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Sonntag, 10. August 2014

William Fitzsimmons, Karlsruhe, 03.08.14

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Konzert: William Fitzsimmons
Ort: Substage in Karlsruhe
Datum: 3. August 2014
Dauer: 105 min
Zuschauer: um die 400



Das Substage ist in der "Arbeitsteilung" der Karlsruher Konzertveranstalter für Metal und Rock "zuständig". Dies mit einem sehr attraktiven Programm und mit Ausstrahlung weit über Karlsruhe hinaus. Ich bin ja durchaus dem krachigeren Rock nicht abgeneigt, aber in der Teilnahme an Liveumsetzung eher zurückhaltend. Deshalb war ich vor diesem Abend erst ein einziges Mal im Substage zu Gast und war danach weitgehend sicher, dass ich die Gefahr, umgestoßen zu werden eher nicht so schnell wieder suchen werde.


Insofern war es an meinem zweiten Abend besonders eindrucksvoll, als ich ankam und das Publikum eher dem Auerworld-Universum zu entstammen schien. Alle saßen in Grüppchen auf dem Boden und verbreiteten eine entspannte und friedvoll erwartungsfrohe Stimmung. Heute würde ich bestimmt nicht umgeschubst werden. Das passte freilich zu meiner Erwartungshaltung an ein Konzert mit William Fitzsimmons (auch wenn es mein erstes Konzert mit ihm war und folglich nur ein Vorurteil sein konnte).


Das Konzert begann damit, dass William Fitzsimmons mit kleiner Gitarre und seinen zwei Mitmusikern unverstärkt an den Bühnenrand trat und sein erstes Lied vortrug. Damit hatte er sofort die volle Aufmerksamkeit und Ruhe im Publikum erreicht. Im Verlauf des normalen Sets gab es Tasten und Drums sowie Beats vom Mac von einer Seite und eine zusätzliche Gitarre von der anderen Seite. Beides durchaus dazu beitragend, dass die doch etwas getragene Grunddynamik der Musik vielgestaltiger und interessanter wurde.


In den Zwischenansagen erwies sich der Herr am Mikro als sehr schwarzhumorig aber auch deutlich fröhlicher als man nach dem durchhören eines Albums denken könnte. Es wurde gelacht und gelächelt und irgendwie gelang es ihm, die Familie an zentraler Stelle des Konzerts zu halten. Mit Songs über seinen Vater, den Großvater und die Adoptivtöchter. Über zerbrochene Liebe und das weiterleben danach. Nach Aussagen von William Fitzsimmons war der Abend in Karlsruhe der Abschluss einer fast sechs Monate aundauerenden Tourperiode zum neuen Album - damit auch ein besonderer Abend für die Musiker auf der Bühne.


Über die Dauer des Abends hingen ihm die meisten hingebungsvoll an den Lippen und viele lagen im Arm eines Partners/einer Partnerin. Überall entrückte Gesichter - es war glasklar, dass wir uns eine Zugabe erfragen würden. Diese wurde gewährt und schließlich mit einer handvoll Songs in der Mitte des Publikums (nur um ein Mikro geschart) abgerundet. Sehr intim und stimmungsvoll ging damit ein zauberhafter Abend im Substage zu Ende. 


klienicum 2008: Albumvorstellung
klienicum 2010: OBS13-Konzertbericht 
Platten vor Gericht: Albumvorstellung Lions (2014)
  (inkl. Tourdaten im Februar/März in D)
Kulturpegel Konzertbericht aus Schorndorf 
Fotos von  Joy Dana Görig

Aus unserem Archiv:
William Fitzsimmons, Paris, 24.06.11
William Fitzsimmons, Dortmund, 17.06.11
William Fitzsimmons, Paris, 07.02.11




Sonntag, 26. Juni 2011

William Fitzsimmons, Paris, 24.06.11

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Konzert: William Fitzsimmons (Slow Runner, Maria Taylor)

Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 24.06.2011
Zuschauer: geschätzte 300-350


William Fitzsimmons und seine dreiköpfige Begleitband Slow Runner boten in der Pariser Maroquinerie ein wirklich schönes, wenngleich ein etwas gleichförmiges, zuweilen langatmiges Konzert. Fitzsimmons hatte mal bei einem früheren Auftritt scherzhaft gesagt: "My songs all sound the same" und so ganz falsch lag er mit dieser Aussage gar nicht. Vor allem seine Stimme setzte er durchgängig sehr sanft und zärtlich ein. Das gefiel den zahlreichen Romantikern im Publikum (viele Händchen haltende Pärchen, das wäre nix für meine Frau und mich, wir sind da eher nüchtern), ich hingegen hätte mir an der ein oder anderen Stelle gerne etwas mehr Feuer und Aufbegehren gewünscht. Regt sich denn dieser grundsympathische Bartträger nie auf? Diese Frage konnte man sich durchaus stellen und vermutlich ist er wirklich nur sehr schwer aus der Ruhe zu bringen, dieser William!

Der Sohn blinder Eltern hat sicherlich von klein auf gelernt, ruhig und besonnen zu bleiben und nie die Kontrolle zu verlieren. Ist er nicht auch Psychiater? Psychoterrorpeut? Ich las so etwas mal und ich könnte ihn mir wirklich gut als Therapeuten vorstellen. Wobei seine Konzerte durchaus den Charakter von Therapiesitzungen besitzen und sowohl ihm auch den Zuhörern Linderung verschaffen. Seinen hübschen Liedern wohnt einfach etwas enorm Tröstliches inne.

Beautiful Girl oder The Tide Pulls From The Moon das ist doch kuscheliger als jeder Schal! Fragile, tief in den eigenen Befindlichkeiten wühlende Stücke, die einen verletztlichen, feinfühligen Menschen erkennen lassen. Wobei William anscheinend keineswegs gesteigerten Wert darauf legt, tiefgründig zu sein, obwohl ihn jeder dafür hält. "I'm not deep" sagte er in einer der vielen witzigen und humorvollen Szenen (Männer, die traurige Lieder schreiben sind meistens lustig, siehe auch Bonnie "Prince" Billy!) und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Zuvor hatter er bereits ein paar andere Kalauer herausgehauen und schon gleich zu Beginn der Show für Schmunzler gesorgt, als er ankündigte, daß er und seine Kumpels sich heute nicht ausziehen würden, falls das denn jemand erwartet oder gar erhofft hätte.

Für den ulkigsten Moment schlechthin sorgte aber sein Schlagzeuger Joshua. Der von Fitzsimmons als Vielfraß beschriebene Bursche saß plötzlich zu einem Song mit zwei Baguette-Stangen in seinen Händen da. William drehte sich um und fragte: "was mampfst du denn schon wieder da?", als sich der Drummer kurzerhand dazu entschied, mit dem (angebissenen!) Brot Schlagzeug zu spielen. Und das klang richtig gut und professionell! Wer hätte gedacht, daß man mit Baguettes Schlagzeug spielen kann? Niemand! Der Saal johlte!

So machte Fitzsimmons schließlich deutlich, daß man auch als trister Singer/Songwriter viel Spaß und Klamauk vemitteln kann, vor allem wenn man eine solch amüsante Begleitband wie Slow Runner dabei hat.

Diese hatte zuvor ihre eigenen Lieder gespielt und dabei ein ansprechendes Konzert abgeliefert. Die Aussage von Christoph: "sie haben mir ausgezeichnet gefallen" konnte ich allerdings ebenso wenig unterschreiben wie seine zitierten Referenzen die Shins oder Death Cab for Cutie. Sie klangen eher nach Sufjan Stevens, Badly Drawn Boy Chris Garneau, manchmal fast nach Coldplay. Der Sound wurde dominiert von Pianoklängen und der inoffensiven Stimme von Michale Flynn. Recht hübsch, aber etwas harmlos und seicht.

Slow Runner waren aber nicht die einzige Vorgruppe von Fitzsimmons, denn um 20 Uhr 30 hatte eine Dame, Maria Taylor, den folkigen Konzertabend eröffnet. Vor noch recht spärlicher Kulisse spielte die hübsche, wenngleich spindeldürre brünette Chanteuse countryeske Lovesongs auf ihrer Akustikgitarre und schaffte es, die bereits anwesenden Zuschauer zu unterhalten. Sie erklärte gleich zu Beginn, daß sie ziemlich nervös sei, ließ sich das in der weiteren Folge aber nicht großartig anmerken.

In Deutschland kennt man Maria Taylor sowohl als Solokünstlerin, als auch als Teil von Azure Ray und zudem durch die Zusammenarbeit (und Affäre) mit Conor Oberst von Bright Eyes. In Frankreich hingegen ist Taylor wirklich ein unbeschriebenes Blatt. Es könnte sehr gut sein, daß sie heuer zum ersten Mal überhaupt in Paris gespielt hat, sicher bin ich allerdings nicht. Sie musste sich ihre Aufmerksamkeit deshalb auch hier in der Maroquinerie hart erarbeiten und hatte nicht von Beginn an gewonnen.

Wunderbar ihre countrygefärbte Stimme, filigran ihr Fingerpicking. Mit ihren langen Fingern zupfte sie schöne Melodien aus ihrer Akustischen und betörte nicht nur durch ihren Schlafzimmerblick (diese mandelförmigen Augen, hach!), sondern auch durch ihre mysteriöse, leicht ins gothische gehende Ausstrahlung. Es lag viel Schwermut, aber auch eine gehörige Portion Warmherzigkeit und Sanftmütigkeit in ihren Kompositionen, die an Dolly Parton oder Tift Merrit erinnerten. In der heutigen bis auf den Knochen abgespeckten Variante klangen die Stücke anders als auf den reichhaltig instrumentierten Alben, aber das war für mich eher positiv als negativ. So stand letztlich nämlich ihre Stimme absolut im Vordergund und diese besaß eine starke Anziehunsgkraft. Ich hing ihr förmlich eine halbe Stunde lang an den schmalen Lippen...

Was die Setlist anbelangt, kann ich berichten, daß Maria einige neue Lieder ihres im August erscheinenden fünften Albums Overlook, aber auch ein paar alte Sachen wie z. B. das feine Cartoons And Forever Plans gespielt hat.

Lasst euch Maria Taylor nicht entgehen, wenn sie mit William Fitzsimmons durch deusche Lande tourt!


Setlist William Fitzsimmons, La Maroquinerie, Paris, klick!
Setlist Slow Runner, La Maroquinerie, Paris, klick!
Setlist Maria Taylor, La Maroquinerie, Paris, klick!




Samstag, 18. Juni 2011

William Fitzsimmons, Dortmund, 17.06.11

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Konzert: William Fitzsimmons
Ort: Konzerthaus Dortmund (Pop Abo)
Datum: 17.06.2011
Dauer: William Fitzsimmons 80 min, Slow Runner 30 min


Der Merchandising Stand bei Popabenden im Dortmunder Konzerthaus ist im Foyer des Gebäudes aufgebaut. Als wir die Treppe zum Saal hochgingen, konnte man von oben die Auslage begutachten. Neben Platten des Sängers lag da vor allem ein gruseliges Poster, das den Sänger, vor allem aber seinen grimmigen Bart zeigte. "Ra Ra Rasputin, Lover of the Russian queen..."

Daß sich hinter dem dichten Bart eine schöne Stimme verbirgt, wußte ich zwar, daß der glatzköpfige Rasputin aber auch ein echter Entertainer ist, sollte ich heute abend auch noch lernen.

Eine großartige Einrichtung bei Konzerten im Rahmen des Pop Abos im Dortmunder Konzerthaus sind die kleinen Programmzettel, die Saaldiener verteilen. Das heutige Programm verriet uns, daß William Fitzsimmons von drei Musikern der Band Slow Runner begleitet würde, die solo für ihn auch den Abend eröffnen würden. Slow Runner stammen aus dem Vom Winde Verweht Städtchen Charlston in South Carolina. Die Band besteht aus Michael Flynn, Jonathan Gray und Josh Kaler.

Die Musik im Stil von Death Cab For Cutie oder der Shins war absolut wundervoll.. Sicher trug zu diesem wahnsinnig guten ersten Eindruck die perfekte Akustik des Saals bei, aber auch in einem schmierigen Club hätte ich vermutlich Spaß an den Südstaatlern gehabt. Der Klang war so brillant, daß wir in unsere Reihe weit vorne das Bassspiel verstärkt und perfekt ausbalanciert hören konnten, gleichzeitig aber auch die Zupfgeräusche von Jonathan, ein grandioser kleiner Effekt.

Michael Flynn singt die meisten Parts bei Slow Runner. Er spielt ansonsten Keyboard und lag dabei oft tief über seinem Instrument. Sein Gesangsmikro hing aber irgendwie im Weg, er bewegte den Kopf immer wieder rechts und links am Mikrophon vorbei, um näher an die Tasten zu kommen, was urkomisch aussah. Star der Band ist aber Schlagzeuger Joshua. Sein Trommelspiel klang scheppernd und sehr direkt und verlieh den Stücken einen besonderen Pfiff. Bei dritten Lied (Auto happy) bediente er nur die Bassdrum und spielte beidhändig Glockenspiel. Das man mit sich mit so etwas in die Reihe meiner musikalischen Helden spielt, wird Stammleser nicht weiter überraschen.

Weitere tolle Lieder waren You're all I need mit Banjo und Steel-Guitar und Love and doubt, das immer lauter und dramatischer wurde.

Der halbstündige Auftritt gefiel mir ausgezeichnet und schien auch allgemein gut anzukommen. Die Band verabschiedete sich, um eine Viertelstunde später schon wieder auf die Bühne zu kommen, diesmal eben mit William Fitzsimmons.

Setlist Slow Runner, Konzerthaus Dortmund:

01: Devil moon
02: Damage points
03: Auto-happy
04: You're all I need
05: Love and doubt
06: It's back
07: Strange days

Nachdem William Fitzsimmons mit Passion play von seiner Debütplatte Until when we are ghosts seine musikalischen Qualitäten erstmals gezeigt hatte, folgten die unterhaltenden anschließend: "die Hälfte von euch ist heute wegen der Musik hier, die andere Hälfte wegen des Barts." Den ersten neuen Lieder von seiner im März erschienenen Platte Gold in the shadow gab er mit auf den Weg: "wir spielen heute Stücke, die ihr vielleicht noch nicht kennt, das ist aber egal, alte und neue Songs klingen gleich!"


Ähnlich hören sich Williams Stücke schon an, man erkennt leicht auch bei unbekannten Sachen, daß sie aus der gleichen Feder stammen. Mir ging es allerdings anders als den Kennern, ich bin eher zufällig beim bärtigen Sänger und Psychotherapeuten gelandet, weil ich seine Musik früher für staubtrockenen Folk hielt, der mich gerade da nicht reizte. Allerdings hatte ich auch noch nie eines seiner Stücke gehört. Erst mit dem aktuellen Album kam ich in Kontakt mit William Fitzsimmons und merkte, daß ich ihm unrecht getan hatte und mich seine Musik sehr wohl packte. Und weil ich Fitzsimmons quasi rückwärts entdeckt habe, kannte ich also auch in Dortmund eher seine neuen als die alten Lieder.


Ob neu oder alt, gemeinsam haben die Lieder das wichtigste Element, die sanfte Stimme Williams. Besser beschreiben kann die der Künstler selbst: "das ist ein schöner Saal hier! Fast so schön wie meine Stimme!" Die Begleitung durch Slow Runner war dezent aber sehr gekonnt. Ich frage mich immer wieder, wie viel Aufwand es kosten muß bzw. wie gut Musiker sein müssen, die einen Kollegen begleiten und dessen Werk eben nicht seit Jahren auswendig kennen. Noch dazu hatte William Fitzsimmons die Setlist noch auf Zuruf geändert. Man merkte Slow Runner keine musikalischen Unsicherheiten an, nur ab und zu wirkte vor allem Keyboarder Michael schüchtern. Kein Wunder, wenn man bei seinem ersten Auftritt in Deutschland gleich in einem vollen klassischen Konzerthaus spielt. Den Höhepunkt erreichte diese Schüchternheit bei der letzten Zugabe The winter from her leaving. Die drei Slow Runners standen dazu mit Banjo und Mandoline um ein Mikro rechts von Fitzsimmons. Irgendwann kam der körperlich viel größere Sänger dazu und stellte sich in den Kreis der drei Kleinen. Es sah aus, als wolle der Lehrer mit seinen Schülern musizieren!


Dieser Eindruck beendete das Konzert für uns. Das Angebot Williams, ihn am Merchstand zu besuchen und zu berühren ("nur nicht am Bart ziehen!") ließen wir sausen. Ohne war der Abend schön und unterhaltsam genug.

Setlist William Fitzsimmons, Konzerthaus Dortmund:

01: Passion play
02: Find it in me
03: Beautiful girl 
04: Wounded head
05: Tide pulls from the moon
06: ??
07: Gold in the shadow
08: If you would come back home
09: Bird of winter prey 
10: Blood and bones     
11: I don't feel it anymore (Song of the sparrow)     
12: Just not each other
13: Everything has changed
14: Good morning


15: Afterall (Z)
16: Fade and then return (Z)
17: The winter from her leaving (Z)

Leider keine Fotos, da das im Konzerthaus nicht gestattet ist (und ich schon vor Konzertbeginn erwischt wurde).


Dienstag, 8. Februar 2011

Lucy Rose & William Fitzsimmons & Carosel, Paris, 07.02.11

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Konzert: Lucy Rose & William Fitzsimmons & Carosel

Ort: L'International, Paris

Datum: 07.02.11 Zuschauer: viele


Freunde, habe die neue Laura Marling! Lucy Rose heißt die blutjunge Engländerin mit den niedlichen Sommersprossen, die mir gestern in Paris gehörig den Kopf verdreht hat. Was für ein Talent, wow, wow, wow! Solch eine Ausnahmekünstlerin sieht auch ein abgebrühter Konzertblogger wie ich nicht alle Tage. Lucy ist ein Rohdiamant, der nur noch ein bißchen geschliffen werden muss, bevor er im hellsten Glanz erstrahlt. Ach, was rede ich da überhaupt, gestern beim Konzert funkelte es ja schon jetzt, wo man nur hinschaute! In ihren wunderschönen blauen Augen, in den Augen der völlig geplätteten Zuschauer, einfach überall! Und auch ihre melancholischen Lieder glänzten wie Gold und ließen mein Herz erglühen.



Es war bereits 23 Uhr, als das rotblonde Kücken zusammen mit drei männlichen Begleitmusikern loslegte. Da sie erst spät aus Brüssel eingetroffen war, konnte sie den Soundcheck nicht wie üblich mittags erledigen, sondern tat dies auf der Bühne vor den Augen der zahlreich versammelten Zuschauer: Diese hatten zuvor bereits zwei Konzerte gesehen. Zunächst den Auftritt des sehr früh angesetzten Singer Songwriters William Fitzsimmons, der ganz alleine mit Rauschebart, Zipfelmütze und Akustikgitarre sein schönes Set bestritt, allerdings über Stimmprobleme klagte. Er sei heiser, hätte Probleme zu singen und merkte selbstironisch an: "aber ihr kommt ja hier sowieso nur zum Bier trinken hin, oder? Und nicht für meine Songs, die klingen doch alle gleich, stimmt's?" Das war allerdings ein wenig fishing for compliments, denn natürlich hatten sich viele Leute eingefunden, um seinen fragilen Liedern zu lauschen. Allerdings gab es auch einen gewissen Prozentsatz an Besuchern, die in der Tat nur zum Quatschen und Saufen gekommen waren und mit ihrem Geplapper das sehr leise Konzert störten. Vielleicht kam Fitzsimmons gerade deshalb auf die Idee, seinen letzten Song inmitten der auf dem Boden sitzenden Zuschauer (eine Unsitte!) zu performen. Er erzielte auch den gewünschten Effekt, denn plötzlich waren fast alle leise und nur das Klicken der Fotoapparate nervte noch ein wenig. William erntete am Ende einen tosenden Aplaus und kündigte an, im Laufe des Jahres mit neuem Album im Gepäck und einer ausgewachsenen Band wiederzukommen.

Danach traten die furchtbar netten, aber leider auch furchtbar langweiligen Iren Carosel auf und trugen ein jazzig angehauchtes Konzert zum Abgähnen vor.

Aber das Warten und Ausharren hatte sich gelohnt, denn nun stand als Letzte Lucy Rose an. Ein Mädel, auf das ich Anfang des Jahres zufällig über eine Akustiksession bei youtube gestolpert war. Night Bus hatte sie dort vorgetragen und mich mit ihrem sentimentalen Gesang und ihrer Zartheit höchst neugierig gemacht. Als ich dann las, das sie am 7. Februar in Paris spielen würde, war klar, daß ich da unbedingt hin musste. Und die zierliche Britin erfüllte meine Erwartungen nicht nur, sondern übertaf sie um Längen. Alles an ihr war faszinierend. Die warme, zuweilen brüchig-fragile Stimme, das Guitarpicking, das erstaunlich reife Songwriting, die Kompositionen und nicht zuletzt ihre umwerfende Ausstrahlung. Ein unschuldiges Schulmädchen könnte man auf den ersten Blick meinen, aber schon derart kess und ausgebufft, das es mir die Sprache verschlug. Die Kleine hatte Humor und war zudem ungemein schlagfertig. "Kann mir mal bitte jemand von der Bar ein Bier besorgen, meines habe ich eben gerade aus Versehen ausgekippt?", sagte sie ganz lässig. Der Wunsch wurde ihr erfüllt, aber kurze Zeit später kommentierte sie schelmisch: "Oh you got me, this is a big beer!" Noch witziger wurde es in einer Szene, als ein offensichtlich angetüdelter Franzose mit starkem Akzent reinrief: "I love you Lucy, I want to love you, I can show you Paris, etc." Sie blieb da ganz gelassen, erklärte den verrückten Zuschauer zu ihrem Lieblingsgast des heutigen Konzertabends und fuhr ganz entspannt im Programm fort. Viele starke Song hatte das Set zu bieten, darunter angesprochenes Night Bus, zudem auch Middle Of The Bed und vor allem den vorzüglichen Closer Bikes. Der Drummer bekam bei diesem letzten Lied richtig Arbeit und machte von hinten ordentlich Dampf. Der Basser war übrigens kein anderer als der Frontmann der Band Broadcast 2000, den ich bereits schon einmal live in Paris gesehen hatte. Im Hintergrund agierte auch noch ein zweiter Gitarrist.

Der Applaus des Publikums war nach dem Verklingen von Bikes so gewaltig, daß Lucy noch einmal zu einer ungeplanten Zugabe zurückkam und ganz prima abschloss. Sie hatte Paris im Sturm erobert, mit Stimme und natürlicher Ausstrahlung geglänzt und bei einem Song auch einen Geigenbogen zur Bearbeitung der Gitarre verwendet. Ein Beleg daür, daß sie auch an kleinen Details arbeitet und an Abwechslung interessiert ist.

Erinnert euch bitte später, wo ihr zuerst von Lucy Rose gelesen habt. Daran, daß die Frau groß rauskommen wird, besteht für mich nicht der geringste Zweifel und ich würde meine Katze darauf verwetten, daß sie in den nächsten Jahren im Spiegelzelt in Haldern das deutsche Publikum um ihre zarten Finger wickelt!



Setlist Lucy Rose, L'International, Paris:

01: Be Alright
02: Night Bus
03: All I've Got
04: Svar
05: First
06: Gamble
07: Don't You Worry
08: Middle Of The Bed
09: Bikes

+ 1 Zugabe

Setlist William Fitzsimmons, International, Paris:

01: The Tide Pulls From The Moon
02: I Don't Feel It Anymore
03: The Winter From Her Leaving
04: Beautiful Girl
05: Blood And Bones
06: Wounded
07: Passion Play
08: Just Not Each Other
09: If You Would Come Back Home
10: Goodmorning
11: After Afterall




 

Konzerttagebuch © 2010

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