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Freitag, 20. November 2009

A Place To Bury Strangers, Paris, 19.11.09

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Konzert: A Place To Bury Strangers & Dananananaykroyd, Inrocks Indie Club

Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 19.11.2009
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: A Place To Bury Strangers etwa eine Stunde, Dananakroyd gut 40 Minuten



The Jesus & Mary Chain sind (vermutlich) tot - lang leben A Place To Bury Strangers!

"Düstere Plattenhüllen, verhaltene und verhallte Stimmen hinter einschneidenden, verzerrten Gitarrenwänden, Feedbackorgien, monoton treibende Beats und Titel wie „Deadbeat", „Ego Death" oder „Exploding Head" sprechen eine deutliche Sprache. Kopfhörer aufsetzen, anschnallen, Lautstärkeregler auf 11 und los geht der Noise-Trip - aber, siehe Albumtitel, auf eigene Gefahr! Der Sound von „Exploding Head" ist so mörderisch, wie eine Steinmauer auf der Autobahn." (Dirk von Plattenvorgericht)

Mein alter Schulfreund und Bloggerkollege Dirk beschreibt mit obigen, sehr blumigen Worten, den Sound der New Yorker A Place To Bury Strangers und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Genauso klingen sie, die drei wilden Amis!

Tatort La Maroquinerie im 20. Pariser Arrondissement. Es ist fast 22 Uhr und der ausverkaufte Kellerraum ist in dunkles Licht getaucht. Das Publikum wartet gespannt auf den Headliner des Abends. A Place To Bury Strangers waren in den letzten beiden Jahren schon ein paarmal in Paris, aber heute ist mit Sicherheit ihr größter, ihr wichtigster Gig. Die Jungs marschieren ein, aber man erkennt ihre Gesichter kaum, weil der Raum unter einer Nebelglocke liegt und das Licht runtergedimmt ist. Das wird auch im Verlaufe des Konzertes so bleiben, so daß die New Yorker sicher sein können, daß sie das nächste mal unbehelligt durch Paris laufen können, ohne daß sie jemand nach Autogrammen fragt. Der Sänger und Gitarrist Oliver Ackermann agiert am rechten Bühnenrand und nicht etwa in der Mitte, wie sonst üblich. Bassist John Mofo zupft sein Instrument auf der linken Seite und mittig dahinter trommelt Jay Space als wolle er sein Schlagzeug zertrümmern. Der Lärm ist von Anfang an brutal, fast körperlich. Es gibt ein paar Rückkopplungen, bei denen die Ohren härtesten Belastungen augesetzt werden. Die vielzitierte mybloodyvalentinsche Noisekeule, hier schlägt sie mit brachialer Gewalt zu! Dennoch trage ich keine Ohrenstöpsel, als einziger. Ich glaube ich bin schon halb taub, denn ansonsten könnte ich das Ganze wohl kaum ungeschützt ertragen. Schon als zweites Stück kommt das fabelhafte In Your Heart, aber es wird nach ein paar Takten jäh abgewürgt, weil der Ton ausfällt. Die Techniker rödeln hinter ihren Konsolen, das Publikum pfeift ein wenig, aber das Licht bleibt aus. Die Band nimmt's gelassen, nach ein paar Minuten machen sie mit Vollgas weiter. To Fix the Gash In Your Head ist stark elektronisch, fast klingt es wie Nitzer Ebb oder Front 242. Ohnehin kommen einem beim Sound von A Place To Bury Strangers viele New Wave Helden aus den späten 70er und den 80er Jahren in den Sinn. Joy Division, New Order, Killing Joke, Sisters Of Mercy, The Chameleons, Suicide, all diese Bands könnte man als Referenzen nennen. Aber die New Yorker klingen moderner, zeitgemäßer, eine reine Coverband sind sie nicht. Keep Slipping Away gefällt mir besonders gut, es ist eines der melodiösesten Stücke und hätte auch von Morrissey stammen können. Schade, daß man die Stimme des Sängers kaum hört, sie ist verdeckt von höllisch lauten Gitarren und Halleffekten. Quasi unmöglich, Texte zu verstehen. Aber dem Publikum, gerade in den ersten Reihen, ist das egal, sie tanzen wie wild Pogo und rechtfertigen den Ruf der Maroquinerie als wildester Konzertsaal in Paris. Etwa eine Stunde lang wird auf dies Weise abgehottet, dann ist nach The Ocean abrupt Schluß. Das Licht geht schlagartig an und wird auch nicht mehr runtergedimmt. Zugaben mögen die New Yorker anscheinend nicht. Nicht schlimm, sie haben auch so einen guten Eindruck hinterlassen. Vor allem einen bleibenden, denn meine Ohren piepsen jetzt noch!

Ein Satz zur Vorgruppe:

Dananananaykroyd haben richtig Spaß gemacht! Ebenfalls laut, krawallig und keine Spur melodisch unterwegs, verwandelten sie die Maroquinerie sehr schnell in ein Tollhaus. Am Ende hüpfte der ganze Saal zu den schottischen Schreihälsen, die sich auf ihre Weise bedankten. Beim letzten Lied gingen sie durchs Publikum und umarmten jeden einzelnen Gast. Free hugs nennt man so etwas bei Festivals, wobei man hier gar nicht die Wahl hatte. Die Burschen schmissen sich an alle ran und hinterließen nasse Hemden und eine ziemlich üble Schweißwolke...

Setlist A Place To Bury Strangers, La Maroquinerie, Paris:

01: Gimme Acid
02: In Your Heart
03: To Fix The Gash In Your Head
04: Don't Think Lover
05: Keep Slipping Away
06: Exploding Head
07: Dead Beat
08: Half Awake
09: I Lived My Life To Stand In The Shadow Of Your Heart
10: Ocean

Fotos folgen!

Grandiose Pics von A Place To Bury Strangers in der Maroquinerie hat Robert Gil. Klick!






Sonntag, 30. August 2009

Festival Rock en Seine bei Paris, 29.08.09

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Konzert: Festival Rock en Seine
Ort: Domaine National de Saint Cloud bei Paris
Datum: 29.08.2009
Zuschauer: ausverkauft



Zweiter Tag des Festivals Rock en Seine, das immer noch über die genauen Hintergründe der Oasis Absage vom gestrigen Freitag grübelte. Über die Seine-Brücke geht es für mich zum Gelände und wenn man die Augen nach rechts wandern lässt, sieht man die Skyline von La Défense. Für Paris ungewöhnlich modern, diese futuristischen Bürogebäude. Aber wer arbeitet heute schon, ist ja schließlich Samstag? Es sind doch ohnehin alle bei Rock en Seine!...

Der Beginn des Tages gehört den weiblichen Paradiesvögeln. Shingai Shoniwa von den Noisettes habe ich verpasst, aber zu der semmelblonden Mette Lindberg von The Asteroids Galaxy Tour bin ich zur Stelle.

The Asteroids Galaxy Tour:

Wie alt denn die Sängerin der dänischen Band sei, will ein etwa 50 jähriger Besucher von mir wissen. Bevor ich meine Vermutung äußern kann - mein Tip wäre 25 gewesen - raunt er mir zu: "Sieht aus wie meine kleine Tochter und die ist 15!" Er begründet dies mit den dünnen Beinchen, die Mette Lindberg in der Tat hat. Die dürren Stelzen hat sie in gelbe Leggings gehüllt und dazu trägt sie schwarze Turnschuhe von Adidas. Ihr Outfit ist wahrlich abgefahren, aber das ist auch schon der größte Aufreger, denn die mehrköpfige Band, die auch einen Saxofonisten und einen Trompeter zu ihrer Besetzung zählt, spielt recht belanglosen Pop mit einem Hauch Funk und Soul. Und den aus der ipod- Werbung bekannten Hit Around The Bend haben sie schon vor meiner Ankunft abgefeuert. Aus Dänemark bevorzuge ich Under Byen und Our Broken Garden. Diese Acts haben nämlich nicht nur eine attraktive blonde Frontfrau, sondern auch wirklich gute Musik zu bieten...

Jil Is Lucky:

Die Franzosen waren mir eigentlich als Folk-Band bekannt und zwar aufgrund ihres Indie Hits The Wanderer, der auch auf Videosendern wie MTV lief. Was ich gegen Ende des Sets zu sehen und hören bekomme, ist aber eher nosiger instrumentaler Rock. Eine qualitative Einschätzung ist mir noch nicht möglich, Fakt ist aber, daß Sänger Jil wirklich eine beknackt aussehende blaue Herzchen-Brille trägt, die man sogar für 5 Euro über die MySpace Seite der Gruppe beziehen kann. Wer's mag....

Dananananaykroyd:

Ich hatte mir extra vorgenommen, der schottischen Band mit dem unaussprechlichen Namen diesmal mehr Aufmerksamkeit als beim letzten Mal zu schenken. Vor ein paar Monaten hatte ich sie im Olympia im Vorprogramm der Kaiser Chiefs gesehen und erinnerte mich im Nachhinein eigentlich nur noch an zwei Schlagzeuger, viel Geschrei, eine niedliche Bassistin, aber kein einziges richtiges Lied. Heute fehlte aber die Bassistin und somit das einzig Gute an dieser nervigen Formation, denn der Rest war wie gehabt.

Billy Talent:

Der Name ist bei den Kanadiern nicht Programm. Talent sucht man nämlich bei den keifenden Typen vergeblich. Wenn die mit ihren mainstreamigen Stadionrock- Hits (Devil In A Midnight Mass, Fallen Leaves, Red Flag) loslegen, klingt es, als würde gerade eine Sau geschlachtet. Billy Talent überlassen wir gerne 16 jährigen Emo-Gören, die keinen Bock mehr auf Schule haben, oder den Redakteuren und Lesern der Visions.

Die Setlist von Billy Talent bei Rock en Seine 2009 dürfte so ähnlich ausgesehen wie beim Festival in Leeds*:

01: Devil In A Midnight Mass
02: The Ex
03: This Suffering
04: Line & Sinker
05: Rusted From The Rain
06: Saint Veronika
07: Surrender
08: Devil On My Shoulder
09: This Is How It Goes
10: The Dead Can't Testify
11: Diamond On A Landmine
12: Turn Your Back
13: Try Honesty
14: Fallen Leaves
15: Red Flag

The Horrors:

Der blanke Horror dieses Konzert der englischen The Horrors. Ha, da habe ich doch glatt einen Kalauer gerissen! Spaß beiseite, denn das Set der jungen Düsterrocker war wahrlich nicht übel. Angeführt von dem spindeldürren Faris Badwan, der nicht nur lange Füße, sondern auch eine ebenso lange Nase hat, verwandelten die ganz in schwarz gekleideten Jungspunde die herbstliche Wiese vor der Scéne de la Cascade in eine gespenstische Friedhofslandschaft (mit ein wenig Fantasie natürlich...).

Das Ganze erinnerte an englische Post-Punk Kultbands der frühen 80er Jahre wie The Chameleons oder Echo and The Bunnymen, aber stellenweise auch an die Stooges oder gar die deutschen Krautrocker Can.
Und kein Geringerer als Geoff Barrow von Portishead hat das hochgelobte zweite Album Primary Colours produziert. Von diesem Machwerk stammten dann auch die allermeisten Stücke des heutigen Konzertes und obwohl The Horros weit von der Genialität von Portishead entfernt sind, gefielen sie mir mit ihrem düsteren, nicht leicht konsumierbaren Stoff doch weitaus besser als häßliche Pathos- Bands wie Glasvegas oder die White Lies. Ich behalte The Horros weiterhin im Auge.

Setlist The Horrors:

01: Mirror's Image
02: Three Decades
03: I Can't Control Myself
04: New Ice Age
05: Scarlet Fields
06: Who Can Say
07: Sea Within A Sea

Yann Thiersen:

Bekannt geworden ist Guillaume Yann Tiersen durch den Soundtrack zum weltberühmten Film "Die wunderbare Welt der Amélie". Viel mehr wusste ich aber bis heute auch nicht zu dem klassich ausgebildeten bretonischen Musiker zu sagen. Was der Bursche mit seiner vielköpfigen Band allerdings aufs Parkett legte, war wahrlich vorzüglich! Abwechselnd an Gitarre und Geige agierend, baute der graugelockte Musiker einen komplexen Sound auf, der musikalisch nicht allzuleicht zu verorten war. Gesang gab es recht wenig, aber ab und zu konnte sich vor allem die hübsche Backgroundsängerin in Szene setzen. Ansonsten gaben die zahlreichen Instrumente den Ton an und schufen eine märchenhafte und dreampoppige Atmosphäre, die an Dichte und Dramatik kaum zu überbieten war. Stilistisch gab es einen teilweise ausgeprägten Hang zum Postrock, geprägt durch eine sich ständig steigernde Spannung, die sich gegen Ende der recht langen Stücke ekstatisch entlud. Freunde von Sigur Ros, Radiohead, Cyann et Ben und Syd Matters dürften ihre Freude an der Musik von Yann Tiersen haben. Da ich Fan der vorgenannten Formationen bin, war die Freude heute ganz auf meiner Seite! Eine echte Entdeckung!

School of Seven Bells:

Jede amerikanische Indie-Band, die etwas auf sich hält, residiert zur Zeit in Brooklyn. Diese Phänomen ist inzwischen schon so ausgeprägt, daß sich viele Kapellen überlegen, ob sie diese Mode mitmachen wollen, oder nicht lieber nach Nebraska gehen (obwohl da ja schon Connor Oberst und seine Saddle Creek Kumpels abhängen, also vielleicht doch am Besten gleich nach Arkansas...).

School Of Seven Bells kommen - wie sollte es auch anders sein - aus Brooklyn, haben aber das Privileg mit ihrem aktuellen Album Alpinisms durch Europa zu touren. Und das ist eine feine Sache, denn so kommt man auch in Frankeich in den Genuß des schönen Anblicks der beiden Deheza Schwestern!
Alejandra spielt Bass und singt, während Claudia am Keyboard klimpert und ebenfalls singt. Hahn im Korb ist der Gitarrist Benjamin Curtis (der Sohn von Ian, nein, nur ein Scherz!), der mit seiner Poppersträhne in der Mitte der Bühne rumwuselt. Der noisige Dreampop des sytlishen Trios kam dann schließlich auch trotz des recht reservierten und schweigsamen Auftretens der Akteure ziemlich gut an und auch ich erlebte ein wesentlich besseres Konzert als noch vor ein paar Wochen, wo ich die School Of Seven Bells bei einem recht sterilen Radiokonzert bei France Inter erlebt hatte.

Hörens-und sehenswert!

Setlist School Of Seven Bells, Festival Rock en Seine 2009:

01: Chain
02: No Disguise
03: Wirde For Light
04: White Elephant Coat
05: Connjur
06: Half Asleep
07: My Cabal
08: Sempiternal/Amaranth




Mittwoch, 21. Januar 2009

Kaiser Chiefs, Köln, 21.01.09

10 Kommentare

Konzert: Kaiser Chiefs (& Dananananaykroyd)

Ort: Live Music Hall, Köln
Datum: 21.01.2009
Zuschauer: nicht ausverkauft aber doch recht gut gefüllt
Dauer: Kaiser Chiefs knapp 75 min, Dananananaykroyd 30 min


Richtig fest eingeplant hatte ich die Kaiser Chiefs nicht. Besonders ist ein Konzert der Leeds Utd. Fans irgendwann nicht mehr, dafür habe ich sie zu oft gesehen. Aber
bisher war noch jedes ein großer Spaß, also hielt ich es für eine gute Idee, nach Köln zu fahren. Und dann war da noch meine Neugierde auf Dananananaykroyd, die schottische Vorgruppe. Von Dananananaykroyd kannte ich nur wenige Lieder, dafür aber den wichtigen Indieklatsch, daß nämlich Bassistin Laura mit Barry von den Futureheads verheiratet ist.

Als ich ankam, war die Live Musik Hall ziemlich leer, obwohl der Einlaß eine Stunde vorher begonnen hatte. Ursprünglich war das Konzert im Palladium angesetzt, diese Größe Hallen füllen die Chiefs leider nicht mehr. Sicher spielen da das wiklich weniger aufregende neue Album, die allgemeine Konzertkrise und die Tatsache, daß man sie einfach zu oft sehen konnte, eine Rolle. Und, daß der Veranstalter diesmal nicht "Ruby" auf die Plakate geklebt hat. Der Radiohit war aber trotzdem Hauptgrund
vieler, zu den Kaiser Chiefs zu gehen, das merkte man deutlich. Und für die sollte mit Dananananaykroyd eine harte Prüfung bevorstehen...

Die sehr jung aussehenden Glaswegians erschienen um Punkt acht, vor da vielleicht halbvoller Live Music Hall. Dananananaykroyd bestehen aus sechs Musikern, markant war vor allem, daß zwei Schlagzeuge aufgabaut waren. An einem saß ein hauptamtlicher Trommler, das andere nutzte einer der beiden Sänger. Sein Kollege, zwei Gitarristen und Laura Hyde komplettierten das Lineup.

Die beiden Sänger Calum Gunn und John Baillie Junior (der Schlagzeuger) schrieen meist, manche Passagen klangen gerappt. Mich erinnerte das Geschrei ein wenig an Lovvers, die mit Los Campesinos! und Sky Larkin gemeinsam auf Tour waren. Mich erinnern solche Bands
immer irgendwie an LC!, Dananananaykroyd waren dann aber so etwas wie schrammelige, laute, punkige, hardcorige Halbgeschwister der Waliser.

Neben dem Krach machten die Schotten allerdings noch
eine schrecklich sympathische Show! Nachdem Calum erst abklärte "how good is your English?", fragte er, ob wir wüßten, was ein cuddle sei. So was, wie ein hug. Und ob wir walls 0f death kennten, also das Aufeinanderpogen von Zuschauerreihen. Mit uns wollten sie lieber eine wall of cuddles machen. Das klappte auch ganz gut, in den ersten Reihen umarmten sich einige. Dafür, daß die Musik der Band geschätzte 90% der Besucher komplett verstörte, erzeugten die Schotten aber recht gute Stimmung. Das sollte aber erst später richtig deutlich werden, denn bei den Kaiser Chiefs war über weite Teile des Konzerts im Großteil des Saals andächtige Ruhe...

Nach 30 Minuten Auftritt, einem Kurzeinsatz des Tourmanagers (bzw. eines Roadies, so ganz sicher bin ich mir da nicht) Scott am Schlagzeug und einer der schönsten Ansagen der letzten Zeit ("you are great, so are we! The next song is called "You are great, so are we") waren
Dananananaykroyd um halb neun durch. Es war sehr unterhaltsam, mir aber live musikalisch zu schrammelig und manchmal zu AC/DCesque. Aber auf Platte werde ich sie mir ganz sicher anhören, denn das, was ich kenne, gefiel mir schon gut.

Bei den Kaiser Chiefs wußte ich im Anschluß genau, was mich erwartete. Neu waren erst einmal Nuancen: die farbliche Umrandung der hinteren Bühnenteile (im Design der neuen Platte), die Keyboards von Peanut (weiß, sehr stylish und blau beleuchtet). Sonst aber viel Vertrautes, auch die scheußliche Musik unmittelbar vor der Band. Vor
ein paar Jahren lief da regelmäßig Money for nothing, heute war es ähnlich fies.

Im Gegensatz zu vielen im Publikum wirkte die Band nicht lustlos, zumindest verdeckte sie zu viel Routine professionell. Wobei außer Ricky Wilson alle ohnehin recht ruhig agieren, der Frontmann das aber mit Ausflügen, Gerenne und ähnlichem locker wettmacht. Seine Stimme hörte sich aber angeschlagen, nämlich ziemlich heiser an. Bei Singen fiel das nicht richtig auf, bei seinen Ansagen schon. Furchtbar viele davon gab es aber
nicht, oft wurden die Lieder ohne viel Pause nacheinander losgespielt. Nach dem obligatorischen "Wir sind Kaiser Chiefs" brüllte jemand "Speak English" zurück. Das - und ein lautes Gurgeln des Sängers nach You want history waren aber auch schon die größten Ereignisse der ersten Konzerthälfte.

Trotz der vielen Engländer in der Live Music Hall war die Stimmung sehr mau. Der Saal war doch noch recht voll geworden, ihre Laune hatten die meisten aber offenbar an der Garderobe gelassen. Getanzt und gesungen wurde eigentlich nur in den ersten 10, 12 Reihen. Ruby stellte natürlich eine Ausnahme dar. Klar, kennt man ja aus dem
Radio. Am besten aus dem ersten Konzertteil gefiel mir Thank you very much, so gut hatte ich das noch nicht erlebt, zumindest war es mir nicht als so toll aufgefallen.

Egal, was Ricky machte, der Funken sprang nicht über. Und er gab wie üblich alles, lief zum Publikum, crowdsurfte, trat das Mikro durch die Gegend. Neben dem Actionkrams hatte ich aber zwei andere Ricky-Lieblingsszenen: irgendwann trank er wieder einmal einen Schluck aus einem Pappbecher, verzog angeekelt das Gesicht, um mit Bier nachzuspülen... Beim musikalischen Highlight
Take my temperature stand Ricky während eines langen Instrumentalparts, interessiert am Bühnenrand und beobachtete seine Kollegen. Leider verpuffte das Lied komplett, es schien kaum jemand zu kennen bzw. zu mögen.

Nach Angry mob war Schluß, es folgten Can't say what I mean und Oh my god als Zugaben. Die neuen Sachen begeisterten mich auch live nicht richtig. Never miss a beat ist gut, Half the truth und Spanish metal waren in Ordnung. Aber das Konzert lebte von den Hits der ersten beiden Platten (und da gibt es ja keine Ausfälle).

Oh my god war dann das traurige Ende. Traurig deshalb, weil niemand bei diesem Riesenhit mitging. Traurig, traurig. Alle Versuche des Frontmanns, uns zum Mitsingen zu bewegen, scheiterten kläglich (es sang wirklich niemand mit!).
Sicherlich frustriert schmiß Ricky sein Mikro (am langen Mitlaufkabel) über einen Träger am Hallendach. Und da hing es dann und wartete darauf, daß jemand sang. Machte aber keiner. Zumindest die Roadies und Techniker hatten später ihren Spaß, denn die versuchten verzweifelt, das Ding wieder zurückzubekommen.

Band solide - erstaunlich für die Umstände - Publikum dröge. Aber trotzdem kein verschwendeter Abend, weil auch solide Kaiser Chiefs mir viel Freude bereiten können.

Setlist Kaiser Chiefs, Live Music Hall, Köln:

01: Spanish metal
02: Everyday I love you less and less
03: Everything is average nowadays
04: Heat dies down
05: You want history
06: Ruby
07: Thank you very much
08: Good days bad days
09: Na na na na naa
10: Modern way
11: Half the truth
12: Never miss a beat
13: I predict a riot
14: Take my temperature
15: The angry mob

16: Can't say what I mean (Z)
17: Oh my god (Z)

Bilder folgen!

Links:

- aus unserem Kaiser Chiefs Archiv:
- Kaiser Chiefs, Paris, 28.08.08
- Kaiser Chiefs, Köln, 05.11.07
- Kaiser Chiefs, Offenbach, 02.11.07
- Kaiser Chiefs, Hohenfelden, 19.08.07
- Kaiser Chiefs, Evreux, 07.07.07
- Kaiser Chiefs, Paris, 06.07.07
- Kaiser Chiefs, London, 19.06.07
- Kaiser Chiefs, Paris, 05.06.07
- Kaiser Chiefs, Wuppertal, 05.02.07
- Kaiser Chiefs, Paris, 08.11.06
- Kaiser Chiefs, Offenbach, 07.03.06
- Kaiser Chiefs, Paris, 28.02.06
- (mehr) Fotos aus der Live Music Hall




 

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