Donnerstag, 12. März 2015

Katzenjammer, Mannheim, 10.03.15


Konzert: Katzenjammer mit Support Ine Hoem
Ort: Maimarkthalle in Mannheim
Datum: 10. März 2015
Dauer: 25 min + 115 min
Zuschauer: 2600 (ausverkauft)



Ompa til du dør - Umpa bis du stirbst - war die erste musikalische Botschaft, die ich bewußt aus Norwegen vernahm. Auch wenn die norwegische Band Katzenjammer englisch singt, scheint mir doch die Esktase, die sie selbst auf der Bühne zelebrieren und die ihr Publikum anschließend ergreift, damit sehr zutreffend beschrieben. Im Jahr 2011 waren sie beim Maifeld Derby Zugpferde. Inzwischen war es also höchste Zeit für ein Wiedersehen. In dem Bericht von damals stand sinngemäß: auch wenn sie noch keine großen Hallen füllen... - das hat sich inzwischen definitiv geändert. Die Maimarkt Halle ist laut Webseite für 2600 Leute stehend ausgelegt und sie war ausverkauft. 


Als wir uns mit dem Fahrrad vom Bahnhof Neckarau kommend dem Gelände näherten, war eine wahre Prozession im Gange und ein Autocorso hatte sich ebenfalls gebildet. Mir wurde schon etwas mulmig, aber eigentlich war - trotz Schlange beim Einlass und an den Toiletten und der Garderobe - alles schnell, freundlich und effektiv organisiert. In der Halle half mir dann mein Strömungswissen, mich an einen Ort am Rand zu flüchten, wo ich nicht dauernd geschubst wurde oder ausweichen musste. Insofern blieb nur als Manko, dass ich zur Bühne mindestens 15 m Abstand hatte und mit 1,70 m Größe tatsächlich sehr eingeschränkt war, das Geschehen dort zu verfolgen.


Der Abend begann  vorbildlich pünktlich mit einer weißen Prinzessin in vager Beleuchtung. Die Norwegerin Ine Hoem hatte sich zwei Begleiter an Gitarre und den Tasten mitgebracht und war in meinen Augen eine gute Wahl als Auftakt für den Abend. Sie ist zwar nicht so vordergründig expressiv und dynamisch, aber sie schaffte es, einen großen Teil der 2600 Leute im Raum zu fesseln mit ihren traurigen Liedern. Ich persönlich fand den Schwatzpegel ziemlich hoch und hatte schon (zum Glück zu Unrecht gehegte) Befürchtungen für den weiteren Verlauf des Abends. Aber ihre Musik ist sehr eingängig und sie hat wirklich eine tolle Stimme. Allerdings bin ich persönlich nicht besonders angesprochen, wenn es dauernd darum geht, sich von einem Märchenprinzen retten und erlösen zu lassen.

Setlist:
01: This year 
02: I will follow you 
03: When we were young 
04: Love song  
05: When we collide 


Der Umbau anschließend ging recht fix. Eigentlich hätte es also 20:40 Uhr weiter gehen können. Leider mussten wir aber bis 21 Uhr warten, bis Anne Marit Bergheim, Solveig Hello, Turid Jørgensen und Marianne Sveen endlich die Bühne betraten. Das mag ja ein bisschen mäkelich klingen (und letztendlich sollen das auch die Künstlerinnen selbst entscheiden), aber rings um mich war das Publikum etwa von 8-70 Jahren ausgesprochen bunt gemischt und ganz bestimmt mussten 75% davon am nächsten Morgen fit auf Arbeit oder in der Schule erscheinen. Wir alle standen schon mindestens seit 19:45 Uhr - manche noch eine Stunde länger und ich sah viele Leute, die irgendwann kraftlos auf dem Boden ausruhen mussten oder zum sitzen in den Vorraum gingen. Das ist für ein energetisches Finale, das dann erst nach 22:30 Uhr begann und bis kurz vor 23 Uhr alle antreiben wollte, sicher nicht optimal.


Freilich war zunächst alles warten vergessen, als mit Old de Spain die Party begann. Burn Burn Burn wurde abgefeiert und auch für Schwatzerei nahm sich keiner mehr Zeit. Richtiggehend mitgegrölt wurde etwas später Rock Paper Scissor - ein Song fast in Countrymanier. Faszinierend zu erleben, wie über den Abend so viele Stile gekonnt gemischt und mit der ganz persönlichen Katzenjammer-Prise versehen ein homogenes und vielgestaltiges Ganzes bilden konnten. Dazu spielerische Theatralik bis hin zu etwas abseitigen Instrumenten, die auch noch dauernd getauscht wurden. Mir imponierte auch besonders, wie gleichberechtigt sie auf der Bühne erschienen und je ihr eigenes zeigten und doch als Gruppe harmonierten. Und komischerweise hatte ich nie das Gefühl, dass es aufgesetzter Klamauk ist, sondern alles eine inneren Logik hatte, der ich im Moment gerne folgte.


In den Ansagen präsentierten sie sich als die netten Mädels von nebenan. Ein bisschen nutzloses Deutschwissen wurde ausgepackt: Es regnet in Strömen...  und für das poppige Liedchen Lady grey lieferte dann die dazu erzählte Geschicht über eine an Alzheimer erkrankte Patientin einen Rahmen, dass sogar ich mich gern darauf einließ. Die Hardcore Fans in der ersten Reihe wurden begrüßt und gelobt. Anscheinend war - neben einigen Europäern, die jeden Abend dabei waren - jemand extra aus den USA angereist, um die ganze Tour mitzunehmen.



Worauf ich mich ja jederzeit mit Freuden einlasse, sind die tollen und letzlich sehr verschiedenartigen Stimmen der vier, die häufig im Satzgesang ihr schönstes zeigen durften und mitunter regelrecht schwarze Gospelanklänge hatten.  Wer bei dem a capella Teil von Gods great dust storm keine Gänsehaut bekommt, muss ein schlechter Mensch sein. Sehr eindrücklich wurde es an diesem Abend wieder mit Mother Superior gekoppelt, in dem dann auf die Donnerstimmen, wahre Donnerschläge die Wand hinter mir ordentlich zum vibrieren brachten. Und das alles im vordergründig harmlosen, gar einlullenden Walzertakt.


Kurz danach durfte es wieder ein bisschen tändelnder weitergehen mit dem Demon kitty rag - einem schön verrückten Ragtime am Klavier oder einer göttlichen Basslinie in Oh my god. Anschließend ging es auf das Finale zu mit den Allzeit Publikums-Lieblingen A bar in Amsterdam und Hey ho on the devil's back. Ich würde ja schwören, dass zu den Trompetenklängen von A bar in Amsterdam jederzeit eine 2600-Mann starke Polonaise möglich wäre wie beim Rattenfänger zu Hameln.


Die erste Zugaben setzte dann das ruhig wiegende Lady Marlene mit zwei Frauen am Klavier gegen die Knaller im Programm. Mit dem vertrauten Genesis cover wurde ein zweiter Abschied angetäuscht, denn natürlich war eine weitere Zugabe und ein wahrer Hilli Billi Rausschmeißer, bei dem das Publikum ordentlich mittun musst - vorbereitet.


Anschließend strömten viele Menschen ganz und gar beseelt nach Hause!

Setlist:
01: Old de Spain
02: Ouch
03: Curvaceous Needs
04: Rock-Paper-Scissors
05: My Own Tune
06: Flash in the Dark
07: Driving After You
08: My Dear
09: I Will Dance
10: Bad Girl
11: Lady Grey
12: Rockland
13: God's Great Dust Storm
14: Mother Superior
15: Demon Kitty Rag
16: Oh My God
17: Shine Like Neon Rays
18: A Bar in Amsterdam
19: Hey Ho on the Devil's Back

20: Lady Marlene (Z)
21: Land of Confusion (Genesis cover, Z)


22: Ain't No Thang (Z)



Aus unserm Archiv:
Katzenjammer, Mannheim, 20.05.11 

Bericht aus Köln 

weitere Tourdaten im März
18.03. Zürich, Kaufleuten
19.03. Wien, Arena
20.03. München, Tonhalle
21.03. Wiesbaden, Schlachthof
22.03. Amsterdam, Paradiso



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