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Donnerstag, 31. Juli 2008

Björk, Battles u.a., Melt! Festival, 20.07.08

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Konzert: Björk, Battles u.a.
Ort: Ferropolis (Melt! Festival)
Datum: 20.07.2008


Neben vielen anderen Dingen findet man auch das berühmte Bauhaus in Dessau. Der Stil der Bauhausschule zeichnete sich durch Klarheit und Geradlinigkeit aus. Durch Einfachheit und Schlichtheit in Form und Funktion wollten die Bauhausmeister (so nannte man die Lehrer und Professoren) die Trennung von Kunst und Produktion aufheben. Kunst als Gebrauchsgegenstand. Ist ihnen gelungen, möchte ich sagen. Dann kamen die Nazis und mit dem Bauhaus war Schluß.


2008 sollte Björk in unmittelbarer Nähe Dessaus mit einem visuell beeindruckenden Melt! Festival 18. - 20.07.2008Liveset die Kunst in ihre “Ursprungsform” zurücksetzen. Aber dazu später. Vorher unterhielten uns Get well soon, NeonNeon, die Battles und Hot Chip mehr oder weniger gut.

Weniger gut taten dies NeonNeon und Hot Chip. Letztere find ich völlig überwertet und eine reine Modeerscheinung mit bereits angebrochenem Verfallsdatum. Erstere kannte ich bis dato noch nicht, und so freute ich mich vor Beginn des Sets auf ein Kennenlernen.

Bei den ersten Klängen des instrumentalen Intros dachte ich gleich: “Survivor (ja, die mit dem Rocky Theme), Foreigner, Harold Faltermeyer (ja, Axel F. Theme)”. Alles schreckliche Bands bzw. Produzenten aus längst vergangenen Tagen. Das Umhängekeyboard inbegriffen. Bei NeonNeon tauchte es auf. Will man sowas noch hören und sehen? Ich weiss es nicht…

In der Folgezeit wurde es nicht besser. Peter Gabriel und Marillion, alles scheint möglich, auch Bongo und Calypsorasseln. Als Special guest tauchte später noch DJ Superstar auf. Jetzt wurde es richtig belanglos. “You are amazing” gröllte er uns zu. “You are not”, möchte man antworten. Wir haben uns mittlerweile auf die Treppen im hinteren Bereich zurückgezogen. Der schweinchenrosa Farbklecks (DJ Superstar hatte ein neonrosa Oberteil an - zumindest leuchtete es aus der Entfernung so) auf der Bühne rannte noch ein wenig hin und her, dann war Schluss.Melt! Festival 18. - 20.07.2008

Fazit des Auftritts: die Portion gebratene Nudeln vom Asia-Mann war gar nicht mal so übel!

Get well soon hoben anschliessend das Niveau um ein Vielfaches und sind das erste Highlight des Tages. Gut zu sehen, dass die Umsetzung der komplexen Songs wunderbar funktioniert. Das erzeugt bei uns auch vor dieser grossen Festivalbühne eine Gänsehaut. Sehr beeindruckend. Das schafft nicht jeder Musiker. Grosses Kompliment! Get well soon sind eine unbedingte Liveempfehlung. Es waren intensive 35 Minuten, die den Sonntagsbesuch alleine gerechtfertigt hätten.

Im Anschluss Battles. Das Programmheftchen schreibt irgendwas von Rock 3.0. Dies und die Tatsache das sie aus New York kommen, lassen mich gespannt ihrem Auftritt entgegensehen. Ich werde schnell überrascht, die Rowdies bauen keinen einzigen Mikrofonständer auf. Mikrofone brauchen die Battles . Bis auf zwei, drei Songs ist ihr Set instrumental. Und sehr laut. Und sehr wuchtig.

Gitarre trifft Keyboard. Und das zweimal. Ergänzt werden Ian Williams und Tyonday Braxton durch Drummer John Stanier und Bassist Dave Konopka. Das die Band aus New York kommt, hört man ihr an. Experimentell und innovativ klingt ihr Auftritt. TV on the Radio plus Technobeats, Atari Teenage Riot mit weniger Punk ist mein erster Kategorisierungsvorschlag. Jetzt bin ich mir nicht mehr sicher ob ich das stehenlassen kann, zu einzigartig ist das, was die Battles präsentieren. Das Schlagzeug ist weit am Bühnenrand aufgebaut, die Keyboards direkt daneben. Die Band ist der Frontmann.Melt! Festival 18. - 20.07.2008

Bei Björk ist die Rollenverteilung wieder klassisch. Hier die Sängerin, dort die Band, bzw. die Begleitmusiker. Eine neunköpfige Bläserkapelle steht auf der Bühne. Dazu zwei Keyboarder. Und mittendrin die kleine Isländerin.

Die Show ist sensationell. Hätte man von Björk was anderes erwarten sollen? Grosse Fahnen und vier riesen-LCD Monitore gestalten das Bühnenbild. Das Licht ist abwechselnd blau, gelb und rot. Die Bühne wird dabei indirekt ausgeleuchtet, kaum Spots, wenig Helligkeit. Alles wirkt sehr sphärisch.

Für alle DigiKamFotoknipser machte das die Sache nicht einfach. Gut ausgelichtete Bilder werden wohl eher die Ausnahme bleiben. Und wenn ich das richtig gesehen habe, Pressefotografen wurden nicht vor die Bühne gelassen.Melt! Festival 18. - 20.07.2008

Die Lichtfarben spiegeln sich in den Fahnen und in Björks Kostümkleid wider. Die Blaskapelle (übrigens allesamt Frauen) sieht aus wie eine Mischung aus schweizer Garde und Wächter des Traumlandes. Es passt perfekt. Zeitweise erinnert alles an ein Musical oder eine fantastische Märchenshow.

Das Set ist zweigeteilt. Die erste halbe Stunde gehört schwerpunktmässig den Blasinstrumenten, Björk hat ihre Songs entsprechend umarrangiert. Es ist eine eher ruhige Phase, mehr zum zuhören als zum mitgehen. Das geht eher im zweiten Teil, der aus den tanzbareren, elektronischen Songs zusammengestellt ist. Björks Musikspektrum scheint unbegrenzt. “I’d like to intrrrrrrroducing the band,” sagte Björk vor kurz vor Ende mit diesem wunderbar rollendem rrrr. “Keyboarrrrrrds …..” da, schon wieder. Kann es einen smarteren Englischakzent geben? Nach einer guten Stunde ist der Hauptteil vorbei, es folgt ein kleiner Zugabenblock. “I live by the ocean…” erkenne ich sofort. Eigentlich habe ich in den letzten 12 Jahren wenig Björk gehört, aber “The Ancor song” blieb haften. Grandios! Das Konzert ist ein würdiger Abschluss eines Tages, an dem es keinen einzigen Regentropfen gab.

Am nächsten Morgen treffe ich Los Campensinos! im Frühstücksraum unseres Hotels. Ihren Auftritt hatte ich am Sonntag nicht ganz mitbekommen. Sie sehen müde aus. Sie essen ein wenig, schmieren sich Lunchpakete für unterwegs und nehmen eine Wasserflasche vom Büffettisch mit. Haben wohl Nachdurst…

von Frank von Pretty Paracetamol



Mittwoch, 17. Oktober 2007

Battles, Paris, 16.10.07

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Konzert: Battles

Ort: Le Trabendo, Paris
Datum: 16.10.2007
Zuschauer: nicht ausverkauft


"La Folie Tokio Hotel" (Tokio Hotel, der Wahnsinn) konnte ich entziffern, als ich auf dem Heimweg vom Konzert von Battles mit der Metro zurückfuhr und bei einer Passantin in ihrer Zeitung mitlas. Gleich auf mehreren Seiten wurde über das "Phänomen" aus Deutschland berichtet und die Mitdreißigerin schien den Text interessiert aufzusaugen...

Hatte ich da etwas verpasst? War ich auf dem falschen Konzert gewesen? - Wohl kaum, dem Auftritt der kajalgeschminkten Teeniestars im riesigen und ausverkauften Palais Omnisport de Paris Bercy weinte ich keine Träne nach, eher schon dem verpassten Gig der witzigen Kanadier Malajube, die in der Maroquinerie ihre Show abzogen.

Ich aber hatte mich nunmal für die New Yorker Battles (nicht mit den Engländern Battle zu verwechseln!) entschieden und bedauerte dies auch im Nachhinein nicht. Schließlich gibt es wenige ähnlich innovative Bands zur Zeit. Die neuen Ideen scheinen ohnehin dieses Jahr aus Amerika zu kommen, ich denke da an Formationen wie Grizzly Bear, !!! (chk chk chk), CocoRosie, Animal Collective und Rio en Medio. Aus England fällt mir jetzt spontan nur Electrelane ein, die für frischen Wind sorgen (zumindest innerhalb der bekannteren Gruppierungen) und deshalb war es wohl kein Zufall, daß der anwesende Chefredakteur der 100% auf englische Bands spezialisierten Seite namens "SoundOfViolence.net" etwas Abwechslung aus Amerika suchte.

Nicht, daß wir uns falsch verstehen, England hat die beste Mainstream-Szene zu bieten, in Deutschland könnte man froh sein, wenn eine klasse Band wie The Coral soviele CDs wie in England verkaufen würde, aber die kuriosen Dinge kommen im Moment nun mal aus Amerika.

Innovation und Kreativität ist aber manchmal auch gleichbedeutend mit Nervpotential und davon haben Battles zweifelsohne reichlich zu bieten. Auf den Gimmick mit dem abgewürgten Motorengeräusch, oder den Schlumpfgesang muß man schon stehen, wenn man Battles so richtig genießen will. Und überhaupt, was murmelt da Sänger (wenn man das so nennen kann) Tyondai Braxton überhaupt in sein stabförmiges Mikro? Welche Sprache ist das? Nun, das ist wohl auch unerheblich, hier geht es sowieso viel mehr um das Experimentieren mit Geräuschen, pluckernden Beats und schrägen Bass-und Gitarrenriffs. Ist schon immer wieder kurios anzusehen, wenn Ex- Don Caballero Ian Williams mit um den Rücken geschnallter Gitarre in die Tasten greift, Ex-Helmet Drummer John Stanier mit brachialer Gewalt seine Drumms und sein Becken bearbeitet und Bassist Dave Konopka mit schelmischen Grinsen seine Bassläufe spielt und dem Publikum desöfteren den Rücken zugekehrt, um an irgendwelchen Knöpfchen zu drehen. Ständig wird hier an Steckverbindungen rumgefummelt, irgendeine neue Taste gedrückt, etc.; die Bühne wird so zum Labor von Tüftlern und das Publikum ist Zeuge dieses obskuren Schauspiels. Meist sind die gepielten Beats tanzbar, so daß der Mangel an mitzusingenden Texten einigermaßen kompensiert wird. Einzelne Titel, die hervorstechen, sind jedoch weniger auszumachen, von den Singles "Atlas" und "Tonto" mal abgesehen. Vielmehr sind es oft einzelne Stellen innerhalb der Stücke, die für kurzzeitige Begeisterung sorgen. Manchmal fühlt man sich an Verfolgungsjagden aus Kriminalfilmen erinert, ein anderes Mal glaubt man, gerade würde eine Katze gewürgt, oder ein Mann würde ersticken. Auch Passagen, die an Free-Jazz erinnern haben ihren Platz in dem Set, manchmal gibt es auch Stellen, die entfernt etwas mit dem sog. Krautrock zu tun haben. Musikkritiker sprechen von Math-Rock, den Bandmitglied Ian Williams mit seiner ehemaligen Band Don Caballero mitbegründet hat.

Am spannendsten wird es eigentlich immer, wenn Drummer John Stanier urplötzlich aufsteht und auf sein Becken einprügelt, oder wenn die Jungs dicht aneinandergedrängt auf ihre jeweiligen Instrumente fokussiert sind. Da ich aber heute schon mein drittes Battles Konzert in diesem Jahr erlebe, hält sich der Überraschungseffekt in Grenzen, so kreativ diese Show auch ist. Diejenigen, die Battles heute zum ersten Mal beobachteten, sprechen möglicherweise vom verrücktesten Gig des Jahres.

Gesprochen wird übrigens kaum zwischen den einzelnen Stücken, aber was sollen die New Yorker auch schon großartig erzählen? Etwa, daß nun ein Lied über eine unglückliche Liebesbeziehung folgen werde, wie das bei Folk-Sängern oft der Fall ist? - Wohl kaum, den Inhalt muß man sich selbst ausmalen, da ist Phantasie gefragt. Auf mich machen die Stücke jedenfalls oft einen sehr düsteren Eindruck, da bilde ich mir gehetzte Menschen im Großstadtdschungel ein, die unter Panikattacken und Klaustrophobien leiden. Musik, wie sie von Battles gemacht wird, wirkt sehr urban, kalt, angsteinflößend, kaum vorstellbar, daß so etwas von Menschen geschaffen wird, die auf dem Lande leben...

Nach ziemlich exakt einer Stunde Spielzeit haben die vier jungen Männer vorerst fertig, verlassen winkend ihre Plätze und ziehen sich zurück. Eine Zugabe wird noch draufgesetzt, dann ist endgültig Schluß. Die konzentrierten Minen der Musiker erhellen sich, sie können entspannen, denn dies war wohl das Abschlußkonzert ihrer Tournee auf dem europäischen Festland, es folgen noch zwei Auftritte in England, dann geht es zurück in die USA. Ob Drummer John Stanier seine Kölner Freundin nicht vermissen wird? Schließlich gibt es sogar einen Titel über die Domstadt, er heißt Leyendecker und bezieht sich auf die gleichnamige Straße, in der seine Süße wohnt.




Donnerstag, 16. August 2007

Battles & Apparat feat. Raz Ohara, Köln, 15.08.07

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Konzert: Battles & Apparat feat. Raz Ohara (c/o pop)

Ort: Gloria, Köln
Datum: 15.08.2007
Zuschauer: recht voll

Mein zweiter Versuch, die sehr hippe US-Band Battles vom sehr hippen Label Warp zu sehen... Vor ein paar Monaten spielten die New Yorker schon einmal in Köln, damals konnte ich mich nicht aufraffen, mir das Konzert anzusehen. Im Rahmen der c/o pop bot sich nun eine zweite Chance, wobei ich nicht sicher bin, ob ich gestern ins Gloria gefahren wäre, wenn ich kein Festivalticket gehabt hätte.

Als ich nach neun vor dem Gloria ankam, war da noch eine stattliche Schlange, obwohl schon um acht der Einlaß begonnen haben sollte. Anstehen und im Nieselregen warten mußten aber nur die Leute mit Festivaltickets, die mit Tagestickets durften durch. Es gab nämlich keine Bändchen mehr! Ein glänzender Start... Drinnen war es dann ziemlich voll, vor allem rund um die Bars. Da auf der Bühne keine Band spielte und es schon halb zehn war, war ich sicher, Apparat feat. Raz Ohara verpaßt zu haben. Oliver sagte mir dann aber,
daß die Band bzw. das Projekt um Sascha Ring noch nicht begonnen habe.

Kurze Zeit später kamen dann drei Musiker auf die Bühne, ein Schlagzeuger und zwei Keyboarder (Ring und vermutlich Raz Ohara). Die Musik, die die drei erzeugten, war natürlich sehr elektronisch, mit vielen Dingen vom Band und Gesang von Sascha Ring und Raz Ohara. Das
war gar nicht schlecht. Bei einigen der Lieder spielten die beiden Keyboarder dann auch Gitarre, wobei es bei Ohara offenbar größere Probleme gab, denn seine Gitarre blieb erst einmal stumm. Unter anderem das erzeugte ziemlich lange Pausen zwischen den Liedern, die Ring damit begründete, sie seien neun Stunden angereist, sie wollten sich jetzt zwischen den Liedern erholen. Da das Konzert ohne Gitarren aber "nur halb soviel Spaß macht", bat er um Verständnis, für die technisch bedingten Pausen.

Die Band spielte wohl acht Lieder, ich habe allerdings keine Ahnung, was da nun Teil des Sets war. In der Mitte wurde es mir manchmal zu eintönig, am Anfang und am Ende hat es mir aber wirklich gefallen. Öfter erinnerte mich Apparat (schrecklicher Bandname) an Werle & Stankowski, die mich aber eine Ecke mehr überzeugt haben.

Das Gloria war wirklich gut gefüllt, vorne war es aber recht angenehm, weil etwas Platz war. Vermutlich ahnten die meisten, daß Battles ziemlichen Krach machen.
Erste Vorbereitung dafür war die Platzierung des Schlagzeugs in der Mitte der Bühne und vorne. Die besondere Stellung des Schlagzeugs wurde noch durch ein irre hoch aufgehängtes Becken verstärkt. Zwei Keyboards dazu, Gitarre, Bass und elektronischer Schnickschnack und für Battles war aufgebaut. Die Band begann dann eine halbe Stunde später als angekündigt, nämlich um 23 Uhr. Beim Soundcheck hatte man schon die erste Ahnung bekommen, wie laut es werden sollte, denn Schlagzeuger John Stanier prügelte unglaublich wild auf seine Trommeln ein.

Ale es dann endlich losging, folgten fast anderthalb Stunden sehr experimenteller Musik. Neben dem Ex-Helmet-Schlagzeuger Stanier standen Keyboarder und Gitarrist Ian Williams, Bassist und Gitarrist Dave Konopka und Keyboarder, Gitarrist und sowas wie Sänger Tyondai Braxton auf der Bühne. Die Melodien, die die vier Musiker produzieren, sind sehr eigen, extrem komplex, wechseln den Verlauf regelmäßig,
haben dann aber auch teilweise verblüffend einfache Melodie-Linien zwischen all den lauten Tönen der Gitarren und des Schlagzeugs versteckt. Uns kamen bei diesen Liedbestandteilen Assoziationen zu Kinderliedern (Lied der Schlümpfe zum Beispiel), mir sogar zu Volksliedern, manchmal Marschmelodien oder zu diesen Fanfaren-Liedchen der US-Kavallerie in Western. Diese River-Kwai-Themen werden aber eben umbaut mit vielen lauten Tönen. Dabei entsteht wirklich ein faszinierendes Konzerterlebnis. Ich bin ziemlich sicher, Battles nicht mehr auf Platte zu hören, dafür gibt es schlicht keine Situationen, in denen ich das hören wollen würde und dafür ist das einfach nicht meine Musik. Live und nah dran, war es allerdings ein echtes Erlebnis!

Im Mittelpunkt des Auftritts stand nicht nur optisch Schlagzeuger John. Er prügelte wahnsinnig präzise und hart auf seine Gerätschaften ein. Recht schnell waren sein Hemd und seine Hose vollkommen durchgeschwitzt. Das hohe Becken hing so hoch, daß Stanier das nur mit vollkommen gestreckten Arm spielen konnte. Ob das bequem ist, bezweifele ich, es machte aber viel her. Bassist Dave hielt den Bass höher als The Views Kyle seine Gitarre. Im Prinzip hätte er mit dem Kinn spielen können. Die beiden Keyboarder/Gitarristen fügten dann alle übrigen, teilweise sehr eigenen Geräusche bei. Tyondai, der als einziger auch in ein Mikro geräuschte, zeigte dem Soundman während des Auftritts zigmal, daß das Mikro viel zu laut eingestellt sei. Obwohl er seine Stimme nur für Effekte einsetzt, war sie ihm wohl doch noch zu dominant.

Vielleicht sollte ich nach dieser wirren Beschreibung noch einmal betonen, daß es toll
war. Den Eindruck hatte auch nicht nur ich, das Publikum schien Spaß zu haben. Es gab sogar zwei echte Groupies, die ich bei solch experimentellen Sachen nicht erwartet hatte. Zwei ziemlich angeschickerte Frauen liefen nämlich gegen Ende des Konzerts in die erste Reihe und versuchten, dem Bassisten irgendetwas mitzuteilen (vermutlich ihre Handynummern). Warum auch immer (vielleicht, weil sie das während eines Lieds versuchten), schienen sie aber keinen Erfolg zu haben und gingen wieder. Damit verpassten sie eine noch einmal spektakuläre Zugabe. Die Band kam um kurz nach zwölf wieder auf die Bühne, fing ein wenig an zu klimpern, während Stanier eine seiner Trommeln abbaute. Das erinnerte mich an Built to Spill, denn da demontierte der Schlagzeuger während der Zugabe schon seinen ganzen Kram. John Stanier legte das Ding (ein Tom Tom?) quer auf den Boden, setzte sich daneben und prügelte sitzend darauf ein. Ein durchgeknallter und damit würdiger Abschluß!



Montag, 28. Mai 2007

Battles, Paris, 26.05.07

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Konzert: Battles
Datum: 26.05.2007
Ort: La Maroquinerie, Paris
Zuschauer: ausverkauft


Boah, ey! Haut der aber fest auf sein armes Schlagzeug drauf, da platzt mir ja das Trommelfell! So etwas habe ich ja seit dem Konzert von den New Yorker Heavies von Helmet 2005 im Trabendo nicht mehr erlebt!

So in etwa waren meine Gedanken nach den ersten Stücken der amerikanischen Band Battles, die in der übervollen Maroquinerie auftraten. Peng!, peng!, peng!, es knallte und schepperte nur so in meinen Ohren, wenn der muskulöse Typ seine feuerrot funkelnden Drums massakrierte. Wie ich später erfahren sollte, heißt der Mann John Stanier und spielte damals bei ... Helmet! Die Drumsticks wirbelten nur so durch die Luft und das arme Musikinstrument hatte gar keine andere Wahl als harte und trockene Laute widerzugeben...

Nicht minder verblüffend war, wie das Ex-Don Caballero Mitglied Ian Williams gleichzeitig Gitarre spielte und sein Keyboard bediente und Tyondai Braxton merkwürdige, unverständliche Laute in sein Mikro brabbelte, während er ebenfalls mit Gitarre und Keyboard rumhantierte. Bassist David Konopka war noch die unspektakulärste Erscheinung, zumindest optisch, wenngleich er ein paar markante Bassläufe zu diesem bizarren Soundgemisch beisteuerte.

Was wurde hier eigentlich gespielt, war das (Kraut)-Rock, Elektro, Avantgarde, Free-Jazz, oder eine Mixtur aus all diesen Stilrichtungen? Gar nicht so leicht zu beantworten, bei der Lektüre des Wikipedia-Eintrags zu Battles fiel auch der Begriff Mathrock, von dem ich noch nie zuvor gehört hatte. Wo auch immer man das musikalisch verorten will, eins war unzweideutig: das hier heute abend war völlig verrückt, abgedreht, freakig und saulaut! Die Leute in den ersten Reihen liessen nicht nur die Köpfe fliegen, sondern wippten mit dem ganzen Oberkörper rhythmisch mit. Zum Crowdsurfing kam es allerdings nicht.

Mehrfach verließ ich meinen Standort, denn egal, wo ich hinkam, es schallte mir mit einer Höllenlautstärke entgegen. Hier lief wirklich ein Affentheater ab, viele Leute hatten weit geöffnete Münder und staunten über die bizarren Sounds, die hier so kreiert wurden. Das erinnerte manchmal an Musik, die man aus Verfolgungsjagden im Fernsehen kennt, moderne Western, oder die Loveparade. Bei "Tij" hatte man den Eindruck, der Motor eines Autos würde nicht anspringen, oder jemand würde ersticken, was daher rührte das Sänger Tyondai Braxton Stöhnlaute von sich gab. Allein sein langes, stabartiges Mikro sah äußerst abgefahren aus. Bei den "Gesangseinlagen" handelte es sich übrigens um Neuerungen, die die Band mit ihrem aktuellen und bisher einzigen Album eingeführt hat. Die drei vorher erschienen EPs waren hingegen noch rein instrumental. Wobei es weniger um einen erkennbaren Gesang mit Texten ging, sondern eher um das Erzeugen von weiteren Geräuschen.

Nach den einzelnen Stücken brauchte die Band aus New York, die bei dem glänzenden und innovativen Warp-Label (Maximo Park, Grizzly Bear, !!!) unter Vertrag steht, manchmal etwas Zeit um die Steckverbindungen zu überprüfen und sonstige Einstellungen vorzunehmen. Eine dieser Pausen war ausgedehnter, Tyondai sah sich gezwungen, ein paar Takte zu sagen, obwohl er nicht dazu tauge "Small-Talk" zu betreiben, wie er meinte... Davon abgesehen überließen die Musiker dann lieber den Instrumenten das Reden, auf Ansagen, oder Anekdoten wurde verzichtet. Einer der Höhepunkte des jecken Sets war die Singleauskoppelung "Atlas", bei der man den Eindruck hatte, die Teletubbies, oder die Schlümpfe würden um ein Lagerfeuer tanzen. Äußerst tribalisch konnte ich das nur nennen! Ein voller Abräumer, der auch mich auf die Tanzfläche trieb und mir Schweißperlen auf mein Gesicht zeichnete. Und ich war nicht der einzige, der schwitzte. Selten habe ich gesehen, daß ein Musiker, die Bühne verlässt, ohne, daß auch nur eine einzige trockene Stelle auf dem Hemd erkennbar war. Ich spreche von dem diabolischen Drummer John Stainer, der aussah, als hätte er mit Klamotten unter der Dusche gestanden!

Der totale Wahnsinn, der auch noch durch eine Zugabe verlängert wurde!

Battles in Deutschland, noch zwei Termine:

04.06.07: Dortmund, FZW
05.06.07: Leipzig, Cane Island

Setlist Battles Paris:

Bestand aus dem Album "Mirrored" + ein paar Liedern der EPs

von Oliver




 

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