Samstag, 26. Juli 2014

Allo Darlin', Ripley, 25.07.14


Konzert: Allo Darlin'
Ort: Midland Railway Centre, Ripley (Indietracks Festival)
Datum: 25.07.2014
Dauer: knapp 65 min
Zuschauer: 500 - 600



Als Allo Darlin' als einer der Headliner des Indietracks-Festivals angekündigt wurden, fand ich im Internet (also bei Facebook) Reaktionen wie "oh nein, die schon wieder!" Diese Einleitung versteht niemand - kaum einer kennt in Deutschland Allo Darlin', warum die bei einem Festival das sein sollen, was die Toten Hosen bei Rock am Ring sind, ist nicht vermittelbar. Allo Darlin' hatten bereits zweimal auf dem von Eisenbahn- und Twee-Pop-Liebhabern veranstalteten Indietracks gespielt, einem Festival, bei dem ansonsten Bands auftreten, die mir trotz meiner Affinität zu dieser Musik und meinen nicht so kleinen Konzerthintergrund in der Regel nichts sagen. Im diesjährigen Lineup kenne ich erstaunlich viele Musiker (vielleicht 15 %) zumindest dem Namen nach - was aber vor allem daran liegt, daß die Headliner mir etwas sagen. Freitag Allo Darlin', Samstag Dean Wareham und Sonntag die Hidden Cameras.

Allo Darlin' hatte ich bisher zweieinhalb mal gesehen und direkt in mein Musik-Herz geschlossen. Die herrlichen Melodien und die wundervolle Stimme von Sängerin Elizabeth begeistern mich auf Platte und live. Daß die australisch-englische Band Indietracks headlinen würde, war für mich also eine gute Nachricht!

Das Indietracks ist anders als alle anderen Festivals, die ich kenne. Am ehesten kommt das Phono Pop in Rüsselsheim dem nahe. Beide fühlen sich nicht nach Festival an (sondern eher nach einem Sonntag im Park mit guter Musik). Das Indietracks beginnt an dem kleinen Bahnhof Butterley Station am Rande von Ripley in Derbyshire. Wäre es in Deutschland, fände es vermutlich in Daun in der Eifel statt. Am Bahnhof wartet man auf einen der privaten Pendelzüge, die die fünf Minuten entfernte Swanwick Junction anfahren. Auf dem Gelände dieses Eisenbahnmuseums steht eine Freilichtbühne, eine Handvoll Eßstände, ein Merch- und ein Workshopzelt, eine Bar in einem Zugabteil und zwei Bühnen in einer kleinen Kirche und in einer Werkstatt-Halle. So unaufgeregt, wie diese Beschreibung klingt, ist das ganze Wochenende. 

Wir hatten die erste Band TeenCanteen (die sehr gut gewesen sein muß) verpasst und begannen unseren Abend mit Spearmint und den Chills. Um kurz vor halb zehn begannen Allo Darlin' auf der Outdoor Stage (deren Vorplatz vermutlich kleiner ist als die Garderobe von Metallica bei Rock am Ring). Das Konzert begann gut zehn Minuten später, es würde also für Indietracks-Verhältnisse spät werden. Im vergangenen Jahr endeten die Konzerte um zehn, danach gab es zwei Stunden Disco, um Mitternacht war ganz Schluß. An Anwohnern kann das nicht liegen, um das Gelände stehen nur alte Eisenbahnen, es gehört zum Konzept.

Allo Darlin' veröffentlichen 2014 ihr drittes Album. Die ersten drei Stücke, die die Band spielte, werden vermutlich auf ihm veröffentlicht werden. Kings & Queens, das erste Lied, gibt es bereits auf einer 2012er Single, die anderen beiden (We come from the same place und Crickets in the rain) kannte ich nicht. Schwer, nach dem ersten Hören dazu viel zu sagen. Die Stücke klingen nach Allo Darlin' und machten Spaß. Mehr ist ja auch nicht nötig.

Auch später folgten zwei mir unbekannte Lieder, History lessons und Bright eyes, die beide toll waren. 

Mit den ersten beiden Platten haben Allo Darlin' ein so großes Repertoire an abwechslungsreichen Pop-Perlen, daß das einstündige Headline-Konzert extrem unterhaltsam und hitlastig war. Aber Festival-Headliner ist dann ja noch einmal etwas anderes als ein eigenes Konzert. Also baten die vier zu Silver Dollar Emma Kupa, die Sängerin von Standard Fare, einer 2013 aufgelösten Indiepop Band aus Sheffield. Emma und die Allo Darlin's hatten großen Spaß, das Duett war musikalisch nicht grandios, die Gastsängerin passte stimmlich nicht gut und lag einige Male mit Tönen daneben. Aber egal, es machte trotzdem Spaß. Als Emma weg war, kamen mit Katie und David von den Just Joans die nächsten Gäste auf die Bühne. Gemeinsam spielte man If you don't pull von der Band aus Motherwell, die Sonntag spielt. Das gemeinsam geschmetterte Stück (auch vom enorm textsicheren Publikum) war einer der Höhepunkte des Konzerts!

Darren und die Zugabe Kiss your lips (mit Call me Al-Cover mittendrin) beendeten die Show. Ich bin voreingenommen bei Allo Darlin', hätte den Auftritt aber auch geliebt, wenn ich das nicht wäre. Schade, daß man für einen Festivalauftritt dieser großartigen Band in die englische Pampa reisen muß. Wobei... warum schade? Besser kann ein Festivalwochenende ja nicht sein. In den nächsten Tagen mehr von Zügen, Jutetaschen und kommenden Lieblingsbands!

Setlist Allo Darlin', Indietracks Festival:

01: Kings & Queens (halbneu)
02: We come from the same place (neu)
03: Crickets in the rain (neu)
04: Wonderland
05: Capricornia
06: History lessons (neu)
07: Dreaming
08: Bright eyes (neu)
09: My heart is a drummer
10: Tallulah
11: Silver dollar (mit Emma Cooper / Standard Fare)
12: If you don't pull (The Just Joans Cover mit Katie & David / The Just Joans)
13: Darren

14: Kiss your lips (Z)

Links: 

- aus unserem Archiv:
- Allo Darlin', Köln, 21.11.12
- Allo Darlin', Paris, 10.07.12
- Allo Darlin', Wien, 04.03.11
- Allo Darlin', Paris, 25.02.11
- Allo Darlin', Köln, 28.07.10
- Allo Darlin', Paris, 27.07.10



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