Mittwoch, 30. Juli 2014

The Yearning, Indietracks, 27.07.14


Konzert: The Yearning
Ort: Midlands Railway Centre, Ripley (Indietracks)
Datum: 27.07.2014
Dauer: 33 min (brutto)
Zuschauer: ca. 70




Bei allen Festivals (außer dem clever organisierten Phono Pop) gibt es ärgerliche Überschneidungen. Beim Indietracks fällt das nicht so sehr ins Gewicht, da das Programm so exzellent ist, daß man immer Alternativen hat, die sich lohnen. Situationen wie in Haldern im vergangenen Jahr, daß ausgerechnet die beiden (von drei) Bands, die ich unter keinen Umständen verpassen wollte, gegeneinander spielen, gibt es da nicht. Ärgerlich war aber trotzdem, daß The Yearning und Cosines parallel angesetzt waren, zwei britische Bands, die mich sehr reizten. Bei The Yearning handelt es sich nicht um eine Band im eigentlichen Sinne. Hinter dem Projekt verbirgt sich Joe Moore, der mit der blutjungen Sängerin Maddie Dobie und einigen Studiomusikern innerhalb kürzester Zeit - seit 2012 - einen eindrucksvollen Katalog an 60er Jahre Popsongs auf Elefant Records veröffentlicht hat. Alleine im Merchzelt des Festivals gab es zwei 10" EPs, ein Album und eine 7" Single, alle wunderschön designt und randvoll mit Songs aus einer Welt, in der auch God Help The Girl beispielsweise stattfindet.


Wo ich es gerade erwähnt habe... das Merchzelt! Die Bereiche, in denen Bands auf Festivals ihre a) CDs, b) T-Shirts und c) die Jutetasche verkaufen, sind in der Regel wenig gefährlich für die eigenen Finanzen. Das recht große Merchzelt auf dem Indietracks, in dem auch Bands Konzerte spielen, ist vollkommen anders. Jedes "ich gehe mal gerade zum Merch" endete katastrophal teuer. So liebevoll die Indiepop mit allem umgeht (Artwork, Dekorationen, Picknick-Decken), so ist auch der Kommerzbereich gestaltet. Bei hippen Festivals gibt es Vinyl, Vinyl, Vinyl, CDs sind altbacken. Hier gibt es auch viele Platten (extrem viele 10 Inches), mir scheinen aber Kassetten fast das wichtigere Medium zu sein. Den Stand mit den massenhaft 3" CDs (die Endstufe der Musikdarreichungskunst!) habe ich aus Selbstschutz gemieden,


Direkt neben dem Merchzelt liegt eine kleine Kapelle, die ein Arbeitslosenprojekt vor ein paar Jahren ab- und auf dem Indietracks-Gelände wieder aufgebaut hat. Das steht auf einem Messingschild im Eingangsbereich, das ich während des The Yearning-Konzerts gelesen habe. Mich hat das Konzert nicht gelangweilt, ich mochte bloß nach einer Weile nicht mehr nach vorne gucken. Wenn man den Sound der Band in den Ohren hatte, macht man sich seine Vorstellungen, wie so ein Konzert aussieht. Hier war das bei mir eine elegant gekleidete Begleitband und eine Sängerin in einem vielleicht hellblauen Kleidchen.

Als ich nach zwei Stücken der Cosines, für die ich mich eigentlich schon entschieden hatte, doch noch in die Kirche hetzte, weil mir The Yearning eine Spur toller zu werden schienen, war die Kapelle restlos voll. Ich fand noch etwas Platz an der Tür neben der Messingplakette. Die Band war  noch in den letzte Zügen des Soundchecks, dachte ich. Das ging allerdings eine ganze Weile weiter, weil irgendwas an der Gitarre nicht funktionierte. The Yearning spielten nicht oft live, sagte Joe Moore, der ein T-Shirt seines Labels trug (schön - aber vollkommen unpassend zum Rahmen). Dieses Konzert sei das einzige dieses Jahr. 


Maddie (die wohl 17 Jahre alt ist) stand in der Mitte, war natürlich schüchtern ob der vielen Zuschauer und hohen Erwartungen und trug 60's Outfit. Der Gitarrist neben ihr und der Musiker links, den ich kaum gesehen habe, waren ähnlich unglamourös. Das passte leider so gar nicht zur wundervollen Musik der Band. In Wacken möchte man (vermutlich) ja auch keine Metal-Band in Hip-Hop-Hosen sehen.

Das nächste Problem war der vollkommen fehlende Fluß des Konzerts zumindets am Anfang. Auch nach dem zweiten Stück ging erst einmal nichts mehr. Wie schade! Mir sind kleine Patzer vollkommen egal, das zu frühe Einsetzen von Maddie bei Everybody knows (I'm still in love with you) fand ich zum Beispiel charmant. Aber der fehlende Spielfluß und die Art der Darbietung, die mich mehr an einen Arbeitstag im Studio erinnerten, haben dem Konzert leider vieles genommen.

Nein, die Stücke von The Yearning werden dadurch keinen Deut schlechter. Das Konzert hat meine extrem hohen Erwartungen aber leider nicht erfüllt. 

Bestes Stück: das schmissige Every time I fall in love, das im richtigen Rahmen ein riesiger Knüller gewesen wäre!

Setlist The Yearning, Indietracks, Ripley:

01: Dreamboat
02: If I can't have you
03: Everybody knows (I'm still in love with you)
04: Lemonade
05: Chasing shadows
06: If you were my boyfriend
07: Every time I fall in love
08: Gotta pull myself together (The Nolans Cover)


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