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Dienstag, 1. Oktober 2024

Nick Cave & the Bad Seeds - Rudolf-Weber Arena - Oberhausen - 24.09.2024

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Konzert: Nick Cave + the Bad Seeds 
Ort: Rudolf Weber Arena, Oberhausen
Datum: 24.09.2024
Dauer: 145 min.
Zuschauer: ca. 10.000


Ein verregneter Abend im Spätsommer, ein grauer Anzug mit Krawatte und eine Multifunktionsarena im Ruhrgebiet sind normalerweise nicht die perfekten Zutaten für ein emotionales und musikalisch hochwertiges Konzert.

Aber wir reden ja hier von Nick Cave, der an diesem Abend seine neue Tournee mit den Bad Seeds, vier Backgroundsänger/innen und Colin Greenwood (Radiohead) am Bass in Oberhausen startet. Thematisch will das so gar nicht in diese schmucklose Halle am Centro passen. 

Wer meint, er bräuchte einen Liter Cola, kann ihn hier für 11,80 EUR erwerben. Ansonsten ist man froh, das grelle Licht des Umgangs zu verlassen und sich in der bereits dunklen Halle auf Dry Cleaning zu freuen. Die haben einen schweren Stand. 


Wer Florence Shaw noch nie live gesehen hat, wird natürlich zunächst etwas verwirrt sein. Die Band versucht gar nicht erst, die Vorfreude der Nick Cave Fans zu stören und spielt ihre 40 Minuten einfach dahin. Schade. Aber wer möchte schon bei Nick Cave als Support fungieren. 

Nichts weniger als eines der Konzerte des Jahres wird erwartet. Hier noch versehen mit der Stimmung des Ungewissen, da die Setlist ja noch nicht bekannt ist. Und ja, es wird viele Premieren geben an diesem Abend. Neun bisher nie live gespielte Songs des Albums "Wild God", dazu Raritäten wie Grindermans "Palace of Montezuma" und "Papa, won`t leave you, Henry". 

Das Konzert ist nicht weniger als ein Ereignis und die hohen Erwartungen werden mehr als erfüllt. Natürlich gleichen viele Elemente der letzten Tourneen mit den Bad Seeds, aber wer möchte darauf verzichten. Schon beim ersten Song nutzt Cave wieder den montierten Catwalk auf dem Wellenbrecher. 


Trotz der fast 2,5-stündigen Show gibt es keine Aufwärmphase. Joy, Frogs und Wild God eröffnen das Set und fühlen sich an wie alte Bekannte. In der bekannten Mischung aus Prediger und Hospitalismus macht Cave Meter um Meter, sucht sich starke Hände zum Abstützen und tadelt nicht textsichere Besucher mit Augenkontakt. 

All dies wäre unnütz, würde es nicht zur Musik, den Texten und der Band passen. Diese spielt in einer überbordenden Perfektion  und treibt Cave immer wieder an, lässt ihm dann wieder viel Raum, um ihn am Ende sicher durch den Wahnsinn der einzelnen Tracks zu begleiten. 


Wer jemals Zeuge einer Live-Version von Jubilee Street wurde, wird sie nie wieder vergessen. Hier zwingt sich Cave immer wieder an den Flügel um die bereits ikonischen Akkorde anzuschlagen, während die Bad Seeds sich dazu in eine Raserei aus Sound spielen. 

Es gibt nur wenige Minuten, die Zeit zum Luft holen lassen. Anders als bei seinen Solokonzerten wirken hier die Balladen, alleine am Klavier, allerdings fast störend. Eher muss man sich in diesen Minuten wieder etwas sammeln als die Ruhe und Klasse der Songs ausgiebig genießen zu können. Einzig "I need you" funktioniert hier für mich in diesem Rahmen, wunderschön illuminiert verliert sich das Licht langsam hinter dem Flügel. 

"Red right Hand" und "The Mercy Seat" treiben danach die Ekstase weiter voran, bevor bei den Zugaben der Gospel dominiert. Es ist ein universelles Stück Musikgeschichte, das hier präsentiert wird. Kein Verständnis der Texte ist notwendig, um die Emotionen zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit zu verstehen. 


Cave und seine Musiker erfinden nichts neu aber kreieren so viel Neues. Am Ende steht man wieder mit seinem leeren Mehrwegbecher im Regen vor der Mehrzweckhalle, aber mit einem Lächeln im Gesicht. Das Leben wird einem so schnell nichts mehr anhaben können.  



Montag, 17. April 2017

The KVB, Oberhausen, 16.04.17

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Konzert: The KVB
Ort: Zentrum Altenberg, Oberhausen (Kalte Sterne Festival)
Datum: 16.04.2017
Dauer: gut 45 min
Zuschauer: vielleicht 150 bis 200



The KVB sind eine Band, die in Köln nie Erfolg haben könnte. Wobei ich das nicht so genau weiß, weil ich mein einziges Konzert des englischen Duos beim Primavera Festival gesehen habe, die Auftritte in Köln (2013 im Blue Shell und 2014 im mtc, glaube ich), hatte ich verpasst (sucht man bei Wikipedia nach "The KVB", kommt "List of Cologne KVB stations" heraus).


Beim Kalte Sterne Festival in Oberhausen spielten The KVB zwar nur als vorletzte Band, sie schienen aber der heimliche Headliner des Schwarze-Szene-Festivals zu sein; beim auf dem Papier größten Namen des Abends - Agent Side Grinder aus Schweden - waren deutlich weniger Zuschauer in der Schlosserei der ehemaligen Zinkfabrik.

The KVB haben seit 2011 fünf LPs und ein paar Singles und EPs veröffentlicht, die aktuellste Platte (Of desire) erschien 2016 bei Invada Records. Nachdem ich noch die Hälfte des Konzerts von Qual mitbekommen hatte (Qual ist ein Nebenprojekt von Lebanon Hanover, das mir eine ganze Nummer zu düster war), kamen um halb neun Kat Day und Nicholas Wood auf die Bühne. Nicholas spielt Gitarre, Kat stand hinter mehreren Keyboards und Synthesizern. Das Konzert begann wie die letzte Platte mit White walls und Night games - ineinander übergehend. Obwohl beide Mikros hatten, sang nur Nicholas. Seine Stimme klingt manchmal nach Brian Molko, was gut ist, schließlich fehlt The KVB ansonsten jede Ähnlichkeit mit Placebo, vor allem Fiesigkeiten wie Bombast und Pathos. 



The KVB wird gerne als Mischung aus Wave- und Shoegazeband beschrieben, was es ganz gut trifft, wobei das Shoegazige eine deutlich kleinere Rolle spielt.

Die erste Hälfte des Konzerts bestand bis auf Always then (2012) aus neueren Liedern. Das eine, das ich nicht kannte, war Fixation, das im Mai auf einer neuen EP erscheinen wird und vorab bei Soundcloud zu hören ist. 


Das war alles schon sehr gut, richtig toll wurde es aber danach. Die letzten vier Lieder waren alle fantastisch: Into the night von der ersten EP, Hands (2012) und Dayzed (2013) und Never enough vom aktuellen Album. Bei Never enough kam dann auch erstmals Kats Mikro zum Einsatz. Nicholas wechselte seine Gitarre, konnte also keine Ansagen machen. Das übernahm seine Bühnennachbarin. Beim Lied sang Kat dann auch eine zweite Stimme. Nicht nur, aber auch deshalb war Never enough das beste Stück des Abends.

The KVB sind leider viel zu selten in Deutschland zu sehen. Vielleicht muß ich aber auch nur häufiger über den Tellerrand gucken und Goth-Veranstaltungen sichten.

So ein Tellerrand-Konzert war dann auch Agent Side Grinder im Anschluß. Die schwedische Waveband muß demnächst auf mindestens zwei seiner Gründer verzichten, u.a. scheidet der Sänger aus. Das Konzert (das vorletzte der Band in dieser Form) war unterhaltsam, viele der Lieder wirklich gut, die Posen des Sängers ein wenig gewöhnungsbedürftig (er zeigte gerne mit dem Zeigefinger auf einzelne Zuschauer - er scheint eine Art Dark-Brett-Anderson zu sein, trug auch ein weißes Hemd, als einziger im Saal).


Setlist The KVB, Zentrum Altenberg, Oberhausen:

01: White walls

02: Night games
03: Fixation (neu)
04: Always then
05: In deep
06: Awake
07: Into the night
08: Never enough
09: Hands
10: Dayzed

Links:

- aus unserem Archiv:
- The KVB, Paris, 13.02.13

- The KVB, Paris, 19.09.12



Mittwoch, 15. Februar 2017

George Michael, Oberhausen 17.10.2006 + Köln 07.09.2011

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Konzert: George Michael
Ort: Oberhausen + Köln
Datum: 17.10.2006 + 07.09.2011
Dauer: je ca. 120min
Zuschauer: 9.000 + 11.000 (ausverkauft)


Adele machte am Wochenende bei den Grammy Awards alles richtig. Sie hatte das Gefühl dafür wie ein ernst gemeinter und ehrlicher Tribute-Song zu präsentieren ist. 

Nicht indem man sich verkleidet, oder das Original bis zur Lächerlichkeit kopiert, sondern den Song weiter stärkt und zu seinem eigenen macht. So gelang ihr mit der entschleunigten Version von "Fast Love" ein Meisterstück.

Soviel Gefühl war angemessen für einen Künstler, der sich selber immer wieder mit seinen Songs und seinem Verhalten fast "nackt" der Öffentlichkeit gegenüberstellte.

"Looking for some education
Made my way into the night
All that bullshit conversation
Well, baby can't you read the signs?"

England und der Rest der Welt liebten den Weißen, der den Soul mit völlig neuem Sound in die Diskotheken brachte, sich mit Top-Models umgab und Videos drehte, die auf MTV im Minutentakt gezeigt wurden.

Sein Output war nie groß, aber qualitativ immer hochwertig. Seine Best..of CD aus dem Jahr 1998 zeigte vielleicht schon den Höhepunkt seines Schaffens. 

Besonders mit den sorgsam ausgewählten Cover-Versionen, die er auch nie auf das Original reduzierte. Mit Elton John und Freddie Mercury wählte er seine Duettpartner sehr bewusst, das Thema seiner Homosexualität war immer präsent. 

So geriet auch sein Auftritt beim späteren Tribute-Konzert für Mercury besonders emotional, er sang  „Somebody to Love“ als ginge es auch um sein eigenes Leben und wahrscheinlich war das auch damals schon so.

Das erste Mal live sah ich ihn 2006 mit einer großartigen Bühnenshow in Oberhausen. Die riesige Leinwand hinter ihm verlief wie ein Wasserfall senkrecht und dann auf dem Bühnenboden weiter, reichte bis zu den Füßen des Publikums. 

Die gezeigten Animationen, darunter Filmstreifen aus seiner Jugend oder knallige Cartoons glitten so vom Hallendach bis zum Boden, vom Künstler zu den Fans. Neben der Leinwand, an beiden Seiten auf drei Etagen, eine Soulband zum niederknien.

George Michael gelang es auf dieser Tournee noch einmal, seine ganze Klasse auf die Bühne zu bringen. Die glasklare Stimme, die Perfektion der Arrangements und die Ausstrahlung eines Crooners.

Die musikalische Bandbreite von akustischen Perlen zu stampfenden Beats begeisterte die Halle. Besonders eindrucksvoll an diesem Abend geraten das ruhige „Father figure“ und das Ewan MacColl Cover: „The first time ever i saw your face“. 

Schlusspunkt bildet natürlich ein nicht enden wollender „Freedom90“-Mix bei dem die Bühne vor lauter Farben und Licht zu explodieren scheint. Eine bis heute beeindruckende Inszenierung.

Danach wurde es immer ruhiger um ihn. Selten gab es noch Schlagzeilen. Wenn, dann fiel er aus irgendeinem Auto oder wurde wieder in ein Krankenhaus eingeliefert. Aber immerhin waren es noch Meldungen die die Leute interessierten und schockierten. 

Denn seine Musik verschwand ja nie ganz, auch dank der eigentlich als B-Seite konzipierten Weihnachtssingle "Last Christmas“. Aktuelle Veröffentlichungen blieben rar. Entweder dem eigenen, hohen Anspruch geschuldet, oder den Rauschmitteln. 



Im Jahr 2011 dann nochmals der Versuch einer großen Tournee, diesmal mit einem Sinfonieorchester sah ich ihn in Köln. An diesem Abend spielte er 14 ! Coverversionen und nur wenige, eigene Hits. 

Auch dies mag seine egoistische Entscheidung gewesen sein, gut tat es dem Konzert nicht. Standen die Balladen sonst gleichberechtigt neben den Hüftschwüngen, so waren es an diesem Abend einfach zu viele Molltöne für eine große Mehrzweckhalle. 

George Michael 120 Minuten, auf einem Barhocker vor seinem Orchester sitzen zu sehen, war eher traurig als berührend. Seltene Highlights wie das unzerstörbare „Feeling good“ von Nina Simone oder das überraschende „True Faith“ von New Order konnten über die kraftlosen Versionen von „Roxanne“ oder die viel zu lange und schmalzige Version von „You`ve changed“ von Harry James nicht hinwegtäuschen.

Der Künstler wirkte müde und abwesend, nur selten blitzten Energie und echte Kreativität auf. Auch wenn es sicher sein Wunsch war diesen Rahmen zu wählen, nach dutzenden Konzerten ist in Wien dann wieder das Krankenhaus die Endstation für den Abschied auf Raten.

Adele und Sam Smith werden das Erbe des britischen Souls weiterführen, fast deckungsgleiche Kopien von toller Stimme, starker Persönlichkeit und zumeist traurigen Songs im tanzbaren Gewand. Die Texte und Person von George Michael aber lohnen immer noch den Blick hinter die verspiegelte Sonnenbrille und das himbeerfarbene Jackett. 

Das Kölner Konzert endete dann doch noch emotional, mit dem bewegenden Song von Jimmy Dorsey aus dem Jahr 1941, dem großen Liebeslied „I remember you“. Und George Michaels Stimme dazu war, wie immer, der pure Soul.

“When my life is through
And the angels ask me to recall
The thrill of it all Then,
I will tell them,
I remember you”









Sonntag, 9. Oktober 2011

Ramones, Oberhausen, 24.11.89

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Konzert: Ramones
Ort: Music Circus, Oberhausen
Datum: 24.11.1989
Zuschauer: viel zu viele


Wir feiern fünften Geburtstag unseres Konzerttagebuchs. Bei Jubiläen kommt man gewöhnlich nicht um Platitüden wie "Zeit, innezuhalten und zurückzublicken" herum. Innehalten ist doof, daher beschränken wir uns auf Rückblicke. Wir möchten daher ab sofort unregelmäßig einmal nicht über aktuelle sondern über quasi-historsche Konzerte schreiben. Und wer die Musik bestellt, zahlt sie auch, daher fange ich an.

Die Ramones waren eine meiner ersten wichtigen Bands, nachdem mich die böse Seite der Musikmacht an diesen Indiekram verloren hatte. Obwohl sich die Urpunks zu diesem Zeitpunkt mit Pat Sematary Richtung Popmusik bewegt hatten, hörten wir in der Indiedisko ihre frühen, kurzen immergleichen Lieder am liebsten.

Als ich irgendwo mitbekam, daß die New Yorker in Oberhausen spielen würden, war klar, daß ich da hinmußte. One, two, three, four. Woher ich von dem Konzert erfahren hatte, weiß ich nicht mehr. Vor dem Internet waren die Recherchemöglichkeiten, wenn man nicht in einer größeren, plakatierten Stadt lebte, sehr eingeschränkt. Musikzeitungen habe ich damals nicht gelesen und im Fernsehen fanden die Ramones kaum statt (und wenn, dann sehr komisch! Legendär war ein Bericht oder eine Ankündigung über die Band im Südwest-Fernsehen, in dem der Moderator ständig von den "Räh-mäh-noehs" sprach).

Jedenfalls fand ich mich an einem tristen Novembertag in Oberhausen. Der Music Circus war ein zu Disco und Konzertort umfunktioniertes Zirkuszelt. Ich erinnere mich leider nur noch an ein Detail des Music Circus: den Wellenbrecher mitten im Saal. Aber zu dem später. Wie der Innenraum aussah, wie viele Leute reinpassten, weiß ich nicht mehr. Auch Plan B, die Vorgruppe, ist nicht hängengeblieben. Aber um die ging es ja nicht.

Irgendwann kamen die Punklegenden auf die Bühne. Bassist Dee Dee hatte die Band kurz vorher verlassen und war durch C. J. Ramone ersetzt worden. Und dieser neue Bassist, der rechts stand, beeindruckte mich mit einem phänomenal stoischen Gesichtsausdruck. Ich glaube, man hätte C. J. Sahnetorten ins Gesicht drücken können, er hätte sich nicht geregt. Unfassbar! Ich konnte meinen Blick kaum von seinem (toten) abwenden, nie war Langeweile so sehenswert.

Hörenswert war selbstverständlich das Set. Die Ramones spielten ihre Stücke in zwei- bis dreifacher Geschwindigkeit. Aus einer Ballade wie Pet
Sematary wurde ein rasant schneller Song. Natürlich war jedes Stück daraus enorm kurz. In meiner Erinnerung haben die Ramones an diesem Abend einige Lieder auch mehrfach gespielt. Die recherchierte Setlist behauptet etwas anderes, ich bin allerdings heute noch sicher, Pet Sematary und andere mindestens zweimal gehört zu haben. Es hat damals leider noch niemand mitgeschrieben.

Für mich begann das Konzert nach der Hälfte neu. Denn da war ich im dichten, pogenden Gedränge einmal umgedreht worden, an den vorhin erwähnten Wellenbrecher gedrängt worden und konnte mich nicht mehr regen. Der Raum vor dem Gitter war gnadenlos überfüllt, ich konnte mich nicht mal mehr drehen. Also erlebte ich den Rest des Konzerts mit Blick in die falsche Richtung. Falls C. J. sich doch noch bewegt hat, ich habe es verpasst!

Die späten Ramones waren sicher weit von der Band der 70er und frühen 80er entfernt, für mich waren sie 1989 aber genau so, wie ich sie erleben wollte. Trotz aller Widrigkeiten also ein Konzert, an das ich mich immer (zumindest teilweise) erinnern werde.

Setlist Ramones, Music Circus, Oberhausen (Quelle: setlist.fm):

01: Durango 95
02: Teenage Lobotomy
03: Psycho Therapy
04: Blitzkrieg Bop
05: Do You Remember Rock 'N' Roll Radio?
06: I Believe In Miracles
07: Gimme Gimme Shock Treatment
08: Rock 'N' Roll High School
09: I Wanna Be Sedated
10: Beat On The Brat
11: I Wanna Live
12: My Brain Is Hanging Upside Down (Bonzo Goes to Bitburg)
13: Go Mental
14: Sheena Is A Punk Rocker
15: Rockaway Beach
16: Pet Sematary
17: Don't Bust My Chops
18: She's The One
19: Mama's Boy
20: Animal Boy
21: Wart Hog
22: Surfin' Bird (The Trashmen Cover)
23: Cretin Hop
24: I Don't Wanna Walk Around With You
25: Today Your Love, Tomorrow The World
26: Pinhead
27: Chinese Rock
28: Somebody Put Something In My Drink
29: California Sun (Joe Jones Cover)
30: I Just Want To Have Something To Do




Montag, 22. März 2010

Jean-Michel Jarre, Oberhausen, 06.03.10

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Konzert: Jean-Michel Jarre
Ort: KöPi Arena, Oberhausen
Datum: 06.03.2010
Zuschauer: ca. 5.000
Konzertdauer: 120 Minuten


- von Oliver S. aus Dublin -

Einmal Jean-Michel Jarre live zu sehen, war ein langgehegter Wunsch von mir, der aus Lyon stammende Franzose stand also recht weit oben auf meiner ToDo-Liste. Ich muss aber gestehen, dass ich dabei eher an eines dieser sagenumwogenen Megaevents des Synthie-Papstes gedacht hatte. Da Herr Jarre aber zur Zeit scheinbar keine dieser Mammutprojekte am Start hat, sollte es wohl auch eine Hallenshow tun, zumal er erstmals auf eine wirklich sehr ausgedehnte Hallentour geht. Vielleicht treiben auch diesen Musiker das liebe Geld und die dahin schmelzenden Plattenverkäufe dazu, sich mit 61 Jahren diesem Projekt zu widmen – wer weiß?

Jedenfalls freut es den Fan, muss er doch wesentlich weniger reisen, um den Meister zu Gesicht zu bekommen, und sollte er doch reisewillig sein, so kann er Jean-Michel Jarre öfters sehen.

Es ist Samstagabend, wir sind spät dran und hetzen durch Oberhausens Neue Mitte, um noch rechtzeitig auf unseren Plätzen zu sitzen. Hätten wir aber gar nicht gemusst, denn das Konzert will irgendwie nicht wie auf den Karten aufgedruckt um 20 h beginnen. Für mich ist es das erste Mal, dass ich einen Sitzplatz im Oberrang der KöPi – Arena habe und dass die Halle nur ca. zur Hälfte genutzt wird und somit die Bühne also vorgezogen wurde. Was aber nicht schlimm ist, so sieht man halt von hier oben einfach mehr.

Die Zeit plätschert dahin, Nebelschwaden steigen auf der Bühne auf, doch vom Meister ist weit und breit nichts zu sehen. Menschen rufen: „Wir sind dann da!“ und ernten Applaus dafür, sonst passiert nicht viel, der Ansatz einer Laola-Welle erstickt schon im Keim, wir hätten uns nicht so abhetzen müssen um hierher zu gelangen.

Dann erlischt endlich um halb neun das Saallicht und ein Intro, welches sich ungefähr so wie schrille Sirenen anhört ertönt. Auf der Bühne positionieren sich drei Gestalten hinter den Keyboardburgen, doch Herr Jarre sucht man vergeblich. Bis auf den Moment, wo genau unter uns ein Verfolgerspot angeht und Jean-Michel die Arena quasi von hinten betritt. Bewusst sucht er den Kontakt zu seinen Fans, schüttelt Hände und lässt sich feiern. Dann hechtet er im Sprint auf die Bühne und begrüßt das Publikum; zu meiner großen Verwunderung auf Deutsch!

Dann beginnt die Show, welche der Künstler in diversen Interviews vor der Tour als einmalig umworben hatte. Nun gut, musikalisch o.k. optisch eher langweilig präsentieren sich die ersten drei Titel des Abends. Und mir schaudert es bei dem Gedanken an das Konzert von Air vor gut einer Woche, meine Freundin steckt mir just in diesem Moment, dass Sie, wenn die Show so bleiben würde, wohl einschlafen werde, klasse Aussichten.

Doch, wir haben die Rechnung ohne den Gastgeber gemacht, denn plötzlich wird der Bühnenhintergrund zu einer überdimensionalen Leinwand, auf der man diverse Animationen und Visuals geboten bekommt, dazu kommen diverse Laser und Lichteffekte. Dazu gibt sich der Zeremonienmeister wirklich große Mühe, sein Publikum zu unterhalten und Stimmung zu verbreiten. Er springt hinter seiner Burg analoger Synthies hoch und runter, und man merkt, er macht das mit Leib und Seele. Er spricht immer wieder auf Deutsch oder Englisch zu den anwesenden Fans und sucht den Kontakt. Er verlässt seine Burg, um auf seiner Laserharp zu musizieren (und er verspielt sich), er spielt Theremin am rechten Bühnenrand und Akkordeon am linken oder auf einem tragbaren Moog, der Töne wie eine E-Gitarre von sich gibt.

Dabei wird er von den Herren Dominique Perrier, Francis Rimbert, Claude und Samard Polikar unterstützt, welche sich um Drums, Bass und diverse Sounds (wie JMJ immer wieder erwähnt) kümmern, der Meister selber übernimmt mehr oder minder den Leadpart, sprich die Stimme der Songs.

Als das Konzert nach knapp 2 Stunden (incl. zweier Zugabenblöcke) endet, kann man nicht meckern. Sicherlich muss ich nicht jeden Auftritt von JMJ sehen und bin wohl auch erst einmal bedient, aber für einen Abend war es wirklich hervorragend und ich habe es nicht bereut, die Karten gekauft zu haben. Das nächste Mal JMJ dann bitte bei meinem Namensvetter in Paris unterm Eifelturm ;o).

Setlist Jean-Michel Jarre, KöPi-Arena, Oberhausen:

01: Intro
02: Oxygene 1
03: Oxygene 2
04: Magnetic Fields 1
05: Equinoxe 7
06: Equinoxe 5
07: Rendez-vous 3 (Laser Harp)
08: Magnetic Fields 2
09: Souvenir Of China
10: Oxygene 5
11: Variation 3
12: Theremin Piece
13: Equinoxe 4
14: neu (auf Korg PA-500 gespielt)
15: Industrial Revolution 2
16: Rendez-vous 2
17: Rendez-vous 4
18: Chronologie 6
19: Chronologie 2
20: Oxygene 4
21: Oxygene 12
22: Calypso 3 (Fin de Siecle)

Fotos folgen!



Montag, 17. März 2008

The Cure, Oberhausen, 16.03.08

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Konzert: The Cure
Ort: Arena, Oberhausen
Datum: 16.03.2008
Zuschauer: ausverkauft, vermutlich 12.000
Konzertdauer: 190 Minuten


In meiner alternativemusikalischen Früherziehung spielte The Cure eine zentrale Rolle. Die Band war mir damals so unglaublich wichtig, daß es fahrlässig war, die vielen Gelegenheiten verstreichen zu lassen, sie live zu sehen. Das habe ich aber. In den 90ern wurde The Cure mir dann egal, warum auch immer, ich kann das heute nicht mehr nachvollziehen. Sprich, ich hatte vor Oberhausen Robert Smith und Co. noch nicht auf der Bühne gesehen. Als ich vor Monaten von den wenigen Deutschland-Konzerten der Engländer gelesen hatte, habe ich sofort ein Ticket geordert, allerdings mehr aus Sammeltrieb, die Band fehlte mir nun mal. Wahnsinnig euphorisch war ich nicht, es war mehr solch ein "Du ärgerst Dich nachher, wenn Du nicht hingehst"-Gefühl. Da ich überzeugt war, mit Mitte (ok, zweite Hälfte Mitte) Dreißig nicht zu den älteren Besuchern zu zählen, kaufte ich einen Stehplatz im Innenraum.

Von den Konzerten in Hamburg und Berlin vor einigen Wochen haben alle großen deutschen Zeitungen berichtet. Vor allem davon, daß The Cure über drei Stunden gespielt hatten. Als Oliver dann vergangene Woche aus Paris von drei Stunden vierzig und 42 Liedern schrieb, erschien mir der Stehplatz plötzlich sehr mutig. Gleichzeitig war meine Vorfreude auf The Cure plötzlich nicht bloß da, sondern auch riesig groß.

Mein letztes (und bisher einziges Konzert) in Oberhausen war im November 89 - da spielten die Ramones, ein unvergessliches Erlebnis. Damals gab es so etwas Spektakuläres wie die König-Pilsener-Arena noch nicht. Auch das riesige CentrO, neben dem sich die Arena befindet, wurde erst ein paar Jahre später errichtet.

Vor der Arena standen schon massenhaft Leute, als ich pünktlich zum Einlaß
erschien. Und ich fühlte mich sofort in die Indie-Disko von damals zurückversetzt, viele der Frisuren und Jacken und T-Shirts waren 100%-ig authentisch.

Drinnen lief dann Interpol. Passendere Musik hätte ich mir als Einstimmung kaum wünschen können (naja, The Organ natürlich). Die Halle ist kein komplettes Oval, sie ist an einem Ende leicht abgeschnitten. Trotz der sehr großen Dimensionen, machte sie gleich einen viel sympathischeren Eindruck als die anderen
Arenen, in denen ich bisher Konzerte gesehen habe, denn sie ist relativ schmal und lang, was einen gedrungenen Effekt erzeugt, der ganz prima wirkte.

Um Punkt sieben (!) begann das Vorprogramm. 65daysofstatic aus Sheffield
eröffneten für The Cure während deren Europatour. Ich hatte die englischen Postrocker noch nicht gesehen, war aber auf Anhieb sehr angetan vom extrem melodischen Instrumental-Rock der Band. Das war ganz fabelhaft - wenn es nicht so unfassbar laut gewesen wäre. Allerdings war die Lautstärke nicht das wahre Problem, es waren die hämmernden Knaller des Bass und der Bassdrum, die die Randplätze ganz vorne unerträglich machten. Denn was nutzt der beste Ohrenschutz, wenn der Kopf sich anfühlt, als schlüge ein Boxer darauf ein. Die lauten Töne verlangten vom Schlagzeuger der Gruppe auch vollen Einsatz, er headbangte während seines Jobs und prügelte wie verrückt auf seine Trommeln ein. Unabhängig von der Lautstärke war es aber sehr lohnenswert, obwohl das komplette Set instrumental war und das ja nicht immer eine gute Idee als Vorprogramm ist.

Nach einer halben Stunde 65days... und einer ewig langen Umbaupause von 45 Minuten (unverständlich, denn nach 20 Minuten tat sich auf der Bühne nichts mehr), fingen dann um 20.15 Uhr The Cure an. Zunächst erklangen nur sphärische Töne, untermalt von Sternenhimmel-Animationen auf den riesigen Video-Leinwänden hinter der Bühne. Nach einer Weile kamen die vier Cures dann und stiegen in den "Plain song" ein, das war schon einmal ziemlich überwältigend.

Robert Smith trug eine Camouflage-Hose und ein dunkelgraues Hemd. Und selbstverständlich das Dings da auf dem Kopf. Nach dem "Plain song" richtete er sich die Haare, strich mit den
Händen irgendwie da durch und frisierte sich, vollkommen faszinierend, das zu beobachten.

An Smiths Seite stand die exzentrischere Figur des Abends, Gitarrist Porl Thompson. Der glatzköpfige Musiker trug
eine schwarze Lackhose, ein schwarzes Netztop, unter dem man seine gesammelten Körperkunstwerke bewundern konnte, ein Paar sehr hohe Damen-Lackschuhe (aus dem Fetisch-Regal) und allerlei Tattoos auf dem Kopf. Porl, der Roberts Schwager ist (er ist mit dessen Schwester verheiratet), war etwas fürs Auge, gar keine Frage!

Aber ich war in erster Linie der Ohren wegen da und auch die bekamen viel geboten. Das Set war anfangs so wie in Paris. Dem "Plain song" folgte "Prayers for rain" von "Disintegration" und "A strange day" von "Pornography", bevor mit "alt.end" ein neuerer Song kam. Danach wieder zwei Stücke aus den frühen 80ern, so gemischt sollte es den ganzen Abend weitergehen. Und egal aus welcher Phase die Stücke kamen, das Publikum kannte sie und sang und tanzte mit.
Zumindest im Innenraum, auf den Tribünen war es anfangs deutlich ruhiger. Aber auch im Innenraum vorne wurde nicht Pogo getanzt, die Leute wippten eher, tanzten so wie früher auf Cure (ein Schritt vor, ein Schritt zurück), sangen, reckten die Hände hoch, es war sehr angenehm und gar kein fieses Gedrängel, was drei Stunden (plus) schwer erträglich gemacht hätte.

Natürlich waren auch viele der bekanntesten Hits schon
früh im Programm, der "Lovesong" oder "Lullaby", das ich damit zweimal innerhalb von drei Tagen live gesehen habe, nachdem die Editors in Krefeld ein vorzügliches Cover gespielt hatten.

Ganz besonders großartig war dann die Phase danach mit dem "Kyoto song" und "The figurehead", echten Highlights des Abends. Ab und zu wurden die Lieder auf den
Leinwänden hinter der Bühne visuell unterstützt. Bei "Lullany" lief eine Spinne über das Artwork der Platte, wenn ich mich richtig an das erinnere. Sehr schön auch mit "A boy I never knew" ein neues (und tolles) Lied.

Nach deutlich über zwei Stunden beendeten "One hundred years" (mit Kriegszenen z.B. aus Vietnam) und "
Disintegration" den ersten Teil des Konzerts. Denn es sollten ja noch viele Stücke folgen, dreizehn, um genau zu sein - schwierig, bei solchen Mengen von Zugaben zu sprechen. Jedenfalls verließen die Vier kurz die Bühne, um dann den ersten Zugabeblock zu spielen, für mich die mit Abstand stärkste Phase des Abends. "At night, "M", "Play for today" und vor allem "A forest" waren beeindruckend. Richtig beeindruckend war es allerdings, sich dabei einmal umzudrehen und die unglaubliche Stimmung in der großen Halle auf sich wirken zu lassen. Das war alles so unwirklich (oder platt: Gänsehautstimmung).

The Cure verschwanden und kamen kurz danach unter großem Jubel zum Pop-Zugabenblock wieder. Der bestand aus dem Radiohit "Friday I'm in love", "Freak
show", "Close to me" und einem ungewohnt klingenden "Why can't I be you?", denn da fehlten die Bläser. Das machte es nicht schlechter, es klang aber schon deutlich anders.

Auch nach dem anschließenden Bühnenabgang wurde keine künstliche Stimmung erzeugt, es war klar, daß Robert und Kollegen noch einmal erscheinen würden. Sie taten das dann für ein furioses Finale. Sie spielten noch einmal fünf Lieder, darunter
"Boys don't cry", das wundervolle "Jumping someone else's train" und einen meiner ganz großen Lieblinge "Killing an arab", mit dem ich viele Erinnerungen verbinde, als Abschluß. Zu dem Zeitpunkt hatten die Leute auf den Tribünensitzplätzen längst gestanden - und getanzt, es war eben alles ganz herrlich feierlich.

Mein ganz großer Traum, die Smiths einmal live zu sehen, wird wohl nie wahr werden. Seit gestern ist das aber etwas weniger schlimm, denn das war ein Konzert einer Band, die man gesehen haben muß, ohne wenn und aber.

Setlist The Cure, Arena, Oberhausen:

01: Plain song
02: Prayers for rain
03: A strange day
04: alt.end
05: A night like this
06: The end of the world
07: Lovesong
08: Pictures of you
09: Lullaby
10: From the edge of the deep green sea
11: The figurehead
12: Kyoto song
13: Please come home (neu?)
14: Push
15: Inbetween days
16: Just like heaven
17: Primary
18: A boy I never knew (neu)
19: Never enough
20: Wrong number
21: The baby screams
22: One hundred years
23: Disintegration

24: At night (Z)
25: M (Z)
26: Play for today (Z)
27: A forest (Z)

28: Friday I'm in love (Z)
29: Freak show (Z)
30: Close to me (Z)
31: Why can't I be you? (Z)

32: Boys don't cry (Z)
33: Jumping someone else's train (Z)
34: Grinding halt (Z)
35: 10:15 saturday night (Z)
36: Killing an arab (Z)

Links:

- The Cure in Paris
- mehr Fotos von The Cure in Oberhausen
- Fotos vom The Cure Konzert in Paris



 

Konzerttagebuch © 2010

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