Montag, 24. September 2007

Reverend & The Makers, Paris, 24.09.07


Konzert: Reverend & The Makers
Ort: Studio des Senders Canal+, Saint Denis bei Paris ("Album de la semaine")
Datum: 24.09.2007
Zuschauer: keine Ahnung, vielleicht 150?


Das letzte Mal, daß ich einen Fuß in ein Fersehstudio gesetzt habe, dürfte 1989, oder 1990 gewesen sein, ich weiß es nicht mehr so genau. Damals war ich mit meiner Schulklasse in Mainz, in den Aufnahmeräumen des ZDF und durfte erfahren, wo meine damalige Lieblingssendung, "Das aktuelle Sportstudio" aufgezeichnete wird. Ich fand das Ganze aber wenig beeindruckend, es war alles ziemlich karg und nicht im Geringsten glamourös. Falls die Lehrer vorhatten, hier junge Menschen für Berufe im Fernsehen zu begeistern, ist der Plan zumindest bei mir persönlich komplett in die Hose gegangen, die Atmosphäre dort stieß mich eher ab.

Inzwischen sind fast 20 Jahre ins Land gegangen und die Fernsehlandschaft hat sich vor allem durch die Verbreitung des Privatfernsehens gewaltig verändert. Die Studios des französischen Privatsenders Canal +, in die ich mich heute begeben hatte, waren dann konsequenterweise auch ein wenig moderner als die frustrierenden Schuppen des ZDF damals, allerdings saß man bei den "Guignols" genauso unbequem wie im "Aktuellen Sportstudio". Es fehlte ganz einfach die Rückenlehne...

Bei den "Guignols" handelt es sich um eine recht populäre Satire-Sendung, in denen Marionetten von solch berühmten Politikern wie z.B. Jacques Chirac, die Verhaltensweisen und Gesten ihrer menschlichen Ebenbilder aufs Korn nehmen. Befragt werden die Puppen der illustren Persönlichkeiten, die zumeist (aber nicht immer) der Politik entstammen, von der Marionette des sonoren Nachrichtensprechers Patrick Poivre d'Arvor. Neben Jacques Chirac, der längst sein Rentnerdasein genießt, wurde heute auch der aktuelle Premierminister François Fillon veralbert und zwar vor allem seine pessimistische Einstellung zum Haushalt Frankreichs ("sagen wir es offen, wir sind pleite") und zur Lage der Welt im Allgemeinen ("wir werden bald eh alle sterben, der Klimawandel ist nicht aufzuhalten"). Das war recht kurzweilig, etwas störend war lediglich, daß dem Publikum vorher ausführlich erklärt wurde, an welcher Stelle es zu klatschen und zu lachen habe...

Diese "Animation" wurde dann auch vor dem Konzert des Reverends und seiner Maker durchgezogen, der junge lockenköpfige Herr, der damit betraut war, bat uns, beim Hereintreten der Musiker und nach jedem Titel stürmisch zu applaudieren, sich aber ansonsten wie bei einem "ganz normalen" Konzert zu fühlen. Dies war aber gar nicht so leicht, denn jeder hatte ein Sitzplätzchen und tanzen konnte man nur vor seiner Sitzgelegenheit (richtige Stühle oder gar Kinosessel gab es leider nicht). Alles also ein bißchen einstudiert, wenig spontan und locker. Auch die Gestik und der Tanzstil von Jon McClure, dem großgewachsenen Typen, der sich hinter dem Pseudonym verbirgt, war dann schließlich ein wenig steif und gekünstelt. Besonders störend empfand ich, daß der Kumpel der Arctic Monkeys ständig seinen langen Zeigfinger drohend nach oben reckte, so daß ich zunächst den Eindruck hatte, er zeige dem Publikum den Stinkefinger. Ein erhobener Zeigefinger ist allerdings auch nicht viel besser, insbesondere dann nicht, wenn er so häufig Richtung Himmel gestreckt wird. Aber ein Reverend ist nun einmal ein evangelischer Priester und der predigt halt gern. Der Gottesdienst von Herrn McClure (dessen Bruder bereits das Cover des ersten Arctic Monkeys Album zierte) war allerdings recht fad und leicht vorhersehbar. Das Beste war fast noch der schwarze Anzug mit Stehkragen, den der Reverend trug, abgesehen von einer sehr ansehnlichen Keyboarderin (Laura Manuel), die bekleidet mit einem hübschem grünen Kleidchen und farblich dazu passenden hochhackigen Schuhen hinter ihrem Instrument laszive Verrenkungen machte. Die Musik hingegen war fast durch die Bank weg höchstens als ganz nettgemachter Elektro-Rock zu bezeichnen. Man könnte auch Disco-Funk dazu sagen - oder was auch immer. Die Einordung in eine Schublade würde allerdings nichts daran ändern, daß man diese Art von Musik in den letzten Jahren schon von unzähligen anderen englischen Bands gehört hat, z.B. Sunshine Underground, White Rose Movement, Primal Scream oder Kasabian, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Das ändert aber nichts daran, daß der Reverend uns seine sechs Makers in England mit diesem Aufguß ziemlich großen Erfolg hat, insbesondere seine Singles "Heavyweight Champion Of The World" (Video) und "He Said He Loved Me" (Video), die natürlich heute Abend auch gespielt wurden, verkauften sich dort gut bis sehr gut. Auch das Debütalbum "The State Of Things" stieg in UK in die Top Ten. Eine schlechte Kritik im NME (mickrige 5/10 Punkte) konnte dies nicht verhindern.

Sei's drum, mich persönlich hat das Ganze jedenfalls wenig überzeugt, selbst wenn der ein oder andere Hit für die Indie-Disco dabei war. Vielleicht muß man Salvia rauchen, um diese Art von Musik voll zu genießen. Laut NME soll das Album teilweise unter der Wirkung dieser alten Inca-Pflanze entstanden sein!

Setlist Reverend & The Makers, Paris:

01: Heavyweight Champion Of The World
02: The Machine
03: Open Your Window
04: Paris At Night (Manu Chao-Cover) The Reverend: "Listen to this french guy, he is good!"
05: What The Milkman Saw
06: Armchair Detective
07: The State Of Things
08: He Said He Loved Me



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