Sonntag, 9. Oktober 2011

Ramones, Oberhausen, 24.11.89



Konzert: Ramones
Ort: Music Circus, Oberhausen
Datum: 24.11.1989
Zuschauer: viel zu viele


Wir feiern fünften Geburtstag unseres Konzerttagebuchs. Bei Jubiläen kommt man gewöhnlich nicht um Platitüden wie "Zeit, innezuhalten und zurückzublicken" herum. Innehalten ist doof, daher beschränken wir uns auf Rückblicke. Wir möchten daher ab sofort unregelmäßig einmal nicht über aktuelle sondern über quasi-historsche Konzerte schreiben. Und wer die Musik bestellt, zahlt sie auch, daher fange ich an.

Die Ramones waren eine meiner ersten wichtigen Bands, nachdem mich die böse Seite der Musikmacht an diesen Indiekram verloren hatte. Obwohl sich die Urpunks zu diesem Zeitpunkt mit Pat Sematary Richtung Popmusik bewegt hatten, hörten wir in der Indiedisko ihre frühen, kurzen immergleichen Lieder am liebsten.

Als ich irgendwo mitbekam, daß die New Yorker in Oberhausen spielen würden, war klar, daß ich da hinmußte. One, two, three, four. Woher ich von dem Konzert erfahren hatte, weiß ich nicht mehr. Vor dem Internet waren die Recherchemöglichkeiten, wenn man nicht in einer größeren, plakatierten Stadt lebte, sehr eingeschränkt. Musikzeitungen habe ich damals nicht gelesen und im Fernsehen fanden die Ramones kaum statt (und wenn, dann sehr komisch! Legendär war ein Bericht oder eine Ankündigung über die Band im Südwest-Fernsehen, in dem der Moderator ständig von den "Räh-mäh-noehs" sprach).

Jedenfalls fand ich mich an einem tristen Novembertag in Oberhausen. Der Music Circus war ein zu Disco und Konzertort umfunktioniertes Zirkuszelt. Ich erinnere mich leider nur noch an ein Detail des Music Circus: den Wellenbrecher mitten im Saal. Aber zu dem später. Wie der Innenraum aussah, wie viele Leute reinpassten, weiß ich nicht mehr. Auch Plan B, die Vorgruppe, ist nicht hängengeblieben. Aber um die ging es ja nicht.

Irgendwann kamen die Punklegenden auf die Bühne. Bassist Dee Dee hatte die Band kurz vorher verlassen und war durch C. J. Ramone ersetzt worden. Und dieser neue Bassist, der rechts stand, beeindruckte mich mit einem phänomenal stoischen Gesichtsausdruck. Ich glaube, man hätte C. J. Sahnetorten ins Gesicht drücken können, er hätte sich nicht geregt. Unfassbar! Ich konnte meinen Blick kaum von seinem (toten) abwenden, nie war Langeweile so sehenswert.

Hörenswert war selbstverständlich das Set. Die Ramones spielten ihre Stücke in zwei- bis dreifacher Geschwindigkeit. Aus einer Ballade wie Pet
Sematary wurde ein rasant schneller Song. Natürlich war jedes Stück daraus enorm kurz. In meiner Erinnerung haben die Ramones an diesem Abend einige Lieder auch mehrfach gespielt. Die recherchierte Setlist behauptet etwas anderes, ich bin allerdings heute noch sicher, Pet Sematary und andere mindestens zweimal gehört zu haben. Es hat damals leider noch niemand mitgeschrieben.

Für mich begann das Konzert nach der Hälfte neu. Denn da war ich im dichten, pogenden Gedränge einmal umgedreht worden, an den vorhin erwähnten Wellenbrecher gedrängt worden und konnte mich nicht mehr regen. Der Raum vor dem Gitter war gnadenlos überfüllt, ich konnte mich nicht mal mehr drehen. Also erlebte ich den Rest des Konzerts mit Blick in die falsche Richtung. Falls C. J. sich doch noch bewegt hat, ich habe es verpasst!

Die späten Ramones waren sicher weit von der Band der 70er und frühen 80er entfernt, für mich waren sie 1989 aber genau so, wie ich sie erleben wollte. Trotz aller Widrigkeiten also ein Konzert, an das ich mich immer (zumindest teilweise) erinnern werde.

Setlist Ramones, Music Circus, Oberhausen (Quelle: setlist.fm):

01: Durango 95
02: Teenage Lobotomy
03: Psycho Therapy
04: Blitzkrieg Bop
05: Do You Remember Rock 'N' Roll Radio?
06: I Believe In Miracles
07: Gimme Gimme Shock Treatment
08: Rock 'N' Roll High School
09: I Wanna Be Sedated
10: Beat On The Brat
11: I Wanna Live
12: My Brain Is Hanging Upside Down (Bonzo Goes to Bitburg)
13: Go Mental
14: Sheena Is A Punk Rocker
15: Rockaway Beach
16: Pet Sematary
17: Don't Bust My Chops
18: She's The One
19: Mama's Boy
20: Animal Boy
21: Wart Hog
22: Surfin' Bird (The Trashmen Cover)
23: Cretin Hop
24: I Don't Wanna Walk Around With You
25: Today Your Love, Tomorrow The World
26: Pinhead
27: Chinese Rock
28: Somebody Put Something In My Drink
29: California Sun (Joe Jones Cover)
30: I Just Want To Have Something To Do




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