Donnerstag, 18. Dezember 2014

Mono, Karlsruhe, 15.12.14


Konzert: Mono mit Support Helen Money
Ort: Jubez in Karlsruhe
Datum: 15. Dezember 2014
Dauer: 35 min + 90 min
Zuschauer: knapp 250


Jede Regel lebt durch die Ausnahmen. Mono ist meine unerklärliche Liebe. Denn eigentlich bin ich auf Stimmen geprägt.  Und obendrauf ist laut und arg durcheinander total nicht meins. 2012 war ich ziemlich blind vertrauend in ein Monokonzert in Karlsruhe gestolpert und anschließend komplett dieser japanischen Ausnahmeband verfallen - obwohl es instrumentaler Postrock ist.



Deshalb habe ich diesem zweiten Treffen zwei Jahre später mit großer Vorfreude entgegen gesehen. Diesmal hatten die Japaner eine sehr klug ausgewählte Frau als Support dabei: Helen Money, die mit ihrem Cello und Loops eine wirklich interessante halbe Stunde zelebrierte.


Die Musik war wild und mitunter richtig laut und kreischend. Dann aber wieder gestrichen und getragen und innig. Das Cello musste sich neigen und beugen und dem Lautsprecher zuraunen. Das Publikum hatte sie mit der ersten halben Minute auf ihrer Seite und es wurden reichlich CDs in der Pause gekauft. Viele schöne Fotos von ihrem Auftritt in München einen Tag später in München sind im unten verlinkten Bericht enthalten.


Mit Recoil, Ignite begann das Set von Mono mit einem neuen Song (Album Rays of Darkness, 2014) betont ruhig und melodiös und nahm sich dann 13 min Zeit,  ergänzte erst einen ruhig bestätigenden Bass und entwickelte die einfache Melodie, fast als sollte das Publikum erst einmal beruhigt werden. Aber natürlich simmerte es unter dieser Oberfläche die ganze Zeit und schließlich begann die glatte Oberfläch zu blubbern (und der Schlagzeuger bekam ordentlich zu tun). Das Gas wurde noch einmal etwas heruntergeregelt, aber schließlich kam es zur Eruption, auf die jeder im Publikum schon hingefiebert hatte und die die so wohlvertraute und geliebte Euphorie auszulösen wußte. Und Mono setzte noch eins drauf mit einer Ostinato Basslinie, die alle vor sich her trieb. Am Ende dieses ersten Stückes wussten wir: Ja, es wird wie immer mit Mono ein ganz einmaliger Abend werden.


Unseen Harbor (Album My Parents, 2012) hat dieses herzzerreißend sehnsuchtsvolle Motiv, das vom Piano stoisch harmonisch unterlegt wird. Aber auch dieses wurde irgendwann herausgeschrieen bis einem beim zuhören fast das Herz vor Fülle platzt. Wenn alles verloren scheint, kommt das Stück ganz zum Stillstand und die beiden Gitarren sprechen sich tröstlich zu. Die Bassistin trat derweilen vom Klavier wieder an ihr Saiteninstrument. In dem Moment musste auch der Schlagzeuger zum großen Gong "greifen". Und es wäre nicht Mono, wenn nicht anschließend noch einmal groß Fahrt aufgenommen würde. Zunächst durfte sich vor allem der Drummer ausarbeiten, aber auch das sehnsuchtsvolle Motiv tauchte wieder auf und wurde sozusagen in der Luft zerrissen.


Kanata (Album The last dawn, 2014) begann unglaublich tröstlich mit einem Klavierintro, dem wenig später eine Gitarrenmelodie antwortete. Ganz zart stimmte schließlich der Drummer ein, die Initiative wurde von den Gitarren übernommen, die den Raum weiteten und in die Öffnung riefen. Wunderbar sanft durfte schließlich das Piano den Schlußton setzen.



Pure as snow (Album Hymn To The Immortal Wind, 2009) ist von unfassbarer Delikatess. Man hat förmlich etwas ganz zerbrechliches vor Augen, wenn die Gitarren die ersten fünf Minuten ihre Idee von reinem Schnee malen. Freilich blieb das Stück nicht so idyllisch, sondern wurde laut und fordernd und schließlich ein ausgewachsener Schneesturm in dem mir Hören und Sehen verging mit einem finalen Schrei als Ausrufezeichen.  Halcyon (Album Holy Ground, 2010) ist dagegen fast ereignislos zu nennen. Es rief bei mir das innere Bild eines schönen Sommertags am See wach (was auch der Übersetzung des Titels entspricht). Ein Moment an diesem Abend, an dem alle ruhig durchatmen durften.


Where we begin (Album The last dawn, 2014) zwang die Gitarristen, die sonst meist auf ihren Hockern sitzen ins Stehen. Es zeigte sich erst recht ruhig und dabei eher unstrukturiert - gar nicht melodiös. Im letzten Viertel steigerte es sich aber auf dreckig rockig bevor es "seine" Melodie finden durfte.


Bei Ashes in the snow (Album Hymn To The Immortal Wind, 2009) spielte die Bassistin eine zauberhafte Melodie auf dem Glockenspiel. Die sogleich von einer Gitarre mit einem wahren Ohrwurm umspielt wurde. Es entwickelte sich anschließend wohlbekannt dramatisch und feierlich um schließlich wieder ganz ruhig und in einem Beethovenschluss zu enden mit "Pauken und Trompeten" ekstatisch im Gong.



Everlasting light (Album Hymn To The Immortal Wind, 2009) begann surrend und vibrierend bis das Piano mit einer Melodie einsetzte, die mir noch auf dem Weg nach Hause und Tage später im Kopf herumgehen wird. Der Drummer verharrte minutenlang wie im Gebet zusammengesunken. Bis die Post abging und Mono das tat, was sie am besten können: Jubilieren und die Tränen in die Augen des Publikums pumpen. Durch das ganze Stück webte sich diese Melodie und man könnte direkt zum Glauben an eine wohlmeinende höhere Kraft bekehrt werden.



Der Abend endete danach mit euphorischem Applaus und ohne Zugabe (wie immer bei Mono). Wir alle mussten ein wenig blinzeln, um ins jetzt zurück zu kommen und nicht wenige nahmen sich ein Stück der Erfahrung als CD mit heim, um dort die Musik den Nachbarn vorzuspielen (ja, diese Musik muss man so laut es die heimischen Boxen vertragen hören!).



Setlist:
01: Recoil, Ignite
02: Unseen Harbor
03: Kanata
04: Pure as snow
05: Halcyon
06: Where we begin
07: Ashes in the snow
08: Everlasting light 


Aus unserem Archiv:
Mono, Karlsruhe, 12.12.12
Mono, Köln, 12.07.09
Mono, Cergy Pontoise, 05.07.09


Konzertbericht Helen Money aus München 16.12. 2014
Konzertbericht Mono aus München 16.12. 2014
 (beide mit sprechenden Bilder)
 



3 Kommentare :

E. hat gesagt…

hätte ich auch gern gesehen.
aber ein bericht aus münchen ist ja beigefügt. danke dafür!

gerhardemmer hat gesagt…

Liebe Gudrun,
herzlichen Dank für das Verlinken auf meinen Helen-Money-Bericht.
Ich sehe, Mono haben in Karlsruhe einen genau so exzellenten Eindruck hinterlassen wie in München.
Zu Auftritt im Hansa39 hab ich auch noch was:
https://gerhardemmerkunst.wordpress.com/2014/12/19/mono-hansa39-munchen-2014-12-16/
Viele Grüße, Gerhard

Gudrun hat gesagt…

Danke für den Hinweis - ist jetzt auch verlinkt.

 

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