Sonntag, 8. März 2015

Amanda Palmer, Somerville, 05.03.15


Konzert: Amanda Palmer, Support PWA BTTM
Ort: Cuisine en locale in Somerville (MA)
Datum: 5. März 2015
Zuschauer: ausverkauft


Bericht und Bilder von Tillmann - vielen Dank!

Insgeheim hatte ich ja gehofft, dass es während meiner Zeit in Boston mit einem Konzert von Amanda Palmer klappen würde! Und siehe da...

Mitte Februar hatte Amanda Palmer angekündigt, in einem neuen, kleinen, feinen Lokal in Somerville, MA, zwei Konzerte zu spielen; ganz in der Nähe von Frau Palmers erstem Appartement, als sie noch die lebende Statue gab. Die Konzerte sollten sicherlich auch auf die recht junge Location aufmerksam machen: Cuisine en locale ist eine Mischung aus Restaurant-Catering-Dienst, welches ausgefallene Speisen (z.B. Beetza — Pizza mit Rote-Beete-Belag) anbietet und nebenbei ab und an Konzerte veranstaltet.



Wir waren zwei Stunden vor Einlass da, um auch fein essen zu können. Angenehmer Nebeneffekt: wir bekamen viel vom Soundcheck mit; dieser ließ auch auf einige Dresden Doll Songs hoffen! Um 19:00 war Einlass — und der Saal war ruckzuck voll. Für Getränke mussten wir tatsächlich fast eine halbe Stunde anstehen. 


Die Vorband PWR Bottom begann gegen 20:30 und hui hui hui — das war ein Erlebnis. Die Zwei-Mann-Kombo aus Schlagzeug und Gitarre war irre. Der Gitarrist trat in Frauenkleid, Stöckelschuhen und bemaltem Gesicht auf. Was er auf seiner Fender Jaguar spielte und dabei auch noch sang — das war sehens- und hörenswert. Der Schlagzeuger in Latzhosen (und nur in Latzhosen) erinnerte äußerlich ein bisschen an einen jungen Brian Viglione und überhaupt schienen beide sehr inspiriert vom Punk Cabaret. Die beiden harmonierten fantastisch zusammen und hatten irre viel Spaß. Es ist wirklich schwer, den Spielspaß zu beschreiben. 


Die Ansagen waren so sehr unter der Gürtellinie, dass der ganze Saal nur schwer aus dem Kichern kam. Neben uns in der ersten Reihe stand übrigens die Oma des Gitarristen, welche vor Stolz bald platzte. Höhepunkt waren Instrumententausch und Verstärkung von Bassistin Angelina, welche irgendwie entfernt an Amanda P. erinnerte. Das letzte Lied war ein Cover (kannten wir aber nicht), bei welchem der Gitarrist bereits vorab fragte, ob Stagediving okay sei — klar, antwortete das Publikum. Als Amanda Palmer das Intro ansetzen wollte, sagte sie: ‘Du kannst doch nicht gleich zu Beginn stagediven.’ ‘Sei ruhig — du bist ja berühmt. Ich hab nen Minderwertigkeitskomplex.’



Nach dieser geballten Ladung Spielfreude mussten wir sehr, sehr lange ’10 min’ warten, ehe Amanda P. zurück auf die Bühne kam. Sie begann allein mit Ukulele und Songwünschen aus dem Publikum. Ich bin kein großer Freund dieses Instrumentes und war froh, dass sie sich auf drei Lieder beschränkte und dann zum Piano wechselte. Die meiste Zeit erzählte sie zu Beginn jedoch Geschichten und stoppte mitten in den Liedern, um noch eine Story zu erzählen — ich fand das persönlich etwas nervig, aber dem Großteil des Publikums schien es gefallen zu haben. Erst als sie PWR BTTM zurück auf die Bühne holte, fiel ihr ein: ‘hey.. we should play some more music’. Und dann wurde es richtig super. 



Sie hatten nämlich zusammen einige Songs von Amandas Solo-Alben geprobt, aber vor allem auch ein paar Dresden Dolls Sachen. Es fiel den Jungs dann auch sehr schwer, als Amanda sie wieder von der Bühne schickte, um Me & the Minibar und Chandelier (im Original von Sia) feierlich vorzutragen — in Anlehnung an Alkoholismus. Es folgten noch viele weitere kleine Experimente mit Gastmusikern, doch für mich waren die letzten beiden Songs ganz klar der Höhepunkt: zunächst Dirty Business, welches PWR BTTM unbedingt aufführen wollten. Es war absolut energiegeladen und endete nahtlos in einem Klavierpart, welcher ein riesiges Intro zu Half Jack wurde. Wir saßen mittlerweile schon etwas hinter der Bühne und genossen das Lied zutiefst.


Uns gefiel der Abend um so besser, je länger er lief. Amanda Palmer verfiel in immer größere Spielfreude und wurde dabei von den Jungs von PWR BTTM prächtig unterstützt — welche für sich allein schon eine große Entdeckung des Abends waren. Es ging am Ende einfach nur noch darum, gute Musik zu machen — no bullshit, wie Amanda Palmer sagen würde und das war klasse. Natürlich profitierte das Konzert auch davon, dass Amanda Palmer in Boston lebt; die ganze Atmosphäre war angenehm familiär.

Und übrigens: von den Dresden Dolls wird es wohl demnächst wieder etwas zu hören geben! Derzeit sei Brian Viglione in den Flitterwochen, aber im Frühling könne man mit ’some new stuff’ rechnen. ‘That’s as vague as it’s gonna get.’


Setlist:
In My Mind
Do You Swear to Tell the Truth...
Oasis w/ PWR BTTM
Killing Type w/ PWR BTTM
Astronaut w/ Oliver
Ampersand
Bed Show duet with Harry

Massachusettes Ave
Me & the Minibar
Chandelier (Sia cover)

Dirty business w/PWR BTTM
Half Jack w/ PWR BTTM 


Links zu Mitschnitten aus dem Konzert



Aus unserem Archiv:
Amanda Palmer, Eschwege, 08.11.13
Amanda Palmer, Zürich, 30.10.12
Amanda Palmer
, Paris, 06.02.09
Amanda Palmer, Paris, 23.10.08

Amanda Palmer, Heidelberg, 14.10.08 
The Dresden Dolls, Highfield, 15.08.08



0 Kommentare :

 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates