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Dienstag, 13. August 2013

Austra, Luxemburg, 07.08.13

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Konzert: Austra
Ort: exit 07, Luxemburg
Datum: 07.08.2013
Dauer: 65 min (plus 30 min Plankton Waves)
Zuschauer: vielleicht 200 (ausverkauft)



Warum genau ich mitten in der Woche nach Luxemburg fahren wollte, um Austra zu sehen, weiß ich nicht mehr. Der Reiz des Neuen war es nicht, ich hatte die Kanadier mindestens dreimal gesehen. Da mich das letzte Konzert noch dazu gar nicht mehr begeistert hatte, wäre ein Abend zu Hause nachvollziehbarer gewesen. Vielleicht wollte ich mich einfach mal überraschen.

Mein letztes Austra-Erlebnis war deren Support von The xx im November ebenfalls in Luxemburg. "... die Musik dagegen ließ mich deutlich kälter als bei unseren ersten Begegnungen. Da saßen einige der hohen Töne nicht richtig, und vielleicht ist der Witz beim dritten Mal einfach nicht mehr komisch genug, um den Auftritt mehr als ok zu bewerten," war mein Urteil damals. 



Naja, jedenfalls saßen wir - Oliver aus Paris auf Haldern-Besuch und ich - abends im Auto nach Luxemburg. Ich mit Karte, Oliver ohne aber mit der telefonischen Zusage, es gebe noch reichlich Tickets und Reservierungen seien nicht nötig, um neun sei Einlass. Als wir um 20.45 vor der Tür des exit 07 standen, befestigte ein Mitarbeiter gerade ein Schild "Sold out" neben dem Eingang. Der nette Türsteher verstand, daß das ein wenig doof für Oliver wäre, vor der Tür auf die 105 minütige Rückfahrt zu warten, wir durften beide rein.

In dem kleinen, schönen Club, der so hoch wie breit und tief ist (also ein Würfel), lief erst einmal Musik vom Band - und keine Klimaanlage. Es war laut und warm. Nach 40 Minuten erschien die Vorgruppe Plankton Waves, die am Anfang Englisch sprach und erst gegen Ende mit einem Lied auf Deutsch und einer Ansage in Landessprache verriet, daß sie aus Luxemburg stammt. "Klingt wie Fever Ray," urteilte Oliver von rechts, "die könnten auch beim Amphi Festival spielen," und "langweilig!" der Popclub-Saar von links. Das stimmte alles. Allerdings klangen Plankton Waves aber auch so, als könnten sie mit ihrer Musik Karriere machen. So etwas - also düsterer Pop - funktioniert sicherlich, nur nicht unbedingt bei mir. Die 30 Minuten waren ganz unterhaltsam, auch weil im Hintergrund Videos liefen, u.a. eines mit Kriegsszenen, in denen spektakulär getroffene Soldaten in der Normandie und Vietnam durch die Gegend flogen (naja, wahrscheinlich eher in der Stuntschule Hürth).


Es wurde weit nach halb elf, als Austra endlich auftraten. Eine Stunde Konzert, zwei Stunden Rückfahrt, puh, vielleicht doch keine so gute Idee. Noch dazu fehlten die beiden tanzenden Lightman-Schwestern, die ich bisher bei jedem Austra-Konzert gesehen hatte. Und die hatten mit ihrem Ausdruckstanz und ihren bekloppten Outfits beim letzten Konzert vor The xx über die musikalischen Schwächen hinweg gerettet. Diesmal waren Austra nur zu viert: Sängerin Katie Stelmanis, Schlagzeugerin Maya Postepski und zwei Keyboarder (Dorian Wolf und Ryan Wonsiak, denke ich).


Das Konzert begann mit drei Stücken vom neuen Album Olympia, bevor die ersten Hits des Debüts folgten. Auch wenn Olympia zweifellos sehr gut ist, ziehen die Lieder der ersten Platte deutlich besser. Und das liegt sicher nicht daran, daß ich Feal it break so viel häufiger gehört habe. The future, The choke oder The villain sind die größeren Hits, keine Frage!

Als bei The future noch die Klimaanlage anging, war die letzte Hürde für einen guten Abend beseitigt. Einen sehr guten sogar. Denn ganz im Gegensatz zum November-Konzert packte mich Austra wieder wie früher. Katies Stimme saß, die treibenden Rhythmen brachten den Saal in Fahrt. Der Auftritt machte großen Spaß! Auch in der zweiten Hälfte waren es vor allem die alten Titel, die besonders gut waren (und ankamen). Lose it wurde dabei in einer alternativen Version gespielt, die mir unbekannt vorkam. Und als es dann fast Mitternacht war, als das Programm nach zwei Zugaben beendet wurde, war das auch nicht mehr so schlimm. Der lange Abend und die weite Fahrt hatten sich voll und ganz gelohnt - meine kurze Austra-Krise (was nach einem Begriff der internationalen Diplomatie im 19. Jahrhundert klingt) ist beendet. Jetzt weiß ich auch wieder, was ich mir dabei gedacht hatte, mitten in der Woche nach Luxemburg zu fahren.

Setlist Austra, exit 07, Luxemburg:

01: What we done?
02: Painful like
03: Forgive me
04: The future
05: The choke
06: Home
07: The villain
08: Sleep
09: Reconcile
10: Annie (oh muse, you!) 
11: Lose it
12: Beat and the pulse

13: Spellwork (Z)
14: Hurt me now (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Austra, Esch-sur-Alzette, 23.11.12
- Austra, Köln, 24.05.12
- Austra, Saint Cloud, 28.08.11
- Austra, Köln, 25.06.11
- Austra, Paris, 01.04.11
- Austra, Paris, 20.01.11



Samstag, 24. November 2012

The xx, Esch-sur-Alzette, 23.11.12

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Konzert: The xx (& Austra)
Ort: Rockhal, Esch-sur -Alzette (Luxemburg), Sonic Visions
Datum: 23.11.2012
Dauer: The xx gut 70 min, Austra 38 min
Zuschauer: vielleicht 2.500 (nicht ausverkauft, bei xx aber recht gut gefüllt)



Bisher habe ich noch nie einen Konzertbericht vorgeschrieben. In einem meiner Lieblingsbücher ("Stories we could tell" vom ehemaligen NME-Journalisten Tony Parsons) kostet ein Phantasie-Konzertbericht einen der Helden des Romans seinen Job, also schreibe ich nur über Dinge, die ich erlebe, der Rest ist zu riskant. Trotzdem war ich auf dem Weg nach Esch sehr sicher, wie mein Artikel über den Auftritt von xx sein würde. Der Abend würde mich langweilen, der Zauber, vielleicht nur das Neue der Band von vor ein paar Jahren, wäre weg. Ich hätte, wie immer, wenn mir eine Gruppe nicht mehr gefällt, die groß geworden ist, zu erklären, daß meine flötengegangene Liebe nichts mit dem mittlerweile großen Erfolg der Band zu tun hätte. Daß Musiker, die plötzlich im Radio laufen, oft in meiner Gunst sinken, folgt nicht dieser fiesen Hipster-Regel, nur Künstler zu hören, die keiner kennt, sondern hängt einfach eng damit zusammen, daß Mainstream-Erfolg eben meist Folge einer musikalischen Umorientierung ist. Im Prinzip (und im Kopf) war der Kram also schon geschrieben, bevor ich in der Rockhal ankam, allerdings machten mir The xx einen Strich durch die Rechnung, sie waren nämlich verflucht gut!

Das, was ich auf der Hinfahrt quasi als Joker in der Tasche hatte, Austra aus Kanada, von denen ich sicher war, daß sie mich wieder bestens unterhalten würden, enttäuschten dagegen, vielleicht habe ich die jetzt wirklich zu oft gesehen.

Die Band aus Ontario ("we're Austra from Torronno." - "Torronno, Cänädäää!"), macht Elektro-Pop, der besonders vom Gesang ihrer Frontfrau Katie Selmanis lebt, die als Kind eine klassische Ausbildung bekommen hat und Mitglied des Canadian Children's Opera Chorus war. Ihre hohen "Oh-ohs" in Stücken wie Lose it, sind eines der herausragenden Merkmale von Austra. Bei den Live-Shows sind aber die beiden Background-Sängerinnen Romy und Sari Lightman, die den immer wieder operettenhaften Pop mit Ausdruckstanz und lustigen Outfits bereichern. Den Lightman-Zwillingen zuzusehen, war auch heute ein großer Spaß, die Musik dagegen ließ mich deutlich kälter als bei unseren ersten Begegnungen. Da saßen einige der hohen Töne nicht richtig, und vielleicht ist der Witz beim dritten mal einfach nicht mehr komisch genug, um den Auftritt mehr als ok zu bewerten.

Setlist Austra, Rockhal, Esch-sur-Alzette, Luxemburg:

01: The choke
02: The future
03: The villain
04: Darken her horse
05: Painful like (neu)
06: Beat and the pulse
07: Lose it
08: Spellwork


Die zweite xx Platte Coexist, die eigentlich hervorragend ist, habe ich so gut wie nie gehört, ihre Vorgängerin hingegen zig mal. Irgendwie fehlt mir immer wieder die Lust, das aktuelle Album aufzulegen, ich habe keine Ahnung warum. Dabei hatte ich mich nach dem herausragenden Festival Auftritt im Mai in Barcelona so sehr auf Platte zwei gefreut. The xx hatten da in einer warmen Mittelmeer-Nacht viele der neuen Titel gespielt, die mich extrem begeistert hatten. Wenn mich Coexist dann enttäuscht hätte, verstünde ich mein eingebrochenes Interesse, aber so? Ich bin mir ein Rätsel.


Nach Austra hatte sich alles ein wenig verzögert. Bis zum angesetzten Starttermin (in Luxemburg weiß man immer, wann was anfängt), blieben keine 20 min, das erschien mir für eine so vom Klang abhängige Hauptgruppe arg optimistisch. Es dauerte fast eine halbe Stunde länger bis das Licht im großen Saal der Rockhal ausging und die drei xx hinter einem transparenten Vorhang erschienen und Angels anstimmten. Daß das und das folgende Heart skipped a beat vom Debüt, nachdem der Vorhang gefallen war, überragend waren, machte mich noch nicht stutzig, das sind eben Über-Hits. Spätestens in der Mitte, als einige der neuen Stücke nach einander kamen, wurde mir klar, daß ich meinen Kopf-Bericht wieder löschen muß. Es blieb so aufregend, wie The xx bisher immer waren. Die Band ist groß geworden, ihr Bühnenverhalten ist routinierter als bei den kleinen Clubkonzerten von vor drei Jahren. Auf einer riesigen Bühne wie der in Esch stehen Gitarristin Romy Madley Croft und Bassist Oliver Sim weit auseinander. Dies passt aber besonders bei ihren asynchronen Duetten ganz ausgezeichnet. Kleine Bühnen werden die Londoner auch nicht mehr erleben.


Daß Romy und Oliver aneinander vorbei singen und dabei herrlich gelangweilt klingen, ist eines der prägenden Elemente der Band. Das andere ist die Art, wie Elektro-Chef Jamie Smith seine Instrumente bedient. Bei Reunion fiel mir zwar auf, daß Jamie offenbar mehr vorbereitete Sounds benutzt (nicht zu ernst nehmen, ich habe keinerlei Ahnung!), bei den folgenden Stücken spielte er aber wieder jeden Beat live. Es gibt so viele Elekro-Bands, bei denen ich mich frage, was die Typen hinter den Mac-Books machen, ob sie vielleicht doch nur bei Facebook surfen, bei Jamie xx sieht man, was er macht. Es ist eine herrlich analoge Herangehensweise für einen Elekro-Musiker, nicht nur an Drehreglern zu spielen, sondern den Grundrhythmus wie ein Schlagzeuger live einzuspielen. Wäre das nicht mehr da (so mein Eindruck eben bei Reunion), es wäre ein ganz großer Knüller weg!


In der Mitte des Konzerts, so zwischen Night time und Shelter, flossen die Lieder ineinander über. Diese Phase war atemberaubend gut! Aber Durchhänger gab es eh keine, wenn ich ein Haar in der Suppe suchen müsste, dann die dumpfen, schmerzhaften Bässe bei Fantasy und Missing. Hätten die wenigstens dafür gesorgt, die sich laut unterhaltenden Französinnen hinter mir zu vertreiben (die vermutlich wegen der nachfolgenden DJ-Band C2C da waren), aber die waren stumpf und blieben. Das versaute mir das Konzert aber nicht, ebenso wenig die gute Laune-Klatsch-Geselligkeit.

Wenn mich solches Unverhalten nicht stört, spricht das wirklich für ein Konzert.


Ein durch und durch grandioses Infinity beendete das normale Programm. Währenddessen wurde ein Vorhang hinter der Bühne hochgezogen, auf den vorher immer wieder Filme projeziert worden waren. Darunter erschien ein riesiges dreidimensionales beleuchtetes x. Dies beim letzten Lied erst zu zeugen, ist irgendwie sinnbildlich für die Musik, bei der auch vieles so beiläufig klingt. Wahrscheinlich deute ich da viel zu viel rein, das späte Zeigen des sicher irre teuren Deko-x war jedenfalls ein Effekt, der perfekt war!

Daß die erste Zugabe dann ausgerechnet Intro war, passt in dieses Bild! Das x nahm jetzt die bunten Farben des Coexist Covers an, unter ihm folgten noch Tides und Stars, und nach knackigen 70 Minuten war das Spektakel beendet. 


Alles an diesem Auftritt war stimmig! Wie froh bin ich doch, daß ich nicht auf das ausverkaufte Palladium angewiesen war, um The xx zu sehen. Die Rockhal erfordert zwar mehr Anreise, ist aber mehr und mehr einer meiner Lieblingsplätze, Bands zu sehen, wobei mir schon manchmal recht wäre, wenn das Programm des Kulturzentrums etwas weniger toll wäre.

Setlist, The xx, Rockhal, Esch-sur-Alzette, Luxemburg:

01: Angels
02: Heart skipped a beat
03: Fiction
04: Crystalized
05: Fantasy
06: Missing
07: Reunion
08: Sunset
09: Night time
10: Swept away
11: Shelter
12: VCR
13: Islands
14: Chained
15: Infinity

16: Intro (Z)
17: Tides (Z)
18: Stars (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The xx, Barcelona, 31.05.12
- The xx, Köln, 26.08.10
- The xx, Barcelona, 27.05.10
- The xx, Paris, 18.02.10
- The xx, Frankfurt, 03.11.09
- The xx, Köln, 15.10.09
- Austra, Köln, 24.05.12
- Austra, Paris, 28.08.11
- Austra, Köln, 25.06.11
- Austra, Paris, 01.04.11
- Austra, Paris, 20.01.11 


Freitag, 25. Mai 2012

Austra usw., Köln, 24.05.12

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Konzert: Austra, The Hundred In The Hands & Citizens!
Ort: E-Werk, Köln (Electronic Beats Festival)
Datum: 24.05.2012
Zuschauer: vielleicht 1.000
Dauer: Citizens! 30 min, The Hundred In The Hands knapp 30 min, Austra volle 40 min


Dienstag abend wurde gemeldet, daß die Headliner des Electronic Beats Festivals, die Kills, krankheitsbedingt absagen mussten. Statt des wenig elektronischen Duos bekamen die anderen Bands längere Auftrittszeiten und die Zuschauer zwei Getränkebons (5,40 € zzgl. Pfand) zugewiesen. Da ich vor allem wegen Austra ins E-Werk fahren wollte, traf mich die Absage nicht so sehr.

Als ich um Punkt neun im E-Werk ankam, traten Citizens! aus London gerade auf die Bühne. Die Band, deren Debüt morgen erscheint, wird von Alex Kapranos von Franz Ferdinand produziert und spielte keinerlei elektronische Beats. Gitarren, Bass und Schlagzeug, ganz klassisch. Es stand zwar auch ein enorm hip verkleidetes Keyboard auf der Bühne, es kam allerdings kaum zum Einsatz.


Den Einfluß von Alex Kapranos hörte man immer wieder. Leider ist die Stimme des Sängers nicht sonderlich doll, den Songs fehlt dadurch der nötige Pfiff. Richtige Knüller waren aber auch unabhängig von der Stimme nicht dabei. Citizens! halbe Stunde war nett anzuhören - aber nicht mehr.

Setlist Citizens!, Electronic Beats, E-Werk, Köln:

01: Caroline
02: Monster
03: Love you more
04: All the way
05: She said
06: Reptile
07: True romance
08: I'm in love with your sister

Als nächstes standen The Hundred In The Hands auf dem Programm. Das New Yorker Trio traf das Motto des Festivals besser, löste bei mir aber vor allem Assoziationen mit den (meist) wundervollen Saint Etienne aus. Ob das schon Vorfreude auf deren Konzert kommende Woche ist, oder daran wirklich etwas ist, weiß ich gerade nicht, ist aber auch egal, ist ja nur die nächtliche Kurzfassung. Jedenfalls gefielen mir The Hundred In The Hands gut, ich mochte sie aber auch schon vorher gerne.

Setlist The Hundred In The Hands, Electronic Beats, E-Werk, Köln:

01: Dressed in Dresden
02: Keep it low (neu)
03: Pigeons
04: Young aren't young
05: Commotion


Mein Headliner war Austra (Miike Snow interessiert mich nicht genug, um mir dafür die Nacht um die Ohren zu schlagen). Die kanadische Band um Sängerin Katie Stelmanis hatte ich vor etwa einem Jahr schon einmal gesehen und unzählige Male gehört, obwohl ich mir bewußt bin, daß Austra haarscharf an der Ekelgrenze vorbeischrappen. Diese Sorte Musik (andere Vertreter Florence & The Machine z.B.) kann sehr fies sein, aus irgendeinem Grund gilt das für Austra nicht.

Wer die Musik doof fand (viele kannten die Bands vorher nicht - das Publikum war zum Großteil mehr aus gesellschaftlichen Gründen da, denke ich), bekam wenigstens etwas fürs Auge geboten. Der Keyboarder der Band trug ein Glitzerjacket über nacktem Oberkörper und einer Mullbinde über dem Bauch und hatte nichts an den Füßen. Die beiden Tänzerinnen rechts und links von Katie waren herrlich extravagant gekleidet. Die rechte Dame hatte ein sehr hübsches Kleid mit Peacezeichen und Rotkäppchen-Cape-Kragen an, ihre linke Kollegin ein orientalisch anmutendes Outfit. Katie trug eine weiße Hose, ein bauchfreies Top und eine kleine Tasche um den Hals. Sehr stylish und sehr sehenswert! Für die Musik gilt das natürlich auch! Die Stücke stammten vom bisher einzigen Album der Band und funktionierten hervorragend! Highlights waren Darken her horse, The future und natürlich Lose it.

Leider überschritten auch Austra die Halbstundenmarke kaum. Wenn die drei Bands, die ich gesehen habe, länger als ursprünglich geplant, gespielt haben, bin ich sehr froh, daß die Kills nicht da waren. Für je 15 Minuten hätte sich die Anreise nicht gelohnt, weder die der Künstler noch meine.

Setlist Austra, Electronic Beats, E-Werk, Köln:

01: Young and gay
02: Lose it
03: The choke
04: The villain
05: Darken her horse
06: neu
07: Habitat
08: The future
09: Beat and the pulse

Später mehr (Text, Fotos)!


Danke an Philipp für die fehlenden Liednamen!



Samstag, 3. September 2011

Austra, Festival Rock en Seine, 28.08.11

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Konzert: Austra
Ort: Scène de L'Industrie, Domaine National de Saint Cloud, Festival Rock en Seine Datum: 28.08.11, 18 Uhr 35
Zuschauer: viele
Konzertdauer: 35 Minuten



Elektropop im Stile der 80er Jahre ist eigentlich gar nicht mein Fall. Eigentlich. Die Kanadierin Katie Stelmanis alias Austra überzeugt mich vom Gegentiel. Sie klingt verdammt nach den Eighties, elektropoppt wie eine Wilde und singt mit der Stimme einer Operndiva zu wummernden Beats. Und dennoch mag ich sie. Sehr sogar. Von Mal zu Mal mehr.

Beim diesjährigen Festival Rock en Seine sah ich die gothisch angehauchte Dame bereits zum dritten Mal live und war deshalb mit dem Songmaterial auch bereits gut vertraut. Die Debüt CD Feel It Break steht zwar immer noch nicht in meinem Regal, aber Stücke wie Lose It oder Beat And The Pulse sind so eingängig, daß sie auf Anhieb im Gehörgang hängen bleiben und da auch nicht mehr raus gehen. Natürlich spielte Austra diese Hits auch heute, begann aber erst einmal subtiler und besinnlicher. Zu The Beast erschien sie (mit neckischer Spitzenwäsche und blauen Strümpfen*) zunächst ganz alleine und klimperte eine Ballade auf dem Keyboard. Dann aber marschierten ihre Bandmitglieder ein, zu der neben einer Drummerin unter anderem auch zwei unglaubliche süße, brünette "Tanzmäuschen" gehören. Diese beiden Tänzerinnen sehen so verdammt toll aus und tanzen immer so herrlich bekifft und traumversunken, daß allein dieser Umstand das Ansehen eines Austra-Konzertes rechtfertigt. Aber wollen wir uns mal nicht zu sehr auf Äußerlichkeiten beschränken, denn mir gefällt die Musik von Katie wirklich ausnehmend gut.

Lose It allein ist sowas von ohrwurmig, euphorisierend und tanzbar, daß keiner im Publikum stillhalten konnte. Teilweise ging hierbei richtig die Post ab und viele bekamen ihr Dauergrinsen in der Folge nicht mehr aus der Fresse. Es war aber auch wirklich geil, das kann man gar nicht anders sagen! Klar klang hier vieles nach Fever Ray oder Zola Jesus (vor allem Beat And The Pulse), aber die Lieder hatten allesamt soviel Hiptpotential und Stelmanis soviel Bühnenpräsenz und Charisma, daß man über diese Ähnlichkeiten locker drüber hinwegsehen konnte. Wir wollten doch Spaß haben und uns amüsieren und nicht das Haar in der Suppe suchen, oder? Eben! Und Spaß hatten wir wirklich 'ne Menge, so daß fast allen Zuschauern die 35 Miunten Spielzeit viel zu kurz vorkamen.

Fazit: Mehr davon! Austra soll schleunigst wiederkommen!

Setlist Austra, Festival Rock en Seine 2011:

01: The Beast
02: Young And Gay
03: Hate Crime
04: Lose It
05: The Choke
06: Darken Her Horse
07: Beat And The Pulse
08: Spellwork





* jede Menge schicker Fotos von diesem Konzert auf meiner Flickr Seite, klick!

Aus unserem Archiv:

Austra, Köln, 25.06.2011
Austra, Paris, 01.04.2011
Austra, Paris, 20.01.2011

Austra auf Tournee! Konzertdaten:

09.09.2011: Flughafen Tempelhof, Berlin Festival
10.09.2011: Prag, Meet Factory
11.09.2011: Arena, Wien
12.09.2011: Kranhalle, München
13.09.2011: Das Bett, Frankfurt



Sonntag, 26. Juni 2011

Austra & MIT, Köln, 25.06.11

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Konzert: Austra & MIT (c/o pop)
Ort: Kammerkonzertsaal des Deutschlandfunks, Köln
Datum: 25.06.2011
Zuschauer: vielleicht 300
Dauer: jeweils 50 min


Ein weiterer besonderer Abend. Im Rahmen der c/o pop gaben MIT aus Köln und Austra aus Toronto Konzerte im Kammerkonzertsaal meines Lieblingsradios.

Zu nächtlicher Stunde erst einmal Kurzzusammenfassungen:

MIT spielten fast im Dunkeln, nur von wenigen Lampen hinter der Bühne angeleuchtet. In Besetzung Gesang, Synthie, Schlagzeug klang das Set oft nach Kraftwerk aus der Boing Boom Tschak Phase oder nach einer aufgepeppten Neue Deutsche Welle Band. Das war recht gut, aber sehr gleich auf Dauer.

Austra aus Kanada leben von der Stimme von Katie Stelmanis, die ihre musikalischen Wurzeln durchaus in der Klassik sieht (sie nennt z.B. Debussy und Bach als Einflüsse). Mich erinnerte die Musik der Band beim ersten Hören manchmal an Kate Bush, heute auch an eine uneklige Version von Evanescence. Der Auftritt war sehr gut, besonders das Zusammenspiel der Frontfrau mit ihren beiden rechts und links stehenden Mitsängerinnen beeindruckte.

Setlist Austra, Kammerkonzertsaal des Deutschlandfunks, c/o pop:
(noch ohne Gewähr, ich glaube, ich habe ein Lied vergessen)

01: Darken her horse
02: Shoot the water
03: Hate crime
04: Lose it
05: The choke
06: ?
07: Beat and the pulse
08: Spellwork

09: The future (Z)
10: Woodstock (Joni Mitchell Cover) (Z)



Sonntag, 3. April 2011

Austra u.a., Paris, 01.04.11

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Konzert: Austra (und viele andere), Festival les femmes s'en mêlent

Ort: La Machine du Moulin Rouge, Paris
Datum: 01.04.2011
Zuschauer: knapp 1000
Konzertdauer: Austra etwa 50 Minuten


Ich zusammen mit meiner Frau in einer Disco.

Das gab es zuletzt wohl in den 1990er Jahren, kurz nachdem wir uns an der Uni kennengelernt haben. Damals war ich so besoffen, daß ich ihr in dem doofen Schuppen auf Anhieb einen Heiratsantrag gemacht habe. Aber auch nüchtern kam ich zu keinem anderen Ergebnis, ich musste sie haben und so ziert mein Ehering immer noch meine Wurstfinger. Gut so.

Inzwischen ist mein Bauch rund und mein Gesicht feist geworden. Meine Süße sieht hingegen immer noch so gut wie früher aus. Grund genug, um sie mal auszuführen und meinen konzertsüchtigen Freuden zu zeigen. Die meisten kennen sie eh von den Sessions her, aber ein paar neue Bekannte fragten schon desöfteren ganz blöd: "Wo ist denn deine Frau gerade? Kommt sie denn nie mal mit?" Genau diesen Nervensägen wollte ich mal den Wind aus den Segeln nehmen.

Cool wie wir beide nun mal sind, kamen wir erst um 1 Uhr morgens in der Machine de la Moulin Rouge an, einer ehemals unter dem Namen La Locomotiv bekannten Disco, mitten im sündigen Pigalle-Viertel gelegen. Zuvor hatten schon etliche andere Bands, u. a. das tolle Konki Duet , gespielt, aber ich persönlich wollte mir nur Austra ansehen und dann wieder Leine ziehen. Heute abend wurde der letzte Abend des Festivals les femmes s'en mêlent gefeiert und der Hauptfokus lag auf elektronischem Pop, passend zur Location.

Der Laden war gut gefühlt, mehrere Hundertschaften junger, tanzwütiger Menschen bevölkerten die weiträumige Fläche vor der Bühne. Es schien, als seien viele von ihnen auch hauptsächlich für Astra gekommen. Allerdings war Kondition gefragt, denn die blonde Kanadierin begann ihre gothische Discoshow erst um 1 Uhr 40.

Lauter Jubel toste auf, als Austra mit zwei männlichen Mitmusikern und einer Schlagzeugerin einlief. Ich persönlich war allerdings enttäuscht, daß ihre zwei schnuckelsüßen brünetten Tänzerinnen vom letzten Mal nicht dabei waren. Aber egal!


Schon beim zweiten Song Lose It war die Stimmung im Saal ausgezeichnet. Die Fans reckten ausgestreckte Zeigefinger in die Höhe und tanzten als gäbe es kein Morgen. Der an Kate Bush erinnernde Singalong in dem Stück wurde ausgelassen mitgegröhlt. Kein Zweifel Lose It ist bewies sich als Hit, als Floorfiller. Auch ich amüsierte mich richtig gut, obwohl der wabernde, basslastige 80 er Discosound und die feste durchdringende Knödelstimme von Austra eigentlich so gar nicht meinem Beuteschema entsprechen. Aber man muss ja nicht immer reduzierten Folk oder Indierock hören, manchmal tut etwas Abwechslung Not.

Kurzum: ich verbrachte sehr unterhaltsame 50 Minuten, die gespickt waren mit fetzigen Popnummern, die die Meute so richtig schön aufwühlten. Austra hat sich als hervorragende Zugnummer des letzten Festivalabends herausgestellt und selbst meine Frau konnte der Sache etwas abgewinnen. Überraschender war allerdings, daß selbst Isabelle von Pollyanna angetan war. Ihr geschmackssicherer Folk/Indierock hat stilistisch ja so gar nichts mit einer Austra zu tun.

Fazit: Ich sollte öfter mit meiner Frau in die Disco gehen. Also 2017 können wir gerne mal wieder gemeinsam unsere Aufwartung machen.




Freitag, 21. Januar 2011

Austra, Paris, 20.01.11

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Konzert: Austra

Ort: Le Divan Du Monde, Paris
Datum: 20.01.11
Zuschauer: voll
Konzertdauer: etwa 45 Minuten


Austra heißt der neuste "heiße Scheiß" des renommierten Labels Domino (Arctic Monkeys, Franz Ferdinand, u.v.a.), der dem unschuldigen Publikum im Pariser Divan Du Monde am 20. Januar auf den Hals gehetzt wurde. Ganz berauscht von dem großen Medieninteresse für Anna Calvi, legt das Londoner Label nach und versucht uns eine neue Frau anzudrehen. Austra ist Kandierin und ihr Projekt wohl eine Band, aber eigentlich steckt dahinter in allererster Linie die klassisch ausgebildete Opernsängerin Katie Stelamanis, die nun nicht mehr unter ihrem Namen, sondern dem neuen Moniker operiert. Früher hatte sie mal ne Band namens Galaxy und zudem sang sie auch ein wenig bei Fucked Up (Christoph, deine Lieblingsgruppe!) mit.

Austra will nun 2011 die Welt erobern und von dem Kuchen, den Fever Ray angeschnitten hat, ein großes Stück abbekommen. 2010 hatte Zola Jesus versucht, die Fever Ray- Jünger für ihre gothisch angehauchte Tanzmusik zu begeistern, nun also Austra. Wer gelesen hat, wie schauderhaft ich das Konzert von Zola Jesus im Olympia 2010 fand, wird wohl stark vermuten, daß ich auch mit Katie Stelamanis neuem Projekt nicht viel anfangen konnte.

Aber erstaunlicherwiese fühlte ich mich im Divan Du Monde von Austra gut unterhalten! Die Blondine (echte? unechte?) erschien mit zwei äußerst niedlichen Backgroundsängerinnen und Tänzerinnen und hatte zudem einen Bassisten, einen Keyboarder und eine Drummerin dabei. Zu siebt schmetterten die jungen Leute ihren düsteren, stark 1980er Jahre angehauchten tribalischen Diskosound und ließen gut 40 Minuten lang keine Langweile aufkommen. Mit ihrer saumäßig festen, powervollen und durchdringenden Stimme nagelte Katie einen regelrecht an die Wand. So klingen Frauen also, die eine klassiche Stimmausbildung genossen haben! Eigentlich überhaupt nicht meine Tasse Tee, aber bei Austra störte mich das seltsamerweise nicht die Bohne, im Gegenteil. Ihr Gesang faszinierte mich, törnte mich an und brachte mich in Stimmung. Als sei ich nochmal 20, hüpfte ich im bollernden Takt mit und glotze mit Stielaugen auf die beiden brünetten Tänzerinnen. Süße Dinger! Und als die eine der beiden ihr Bolero- Jäckchen fallen ließ und mit kurzem Röckchen rumtanzte, wäre ich am liebsten zu ihr auf die Bühne geklettert.

Aber ich beherrschte mich und hörte den Liedern zu, die vom Debüt Beat and The Pulse stammten. Allesamt catchy und eingängig, potentielle Ohrwürmer. Herauragend der Titeltrack Beat and The Pulse. Donnernde, wuchtige Beats, fetzige Samples, gruselige Synthielinien und darüber der morbide Gesang von Katie. Ein Hit!

Die Zeit verging deshalb auch wie im Fluge und am Ende musste ich überrascht feststellen, daß mir die Show richtig gut gefallen hatte. Austra entspricht eigentlich nicht meinem Beuteschema, aber man kann ja nicht den gazen Tag depressive Folksängerinnen mit fragiler Stimme hören, oder? Eine gute Abwechslung.

Nach dem Auftritt von Austra verließ ich den Divan Du Monde, weil ich noch ins International zu Kim Novak wollte und sah deshalb auch nicht die eigentlichen Headliner des Abends, Robots in Disguise.



 

Konzerttagebuch © 2010

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