Donnerstag, 24. Juni 2010

Bird On The Wire, Paris, 21.06.10


Konzert: Bird On The Wire

Ort: Le Pop In, Paris
Datum: 21.06.10
Zuschauer: circa 40
Konzertdauer: etwa 45 Minuten


"Dutch people hate germans", sagte ich zu dem jungen Engländer Thos Henley, der zusammen mit seiner schwedischen Freundin, ein paar anderen Skandinavierinnen und Holländern auf den Treppenstufen in der Nähe des Pop In saß und auf den Beginn des Konzertes der niederländischen Band Bird On The Wire wartete. Thos nickte zustimmend und fügte schmunzelnd hinzu: "You know what Oliver? English people hate germans too." Dann ruderte er aber wieder etwas zurück und ergänzte: "I love you, but my father can't stand the germans because of the war and everything"...

Manchmal ist es hart, Deutscher zu sein. Aber wir sind es ja gewohnt, unbeliebt zu sein und leben irgendwie ganz gut damit. Im Grunde genommen können wir nur positiv überraschen und wenn wir uns aufgeschlossen und höflich verhalten, stellen Holländer, Franzosen, Engländer etc hinterher fest: "Die Deutschen sind doch gar nicht so verkehrt. Sie haben viel mehr Humor und Selbstironie als wir dachten."


Inzwischen war es fast 22 Uhr geworden und die Leute begaben sich langsam aber sicher ins Pop In, ein Laden, in dem das Publikum sehr jung und international ist. Im Gewölbekeller des Pubs finden die Konzerte statt und weil diese keinen Eintritt kosten, finden sich hier viele Studenten ein. Die Qualität der angebotenen Gigs ist erstaunlich hoch. Ich habe schon viele vorzügliche Künstler gesehen, Laura Marling, Sam Amidon oder This Is The Kit seien nur beispielshaft erwähnt. Wie mir wohl Bird On The Wire gefallen würden? Die Frage war schon nach den ersten Takten beantwortet: unverschämt gut!! Das Trio, eine großgewachsene Brünette am Schlagzeug (Akkordeon, Glockenspiel), eine bildhübsche Blondine an der Gitarre und am Keyboard und ein blonder Jüngling an der elektrischen Gitarre spielte unfassbar frisch auf und zauberte eine prima Stimmung in den Gewölbekeller. Für den Gesangespart war die Blondine namens Rosa hauptverantwortlich. Ihre Stimme war so schön und unschuldig, daß ich Schmetterlinge im Bauch hatte! Assoziationen an Alison Statton oder Isobelle Campbell kamen mir in den Sinn, bloß daß bei den Holländern alles noch amateurhafter und somit charmanter wirkte. Man merkte sofort, daß die drei Musiker unfassbar viel Spaß am Musizieren hatten und diese Spielfreude war hochansteckend. Sensationell wie das brünette Mädel auf ihr Schlagzeug draufknallte, daß mir fast die Ohren wegflogen! Und welch tolle Melodien der Bursche aus seiner Elektrischen zauberte! Ein Genuß, eine Wonne, ein Ohrenschmaus! Wahnsinn, ich hätte vor Freude Luftsprünge machen können! Dabei kannte ich vorher keine einzigen Titel. Jedes, aber wirklich jedes Lied war der schönste kleine Popsong der Welt. Das ganze Set über dachte ich nur daran, daß ich mir unbedingt die CD besorgen müsse. Aber es gab leider keine! Soweit sind die drei Jungspunde noch nicht, obwohl sie schon so viel tolle Nummern zusammenhaben. Ich ließ es mir nicht nehmen, Sängerin Rosa Ronsdorf zu erklären, daß mir das Konzert wahnsinnig gut gefallen hatte. Sie war total happy und sehr nett und wollte wissen, wo man meinen Konzertreview lesen könne. Ich erzählte ihr vom Konzerttagebuch, aber sie erklärte, daß sie kein Deutsch könne. Ihre Schwester (die bei einem Lied auch mitspielte) hingegen schon, denn sie wohne in Berlin. Junge Holländer zieht es also auch in unsere deutsche Kapitale. Wenn das nicht der Beweis dafür ist, daß wir Deutsche inzwischen viel positiver wahrgenommen werden und so langsam aber sicher die Negativklischees der mürrischen, kleinkarierten und stimmungsfeindlichen Antipathen wiederlegen können.

Sehr schön!

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