Montag, 2. Januar 2017

My Year in Lists- die 30 besten Konzerte 2016 (Oliver Peel)


My Year in Lists- die 30 besten Konzerte 2016 (Oliver Peel)

Schon wieder haben wir ein Jahr hinter uns, aber bevor es mit neuen Konzerten und Berichten weitergeht, gilt es noch einmal auf die besten Konzerte des vergangenen Jahres zurückzublicken. Bei wie vielen Gigs ich 2016 dabei war, habe ich nicht genau nachgezählt, aber es dürften zwischen 120 und 150 gewesen sein, so dass eine Platzierung unter den besten 30 bereits für eine überdurchschnittliche Darbietung spricht. Es sollte allerdings klar sein, dass man ein solches Ranking nicht zu ernst nehmen darf und man im Grunde genommen spätestens ab Platz 10 auf eine Durchnumerierung hätte verzichten können.

30: Chassol, Innenhof des Musée Picasso, Paris, September 2016
29: Minor Victories, Haldern Pop Festival am Niederrhein, August 2016
28: Air, We Love Green Festival, Vincennes am Rande von Paris, Mai 2016
27: Beach House, Casino de Paris, Paris, Juni 2016
26: Generation X (ou autre chose) mit Michel Cloup Duo, Perio, Bruit Noir, Françoiz Breut, Petit Bain
25: José Gonzalez, Cigale, Paris, Januar 2016
24: Cléa Vincent, Divan du Monde, Paris, Festival Les Femmes s'en Mêlent, April 2016
23: Cass McCombs, Le Point Ephémère, Paris,
22: Amber Arcades, Haldern Pop Bar, Haldern Festival, August 2016
21: Damien Jurado, Divan du Monde, Paris, April 2016


20: Martha Rose, Le Motel, Paris, Dezember 2016,

Hach was war das ein herrlich frisches, unbeschwertes und charmantes Konzert der jungen Britin, die in Berlin lebt und ihr ersten Longplayer Spit über ein Stuttgarter Label herausgebracht hat!

19: Marissa Nadler, FGO-Barbara, Paris, Juni 2016

Faszinierend düster, anheimelnd melancholisch und sehr sinnlich, so habe ich das Konzert der gothisch angehauchten Folkeuse aus Boston in Erinnerung behalten. Und das neue Album ist auch dufte. Schade bloss, dass sie im Dezember nicht mehr nach Frankreich kam, sondern nur in Deutschland und Luxemburg spielte.

18: Emily Jane White, Le Klub, Paris, Mai 2016: 


Auch das neue Album We Moved In Shadows All Together der Kalifornierin EJW ist überaus gelungen und das Konzert im urigen Gewölbekeller des Le Klub in Paris war berührend und vollgepackt mit himmlischen Balladen an Piano und akustischer Gitarre. Später im Jahr hatte ich sogar das enorme Glück Emily Jane White bei einem Wohnzimmerkonzert zu sehen! Das war sensationell!

17: Angel Olsen, La Gaité Lyrique, November 2016

Angel ist inzwischen eindeutig unter die Indierockerinnen gegangen, sie erinnert live immer mehr an PJ Harvey in ihrer rockig grungigen Frühphase. Bei soviel explosiver Energie und Lautstärke ist das anmutige Folkelement in den Hintergrund getreten, aber überdurchschnittlich gut war dieses Konzert in der modernen Gaité Lyrique dennoch. Nur die himmelblauen Anzüge der Begleitband von Olsen wirkten etwas irritierend auf mich.

16: Scout Niblett, King Georg, Köln, April 2016


Emma Niblett akustisch und solo in einem ehemaligen Kölner Bordell, das hatte was! Zwar vermisste man ab und zu das ansonsten immer so brachiale Schlagzeug, aber durch den reduzierten und leisen Vortrag wurde alles noch wesentlich intimer und persönlicher. Da herrschte fast Wohnzimmeratmosphäre, denn Scout spielte mit einer Art Nachthemd bekleidet in der Mitte der Venue und die Leute standen ganz dicht an ihr dran.

15: Weyes Blood, Espace B, Paris, November 2016


Noch so eine Musikerin, die man sowohl dem Folk als auch dem Indierock zuordnen kann. Im Gegensatz zu Scout in Köln, spielte Natalie Mering mit einer mehrköpfigen Herrenband und zelebrierte mit naturreiner Folkstimme die Kleinode ihres neuen Albums Front Row Seat To Earth. Man merkte, dass die Dame auf dem aufsteigenden Ast ist, die Venue war sehr gut gefüllt und viele Leute aus der Indiemusikszene waren da. Weyes Blood dürfte demnächst noch wesentlich bekannter werden, sie steht kurz vor einem richtigen Durchbruch.

14: Divine Comedy, La Maroquinerie, Paris, September 2016


Verdammt heiss und stickig war es an jenem Abend in der extrem vollen Maroquinerie in Paris, aber den Gig von Neil und Divine Comedy durfte man einfach nicht verpassen. Wer die neuen Stücke nicht so mochte, konnte sich an etlichen alten Klassikern erfeuen (Absent Friends, Lady Of A Certain Age, We Fly So High)  und mit Lisa Hannigan als Supportact hatte man das Konzertprogramm noch zusätzlich aufgewertet, ihre zarten Folksongs waren überaus betörend.

13: Other Lives, Cabaret Sauvage, Paris, Februar 2016

Ambiente wie im Haldener Spiegel Tent, denn das Zelt im Cabaret Sauvage ist definitiv vom gleichen Hersteller! Jesse Tabish und seine Band zelebrierten schwülen, oppulent arrangierten Wild West Folkrock und begeisterten mit ihren zahlreichen starken Nummern wie Tamer Animals oder Reconfiguration.

12: Stranded Horse und Arlt, Le 104, Paris, Februar 2016

Yann Tambour nennt sich als Musiker Stranded Horse und zusammen mit dem jungen afrikanischen Coraspieler Boubacar Cissikho komponiert er wundervolle Musik, die keine kulturellen Grenzen kennt. Das Konzert im modernen 104 war ein absolutes Highlight, selten sieht man Musiker mit soviel Leidenschaft zu Werke gehen und die total ausflippte französische Band Arlt (Eloise Decazes, Sing Sing) spielte vorher eines ihrer abgefahrenen Konzerte voller Theatralik, Spleen und Poesie.

11: Loney Dear, Haldern Pop Festival, August 2016

Emil Svanängen alias Loney Dear in Haldern, Mann was war das schön! Der Schwede spielte am Niederrhein gleich zweimal, einmal in der schönen Dorfkirche und am nächsten Tag auf der Hautptbühne im Wald. Die neuen Songs wie z.B. Hull gingen auf Anhieb runter wie Öl und Halderns liebstes Kind bezauberte wieder einmal mit seiner unnachahmlichen Mischung aus Melancholie und Lebensfreude.

10: Motorama, La Maroquinerie, Paris, November 2016

Die neuen Songs von Dialogues bestanden recht mühelos den ersten Livetest, obwohl sie eine Spur weniger rockig und dafür einen Hauch dreampoppiger und elektronischer sind als die alten Titel. Die russische Band macht live immer Spass, allein schon wegen des exzentrischen Tanzstils des mit Grabesstimme gesegneten Sängers Vlad Parshin.

9 Baptiste Walker Hamon, La Maroquinerie, Paris, Dezember

Baptiste ist eine Art französischer Cowboy, der Texas, die USA und Townes Van Zandt verehrt und auf seinem ersten Longplayer "L'Insouciance" Folkikonen wie Bonny Prince Billy und Caitlin Rose für herzerwärmende Duette gewinnen konnte. In der Pariser Maroquinerie waren diese amerikanischen Stars nicht dabei, dafür aber viele in Frankreich teilweise sehr bekannte Gastmusiker wie Mathieu Malzieu (Dionysos) oder Renan Luce.

8 Von PJ Harvey, We Love Green Festival, Vincennes am Rande von Paris, Mai 2016

Von PJ Harvey hat in diesem Jahr irgendwie jeder extrem geschwärmt und auch ich konnte mich der Wucht und szenischen Brillanz von Polly Jean und ihrer Band nicht entziehen. Der Bühnenauftritt mit Trommeln, Saxofon und Gitarren hatte fast was von der Urgewalt einer Militärkappelle! Eine gute Mischung aus Stücken von Hope Six Demolition Project und Let England Shake (plus ein paar alte Klassiker) sorgten beim verregneten Festival We Love Green für Begeisterung und nicht wenige nannten die Britin hinterher Queen. Die verschlammten Schuhe mussten wir dennoch selbst saubermachen, als gemeines Fussvolk hatten wir im Matsch gestanden, während die Königin auf der trockenen Bühne abgerockt und abgejazzt hatte.

7 The Cure, Accor Hotels Arena (Bercy), November 2016


The Cure waren wieder einmal spitze, aber wie sollte es auch anders sein? Zwar gab es wie immer ein paar Nörgler, die hinterher dem beliebten Hobby "Verreissen- von-bekannten-Bands" fröhnten, aber das etwa 3stündige Set zeigte die Truppe von Robert Smith noch einmal in ihrer ganzen new wavigen Brillanz und Einzigartigkeit.

6: Neil Young, Accor Hotels Arena (Bercy), Paris, Juni 2016

Auch Neil Young spielte in Bercy und der alte Haudegen liess es sich selbst in einem Stadion wie der Accor Hotels Arena  nicht nehmen, ein paar legendäre Stücke (After The Goldrush, Heart Of Gold, The Needle And The Damage Done) solo und akustisch darzubieten. In einem Jahr in dem andere Helden wie David Bowie oder Leonard Cohen von uns gingen, war es schön mit anzusehen, dass Neil noch recht viel Feuer und Spielfreude besass, wenngleich auch er nicht jünger wird und trotz des Namens definitiv nicht forever Young ist.

05: Brian  Wilson, La Salle Pleyel, Paris Oktober 2016

Im Vergleich zu Neil Young ist Brian Wilson deutlich vom Leben gezeichnet, aber das wussten eigentlich die meisten die sich Karten für diesen Gig des Beach Boys Musikers gekauft hatten vorher. So störten sich denn auch nur wenige an der fast authistischen Art und der Gebrechlichkeit des begnadeten Musikers, der schon in seinen jungen Jahren von Dämonen heimgesucht wurde. Fast unbeweglich sass er hinter seinem Piano und am Anfang fragte ich mich sogar ob er live sang. Im Laufe der tollen Show, die das Kultalbum Pet Sounds in den Vordergund stellte, erkannte ich aber, dass es kein Playback war. Seine vielköpfige Begleitband (darunter Beach Boys Gründungsmitglied Al Jardine) war brillant, die Chorgesänge wundervoll und die zahlreichen Hits in der Schlussphase (Good Vibrations, Help Me Ronda, Get Around) rissen alle von den Sitzen.

04: Troy von Balthazar, Öttinger Villa, Darmstadt, Mai 2016


Troy hatte ich kurz vor dem Darmstädter Gig bereits live in Paris gesehen, aber die intime Show in der prachtvollen Öttinger Villa gefiel mir noch eine Spur besser als der Gig im Supersonic. Das Publikum in der hessischen Stadt war vorbildlich leise und aufmerksam, die neuen Stücke von Knights of Something ungemein melancholisch und fast schon brutal nahegehend. Wieder einmal fragte ich mich warum Troy von Balthazar nicht auf den grossen Bühnen dieser Welt spielt. Sein Talent ist aussergewöhnlich, seine Lieder total bewegend und an Charisma ist der smarte Mann aus Hawaii kaum zu überbieten. Der  Abend war auch deswegen super, weil ich ihn mit meinen Bloggerfreunden Christoph und Gudrun teilen durfte.

3: O, La Maroquinerie, Paris, März 2016


Hinter dem Pseudonym O versteckt sich der extrem fleissige Pariser Musiker Olivier Marguerit, der es schon als Mitglied der famosen Band Syd Matters in der Vergangenheit in diese Topliste geschafft hatte. Inzwischen wandelt der Multiinstrumentalist auf Solopfaden, singt auf französisch, hat aber den neopyschedelischen Stil von Syd Matters beibehalten. Das Konzert in der Maroquinerie war atmosphärisch dicht, mit hochkarätigen Liedern gespickt und das Publikum honorierte die Leistung von Olivier und seinen Musikern mit viel Zuneigung und langem Applaus.

2: Luna, Petit Bain, Paris, Oktober 2016


Dean Wareham ist ein ganz Grosser der letzten 30 Jahre, auch wenn ihm ein Mainstreamerfolg bisher verwehrt wurde. Zusammen mit seiner Frau Britta Philipps und seiner Band zog er aber bei dieser Comebackshow dennoch gut 400 Menschen an und quasi jeder war hinterher total begeistert. Luna hatten ihr Album Penthouse zum Besten gegeben, im Zugabenteil aber auch andere famose Stücke wie das Joy Division/New Order Cover Ceremony oder Malibu Love Nest.

1: Chameleons Vox, Bus Palladium, Paris, April 2016

Jahrelang hatte ich zwischen 2005 und 2013 auf youtube Livevideos der britischen Chamelons angesehen und immer wieder bedauert, diese wohl nie on stage zu erleben. Vor ein paar Jahren tauchte deren Sänger und Mastermind Mark Burgess aber wieder aus der Versenkung auf und seitdem bin ich jedes Mal dabei wenn der Mann aus Manchester mit seiner neu zusammengestellten Gruppe alte New Wave Hits wie Monkeyland oder Second Skin spielt. Das Konzert im Bus Palladium war auch deshalb genial, weil der Sound so exquisit war und die Band messerscharf und punktgenau aufspielte. Da klang einfach jede Gitarrenmelodie, jede Basslinie und jeder Schlagzeughieb unfassbar gut! Ein Orgasmus für meine alten Waverohren!

Post Punk never dies und Mark wird auch 2017 wieder touren.



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