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Donnerstag, 21. Mai 2015

Fotoalbum: We Have Band 20.05.2015

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We Have Band aus Manchester hatten gestern in Berlin ihren Tourauftakt. Dabei wurde viel getanzt und geschwitzt.

Weitere Tourtermine in Deutschland sind:

21.05. Dresden - Beatpol

22.05. Mainz - Open Ohr Festival
23.05. München - Theatron-Festival

Ein paar Impressionen des Abends haben wir fotografisch festgehalten:
(Weitere Informationen anklicken!)


Donnerstag, 18. September 2014

Samaris, Berlin, 17.9.2014

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Konzert: Samaris
Ort: Berlin Privatclub
Datum: 17.9.2014
Dauer: 70 Min.
Zuschauer: ca. 100



Ach - die Isländer. Allesamt musikalische Wunderkinder. Dazu gehören meiner Meinung nach auch die wunderbaren Samaris, die ich an diesem Abend zum zweiten Mal in Berlin genießen durfte. Nach dem sehr vollen Konzert in der Berghain/Kantine nun im Privatclub, der sich allmählich auch füllte, bis es kurz nach halb neun losging. 
Samaris - das sind Sängerin Jófríður Ákadóttir, Klarinettistin Áslaug Rún Magnúsdóttir und der Mann an den Elektro-Reglern Þórður Kári Steinþórsson.

Nun - irgendwas mit Elektro und Stimme ist ja keine Seltenheit mehr. Dillon, Zola Jesus, Sohn und soley fallen mir da spontan ein. Was Samaris so besonders macht ist die Klarinette, die ihrer Musik die besondere Note verleiht und welche ich - im Gegensatz zu Christoph - auch schon unabhängig von Samaris zu schätzen wusste.
Als Samaris die karge Bühne des Privatclubs betreten, sind sie lustig kostümiert - wie auf einer Faschingsparty im Studentenklub. Besonders die Sängerin sieht mit ihrer Beindekoration doch arg nach einem Satyr aus. Meinen persönlichen Geschmack hat es nicht getroffen und so schiebe das Ganze dann doch noch auf die Suche nach dem eigenen Stil.
Aber, lieber Privatclub, was gar nicht geht ist, dass ihr einen hässlichen Tisch für die Technik in die Mitte der Bühne stellt und obendrauf eine Europalette legt. Nicht mal ein schnödes schwarzes Tuch war es euch wert, um dieses zu kaschieren. Es wirkte dann doch arg improvisiert. Schämt euch!

Die Band wird das ganze Konzert über nur von hinten angestrahlt. Das würde bei einer größeren Bühne sicherlich toll aussehen, in der intimen Atmosphäre des Privatclubs hat es etwas von Versteckspiel. Musikalisch können Samaris auch an diesem Abend überzeugen. Stimmlich ist die Sängerin genau wie Klarinettistin sehr überzeugend. Die Elektrorhythmen sind eindringlich, interessant, aber auf Dauer doch sehr ähnlich.  Die neuen Lieder reihen sich nahtlos zu ihrem Debütalbum ein. So dass es durchaus Sinn macht, wenn die "alten" Lieder auch als solche angekündigt werden. Die Dominanz der Elektrorhythmen walzt zwischendurch immer mal wieder alles nieder. Auch ist mir die Abhängigkeit an die vorgegebenen Samples zu groß und kreative Spielfreude kann nur begrenzt aufkommen. Das wirkte im Berghain noch anders, kann aber auch täuschen.

Ja - all das ist jammern auf sehr hohem Niveau. Samaris sind etwas besonders Schönes und der Abend war mehr als gelungen. Gerade der Gesang in Landessprache hat für meine Ohren etwas angenehm einlullendes. Dennoch würde ich mir für künftige Konzerte einen weiteren Entwicklungsschritt wünschen. Ob es ein weiteres (klassisches) Instrument wäre oder eine zusätzliche Stimme, mag ich nicht beantworten. Das, was heute noch für mich besonders und schön ist, würde aber mit der Zeit verfliegen. Zu viele andere Musiker versuchen sich zur Zeit am Elektro-Kuchen.

Aus unserem Archiv:
Samaris, Köln, 16.9.14



Montag, 23. Juni 2014

Tiny Fingers, Berlin, 22.06.2014

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Konzert: Tiny Fingers
Ort: Berlin Privatclub
Datum: 22.06.2014
Zuschauer: 40-50




Die Fussball WM hat auch Berlin Kreuzberg im Würgegriff und so erstaunt es mich kaum, dass der Privatclub fast leer ist, als wir ihn betreten. Ein doch eher seltener Anblick, brilliert dieser Club doch durch seine oft exzellente Auswahl an Künstlern.
An diesem Abend gastieren die isralische Band Tiny Fingers. Psychodelischer Rock oder wie es die Band passend formuliert Atomic Rock from Outer Space and beyond. Als die Band mit einstündiger Verspätung auf die Bühne kommt, haben sich 40-50 Zuhörer eingefunden. Eine angenehme Mischung von Menschen, die sich schnell von der Musik einfangen lässt. Zufällig, so erscheint es, ist an diesem Abend niemand dort. Auch ist der Frauenanteil ungewöhnlich hoch, bei dieser Art von Musik.
Tiny Fingers bestehen aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard. Alle Musiker sind symmetrisch auf der Bühne verteilt. Gitarrist und Bassist stehen sich gegenüber und alle gemeinsam schaffen von der ersten Minute an eine harmonisch aufeinander abgestimmte Klangwelt, die keines Gesangs bedarf.

Der Bass ist wuchtig, die Gitarre jault spacig wie Sirenen auf LSD. Das Publikum wippt wie hypnotisiert zu dieser radikalen Sinfonie. Ein Geisterzug rast durch die Wüste. Wo andere Bands live ein halbes Set brauchen, um ihre Energie zu entfalten, sind Tiny Fingers von Anfang an  mit voller Präsenz da. Entfernt höre ich Elemente des Ghostbusters Theme. Und so schnell wie die Geisterstunde begann, so schnell war sie auch schon vorüber. 
Ein für mich denkwürdiger Abend, der mir eine großartige Live-Band bescherte. Ich hoffe, dass Tiny Fingers beim nächsten Mal mehr Publikum finden werden. Ohne WM. Ohne Sommerloch. Und wieder mit mir im Publikum.

Links:
http://tifimusic.com/
https://www.facebook.com/fingersmusic/






Samstag, 13. April 2013

Spectacular, Spectacular, 7.4.13, Berlin

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Konzert: Jonas David, Josh Beech, Rue Royale
Ort: Privatclub Berlin
Datum: 7.4.13
Zuschauer: ca. 150

von Julia von ZeitZuBleiben.net


Schon vor Monaten lese ich von einer neuen Veranstaltungsreihe namens Spectacular! Spectacular!. Soso. Der Veranstaltungstitel verspricht nicht gerade wenig. Ich bin gespannt. Nach und nach werden die teilnehmenden Acts der ersten Ausgabe bekannt gegeben. Unter ihnen Jonas David, dessen Musik ich seit gefühlten zehn Jahren, in Wirklichkeit seit erst drei Jahren verfolge. Ich habe ihn in Köln gemeinsam mit Florian Ostertag spielen hören damals. Ein ganz kleines Café. Aufnahmen habe ich mit meinem uralt-Handy gemacht. Eine lächerliche Qualität. Nicht anhörbar, sogar für mich nicht, der es normalerweise um den Kern der Musik geht und der die exakte Klangqualität nur halb so wichtig ist. Aufnahmen zum Mitnehmen gab es noch nicht. Mittlerweile gibt es seine Lieder auf silberne Scheiben gepresst und ich habe alle fleißig gesammelt. Ich mag Jonas David. Ich mag ihn so, dass klar ist, dass ich dabei sein werde - unabhängig davon, dass ich die anderen beiden Künstler noch nicht kenne und auch, falls er nur wenige Minuten spielen sollte. Von Rue Royale habe ich bereits gehört. Menschen mit gutem Musikgeschmack hören sie und das heißt oftmals Gutes. Wieder bin ich also gespannt.
Rund 150 Leute sind im gemütlichen Privatclub zusammengekommen. Das passt, der Raum ist gut gefüllt. Die Location passt, die Bühne passt, das Ambiente passt. Ursprünglich hätte das Konzert im Heimathafen Neukölln stattfinden sollen. Mir wird unwohl bei dem Gedanken, wie verloren die Zuschauer im doch recht großen Heimathafen gewirkt hätten. Ich atme auf beim Gedanken, dass wir im Privatclub sind. Stolz bin ich, dass ich mich und meine Begleitung ausnahmsweise einmal nicht irrsinnig früh zum Ort des Geschehens gelotst habe, denn es ist fast wie ein Zwang: Ich weiß, dass die meisten Clubs und Bars, in die ich gehe, nicht erfordern, bereits zum Einlass vor Ort zu sein, um ganz vorn stehen zu können - dennoch bekomme ich Platzangst, wenn ich daran denke, dass Menschen vor mir stehen, mir die Sicht versperren, reden, laut reden, nervtötend laut reden, während ich die Sekunden in mich aufsauge wie ein Schwamm, während ich jede Sekunde speichere und sorgfältig in die verschiedenen Schubladen des musikalischen Gedächtnis sortiere. Ich muss die Mimik der Künstler mitverfolgen. Und die Gesten. Jede kleinste Regung. Vor allem aber die Mimik. Das war schon immer so.
Um 20:45 betritt Josh Beech die Bühne. Der Spectacular-Flyer verrät mir, dass es sich hierbei um ein männliches Model handelt, dem Fashion Weeks irgendwann zu wenig wurden. In meinem Kopf baut sich für den Bruchteil einer Sekunde das Bild eines Laufstegs auf, der mit dürren Models bestückt ist, die Dinge tragen, die kein Mensch im echten Leben trägt. Für den weiteren Bruchteil einer Sekunde stelle ich mir Beech vor, wie er mit leerem Blick gelangweilt auf seinen Laufsteg-Moment wartet. Ich nicke kurz, als wolle ich Beechs Entscheidung, doch lieber Musiker zu werden, absegnen. Beech ist zum ersten Mal in Berlin, sagt er. Beechs Stimme fällt auf. Charakteristisch. Eindringlich. Kraftvoll. Häufig mag ich Stimmen, die ich genau so umschreiben kann; bei Josh Beech will der Funke jedoch nicht überspringen. Stellenweise gefällt mir, was ich höre, wenn der vor Kraft nur so strotzende Beat mitreißt und meine Füße wippen lässt. Wie Gudrun bereits in ihrem Bericht aus Frankfurt schrieb, istBeech ein Mann der Animation. Immerzu wird zum Klatschen und Mitmachen aufgerufen. Und dann wieder zum Klatschen. Und zum Mitmachen. Und noch einmal, alle zusammen. Wirklich alle, bittet er. Einige Menschen vor der Bühne tauschen Blicke aus, die wie eine Entschuldigung wirken: „Ich würd ja, klar, aber ich kann ja nich. Bier in der Hand, kennste ja...“. Beech fragt, wie viele der Zuhörer ihn bereits zuvor haben spielen sehen - ein, dann zwei, drei, vier Arme bewegen sich zögerlich in die Luft. Im Augenwinkel sehe ich ein Mädchen, das jedes Wort, das er singt, auswendig kann. Während ich sie fasziniert und lächelnd beobachte, weil ich es mag, wenn Menschen die Texte kennen, ruft Beech ganz plötzlich: „People are talking – that’s rude! There are people who want to listen!“ Mir gefällt der Einwurf. Endlich mal Entrüstung von Seiten der Musiker. Quatschen könnt ihr in Berlins Millionen von Kneipen, wo Musik bewusst nur die Nebenrolle spielt. Olé und richtig so. Ich mag auch den Musiker, der neben Beech auf der Bühne steht, weil man ihm so viele Emotionen und Klänge im Gesicht ansieht. Leider bemerke ich es ein wenig zu spät.
Der nächste ist er, Jonas David. Er sitzt auf einer Art Schreibtischstuhl, der ein wenig niedrig und eigentlich zu klein wirkt für ihn, und dreht sich einige Male um die eigene Achse. Unprätentiös und bodenständig. Ehrlich. Irgendetwas in mir fühlt sich an einen kleinen Jungen erinnert, der sich mit seiner Gitarre an seinen Schreibtischstuhl mit dem Fußballmotiv gesetzt hat, um ein wenig herumzuklimpern. Aber das Bild funktioniert nicht lange: Ich habe kaum Zeit zum Schmunzeln, als mich die Klänge, die David dem Instrument entlockt, in den Privatclub zurückreißen. Das, was ich höre, gehört nicht dem kleinen Jungen im Kinderzimmer. Ineinander verwoben sind die Klänge, die David zaubert. Zaubern ist ein großes Wort, das man in diesem Fall jedoch getrost verwenden darf. Klangteppiche. Davids Stücke bauen sich Stück für Stück auf, um schließlich in einem gefühlten Feuerwerk zu münden. Ich muss staunen, als ich die Beschreibung Davids auf dem Flyer lese: „Jonas David macht Gitarrenmusik [...], die gern ausufert und Grenzen überschreitet, aber dennoch nie verpasst, auf den Punkt zu kommen.“ Mein Herz tut einen kleinen Satz, weil ich gute Formulierungen so liebe. Richtig gute Formulierungen. So wie diese hier. Der Spannungsbogen, den David in seinen Stücken spannt und das letztendliche „auf den Punkt kommen“ ist tatsächlich einer der zentralen Punkte, weshalb ich seine Musik so schätze. „Wie geht’s euch?“ Pause. „Mir geht’s nich so gut. Bin voll auf Meditonsin – hartes Zeug!“, flüstert David und grinst dabei sein kleiner-Junge-Grinsen. Dann lauschen wir „Shield“; dem einzigen Song des Abends, den ich bereits kenne. David gewährt viele Einblicke in neues Material, probiert herum, nutzt Berlin quasi als Versuchskaninchen: „Wenn’s ganz schlimm ist, müsst ihr‘s sagen, seid bitte ehrlich...“. David erzählt von Konzerten in Italien und davon, dass Konzerte in italienischen Restaurants ziemlich anders funktionieren als das, was hier gerade passiert. Davon, wie schwer es ist, sich gegen 80 schmatzende Italiener durchzusetzen und vor allem davon, wie eine temperamentvolle ältere Dame eine provisorisch im Restaurant errichtete „Bühne“ stürmt, ihm die Gitarre entreißt und beherzt ins Mikrofon singt. Sie stimmt ihr eigenes Lied an und wir dürfen einige Momente lang diesen bizarren Moment miterleben. David hat ihn aufgenommen. Begeisterte Gesichter. Lächeln. Geglücktes Geschichtenerzählen. Geglückter Humor. David stellt neue Stücke vor, bei denen seine Stimme bemerkenswert verzerrt ertönt. Erneut grinsende Gesichter im Publikum. Kichern neben mir. „Muss man nicht mögen“, sagt David schließlich und ich bin etwas verwundert. Ich mag die Stimme, die man nicht mögen muss, die er da eben geschaffen hat. Dennoch hoffe ich insgeheim, sie möge künftig nicht Davids natürliche Stimme ersetzen. David fordert dazu auf, am Ende des Konzerts seine Meinung kundzutun und auf kleine Zettel zu schreiben, die in einen Briefkasten geworfen werden sollen. Ich werde schreiben, dass ich die „muss-man-nicht- mögen-Stimme“ mag, aber dass ich mir wünsche, dass sie sparsam eingesetzt werden möge. So werde ich es machen. „The ice we walk is very thin [...]. Hearts may change but mine won’t.” 
Davids Texte wirken nicht selten pathetisch, vielleicht auf den ein oder anderen gar übertrieben, kitschig, zu groß, zu dick, zu wie-auch-immer. Ich bin ein Freund großer Worte, sobald ich sie als ehrlich empfinde. David weiß, wie er es machen muss, dass Text und Instrumentierung ein stimmiges Ganzes ergeben. Es passt. David nimmt man es ab. David nehme ich es ab. Sein Mitstreiter und er haben ein selbstgebautes Instrument dabei. Ob es tatsächlich selbstgebaut ist, weiß niemand, aber das macht nichts. Es klingt gut, erzeugt interessante Facetten, die Davids Stücke bereichern. Auch hier wünsche ich mir, dass es in Zukunft Einsatz findet, aber nicht die David-typische Instrumentierung ersetzt.
Rue Royale. Die Gelobten, Empfohlenen. Mehrere mir bekannte Gesichter, die ich am Abend treffe, sind ihretwegen hier. Mir gefällt auf Anhieb, wie natürlich sie auftreten. Ihre Stimmen harmonieren hervorragend miteinander. Rue Royale wissen, was sie tun. Sie sind dabei ganz sie selbst, hoch konzentriert und professionell. Letzteres möchte ich wirklich betonen. So viel Konzentration. Brookln Dekker hat seine Stimme im Griff. Ständig unter Kontrolle. Ehefrau Ruth Dekker, die neben ihm auf der Bühne steht, ebenso. Hin und wieder schaut sie zaghaft zu ihm rüber. Mir gefallen die Arrangements. Mir gefallen die Stimmen. Dennoch: Der Knoten platzt nicht. Empfinde ich sie als ein wenig zu „glatt“, quasi „perfekt“? Ich weiß es nicht. Ich muss mich immer wieder über dieses „Phänomen“ wundern: Da gibt es eine ganze Reihe von Bands, deren Musik ich wirklich als ausgesprochen gut gemacht erachte. Wäre ich „zertifizierter Musikprüfer“ oder irgendso ein Quatsch, sie würden von mir den Stempel „qualitativ hochwertig und einwandfrei“ erhalten. Doch das fesselnde Element fehlt. Das letzte was-auch-immer-es-sein-mag, das mich staunen und innehalten lässt. 
Das, was sie für mich auf der Bühne glänzen lässt und mich bitten lässt, sie mögen nicht mehr aufhören. Der Zauber, sozusagen. Man kann es nicht greifen und beschreiben; nicht benennen, was fehlt. Rue Royale gehörten für mich am gestrigen Abend zu diesen Bands. Dabei komme ich immer wieder nicht drum herum, mich einen Moment lang über mich selbst zu ärgern. Zu wundern, warum man sich da jetzt nicht doch verlieben kann. Es ist schon so oft passiert. Es enttäuscht mich immer ein wenig, wenn es passiert. Doch dann denke ich, dass es doch vielleicht genau das ist, was Musik und unsere Liebe zu ihr ausmacht: Dass wir oft nicht genau greifen können, was und warum es uns berührt oder warum nicht. Ich nicke. Das ist ok so. In dem Augenblick wird Brookln Dekkers Stimme völlig unerwartet lauter. Richtig laut. Er schreit fast. Meine Augen werden groß und ich habe einen „wow, das war verdammt gut“-Moment. 
Als der Song „Guide to an escape“ vorbei ist, drehe ich mich zu meinem Nachbarn und sage, dass er das häufiger machen sollte. Schreien. Es steht ihm großartig. Es ist einer der ganz wenigen Momente während Rue Royale auf der Bühne stehen, in denen ihnen etwas zu „entgleisen“ scheint, etwas Unvorbereitetes, Ungeplantes passiert. Es steht ihnen wirklich gut. Und dann diese Zeile: „We got an awful lot of history in our skin.“ Ich hoffe, dass ich den Text richtig verstanden habe. Ein sagenhaft guter Text. Ich beschließe, dass man Rue Royale im Auge behalten sollte. Vielleicht gehören sie für mich zu den Bands, die man längere Zeit hören muss, um sie wirklich zu entdecken.

(Fotos von Christoph vom Kölner Konzert)

Aus unserem Archiv:
Spectacular Spectacular (Frankfurt)



Sonntag, 27. Mai 2012

Perfume Genius, Berlin, 22.05.12

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Konzert: Perfume Genius (+Cate Le Bon)
Ort: Privat Club Berlin

Datum: 22.05.2012

Zuschauer: ausverkauft

Konzertdauer: Perfume Genius 40 Minuten; Cate Le Bon 30 Minuten



Bericht und Fotos von Markus aus Berlin


Ende Mai und tropische Temperaturen in Berlin. Mädchen in kurzen Blümchenkleider turnen durch Kreuzberg. Der Eingang zum Privatclub führt durch das Weltrestaurant Markthalle, das aufgrund der subtropischen Temperaturen leer ist. Das Geschmause - ich sag nur Beelitzer Spargel - findet heute draußen statt. In den Katakomben des Privatclubs fühlt es sich zunächst recht angenehm kühl an, zum Glück, ließ mich doch der Kartenabreißer wissen, dass einmal drin auch für den Rest des Abends drin bedeutet. Das kühle Glück halt nicht lang an. Der Laden füllt sich rasch, die Temperatur steigt und Sängerin Cate Le Bon steigt ihrerseits mit hochhackigen Retro-Style-Sandalen auf die Bühne und setzt sich auf ein Holzstühlchen. Sie intoniert traurige Lieder, von denen es zu Beginn scheint, dass diese ein paar zu hohe Töne für die Sängerin beinhalten. Dann gibt sie der Technik irgendwelche Anweisungen zur Nachregulierung. Überhaupt gibt sie sich Mühe, ein paar Worte Deutsch zu sprechen - und will uns weismachen, sie sei zwölf Jahre alt. Insgesamt ein sympathischer Auftakt. Begleitet wird sie dabei nur durch ihre E-Gitarre, die sie den Auftritt über auch nicht wechselt. Wirklich redselig ist sie nicht und so verlässt sie nach sehr ordentlichem Applaus die Bühne und verschwindet ins Nirgendwo. Nur ein Lied erinnerte mich an die von Christoph so schön beschriebene Peking-Oper. Der Rest war sehr gut anzuhören und passte zu der Stimmung des Publikums. Ich kann sie mir sehr gut bei Wohnzimmer-Konzerten vorstellen.

Mittlerweile kommt keine Maus mehr durch den Laden, auch nicht in in Richtung Tresen zum Biernachschub. Und die Temperatur steigt weiter. So wird jede Minute, die der Mainact auf sich warten lässt, zur Qual. Meine Begleitung und ich haben es dabei noch gut, denn wir sitzen auf einem Vorsprung der Bühne am rechten Rand des Raumes und so hält sich unser Kreislauf noch recht stabil. Auf einmal bahnt sich unter Applaus der Menge ein graziler junger Mann mit weit ausgeschnittenem grauem Shirt seinen Weg auf die Bühne, gefolgt von einem Typen, der wie die jüngere Ausgabe von Charlie Sheen aussieht, sowie ein markanter Mann mit Vollbart. Das wird wohl auch das letzte Mal sein, dass wir ihn zu Gesicht bekommen, denn er versteckt sich hinter Aufbauten auf der Bühne und spielt dort Schlagzeug und Gitarre. Die Band sieht schon jetzt erledigt aus. So ist die erste Bemerkung auch von Mike Hadreas auch irgendwas mit "hot". Er wirkt etwas nervös und fahrig in seinen Bewegungen, was seinem Gesang aber nicht anzumerken ist. No Tears wird stimmig mit starkem Schlagzeug vorgetragen. Auch er bittet die Technik um Nachbesserung. Er spricht kein Deutsch, aber gibt sich charmant. Das Publikum ist begeistert. Er hält nicht damit hinterm Berg, dass er es nicht fassen kann, dass der Laden gerammelt voll ist. Denn das hatte er zwei Jahre zuvor am selben Ort schon anders erlebt. Das Publikum fächert sich mit allem was ihnen zur Verfügung steht, Postkarten, Eintrittkarten etc. Wind ins Gesicht. Bei der Hitze wirkt es aber wie ein Föhn. Weiter geht es mit Lookout, Lookout von seinem 2010 eher unbeachtetem Debüt. Das kann man rückblickend gar nicht verstehen, denn es klingt ebenso schön, wie all seine neuen Lieder. Es wird mit vollem Gefühlseinsatz vorgetragen und klingt live noch berührender als in der Studioversion. Dark Parts, ein Lied in welchem über die Gewalt in seiner Familie gesungen wird, wird sensibel dem Publikum präsentiert. Apropos Publikum: Das ist an diesem Abend äußerst reizend. Das recht leise Konzert wird weder durch Unterhaltungen noch durch zu lautes Klappern mit Flaschen und Gläsern gestört. Alle hören bedächtig, ich würde sogar sagen andächtig zu und lassen sich an die Hand nehmen. Der Normal Song untermalt diese Stimmung. Es ist schön anzusehen, wie Mike Hadreas mit Akustikgitarre sitzt. Er wirkt so zerbrechlich, dass man ihn am liebsten in den Arm nehmen möchte. Vor Rührung kommen mir sogar leichte Tränen in die Augen. Take Me Home hilft mir wieder halbwegs über den Berg.


Die Band ist großartig. Sie könnten ihn nicht besser begleiten. Nicht jedes Lied erkenne ich. Unter das Set haben sich wohl auch zwei bislang unveröffentlichte Stücke gemischt. Selbst in kurzen Pausen zwischen den Stücken bleiben die Anwesenden ruhig und alle wirken berauscht von den schönen Melodien und der so lieblichen Stimme. All Waters klingt himmlisch. Die getragene Atmosphäre des Liedes ergreift mich tief. Für Learning holt er Charlie Sheen zu sich ans Keyboard und anekdotet, dass "Charlie", als er ihn kennenlernte, ihm erzählte habe, dass er sich mehr für Metallica interessiere. Das Duett ist nicht nur toll anzusehen, sondern klingt phantastisch.Dann kommt endlich Hood. Bei der Hitze wundert es mich, dass sich nicht längst alle im Publikum entkleidet haben und so nackt dastehen, wie es im Video zu dem Lied so berührend gezeigt wird. Das Lied könnte noch zehn weitere Strophen haben und es würde mich immer noch nicht langweilen. Es gibt keinen Stilbruch, so reiht sich 17 auch schön ein. Eine tolle Ballade. Mit Sister Song endet erstmal sein Auftritt. Da es aber keinen Backstage-Ausgang neben der Bühne gibt, versteckt sich Mike Hadreas neckisch hinter dem roten Bühnenvorhang, hinter welcher sich nur eine Betonmauer verbirgt.


Die Zugabe ist mir unbekannt, ist aber ein gelungener Abschluss des Konzertes. Denn schon nach 40 Minuten ist alles vorbei und der triefendnasse Künstler verlässt unter großem Applaus den Club. Das Publikum schließt sich ihm rasendschnell an. So schnell habe ich noch nie erlebt, dass die Gäste einen Saal freiwillig räumen. Wir fühlen uns nach den zwei Stunden im Privat Club wie glückliche Fische in abgestandenem Wasser. Wir treffen Mike Hadreas draußen leicht abseits stehend wieder. Nachdem ich meine Lobpreisungen ihm gegenüber losgeworden bin, erfahre ich erleichtert, dass er schon im September wieder in Berlin auftreten wird. So intim wird es wohl nie wieder werden. Ein großartiger Künstler, ein phantastisches Publikum in einem der schönsten Veranstaltungsorte Berlins.







Samstag, 5. Mai 2012

Mina Tindle, Berlin, 03.05.12

2 Kommentare

Konzert: Mina Tindle

Ort: Privatclub, Berlin

Datum: 03.05.2012

Zuschauer: sicherlich weit über 100

Konzertdauer: 70 Minuten


Bericht und Fotos von Markus aus Berlin


An diesem Abend kam ich gehetzt und leider zu spät im Privatclub an. Irgendwie war ich heute blockiert, um mich frühzeitig zum Konzert aufzuraffen. Es gibt Musiker, deren Musik begeistert mich schon beim ersten Anhören. Mina Tindle gehörte leider nicht in diese Kategorie und so hatte ich Sorge, dass ich mich auf dem Konzert langweilen und ärgern würde. Meine Skepsis lag vielleicht auch am eher durchschnittlichen Giana Factory Konzert am Vorabend auf das ich mich sehr gefreut habe...dazu noch die Einschätzung, dass es wohl ein recht einsames Unterfangen werden würde, da ich Mina Tindle keine große Zugkraft in Berlin zutraute. Soviel vorweg: Der Abend sollte mich eines Besseren belehren.

Als ich dann abgehetzt die steilen Treppen des Privatclubs hinunterstürzte, hatte das Konzert gerade begonnen. Ich eilte noch schnell zum Tresen und orderte das einzige Getränk des Abends.
Zu weiteren Bestellungen kam ich nicht, da mich die Musik von Mina Tindle vom ersten Augenblick an fesselte. So stand ich mit einem unerwartet großem Publikum in dem kleinen und gemütlichen Privatclub. Eine meiner Lieblingsadressen in Berlin. Wie sich im Verlauf des Konzerts herausstellen sollte, hatte Mina hier ihren ersten Auftritt - fünf Jahre zuvor - als Background-Sängerin. Sie erinnerte sich daran, als sie wieder vor Ort war. Überhaupt - der ganze Abend war gespickt von äußerst charmant vorgetragenen Anekdoten. Das Berliner Publikum war lebendig und auch mal laut - was mich dieses Mal nicht störte - es passte sehr gut zu der äußerst gut aufgelegten Mina Tindle, die geradezu zum Dauergrinsen animierte, so schön war der Abend. Es wurde mitgeklatscht, mitgesungen, viel gelacht und alle Anwesenden waren in ihren Bann gezogen. Unterstützt wurde sie von zwei charismatischen, sympathischen und lässigen Mitmusikern. Die rundeten gekonnt und unaufgeregt mit ihrer Begleitung die Stimme von Mina Tindle ab. Mina Tindle beherrschte mit ihrer Band alle Spielarten gekonnt - ob es nun gefühlvoll, druckvoll, schnell oder auch mal laut sein sollte - es harmonierte alles miteinander. Die Lieder waren wie miteinander verwoben.


Überhaupt die gesamte Songauswahl war exzellent. Meine persönlichen Favoriten waren das in ihrer Muttersprache unheimlich stimmungsvoll vorgetragene Pan, The Good sowie der von ihr hervorragend interpretierte alte Ronettes Klassiker Be My Baby. Aber wie soll man an diesem Abend auch eine faire Auswahl von Höhepunkten auswählen. Die anderen Lieder waren nicht minder schön. Alles war betörend, bezaubern. Ihr schönes Kleid, ihr gewinnendes Lächeln, ihre schönen Beine.

Nachdem ich auf ihrem Konzert war, erschließt sich mir ihre Musik nun endlich so umfassend, wie ich es vorher nicht für möglich hielt. Ich höre seitdem ihre Lieder rauf und runter. Ich habe mich auf ihrem Konzert gefühlt, als hätte ich mich frisch verliebt - zumindest ein kleines bisschen. Ich hoffe sie wird bald wieder nach Berlin kommen. Ich glaube die anderen Gäste waren nicht minder begeistert und so wird sie wohl immer mehr Berliner begeistern, verzaubern und betören. An diesen Abend werde ich mich immer gerne zurück erinnern. Danke, Oliver Peel, für diesen hervorragenden Tipp.

Setlist Mina Tindle, Privatclub, Berlin

Time Writer
Bells
The Kingdom
Pan
Too Loud
Henry
Sister
To Carry Many Small Things
Echo
Lovely Day

Zugabe:

Plein Nord / The Good
Be My Baby
Austin

Aus unserem Archiv:

Mina Tindle, Paris, 21.03.12
Mina Tindle,Paris, 12.03.12
Mina Tindle, Paris, 25.09.11
Mina Tindle, Paris, 22.04.11
Mina Tindle, Paris, 30.06.10
Mina Tindle, Paris, 11.02.10
Mina Tindle, Paris, 19.10.09
Mina Tindle, Paris, 07.09.09
Mina Tindle, Paris, 12.05.09
Mina Tindle, Paris, 14.04.09
Mina Tindle, Paris, 13.01.09
Mina Tindle, Paris, 15.10.08

Unbedingt die Videos angucken, das erste ist ein toller Livemitschnitt aus der Pariser Maroquinerie







 

Konzerttagebuch © 2010

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