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Sonntag, 26. Juni 2011

William Fitzsimmons, Paris, 24.06.11

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Konzert: William Fitzsimmons (Slow Runner, Maria Taylor)

Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 24.06.2011
Zuschauer: geschätzte 300-350


William Fitzsimmons und seine dreiköpfige Begleitband Slow Runner boten in der Pariser Maroquinerie ein wirklich schönes, wenngleich ein etwas gleichförmiges, zuweilen langatmiges Konzert. Fitzsimmons hatte mal bei einem früheren Auftritt scherzhaft gesagt: "My songs all sound the same" und so ganz falsch lag er mit dieser Aussage gar nicht. Vor allem seine Stimme setzte er durchgängig sehr sanft und zärtlich ein. Das gefiel den zahlreichen Romantikern im Publikum (viele Händchen haltende Pärchen, das wäre nix für meine Frau und mich, wir sind da eher nüchtern), ich hingegen hätte mir an der ein oder anderen Stelle gerne etwas mehr Feuer und Aufbegehren gewünscht. Regt sich denn dieser grundsympathische Bartträger nie auf? Diese Frage konnte man sich durchaus stellen und vermutlich ist er wirklich nur sehr schwer aus der Ruhe zu bringen, dieser William!

Der Sohn blinder Eltern hat sicherlich von klein auf gelernt, ruhig und besonnen zu bleiben und nie die Kontrolle zu verlieren. Ist er nicht auch Psychiater? Psychoterrorpeut? Ich las so etwas mal und ich könnte ihn mir wirklich gut als Therapeuten vorstellen. Wobei seine Konzerte durchaus den Charakter von Therapiesitzungen besitzen und sowohl ihm auch den Zuhörern Linderung verschaffen. Seinen hübschen Liedern wohnt einfach etwas enorm Tröstliches inne.

Beautiful Girl oder The Tide Pulls From The Moon das ist doch kuscheliger als jeder Schal! Fragile, tief in den eigenen Befindlichkeiten wühlende Stücke, die einen verletztlichen, feinfühligen Menschen erkennen lassen. Wobei William anscheinend keineswegs gesteigerten Wert darauf legt, tiefgründig zu sein, obwohl ihn jeder dafür hält. "I'm not deep" sagte er in einer der vielen witzigen und humorvollen Szenen (Männer, die traurige Lieder schreiben sind meistens lustig, siehe auch Bonnie "Prince" Billy!) und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Zuvor hatter er bereits ein paar andere Kalauer herausgehauen und schon gleich zu Beginn der Show für Schmunzler gesorgt, als er ankündigte, daß er und seine Kumpels sich heute nicht ausziehen würden, falls das denn jemand erwartet oder gar erhofft hätte.

Für den ulkigsten Moment schlechthin sorgte aber sein Schlagzeuger Joshua. Der von Fitzsimmons als Vielfraß beschriebene Bursche saß plötzlich zu einem Song mit zwei Baguette-Stangen in seinen Händen da. William drehte sich um und fragte: "was mampfst du denn schon wieder da?", als sich der Drummer kurzerhand dazu entschied, mit dem (angebissenen!) Brot Schlagzeug zu spielen. Und das klang richtig gut und professionell! Wer hätte gedacht, daß man mit Baguettes Schlagzeug spielen kann? Niemand! Der Saal johlte!

So machte Fitzsimmons schließlich deutlich, daß man auch als trister Singer/Songwriter viel Spaß und Klamauk vemitteln kann, vor allem wenn man eine solch amüsante Begleitband wie Slow Runner dabei hat.

Diese hatte zuvor ihre eigenen Lieder gespielt und dabei ein ansprechendes Konzert abgeliefert. Die Aussage von Christoph: "sie haben mir ausgezeichnet gefallen" konnte ich allerdings ebenso wenig unterschreiben wie seine zitierten Referenzen die Shins oder Death Cab for Cutie. Sie klangen eher nach Sufjan Stevens, Badly Drawn Boy Chris Garneau, manchmal fast nach Coldplay. Der Sound wurde dominiert von Pianoklängen und der inoffensiven Stimme von Michale Flynn. Recht hübsch, aber etwas harmlos und seicht.

Slow Runner waren aber nicht die einzige Vorgruppe von Fitzsimmons, denn um 20 Uhr 30 hatte eine Dame, Maria Taylor, den folkigen Konzertabend eröffnet. Vor noch recht spärlicher Kulisse spielte die hübsche, wenngleich spindeldürre brünette Chanteuse countryeske Lovesongs auf ihrer Akustikgitarre und schaffte es, die bereits anwesenden Zuschauer zu unterhalten. Sie erklärte gleich zu Beginn, daß sie ziemlich nervös sei, ließ sich das in der weiteren Folge aber nicht großartig anmerken.

In Deutschland kennt man Maria Taylor sowohl als Solokünstlerin, als auch als Teil von Azure Ray und zudem durch die Zusammenarbeit (und Affäre) mit Conor Oberst von Bright Eyes. In Frankreich hingegen ist Taylor wirklich ein unbeschriebenes Blatt. Es könnte sehr gut sein, daß sie heuer zum ersten Mal überhaupt in Paris gespielt hat, sicher bin ich allerdings nicht. Sie musste sich ihre Aufmerksamkeit deshalb auch hier in der Maroquinerie hart erarbeiten und hatte nicht von Beginn an gewonnen.

Wunderbar ihre countrygefärbte Stimme, filigran ihr Fingerpicking. Mit ihren langen Fingern zupfte sie schöne Melodien aus ihrer Akustischen und betörte nicht nur durch ihren Schlafzimmerblick (diese mandelförmigen Augen, hach!), sondern auch durch ihre mysteriöse, leicht ins gothische gehende Ausstrahlung. Es lag viel Schwermut, aber auch eine gehörige Portion Warmherzigkeit und Sanftmütigkeit in ihren Kompositionen, die an Dolly Parton oder Tift Merrit erinnerten. In der heutigen bis auf den Knochen abgespeckten Variante klangen die Stücke anders als auf den reichhaltig instrumentierten Alben, aber das war für mich eher positiv als negativ. So stand letztlich nämlich ihre Stimme absolut im Vordergund und diese besaß eine starke Anziehunsgkraft. Ich hing ihr förmlich eine halbe Stunde lang an den schmalen Lippen...

Was die Setlist anbelangt, kann ich berichten, daß Maria einige neue Lieder ihres im August erscheinenden fünften Albums Overlook, aber auch ein paar alte Sachen wie z. B. das feine Cartoons And Forever Plans gespielt hat.

Lasst euch Maria Taylor nicht entgehen, wenn sie mit William Fitzsimmons durch deusche Lande tourt!


Setlist William Fitzsimmons, La Maroquinerie, Paris, klick!
Setlist Slow Runner, La Maroquinerie, Paris, klick!
Setlist Maria Taylor, La Maroquinerie, Paris, klick!




Samstag, 18. Juni 2011

William Fitzsimmons, Dortmund, 17.06.11

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Konzert: William Fitzsimmons
Ort: Konzerthaus Dortmund (Pop Abo)
Datum: 17.06.2011
Dauer: William Fitzsimmons 80 min, Slow Runner 30 min


Der Merchandising Stand bei Popabenden im Dortmunder Konzerthaus ist im Foyer des Gebäudes aufgebaut. Als wir die Treppe zum Saal hochgingen, konnte man von oben die Auslage begutachten. Neben Platten des Sängers lag da vor allem ein gruseliges Poster, das den Sänger, vor allem aber seinen grimmigen Bart zeigte. "Ra Ra Rasputin, Lover of the Russian queen..."

Daß sich hinter dem dichten Bart eine schöne Stimme verbirgt, wußte ich zwar, daß der glatzköpfige Rasputin aber auch ein echter Entertainer ist, sollte ich heute abend auch noch lernen.

Eine großartige Einrichtung bei Konzerten im Rahmen des Pop Abos im Dortmunder Konzerthaus sind die kleinen Programmzettel, die Saaldiener verteilen. Das heutige Programm verriet uns, daß William Fitzsimmons von drei Musikern der Band Slow Runner begleitet würde, die solo für ihn auch den Abend eröffnen würden. Slow Runner stammen aus dem Vom Winde Verweht Städtchen Charlston in South Carolina. Die Band besteht aus Michael Flynn, Jonathan Gray und Josh Kaler.

Die Musik im Stil von Death Cab For Cutie oder der Shins war absolut wundervoll.. Sicher trug zu diesem wahnsinnig guten ersten Eindruck die perfekte Akustik des Saals bei, aber auch in einem schmierigen Club hätte ich vermutlich Spaß an den Südstaatlern gehabt. Der Klang war so brillant, daß wir in unsere Reihe weit vorne das Bassspiel verstärkt und perfekt ausbalanciert hören konnten, gleichzeitig aber auch die Zupfgeräusche von Jonathan, ein grandioser kleiner Effekt.

Michael Flynn singt die meisten Parts bei Slow Runner. Er spielt ansonsten Keyboard und lag dabei oft tief über seinem Instrument. Sein Gesangsmikro hing aber irgendwie im Weg, er bewegte den Kopf immer wieder rechts und links am Mikrophon vorbei, um näher an die Tasten zu kommen, was urkomisch aussah. Star der Band ist aber Schlagzeuger Joshua. Sein Trommelspiel klang scheppernd und sehr direkt und verlieh den Stücken einen besonderen Pfiff. Bei dritten Lied (Auto happy) bediente er nur die Bassdrum und spielte beidhändig Glockenspiel. Das man mit sich mit so etwas in die Reihe meiner musikalischen Helden spielt, wird Stammleser nicht weiter überraschen.

Weitere tolle Lieder waren You're all I need mit Banjo und Steel-Guitar und Love and doubt, das immer lauter und dramatischer wurde.

Der halbstündige Auftritt gefiel mir ausgezeichnet und schien auch allgemein gut anzukommen. Die Band verabschiedete sich, um eine Viertelstunde später schon wieder auf die Bühne zu kommen, diesmal eben mit William Fitzsimmons.

Setlist Slow Runner, Konzerthaus Dortmund:

01: Devil moon
02: Damage points
03: Auto-happy
04: You're all I need
05: Love and doubt
06: It's back
07: Strange days

Nachdem William Fitzsimmons mit Passion play von seiner Debütplatte Until when we are ghosts seine musikalischen Qualitäten erstmals gezeigt hatte, folgten die unterhaltenden anschließend: "die Hälfte von euch ist heute wegen der Musik hier, die andere Hälfte wegen des Barts." Den ersten neuen Lieder von seiner im März erschienenen Platte Gold in the shadow gab er mit auf den Weg: "wir spielen heute Stücke, die ihr vielleicht noch nicht kennt, das ist aber egal, alte und neue Songs klingen gleich!"


Ähnlich hören sich Williams Stücke schon an, man erkennt leicht auch bei unbekannten Sachen, daß sie aus der gleichen Feder stammen. Mir ging es allerdings anders als den Kennern, ich bin eher zufällig beim bärtigen Sänger und Psychotherapeuten gelandet, weil ich seine Musik früher für staubtrockenen Folk hielt, der mich gerade da nicht reizte. Allerdings hatte ich auch noch nie eines seiner Stücke gehört. Erst mit dem aktuellen Album kam ich in Kontakt mit William Fitzsimmons und merkte, daß ich ihm unrecht getan hatte und mich seine Musik sehr wohl packte. Und weil ich Fitzsimmons quasi rückwärts entdeckt habe, kannte ich also auch in Dortmund eher seine neuen als die alten Lieder.


Ob neu oder alt, gemeinsam haben die Lieder das wichtigste Element, die sanfte Stimme Williams. Besser beschreiben kann die der Künstler selbst: "das ist ein schöner Saal hier! Fast so schön wie meine Stimme!" Die Begleitung durch Slow Runner war dezent aber sehr gekonnt. Ich frage mich immer wieder, wie viel Aufwand es kosten muß bzw. wie gut Musiker sein müssen, die einen Kollegen begleiten und dessen Werk eben nicht seit Jahren auswendig kennen. Noch dazu hatte William Fitzsimmons die Setlist noch auf Zuruf geändert. Man merkte Slow Runner keine musikalischen Unsicherheiten an, nur ab und zu wirkte vor allem Keyboarder Michael schüchtern. Kein Wunder, wenn man bei seinem ersten Auftritt in Deutschland gleich in einem vollen klassischen Konzerthaus spielt. Den Höhepunkt erreichte diese Schüchternheit bei der letzten Zugabe The winter from her leaving. Die drei Slow Runners standen dazu mit Banjo und Mandoline um ein Mikro rechts von Fitzsimmons. Irgendwann kam der körperlich viel größere Sänger dazu und stellte sich in den Kreis der drei Kleinen. Es sah aus, als wolle der Lehrer mit seinen Schülern musizieren!


Dieser Eindruck beendete das Konzert für uns. Das Angebot Williams, ihn am Merchstand zu besuchen und zu berühren ("nur nicht am Bart ziehen!") ließen wir sausen. Ohne war der Abend schön und unterhaltsam genug.

Setlist William Fitzsimmons, Konzerthaus Dortmund:

01: Passion play
02: Find it in me
03: Beautiful girl 
04: Wounded head
05: Tide pulls from the moon
06: ??
07: Gold in the shadow
08: If you would come back home
09: Bird of winter prey 
10: Blood and bones     
11: I don't feel it anymore (Song of the sparrow)     
12: Just not each other
13: Everything has changed
14: Good morning


15: Afterall (Z)
16: Fade and then return (Z)
17: The winter from her leaving (Z)

Leider keine Fotos, da das im Konzerthaus nicht gestattet ist (und ich schon vor Konzertbeginn erwischt wurde).


 

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