Posts mit dem Label Zeus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Zeus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 18. Dezember 2012

Stars, Köln, 17.12.12

0 Kommentare

Konzert: Stars
Ort: Luxor, Köln
Datum: 17.12.2012
Zuschauer: sicher 300
Dauer: 100 min



Irgendetwas war anders als vor ein paar Tagen in Frankfurt. Vergangenen Mittwoch hatte ich die Stars dort gesehen und ein hervorragendes Konzert erlebt. Gestern im deutlich besser gefüllten Luxor lief der Auftritt zum großen Teil vollkommen an mir vorbei, langweilte mich und hätte - das ist für mich ungewöhnlich - wenn ich alleine da gewesen wäre, sogar fast dazu geführt, früher zu gehen. Das wäre allerdings eine schlechte Idee gewesen, weil die letzten Zugaben Reunion und das wundervolle What the snowman learned about love (in einer sehr schönen abgespeckten Version!), das ich wohl noch nie live gesehen habe, wieder viel rausgerissen haben - aber bei weitem nicht alles.

Ich weiß nicht, woran es lag, an Abnutzungen gegen Ende des Jahres vielleicht, Sportler nennen das Überspieltheit (unwahrscheinlich, da ich vergangene Woche nur zwei Konzerte weniger überspielt war) oder ganz banal an schlechterer Form der Band. Konzerte der Stars sind Gradwanderungen, die Duette, der hohe Frauengesang, die Abhängigkeit von gutem Sound, bergen großes Floprisiko. Ich habe in der Vergangenheit schon ein sehr schreckliches Konzert der Kanadier erlebt - dieses hier war nicht schrecklich, sondern belanglos. Und dann stören die Dinge, die an einem guten Abend unter den Tisch fallen, plötzlich sehr. Die schiefen Töne vor allem, die schlechteren Lieder von der aktuellen Platte. Bei ein paar Liedern lag Amy Millan auch in Frankfurt ein paarmal neben den Tönen, da machte es aber nichts, weil ich schnell begeistert war. Im Luxor stellte sich das nicht - höchstens aber kurz am Ende ein.

Und trotzdem liebe ich diese Band und wäre elendig traurig, wenn es sie irgendwann nicht mehr gäbe. Oder gibt.

Meine neu aufgeflammte Liebe hat nicht zuletzt mit einem Interview zu tun, das ich nachmittags mit Amy und Bassist Evan Cranley führen konnte. Die beiden erzählten, wie ihre gemeinsame Tochter (und Torquil Campbells kleine Tochter) das Touren verändert hätten, von ihrer gemeinsamen Arena-Tour mit Metric im Herbst, gaben mir Konzerttipps für die USA ("deinen nächsten Urlaub planst du so, daß du ins Fillmore in San Francisco gehen kannst!"), sprachen über ihre Liebe zu Europa und Glühwein. Am meisten Eindruck hatte bei einem Gang über einen der zahllosen Weihnachtsmärkte aber "a Weckmann" gemacht. Ein Mann zum Essen, das sei toll!

Eine kleine Besonderheit des Frankfurter Konzerts waren kleine Intro-Liedchen, die Amy und Torquil vor einigen eigenen Liedern angestimmt hatten. Vor Through the mines sang sie Dark as a dungeon, über das Arbeiten in Minen. Ich war mir nicht sicher, ob das geplant oder improvisiert war. Amy sagte, dass dies eine spontane Idee gewesen sei. Auch in Köln sangen die beiden immer mal wieder kurze, fremde Stücke als Einleitung, mir gefiel das wieder sehr gut. Ach, es hätte wirklich ein wundervoller Abend sein können, wenn sie oder ich in besserer Form gewesen wären.

Ich belasse es besser dabei. Ich hoffe sehr, daß es nicht die letzte Chance war, die Stars wiederzusehen, denn das will ich unbedingt. Damit sich so Momente wie bei Elevator love song, Soft revolution, Dead hearts, Reunion und What the snowman learned... wieder über Konzertlänge einstellen - große Popsongs zauberhaft vorgetragen! Gestern waren das leider die Ausnahmen.

Setlist Stars, Luxor, Köln:

01: The theory of relativity
02: Fixed
03: A song is a weapon
04: Ageless beauty
05: The north
06: We don't want your body
07: Midnight coward
08: Through the mines (mit Intro Dark as a dungeon - Harry Belafonte Cover)
09: Your ex-lover is dead (mit Intro Unhappy Birthday - The Smiths Cover)
10: Backlines
11: Die together
12: Soft revolution
13: Changes
14: Dead hearts
15: Elevator love song
16: Progress
17: Hold on when you get love and let go when you give it
18: Take me to the riot
19: Walls

20: The 400 (Z)

21: Reunion (Z)
22: What the snowman learned about love (Z)

Links: 

- aus unserem Archiv:
- Stars, Frankfurt, 12.12.12
- Stars, Indianapolis, 04.10.12
- Stars, New York, 24.09.10
- Stars, Köln (Luxor), 09.09.10 
- Stars, Köln (Gloria), 11.02.08 
- Stars, Köln (Gebäude 9), 27.09.07 
- Stars, Berlin (PopKomm), 20.09.07

Tourdaten Stars:

18.12. München, Hansa 39 
20.12. Wien, Flex 


Donnerstag, 13. Dezember 2012

Stars, Frankfurt, 12.12.12

2 Kommentare

Konzert: Stars
Ort: Zoom, Frankfurt
Datum: 12.12.2012
Zuschauer: 150 bis 200
Dauer: Stars knapp 100 min, Zeus 35 min



"Please don't forget us."

Es scheint in den letzten Monaten nicht besonders gut für die Stars zu laufen. Die Hallen werden kleiner und kleiner und auch die verkaufen die Kanadier nicht aus. Das Frankfurter Konzert hatte in der Batschkapp stattfinden sollen, wurde aber heute morgen ins Zoom runterverlegt. Um halb zehn, als die Stars die Bühne betraten, war der Raum zwar ganz gut gefüllt, er war aber sichtbar weit weg von ausverkauft. Wie frustrierend muß das für eine Band sein, die vor zwei Jahren noch zigfach größere Säle gefüllt hat! Schon bei meinem letzten Konzert im Urlaub im Oktober hatten die Québecer vor ähnlich kleinem Publikum gespielt und waren merklich verunsichert. Daran scheinen sie sich mittlerweile gewöhnt zu haben, sie nahmen die Verlegung mit Fassung. "You're my only friends in Frankfurt!" - "Es bedeutet uns so viel, daß ihr uns unterstützt." Wie bitter für die wundervollen Stars! Für die Stars, die ich schon lange liebe, die mir aber noch nie so intensiv am Herzen lagen wie heute! "Wir kommen bald wieder, versprochen! Bitte kommt dann auch! Bitte vergesst uns nicht!"


Im Sport gib es all diese dämlichen Floskeln von dem angeschlagenen Boxer oder dem Team, das nichts mehr zu verlieren hat, bla bla bla... So wie die immer groß aufspielen, haben es die Kanadier auch getan. Das Konzert war fabelhaft. Über Nacht ist The North, das aktuelle Album, kein riesengroßer Wurf geworden, es ist immer noch das schlechteste bisher. Nach einigen Malen hören mag ich große Teile davon aber immer lieber. Progress, Through the mines und Hold on when you get love and let go when you give it gehören nicht dazu und waren die schwächsten Lieder des Abends. Dabei blieb es aber. 18 (zum Großteil) Riesenhits und dreimal Luftholen ist so viel besser, als ich mir ein Stars-Konzert nach Veröffentlichung von The North vorgestellt hatte.


Der Beginn des Abends hatte nicht nahegelegt, daß mich das Konzert so packen würde. Ich war müde, genervt und, um im Sportbild zu bleiben, überspielt. Dazu kam mit Zeus aus Toronto eine vierköpfige Vorgruppe, die ländlichen, nordamerikanischen Rock spielte, wie ich ihn auf Highschool Bällen erwartete. Zeus [die sich selbst Susss nennen] stehen wie ihre Flugbegleiter bei Arts & Crafts unter Vertrag und erinnerten mich in den besseren Momenten auch an Broken Social Scene. In den anderen klang von Paul McCartneys Live and let die (elegant hier untergebracht)* über 80er Rock bis Queen alles mögliche durch. Susss spielten eine gute halbe Stunde und wurden ganz gut angenommen. Wie wenig mich das beeindruckte, was sie ablieferten, merkte ich vorhin, als ich auch die Lösung dafür fand, woher ich den schnauzbärtigen Keyboarder kannte: ich habe diese Kanadier im April schon einmal als Dan Mangan Support gesehen und anschließend vollkommen verdrängt. Das passiert mir eigentlich nie. Beruhigend ist allerdings, daß ich es damals exakt genauso empfunden habe wie heute.


Als dann Torquil Campbell aufgedreht wie immer mit einem zu kurzen und sehr taillierten Pepita-Sakko mit schwarzen Revers und Kragen erschien (er trug aber immerhin darunter ein Meat is murder Shirt) und begeistert zur Hintergrundmusik von Aretha Franklin (?) tanzte und dem Soundmann sagte, er solle das ja nicht unterbrechen, ahnte ich Böses und fühlte mich falsch. Und dann lag Sängerin Amy Millan bei Fixed, das dem ersten Stück The theory of relativity folgte, einige Male deutlich neben den vorgesehenen Tönen; sie klang schief und ich fühlte mich noch falscher.

Das von mir erst in den letzten Tagen als toll entdeckte A song is a weapon und vor allem das seinen Namen so sehr verdienende Ageless beauty drehten den Abend glücklicherweise sehr früh um 180 Grad! Ageless beauty ist ja auch eines dieser Lieder, die ganz schnell furchtbar schief gehen, wenn einer der beiden Sänger außer Form ist. Torquil war heute stimmlich top und auch Amy hatte sich nach der amfänglichen Unsicherheit gut gefangen - das Stück war eines der besten des Abends!


Schon während Ageless beauty war Torquil zweimal von der Bühne verschwunden, ohne daß ich mir das erklären konnte. "Habt ihr hier vorne ein Tambourin gesehen, bevor wir auf die Bühne gekommen sind?" Seine Percussion-Instrumente blieben verschwunden, sein Instrumenten-Part beim kommenden Stück unbesetzt. Der Sänger kommentierte dies mit "da fällt mir wieder auf, wie wenig ich zu dieser Band beisteuere." Hinter all der Koketterie schien mir aber auch eine echte Portion Bitterkeit zu stecken.

Es ging wohl auch ohne Tambourin! Und es folgte mit We don't want your body eine Überraschung, weil das Lied so viel besser war als sonst. Ich mochte es plötzlich sehr!


Die nächste Überraschung folgte sofort: vor Through the mines stimmte Amy Millan kurz ein akustisches Lied an, das thematisch passende Dark as a dungeon von Harry Belafonte. Ob das geplant war? Vermutlich. Aber dieses Intro-Stückchen hatte den Charme einer Improvisation, und es sollten weitere folgen.

Nach den beiden Lieblingen Midnight coward und Your ex-lover is dead, Backlines mit erneut leichten Stimmwacklern der Sängerin kam wieder eines der Intro-Liedchen, All I have to do is dream von den Everly brothers, das Torquil, der in Kanada aufgewachsene Brite, in "all I have to do is die, die, die" umdichtete. Es leitete in Die together über! Vor Dead hearts sang dann wieder Amy ein kleines Cover: These foolish things remind me of you von Nat King Cole. Es war wunderbar!

Ach, es gab so viele fabelhafte Momente! Soft revolution! Take me to the riot, das nicht leiser klang als mit dem 10fachen Publikum im Terminal 5 vor zwei Jahren!


Oh, mitgesungen wurde viel. Hinter mir stand ein Fan, der laut mitschmetterte. Auch das kann - wir sind ja hier alle Konzertprofis - extrem nerven, weil Zuschauer in der Regel nicht zufällig nur im Publikum und nicht auf der Bühne stehen, sie können nämlich schlechter als die Band dort singen. Der Mann hinter mir klang aber gut, das war ok. Auch die laut redenden Freundinnen wurden irgendwann vom Zauber der Stars gepackt und unterbrachen ihre Gespräche. Irgendwie wurde aus dem häßlichen Entlein, das das Konzert am Anfang zu sein schien, ein richtig schönes Viech! A song can be a weapon!**

Nach der Zugabe The 400 (nur die beiden Sänger, der Gitarrist und der Keyboarder bestritten die - Bassist und Schlagzeuger fehlten), klatschten wir unsere Stars zu einer weiteren, offenbar ungeplanten zurück. Heart - lange nicht gehört - beendete den Abend. Wegen solcher Konzerte verbringe ich meine Freizeit in mehr oder weniger schönen Musikclubs und nicht auf dem Sofa. Lasst uns bitte Torquil folgen und seine Band nicht vergessen! Für so wundervolle Lieder wie Ageless beauty, Soft revolution, Midnight coward, Take me to the riot, The north, A song is a weapon und all die ungespielten Perlen. Ich möchte solche Abende noch oft erleben - zum Beispiel am Montag in Köln im Luxor - oder wo auch immer!

Klar, der Mann ist auch Schauspieler. Aber als er sagte, daß ihm das alles bedeute, daß wir da seien - "glaubt nicht, wir wüssten nicht, was ihr für uns tut" - nahm ich ihm das vollkommen ab. Leicht erzielbare Karma-Punkte!***

Setlist Stars, Zoom, Frankfurt:

01: The theory of relativity
02: Fixed
03: A song is a weapon
04: Ageless beauty
05: The north
06: We don't want your body
07: Through the mines (mit Intro Dark as a dungeon - Harry Belafonte Cover)
08: Midnight coward
09: Your ex-lover is dead
10: Backlines
11: Die together (mit Intro All I have to do is dream - The Everly Brothers Cover)
12: Soft revolution
13: Lights changing colour
14: Dead hearts (mit Intro These foolish things remind me of you - Nat King Cole Cover)
15: Elevator love song
16: Progress
17: Hold on when you get love and let go when you give it
18: Take me to the riot
19: Walls

20: The 400 (Z)

21: Heart (Z)

Links: 

- aus unserem Archiv:
- Stars, Indianapolis, 04.10.12
- Stars, New York, 24.09.10
- Stars, Köln (Luxor), 09.09.10 
- Stars, Köln (Gloria), 11.02.08 
- Stars, Köln (Gebäude 9), 27.09.07 
- Stars, Berlin (PopKomm), 20.09.07

Tourdaten Stars:

13.12. Aarau, Kiff 
17.12. Köln, Luxor 
18.12. München, Hansa 39 
20.12. Wien, Flex 



* nur Nirvana habe ich jetzt nicht noch reinpacken können
** Stars-Zauber wirkt leider aber nicht gegen Verdauungsprobleme. Irgendwer hatte sich nicht im Griff und furzte ganz fürchterlich. A fart can be a weapon, too
*** über den Rest der Band dann mehr am Montag vom Kölner Konzert




Freitag, 20. April 2012

Dan Mangan, Köln, 19.04.12

9 Kommentare
Konzert: Dan Mangan
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 19.04.2012
Zuschauer: wohl fast ausverkauft
Dauer: Dan Mangan fast 95 min, Zeus 37 min


Es dauerte eine ganze Weile, bis ich in den Abend reinkam. So etwas passiert Sportlern häufig, die Gründe sind oft schwer auszumachen. Liegt es an ihnen selbst oder läßt der Gegner nicht mehr zu? Ist der Platz vielleicht in miesem Zustand, das Publikum zu laut / leise? Daß eine Vorgruppe mir nicht gefällt passiert (wenn auch viel zu selten, würde Oliver sagen). Aber als auch nach fünf Minuten Dan Mangan bei mir noch kein Funken Euphorie und Begeisterung aufgekommen war, kam ich ins Grübeln. Liegt es an mir? Sind das Abnutzungs-erscheinungen? Ich denke mir oft, ich will wieder Musik genießen, endlich wieder Fan sein. Ich bin zu satt.

Gottseidank ist das alles ausgemachter Unsinn. Satt war ich nicht, abgenutzt ist höchstens die Haut unter meinen Augen. Es lag an der Abmischung, daß der erste Song der kanadischen Hauptgruppe seelenlos klang. Das Stück mit dem schönen Titel About as helpful as you can be without being any help at all (den ich lieber kopiert habe) fing noisig an, die Musiker schrammelten auf ihren Instrumenten, als wollten sie einmal nicht Folk spielen müsssen. Dan hatte eine akustische Gitarre umgehangen und hielt eine andere am Hals fest, als wartete er auf einen weiteren Musiker. Das zusätzl
iche Instrument diente aber nur als Rückkopplungserzeuger. Als er anfing zu singen, war die Stimme blass und leise.

Es dauerte ein paar Minuten und bis zur Mitte von Oh Fortune, bis die Kraft von Dans Stimme erstmals durchbrach. So exzellent auch seine Mitmusiker sind, Alleinstellungsmerkmal der Stücke ist ohne Zweifel die rauhe Kneipenstimme des Kanadiers. Man kann sich ihn gut vorstellen, wie er im heimischen Vancouver die Canucks in der NHL anfeuert und sich die Seele aus dem Leib brüllt. Ob das Eishockey-Team in den Playoffs gegen LA zurückliegt, weil diese Unterstützung gerade fehlt? Ich weiß es nicht, es ist mir auch egal, ich mag die Bruins.

Dans Kollegen zuzusehen, war ein großes Vergnügen. Bassist Colin Cowan, der wie eine Mischung aus Catweazle und Doug Martsch aussieht (und wahrscheinlich 20 Jahre jünger ist, als er wirkt), und der einen Höfner Bass spielt*, der so gar nicht zu seinem Holzfälleräußeren zu passen scheint, reizte das ganze Spektrum der nicht-fiesen Rockmusikerbewegungen aus, eine seltene Kunst! Gitarrist Gord Grdina stand ihm dabei in nichts nach. Erstaunlich, daß sein energisches Spiel nur eine Saite kostete, die bei Rows of houses kurzerhand nach hinten gedreht wurde, um minutenlang weiterzuspielen.

Nach dem Holperstart gab es nichts mehr zu meckern. Zwar waren Gords Gitarre und das Schlagzeug einen Tick zu laut im Vergleich zu Dans Beiträgen, vor allem zu seiner akustischen Gitarre, dies störte aber nicht mehr sehr. Der Gesang war da, und der ist das große Pfund des Sängers. Nicht alle Lieder strotzen vor Komplexität, ab und zu fragte ich mich, in welche Kategorie ein Stück wohl gehörte, wenn es ein Künstler auf Deutsch singen würde. Das ist ein doofer Gedanke, den ich sofort unterdrückte. Dans dreckige Stimme macht nämlich auch aus den etwas weniger aufregenden Liedern echte Kracher.

Obwohl bei den Kanadiern für mich die Formel gilt, je lauter desto besser, überzeugten mich auch einige der ruhigen Stücke restlos. Die erste Zugabe The indie queens are waiting vom Album Nice, nice, very nice war eines dieser langsameren Stücke, die besonders wundervoll waren. Aber natürlich ziehen in einem Club wie dem vollen Gebäude 9 die lauten Titel am besten.
Sold, Post-war blues und Robots punkteten auch bei mir ganz besonders gut.

Als nach 75 Minuten der reguläre Teil und die erste Zugabe vorbei waren, die Band im Backstageraum verschwunden war, fragte der Sänger, wie spät es sei und wann die Züge führen. Ob denn noch Zeit für Lieder sei? Als jemand antwortete, der Zug führe um fünf, wurde das Programm wohl noch einmal verlängert. Pine for cedars spielte Dan alleine, danach suchte er seine Kollegen, die nicht wieder auf die Bühne kamen (und vielleicht schon ein Feierabendgetränk nahmen). Die drei kamen zurück und spielten mit Fair Verona und So much for everyone zwei weitere Zugaben. So much... war dabei sicherlich geplant, denn dazu nahm Dan einen Stuhl und sein Mikro, kletterte in den Saal und stellte sich auf den Stuhl, um das Lied dort zu singen, nachdem er uns unseren Mitsingpart erklärt hatte. Geplant hin oder her, es funktionierte, das im Chor gesungene Stück bildete einen fabelhaften Abschluß dieses sehr schönen Abends! Wir waren uns hinterher sicher, daß die Kanadier in der nächsten Hallengröße spielen werden, wenn sie das nächste Mal nach Köln wiederkommen.

Nicht wiederkommen muß übrigens Zeus, die kanadische Vorgruppe. Lastfm hatte bei Zeus lustige Tags geliefert, z.B. "polish" und "rap".** Wäre es das doch bloß gewesen... Die kanadischen Zeus bestreiten sicherlich 95% ihrer Auftritte auf Hochzeiten und Highschool Abschlußbällen in heimatlichen Provinznestern. Manchmal begannen die Lieder mit einem vielversprechenden Intro, hatten dann aber einen harten Bruch, bevor das eigentliche Stück anfing. So, als hielte man jemanden einen Keks hin, um den dann wegzuziehen und etwas Ekliges in seinen Mund zu stopfen. Wenn schon ein Genesis Cover das beste Lied der guten (nein!) halben Stunde war, sagt das alles.

Setlist Dan Mangan, Gebäude 9, Köln:

01: About as helpful as you can be without being any help at all
02: Oh fortune
03: Leaves, trees, forest
04: Sold
05: So I am dead
06: Post-war blues
07: Basket (Dan Mangan solo)

08: Starts with them, ends with us
09: How Darwinian
10: Robots
11: Rows of houses
12: Regarding death and dying
13: Jeopardy

14: The indie queens are waiting (Z)
15: Pine for cedars (Z)
16: Fair Verona (Z)
17: So much for everyone (Z)

* als Konzertberichterstatter sollte man häufig die Namen der Instrumente erwähnen. Das vermittelt Fachkenntnis und schafft Vetrauen. Done. Sollte ich mit meinem Raten falsch liegen, bitte ich das zu entschuldigen. Ich habe keinerlei Ahnung von Instrumenten.

** uneindeutige Bandnamen sind dämlich! Aktuell interessiert mich eine Gruppe namens Friends aus Brooklyn. Googelt man nach "Friends", bekommt man zum einen in den nächsten Monaten merkwürdige Anzeigen vorgesetzt, zum anderen viel Mist auf der Suche nach der richtigen Band (das gilt auch für Boy und viele andere Beispiele). Warum kann man seine Gruppe nicht unverwechselbar benennen? Angebissenes Butterbrot oder The Bepanthens z.B. würde man viel leichter finden. Sollten Musiker bei der Namensgebung Hilfe benötigen, ich stehe gerne zur Verfügung.

Links:

- aus unserem Archiv:
- Dan Mangan, Paris, 06.04.12
- Dan Mangan, Haldern, 13.08.11
- Dan Mangan, Frankfurt, 05.06.11
- mehr Fotos
- andere Berichte:
- Dan Mangan, München, 18.04.12 beim Klienicum!



 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates