Freitag, 6. März 2015

Gemma Ray, Bonn. 05.03.15


Konzert: Gemma Ray
Ort: Harmonie, Bonn
Datum: 05.03.2015
Dauer: Gemma Ray knapp 90 min, Ned Collette 40 min
Zuschauer: 70 bis 80  



Gemma Ray und ich hatten lange Zeit überhaupt keinen Kontakt. Ich hatte hier vor Jahren von einem Pariser Konzert der Engländerin gelesen, dabei hatte sich das Schlüsselwort "bluesig" fest in meinem Gedächtnis verankert. Und wenn man mich mich etwas jagen kann, dann mit Dingen, die bluesig sind. Oder soulig. Und mit Broccoli, aber das ist ein anderes Thema.

Vor einiger Zeit kaufte ich mir Gemmas aktuelle Platte und war angenehm überrascht. Ich spürte den Blues, er tat aber weit weniger weh als befürchtet. Das Album der Britin erinnerte mich manchmal an Anna Calvi, auch eine tolerierte Bluesrockerin, Gemmas Stimme an Anna Ternheim. Da Gemma in Berlin lebt, tourt sie scheinbar häufig in Deutschland (richtig verfolge ich das erst seit ich meine Vorurteile abgelegt habe). Der Termin in Bonn passte mir perfekt in den Kram. 

In der Nähe der Harmonie, einer schönen Kneipe mit wundervollem Konzertsaal, ist Parken eine Katastrophe, hatte ich von meinem letzten Besuch in Erinnerung. Diesmal war es unkompliziert -  und ich viel zu früh.



Gottseidank gibt es in allen Innenstädten mit Musikkneipen Nachbarn mit Rechtschutzversicherungen und damit die Notwendigkeit, Konzerte früh beenden zu müssen. Bei zwei Künstlern bedeutete das, daß der Abend früh begann und ich nicht zu lange warten musste. Um acht begann er mit dem in Berlin lebenden Australier Ned Collette, der vierzig Minuten lang ruhige Folk-Stücke vortrug. Neds Stimme gefiel mir sehr gut, auch wenn sie ab und zu etwas bröckelte. Seine Stücke waren sicher auch objektiv gut, meine in den letzten Jahren massiv angestiegene Folk-Reaktanz, verhinderte echte Begeisterung. Ein Stück in der Mitte gefiel mir sehr gut, der Rest war ok, aber eben nicht meine musikalische Erfüllung.



Zehn Minuten nach dem Ende des sehr gut angenommenen Konzerts des Australo-Berliners begann bereits Teil zwei des Abends. Gemma Ray trat gemeinsam mit ihrem Schlagzeuger Andy Zammit auf die Bühne. Auch wenn das Konzert vorzüglich werden sollte und dies natürlich an Songs, Stimme und dem Vortrag der Sängerin lag, war der Schlagzeuger der heimliche Star des Abends. Also sollte er auch gewürdigt werden.  


Andy Zammit ist gebürtiger Waliser, lebt in London und ist Herr des Gemma Ray Labels Bronze Rat. Und er spielt Schlagzeug, Keyboard (manchmal gleichzeitig) und Melodica. Vielleicht bekocht er seine Sängerin auch noch. Nach Waving the mirrors (einem der eindrucksvollsten Stücke des Abends) erklärte die Sängerin: "I'm pushing this man to the limit!" Demnächst werde sie von ihm verlangen, Akkordeon zu lernen. Das werde er sicher in ein paar Tagen schaffen. Andy guckte beim Trommeln häufig herrlich verrückt zur Decke hoch. Er wirkte vor allem dann auf mich wie eine Mischung aus Eddie Argos und Olli Schulz.


Gemma und Andy spielten viele Stücke vom neuen Album. Dabei war das Schlagzeug herrlich zurückgenommen, die Lieder waren einfacher aber sehr viel wirkungsvoller als vom Band. Ich kenne ihr vorheriges Werk nicht genug, um mich über Hits gefreut oder andere vermisst zu haben. Das Set war stimmig, die Lieder faszinierend. Auch die beiden neuen Stücke (eines hatte den Refrain "the original one" und heißt wohl auch so, das andere stellte sie als "brandnew" vor) waren hervorragend und passten perfekt zum Rest. Meine Lieblinge neben Waving at mirrors waren The right thing did me wrong und Motorbike (obwohl Motorräder in die gleiche Kategorie wie Broccoli und Blues gehören).


Als Gemma nach mehr als einer Stunde Konzert von der Bühne ging und kurz danach wiederkam, bedankte sie sich für das warmherzige Publikum in Deutschland (sowas hat uns sicher noch nie jemand nachgesagt - und außerdem lebt sie in Berlin!). In London würde man nach zwanzig Minuten von der Bühne gebuht. 

Sie spielte die ersten Zugaben so, wie sie sie im Schlafzimmer ursprünglich geschrieben habe, ganz zurückgenommen (und nicht etwa im Pyjama, sie hatte weiterhin das hübsche Blumenkleid an, das sie auch auf dem Plattencover trägt). Danach schlurften Ned und Andy ("these two zombies") zurück und begleiteten sie bei zwei letzten Liedern - Fire house, das sie mit dem Babelsberg Film Orchester aufgenommen hatte und Eyes and ears, das sie dem im Herbst verstorbenen Radio 1 Musikchef Peter Radszuhn widmete.

Setlist Gemma Ray, Harmonie, Bonn:

01: 900 miles (Odetta Cover)
02: Put the bolt in the door
03: If you want to rock and roll
04: They all wanted a slice
05: Flood and a fire
06: The original one
07: The wheel
08: Motorbike
09: Waving at mirrors
10: ? (neu)
11: There must be more than this
12: Desoto
13: Out in the rain
14: The right thing did me wrong
15: So do I

16: Rescue me (Z)
17: Shake baby shake (Z)
18: Fire house (Z)
19: Eyes and ears (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
-
Gemma Ray, Berlin, 01.01.13
- Gemma Ray, Paris, 23.02.09


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