Mittwoch, 1. Januar 2020

My Year In Lists: meine Konzerte des Jahres (Christoph)




2019 ist vorbei. Musikalisch war das Jahr deutlich besser als nicht-musikalisch.  Ich habe im vergangenen Jahr 68 Club-Konzerte und 20 komplette Festival-Auftritte gesehen (beim Maifeld-Derby und beim Indietracks). Wie immer nicht in der Wertung sind Dinge, die ich (mit-)veranstaltet habe, u.a. die acht fantastischen Bands beim Cologne Popfest (Brideshead, Night Flowers, Close Lobsters, Evripidis, The BV's, The Lodger, Comet Gain, The Primitives). 

Meine besten 15 Konzerte des Jahres 2019:

15: Tomberlin, Maifeld Derby, 15.06.19

Eines dieser Konzerte, bei dem man nichts erwartet, das auf dem Papier ganz nett klang, das dann aber umwerfend gut wurde. Sarah Beth Tomberlin spielte auf dem Parcours d'Amours und war für mich trotz der Konkurrenz der beste Auftritt beim 19er Maifeld-Derby!


14: Martha, Wiesbaden, 09.04.19


Martha habe ich 2019 dreimal gesehen. Obwohl der speziellste Moment beim Indietracks stattfand (ein Allo-Darlin'-Cover), war das erste Konzert mein bestes. Daß Martha eine grandiose Liveband sind, weiß man. Das hat sich immerhin auch bis nach Hamburg zum Grand Hotel van Cleef rumgesprochen, die das Booking für die Punk-Band aus Durham übernommen haben. Was toll ist, denn es garantiert mehr Martha in den nächsten Jahren.


13: Lingby, Köln, 21.02.19

Endlich mal wieder meine Kölner Lieblinge Lingby! Die Band hatte kurz vorher eine neue, fantastische, vor allem aber sehr persönliche Platte veröffentlicht, die den Tod eines geliebten Menschen verarbeitet. Im Artheater spielten Lingby Silver Lining live - und es war ergreifend und wunderschön. Wer die Platte noch nicht haben sollte, muß das wirklich nachholen, die gehört in jede 19er Bestenliste!

12: Bikini Kill, London, 10.06.19

Der Tag war ekelhaft verregnet und nahm uns alle Lust, vor dem Konzert irgendetwas Sinnvolles in London zu machen. Vermutlich wäre der Abend in dieser Liste deutlich weiter vorne (obwohl da noch so viel Tolles kommt), das Drumherum gehört aber bei mir leider auch immer dazu. Aber hey! Bikini Kill! Das Konzert war fantastisch und natürlich so viel mehr als ein Abhaken eines Namens auf der Legend-Watching-Liste.

11: The Spook School, Indietracks, 27.07.19


Mein letztes Spook-School-Konzert. Die Band aus Glasgow, die immer wieder auf dem Indietracks (und auch zweimal in Köln als Support) gespielt hat, hatte einige Monate vorher ihre Abschiedsrunde bekanntgegeben. Auch wenn ich zu gerne beim letzten Auftritt in Glasgow gewesen wäre, war das Konzert beim Indietracks ein würdiger Abschluß! Es gab ein eigens dafür komponiertes Lied, es gab Martha mit einem Gastauftritt, es gab Tränen und sehr viel Rührung. Und es gab all die großartigen Songs, die die vier Spookies uns hinterlassen.


10: Hutch Harris & Woog Riots, 28.09.19

Zwei Support-Bands bloß, darauf gebe ich aber nichts. Die Woog Riots sind immer wundervoll und gehören in jede Bestenliste, besonders an diesem Abend war der zweite Support Hutch Harris, der ehemalige Sänger der Thermals. Hutch spielte ein akustisches Thermals-Konzert (mit etwa 60 Liedern auf der Setlist), ergänzt durch seine Solo-Platte, die bisher nur auf CD erschienen ist. Für mich hochgradig Thermals-Süchtigen war das Konzert eine sehr gute Ersatzdroge.


09: The BV's, Indietracks, 28.07.19

Die BV's haben 2019 endlich beim Indietracks gespielt! Ein halbes Jahr vorher waren sie beim Cologne Popfest und begeisterten da das "Fachpublikum". Wenn man die Geschichte der Band kennt (Josh aus Cornwall und Fred aus Augsburg lernten sich bei Freds Auslandssemester kennen und fingen da an, gemeinsam Musik zu machen), würdigt man die brillanten Platten und Konzerte der BV's noch einmal mehr. Die BV's sind eine der Bands, die sich in den 10er Jahren am meisten in mein Herz gespielt haben.


08: Night Flowers, Ex-Vöid & Foundlings, London, 31.10.19

Noch so ein Schwung Popfest-Bands! Night Flowers spielten 2019 beim Cologne Popfest, einer unserer wichtigsten Wünsche beim Booking. In London an Halloween, am geplanten Brexit-Datum stellten Night Flowers ihr neues Album (wundervoll!) vor, es gab Kostüme, es gab einen Wahrsage-Automat, es gab Preise, es gab Fortune-Teller-Fische, es gab zwei fabelhafte Supports (Ex-Vöid und Foundlings, die beim nächsten Cologne Popfest spielen werden) und es gab unendlich viele umwerfend gute Lieder!


07: Desperate Journalist, Münster, 11.05.19

Desperate Journalist sind eine von drei Bands, die ich 2019 dreimal gesehen habe (die Blood Red Shoes und Martha sind die anderen). Daß ich DJ abgöttisch liebe, habe ich das ein oder andere Mal schon verraten, daran hat sich 2019 nichts geändert. Beim Indietracks sah ich sie leider nicht wieder, da sich Schlagzeugerin Caz verletzt hatte, dafür in Köln (co-veranstaltet) und bei einem ein wenig absurden Festival in den Niederlanden. Das beste Konzert war aber das im Gleis 22 in Münster. Desperate Journalist mit neuer (zusätzlicher) Live-Gitarristin Charley Stone (u.a. Salad) waren phänomenal gut und nutzen sich in meinem Live-Ohr keinen Deut ab!


06: Frankie Cosmos, Luxemburg, 12.10.19

Beim Indietracks hatte ich Frankie Cosmos nie gesehen (die Konkurrenz da...!), den Köln-Termin konnte ich nicht wahrnehmen, daher sah ich Frankie Cosmos in Luxemburg, in dem mir neuen tollen Club Rotondes. Frankie Cosmos sind eine fantastische Live-Band. Das Konzert war lang, das Publikum aufmerksam, das Set toll, es war ein wirklich sehr eindrucksvoller Abend! Nochmal werde ich Frankie Cosmos ganz sicher nicht verpassen!

05: The Vaselines, Aberdeen, 03.08.19 

Nach dem Indietracks (habe ich das jetzt eigentlich bei jeder Band untergebracht?) waren wir ein paar Tage in Schottland. Geplant waren in dieser Zeit Konzerte der Primitives und von Camera Obscura. Während wir unseren groben Reiseplan anpassten, da es rund um die Orkneys, zu denen wir eigentlich wollten, keine Hotels gab, und dabei auch nach Konzerten suchten, traute ich meinen Augen nicht. Die Vaselines, eine meiner großen Lieblingsbands, die aber fast nie spielt, waren für Aberdeen angekündigt. Obwohl es die Band seit den 80ern gibt und sie aus Glasgow ist, hatte sie noch nie in Aberdeen gespielt. Und obwohl sie bisher erst drei Konzerte in Deutschland gespielt haben (und davon zwei in Berlin), war es bereits mein sechstes Vaselines-Konzert. Und wie jedes war es musikalisch herausragend und dazu so unterhaltsam! Mich verbindet nicht viel mit Kurt Cobain, die gemeinsame Lieblingsband aber schon!

04: Adorable, London, 02.11.19

Als Pete Fij im März Solo-Konzerte in Deutschland spielte (ich konnte ihn in Köln und Montabaur sehen), spielte er Adorable-Lieder, machte aber mit keinem Kommentar irgendwelche Hoffnungen auf eine Reunion seiner Ex-Band. Den Gastgebern der Konzerte deutete er dagegen schon an, daß da etwas passieren werde. "Etwas" war die Korrektur des Bandendes, das alle Mitglieder als extrem unschön in Erinnerung hatten und das es neu zu schreiben galt. Also spielten Adorable in London noch einmal das letzte Konzert der Bandgeschichte, 25 Jahre nach dem letzten. Es war feierlich, wir waren im Shoegaze-Himmel. Stilvoller kann man alte Fehler nicht verbessern, well done!


03: Jetstream Pony, Indietracks (2), 28.07.19

Jetstream Pony hatte ich bei ihrem dritten Konzert überhaupt in Hamburg gesehen. Damals gab es noch kaum Lieder, es gab aber ganz viel Popkultur auf der Bühne und es gab eine Ahnung davon, wie großartig diese Band um Sängerin Beth Arzy (Aberdeen, Luxembourg Signal...) sein wird. Beim Indietracks spielten Jetstream Pony mit dem ausgeliehenen Schlagzeuger Hannes von den BV's auf der Indoor-Bühne und hatten einen extrem miesen Sound gemischt bekommen. Es war zum Verzweifeln. Das Indietracks wäre nicht das Indietracks, wenn es die Band nicht noch einmal hätte spielen lassen. Das zweite Konzert fand in der Kirche statt, klang brillant und war atemberaubend gut!


02: Ladytron, Stockholm, 31.05.19

Ladytron hatten ein bewegtes Jahr hinter sich. Die Finanzierung des neuen Albums (das toll geworden ist!) fiel mitten in die Pleite von Pledge Music, die Band musste darum kämpfen, die bereits fertigen Platten und CDs herauszubekommen. Vermutlich hatte sie daher auch kein Merch dabei, als sie in Stockholm in einem sehr hippen Club namens Kraken auftrat. Vieles an dem Abend war widrig, vor allem meine Konzertnachbarschaft, die Musik, die unendliche Coolness der Band, die Wahnsinns-Lieder ("einmal müssen wir 'Musik' abziehen") machten das aber wett. Ladytron sind leider so schwierig live zu sehen, ich würde am liebsten jedes Jahr eines ihrer Konzerte in meiner Top-5 haben!


01: Camera Obscura, Glasgow, 05.08.19

Das nächste unwahrscheinliche Comeback... Als Belle & Sebastian eine Indiepop-Kreuzfahrt ankündigten und Camera Obscura als Teil des Lineups auftauchten, war nicht klar (auch der Band nicht!), ob das Konzert einmalig sein würde. Nach dem Tod ihrer Keyboarderin hatte die Band alle Aktivitäten eingestellt. Sängerin Tracyanne hatte mir erzählt, sie könne nicht einschätzen, wie es sich anfühlen werde, wieder als Camera Obscura ohne Carey Lander auf der Bühne zu stehen. Das und die nicht schrecklich gute Livequalität meiner bisherigen CamObs-Konzerte waren keine guten Vorzeichen, wir wollten aber um nichts in der Welt eine der beiden Warm-Up-Shows vor dem Boot in Glasgow verpassen! Wir waren beim ersten, und es war atemberaubend gut! Natürlich spielte Careys-Tod eine große Rolle, die Band ging damit perfekt um. Und sie wirkte aufgeräumt, gut gelaunt, es wurde viel gelächelt. Und es war ein Best-Of einer Band, die nur Hits hat. Ich hatte mir gewünscht, ein gutes Camera-Obscura-Konzert zu sehen, ich hatte keinerlei Ahnung davon, wie gut es werden würde!


Außer Konkurrenz, weil eine komplett andere Sportart:

00: Björk, Esch-sur-Alzette, 16.11.19



Der Abend mit Björk gehört nicht in die gleiche Liga wie die Konzerte, die ich normalerweise sehe. Im Prinzip war das Konzert eine Oper, Operette oder ein Musical, wäre auch gesprochen worden und wären zwei der drei Begriffe nicht eklig besetzt. Es fing bei den Vogelstimmen an, die die Stunde vor dem Konzert beschallten, ging mit dem isländischen Chor weiter, der traditionelle Musik und Björk-Lieder sang, dann die Bühne, für diese Tour gestaltetet, die Kostüme, die Instrumente, die vielen kleinen Effekte. Im Prinzip war egal, welche Lieder Björk spielte, und genau deshalb kann man den Abend nicht mit meinen anderen Konzerten dieser Liste vergleichen.

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