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Donnerstag, 31. Mai 2012

1 Foto, ein Satz, eine Setlist, Sharon van Etten, Köln, 30.05.12

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Konzert: Sharon van Etten
Ort: Studio 672, Köln
Datum: 30.05.2012



So, aufgepasst, liebe Freunde!


Testweise möchten wir eine neue radikale Kurzform von Konzertberichten einführen. Die Rubrik lautet: "1 Foto, ein Satz, eine Setlist" und bietet die Möglichkeit, sich in sehr knapper und präziser Weise am Konzerttagebuch zu beteiligen. Jeder kann hier mitmachen und sich natürlich auch an einer Diskusssion über die Güte der jeweiligen Konzerte beteiligen.

Als Erster hat Gudio E. aus dem Saarland bei diesem Spielchen mitgemacht. Danke sehr!

1 Satz: " Sharon kam, sah und siegte"

1 Setlist:

01: All I Can
02: Warsaw
03: Save Yourself
04: Kevin's
05: Peace Signs
06: Give Out
07: Magic Chords
08: Ask
09: Solo
10: Leonard
11: Serpents
12: I'm Wrong
13: Joke

14: Life Of His Own
15: Love More

1 Foto: siehe oben



Samstag, 26. Mai 2012

Sharon van Etten, Paris, 24.05.12

7 Kommentare

Konzert: Sharon van Etten

Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 24.05.12
Zuschauer: etwa 250
Konzertdauer: ungefähr 80 Minuten



Am Ende zog die attraktive New Yorkerin Sharon van Etten dann doch ihre sexy schwarzen High Heels aus und kam zu den Zugaben mit bequemen ungeschnürten Boots zurück. "I tried to be cool, but I'm not", kommentierte sie die Szene schmunzelnd. In der Sache stimmte das natürlich nicht, denn sie ist natürlich saucool und vor allem war sie besonders heute abend in Paris höllisch sexy! In ihrem engen Bleistiftrock und mit den schwarzen Pumps sah sie wirklich umwerfend aus!

Aber lassen wir es mit diesen Anmerkungen zu den Äußerlichkeiten gut sein, denn ansonsten wirft man mir wieder vor, ich würde Musikerinnen nur auf ihr Aussehen reduzieren. Wäre im Fall von Sharon van Etten auch ein Skandal, denn ihr Konzert in der Pariser Maroquinerie war wirklich fabelhaft, Highheels oder enge Röcke hin oder her. Sie und ihre Band fanden die richtige Balance zwischen ruhigeren und rockigeren Phasen, zwischen Folk und Rock und zwischen reduzierter und etwas opulenterer Instrumentierung. Phasenweise wurde mit zwei E-Gitarren und einem Bass angegriffen (so bei Serpents, dem Knüller schlechthin), aber das war eher die Ausnahme, denn auch die Akustische kam immer wieder zum Einsatz.


Highlight war ohnehin die Stimme von van Etten, die sie so berührend und authentisch einsetzte, daß einem das Herz klopfte. Man fühlte in den Schwingungen jeden Schmerz, jede Enttäuschung, jeden Liebeskummer, den sie erlebt hat. Das war wahnsinnig intensiv und ungefiltert, obwohl Sharon während der ersten zwanzig Minuten mit dem Sound nicht zufrieden war und erklärte, sie könne sich selbst nicht hören. "Sorry for being a bitch by saying that" entschuldigte sie sich aber gleich dafür, dem Soundmenschen eine Rüge erteilt haben zu müssen. In der Tat war die Aussteuerung anfänglich nicht ganz optimal, ohne jedoch katastrophal gewesen zu sein. Im zweiten und dritten Drittel lief aber alles störungsfrei ab und der Auftritt wurde immer besser und emotionaler. Wie schon beim Gig im Point Ephémère hatte ich das Gefühl, van Etten habe Tränen in den Augen. Jedenfalls verrieten ihre hübschen Sehorgane, daß sie das Ganze nicht kalt ließ. Es lag ein schöner Schimmer auf ihren Augen, ein ganz besonderer Glanz, der die Verletzlichkeit ihres Wesens auf faszinierende Weise dokumentierte. Manchmal gab sie auch ein wenig von ihrem Innenleben preis, als sie zum Beispiel erzählte, daß sie kürzlich weinend bei ihrer Mutter angerufen habe, um sich dafür zu entschuldigen, daß sie so eine schwierige Tochter sei ("the worst daughter in the world" wie sie selbst dramatisch überspitzt sagte) und ihr so viele Probleme bereite. Aber ich glaube ihre Mutter wird ihr immer wieder verzeihen, denn wer kann schließlich einem solchen Mädel widerstehen?

Die Zuschauer in der Maroquinerie jedenfalls nicht. Die hingen fast 90 Minuten lang an ihren rot geschminkten Lippen, guckten entzückt wenn ihre Lieblingslieder gespielt wurden und gingen gut mit. Es herrschte eine angenehme, herzliche Stimmung und es war weder zu voll noch zu leer, so daß man die Show wirklich voll und ganz genießen konnte.

Viele starke Songs versüßten mir den Abend. Das treibende Peace Signs zum Beispiel, oder die wundervolle Ballade Kevin's, das herzerwärmende Give Out (toll die Gitarrenarbeit ihres lockenköpfigen Mitmusikers und der Backgroundgesang von Heather Woods Broderick) und in ganz besonderem Maße Leonard. Wie ihre Stimme beim Refrain "well, well I am bad, well, weeel, hell I am bad at loving" fast brach, das war schon ein sehr emotionaler Moment.

Kurze Zeit später räumte das rockigste Stück Serpents dann erwartungsgemäß ab und dies war wirklich der einzige Moment, wo man wirklich an The National (der Bass, das Schlagzeug!) erinnert wurde, mit denen (bzw. derem Gitarristen Aaron Dessner) Sharon auf ihrem letzten Album Tramp zusammengearbeitet hatte.

Gegen Ende des offiziellen Sets kam dann das nebulöse I'm Wrong, das zwar schön war, aber doch zu lange ausgedehnt wurde und ein wenig die Spannung zusammensacken ließ. Es glitt übergangslos in das ähnlich milde Joke Or A Lie. Ich persönlich hätte mir zwei knackigere Stücke zum (freilich vorläufigen) Schluß gewünscht. Der Wunsch nach Knackigkeit wurde aber mit dem fetzigen Don't Do It bei den Zugaben zur Genüge erfüllt. Toll, wie Heather Woods Broderick hierbei das Tambourin knallen ließ. Die Melodica Fans kamen ihrerseits bei Love More auf ihre Kosten, bei dem der Gitarrist in das (vermeintliche) Kinderinstrument bließ und eine feierliche Seemannsstimmung aufkommen ließ. "You chained me like a dog in our room" sang Sharon hierzu und hatte längst die High Heels gegen die Boots ausgetauscht. Selbst in diesen ausgelatschten Dingern sah die Amerikanerin blendend aus. Aber ich wollte mich ja nicht mehr zu Äußerlichkeiten äußern, erwähne aber an dieser Stelle noch kurz, daß die Künsterin auf eine Nachfrage aus dem Publikum hin, ausführlich ihre Tattoos auf den Armen erklärt hatte.

Merkt euch einfach: Sharon van Etten macht durfte Musik und gibt klasse Konzerte!

Setlist:

01: All I Can
02: Warsaw
03: Save Yourself
04: Kevin's
05: Peace Sign
06: Give Out
07: Magic Chords
08: Ask
09: I Wish I Knew- Van Etten Solo
10: Serpent's
11: I'm Wrong
12: Joke Or A Lie

13: For You
14: Don't Do It
15: Love More

Aus unserem Archiv:

Sharon van Etten, Paris, 02.03.12





Samstag, 3. März 2012

Sharon van Etten & Daltonians, Paris, 02.03.12

1 Kommentare

Konzert: Sharon van Etten & Daltonians
Ort: Le Point Ephémère, Paris
Datum: 02.03.12

Zuschauer: fast ausverkauft, also 300 in etwa



Das erste Konzert von Sharon van Etten in Paris geriet zum Triumphzug. So mancher Gast sprach hinterher gar von einem der besten Gigs der letzten 12 Monate.

Es war in der Tat ein glänzender Auftritt der Amerikanerin, wenngleich ich nicht bedingungslos 5 Sterne zücken würde. Aber vier waren es sicherlich, also eine stramme 8/10.

Aber lassen wir doch die schnöden Bewertungen, schließlich sind wir nicht in der Schule. Um nüchtern zu analysieren war das Konzert auch viel zu emotional (manchmal hatte die Künstlerin Tränen in den Augen), mit einer Sharon van Ettten die sich eineinhalb Stunden voll ins Zeug legte, mal tief, mal sirenenhaft hoch itonierte, mal rockige mal kontemplative Stimmungen erzeugte und einer insgesamten vierköpfigen Band vorstand, in der auch die talentierte Heather Woods Broderick (Efterklang) ihren Platz hatte. Das Quartett spielte durchgängig mit viel Leidenschaft auf und variierte gekonnt verschiedene Stile. Opener Warsaw klang schwer wie Stonerrock, Peace Signs war ein flotter Indierocker, Save Yourself bester Folkrock und Kevin's eine bluesig/soulige Ballade. Herrlich auch Magic Chords ("you got to loose sometime"), ein melancholischer Zungenschnalzer, bei der Sharon ihre stimmlichen Fähigkeiten voll ausspielte.






Wie ihr seht, ich könnte jeden einzelen Song herauspicken, denn es gab keinerlei Aussetzer, sondern saftige Indie/Folkrockperlen en masse. "You are the reason why I moved to the city" hauchte Sharon bei Give Out, der Drummer ließ sein Tambourin gegen seine Drums knallen und Heather Woods Broderick unterstützte wunderbar den Gesang von Sharon. In Line dann vielleicht etwas lahm, aber Leonard, bei dem Sharon stimmlich die höchsten Höhen erklomm, war herrlich süffig wie ein guter Roter und bereitete perfek auf das Highlight vor. Serpents nämlich, das fetzigste Stück des Sets, bei dem man zum ersten Mal ein wenig davon merkte, daß van Etten mit The National zusammengearbeitet hatte. Der Bass war sehr präsent, das Tempo hoch, das Schlagzeug rasant stakkatisch und der Refrain unwiderstehlich.

I'm Wrong drosselte dann das Tempo und klang fast nach den besinnlichen, nebelverhangenen Stücke der frühen Fleet Foxes (Phase: Sun Giant EP). Der Bassist/Gitarrist bearbeitete hierzu sein Instrument mit einem Geigenbogen, ein Gimmick, den wir ja schon von Sigur Ros her kennen.


Kurze Zeit später war vorläufig Schluß, aber natürlich gab es noch Zugaben. All I Can und Love More gehörten allerdings nicht zum spektakulärsten Material des heutigen Abends, selbst wenn beim allerletzten Song noch eine Melodica zum Einsatz kam. Zum Abschluß hätte eher ein schmissiger Titel gepasst, als diese Dream Pop Nummer. Am insgesamt sehr guten Eindruck konnte das freilich nichts mehr ändern.


Sharon van Etten und ihre Band hatten uns Zuschauer bezaubert und gerade die leicht burschikose und unprätentiöse Art der am Arm tätowierten Sharon kam beim Publikums sehr gut an. Man merkte: die hat Feuer, die lebt ihre Lieder. So lieben wir das. See you soon, Sharon!

Setlist Sharon van Etten, Point Ephémère, Paris:

01: Warsaw
02: Peace Sign
03: Save Yourself
04: Kevin's
05: Magic Cords
06: Don't Do It
07: Give Out
08: In Line
09: Leonard
10: Serpents
11: I'm Wrong
12: Joke

13: All I Can
14: Love More



 

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