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Montag, 29. August 2016

Edward Sharpe and the Magnetic Zeros, Köln c/o Pop, Philharmonie, 28.08.2016

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Konzert: Edward Sharpe and the Magnetic Zeros
Ort: Köln c/o Pop , Philharmonie
Datum: 28.08.2016
Dauer: 140min
Zuschauer: ca.1.400

Edward Sharpe in der Philharmonie ? Das klang zunächst komisch, ist die Musik der bunten Truppe um Sänger Alex Ebert doch eher zum Tanzen und Feiern geeignet. 

Trotzdem ist es immer wieder schön, in einem klimatisierten und bestuhlten Konzertraum seinen Platz einzunehmen. Die Stimmung ist einfach anders als in einer abgerockten Industriehalle.

Edward Sharpe taucht in Europa immer etwas unter dem Radar der großen Aufmerksamkeit. In den USA ist dies durch beständige Tourneen und dem Kontakt zu befreundeten Bands (z.B. Mumford and Sons - hier sei die fantastische DVD Tourfilm/Doku: "Big Easy Express" empfohlen) ganz anders.

Trotzdem werden auch hierzulande die Hallen immer größer, auch nach vier Jahren Tourpause und den neuen, weniger guten Platten fanden sich am heißen Sonntagabend genug Fans in der Philharmonie ein.

Live ist die Band immer dann am besten, wenn ihr der Spagat zwischen euphorischer Spontanität und zumindest ansatzweiser Perfektion gelingt. Die Versionen der CD`s dienen für den Konzertabend nur als loses Gefüge, immer wieder treibt es die Band in andere Richtungen und Arrangements, das kann auch mal etwas langatmig daherkommen.

Schon beim zweiten Stück des Abends aber gelingt einer dieser magischen Momente. Bei "Man on Fire" steht bereits der ganze Saal, es wird ausgiebig getanzt und Sänger Axel Ebert läuft bis in die entlegensten Ecken des riesigen Kuppelbaus, um fast jeden Fan einzeln zu begrüssen.

Die Band spielt einen Mix aus Gypsy und Folk, diverse Schlag- und Blasinstrumente kommen zum Einsatz und die Version sprengt sofort jedes eventuell erdachte Konzept. Sharpe ist bester Laune und, wie er am Ende zugeben wird, viel besser bei Stimme als bei den vorangegangenen Festivals.

Coverversionen, sonst immer fester Bestandteil der Show, sind heute kaum Thema, lediglich die bewährte "Instant Karma" Version von Lennon findet wieder ihren Platz als Mitsinghymne. 



Dafür gibt es heute aber viel Spontanes und selten Gehörtes. Wie eine komplette Version von "Let`s get high", die Sharpe eigentlich auf Grund der fehlenden Damenstimmen nicht präsentieren will. Da er seinem Pianospieler (Geburtstagskind) aber den Wunsch nicht abschlagen kann, lässt er sich überreden. 

Vorab gab es neben Glückwünschen schon eine liebenswerte Version von "The Bare Necesseties" (Versuchs mal mit Gemütlichkeit) aus dem Dschungelbuch mit ausgedehntem Pianosolo. Und so dreht sich die Uhr immer weiter, Song auf Song folgt.

Hits wie "Up from Below" wechseln sich ab mit langweiligeren, fast musicalartigen Stücken wie "Lullaby" , aber immer wieder zieht das Tempo an und den Saal in seinen Bann. 

Bei "Life is hard" ist dann eine Dame aus dem Publikum besonders gut vorbereitet und bietet sich zum Gesangsduett an. Sharpe bleibt cool, und hofft das Beste. Er wird nicht enttäuscht, der Gesang ist perfekt, der Text sitzt auch und unter großem Applaus eilt sie wieder zu ihrem Platz.

Mittlerweile sind mehr als zwei Stunden vergangen, doch dann winkt der Tourmanager energisch und verweist auf die zwingend einzuhaltende Sperrstunde.


Schade, da bricht eine Band aus dem normalen Festivalmodus aus, um ein Konzert ohne Zeitlimit spielen zu können, und dann ist doch wieder plötzlich Schluss. Also gibt es keine echte Zugabe, die Band bleibt einfach auf der Bühne, spielt noch den gepfiffenen Überhit "Home" und verabschiedet sich kurz darauf, sichtlich gerührt von einem begeisterten Publikum.

Die grenzenlose Energie der früheren Gigs (Tour 2009) kann die Band nicht mehr entfalten, trotzdem bleibt ein toller Abend in einem würdigen Saal, den man nicht hätte missen wollen. 

Fotos: Lowlands Festival 2016 - Michael Graef

Edward Sharpe and the Magnetic Zeros, Köln, 07.07.12 





Sonntag, 8. Juli 2012

Edward Sharpe and the Magnetic Zeros, Köln, 07.07.12

7 Kommentare

Konzert: Edward Sharpe and the Magnetic Zeros
Ort: Kantine, Köln
Datum: 07.07.2012
Zuschauer: 1.000 (ausverkauft)
Dauer: Edward Sharpe and the Magnetic Zeros gut 90 min, Rocco DeLuca lange 35 min


Beim Les Ardentes Festival am Donnerstag in Lüttich habe ich etwas erlebt, was ich sonst so gut wie nicht kenne. Mich haben alle Konzerte nach Warpaint gelangweilt und vollkommen kalt gelassen. Ich kam mir schon wie die (bezahlten) Musikjournalisten vor, die ich immer mal wieder in intensive Gespräche an der Bar vertieft bei einem Gig gesehen habe (die aber dann selbstverständlich nicht über diesen Smalltalk sondern über das Konzert geschrieben haben). Glücklicherweise ist solche Langeweile bei mir schnell wieder weg, weil ereignislose Abende die absolute Ausnahme darstellen.

Wäre der Auftritt von Edward Sharpe and the Magnetic Zeros ein Flop gewesen, alleine die Umstände des Abends hätten das Konzert in mein Gedächtnis eingebrannt. Da war der strippende Typ direkt neben uns, dem es wohl zu warm war. Er zog nämlich plötzlich die Hose aus und guckte das Konzert in Unterhosen an. Dabei waren seine Minipli-Dauerwelle und die wilden Knutschereien mit seiner Freundin für unseren Geschmack schon verhaltensauffällig genug für die unmittelbare Publikumsnachbarschaft.

Musikalisch war es zu diesem Zeitpunkt noch genauso anstrengend. Der Kalifornier Rocco DeLuca bewies, daß 35 min sehr lange sein können. Mit seiner Resonator-Gitarre* und einer fernbedienten Bassdrum erzeugte er Bluesstücke, die meine Nerven arg strapazierten. Das war sehr unnötig, es sei denn, man steht auf Lieder über "angels" und "a heart of a devil", was ich nicht tue. Allerdings mochte ich den Text des Stücks Windows irgendwie ("there are windows in your house" ... "there are windows in your car").

Zu Edward Sharpe... hatte ich bisher kein besonderes Verhältnis. Den Auftritt der amerikanischen Truppe in Haldern 2010 hatte ich verpasst, von den beiden Platten kenne ich nur ein, zwei Stücke. Damit war ich ziemlich alleine.

Ich halte mich zwar nicht für einen besonders großen Musikfachmann (was übrigens keine Koketterie ist), bin aber in der Regel in der Lage, einzuschätzen, wie groß (zumindest grob) eine Band ist. Edward Sharp, da waren wir uns vorher sicher, ist eigentlich eine Gruppe, die in Köln in der Kneipenkategorie "Blue Shell" vor 50 bis 100 Zuschauern auftritt. Eine ausverkaufte Kantine mit textsicherem Publikum, das eine sagenhafte Stimmung schuf, überraschte mich extrem. Woher kennen die alle die Band? Und wo kommen die Leute überhaupt her? Das schien nicht das übliche Kölner Publikum aus Luxor, Gebäude 9 oder Stadtgarten zu sein. Da hüpft man nämlich nicht oft bei Liedern im Takt mit. Das zu beobachten, machte viel Spaß.

Auch auf der Bühne gab es vieles zu sehen. Edward Sharpe... Mastermind Alex Ebert wurde von zehn, machmal elf Musikern begleitet (zwei Schlagzeuge, Bass, Gitarren, Keyboards, Klavier, Trompete, Geige, Akkordeon). Es gehört wohl zum Konzept der Band, daß die Stücke von verschiedenen Musikern gesungen werden, in der Kantine war dies aber besonders nötig, da Alex kaum Stimme hatte. Der Mann mit Gurubart und langem Nachthemd über der Hose (so geht es auch) krächzte sich durch den Abend, während immer andere Musiker sangen. Mal durfte Kollegin Jade, dann der gitarrespielende Cowboy oder sein Gitarristenkollege singen. Wenn das den Zweck hatte, Alex' Stimme zu schonen, ging das Konzept nicht auf, weil der sich nicht stillstellen ließ. Er redete viel, was offenbar zum Prediger-Spiel gehört, die Stimmbänder litten dadurch sicher nicht weniger.

Ob es das war, was den Fluß des Konzertes störte, weiß ich nicht, dafür habe ich mich mit der Band bisher zu wenig beschäftigt. Die erste Stunde empfand ich als kurzweilig, danach wurde es immer mal wieder zäh. Besonders Wake my body war eine echte Prüfung! Neben If you wanna war es das schlechteste Stück des Abends (des Hauptprogramms natürlich). Irgendwann improvisierte die Band bei Wake my body nur noch rund um Klaviermelodien. Dieser Instrumentalpart ging in einen weiteren über, nur diesmal ohne Piano, bevor nach einer Viertelstunde das ursprüngliche Lied zuende gesungen wurde. Das war unnötig und nahm den Konzert ebenso den Schwung wie die vielen Brüche innerhalb der Stücke. Home war ein Beispiel dafür. Der Knüller mit dem wundervollen Pfeifen zu Beginn wurde zwischendurch mehrfach komplett ausgebremst.

Auch wenn es sicher kein sehr gutes Konzert war, war es kein Flop. Ich hätte auch ohne den hosenlosen Mann Spaß gehabt. Aber es war ein Abend mit angezogener Handbremse.

Auszüge aus der Setlist Edward Sharpe and the Magnetic Zeros, Kantine, Köln:

- Man on fire
- If you wanna
- Child
- Janglin
- Wake my body
- Home
- I will love you forever

* keine Fotos, weil die Musiker keine Kameras mit Objektiv wünschten (also nicht nur keine Kameras mit austauschbaren Objektiven, Linsen allgemein). Sagte man so am Einlass.


 

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