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Sonntag, 30. November 2008

Polarkreis 18, Köln, 29.11.08

5 Kommentare

Konzert: Polarkreis 18 (& Bodi Bill)
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 29.11.2008
Zuschauer: restlos ausverkauft
Dauer: Polarkreis 18 75 min, Bodi Bill 45 min


Normalerweise ernte ich meist fragende Blicke, wenn ich erzähle, welche Band ich mir ansehe. The Indelicates? I Like Trains? Tiger Lou? Nie gehört. Heute war das anders. Polarkreis 18 kennt man mittlerweile. Vergangenes Jahr war das noch anders. Als ich die Dresdner Band erstmals im März 2007 im Gebäude 9 gesehen hatte, sagte mir die Gruppe auch kaum etwas. In den Monaten danach sah ich Polarkreis 18 noch weitere vier Male, lernte sie immer mehr zu schätzen, an den fragenden Blicken änderte sich aber nichts. Polar was? Selbst eine Vorgruppe der Sachsen konnte sich den Namen nicht merken und kündigte sie im Kölner Underground als Polarkreis 7 an. Genau anderthalb Jahre später beim nächsten Konzert in Köln sollte ich mir dann plötzlich eine Band ansehen, die seit Wochen auf Platz eins der deutschen Singlecharts steht!

Als ich im August von dem Konzert gehört hatte, gab es noch keine Single und kein aktuelles Album. Zwischenzeitlich hatten sich die Ausgehalternativen in Köln für diesen Samstag massiv erweitert. Neben der Indie-Folk Band Dodos trat im Gloria die für den schwedischen Grammy nominierte Lykke Li auf. Keine leichte Entscheidung. Letztlich entschied ich mich aber doch am Tag vorher für Polarkreis 18, obwohl die beiden anderen Acts für mich neu gewesen wären. Aber ehrlich: wann sieht man schon einmal eine Nummer eins Gruppe? Also Gebäude 9!

Richtig früh war ich zwar nicht da - der Saal war geöffnet - trotz des ausverkauften Konzerts war aber viel Platz. Aufgebaut waren vor dem Polarkreis Equipment drei Keyboardständer mit Tastenkram und Notebooks. Bodi Bills Arbeitsgeräte. Von dem
Berliner Trio hatte ich schon viel (Gutes) gehört, es selbst aber noch nicht gesehen.

Und das, was kam, war grandios! Und sehr komisch. Allerdings sah man im Publikum sehr viele sehr verwirrte Blicke, denn Bodi Bill war nicht die typische Nummer eins Vorgruppe (woher will ich das eigentlich wissen...). Viele der Lieder der
Berliner waren wirklich sehr tolle Elektropoplieder. Allerdings war das nur ein Teil der Geschichte. Denn zur Darbietung gehörte auch eine exzentrische Bühneshow.

Die drei Musiker bedienten vor allem ihre Keyboards, Sampler und Notebooks. Aber auch Gitarre und Geige kamen oft zum Einsatz. Gleichwichtiges Stilelement waren
aber Tanzeinlagen. Vor allem der links stehende Keyboarder (ich glaube Anton), der ein herrliches ballonseidenes buntes Hemd anhatte, begeisterte mich immer wieder mit seinem Robot-Ausdruckstanz. Auch extrem beobachtungswert waren die vielen und schnellen Platzwechsel. Tanzte der eine gerade irgendwo (oder spielte er ein anderes Instrument), kam irgendwann einer der anderen an seinem Platz vorbei und drückte die gerade nötigen Tasten.

Während des zweiten Lieds (ich zögere, das ein Cover zu nennen, weil nur Teile des Textes von Nothing compares 2 u stammten) stieg der Sänger ins Publikum und sang da weiter. Als er zurückkam, zog er Strümpfe, Hemd und Hose aus und stand in Unterhose da. Das schien ihm schnell peinlich zu sein, er hielt nämlich dann irgendein Kleidungsstück vor den entblößten Körper. Später merkte er, daß der Strip blöd gewesen sei, so was könne man nicht rückgängig machen. Dann versuchte er irgendwann, das Polarkreis Schlagzeug zu erklettern, scheiterte aber
erst. Ich hatte einen riesigen Spaß, Bodi Bill zuzusehen - und abwechselnd den diversen sehr verwundert blickenden Zuschauern. Eine Frau guckte vollkommen verdutzt, daß in meiner Ecke viel geklatscht wurde. Ja, das meinte ich ernst! Einige der Lieder (die ohne zu lange nur-Beat-Phasen) gefielen mir außerordentlich gut!

Nach gut einer halben Stunde war gerade wieder so eine Phase nur mit Rhythmus. Der Sänger sagte uns da, daß sie noch zwölf Minuten hätten. Er wollte das so instrumental beenden und forderte seine Bandkollegen auf, den Spaß nicht zu verderben. Das taten sie aber und drückten die "falschen" Knöpfe, so daß noch Zeit für ein zusätzliches Lied war. Ein sehr erfrischender Auftritt, der aber auf den ein oder anderen gewirkt haben mag, als hätten sie oben Hühnern die Hälse durchgebissen.

Nachdem die Bühne für Polarkreis bereitet war (von den Bandmitgliedern selbst!),
begann als Intro das Lied, das der Grund für die Anwesenheit vieler war. Nach ein paar Takten (und dem Kinderchor) ging es dann aber in The colour of snow über, den Titelsong des neuen Albums. Ich mag das Lied sehr, trotz der ahhh-ahhhh Stelle, die exakt wie You're the voice von John Farnham, diese ekelhafte Scheußlichkeit aus den 80ern, klingt. Schon früh fiel auf, daß viele Elemente, die auf Platte wichtig sind, fehlen, die Streicher, die teilweise mächtigen Bläserarrangements waren im bayerischen Uphon-Studio geblieben, in dem die Band The colour of snow aufgenommen hat. Mit den Bläsern hatte ich ein wenig gerechnet. Bei früheren Konzerten hatten die Dresdner einige Hornisten dabei, Keyboarder Bernd hatte uns in einem Interview verraten, daß deren Einsatz vor allem Kostenfrage ist. Da der Charterfolg zumindest schon einmal tolles neues Licht (und einen großen Tourbus) ermöglicht hatte, war ich sicher, neben der Band auch Blasmusiker zu sehen. Aber die fehlten, man besann sich wohl auf die eigene Livequalität, sicher keine schlechte Entscheidung!

Beim Aufbau hatten die Polarkreise noch Zivil-Klamotten
an, beim Konzert trugen sie wieder polarweiße Sachen. Bassist Uwe Pasora trug zu weißer Hose und Muskelhemd einen weißen (eher crèmefarbenen) Bowler - elegant!

Sicherlich kannten nicht alle Zuschauer viel von Polarkreis 18 (ich habe ein paar solcher Gespräche vorher mitbekommen), die Hauptstilelemente, allen voran Felix' Stimme, die ja nicht nach Hitparade klingt, war aber sicher nicht überraschend. Ich bin immer wieder angetan davon, wie energisch Felix Räuber singt. Er reißt die Augen auf, leidet scheinbar jeden Ton mit! Mit ihm standen Schlagzeuger Christian Grochau (mit wenigen Haaren und riesigen Kopfhörern),
Bassist Uwe, die beiden (u.a.) Keyboarder Bernd (Silvester) Wenzel und Ludwig Bauer und Gitarrist Philipp Makolis auf der Bühne. Die Keyboarder wechseln regelmäßig ihre Positionen, mit perfekter Präzision und unter erschwerten Bedingungen. Der Platz für die Band und all ihre Instrumente war nämlich viel zu klein. Und dazu wurden in den Liedpausen alle Scheinwerfer runtergedreht, sodaß es stockdunkel war, wenn die Plätze getauscht werden mussten. Für die Künstler sicher nicht ganz leicht, für das Publikum ein sehr schöner Effekt! Meine Lieblingsszene war dabei vor dem Nummer eins Hit, als einer der beiden Keyboarder das Instrument vom anderen Platz mit einiger Mühe abbaute und zu sich rüberzog.

Prisoner, das zweite Lied, stammt auch vom aktuellen Album. Danach kam dann mit
Somedays sundays ein erstes Stück vom Debüt der Band - ein großartiger Titel! 130/70, das Stück über ein männliches Herz, ging dann über in das wundervolle instrumentale Herbstlied, bevor mit Crystal Lake und Comes around zwei Knüller vom Debüt folgten, beide mag ich sehr gerne und bei beiden war ich froh, das sie nicht aus dem Programm geflogen sind! Zu Comes around kletterte auch Felix ins Publikum und stellte sich rechts in der Halle auf eine Bank (vermute ich) und sang da weiter.

Zurück auf der Bühne verschwand die Band. Felix setzte sich ans Klavier und spielte da
River loves the ocean ganz allein. Allein das hätte meine Entscheidung für den Abend mit der Band aus Sachsen gerechtfertigt!

Dreamdancer (wieder mit Band) ist immer toll, ich habe aber schon bessere Versionen gehört. Nach
Name on my ID und Tourist von der neuen Platte folgte der Charthit, auf den viele lange gewartet hatten. Denn als jemand in das Intro reinrief, quittierte das jemand mit "Schnauze!" (also: Wenn du jetzt reinbrüllst, versaust du den ganzen Abend...?).

Nach kurzer Abwesenheit erschienen die Dresdner wieder zu den beiden Zugaben, Happy go lucky und Look, das alle meine bisherigen (regulären) PK 18 Konzerte beendet hatte. Dabei prügelte der Bodi Bill Geiger als zusätzlicher Schlageuger auf der einen alleine stehenden Trommel rum. Diese war vorher immer wieder zum Einsatz
gekommen, am eindrucksvollsten immer dann, wenn die beiden Klavieristen gleichzeitig (aber abwechselnd) den Rhythmus verstärkten.

Ein sehr schönes Konzert! Entgegen der
Indie-Leuten üblichen Skepsis gegenüber erfolgreich werdenden Lieblingen, hat es gar nicht wehgetan, eine Band, die jetzt auch Teil des Mainstreams ist, zuzusehen. Polarkreis spielt noch viele der Lieder, mit denen Radiohörer normalerweise nichts anfangen können. Also sorgen sie vielleicht dafür, daß der durchschnittliche Musikgeschmack ein kleines Stück besser wird. Denn wer Dreamdancer hört, kann in der Zeit keine Aufmerksamkeit Anastacia, Reamon oder anderen fiesen Sachen widmen. Ich habe also eine Art musikalisches Goethe-Institut erlebt. Und ich hatte Spaß dabei!

Setlist Polarkreis 18, Gebäude 9, Köln:

00: Intro
01: The colour of snow
02: Prisoner
03: Somedays sundays
04: 130/70
05: Herbstlied (kurz)
06: Crystal Lake
07: Comes around
08: River loves the ocean (Felix Solo)
09: Dreamdancer
10: Name on my ID
11: Tourist
12: Allein allein

13: Happy go lucky (Z)
14: Look (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Polarkreis 18, Dortmund, 29.03.08
- Polarkreis 18, Hohenfelden, 17.08.07
- Polarkreis 18, Haldern, 03.08.07
- Polarkreis 18, Köln, 20.05.07
- Polarkreis 18, Köln, 15.03.07
- mehr Fotos von Polarkreis 18 in Köln



Sonntag, 30. März 2008

Polarkreis 18, Dortmund, 29.03.08

3 Kommentare

Konzert: Polarkreis 18 (unplugged)
Ort: Konzerthaus Dortmund
Datum: 29.03.2008
Zuschauer: etwa 500
Dauer: etwa 90 Minuten

Polarkreis 18 in einem Konzertsaal, also in einem echten, klang im Vorfeld schon aufregend. Allerdings reichte meine Phantasie nicht aus, mir vorzustellen, wie herausragend solch ein Abend werden könnte. Aber von Anfang an - der liegt jedoch ziemlich genau ein Jahr zurück.

Im vergangenen März spielten Karpatenhund und ein paar mir unbekannte Bands bei einem Intro intim Abend im Gebäude 9. Polarkreis 18 hatten eigentlich keine Chance, mir zu gefallen, weil ihr Musikstil, wie ich dachte, gar nicht meiner ist. Auch wenn mein Bericht von diesem Konzert noch sehr deutlich meine Skepsis widerspiegelt (scheußlich, was ich da für einen Unsinn über Nervstimmen geschrieben habe), bin ich seitdem ganz großer Fan der Dresdner (und habe sie in den folgenden Monate noch dreimal gesehen).

Als Oliver und ich Bernd von Polarkreis 18 in Haldern interviewt haben, verriet er uns, daß sie wahnsinnig gerne einmal in der Semperoper auftreten würden. Ein klassisches Konzerthaus ist schon einmal eine gute Zwischenstation auf dem Weg dahin.

Als wir ankamen, war es im Vorraum des Dortmunder Konzerthauses noch recht leer. Zwei städtische Angestellte fortgeschrittenen Alters verkauften am Stand PK 18 T-Shirts und Platten, in sandfarbene Uniformen gekleidete Garderobenmitarbeiter standen in kleinen Boxen und warteten auf Jobs, es wirkte feierlich. Es füllte sich dann doch recht schnell, und als um fünf vor neun der Theatergong zeigte, daß es gleich losginge, strömten erfreulich viele Zuschauer in den Saal. Bis sehr weit hinten waren nur ganz vereinzelt Lücken in den Reihen zu sehen.

Auf der Bühne war auch schon recht viel los, in Form von ganz vielen und vor allem ganz aufregenden Instrumenten. Neben eher unspektakulären Geräten wie Schlagzeug und Flügel (den hat schließlich Elton John auch), standen da ein Metallrad neben dem Schlagzeug, mehrere Glockenspiele, ein Kinderklavier, ein Akkordeon, eine Trompete und viel kleiner Schnickschnack rum.

Sänger Felix Räuber erschien aber zunächst ohne Kollegen, die die spannenderen Dinge bedienten. Er setzte sich an den Flügel und spielte zum Start ein Instrumentalstück. Dank der phänomenalen Akustik traute sich niemand zu husten, zu kramen oder sonst wie unangenehm aufzufallen, es war sagenhaft leise. Als Felix dann zum zweiten Stück kam, gab es auch noch keinen Applaus. Erst nach dem Lied, das das schon im Underground von ihm gespielte Zugabestück war, das die Band wie man mir damals sagte "Felix solo" nennt, folgte der erste starke Beifall.

Erst danach erschien die restliche Band, fünf weitere Musiker, Bassist Uwe, der ein herrliches Spiel hat, er wippt beim Bedienen seines
(unpluggten) Bass' ununterbrochen mit, Schlagzeuger Christian, Bernd, der auch Klavier, vor allem aber eines der Glockenspiele bediente, Trompeter Ludwig (der wie die meisten auch noch zig andere Instrumente spielte) und Philipp (Akkordeon, Klavier, Gitarre). Ich habe schnell den Überblick verloren, wer wann wohin wechselte. Das zu Beobachten war aber auch schwer, weil ich (fürchte ich) von Beginn an mit offenem Mund da saß und genoß, was da an fabelhaften Melodien und Geräuschen erzeugt wurden.

Ein Beispiel: Neben Schlagzeuger Christian stand ja dieses Metallrad. Als Intro zum dritten Lied (es sollte sich als "Stellaris" herausstellen),
drehte der Trommler dieses Rad, was schleifende metallische Geräusche erzeugte, die wie kleine Rückkopplungen klangen. Diese eigentlich unerträglichen Geräusche gingen dann in ein wahnsinnig sattes Einsteigen der anderen Instrumente über. Dazu Felix' klare und laute Stimme machten schon ein wahnsinniges Klangerlebnis aus. Daß die sechs sicher seit frühester Jugend musikalisch ausgebildet wurden, bezweifele ich nicht, sie beherrschen all die verschiedenen Instrumente blind (auch wenn Felix erwähnte, daß sie einige noch nie vorher gespielt hätten), die wahre Kunst für mich als Laien war aber, dies alles so perfekt miteinander zu kombinieren, daß bekannte Lieder auf einmal ganz neu klangen. Es war nichts zu laut, die Arrangements überzeugten alle vollkommen. Die einzigen "Mißtöne", wie das Rad, waren gewünscht und effektvoll.

Nach einem mir unbekannten Lied kam etwas Sensationelles, nämlich "Comes around" in der weltschönsten Version. Anfangs war es eigentlich nicht viel anders als bei den anderen Konzerten. Die Mehrstimmigkeit, die bei vielen Stücken des Abends vorkommen sollte,
war allerdings schon einmal grandios. Dann nach dem ersten Refrain, ging Felix vom Mikro weg, stieg von der Bühne, sang unverstärkt und ging durch den Gang vor der ersten Reihe. Seine Kollegen stiegen in den Refrain ein, nur von einer sehr zurückgenommenen Gitarre begleitet. Als Felix seinen Spaziergang beendet hatte und auf der anderen Seite wieder nach oben ging, wieder ins Mikro sang, wurde es laut, denn auch Schlagzeug und Bass stiegen wieder ein - sensationelle acht Minuten, die jede müde Stunde heute rechtfertigten. Einen solchen Auftritt hätte Arcade Fire nicht besser hinbekommen.

Der überraschende Effekt beim nächste Stück, dem neuen "
Happy go lucky", waren Atemgeräusche des Frontmanns der Dresdner, aus denen sich dann sein Gesang entwickelte. Das Lied selbst war wundervoll, es wird es auch sein, wenn das Atemintro auf Platte fehlen wird.

Tja, und so ging es weiter. Bei jedem Lied neue Klangeffekte, aber nicht der Effekte wegen, es ging um den Klang, das merkte man deutlich. Die Band ist auch so sympathisch, daß musikalisches Gepose einfach nicht zu ihr paßt, Nerdtum im besten Sinne, wenn es darum geht, Geräusche zu erzeugen, aber keine Angeberei im Sinne von "wir brauchen dringend mehrere Exoten, um cool zu sein, laß' uns mit Violinenbögen auf Glockenspielen experimentieren." Nein, sie wußten ganz genau, was sie taten - und wir, was wir zu tun hatten, staunen und anschließend begeistert losklatschen.

Einer dieser ungeposten Effekte war das Schlagen auf das Metallrad von Christian bei dem instrumentalen "Triosong". Dabei passierte auch die einzige kleine Panne des Abends. Der Schlagzeuger traf das ungewohnte Gerät ein paarmal nacheinander an einer anderen Stelle, was leisere Töne machte und einen sorgenvollen Blick von Bassist Uwe auslöste. Die Sorge war unbegründet, es klang alles wieder herrlich und wurde abgeschlossen mit wild klatschenden Felix und (?, ich glaube) Bernd.

Vor "
Somedays, sundays" entschuldige Felix sich, daß das Lied eine E-Gitarre erfordere. Dem unplugged-Konzept folgend, sie diese aber nicht an Strom angeschlossen sondern habe eine Batterie und eine Box eingebaut. "Das klingt warm und satt." So warm uns satt etwas wie eine CD, die auf den Boden fällt, aber auch dieses Plastikgeräusch war so, als hätte "Somedays, sundays" immer so klingen sollen.

Es folgten anschließend "Under this big moon" und "
Crystal lake", bei dem Felix vorher warnte, er benutze dabei ein Gerät, das mit Autobatterie betrieben werde. Das Instrument stellte sich als Bohrhammer heraus, der wirklich passende Töne beisteuerte. In all diesen Dingen steckte wahnsinnig viel Liebe zum Detail, zu Verspieltheit.

Die sechs gingen danach erstmals von der Bühne und der Saal stand und klatschte begeistert!

Die zweite Zugabe, der Überhit "Dreamdancer", der einem Instrumentalstück folgte, wirke erst weitestgehend normal. Also großartig. Zur Mitte änderten sich jedoch Tempo und Rhythmus, es kamen Percussions zum Einsatz, der Ht wurde langsamer, mehrstimmig - und blieb irre gut.

Die Band verließ wieder die Bühne und Felix erschien irgendwann zu einer weiteren Zugabe, "
Chiropody". Dabei gefiel mir, daß der Sänger sich selbst am Ende quasi ausfadete. Die Band kam wieder und zum Abschluß bediente einer so eine kleine Kinderdrehorgel (ich weiß nicht, wie diese Dinger richtig heißen). Es erklange zwei, drei Takte von "Guten Abend, gute Nacht", und sicherlich nicht nur ich hatte eines der besten Konzerte meines Lebens gesehen.

Setlist Polarkreis 18 unplugged, Konzerthaus Dortmund:

01: Herbstlied (instrumental)
02: Felix Solo
03: Stellaris
04: Philsong
05: Comes around
06: Happy go lucky (neu)
07: Triosong (instrumental)
08: After all he was sad
09: Somedays, sundays
10: Under this big moon
11: Crystal lake

12: Duschwein (instrumental) (Z)
13: Dreamdancer (Z)

14: Chiropody (Z)

Links:

- Polarkreis 18 bei intro intim im März 07
- im Mai 07 im Underground in Köln
- auf dem Haldern-Festival 2007
- und auf dem Highfield Festival im gleichen Jahr
- mehr Fotos - allerdings meist von den älteren Konzerten

Konzertbesucher von Polarkreis 18 könnten auch mögen:

- Arcade Fire (diverse Konzerte)
- The Kissaway Trail in London



Samstag, 18. August 2007

Polarkreis 18, Hohenfelden, 17.08.07

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Konzert: Polarkreis 18
Ort: Stausee Hohenfelden (Highfield Festival)
Datum: 17.08.2007
Zuschauer: Für die frühe Uhrzeit recht viele


Ich weiß nicht, wie oft ich meinem Leben am Stausee von Hohenfelden in Thüringen vorbeigefahren bin, auf die Idee, daß da ein Festival mit herausragendem Line-Up stattfinden könnte, war ich jedenfalls bisher nicht gekommen. Als ich das Programm für Freitag gesehen habe (Polarkreis 18, The Twang, Tocotronic, The Shins & Interpol) und erfahren habe, daß es Tageskarten gibt, war klar, daß ich da hinfahre.

Staus und andere Widrigkeiten hätten mich fast um einen der Hauptgründe gebracht, nach Erfurt zu fahren, nämlich um Polarkeis 18. Sehr abgehetzt kam ich aber genau im richtigen Moment auf dem Festivalgelände an, als
ich die letzte Kontrolle passierte, hörte ich gerade: "Hallo, wir sind Polarkreis 18". Puh, geschafft.

Für mich war das der mittlerweile vierte Auftritt der Band aus Dresden und meine Begeisterung steigt von Konzert zu Konzert. Auch gestern war die Ansetzung wieder unglücklich: Polarkreis 18 gehört abends auf die Bühne. Ich hoffe, liebe Festivalveranstalter, daß das spätestens bei den ersten Festivals nächstes Jahr so sein wird! Die Lage des Festivalgeländes direkt am Stausee, das Traumwetter und die doch schon zahlreichen Zuschauer, die im Gegensatz zu denen in Haldern die Band auch besser zu kennen schienen, machten das Konzert aber trotz des frühen Beginns um 17.20 Uhr zu einem sehr schönen Auftritt.

Erstes Lied war wieder "Somedays sundays". Dabei erschien mir das Schlagzeug
etwas zu laut zu sein. Das wurde aber schnell besser, denn schon "Dreamdancer", der Riesenhit der Sachsen, klang gewohnt toll. Diese Visions-Leute, die das Album der Band so sehr runtergeschrieben haben, sollten es so machen wie ich. Ich war auch skeptisch, bevor ich Polarkreis 18 zum ersten Mal gesehen habe, mittlerweile zählt die Band zu meinen Lieblingen. Die großen Melodien sind einzigartig, "Dreamdancer" ragt dabei zwar heraus, die anderen Stücke sind aber alle echte Erlebnisse. Das gestrige Set war ähnlich wie das aus Haldern, ergänzt wurde es durch "Under this big moon".

Ich hatte wirklich den Eindruck, daß viele die Lieder kannten. "Dreamdancer"
erkannten irre viele an den ersten Takten. Aber auch der Rest kam sehr gut an. Umso verwunderlicher war die Aussage von Felix irgendwann zwischendurch: "Unser Manager steht links auf der Bühne und guckt recht griesgrämig." Warum bloß? An der Leistung seiner Band kann es nicht gelegen haben, die war wie immer toll, am Publikum eben auch nicht. Der Sound war nach den anfänglichen Schwierigkeiten auch für meine Ohren sehr ok. Ich weiß es nicht. Ich weiß aber, daß ich auch beim nächsten Mal, dann wieder in einem Club (und in Köln) viel Spaß haben werde. Vielleicht haben die Visions-Typen für den Auftritt ja auch ihr Zelt verlassen und sich von Polarkreis 18 überzeugen lassen... Eigentlich glaube ich das aber nicht, die Visions-Bands wie Sparta und Trail of Dead treten erst heute oder morgen auf...

Setlist Polarkreis 18 Highfield Festival:

01: Someday sundays
02: Dreamdancer
03: Comes around
04: Crystal lake
05: Under this big moon
06: Look



Dienstag, 14. August 2007

Interview Polarkreis 18

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Interview: Polarkreis 18

Ort: ein alter Baumstumpf im Pressebereich des Haldern-Pop Festivals
Datum: 03.04.2007
Anwesend: Bernd (Bernhard), der blonde Keyboarder der Band



Den Anfang des Konzerts von Jamie T. müssen wir zwar sausen lassen, aber dafür haben wir das Vergnügen, ein Interview mit Bernd, dem blonden Keyboarder von Polarkreis 18 zu führen.


Wir geben uns zur Begrüßung die Hand, bevor sich Bern nochmal kurz aufs stille Örtchen begibt (er fragt sehr sympathisch: "habt ihr noch soviel Zeit?" - klar, haben wir, bitte nicht wegen uns einhalten!).

Kurze Zeit später ist der schlanke junge Mann zurück, und wir setzen uns ganz gemütlich auf den herrlichen alten Baumstumpf, der schon als Kulisse für das Interview mit The View diente. Wir stellen uns kurz vor, loben den bereits erfolgten Auftritt von Polarkreis 18 auf dem diesjährigen Haldern-Pop Festival und beginnen, ihn mit Fragen zu löchern...

Mein Blog: "Erstmal Glückwunsch, Euer Auftritt eben hat uns gut gefallen, aber warum war er bloß so kurz? Ihr habt nur fünf Lieder gespielt, stimmt's?"
P 18: "Ja, leider, aber es gab Verzögerungen im Zeitplan und beim Umbau. Aber ich glaube, wir haben das trotzdem noch ganz gut hingekriegt, oder?"
Mein Blog: "Klar, aber wir hätten schon gern mehr gehört"...

Mein Blog (Christoph): "Glücklicherweise hab ich ja schon zweimal live gesehen und das war toll!"
Mein Blog (Oliver): "Und ich hab Euch leider verpasst, als ihr in der Pariser Flèche D'or gespielt habt, weil ich am gleichen Tag schon Tickets für The View, The Enemy und Mumm-Ra hatte. Eigentlich wollte ich danach noch vorbeischauen, weil es in der Flèche D'Or immer so spät losgeht, aber ich hab es nicht mehr gepackt."
P 18: "Schade, daß Du das verpasst hast, Oliver, aber Christoph, Dir hat es in Köln doch hoffentlich gefallen?"
Christoph: "Ich gebe zu, daß ich zunächst skeptisch war, aber live habt ihr mich sehr schnell überzeugt und schließlich fand ich auch Euer Album toll!"
Oliver: "Und ich war von Eurem heutigen Auftritt angetan, definitiv besser als auf CD!"

Mein Blog: "Ihr habt insgesamt sehr positive Kritiken bekommen, z.B. von Spiegel-Online oder der Spex. Nur die Visions hat Euer Debütalbum ziemlich verrissen."
P 18: "Über die Darstellung in der Visions haben wir uns schon ein wenig geärgert, ich glaube, die verstehen einfach unseren Musikstil nicht."
Mein Blog: "Die Kritik in dem zuvor zitierten Blatt ist für uns auch nicht nachvollziehbar, aber nun gut, vielleicht kann man einfach sagen, daß Geschmäcker nun einmal verschieden sind..."

Mein Blog (Oliver): "Ist ja schon eine feine Sache für eine junge deutsche Band in Paris zu spielen, aber ihr wart ja auch schon auf dem renommierten Festival 'The Great Escape' in Brighton. Wie ist es eigentlich da für Euch gelaufen?"
P 18: "Och, ganz gut, aber wir haben schnell gemerkt, daß die da auch alle nur mit Wasser kochen."

Mein Blog: "Aber da spielen doch die ganzen angesagten englischen Nachwuchsbands, von denen man dann ein Jahr später in der Zeitung liest".
P 18: "Vielleicht hört man noch von einigen, die dort aufgetreten sind, sicher ist das aber nicht."

Mein Blog: "Ihr kommt also ganz schön in der Welt rum, aber gibt es einen bestimmten Ort, an dem ihr mal spielen wollt?"
P 18: "Ja, in der Dresdner Semperoper."

Mein Blog: "In Eurer Heimatstadt also, interessant. Ist es Euch demzufolge wichtig, als deutsche Band wahrgenommen zu werden, oder wollt ihr international erscheinen? Get Well Soon, z.B., die auch auf dem Festival in Haldern am Start waren, wirken sehr englisch und spielen auch oft auf der Insel, stammen aber aus Deutschland."
P 18: "Wir singen zwar englisch, aber wir kommen nun einmal aus Deutschland und das soll man schon ruhig wissen."

Mein Blog: "Erzähl uns doch ein bißchen von Eurer Gründungsgeschichte, wie lange gibt es Euch eigentlich schon?"
P 18: "Schon seit 10 Jahren, auch wenn man das kaum glauben mag!"

Mein Blog: "Man liest immer, ihr hättet als Heavy- bzw. Punkband angefangen?"
P 18: "Das stimmt, da hießen wir noch Jack Of All Trades, ein scheußlicher Name übrigens."

Mein Blog: "Und danach? Angeblich haben Euch Blur danach sehr geprägt..."
P 18: "Blur, genau, aber auch Bands wie Radiohead."

Mein Blog: "Aber Euer Stil klingt schon sehr eigen, Blur hört man eigentlich nicht raus."
P 18: "Ist wohl auch besser, seinen eigenen Stil zu verfolgen."

Mein Blog: "Und der Name? Polarkreis 18, wie kam es dazu?"
P 18: "Oh, das war zunächst nur ein Arbeitstitel, bei dem es aber dann geblieben ist."

Mein Blog: "Warum tragt ihr eigentlich immer weiße Kleidung?"
P 18: "Das passte irgendwie zu Polarkreis, dem Eis, der Kälte..."

Mein Blog: "Man kann lesen, daß ihr Euer erstes Album bereits 2004 self-released habt, eigentlich müßtet ihr dann schon einige neue Lieder geschrieben haben?"
P 18: "Nicht wirklich, weil wir an den alten Sachen ständig weitergefeilt haben, bevor sie beim Berliner Label Motor Music nochmal neu rauskamen."

Mein Blog: "Motor Music, aha, gutes Label. Fühlt Ihr Euch da wohl?"
P 18: "Ja."

Mein Blog: "Und seit ihr jetzt mit den Titeln, so wie sie auf der CD zu hören sind, zufrieden?"
P 18: "Ja, obwohl das Album immer noch nicht perfekt produziert ist."

Mein Blog (Oliver): "Ich persönlich empfinde es nicht als störend, wenn es kleine Fehlerchen gibt. Und live finde ich es sogar gut, wenn es etwas anders klingt als auf dem Tonträger."
P 18: "Wir haben aber das Bestreben, live so nah wie möglich an der CD dran zu sein."

Mein Blog: "Euer Sound klingt manchmal nach Filmmusik, oder nach einem Soundtrack. Habt ihr einen besonderen Bezug zum Kino, seid ihr Cineasten?"
P 18: "Eigentlich nicht unbedingt, ist eher Zufall. Aber das mit der Filmmusik hören wir des öfteren."

Mein Blog (Oliver): "In Frankreich könntet ihr mit Eurem Stil durchaus Erfolg haben, die lieben ja das Kino."
P 18: "Mal sehen..."

Mein Blog: "Tokio Hotel sind ja ganz groß in Frankreich."
P 18: "Echt? Kaum zu glauben!"

Mein Blog: "Doch, doch, die füllen dort riesige Hallen."
P 18: "Wahnsinn, ich dachten Rammstein kämen dort so gut an?"

Mein Blog: "Die auch, aber im Moment laufen Tokio Hotel am besten."
P 18: Ungläubiges Kopfschütteln

Mein Blog: "Wir wollen es auch nicht zu lange machen, nur noch eine letzte Frage, wen würdest Du gerne mal live erleben?"
Bernd: "Keane, die würd' ich gerne mal sehen."

Mein Blog: "Danke für das angenehme Gespräch und viel Erfolg für die weitere Zukunft!"

Links:

- aus unserem Archiv:
- Polarkreis 18, Köln, 29.11.08
- Polarkreis 18, Dortmund, 29.03.08
- Polarkreis 18, Hohenfelden, 17.08.07
- Polarkreis 18, Haldern, 03.08.07
- Polarkreis 18, Köln, 20.05.07
- Polarkreis 18, Köln, 15.03.07
- mehr Fotos von Polarkreis 18 in Köln









Freitag, 3. August 2007

Polarkreis 18, Haldern, 03.08.07

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Konzert: Polarkreis 18

Ort: Haldern-Pop Festival (Rees-Haldern)
Datum: 03.08.2007
Zuschauer: gut gefüllt vor der Bühne


Als ich Polarkreis 18 zuletzt im Underground in Köln gesehen habe, hatte ich befürchtet, die Band aus Dresden könne zu früh, nämlich bei Tageslicht, spielen. Ich war sehr unsicher, ob die experimentelle Musik der Band auch im Hellen so faszinierend wirke wie in Clubs. Vor ein paar Tagen, als der Zeitplan veröffentlicht wurde, sah ich meine Befürchtungen eintreffen: Polarkreis waren um 18.15 Uhr angesetzt. Es ging dann zwar eine Ecke später los, weil es die ersten beiden (!) Bands schon geschafft hatten, den Zeitplan zu sprengen, die Band spielte aber trotzdem noch bei strahlendem Sonnenschein.

Sonne hin oder her: Großartige Lieder wie "Dreamdancer" funktionieren auch bei Sommersonne, der Auftritt war begeisternd. So lange er dauerte... Denn nach dem dritten (!) Lied tauchte ein Offizieller auf, der Sänger Felix zu verstehen gab, daß nur noch ein Lied möglich sei. Man einigte sich wohl auf 10 Minuten, sodaß mit "Crystal lake" und "Look" noch zwei Stücke gespielt wurden, und die Band dann nach fünf Liedern und vielleicht 30 Minuten von der Bühne mußte.

Nicht nur ich habe dieses Abwürgen nicht verstanden, denn der Auftritt der Sachsen kam beim Publikum extrem gut an. Sehr schade, daß den Zuhörern die Chance genommen wurde, diese wirklich einzigartige deutsche Band besser kennenzulernen. Glücklicherweise kommen Polarkreis 18 im Herbst noch einmal nach Köln. Und dann sicher länger.

Setlist Polarkreis 18 Haldern Festival:

01: Somedays sundays
02: Dreamdancer
03: Comes around
04: Crystal lake
05: Look

Links:

- mehr Fotos vom Haldern-Festival
- Polarkreis 18 in Köln (intro intim)
- Polarkreis 18 im Underground in Köln






Montag, 21. Mai 2007

Polarkreis 18, Köln, 20.05.07

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Konzert: Polarkreis 18

Ort: Underground Köln
Datum: 20.05.2007
Zuschauer: 3/4 voll


Vor einigen Wochen fand im Gebäude 9 in Köln ein intro-intim-Abend u.a. mit Polarkreis 18 statt. Ich hatte vorher nur von der Band gelesen (und kannte nur ein Lied) und war sicher, daß das nichts für mich wäre. Der Auftritt der Dresdner hat mich aber vollkommen überzeugt. Am Tag nach dem Konzert habe ich ihr Album bei iTunes gekauft und seitdem sehr oft gehört. So war es auch keine Frage, daß ich den heutigen Auftritt der Band, die in den letzten Tagen u.a. auch in Paris gespielt hat, sehen wollte.

Viertel nach acht kam ich im Underground an, die Vorgruppe sollte um halb neun beginnen. Wegen der sommerlichen Temperaturen war der kleine Club noch sehr leer. Das änderte sich langsam, und als die Vorgruppe (vier junge Frauen) auf die Bühne stieg, war der Raum einigermaßen gefüllt. Bis auf Sängerin Charlotte trugen die Musikerinnen Tartan-Miniröcke und sahen damit schon ein wenig punkig aus. Die Musik der Black Sheep ist Pop, der auch gut ankam, mir aber zu brav war. Daran änderte auch das Punk-Gewand nichts, das über die Pop-Songs gezogen wurde (z.B. das wilde Headbangen der Bassistin Aurora). Wie ich eben gesehen haben, waren The Black Sheep schon Vorgruppe von Silbermond. Das kann ich mir auch gut vorstellen. Charlotte stellte die Band übrigens vor mit den Worten "Wir sind The Black Sheep aus Köln und spielen heute als Support von Polarkreis 7." Obwohl das letzte Lied "Touching me" hieß, haben die Kölnerinnen mein vorgruppenphiles Herz nicht berührt. Allerdings ging das anderen anders, denn die Stimmung war durchaus gut.

Setlist The Black Sheep Köln:

01: My answer
02: Smash my heart
03: Use your wings
04: Try
05: Come out now
06: Touching me

Weil wohl das Mischpult zu klein war (ich könnte jetzt auch über albanische Grammatik reden, davon habe ich ähnlich viel Ahnung wie von Mischpulten), mußte Polarkreis 7 ähh 18 einiges neu ausrichten, wodurch sich der Auftritt verzögerte. Aufgebaut wurde von der Band selbst. Sänger Felix (in Flip Flops) und Kollegen erledigten alle Vorbereitungen selbst. Felix entschuldigte sich dann auch für die längere Vorbereitung. Sehr sympathisch alles.

Gegen viertel vor zehn kamen die Bandmitglieder dann umgezogen (wieder in weißen Hemden und Hosen, Christina) auf die Bühne. Polarkreis 18 treten live zu sechst auf. Ich hatte mehrmals gelesen, die Band bestehe aus fünf Mitgliedern (u.a. auf ihrer myspace-Seite). Heute jedenfalls waren neben Felix ein zweiter Gitarrist, ein Bassist, der Schlagzeuger und zwei Keyboarder dabei. Ich denke, daß das auch die Besetzung bei meinem ersten Konzert der Sachsen im Gebäude 9 war. Was ich im Gegensatz zu damals vermisste, war das Horn, das vor allem bei dem unfassbar guten "Dreamdancer" eingesetzt wurde. Hier übernahm Felix den Horn-Part mit seiner Stimme. Im letzten Konzertbericht habe ich die noch als Nervstimme bezeichnet. Das ist ganz großer Blödsinn gewesen, die Stimme ist fantastisch!

Ich glaube zwar weiterhin, daß Polarkreis 18 nicht massentauglich sind, dafür ist die Musik zu anspruchsvoll. Mich haben die traumhaften Melodien aber auch heute wieder fasziniert. Allerdings ist der kleine Club für diese Art Musik meiner Meinung nach schlecht geeignet, nicht nur, weil es auf der Bühne manchmal eng wurde. Ich denke, die Musik enfaltet sich in einem großeren Raum deutlich besser. Meine Vorfreude auf Haldern ist heute jedenfalls weiter gewachsen. Ich hoffe allerdings, daß Polarkreis 18 nicht zu früh angesetzt werden, denn das ist keine Nachmittagsband, die Musik paßt besser zu einem dunklen Abend als zu Sonne (ich war erst einmal in Haldern...)

Das Set bestand zum großen Teil aus Liedern der CD der Band. Beim vorletzten Stück verließen Felix und (soweit ich das gesehen habe) der zweite Gitarrist die Bühne und ließen den Rest der Band weiterspielen (laut Setlist "Trio song" aber zu viert gespielt). Der reguläre Teil endete dann mit dem tollen "Comes around". Zur ersten Zugabe kam Felix alleine auf die Bühne, setzte sich ans Keyboard und spielte die Stärke seiner Stimme (nur eben keyboardbegleitet) perfekt aus. Nach der zweiten Zugabe "Look" endete das Konzert nach gut einer Stunde. Eine wirklich tolle Band, die ich nur jedem empfehlen kann! Ich denke allerdings, daß die Kaugummis, die ich vorher an der Tankstelle gekauft hatte, mit Geschmackrichtung "Polar ice" nicht nach ihnen benannt sind. Da sind auch 14 Stück drin.

Setlist Polarkreis 18 Köln:

01: Somedays sundays
02: Dreamdancer
03: Stellaris
04: Crystal lake
05: Phil song
06: Under this big moon
07: Trio song
08: Comes around

09: Felix solo (Z)
10: Look (Z)

Links:

- Polarkreis 18 im Gebäude 9 (diese verdammten Zahlen alle)
- mehr Fotos


Freitag, 16. März 2007

Love of Diagrams, Polarkreis 18 & Karpatenhund, Köln, 15.03.07

4 Kommentare
Konzert: Love of Diagrams, Polarkreis 18 & Karpatenhund (intro intim)
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 15.03.2007
Zuschauer: annähernd voll

Schon auf dem Weg zum Gebäude 9 liefen mir mehr Leute über den Weg als vergangenen Sonntag bei den Blood Red Shoes. Vor allem standen aber vor dem Eingang auch entschieden mehr Fahrzeuge, die meisten vom WDR, der das Konzert für den Rockpalast aufzeichnete.

Für überschaubare elf Euro sollten heute im Rahmen eines intro intim-Konzerts vier Bands auftreten. Ich kannte nur eine der vier besser (Karpatenhund) und hatte das Ticket vor allem wegen meiner Neugierde auf Polarkreis 18 gekauft. Love of Diagrams und Trans Am sagten mir nichts, interessierten mich aber natürlich auch.

Gegen halb neun - der Saal war noch ziemlich leer - trat die erste der Bands auf: Love
of Diagrams aus Australien. Die Gruppe besteht aus drei Personen, Bassistin Antonia Sellbach, Gitarrist Luke Horton und Schlagzeugerin Monika Fikerle (die scheinen alle einen deutschen Migrationshintergrund zu haben). Das erste Lied klang anfangs nach Bands wie Interpol. Spektakulär wurde es dann aber, als Bassistin Antonias Gesang einsetzte. Denn auf einmal hatte ich das Gefühl, eine meiner Live-Wunschbands (neben den Smiths und James etwa) zu erleben. Hätte ich die Augen geschlossen, hätte ich geglaubt, bei Siouxsie & the Banshees zu sein. Antonias Stimme ist umwerfend. Die Band sah zwar auf der Bühne wenig aufregend aus, der Sound war allerdings grandios. Love of Diagrams spielten 40 Minuten und fesselten mich (und den Saal) zunehmend mehr. Leider bekam ich ihre EP hinterher nicht. Das werde ich aber ganz dringend nachholen müssen.

Zu der nächsten Band - Polarkreis 18 aus Dresden - hatte ich keine eindeutige
Meinung. Kein Wunder, denn ich kannte nur ein Lied der Band, die Visions Chefredakteur Carsten Schumacher als Poser und schlechten Abklatsch von Sigur Rós bezeichnet hatte. Aber ich war gespannt. Und das sollte sich lohnen. Der erste Eindruck war noch anders: Da traten sieben (denke ich) in weiße Hosen und weiße Hemden gekleidete Musiker auf die Bühne, die an eine Eisdielenmannschaft aus Cottbus erinnerten. Angenommen, weiße Hosen wären tragbar, weiße Kurzarmhemden wären es auch dann auf keinen Fall. Aber sei's drum, es ging ja schließlich nicht um Mode. Die Instrumente sahen zumindest interessant aus: Neben Gitarren, Bass, Schlagzeug und zwei Keyboards waren da noch ein Horn und eine Trompete. Obwohl als nächste Abschreckung der Sänger der Sachsen ganz furchtbar rumtanzte und anfangs eine anstrengende Stimme hatte, wurde es dann immer besser. Der Stil der Band ist schwer zu beschreiben, für mich klang das schon sehr originell. Die Lieder sind lang, wechseln Tempi und Lautstärken und bauen wundervolle Melodien auf. Die Nervstimme von Sänger Felix wurde auf einmal sehr passend. Ob mich das ganze auf CD ähnlich fesselt, weiß ich nicht. Ich könnte mir vorstellen, daß ich mich mit der CD schwerer tue. Live war die Band aber toll. Das scheinen auch die gebannt zuhörenden Besucher empfunden zu haben, denn viele wippten immer intensiver mit.

Wieder gut 40 Minuten später und nach einer Zugabe begann der Umbau für Karpatenhund. Das WDR hatte bei Polarkreis 18 angefangen, das Konzert aufzunehmen. Einer der drei Kameraleute (der nicht furchtbar groß war), hatte zu diesem Zweck ein High-Tech-Podest mitgebracht: Eine Postkiste. Anfang Mai werde ich überprüfen, ob die Bilder trotzdem etwas geworden sind.

Um halb elf war dann meine meistgesehene Band der letzten Wochen dran: Karpatenhund aus Köln. Und es hat
sich einiges bei der Gruppe um Sängerin Claire getan. Auffällig war als erstes, daß die Bandmitglieder erstmals einheitlich gekleidet waren (zumindest für mich erstmals). Alle trugen schwarzes Hemd bzw. Bluse mit weißen "K" auf der Brust und schwarze Hose bzw. Rock. Vor dem schwarzen Bühnenhintergrund wirkte das zwar ein wenig düster, sah aber nett aus. Dann fehlte das obligatorische Megaphon, das Claire bisher eingesetzt hatte. Stattdessen war ein zweites Mikro vor ihr installiert (das Stimmverzerrdings, wie immer das auch heißen mag). Nach den ersten Takten klang auch der Sound anders als bisher. Ich hatte das Gefühl, Karpatenhund spielten eine Ecke härter als sonst. Nicht, daß mir das nicht gefallen hätte. Ganz im Gegenteil, das war sehr gut. Ich bin ganz sicher, daß Karpatenhund 2007 den großen Durchbruch schaffen werden. Das ist allerdings keine sonderlich mutige Aussage, haben die Kölner doch als Act bei Southside- und Hurricane-Festival und Titelmelodie-Geber der ARD-Serie "Türkisch für Anfänger" den Durchbruch vermutlich schon sehr weit vorbereitet. Große Überraschungen bot das Set nicht, das habe ich aber auch nicht erwartet. Nach einer Zugabe war dann gegen halb zwölf Schluß.

Setlist Karpatenhund:

01: Und es fängt an
02: Zusammen verschwinden
03: Sendet Gegner
04: Nicht wirklich glücklich
05: Ist es das, was Du wolltest
06: Alles ist schiefgegangen
07: Ich will, daß Du bleibst
08: Neonlicht
09: Meer
10: Tag, der nicht vergeht
11: Gegen den Rest
12: Eigentlich wollte ich mich nicht mehr verlieben

Für mich war dann auch insgesamt Schluß, Trans Am sollte erst um 23.40 Uhr anfangen, das war mir zu spät. Aber für mein Geld hatte ich drei aufregende Konzerte gesehen.



 

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