließen den Ort des Geschehens schnell, um zum ersten Mal an diesem Tag die neue Fackelbühne aufzusuchen. Diese Reinkarnation der ehemaligen Open Air Bühne ist, wie alles andere beim Derby, größer als ihr Vorgänger. Obwohl das Interesse an der amerikanischen Band Future Islands mit dem denkwürdigen David Letterman-Auftritt groß war, konnten wie mühelos in die erste Reihe vordringen und mussten auch nicht lange warten.


Die Band aus Baltimore ist komplett auf ihren Rampensau-Sänger fokussiert, so dass die verbleibenden Bandmitglieder auf mich nicht nur zurückhaltend, sondern gar genervt wirkten. Das Bühnengehabe von Samuel T. Herring ist ja auch durchaus gewöhnungsbedürftig, wobei es mir live passender erschien als im Fernsehen. Herring tanzte, ging in die Knie, wälzte sich auf dem Boden, gestikulierte wild und wäre, würde er teilnehmen, sicher der unbestrittene Sieger des für Sonntag angesetzten Steckenpferd Wettbewerbs. Einmal abgesehen vom Singen und Grunzen, das ihn auch für eine Death Metal Band qualifizieren würde.


Beim vierten Lied, „Walking Through That Door“, wurde plötzlich eine Menge riesiger roter Pappherzen verteilt, mit denen das Publikum folgsam gen Bühne winkte. Als ich mich gerade fragte, ob diese Aktion überhaupt mit der Band abgesprochen worden war, nahm Herring eines der Herzen, die auf die Bühne geflogen waren, in die Hand und erklärte, es handele sich um das „Naked Heart Project“, eine Aktion eines guten Freundes der Band, und man solle die Herzen hochhalten, wenn man eines bekommen hätte. Die Band werde versuchen, dasselbe auch beim Melt! zu machen.
Trotz der zweifellos beeindruckenden Bühnenshow muss ich sagen, dass ich die Songs von Future Islands in der Liveversion einander zu ähnlich fand, die Single „Seasons (Waiting On You)“ war hier für mich ganz klar ein Highlight. Dennoch ein lohnendes Konzert, das meinen ersten Tag beim rundum erneuerten Maifeld Derby abschloss.


Setliste:

Back In the Tall Grass 
Sun In The Morning 
A Dream of You and Me 
Walking Through That Door 
Balance 
Before the Bridge 
Doves 
A Song for Our Grandfathers 
Light House 
Seasons (Waiting On You) 
Spirit 
Tin Man 
Long Flight

Links: Fallen angesichts der Bandfülle dieses Mal aus, andere Berichte lassen sich aber leicht über die Labels finden.

Bilder: Dirk von Platten vor Gericht





Montag, 15. Oktober 2012

Lucy Rose, Paris, 11.10.12

1 Kommentare

Konzert/Concert: Lucy Rose
Ort/Lieu: La Maroquinerie Paris
Datum/Date: 11.10.12
Zuschauer/Spectateurs: environ 200
Konzertdauer/Durée du concert: 1 heure

Anmerkung: cool bleiben, der deutsche Text kommt auch in Kürze!
 
La première fois que j'ai vu Lucy Rose c'était  fin 2008. À l'époque elle faisait les choeurs pour Razorligt au Bataclan. 
 
Par souci de précision j'avais à l'époque pris des photos de tous les musiciens. Je ne savais pas que cette jeune fille rousse était Lucy Rose et qu'elle allait jouer 4 ans plus tard dans l'une des plus belles salles de la capitale, la fameuse Maroquinerie (même si elle est seulement à moitié pleine ce jour là). Et je n'imaginais pas non plus qu'elle allait vendre tant de disques de son premier album Like I Used To pour atteindre la 13ème place dans les charts britannique. Si on exagère un peu, elle a en ce moment plus de succès que Razorlight, qui sont dans une crise. 



Paradoxalement c'est un ancien du groupe de Johnny Borrell, le guitariste suédois Björn Agren, qui joue les jolies mélodies de guitare dans le groupe de Lucy Rose maintenant. Et c'est aussi lui qui a produit l'album. Cela se ressent, même si on ne peut pas dire que Lucy Rose sonne exactement comme du Razorlight. Mais entouré de tout un groupe (dont un musicien de Broadcast 2000 à la basse) on ne peut plus qualifier sa musique comme du folk, mais plus comme de la pop avec des touches jazzy blues par ci par là. A ces débuts Lucy était vraiment proche d'une Laura Marling, avec son jeu de guitare minimaliste et son instrumentation dépouillée, c'était vraiment du folk dans son état pur.

Mais bon, accordons à la jeune britannique,  performant sur un tabouret surélevé ce soir, le droit de se développer et de changer un peu son style. Il faut admettre qu'elle a plein d'idées et ne se satisfait pas d'écrire des morceaux touts ronds, tout lisses et gentillets pour mieux vendre. Elle travaille plutôt avec des changements de rythmes, de vitesse et de sonorités assez surprenants, le tout prend presque un côté expérimental. Je me demande si parfois elle ne va pas trop loin dans cette exercise, parce qu'il n'y pas beaucoup de chansons qui accrochent vraiment l'oreille. Elle n'a donc pas un véritable hit si ce n'est Middle Of The Head qui semble être le titre le plus attendu par le public et met le feu à la Maroquinerie assez calme jusque là. 


Avec chaque chanson jouée, Lucy gagne en confiance et se détend, avouant qu'elle était stressée avant le concert, en apprenant que Radiohead ("le meilleur groupe du monde" selon elle) joue le même soir qu'elle. "Thanks for picking me over Radiohead that really means a lot to me", dit-elle en souriant pour enchaîner d'une manière un peu cynique: "or maybe all the tickets for Radiohead were already gone"...

Sa voix est douce et calme et ne ressemble pas trop à sa voix assez grave quand elle parle. Elle doit la forcer un peu plus que sur son album puisque son groupe joue assez rock et fort parfois.

A noter également qu'il y a une fille dans le groupe qui joue un instrument très intéressant, que j'ai vu une seule fois auparavant, c'est un violoncelle électrique qui a un son très beau et envoûtant.

Mon titre préfére du set s'appelle Scar. Il est charmant, sensible et poétique et doté d'un rythme légèrement reggae.

Après 45 minutes Lucy Rose clôt par un dynamique Bikes, avant de revenir  sous des applaudissements incroyablement enthousiastes pour le rappel Don't You Worry.

Le concert a visiblement plu, puisque la vente de disques, assurée par l'artiste même, se passe très bien et beaucoup de fans réclament une photo avec Lucy comme souvenir.

Setlist Lucy Rose, La Maroquinerie, Paris

01: First
02: Red Face
03: Lines
04: All I've Got
05: Shiver
06: Night Bus
07: Scar
08: Place
09:Middle Of The Bed
10: Watch Over
11: Bikes

12: Don't You Worry

P.S.: La première partie a été assurée par un duo allemand, Pär Lammers et Daniel Schaub alias Jack Beauregard de Cologne. Leur folk pop assez proche de Peter von Poehl ou de Syd Matters, était bien agréable, même s'il manquait un peu de variations.



Dienstag, 8. Februar 2011

Lucy Rose & William Fitzsimmons & Carosel, Paris, 07.02.11

0 Kommentare

Konzert: Lucy Rose & William Fitzsimmons & Carosel

Ort: L'International, Paris

Datum: 07.02.11 Zuschauer: viele


Freunde, habe die neue Laura Marling! Lucy Rose heißt die blutjunge Engländerin mit den niedlichen Sommersprossen, die mir gestern in Paris gehörig den Kopf verdreht hat. Was für ein Talent, wow, wow, wow! Solch eine Ausnahmekünstlerin sieht auch ein abgebrühter Konzertblogger wie ich nicht alle Tage. Lucy ist ein Rohdiamant, der nur noch ein bißchen geschliffen werden muss, bevor er im hellsten Glanz erstrahlt. Ach, was rede ich da überhaupt, gestern beim Konzert funkelte es ja schon jetzt, wo man nur hinschaute! In ihren wunderschönen blauen Augen, in den Augen der völlig geplätteten Zuschauer, einfach überall! Und auch ihre melancholischen Lieder glänzten wie Gold und ließen mein Herz erglühen.



Es war bereits 23 Uhr, als das rotblonde Kücken zusammen mit drei männlichen Begleitmusikern loslegte. Da sie erst spät aus Brüssel eingetroffen war, konnte sie den Soundcheck nicht wie üblich mittags erledigen, sondern tat dies auf der Bühne vor den Augen der zahlreich versammelten Zuschauer: Diese hatten zuvor bereits zwei Konzerte gesehen. Zunächst den Auftritt des sehr früh angesetzten Singer Songwriters William Fitzsimmons, der ganz alleine mit Rauschebart, Zipfelmütze und Akustikgitarre sein schönes Set bestritt, allerdings über Stimmprobleme klagte. Er sei heiser, hätte Probleme zu singen und merkte selbstironisch an: "aber ihr kommt ja hier sowieso nur zum Bier trinken hin, oder? Und nicht für meine Songs, die klingen doch alle gleich, stimmt's?" Das war allerdings ein wenig fishing for compliments, denn natürlich hatten sich viele Leute eingefunden, um seinen fragilen Liedern zu lauschen. Allerdings gab es auch einen gewissen Prozentsatz an Besuchern, die in der Tat nur zum Quatschen und Saufen gekommen waren und mit ihrem Geplapper das sehr leise Konzert störten. Vielleicht kam Fitzsimmons gerade deshalb auf die Idee, seinen letzten Song inmitten der auf dem Boden sitzenden Zuschauer (eine Unsitte!) zu performen. Er erzielte auch den gewünschten Effekt, denn plötzlich waren fast alle leise und nur das Klicken der Fotoapparate nervte noch ein wenig. William erntete am Ende einen tosenden Aplaus und kündigte an, im Laufe des Jahres mit neuem Album im Gepäck und einer ausgewachsenen Band wiederzukommen.

Danach traten die furchtbar netten, aber leider auch furchtbar langweiligen Iren Carosel auf und trugen ein jazzig angehauchtes Konzert zum Abgähnen vor.

Aber das Warten und Ausharren hatte sich gelohnt, denn nun stand als Letzte Lucy Rose an. Ein Mädel, auf das ich Anfang des Jahres zufällig über eine Akustiksession bei youtube gestolpert war. Night Bus hatte sie dort vorgetragen und mich mit ihrem sentimentalen Gesang und ihrer Zartheit höchst neugierig gemacht. Als ich dann las, das sie am 7. Februar in Paris spielen würde, war klar, daß ich da unbedingt hin musste. Und die zierliche Britin erfüllte meine Erwartungen nicht nur, sondern übertaf sie um Längen. Alles an ihr war faszinierend. Die warme, zuweilen brüchig-fragile Stimme, das Guitarpicking, das erstaunlich reife Songwriting, die Kompositionen und nicht zuletzt ihre umwerfende Ausstrahlung. Ein unschuldiges Schulmädchen könnte man auf den ersten Blick meinen, aber schon derart kess und ausgebufft, das es mir die Sprache verschlug. Die Kleine hatte Humor und war zudem ungemein schlagfertig. "Kann mir mal bitte jemand von der Bar ein Bier besorgen, meines habe ich eben gerade aus Versehen ausgekippt?", sagte sie ganz lässig. Der Wunsch wurde ihr erfüllt, aber kurze Zeit später kommentierte sie schelmisch: "Oh you got me, this is a big beer!" Noch witziger wurde es in einer Szene, als ein offensichtlich angetüdelter Franzose mit starkem Akzent reinrief: "I love you Lucy, I want to love you, I can show you Paris, etc." Sie blieb da ganz gelassen, erklärte den verrückten Zuschauer zu ihrem Lieblingsgast des heutigen Konzertabends und fuhr ganz entspannt im Programm fort. Viele starke Song hatte das Set zu bieten, darunter angesprochenes Night Bus, zudem auch Middle Of The Bed und vor allem den vorzüglichen Closer Bikes. Der Drummer bekam bei diesem letzten Lied richtig Arbeit und machte von hinten ordentlich Dampf. Der Basser war übrigens kein anderer als der Frontmann der Band Broadcast 2000, den ich bereits schon einmal live in Paris gesehen hatte. Im Hintergrund agierte auch noch ein zweiter Gitarrist.

Der Applaus des Publikums war nach dem Verklingen von Bikes so gewaltig, daß Lucy noch einmal zu einer ungeplanten Zugabe zurückkam und ganz prima abschloss. Sie hatte Paris im Sturm erobert, mit Stimme und natürlicher Ausstrahlung geglänzt und bei einem Song auch einen Geigenbogen zur Bearbeitung der Gitarre verwendet. Ein Beleg daür, daß sie auch an kleinen Details arbeitet und an Abwechslung interessiert ist.

Erinnert euch bitte später, wo ihr zuerst von Lucy Rose gelesen habt. Daran, daß die Frau groß rauskommen wird, besteht für mich nicht der geringste Zweifel und ich würde meine Katze darauf verwetten, daß sie in den nächsten Jahren im Spiegelzelt in Haldern das deutsche Publikum um ihre zarten Finger wickelt!



Setlist Lucy Rose, L'International, Paris:

01: Be Alright
02: Night Bus
03: All I've Got
04: Svar
05: First
06: Gamble
07: Don't You Worry
08: Middle Of The Bed
09: Bikes

+ 1 Zugabe

Setlist William Fitzsimmons, International, Paris:

01: The Tide Pulls From The Moon
02: I Don't Feel It Anymore
03: The Winter From Her Leaving
04: Beautiful Girl
05: Blood And Bones
06: Wounded
07: Passion Play
08: Just Not Each Other
09: If You Would Come Back Home
10: Goodmorning
11: After Afterall




 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates