Samstag, 15. September 2007

Olivia Ruiz, Fête de l'Humanité, 14.09.07


Konzert: Olivia Ruiz

Ort: Parc de la Courneuve bei Paris (Fète de L'humanité)
Datum: 14.09.2o07
Zuschauer: zigtausende


Wenn gute Musik geboten wird, kann man mich sogar dazu bringen, auf eine Veranstaltung der kommunistischen Partei Frankreichs zu tigern. Daran kann man ermessen, wie weit meine Liebe zur Musik reicht...

Die Fète de l'humanité (zu deutsch: die Feier der Menschlichkeit) wird von der PCF (Parti Communiste Français) und ihrem Sprachrohr L'Humanité seit ewigen Zeiten ausgetragen, die erste Feier dieser Art fand wohl schon 1930 statt und auch 2007 haben die Veranstalter es geschafft, ein ansprechendes Programm auf die Beine zu stellen. Am morgigen Samstag werden sich gar Razorlight und Iggy Pop & The Stooges die Ehre geben.

Heute stand aber erst in erster Linie weibliche Schönheit als musikalische Klasse auf dem Programm. Die bildhübsche Olivia Ruiz sollte nämlich um 22.30 h den ansonsten recht mäßig besetzten ersten Festivaltag beschließen. Lediglich die für 20.35 h angesetzten Australier des John Butler Trios waren für mich zuvor von Interesse, aber vom Auftritt der Jam- und Bluesband um den Sänger und Leadgitarristen John Butler bekam ich leider nur noch ein einziges Lied mit. Schade, ihr 2007er Album "Grand National" ist nämlich gar nicht übel. Es verbleibt die Möglichkeit die drei Aussies am Ende des Jahres im Pariser Olympia ausführlicher zu beäugen. "Schuld" an meinem verspäteten Erscheinen war die Tatsache, daß ich die Länge der Anreise nach Courneuve deutlich unterschätzt hatte. Zunächst einmal mußte man die Metrolinie sieben ganz bis zum Ende nehmen, um dann anschließend in einen Bus zu steigen, der einen auf das Gelände bringen sollte. Das Problem war bloß, daß man geschlagene 40 (!) Minuten auf das Büschen hätte warten müssen. Deshalb nahmen wir unsere Beine unter den Arm und marschierten durch trostlose Gegenden und an frustrierenden Fabrikgeländen vorbei Richtung Parc de la Courneuve. Wir brauchten mehr als eine halbe Stunde und meine Frau, die an Blasen litt, fluchte wie ein Rohrspatz. Weitere zwanzig Minuten benötigen wir dann um an den zahlreichen Freßständen (die von den regionalen Zellen der kommunistischen Partei geführt wurden) und Nippesläden vorbei zur großen Bühne zu gelangen.

Die Umbaupause bis zum Auftritt von Olivia Ruiz wurde überbrückt durch amüsante Leinwandwerbung der kommunistischen Partei, in der unter anderem über Schlagerstar Johnny Halliday (der hier auch schon mal aufgetreten war) hergezogen wurde, weil der "böse Bube" seine Steuern nicht mehr in Frankreich zahle. Johnny hatte gesagt, er sei es leid, die Hälfte seiner Zeit für den Staat zu arbeiten, was ihm von den zwei Gestalten, die man da auf der Leinwand sah, übel angekreidet wurde. Danach sah man diverse Cover der Zeitschrift l'Humanité, wo über die bösen Reichen gelästert wurde. Beliebtes Hassobjekt war natürlich auch Präsident Sarkozy. Lustigerweise wurde kurze Zeit später eine Werbung der Lagardère-Gruppe ausgestrahlt. Wer ein wenig informiert ist, weiß, daß Herr Lagardère einer der reichsten Unternehmer Frankreichs ist und daß Sarkozy zu seinen besten Freunden zählt. Daran sieht man: wenn Vermögende für Werbeclips bezahlen, sind sie auch bei Veranstaltungen der kommunistischen Partei willkommen...

Gegen halb elf trat dann ein Herr auf die Bühne, der anscheinend etwas verpennt war, denn er begrüßte das Publikum zur Féte de l'Humanité 2006 (!). Zum Glück hat er gerade noch so die Ansage für die nun auftretende junge Dame hinbekommen: Olivia Ruiz! Die hübsche Brünette hat in Frankreich mit ihrem zweiten Album "La Femme Chocolat" riesige Erfolge gefeiert und tourt seit geraumer Zeit mit diesem Opus im Gepäck durch das ganze Land. Dabei hatte es mit ihrer Karriere zunächst gar nicht so gut ausgesehen, denn sie nahm 2001 an der fragwürdigen Casting-Show "Star Accademy" (vergleichbar mit Popstars) teil und schied vorzeitig aus. Irgendwie hat sie es aber geschafft, sich von dem mit Casting-Sendungen verbundenen Talentfrei-Image zu lösen, vor allem weil sie mit dem Dionysos Frontmann Mathias Malzieu (der inzwischen auch ihr Freund ist) zusammenarbeitete.

Opener des heutigen Abends war ein schwungvolles spanisches Lied, "Quijote", welches einen Vorgeschmack auf das gab, was folgen sollte: eine Mischung aus Folklore, Flamenco, Rock, Pop und Chanson, bis auf wenige Ausnahmen fast immer auf französisch gesungen (es gab später noch ein weiteres spanisches Lied und auch zwei englische Titel). Sofort ins Auge stach die geschmackvolle Bühnendeko mit Designer-Stehlampen (umgestülpte Mülleimer eigentlich), die mehrköpfige Band, bereichert durch Akkordeon und Saxofon, aber vor allem natürlich Olivia mit ihrem hübschen orangefarbenen Kleid, welches mit funkelnden Pailletten besetzt war. Für's Auge war also allerhand geboten, musikalisch war das allerdings nicht 100%ig nach meinem Geschmack, denn manchmal war mir das Ganze doch zu nah am Mainstream. Was nicht heißen will, daß Fräulein Ruiz schlechte Musik macht, einige Stücke gefielen mir durchaus (vor allem "Je Traine Des Pieds") und der Video-Clip zu dem Song "Ce George", den die Sängerin zusammen mit Chanson-Legende Adamo aufgenommen hat, ist ein veritabler Hit. Von Adamo war allerdings nichts zu sehen, stattdessen kam Christian Olivier von der Band Têtes Raides auf die Bühne, um zusammen mit der Südfranzösin den Titel "Non-Dits" zu trällern. Zu einem späteren Zeitpunkt gab es noch ein weiteres Duo und zwar mit einem gewissen Robin zu dem Lied "My Heart Belongs To Daddy", ein Titel, der meines Wissens von Marilyn Monroe stammt, aber auch schon von Eartha Kitt und Ella Fitzgerald gesungen wurde. Im Mittelteil gab es den Chanson "J'aime pas l'amour", dessen Text allerdings nicht ganz wörtlich zu verstehen ist, denn - wie Olivia versicherte - natürlich mag sie die Liebe (aber warum macht sie die nicht mit mir? - Ähem, dummer Scherz...). Auch die Eltern der 27-jährigen bekamen ihr Fett weg und zwar in "Thérapie de Groupe". "Zum Glück ist die Tournee bald zu Ende, ist schon gemein, meine lieben Eltern mit meinen Liedern zu ärgern..."

Wenn ich das richtig verstanden habe, geht es auch in "Cabaret Blanc" um ihre Familie, genauer gesagt ihren Vater, aber das bekamen wir nicht mehr so richtig mit, denn wir mußten zusehen, unsere U-Bahn noch zu bekommen, wir waren nämlich sprichwörtlich am Arsch von Paris. Im Endeffekt hätten wir bis zum Schluß bleiben können, denn die letzte U-Bahn ging nicht - wie Sven Regener das sagt - später, sondern gar nicht mehr! Vorausgegangen war eine Fahrt mit einem Schuttle-Bus, in dem stinkbesoffene Franzosen (der Wein war billig) lautstark Klassiker schmetterten.


Und hier die Setlist von Olivia Ruiz:

01: Quijote
02: Goutez-Moi
03: Non - Dits (Duo mit Christian Olivier)
04: I Need A Child
05: J'Aime Pas l'Amour
06: My Heart Belongs To Daddy (Cover)
07: Qui Sommes Nous
08: Thérapie De Groupe
09: Je Traine Des Pieds
10: Cabaret Blanc

Das Konzert war an dieser Stelle noch nicht beendet, wir mußten allerdings gehen, der Rückweg war sehr weit...

Weitere Bilder der hübschen Dame hier



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