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Dienstag, 6. September 2016

Sound of Bronkow Tag 2, Dresden, 03.09.16

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Sound of Bronkow Musik Festival  Tag 2
für mich mit Konzerten von
  St. Paul's within the Walls (35 min)
  Bergen (50 min)
  Gemma Ray (50 min)
  Rue Royale (60 min)
 Ort: Societaetstheater in Dresden
Datum: 3. September 2016
Zuschauer: zwischen 100 und 200


Am zweiten und dritten Tag des Sound of Bronkows finden ja traditionell die für alle offenen Konzerte im Garten des Societaetstheaters statt. Am Samstag war auch für bestes Wetter gesorgt. Es schien die Sonne als Colin Murphy und Sabine Zeissig (ehemals Vermont) mit dem neuen Projekt St Paul's within the Walls die Bühne einnahmen und bis zum letzten Akkord im Garten am Samstag Abend blieb es warm genug und wohlig. Alles passte also bestens.


Die Leute von den Kumpels & Friends hatten mich sehr neugierig gemacht auf ihren Opener am Samstag und es zeigte sich, dass der Verweis auf Belle and Sebastian berechtigt war, wenngleich nicht so viele Leute auf der Bühne versammelt waren ... Leider war es aber für mich nicht die reine Freude, denn die beiden Musiker wirkten doch sehr nervös und standen sich mitunter mit der zu lauten E-Gitarre selbst im Weg. Das wirkte alles in allem weder rund noch fertig genug um mein Herz zu erfreuen. Aber wahrscheinlich haben Christoph die Ohren geklingelt, als wir darüber geredet haben, dass das was für ihn gewesen wäre...


Setlist:
01: Click Click
02: Another Story
03: Fallout shelter
04: A gentle urge
05: Monkey
06: The man
07: The end of the affair
08: Mr. Alien green
09: The doubters


Weiter ging es mit Bergen und da war die Bühne voll. Ich habe es aufgegeben, die Namen alle zusammen zu suchen. Aber Mario Cetti mit einer akustischen Gitarre, Axel Spickenheuer am Bass, Stefan Reinert hinter den Drums noch ein weiterer Herr an der E-Gitarre, Diana Weilandt am Keyboard und ein Herr an einem unfotographierbar weiß gleißenden Piano brachten es in Summe auf sechs Leute. Das war ganz großes Kino wenngleich ohne Bläser und ohne Chor...
 


Geboten wurden vor allem die Song der aktuellen etwas kurzen Scheibe Zeiten für Kerle, als da wären Klötze, Zeiten für Kerle, Die laufenden Toten, Frau vom Fischer und Rennen. Leider habe ich nicht ordentlich genug mitgeschrieben, um die genaue Reihenfolge zu rekapitulieren. Die besondere Note des Konzertes waren jedoch die Geschichten und Geschichtchen rings um die Lieder, die mir ja inzwischen eigentlich vertraut sind, die aber so noch einmal in ein anderes Licht rückten. Ich weiß auch nicht, wie sie das machen, dass Alltag und Enttäuschungen, die ja nun mal nix glamouröses an sich haben, zu so etwas schönem und poetischen verdichtet werden ohne offensichtliche Kunstgriffe. Und - nun gut - dann mag ich eben deutschen Schlager (aber fast nur in der Ausprägung á la Bergen).

  

Im Saal ging es schließlich für mich weiter mit Gemma Ray, die ihren Schlagzeuger Andy Zammit  und Fredrik Kinbom am Bass (und Lap Guitar) mitgebracht hatte. Nach dem Konzert habe ich mir Christophs Bericht vom Bonner Konzert 2015 noch einmal angesehen und muss ihm in mehreren Aspekten rückhaltlos zustimmen: Frau Rays Live-Präsenz ist grandios und in ihrer selbstbewussten Ausstrahlung durchaus mit Anna Calvi vergleichbar. Ihr Mann für die Beats ist hervorragend und stiehlt ihr manchmal fast die Show (ganz aus Versehen, denn rein äußerlich oder in seiner Präsenz ist nichts was nach vorne drängt) und ich habe auch gestaunt, wie selbstverständlich er mit einer Hand das Piano spielt und mit der anderen die Drums wenn nötig.



In der knappen Stunde im Saal bot Gemma Ray vor allem Titel des aktuellen Albums The exodus suite. Gemma und ihre Gitarre waren absolute Hingucker und strahlten jeden Moment Intensität aus. In der E-Gitarre steckte ein Messer - ein ziemlicher Dolch. Wir hatten uns von hinten schon gefragt, ob wir unseren Augen trauen könnten, aber tatsächlich lag nach dem Konzert die Gitarre mit dem Messer auf der Bühne und daneben noch ein weiteres Messer mit dem sie in einem Stück die Saiten zum klingen gebracht hatte.
 


Mit dem ersten Stück We do war ging sofort ein wohliger Grusel-Impuls durch mein Herz. Vor meinem inneren Auge entfaltetet sich eine Tarantino - mäßig überzeichnete Wüste voller Weite und Verzweiflung. Wie eine unsere Sinne umgarnende Sirene streckte die warme und doch sehr intensive Stimme eine Hand nach meinem Herzen aus.  Das war der Intensität einer PJ Harvey verwandt, wenn auch eine Spur expressiver - vor allem in der Art, wie sie die E-Gitarre spielte. Es gab auch Drums-getriebenen und fast rockige Stücke - wie z.B. Motorbike oder Titel wie There must be more than this  wo auch die Besen auf den Drums die Dynamik übernahmen, während die Gitarre fast langweilig  gleiche Akkorde zu spielen hatte. Der dritte Mann gab häufig noch eine sehr eigene Farbe in die Mischung durch eigentümlich verzerrte Klänge die ich nicht immer gleich zuordnen konnte. Alles in allem also ein eindrückliches und wunderbares Konzert.


Setlist:
01: We do war
02: There must be more than this
03: The machine
04: Motorbike
05: If you want
06: Swamp Snake
07: Ifs & Buts
08: The original one
09: We are all wandering
10: Caldera, Caldera


Nachdem ich die Band in der Kleinen Bühne übergangen hatte, stand mein erhofftes Highlight des Samstags auf dem Programm: Der Auftritt von Rue Royale im Saal. Die beiden und ihre Musik sind mir über die Jahre doch sehr ans Herz gewachsen (über sie schrieb ich einst meinen ersten Bericht für das Konzerttagebuch). Und so sehr ihnen eine Zeit für Familie und Kind von Herzen gegönnt war, so sehr fieberte ich doch dem Moment entgegen, sie wieder live auf der Bühne zu sehen und etwas neues Material zu hören.


Sie selbst verwiesen im Laufe des Konzerts auf die Pause mit großen Anführungszeichen und drückten damit fast ohne Worte aus, dass auch für sie die nun ersten Schritte zurück auf die Bühne besonders bedeutungsvoll sind. Für ein sehr herbeigewünschtes Konzert besteht ja doch immer die Gefahr, dass auch schon ein gutes Niveau eher enttäuschend ist, weil man so große Erwartungen hat. Aber an diesem Abend hatte ich das Gefühl, eine ganz besondere Stunde mit allem im Saal zu teilen. Seien es welche die Rue Royale zum ersten Mal erlebten oder solche die wie ich mit großen Erwartungen gekommen waren.



Längere Zet gab es keine Ansagen, aber die vertrauten Zutaten der beiden so inniglich verschränkten Stimmen mit Gitarre und sehr pointitiert eingesetzten Drums und diesmal eher wenige Piano. Neu waren einige eingesetzte Soundschnipsel und auch die eigentlich altvertrauten Lieder hatten damit eine neue und eigene Dynamik und waren wie ganz neu zusammengesetzt. Ich hatte das Gefühl, die beiden wollten die knapp bemessene Zeit im Festivalprogramm nicht mit reden vertun. Aber nach einigen Stücken brach der der Bann und das Gefrotzel war wie eh und je das Salz in der Suppe der Konzerte. Mehr als einmal hatte ich Gänsehaut wegen vertrauter Lieder oder neuer Wendungen und Verkleidungen. Schließlich war das letzte Stück U.F.O. mein große Finale der Gefühle. Sie sind wieder da und so gut wie nie zuvor! Ich freue mich schon so auf ihre neue Platte!

Setlist:
01: Dark Cloud Canopies
02: Crater
03: Set out to discover
04: Tiny Parcels
05: Adhesive ? (neu)
06: Get me standing
07: Parachutes and Lifeboats
08: Guide to an escape
09: Shouldn't have closed my eyes
10: Every lot ? (neu)
11: U.F.O.

Alle Fotos


Tourdaten Gemma Ray
17.09.  Wredenhagen Scheune
18.09.  Hamburg Hafenklang
19.09.  Bremen Club Moments Radio Bremen Live
20.09.  Halle     Objekt 5
21.09.  Erfurt Museumskeller
22.09.  Schorndorf Manufaktur
23.09.  München Milla
24.09.  Rosenheim Asta
25.09.  Baden Royal
26.09.  Freiburg Jazzhaus
27.09.  Wetzlar Franzis
28.09.  Oberhausen Druckluft
30.09.  Luxemburg     Gudde Welen
01.10.  Köln King Georg
02.10. Haldern Haldern Pop Bar  

 

Tourdaten Rue Royale
06.11. Privatclub – Berlin
07.11. Musa – Göttingen
08.11. Feinkostlampe – Hannover
09.11. Kassette – Düsseldorf
10.11. Wohngemeinschaft – Cologne
11.11. Lindenberg Hotel – Frankfurt
13.11. Cafe Galao – Stuttgart
14.11. Pension Schmidt – Münster

 

Aus unserem Archiv:   
Sound of Bronkow 2016 Tag 1 3
Sound of Bronkow Berichte 2012-2015
Gemma Ray, Bonn, 05.03.15
Gemma Ray, Berlin, 01.01.13
Gemma Ray, Paris, 23.02.09

Rue Royale, Karlsruhe, 18.01.14
Rue Royale, Paris, 26.09.13
Rue Royale, Frankfurt, 17.09.13
Rue Royale, Berlin, 07.04.13
Rue Royale, Frankfurt, 06.04.13
Rue Royale, Rüsselsheim, 21.07.12
Rue Royale, Göttingen, 28.05.12
Rue Royale, Köln, 28.01.12
Rue Royale, Karlsruhe, 24.01.12
Rue Royale, Karlsruhe, 16.03.11
Rue Royale, Paris, 27.01.10




Freitag, 6. März 2015

Gemma Ray, Bonn. 05.03.15

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Konzert: Gemma Ray
Ort: Harmonie, Bonn
Datum: 05.03.2015
Dauer: Gemma Ray knapp 90 min, Ned Collette 40 min
Zuschauer: 70 bis 80  



Gemma Ray und ich hatten lange Zeit überhaupt keinen Kontakt. Ich hatte hier vor Jahren von einem Pariser Konzert der Engländerin gelesen, dabei hatte sich das Schlüsselwort "bluesig" fest in meinem Gedächtnis verankert. Und wenn man mich mich etwas jagen kann, dann mit Dingen, die bluesig sind. Oder soulig. Und mit Broccoli, aber das ist ein anderes Thema.

Vor einiger Zeit kaufte ich mir Gemmas aktuelle Platte und war angenehm überrascht. Ich spürte den Blues, er tat aber weit weniger weh als befürchtet. Das Album der Britin erinnerte mich manchmal an Anna Calvi, auch eine tolerierte Bluesrockerin, Gemmas Stimme an Anna Ternheim. Da Gemma in Berlin lebt, tourt sie scheinbar häufig in Deutschland (richtig verfolge ich das erst seit ich meine Vorurteile abgelegt habe). Der Termin in Bonn passte mir perfekt in den Kram. 

In der Nähe der Harmonie, einer schönen Kneipe mit wundervollem Konzertsaal, ist Parken eine Katastrophe, hatte ich von meinem letzten Besuch in Erinnerung. Diesmal war es unkompliziert -  und ich viel zu früh.



Gottseidank gibt es in allen Innenstädten mit Musikkneipen Nachbarn mit Rechtschutzversicherungen und damit die Notwendigkeit, Konzerte früh beenden zu müssen. Bei zwei Künstlern bedeutete das, daß der Abend früh begann und ich nicht zu lange warten musste. Um acht begann er mit dem in Berlin lebenden Australier Ned Collette, der vierzig Minuten lang ruhige Folk-Stücke vortrug. Neds Stimme gefiel mir sehr gut, auch wenn sie ab und zu etwas bröckelte. Seine Stücke waren sicher auch objektiv gut, meine in den letzten Jahren massiv angestiegene Folk-Reaktanz, verhinderte echte Begeisterung. Ein Stück in der Mitte gefiel mir sehr gut, der Rest war ok, aber eben nicht meine musikalische Erfüllung.



Zehn Minuten nach dem Ende des sehr gut angenommenen Konzerts des Australo-Berliners begann bereits Teil zwei des Abends. Gemma Ray trat gemeinsam mit ihrem Schlagzeuger Andy Zammit auf die Bühne. Auch wenn das Konzert vorzüglich werden sollte und dies natürlich an Songs, Stimme und dem Vortrag der Sängerin lag, war der Schlagzeuger der heimliche Star des Abends. Also sollte er auch gewürdigt werden.  


Andy Zammit ist gebürtiger Waliser, lebt in London und ist Herr des Gemma Ray Labels Bronze Rat. Und er spielt Schlagzeug, Keyboard (manchmal gleichzeitig) und Melodica. Vielleicht bekocht er seine Sängerin auch noch. Nach Waving the mirrors (einem der eindrucksvollsten Stücke des Abends) erklärte die Sängerin: "I'm pushing this man to the limit!" Demnächst werde sie von ihm verlangen, Akkordeon zu lernen. Das werde er sicher in ein paar Tagen schaffen. Andy guckte beim Trommeln häufig herrlich verrückt zur Decke hoch. Er wirkte vor allem dann auf mich wie eine Mischung aus Eddie Argos und Olli Schulz.


Gemma und Andy spielten viele Stücke vom neuen Album. Dabei war das Schlagzeug herrlich zurückgenommen, die Lieder waren einfacher aber sehr viel wirkungsvoller als vom Band. Ich kenne ihr vorheriges Werk nicht genug, um mich über Hits gefreut oder andere vermisst zu haben. Das Set war stimmig, die Lieder faszinierend. Auch die beiden neuen Stücke (eines hatte den Refrain "the original one" und heißt wohl auch so, das andere stellte sie als "brandnew" vor) waren hervorragend und passten perfekt zum Rest. Meine Lieblinge neben Waving at mirrors waren The right thing did me wrong und Motorbike (obwohl Motorräder in die gleiche Kategorie wie Broccoli und Blues gehören).


Als Gemma nach mehr als einer Stunde Konzert von der Bühne ging und kurz danach wiederkam, bedankte sie sich für das warmherzige Publikum in Deutschland (sowas hat uns sicher noch nie jemand nachgesagt - und außerdem lebt sie in Berlin!). In London würde man nach zwanzig Minuten von der Bühne gebuht. 

Sie spielte die ersten Zugaben so, wie sie sie im Schlafzimmer ursprünglich geschrieben habe, ganz zurückgenommen (und nicht etwa im Pyjama, sie hatte weiterhin das hübsche Blumenkleid an, das sie auch auf dem Plattencover trägt). Danach schlurften Ned und Andy ("these two zombies") zurück und begleiteten sie bei zwei letzten Liedern - Fire house, das sie mit dem Babelsberg Film Orchester aufgenommen hatte und Eyes and ears, das sie dem im Herbst verstorbenen Radio 1 Musikchef Peter Radszuhn widmete.

Setlist Gemma Ray, Harmonie, Bonn:

01: 900 miles (Odetta Cover)
02: Put the bolt in the door
03: If you want to rock and roll
04: They all wanted a slice
05: Flood and a fire
06: The original one
07: The wheel
08: Motorbike
09: Waving at mirrors
10: ? (neu)
11: There must be more than this
12: Desoto
13: Out in the rain
14: The right thing did me wrong
15: So do I

16: Rescue me (Z)
17: Shake baby shake (Z)
18: Fire house (Z)
19: Eyes and ears (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
-
Gemma Ray, Berlin, 01.01.13
- Gemma Ray, Paris, 23.02.09


Mittwoch, 2. Januar 2013

Gemma Ray, Berlin, 01.01.2013

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Konzert: Gemma Ray
Ort: Volksbühne Berlin
Datum: 01.01.2013
Zuschauer: fast ausverkauft
Dauer: 90 Minuten




Berlin am Neujahrstag wirkt fast wie ausgestorben. Die Straßenbahnen, selbst die legendäre Partytram M10, hat kaum Fahrgäste. Ich genieße diese entschleunigte Atmosphäre, denn ich bin auf dem Weg zum Neujahrskonzert der Volksbühne. Dieses Mal lädt Gemma Ray ein, die ich schon lange Zeit auf meiner Wunschliste hatte.

Durch ein wenig Glück, saß ich direkt vor der recht spärlich dekorierten Bühne. Zwei Keyboards, drei Mikrofonständer, zwei Gitarren, ein Bass und ein paar Monitorboxen. Die Leinwand hinter der Bühne wurde durch ein schönes Motiv des aktuellen Albums "Island Fire" angestrahlt, wenn auch ein wenig pixelig. Das Publikum ist gut durchmischt und eher weniger jung.

Ich bin froh, dass ich das Konzert im Sitzen genießen darf. Die Neujahrsnacht hat auch bei mir seine Wirkung nicht verfehlt.

Auf eine Vorband musste ich an diesem Abend verzichten. Schade.
Als Gemma Ray mit ihrer Band die Bühne betrat, war der Applaus noch recht schüchtern. Sie trug eine modische Bluse und eine enge kurze Hose, die mir auch schon bei Roxanne von Veronica Falls aufgefallen war. Diese Hosen sind in England seit einiger Zeit wohl der letzte Schrei. Ihr steht das Dress sehr gut. Dazu eine schicke Retro-Gitarre.


Sie beginnt das Konzert mit 900 Miles mit glasklarer Stimme. Den Hit Runaway fertigt sie glücklicherweise direkt am Anfang ab. Für mich eines der schwächeren Stücke ihres neuen Albums. Das Publikum wird von Lied zu Lied euphorischer. Mein erster persönlicher Höhepunkt ist 100 mph (in 2nd Gear), dass ihr trotz kleiner stimmlicher Schwächen sehr gut gelingt. Überhaupt gefällt mir diese Mischung aus Surf-Rock und Blues.
Ihre Band, allen voran der Drummer, gefallen mir ausgezeichnet. Sie fügen sich sehr gut in ihren Sound ein. Ihr Bühnenpräsenz zeigt eindeutig, wer das Sagen hat. Um das auch noch zu unterstreichen, bearbeitet sie ihre Gitarre zwischendrin immer mal wieder mit einem riesengroßen Messer. Es scheint ihr zu gefallen, sich als männermordender Vamp zu inszenieren. Und in dieser Rolle wirkt sie mehr als glaubhaft. Ihr Gesichtsausdruck und ihre ganze Körpersprache hat diese erhabene Arroganz, die ein Vamp benötigt. Keine plumpe Anbiederung an das Publikum. Nur kurze Thank You´s nach den Songs und zwischendrin ein "We are honored to be here tonight" und "Happy New Year". -


Ihr Mudhoney Cover Touch Me I´m Sick setzt sie perfekt in den Gemma Ray Stil um. Respekt! Es ist schön ihr und ihrer Band zuzuschauen. Der noch recht junge Bassist mit seiner 70er Jahre Retro-Frisur könnte direkt einer Zeitmaschine entsprungen sein. Herrlich!

Sicherlich erfindet sie ihren Sound nicht in jedem Lied neu. Aber wozu auch? Solange Lieder wie I´m Gonna Lock My Heart bei ihr das Ergebnis sind, hat sie auch live alles mehr als richtig gemacht. Zum Dahinschmelzen, ihre Gitarre, ihre Stimme, die Keyboards und das dezente Schlagzeug. Zu Recht feiert sie das Publikum.
Der Klang ist, wie ich es nicht anders gewohnt bin in der Volksbühne, perfekt. Perfekt abgemischt, druckvoll aber nicht brüllend laut.

Zu Trou De Loup gesellt sich noch ein Bläser an den bis dahin verwaisten Mikrofonständer. Wer meine anderen Berichte kennt, der weiß, dass ich  diesen Bläsereinsätzen in völliger Hingabe verfalle. Leider verlässt uns der Trompeter nach Fire House wieder. Schade.

Entschädigt werde ich aber durch die überwältigende Live-Version von Flood and a Fire. Mein Highlight ihres aktuellen Albums, welches auch live keinen Wunsch übrig lässt. Ihr langes Messer hat sie immer griffbereit in einen Spalt ihrer Gitarre gestickt. Für Human Kind und das mir unbekannte Out verlässt die Band dann die Bühne. Gerade beim traurigen Out ist diese optische Verlassenheit sehr stimmig.
Natürlich darf auch Bei mir bist Du shein an diesem Abend nicht fehlen. Ich mag das Original nicht sonderlich, aber ihre Version kann ich gut annehmen.
Mit dem dann auch mir zu schnulzigen Rescue Me, verabschiedet sich Gemma Ray zum ersten Mal an diesem Abend.
Unter tosendem Applaus und reichlich Gejohle kommt sie scherzend auf die Bühne zurück und spielt meinen Favoriten des Abends: Make It Happen. Wie kann ein Jahr besser beginnen als mit diesem Vorsatz. Nein - langweilig ist ihre Musik keineswegs, wenn man sich darauf einlassen kann.


Nach dem für mich unspektakulären When I Kissed you folgt mit Dig Me A River ein fulminater (Vor-) Abschluss. Genau deswegen liebe ich ihre Musik so gerne. Wie sie die unterschiedlichsten Energien symbiotisch vereint. Ich erinnere mich dabei gerne an PJ Harvey, die das selbe Talent besitzt.
Den Abschluss macht dann Close. Ein wenig Lollipop-Rock, der mich eher zum Schunkeln auf einer Hollywood-Schaukel animieren würde.
Erhofft habe ich mir dann noch einen zweiten Zugabenblock. Leider fehlte der letzte Wille des sich schnell aus dem Saal entfernenden Publikums. Für meinen Geschmack zu schnell, denn das Konzert hätte noch mehr gewürdigt werden können als es das bunt gemischte, vielleicht noch ein wenig schlappe Berliner Publikum, an diesem Abend zustande gebracht hat.



Nach dem Konzert traf ich noch Gemma Ray am überlaufenen Merchandising-Stand und fingerte noch einen Glückskeks aus meiner Tasche, den ich ihr dann mit besten Wünschen übergab. Was drin stand, blieb mir an diesem Abend leider verborgen.
Dieser Abend war ein äußerst würdiger Einstieg in das Konzertjahr 2013.




Setlist: 
1. 900 Miles
2. Runaway
3. They All Wanted a Slice
4. Just Because
5. 100 mph (In 2nd Gear)
6. Bring Ring Ring Yeah
7. Touch Me I´m Sick
8. So Do I
9. I´m Gonna Lock My Heart
10. Trou De Loup
11. Fire House
12. Flood and a Fire
13. Human Kind
14. Out
15. Bei mir bist Du shein
16. Right Thing
17. Rescue Me

18. Make It Happen (Z)
19. When I Kissed You (Z)
20. Dig Me A River (Z)
21. Close (Z)



Dienstag, 24. Februar 2009

Sky Larkin, Johnny Foreigner u.a., Paris, 23.02.09

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Konzert: Sky Larkin & Johnny Foreigner & To Arms ETC & Gemma Ray

Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 23.02.2009
Zuschauer: nicht sonderlich viele
Konzertdauer: wie immer pro Band ca. 35 Minuten



Seltsam. Keiner hier?

Als ich zusammen mit meinem Freund Philippe gegen halb neun in die szenige Flèche d'or eintrete, stehen gerade mal geschätzte 20 Leute rum, die darauf warten, daß sich der rote Vorhang für die erste Band des Abends öffnet.

"Les absents ont toujours tort", sagt ein französisches Sprichwort - die Abwesenden haben immer Unrecht. Aber ist das heute wirklich so? Hatten die Zuhausegebliebenen nicht ausnahmsweise Recht?

Ich kann es vorwegnehmen: Diejenigen, die nicht kamen, haben nicht allzu viel verpasst und dies trotz eines Line Ups, das eigentlich Gutes versprach!

Die brünette Engländerin Gemma Ray, die gerade von einer kleinen Deutschland Tournee (Cafe Zapata, Berlin; Grüner Jäger, Hamburg; Karlstorbahnhof, Heidelberg) nach Paris gekommen war, eröffnete das Programm. Sehr gute Kritiken im deutschen Musikexpress für ihr Album The Leader hatten sicherlich mit dazu beigetragen, daß sie Tourdaten für Deutschland bekam.

In der französischen Metropole musste sie zusammen mit ihrer mehrköpfigen Band allerdings vor fast leeren Rängen loslegen. Etwas mehr Interesse hätte die Sängerin und Gitarristin aber schon verdient gehabt. Ihr bluesig angehauchter Indierock war nämlich keinesfalls schlecht, ihre Stimme schön und markant. Den Wildwestmelodien made in London fehlte aber ein wenig Pfiff und vor allem der erste Teil des Sets war ein wenig fad. Dann wurde es aber doch deutlich besser. Mit der Ballade Dry River wurde ich zum ersten Mal neugierig gemacht und das anschließende Rockstück Name Your Lord war sogar richtig gut. Es würde mit seinem markanten Gitarrenriff und der schwülen Wüstenatmosphäre gut in eine der legendären Dessert Sessions von Josh Homme passen. Bring It On Me wiederum erinnerte an einen anderen (ehemaligen) Queens Of The Stone Age Musiker. Ich rede von Mark Lanegan, der zusammen mit Isobel Campbell schon ähnliche Stücke geschrieben hat.

Insgesamt legte Gemma Ray mit ihrer Band einen brauchbaren Auftritt aufs Parkett, aber an ähnliche Acts wie z.B. Howling Bell, The Duke Spirit oder eben Campbell & Lanegan kam das nicht ran.

Setlist Gemma Ray, La Flèche d'or, Paris:

01: Dig Me A River
02: On Your Own
03: Down
04: Tough Love
05: Fist Of Flower
06: Dry River
07: Name Your Lord
08: Bring It To Me
09: So Do I

Weiter ging es mit der Band To Arms ETC. Das Quintett aus London, angeführt von dem oberlippenbärtigen Sänger und Keyboarder Charles Cambell Jones war für mich die positivste Überraschung des Tages. Ihr Stil war nicht so leicht zu verorten. Es gab eine psychedelische Komponente, Harmonien wie man sie von den Beatles kennt, aber phasenweise auch eine noisige Seite. Eine Mischung aus Pavement, der Beta Band, den Beatles und den Super Furry Animals, so in etwa klang das für mich. Und es gibt wohl sogar schon eine LP, die ich zwar nicht gekauft habe, die mich aber dennoch interessieren würde. Schade, daß man die Londoner im dunklen Licht kaum erkennen konnte, denn besonders die schwarzhaarige Keyboarderin Tiia Jaakola (eine Finnin?) war mit ihrem Stewardessen Look und den weißen Pumps sehr süß.

To Arms ETC haben mich neugierig gemacht!

Neugierig war ich schließlich auch auf Sky Larkin, von denen mein Blogger Partner in schöner Regelmäßigkeit in den höchsten Tönen schwärmt. Ich selbst hatte das sympathische Trio aus Leeds im Dezember 2008 zusammen mit Los Campesinos! gesehen und hatte sie in guter Erinnerung, wenngleich ich damals nicht wirklich in Euphorie ausgebrochen war.

Die Band um die liebenswürdige Sängerin und Gitarristin Katie begannen und ob der flotten Rhythmen, der Spielfreunde und des jugendlichen Charms konnte ich die Schwärmerei von Christoph schon ein wenig verstehen. Ziemlich bald störte mich aber das übermäßig wuchtige Schlagzeugspiel von Heißsporn Nestor, der dermaßen hart draufprügelte, daß man die schöne Stimme von Katie kaum noch hören konnte. Er fetzte mir schlichtweg die Ohren weg, so daß ich mich von den Boxen entfernen musste. Im Laufe des recht kurzen Sets begann ich mich schließlich irgendwann fast ein wenig zu langweilen. Zu eintönig und gleichförmig waren die Lieder und es gab auch kaum einen Song, der wirklich hängenblieb. Am ehesten gelang das noch bei den fetzigen Stücken Fossil,I und Beeline, der Rest ging weitestgehend an mir vorbei. Schade, denn stilistisch gefallen mir Sky Larkin eigentlich ziemlich gut. Sie sind jung, frisch und wild und auch sehr nett. Wenn sie es schaffen, mehr punktgenaue Lieder mit Wiedererkennungswert zu komponieren, kann das durchaus noch was mit uns werden...

Es war schließlich schon fast halb zwölf bis das Trio Johnny Foreigner, endlich an den Start ging. Sie hatten wohl keinen richtigen Soundcheck gemacht und die mangelnde Vorbereitung merkte man auch ihrem recht chaotischen Set an, das allerdings energisch und sehr schwungvoll war. Aber auch hier fehlten mir die markanten Songs, an die man sich hinterher erinnert. Ein Höllenlärm, voller körperlicher Einsatz und eine hübsche, gutgebaute Bassistin reichen eben nicht aus, um mich wirklich zu überzeugen. Positiv werte ich allerdings, daß es ein bißchen mehr Abwechslung als bei Sky Larkin gab, weil sowohl der blonde Gitarrist Alexei Berrow, als auch die brünette Bassistin Kelly Southern sangen. Deshalb erinnerte das Ganze auch ein wenig an die Blood Red Shoes, aber nicht so gut eingespielt und auch ohne zwingende Hits wie It's Getting Boring By The Sea oder I Wish I Was Someone Better. Überhaupt schienen sie fast nur neue Sachen zu spielen, die vier letzten Stücke (insgesamt gab es 9 Songs) ihrer Setlist hießen:

- Kingston
- Custom Scenes
- Cranes And Cranes And Cranes And Cranes
- Von Dutch

Davon kennen Fans wohl nur Cranes, oder? Vorher gab es aber zumindest Eyes Wide Terrified, einen ihrer bekanntesten Songs. Trotz der vielen Pannen und den wenig geprobten Stücken war die Stimmung recht gut und man musste konstatieren, daß es sich um das Konzert handelte, das heute abend am besten beim Publikum ankam. Alexei machte am Ende sogar noch einen Abstecher ins Publikum und ließ sich feiern.

Insgesamt war es ein Programm, das viel Lärm, jugendliche Frische und mit To Arms ETC eine recht interessante Entdeckung bot, aber nicht so richtig überzeugen konnte. Ich habe schon bessere Abende in der Flèche d'or verbracht...


Setlist Johnny Foreigner, La Flèche d'or, Paris:

01: Grace (?)
02: Feels Like Summer
03: Yes You Talk Too Fast
04: New Song
05: Eyes Wide Terrified
06: Kingston
07: Custom Scenes And The Parties That Make Them
08: Cranes And Cranes And Cranes And Cranes
09: Von Dutch


- Mehr Fotos von Gemma Ray hier
- Mehr Pics von Sky Larkin hier
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