Mittwoch, 26. Oktober 2011

Silje Nes & Kyrie Kristmanson, Paris, 23.10.11


Konzert: Silje Nes & Kyrie Kristmanson
Ort: Le Petit Bain, Paris
Datum: 23.10.2011

Zuschauer: vielleicht 60



Silje Nes gehört zu jenen Geschöpfen, die so zart und zerbrechlich wirken, als seien sie aus hauchfeinem Glas gemacht. Die blonde Norwegerin ist beinahe eine irreale Person, so schüchtern und leise, daß man sie fast gar nicht bemerkt. Auch ihre Stimme ist dementsprechend sanft und weltentrückt. In einer hektischen und lauten Stadt wie Paris etwas Exotisches. Da muss man selbst erst einmal ein wenig runterkommen, den Puls langsamer schlagen lassen und sich auf die verhuschte Traumwelt von Silje einlassen, um die Sache voll genießen zu können. Ungeduldige Mitbürgerinnen und Mitbürger bemängelten dann konsequenterweise sofort die Anfangsphase, in der die Nes auf dem Boden kauernd an Knöpfchen drehte und verwunschene Geräusche enstehen ließ. Mindestens 10 Minuten lang ging das so und gesungen wurde auch nicht. Ein ungewöhnlicher Beginn, aber letztlich sehr typisch für das ganz eigene Universum der in Berlin lebenden Frau. Sie kümmert sich nicht im Geringsten um den klassisch-banalen Songaufbau aus Strophe-(Bubbelgum-) Refrain- Strophe, sondern lässt ihre Musik wie einen langsamen Fluß fließen und singt dazu samtweich. Ihr zuzuhören ist wie von einer Feder am Arm gestreichelt zu werden. Sie vermittelt Unschuld und Reinheit, aber auch Mystik und Spiritualität.

Die zierliche, aber recht großgewachsene Musikerin spielte die ersten drei Lieder ganz alleine. Obwohl eigentlich klassisch am Piano ausgebildet, ist ihr Standardinstrument die E-Gitarre. Diese und ihre geloopte Stimme ergeben den typischen Silje Nes- Sound (manche reden von Folktronic, was immer das ist), der an Reduziertheit kaum zu überteffen ist. Um dem Konzert in der Folge aber ein wenig mehr Dampf und Abwechslung zu verleihen, stieß nach etwa 20 Minuten ihre aus zwei Herren bestehende Begleitband mit hinzu. Die beiden Burschen agierten an Schlagzeug und Geige/Gitarre und bereicherten so das zuvor karge Klangbild. Zum Vortrage kamen Lieder ihrer beiden Alben, mit einem Schwerpunkt auf ihrem letzten Werk Opticks. Besonders angetan hatten es mir Crystals und The Grass Harp, zwei einfühlsame Balladen, die stellvertretend für das Set von Silje stehen konnten. Ein Set, das zwar relativ gleichförmig, aber dennoch nie langweilig war und bei einem Lied sogar fast ein wenig rockte. Aber Silje Nes ist nun einmal nicht Scout Niblett (eher Mazzy Star oder Mariee Sioux) und wer in der Nähe von Fjorden groß geworden ist, hat eben nicht viel Feuer, sondern eher Wasser.

Scheiß Vergleich, ich bin raus der Nummer!
Die Nes ist wundervoll, soviel gilt festzuhalten!



Morgen auch noch ein paar Worte zu Kyrie Kristmanson, die in den Abend eingeleitet hatte.

Konzert: 31. Oktober in der Astra Stube in Hamburg.





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