Samstag, 29. Oktober 2011

Pitchfork Festival Paris, 28.10.11


Konzert: Pitchfork Festival mit Washed Out, Wild Beasts, Mondkopf, Real Estate u.a.
Ort: La Grande Halle de la Villette, Paris
Datum: 28.10.11
Zuschauer: ausverkauft


"Sie sind doch keine lauten Mieter, oder? Machen keine Feten, hören keine laute Musik und kommen nicht spät in der Nacht nach Hause? Und ziehen sogar sofort die Schuhe aus, wenn sie zur Wohnungstür reinkommen?"

Puh, solche Fragen stellen einem Hausverwalter, wenn man auf Wohnungssuche in Paris ist! Gerade erst heute passiert. Sollte ich da etwa ehrlich drauf antworten? Zugeben, daß wir in der alten Bude sage und schreibe 41 lärmende Hauskonzerte veranstaltet haben? Hmm. Ich druckste rum, ließ meine Frau antworten und die sagte, daß wir die stillsten Menschen sind, die man sich vorstellen kann. Nun denn, wenn uns das hilft, die verfluchte neue Bleibe zu bekommen...

Wenn es um Konzerberichterstattung geht, nehme ich aber weiterhin kein Blatt vor den Mund und rede nicht drumrum. Im Klartext: der erste Tag des Pitchfork Festivals in Paris war ein ziemlicher Flop. Die Konzerte waren irgendwie alle mau, viel zu seicht, poppig und steril und das Publikum bestand aus einem riesigen Haufen eitler Indie-Arschgeigen, die zum Großteil aus England (und den USA?) gekommen waren. Fucking tourists! Man kennt ihn ja diesen Menschenschlag. Auf Gegenkultur und alternativ machend, aber diesbezüglich schon wieder so konformistisch und den gleichen Stil-und Kleidungskodex imitierend, daß man kotzen könnte. Wo man hinguckte sah man selbstverliebte Typen mit sauengen, weit geöffneten Holzfällerhemden, Trucker Caps und engen dunklen blue Jeans, die unten hochgekrempelt waren. Motto: ich sehe aus wie ein Proll, bin aber saucool! Die Weiber waren tättowiert wie sau, aufgestylt bis in die Haarspitzen und wirkten ziemlich hohl. Es war wie auf einer Modenschau, sehen und gesehen werden. Für die Musik schienen nicht sonderlich viele gekommen zu sein. Hauptsache man kann dann später erzählen: "hört mal alle zu, ich war beim Pitchfork in Paris!"

Warum ich dann überhaupt da war? Gute Frage! Vielleicht weil ich selbst eine eitle Indie-Arschgeige bin und mich unter Gleichgesinnten wohl fühle? Hmm. Ich denke der Hauptgrund war Neugierde. Ich wollte einfach sehen, wie die Pariser das hinbekommen, dieses amerikanische Festival nach Frankreich zu importieren. War ja schließlich dieses Jahr in Chicago, beim Original, dies nur um an dieser Stelle mal schön anzugeben. Also hinsichtlich der Organisation gab es eigentlich nichts zu bemängeln in Paris. Flotte Abfertigung am Eingang, Möglichkeit, draußen auf der Terrasse frische Luft zu schnappen (ach, nein, chillen sagt man ja heute!) und ein recht straffes Progamm ohne allzu langen Leerlauf.

Wenn bloß das Line-up besser gewesen wäre! Da waren zunächst die Amerikaner von Real Estate, die zwar phasenweise mit drei Gitarren antraten, aber dennoch klangen wie aus dem Weichspüler geschlüpft. Dieser dezente "Ich tu-dir nichts-tu du mir auch-nichts Gesang", diese sonnigen und durchgängig braven Gitarren, dieser nette Pop. Ecken und Kanten totale Fehlanzeige, stattdessen gepflegte Langweile pur. Wer steht auf solche Musik? Romantische Mädchen mit einem Hang zum Strebertum? Verweichlichte Jünglinge mit Pickeln und einer großen Schlümpfesammlung? Also neben Real Estate wirken die Shins wirklich wie eine Heavy Metal Band! Mein Hauptgedanke war: werft die Pussies da vorne von der Bühne und lasst Metallica oder Slayer auftreten!

Die nächste Band, die antrat, stellte sich namentlich nicht vor und war ähnlich mau und seicht wie Real Estate, lediglich elektronischer. Wie ich hinterher erfuhr, hießen sie Washed Out und dann fiel mir auch wieder wie Schuppen von den Haaren, daß ich viele Lobhudeleien über diese Band gelesen hatte. Glaubt den Schreiberlingen kein Wort! Washed Out ist beknackter Chillwave, den kein Arsch braucht. Wegtreten!

Kurze Pause und dann kamen die Wild Beasts aus England. Eine Band, die ich früher (beim ersten Album Limbo, Panto ) mochte, die mich aber ähnlich langweilte wie die anderen vorher. Der Gitarrensound klang glattpoliert und steril als käme er vom Band und der hohe Falsett- Gesang von Hayden Thorpe ist eh Geschmacksache. Mir ging er heute meistens auf die Nerven. Als würde Jimmy Somerville jetzt bei Coldplay singen, so in etwa wirkte das. Also auch die Wild Beasts eher für die Füße.

Was blieb war Mondkopf. Ein junger Elektrofummler aus Frankeich, der abstrakte schwarz-weiß Bilder auf eine Leinwand projezierte und düster- wabernden Technosound produzierte. Erstaunlicherweise fand ich das gar nicht mal so schlecht. Wie immer bei dieser verfluchten elektronischen Musik gab es diese monotonen, repetitiven Phasen, aber in einigen Momenten wartete das wummernde Klangbild auch mit Überraschungen und spannenden Wendungen auf und wer sich drauf einließ, konnte womöglich in Trance geraten. Erinnerte mich relativ stark an Moderat (Apparat & Modeselektor), die ich einmal auf dem Berlin Festival gesehen und ebenfalls für nicht übel befunden hatte.

Eine positive Überraschung also, ich werde bezüglich Mondkopf am Ball bleiben.





Danach war allerdings die Luft bei mir raus und ich sparte mir die Headliner Aphex Twin und die anschließende Techno Night (mit Pantha du Prince u.a.). Ich möchte für morgen fit sein, wenn Bon Iver an gleicher Stelle auftritt und hoffentlich eine überragende Show abliefert!

Fotos in Kürze!



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