Samstag, 8. November 2008

HushPuppies, Paris, 07.11.08


Konzert: HushPuppies (Koko Von Napoo)

Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 07.11.2008
Zuschauer: vermutlich ausverkauft



Als ich vor einigen Wochen davon Wind, bekam, daß die französische Garagenrockband HushPuppies in der recht kleinen Pariser Maroquinerie (Fassunsgvermögen circa. 500 Gäste) zwei Konzerte geben würde, konnte ich es kaum fassen. Denn inzwischen spielen "Les Hushs" in größeren Locations und die Gigs in der "Maro" waren eine hervorragende Gelegenheit, eine der besten Livebands Frankreichs noch einmal hautnah zu erleben.

Da musste ich hin! Ganz egal, daß am gleichen Tag auch The Wedding Present und Damien Jurado in anderen Pariser Clubs auftraten. Die Erwartungshaltung an die Hushpuppies war hoch, denn im Winter 2007 hatten sie in der Cigale ein geradezu episches Konzert auf das Parkett gelegt, an daß ich mich noch lange erinnern werde. Und auch beim diesjährigen Festival "Le Rock Dans Tous Ses Etats" in Evreux waren sie sensationell und letztlich stärker als renomierte Headliner wie Gossip und Foals.

Voller Vorfreude begab ich mich also in die Rue Boyer, wo die Maroquinerie liegt. Im Kellerverlies hatten bereits die drei Mädels und der eine Junge von Koko von Napoo ihre Instrumente aufgebaut. Alles war ein bißchen eng und so mußte die blonde Drummerin Faust nach vorne rücken. Diese Notlösung tat dem Konzert richtig gut, denn so war die Band nahezu auf einer Linie und wirkte präsenter.

Weil ich Koko von Napoo schon sehr oft live gesehen habe, kenne ich ihr Programm im Grunde genommen auswendig (kurios wenn man bedenkt, daß es gerade erst einmal zwei Singles auf dem Markt gibt) aber heute war das Ganze noch schmissiger und besser als sonst. Jonbon ist eine der beiden erhältlichen Singles und das Stück ist ein veritabler Ohrwurm, genau wie Polly, das inzwischen sogar schon von den Engländern entdeckt wurde. Mark Riley, ein bekannter Radio-DJ in Manchester, spielt Polly zur Zeit rauf und runter und hat die Pariser deshalb in eine seiner kultigen Sendungen bei BBC 6 eingeladen. Wenn das keine Ehre ist! Wie ich erfahren habe, werden die hübschen Girls dann auch ihr tolles französisches Lied spielen, das zur Zeit den Arbeitstitel Platinum trägt. Fast noch cooler ist aber eine Coverversion der Künstlerin Ruth, Polaroid/Roman/Photo aus den 80ern. Dieser Song passt mit seinem wavigen Elektrosound einfach zu den Mädels wie die Faust aufs Auge. Unterstützung bekamen sie hierfür zusätzlich noch durch Olivier Jourdan, den Sänger der Hushpuppies, der breit grinsend in ein Saxofon blies.

Ein famoser Auftakt eines heißen Konzertabends!

Setlist Koko von Napoo, Paris:

01: Baden Baden
02: Jonbon
03: Agence Blady
04: Platinum
05: Polly
06: Polaroid/Roman/Photo (Ruth Cover)
07: June
08: Saadie

Dann aber wartete jeder gespannt auf die Ankunft der HushPuppies. Die Maroquinerie füllte sich von Minute zu Minute, bis man irgendwann seinem Nachbarn sehr nahe war. Oder Nachbarin, wenn man(n) Glück hatte, denn die jungen Mädchen im Publikum sahen oft unverschämt gut aus! Weiberhelden sind sie also definitiv, diese attraktiven Burschen von "Les Hushs", die bis auf den Bassisten allesamt aus dem südfranzösischen Perpignan stammen, aber schon seit einigen Jahren in Paris leben und hier fester Bestandteil der Musikszene sind. Nichts wurde ihnen in der Hauptstadt geschenkt, alles haben sie sich hart erarbeitet! So sind sie nach wie vor bei dem kleinen Label Daimondtraxx untergebracht und gehen auch zum Teil noch festen Berufen außerhalb ihres Bandengegements nach. Franck, der Drummer führt zum Beispiel einen bestens sortierten unabhängigen CD-und Plattenladen und stellt sich auch zwei bis dreimal pro Woche selbst hinter die Kasse. Dafür und für seinen Idealismus, in diesen Zeiten einen Plattenladen aufzumachen (das Geschäft besteht erst seit 4 Jahren) gebührt ihm großer Respekt! Und weil ich so etwas gerne unterstützen möchte, hier einmal Name und Adresse: Ground Zero, 23, Rue Sainte Marthe, 75010 Paris (Internetseite hier , Freund werden bei MySpace).

Bei den Konzerten ist Franck aber meistens im Hintergrund aktiv, wie das bei Schlagzeugern eben so üblich ist. Den vorderen Teil der Bühne überlässt er gerne Olivier Jourdan, dem heißblütigen Sänger und Orgelspieler mit dem Aussehen eines Latin-Lovers. Und dieser Olivier verfügt über alles, was einen echten Rockstar ausmacht. Er ist gertenschlank, sportlich und in seinen eng sitzenden Klamotten unfassbar sexy. In Punkto Eleganz können es die HushPuppies ohnehin mit den Hives aufnehmen. Alle kamen sie in blütenweißen Hemden und waren teilweise mit Krawatten, Jackets/Anzugswesten bekleidet. Olivier selbst erschien ganz in weiß, hatte aber keinerlei Scheu davor, sich schmutzig zu machen. Wie ein Stier, der in die Arena gelassen wird, stürmte er auf die Bühne und gab von Beginn an alles! Eine Rampensau allererster Güte! Um den Leuten noch mehr einzupeitschen, bewegte er sich immer ganz nah am Bühnenrand und war so mit seinen Fans auf Tuchfühlung. Die ersten Reihen rasteten sofort aus und schon nach ein paar Minuten gab es die ersten Crowdsurfer.

Bereits das dritte Lied war der Hit You're Gonna Say Yeah vom Debütalbum The Trap und die Temperatur lag schnell bei gefühlten 50 Grad Celsius. Der Fleiß floß in Strömen, die Lautstärke war ohrenbetäubend. Adrenalin und Testosteron pur also und ich fragte mich, wie die Band das höllische Tempo halten wollte!

Aber das sollte das Problem nicht sein, denn während einige Zuschauer schon nach 20 Minuten nach Luft schnappten, fragte Olivier immer mal wieder höhnisch nach: "Seit ihr inzwischen ein wenig warm geworden? Gut, dann können wir ja anfangen!" Wenn das Publikum nach Ansicht des Frontmannes zu zögerlich antwortete, schrie er die Leute an: "Was?? Ich hör' nix! Ich dachte die Pariser seien das beste Konzertpublikum!" Er brachte sich in Rage wie einstmals der verrückte amerikanische Tennisprofi Jimmy Connors, der sich nach einem guten Punkt aufpumpte wie ein Irrer. Wenn Olivier Orgel spielte, wirblete er mit seinem Kopf so wild durch die Luft, daß er mit der Birne fast auf das Instrument einschlug, manchmal fehlten wirklich nur ein paar Zentimeter! Er rsikierte seine Gesundheit, keine Frage! Irgendwann hatte er sich so in Fahrt gebracht, daß er völlig spontan, ins Publikum sprang und selbst in dieser Position weitersang. Später stellte er sich sogar auf die Hände seiner Fans und stand aufrecht im Publikum, der helle Wahnsinn! Aber es ging glücklicherweise immer glimpflich aus und der Heißsporn konnte unbeschadet weitermachen. Zweitaktivstes Bandmitglied war der aus Bordeaux stammende Bassist Guillaume Le Guen. Der Musiker, der sich beim Festival in Evreux noch den Fuß auf der Bühne gebrochen hatte, sprang heute wieder wie ein Wilder durch die Luft, von Schonung keine Spur! Ruhiger hingegen war Keyboarder Wilfried Jourdan, der Bruder von Olivier. Aber auch er ließ sich von der Begeisterung im Publikum anstecken und drehte eine Runden auf den Händen der Fans. Gitarrist Cyrille Sudraud schließlich hatte seinen großen Auftritt, als er bei einem Lied mit einer Kuhglocke durch die Gegend lief. Letztlich waren aber alle fünf Musiker an dem großartigen Konzert maßgeblich beteiligt. Franck, Cyrille, Wilfried und Olivier kennen sich seit ihrer Schulzeit auf einem Gymnasium in Südfrankreich, wo sie als Coverband (The Likyds) anfingen und unter anderem Songs von den Small Faces und den Kinks coverten. Passenderweise gab es dann heute auch eine gelungene Neuinterpretation von I'm Not Like Everybody Else von den Kinks. Eines von vielen Highlights, denn ohne Übertreibung war festzuhalten, das jedes einzelne Lied wie eine Bombe einschlug. Spektakulär allerdings das Ende, die letzten fünf Lieder beginnend mit Single zogen besonders gut. Die Single Down, Down, Down räumte dabei genauso ab wie Bad Taste And Gold On The Doors (I want my Kate Moss) und letztlich bedurfte es noch nicht einmal einer Zugabe. Die Maroquinerie war auch so ein Tollhaus und die Leute werden sich sicherlich noch lange an dieses einmalige Konzert erinnern!




Setlist HushPuppies, La Maroquinerie, Paris:

01: Lost Organ
02: Moloko Sound Club
03: You're Gonna Say Yeah!
04: 1975
05: You & Me
06: Love Bandit
07: Broken Matador
08: Marthelot 'N' Clavencine
09: Harmonium
10: Fiction In The Facts
11: I'm Not Like Everybody Else (Cover von den Kinks)
12: A Trip To Vienna
13: Hot Shot
14: Lunatic's Song
15: Bassautobahn
16: Single
17: Down, Down, Down
18: Bad Taste And Gold On The Doors (I Want My Kate Moss)
19: Pale Blue Eyes
20: Packt Up Like Sardines In A Crushtin Box


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