Mittwoch, 30. Juni 2010

Villagers, Paris, 29.06.10


Konzert: Villagers, akustisch und solo

Ort: Boutique Fargo Records, Paris

Datum: 29.06.2010
Zuschauer: etwa 40
Konzertdauer: 30 Minuten


Ist Conor J. O'Brien aka Villagers der neue Conor Oberst? Oder der kleine Bruder des Mannes aus Omaha? Auf mich wirkt er zumindest so. Aber um diese Vergleiche anzustellen, muss man natürlich erst einmal Conor Oberst /Bright Eyes kennen. Ich war vollkommen verblüfft, als ein paar Franzosen hinterher äußerten, noch nie von Bright Eyes gehört zu haben. Franzosen wohlgemerkt, die ich schon öfter auf Konzerten gesehen habe. Wie kann es zu dieser Bildungslücke kommen? In Deutschland ist der zum regen Alkoholgenuß neigende Herr Oberst doch bekannt wie ein bunter Hund und in Paris spielte er immerhin schon in der Maroquinerie, dem Café de la Danse und im Nouveau Casino. Konzertpausen führen aber offensichtlich dazu, daß Musiker schnell vergessen werden, oder aber die Ahnungslosen gehen erst seit 2009 auf Konzerte, alles ist möglich.

Wie auch immer, hier soll ja jetzt die Rede von dem anderen Conor, dem kleingewachsenen Iren Conor O'Brien sein. Habe immer noch nicht ganz kapiert, ob Villagers eine Band oder ein Soloprojekt ist (es deutet alles auf die erste Variante hin), aber auch alleine mit Akustikklampfe ist der Kerl hörenswert. Ungemein bewegend, wie er die Silben wimmernd langzieht, als hätte man ihm seinen Schnuller geklaut. Diese Stimme, toll! Neben Bright Eyes erinnert sie auch an Elliott Smith, was natürlich auch keine schlechte Referenz ist! Aber Mister O'Brien hat seine persönlichen Geschichten zu erzählen. Traurige Geschichten natürlich, die vermutlich an tristen Wintertagen mit ordentlich Liebeskummer und Lebensfrust geschrieben wurden. Becoming A Jackal ist eine dieser Stories, die uns Villagers berichtete. Ein super Lied, das die dicht gedrängten Zuschauer im hübschen Fargo Store in Paris mit ordentlich Beifall bedachten. Conor nahm sogar Wünsche ("any requests?") an und trug auf Wunsch Twenty-Seven Strangers vor. Als sein eigenes persönliches Lieblingslied bezeichnete er aber To Be Counted Among Men, das für mich aber nicht ganz an die Qualität des finalen Home rankam.

Hinterher zeigte sich Conor nett und aufgeschlossen, signierte CDs und verschwand kurze Zeit später in einem Taxi, das ihn zur Maroquinerie brachte, wo er am Abend ein "richtiges Konzert" geben würde. Von diesem Gig wird von Leuten, die da waren, viel Gutes berichtet und ich bin sicher, daß Villagers auch in Deutschland sehr bald ziemlich bekannt werden. So bekannt wie Bright Eyes?


Aus unserem Archiv:
Villagers, Paris, 07.06.2010




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