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Samstag, 16. Juli 2016

Best Kept Secret Festival, Tilburg, 17-19.06.2016

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Konzert: Best Kept Secret Festival
Ort: Tilburg
Datum: 17.-19.06.2016
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: ca.25.000

Dieses Jahr konnten wir leider doch nicht so ausführlich wie geplant vom "Best Kept Secret" Festival in Tilburg berichten. Eine Grippe ist der Feind jedes Festivalbesuchers. Laute Musik, viele Menschen und kaltes Bier sind da einfach nicht hilfreich. 

J. Mascis hatte wohl den gleichen Virus und spielte seinen Set auf einem Stuhl. 

Daher diesmal als Gesamtbericht "nur" eine Fotosammlung. Auch dieses Festival wurde vom Regen nicht verschont, nur am letzten Tag zeigte sich etwas länger die Sonne. 

Das ist bei einem so nett gestalteten Gelände natürlich doppelt schade. Neu waren die überdachten "Longtable", die in der Mitte des Tisches einen mit Kohle gefüllten Grill enthielten und an denen (Mittags und Abends) zusammen gegessen werden konnte. Und das mitten auf dem Festivalgelände mit Wein, Fleisch, Kartoffel und Brot zu einem Fixpreis. 

Mit nun fast 25.000 Besuchern ist das Festival an seiner Kapazitätsgrenze angekommen. Bleibt abzuwarten ob es im nächsten Jahr Veränderung gibt.


Fotos:

Tag 1 mit DIIV, Minor Victories, Wolf Parade, Beck und Mount Kimbie (DJ)

Tag 2 mit Glass Animals, Air, Dinosaur Jr. und Editors

Tag 3 mit Half Moon Run, Band of Horses, Yeasayer Asgeir und Two Door Cinema Club

Fotos: Michael Graef















Dienstag, 22. September 2015

Mercury Rev, Incubate Festival Tilburg, 18.09.2015, Schouwburg Tilburg,

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Konzert: Mercury Rev
Ort: Tilburg
Datum: 18.09.2015
Dauer: 105min
Zuschauer: 800


Der Abend im Dezember 1991 wird mir immer in Erinnerung bleiben. Der Tipp des besten Freundes "hör mal rein, klingt wie Pink Floyd" erweiterte meinen damaligen musikalischen Horizont um ein Vielfaches. Mercury Rev spielten damals zwar das wohl schlechteste Konzert unserer jetzt fast 25jährigen Beziehung, trotzdem war es ein Meilenstein. 

Der damals noch schwergewichtige Frontman eilte während der ausufernden Songs zur Bars um neue Drinks zu ordern, das Luxor stand im Bühnennebel und entdampfte danach auf die kalte Straße. Die Zeiten änderten sich, Jonathan spielte zeitweise bei den Flaming Lips Gitarre, David Baker konsumierte wohl auch härtere Dinge als Drinks und verließ die Band. Der Sound wurde melodischer und "normale" Songstrukturen rückten stärker in den Vordergrund. Deserter`s Songs wurde Platte des Jahres im NME und alles schien perfekt. 

Leider konnten sich Mercury Rev aber danach nicht mehr in der oberen Liga halten. Obwohl sie live ständig tolle Konzerte gaben waren die Abstände zwischen den Platten einfach zu groß. Immer wieder starteten sie neu und verloren an Kraft. Die letzte CD aus dem Jahr 2008 war für mich das erste Desaster seit ihrer Gründung, sie sollten sich Jahre nicht davon erholen. Umso erstaunlicher dann die Ankündigung des Incubate Festivals in Tilburg: "Mercury Rev mit Orchester im Theatersaal". 

Mit gemischten Gefühlen fuhr ich Freitag in die Niederlande. Würde mich die Band nochmals bezaubern oder ist es das letzte Aufeinandertreffen ?. Der Saal leuchtet beim Betreten in samtigen Rot. Auf der Bühne links ein echtes Orchester, rechts die Band, getrennt durch eine Plexiglaswand. Das Konzert beginnt mit einem Solo für die Streicher, zunächst scheint es ein klassisches Stück zum Auftakt zu sein, doch dann hört man es heraus: Es ist Neil Youngs "A man needs a maid". Jonathan und Grasshopper betreten die Bühne und mein kippenvel (holl. für Gänsehaut) ist sofort aktiviert. Beide wie immer stilvoll gekleidet, drei weitere Musiker an Bass, Keyboard (Querflöte) und Schlagzeug ergänzen den Sound.

Es geht los, und ich merke: Jahre habe ich keine Songs mehr von Mercury Rev gehört. Was für ein Fehler. "The funny bird" eröffnet, die Streicher rasen, Carwash Hair direkt danach in einer ruhigeren Version als früher aber immer noch genau so anmutig. Jonathan erzählt, er erzählt unglaublich viel an diesem Abend. Über Freundschaft, die Probleme in der Band, die Familien, die Kindheit. Alles scheint an diesem Abend von ihnen abzufallen, es ist ihr Abend, das Orchester macht sie und ihre Songs perfekt. 



Er wirkt entwaffnend ehrlich wenn er sagt, dieses Angebot hätte ihr komplettes Jahr gerettet. Von der neuen CD werden nur wenige Songs gespielt, auch sie klingen hervorragend. Er spricht von der Zeit mit den Flaming Lips im Kleinbus und ohne Geld, von Gespenstergeschichten ihrer Kindheit in den Catskill Mountains und wie ihr Sound daraus entstanden ist. Daher folgt auch "Love yer brain" von den Lips, und die Kracher "Holes" und "Opus 40". Letzteres in einer unfassbaren Version mit krachigen Gitarren, einem Irren am Schlagzeug und Streichern die einfach weiterspielen bis Schluss ist. 

Ich würde jedem wünschen dieses Konzert würde auf DVD veröffentlicht, so ein Genuss darf nicht nur mit einem Theater geteilt werden. Die Noten sind geschrieben, vielleicht gibt es ja in Zukunft öfter eine Gelegenheit so aufzutreten.



Zur fälligen Zugabe muss Jonathan dann nochmals weiter ausholen. Er erzählt die traurige Geschichte als ihm jemand durch einen Anruf mitteilte, das sein Freund Mark Linkous gestorben sei. Mark war der geniale und leider auch verrückte Leader der Band Sparklehorse, die ich leider nur einmal erleben durfte. Damals spielte Linkous das komplette Set mit einem Gips im Rollstuhl, bevor er zu den Zugaben ohne Gips auf die Bühne schlenderte. Zu seinen Ehren spielt die Band daher seinen Song "Sea of Teeth". Und Jonathan singt den Text seines toten Freundes als hätte er ihn verfasst : "Can you feel the wind ? Of his soul upon your skin..Oh can you feel the wind ?"

Danach beendet ein kraftvolles und elegisches "Dark is rising" das emotionalste Konzert seit Jahren. Es war kein reines Best of..wie viele erwartet hatten, auch keine sentimentale Rückschau oder eine peinliche Aufführung in neuem Gewand. Es war einfach nur perfekt. 




Hoffen wir, das die ersten Eindrücke der guten, neuen Songs sich auf der CD Bewahrheiten und es wieder einen neuen, diesmal besseren Start in die nächsten Jahre gibt. Mercury Rev sind im Herbst auf Clubtour in Deutschland zu sehen. 

Wer schon lange keine Mercury Rev Platte mehr gehört hat sollte, wie ich seit 3 Tagen, einfach nochmal in sich gehen und seine Lieblingsscheibe auflegen. Bei mir läuft Yerself is steam aus dem Jahr 1991 seitdem wieder ständig. 

Aus unserem Archiv:
Mercury Rev, Barcelona, 28.05.11



Sonntag, 20. September 2015

Incubate Festival, Tilburg, 18.09.15

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Konzert: Incubate Festival
Ort: Tilburg
Datum: 18.09.2015
Dauer: 1 Tag
Zuschauer: 20-1.000

Festivalsaison ist immer. Ähnlich wie Südfrüchte sind Festivals mittlerweile ganzjährig erhältlich. In diesem Fall sogar ein Mix aus Indoor-und Outdoor Veranstaltungen. Das Incubate Festival in Tilburg ist ein Fass ohne Boden aus unzähligen Clubgigs, Minifestivals auf einer Naturbühne, DJ Sets und Kino sowie Theateraufführungen in der gesamten Stadt. Die Länge von einer Woche und die Bandbreite der Stile von Deathmetal bis Folk machen das Ganze nicht übersichtlicher. Zum Glück gibt es auch Tages-und Wochendtickets, als Schnupperstunde sozusagen. Die holländische Kulturförderung macht es möglich.

Tilburg, eine Stadt mit nur etwas mehr als 200.000 Einwohnern bietet so viele neue, schöne und zweckhafte Kultureinrichtungen wie bei uns keine Millionenstadt. An einem Tag besuchte ich ca. 8 Locations die allesamt nicht nur über beste Tontechnik und tolle Sicht verfügten, sondern auch fast neuwertig waren. Das hier noch am ehesten bekannte, ebenfalls neu umgebaute 013 mit diversen Sälen war dabei noch nicht einmal beteiligt. 

Eigentlicher Auslöser für meinen Besuch war ein weltweit exklusives Konzert von Mercury Rev mit Orchester über das ich ausführlich in einem eigenen Bericht schreiben werde. Bei näherer Betrachtung des Programms ergaben sich jedoch weitere interessante Acts, so dass sich der Tag auch wie ein Festival anfühlte. Nach einem Besuch des Incubate eigenen Pop-Up Stores mit diversen Vinyl-und CD Ausgaben der beteiligten Bands und Label, führte der erste Besuch in die Studiobühne des Theaterkomplexes. Hier gaben Errors einen guten Einstand in den Abend. Die Band war ja vom Mogwai eigenen Label verpflichtet worden, daher war die Richtung klar.


Noisiger Pop mit leichten Kraftausbrüchen aber durchaus melodisch. Das neue Album Lease of life kam bei nur 45min Spielzeit nicht voll zur Geltung. Der Sound, hier unterstützt durch eine junge Sängerin war gefällig und am Ende der Saal auch gut gefüllt und begeistert. Danach nur 100m weiter rechts in einen imposanten Innenhof, der einer Open-Air Bühne inclusive Essens-und Getränkeständen Platz bot. 

Hier zeigte sich leider der Nachteil des unübersehbaren Programms. Die tolle Band Husky (siehe Bericht vom Maifeld-Derby), schlich müde auf die riesige Bühne vor der sich gerade einmal 20-30 Leute eingefunden hatten.


Die Müdigkeit war, laut eigener Aussage der Band, einer 8-stündigen, nervigen Busfahrt von Berlin am gleichen Tag geschuldet. Dazu jetzt dieser trostlose Auftritt nach einer heftigen Schauer, es roch nach Mitleid. Doch Husky kamen mit jedem Song besser in Fahrt, bedankten sich in ihrer fast zu netten Art noch für die Zuschauer die gekommen waren. Wer Folk mag, muss dieses Jahr Husky's Ruckers Hill CD hören. Nicht umsonst sind sie bei Sub Pop als Qualitätslabel untergekommen. Der Sänger heißt übrigens wirklich Husky Gawenda

Aus purer Neugier danach kurz in den wohl schönsten Saal der Stadt. Der "kleine" Theatersaal ist ein futuristischer, weißer Quader mit fantastischen Logen und bunter Neonlichtkunst an der Decke. Der Sound von Burial Hex war für mich natürlich nicht länger als 10 Minuten zu ertragen (Künstler die ihre Musik selber als Funeral Doom beschreiben sind einfach nicht mein Fall), der Saal aber war sehr gut mit den, im positiven Sinne, verrücktesten Menschen gefüllt.


Nach dem so nicht ganz erwarteten Höhepunkt von Mercury Rev dann noch zu Camera. Eine Berliner Band die hier mit ihrem typisch, stoischen Gitarren-und Schlagzeugsound viele Niederländer kurz zum smoken vor die Tür lockte, um dann mit verträumten Augen den Auftritt weiter zu verfolgen. Zu sehen gab es einen einstündigen Song/Vortrag mit nach unten gesenkten Köpfen und einem stehenden Drummer mit Minikit (die Band hat so früher immer spontan in der Berliner U-Bahn gespielt). 

Sehr hypnotisch das ganze, so gar nicht deutsch und hier definitiv in der Nacht perfekt besetzt. Die CD Radiate bildet das ganze für zu Hause etwas runder ab und ist wirklich zu empfehlen. 

Danach zeigen die bisherigen 8 Stunden Programm sowie die Einladung netter Tilburger zu gefährlichen, belgischen Trappistenbieren Wirkung. Daher nur noch ein kurzer Abstecher zum Damenbandabend in die Tilburger Altstadt. Peach Kelli Pop waren schon fertig und La Luz hatte ich bereits dieses Jahr beim Best Kept Secret Festival gesehen. Der überfüllte Club bot da keinen neuen Anreiz. Nebenan im Midi mussten es zu später Stunde mal wieder die deutschen Techno DJ's richten, ein Markt der in den Niederlanden wohl nie enden wird. 

Alles in allem ein wahrlich imposantes Mini-Festival, eingebettet in ein wunderschönes Stadtbild mit lauter netten und entspannten Menschen. 6 Tage am Stück natürlich für kaum jemand machbar, aber für einzelne Tage und die exklusiven Highlights im Programm sollte man das Festival definitiv einplanen. (An anderen Tagen spielten u.a. Sophia, The Knife, Cabaret Voltaire, 2x die Melvins und unzählige Metalbands)

Aus unserem Archiv
Husky, Mannheim, 24.05.15 


Montag, 30. März 2015

Morrissey, Tilburg, 29.03.15

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Konzert: Morrissey
Ort: 013, Tilburg (Niederlande)
Datum: 29.03.2015
Dauer: gut 90 min
Zuschauer: knapp 2.000



Bei meiner Konzertgeherei habe ich gelernt, daß man als Zuschauer nicht den Fehler machen darf, alles zu hinterfragen, bei allem immer davon auszugehen, der Künstler habe genau die gleichen sehr hintersinnigen Gedanken bei dieser Aussage oder diesem Lied oder dieser Geste gehabt wie sein Fan. Stuart Murdoch von Belle & Sebastian hat einmal auf die Frage, wie er die Setlisten seiner Konzerte zusammenstelle und warum gerade dies auf jenes folge, geantwortet, daß er kurz vor dem Konzert die Lieder aufschreibe, auf die er gerade Lust habe. Mehr stecke da nicht hinter.


Vermutlich deute ich also auch bei Morrissey viel zu viel in die kleinen Gesten. Vielleicht war To give (is the reason I live) von Frankie Valli nur Bestandteil des Sets, weil er das Lied gerne mag und nicht wegen solcher Zeilen wie "I was born as a part of the plan, with the heart of a man, with a will to survive." Auch der Text von Gertrude Stein über Matisse*, der unmittelbar vor dem Konzert über den Vorhang vor der Bühne lief und der schreckliche Nachruf-Assoziationen bei mir auslöste, war vermutlich aus ganz anderen Gründen ausgewählt.


Unbestritten ist, daß es nicht einfach war, Morrissey auf dieser Tour zur Platte, die gar nicht mehr existiert, noch ein zweites Mal zu sehen. Das Konzert in Essen im November war gut, hatte aber den bitteren Beigeschmack, daß es mit einem Abbruch nach wenigen Sekunden der Zugabe endete. Ein paar Flitzer hatten versucht, Morrissey zu umarmen, ihm war das nicht geheuer, er flüchtete.

Im Dezember sollte der Sänger dann in Tilburg in den Niederlanden spielen, der Termin funktionierte aber leider bei mir nicht. Als er dann kurzfristig abgesagt und auf März verlegt wurde, war ich Profiteur. Zumindest, bis wir nach dem Einparken in Tilburg erfuhren, daß Morrissey das Konzert kurzfristig abgesagt habe. Da ich nicht an viele weitere Europa-Touren glaube (nicht wegen seiner Erkrankung sondern wegen mehrerer Aussagen, er wolle dies irgendwann nicht mehr machen), fand gestern unser zweiter Versuch statt. Noch einmal tief in die Niederlande, um eventuell ein Konzert zu sehen, daß dann vielleicht wieder frühzeitig zu Ende wäre. Aber es ist Morrissey... was soll man da machen?

Als wir viel zu früh ankamen, stand vor dem 013 bereits eine Schlange. Es warteten allerdings viel weniger Leute als ich gedacht hatte. Bei Facebook schrieben Besucher, sie seien um 12 Uhr angekommen (Einlaß sieben Stunden später). Davon zeugten Isolierfolien, mit denen sie sich warm gehalten hatten und die zurückgeblieben waren (wie bei Tokio Hotel!), als wir irgendwann nach Einlaßzeit zurückkamen.

Das 013 ist eines dieser in Belgien und den Niederlanden typischen Musikgebäude. All das Geld, das bei uns in die unzähligen Radiointendanten investiert wird, deren Sender dann miese Musik (aus den 80ern, 90ern und von heute) dudeln, stecken unsere Nachbarn offenbar in Konzerthäuser, in denen Popmusik gespielt werden kann. Das 013 stammt vermutlich vom gleichen Architekten wie das Trix in Antwerpen, es glich dem wie eine etwas kleinere Schwester. Im Rheinland trat Morrissey zuletzt in der ollen Düsseldorfer Halle mit den vielen Namen auf oder in Köln im Palladium. In Tilburg war die Akustik toll, der Saal wunderschön, die Ordner entspannt und wirklich alles auf Musik ausgerichtet.



Statt einer Vorgruppe bestand das Vorprogramm aus einem DJ-Set, das recht angenehm war. Um halb neun startete dann der Morrissey-Pausenfilm, eine Institution zwischen dem Support und dem Hauptprogramm, der aus einer Zusammenstellung von alten Musikvideos und Fernsehmitschnitten von Musik, Talkshows oder Tanz besteht. Im Vergleich zum November gab es viele neue Elemente, u.a. das Video von Fade to grey von Visage, deren Frontmann Steve Strange vor ein paar Wochen gestorben ist, aber auch alte Lieblinge wie den Auftritt der New York Dolls im Musikladen mit der Moderation von Manfred Sexauer ("drehen Sie die Radio ähhh Fernsehgeräte leiser..."). Besonders komisch war die Flamenco-Step Einlage eines Spaniers mit Bolero-Jäckchen, weil der sicher eine andere Meinung zum Stierkampf hatte als Morrissey. Der gut halbstündige Film endete mit dem Stück Imperfect list von Pete Wylie ("cancer, hunger, Stock Aitken Waterman, greed, Adolf Hitler...").

Dann fiel der Vorhang und Morrissey und Band erschienen. Auf das erste Stück hatte ich gehofft, weil es am Vorabend der Absage Anfang März in der Setlist des Konzerts in Groningen war. What she said von Meat is murder. Und danach Suedehead und alles war gut,



Das Musikgebäude (niederländisches Lieblingswort dafür: Poppodium) war da sehr gut gefüllt. Bis auf den Balkon oben, der geschlossen zu sein schien, wirkte der Saal voll. Das Publikum schien uns älter, größer und männlicher als in Essen. Es gab aber auch alles andere, was man bei Morrissey so beobachten kann - die Leute mit den Blumensträußen, das kleine Kind auf den Schultern, den Mann mit den selbstgemalten Porträt des Sängers.


Morrisseys Band schien uns auch noch einmal verändert zu sein. Aber das lag wohl nur an den neuen Outfits und Frisuren. Sie trugen alle diesmal brombeerfarbene Hemden und schwarze Hosen mit Hosenträgern. Morrissey hatte ein Mechanikerhemd und eine (meine Deutung) 50er Jahre Jeans an.

Er sei beeindruckt von diesem "opera house", sagte der Brite, "but we're all classically trained, so don't worry!" 

Der musikalische Schwerpunkt lag wieder auf Stücken von World peace is none of your business, das Morrissey offenbar etwas lieber mag als seine Fans. Manche der Stücke sind wirklich etwas zäh. Aber wenn nach einem dieser eher langweiligen Lieder (Scandinavia) wieder eine Perle wie Speedway kommt, nehme ich die Entschleunigung gerne hin.


Eine angenehme Überraschung war die Rückkehr von Life is a pigsty ins Set. Ich liebe dieses lange, dramatische donnernde Lied. Auch The world is full of crashing bores hat er im ersten Teil der Tour nicht gespielt, glaube ich. The Queen is dead war nicht mehr im Programm, ersetzt wurde es schon Ende des Jahres durch Stop me... Noch nie gehört hatte ich das Frankie Valli Cover To give (is the reason I live), überhaupt mein erstes fremdes Lied bei einem Morrissey Konzert.

Erstaunlich gut kam Gaga in Malaga (das wohl offiziell The bullfighter dies heißt) an. Als ich die Platte zum ersten Mal gehört habe, hielt ich das Stück für einen Witz. Der Text ist nicht plötzlich toll geworden, das Stück hatte aber live etwas. In Essen kam es noch vom Band, untermalt mit Stierkampf-Szenen, bei denen das Tier gewann. In Tilburg war der Film während Meat is murder der einzige mit Erziehungsauftrag. 

Als die Band zur Zugabe zurückkam, war ich nach drei Takten Everyday is like sunday beruhigt. Das lief schon länger als in Essen! Vorher hatte Morrissey uns nach World peace... mit "you can go home now!" verabschiedet. Als mitten in der Zugabe eine sportlich gekleidete Frau versuchte, über den Fotograben zu klettern, versuchte zunächst ein Ordner, sie daran zu hindern. Morrissey mochte aber umarmt werden und half ihr auf die Bühne und ertrug es tapfer. Er beendete das Stück unfallfrei, warf uns "vaya con Dios" entgegen und verschwand.



Vielleicht war es nicht mein bestes Morrissey Konzert (dafür ist die aktuelle Platte zu schwach) aber es war ein gutes! Und es war hoffentlich nicht mein letztes.

Setlist Morrissey, 013, Tilburg:

01: What she said (The Smiths)
02: Suedehead
03: Staircase at the university
04: Istanbul
05: Kiss me a lot
06: Certain people I know
07: I'm throwing my arms around Paris
08: Neal Cassady drops dead
09: One of our own
10: To give (is the reason I live) (Frankie Valli Cover)
11: Scandinavia
12: Speedway
13: Life is a pigsty
14: Stop me if you think you've heard this one before (The Smiths)
15: The bullfighter dies
16: The world is full of crashing bores
17: Meat is murder (The Smiths)
18: People are the same everywhere
19: World peace is none of your business

20: Everyday is like sunday (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Morrissey, Essen, 24.11.14
- Morrissey, Paris,27.10.14
- Morrissey, Lüttich, 05.07.12
- Morrissey, Dublin, 31.07.11
- Morrissey, Köln, 11.06.09
- Morrissey, Offenbach, 09.06.09
- Morrissey, Esch, 05.06.09
- Morrissey, Lille, 19.01.08
- Morrissey, Frankfurt, 12.12.06
- Morrissey, Paris, 25.08.06
- mehr Fotos (flickR) 
- The Smiths und Morrissey Lego Albumcover (flickR)


* danke, Michael!


Sonntag, 11. September 2011

The Black Angels, Tilburg, 09.09.11

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Konzert: The Black Angels
Datum: 09.09.2011
Ort: 013 Club, Tilburg
Zuschauer: 400 (ausverkauft)
Dauer: 80 Minuten


von Micha von firstlovelastlove


Die Black Angels sind in der Form ihres Lebens. Im kleines Saal des Clubs 013 lieferten sie einen unfassbar atmosphärischen Abend.

Die Band ist jetzt seit Anfang des Jahres nonstop auf Tour, dass jeder einzelne Song mit so viel Leidenschaft dargeboten wurde zeigt die Qualität der Band.


Am meisten beeindruckt mich immer wieder das druckvolle Schlagzeugspiel der einzigen Frau in der Band, das ist die perfekte Ergänzung zur Stimme von Alex Maas und zu den beiden Gitarristen, die einfach alle ein höchstes Maß an Professionalität zeigen, ohne Leidenschaft zu verlieren. Bands wie Black Mountain oder The Warlocks können hier mal locker nach Hause fahren.


Für mich die Band der Stunde, kaum ein anderes Konzert hat mich dieses Jahr mehr beeindruckt. Heute abend dann übrigens auf dem Berlin Festival zu sehen!


Ein Wort zur Vorband "Night Beats", die Spaß gemacht haben, mir auf Platte aber eindeutig besser gefallen. Zu Beginn des Sets mit derben Soundproblemen kämpfend spielten sie aber gerade am Ende mit viel Lust & Laune. Das war mehr als in Ordnung. Fans von Zola Jesus sollten mal reinhören.


 

Konzerttagebuch © 2010

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