skip to main
|
skip to sidebar
um
01:49
Konzert: HushPuppies (Koko Von Napoo)Ort: La Maroquinerie, ParisDatum: 07.11.2008Zuschauer: vermutlich ausverkauft
Als ich vor einigen Wochen davon Wind, bekam, daß die französische Garagenrockband HushPuppies in der recht kleinen Pariser Maroquinerie (Fassunsgvermögen circa. 500 Gäste) zwei Konzerte geben würde, konnte ich es kaum fassen. Denn inzwischen spielen "Les Hushs" in größeren Locations und die Gigs in der "Maro" waren eine hervorragende Gelegenheit, eine der besten Livebands Frankreichs noch einmal hautnah zu erleben.Da musste ich hin! Ganz egal, daß am gleichen Tag auch The Wedding Present und Damien Jurado in anderen Pariser Clubs auftraten. Die Erwartungshaltung an die Hushpuppies war hoch, denn im Winter 2007 hatten sie in der Cigale ein geradezu episches Konzert auf das Parkett gelegt, an daß ich mich noch lange erinnern werde. Und auch beim diesjährigen Festival "Le Rock Dans Tous Ses Etats" in Evreux waren sie sensationell und letztlich stärker als renomierte Headliner wie Gossip und Foals.
Voller Vorfreude begab ich mich also in die Rue Boyer, wo die Maroquinerie liegt. Im Kellerverlies hatten bereits die drei Mädels und der eine Junge von Koko von Napoo ihre Instrumente aufgebaut. Alles war ein bißchen eng und so mußte die blonde Drummerin Faust nach vorne rücken. Diese Notlösung tat dem Konzert richtig gut, denn so war die Band nahezu auf einer Linie und wirkte präsenter.Weil ich Koko von Napoo schon sehr oft live gesehen habe, kenne ich ihr Programm im Grunde genommen auswendig (kurios wenn man bedenkt, daß es gerade erst einmal zwei Singles auf dem Markt gibt) aber heute war das Ganze noch schmissiger und besser als sonst.
Jonbon ist eine der beiden erhältlichen Singles und das Stück ist ein veritabler Ohrwurm, genau wie Polly, das inzwischen sogar schon von den Engländern entdeckt wurde. Mark Riley, ein bekannter Radio-DJ in Manchester, spielt Polly zur Zeit rauf und runter und hat die Pariser deshalb in eine seiner kultigen Sendungen bei BBC 6 eingeladen. Wenn das keine Ehre ist! Wie ich erfahren habe,
werden die hübschen Girls dann auch ihr tolles französisches Lied spielen, das zur Zeit den Arbeitstitel Platinum trägt. Fast noch cooler ist aber eine Coverversion der Künstlerin Ruth, Polaroid/Roman/Photo aus den 80ern. Dieser Song passt mit seinem wavigen Elektrosound einfach zu den Mädels wie die Faust aufs Auge. Unterstützung bekamen sie hierfür zusätzlich noch durch Olivier Jourdan, den Sänger der Hushpuppies, der breit grinsend in ein Saxofon blies.Ein famoser Auftakt eines heißen Konzertabends!Setlist Koko von Napoo, Paris:01: Baden Baden02: Jonbon03: Agence Blady04: Platinum05: Polly06: Polaroid/Roman/Photo (Ruth Cover)07: June08: Saadie
Dann aber wartete jeder gespannt auf die Ankunft der HushPuppies. Die Maroquinerie füllte sich von Minute zu Minute, bis man irgendwann seinem Nachbarn sehr nahe war. Oder Nachbarin, wenn man(n) Glück hatte, denn die jungen Mädchen im Publikum sahen oft unverschämt gut aus! Weiberhelden sind sie also definitiv, diese attraktiven Burschen von "Les Hushs", die bis auf den Bassisten allesamt aus dem südfranzösischen Perpignan stammen,
aber schon seit einigen Jahren in Paris leben und hier fester Bestandteil der Musikszene sind. Nichts wurde ihnen in der Hauptstadt geschenkt, alles haben sie sich hart erarbeitet! So sind sie nach wie vor bei dem kleinen Label Daimondtraxx untergebracht und gehen auch zum Teil noch festen Berufen außerhalb ihres Bandengegements nach. Franck,
der Drummer führt zum Beispiel einen bestens sortierten unabhängigen CD-und Plattenladen und stellt sich auch zwei bis dreimal pro Woche selbst hinter die Kasse. Dafür und für seinen Idealismus, in diesen Zeiten einen Plattenladen aufzumachen (das Geschäft besteht erst seit 4 Jahren) gebührt ihm großer Respekt! Und weil ich so etwas gerne unterstützen möchte, hier einmal Name und Adresse: Ground Zero, 23,
Rue Sainte Marthe, 75010 Paris (Internetseite hier , Freund werden bei MySpace).Bei den Konzerten ist Franck aber meistens im Hintergrund aktiv, wie das bei Schlagzeugern eben so üblich ist. Den vorderen Teil der Bühne überlässt er gerne Olivier Jourdan, dem heißblütigen Sänger und Orgelspieler mit dem Aussehen eines Latin-Lovers. Und dieser Olivier verfügt über alles, was einen echten Rockstar ausmacht. Er ist gertenschlank, sportlich und in seinen eng sitzenden Klamotten unfassbar sexy. In Punkto Eleganz können es die HushPuppies ohnehin mit den Hives aufnehmen.
Alle kamen sie in blütenweißen Hemden und waren teilweise mit Krawatten, Jackets/Anzugswesten bekleidet. Olivier selbst erschien ganz in weiß, hatte aber keinerlei Scheu davor, sich schmutzig zu machen. Wie ein Stier, der in die Arena gelassen wird, stürmte er auf die Bühne und gab von Beginn an alles! Eine Rampensau allererster Güte! Um den Leuten noch mehr einzupeitschen, bewegte er sich immer ganz nah am Bühnenrand und war so mit seinen Fans auf Tuchfühlung. Die ersten Reihen rasteten sofort aus und schon nach ein paar Minuten gab es die ersten Crowdsurfer.
Bereits das dritte Lied war der Hit You're Gonna Say Yeah vom Debütalbum The Trap und die Temperatur lag schnell bei gefühlten 50 Grad Celsius. Der Fleiß floß in Strömen, die Lautstärke war ohrenbetäubend. Adrenalin und Testosteron pur also und ich fragte mich, wie die Band das höllische Tempo halten wollte!
Aber das sollte das Problem nicht sein, denn während einige Zuschauer schon nach 20 Minuten nach Luft schnappten, fragte Olivier immer mal wieder höhnisch nach: "Seit ihr inzwischen ein wenig warm geworden? Gut, dann können wir ja anfangen!" Wenn das Publikum nach Ansicht des Frontmannes zu zögerlich antwortete, schrie er die Leute an: "Was?? Ich hör' nix!
Ich dachte die Pariser seien das beste Konzertpublikum!" Er brachte sich in Rage wie einstmals der verrückte amerikanische Tennisprofi Jimmy Connors, der sich nach einem guten Punkt aufpumpte wie ein Irrer. Wenn Olivier Orgel spielte, wirblete er mit seinem Kopf so wild durch die Luft, daß er mit der Birne fast auf das Instrument einschlug, manchmal fehlten wirklich nur ein paar Zentimeter!
Er rsikierte seine Gesundheit, keine Frage! Irgendwann hatte er sich so in Fahrt gebracht, daß er völlig spontan, ins Publikum sprang und selbst in dieser Position weitersang. Später stellte er sich sogar auf die Hände seiner Fans und stand aufrecht im Publikum, der helle Wahnsinn! Aber es ging glücklicherweise immer glimpflich aus und der Heißsporn konnte unbeschadet weitermachen.
Zweitaktivstes Bandmitglied war der aus Bordeaux stammende Bassist Guillaume Le Guen. Der Musiker, der sich beim Festival in Evreux noch den Fuß auf der Bühne gebrochen hatte, sprang heute wieder wie ein Wilder durch die Luft, von Schonung keine Spur! Ruhiger hingegen war Keyboarder Wilfried Jourdan, der Bruder von Olivier.
Aber auch er ließ sich von der Begeisterung im Publikum anstecken und drehte eine Runden auf den Händen der Fans. Gitarrist Cyrille Sudraud schließlich hatte seinen großen Auftritt, als er bei einem Lied mit einer Kuhglocke durch die Gegend lief. Letztlich waren aber alle fünf Musiker an dem großartigen Konzert maßgeblich beteiligt. Franck, Cyrille, Wilfried und Olivier kennen sich seit ihrer Schulzeit auf einem Gymnasium in Südfrankreich,
wo sie als Coverband (The Likyds) anfingen und unter anderem Songs von den Small Faces und den Kinks coverten. Passenderweise gab es dann heute auch eine gelungene Neuinterpretation von I'm Not Like Everybody Else von den Kinks. Eines von vielen Highlights, denn ohne Übertreibung war festzuhalten, das jedes einzelne Lied wie eine Bombe einschlug. Spektakulär allerdings das Ende,
die letzten fünf Lieder beginnend mit Single zogen besonders gut. Die Single Down, Down, Down räumte dabei genauso ab wie Bad Taste And Gold On The Doors (I want my Kate Moss) und letztlich bedurfte es noch nicht einmal einer Zugabe. Die Maroquinerie war auch so ein Tollhaus und die Leute werden sich sicherlich noch lange an dieses einmalige Konzert erinnern!
Setlist HushPuppies, La Maroquinerie, Paris:01: Lost Organ02: Moloko Sound Club03: You're Gonna Say Yeah!04: 197505: You & Me06: Love Bandit07: Broken Matador08: Marthelot 'N' Clavencine09: Harmonium10: Fiction In The Facts11: I'm Not Like Everybody Else (Cover von den Kinks) 12: A Trip To Vienna13: Hot Shot14: Lunatic's Song15: Bassautobahn16: Single17: Down, Down, Down18: Bad Taste And Gold On The Doors (I Want My Kate Moss)19: Pale Blue Eyes20: Packt Up Like Sardines In A Crushtin Box
um
22:05
Konzert:HushpuppiesOrt: Evreux, Festival Le Rock Dans Tous Ses EtatsDatum: 28.06.2008Zuschauer: tausende
Konzertdauer: ca. 50 Minuten
Konzertbühne: Scène ABlood Red Shoes hatten soeben auf der Scène B ihr Grunge-Revival beendet, da gab es schon wieder etwas für Rock-Fans.
Die heissblütigen HushPuppies standen nun auf Scène A bereit, ihre zahlreichen Hits auf das (junge) Publikum in Evreux abzufeuern. Die fünf blendend aussehenden Mannsbilder stammen bis auf den in Bordeaux aufgewachsenen Bassisten Guilaume Le Guen alle aus dem südfranzösischen Perpignan, leben aber nun schon seit ein paar Jahren in Paris und lassen auch als Zuschauer kaum ein gutes Indie-Konzert in der französischen Hauptstadt aus.Auch als Festivalact sind sie bei den Veranstaltern sehr begehrt, weil sie es wie kaum eine andere einheimische Band verstehen,
dass Publikum so richtig aufzumischen. Um es gleich auf den Punkt zu bringen: die HushPuppies sind live eine Wucht! Ich würde sogar behaupten, dass sie nicht nur eine der besten Live-Bands Frankreichs, sondern der ganzen Welt sind! Sie stehen z.B. den ebenfalls dem Garagenrock zugewandten Schweden The Hives in nichts nach. Und wer die Hives schon einmal live gesehen hat, weiss wovon ich spreche...Dynamik, Explosivität und Testosteron pur also bei der Gruppe, die man in Frankreich einfach nur "Les Hush" (ausgesprochen "les ösch") nennt.
Schon beim Opener "Lost Organ" gingen tausende Zuschauer begeistert mit und verwandelten die grosse Wiese in eine einzige grosse Tanzfläche, in der auch bald Crowdsurfer ihr gefährliches Spielchen begannen. Spätestens beim dritten Lied, dem sogar in der Werbung verwendeten Hit "You're Gonna Say Yeah!,
gab es eigentlich kein Halten mehr. Der unverschämt gut aussehende Sänger Olivier Jourdain peitschte die Leute geradezu nach vorne. Mit seinen weissen, enganliegenden Klamotten gab er eine super Figur ab und wenn er sich mal umdrehte, guckten viele junge Mädchen verstohlen auf seinen knackigen Hintern.Der Kerl ist aber auch wirklich zu schön um wahr zu sein und hat zudem noch diese leicht arrogante und von sich überzeugte Art, auf die die Weiber fliegen! Aber Vorsicht Mädels: Wenn ihr ihn küssen wollt, dürft ihr gegen Zungenpiercings nicht allergisch sein!
Jedesmal, wenn er seinen Mund sperrangelweit aufreisst, blitzt einem das silbern glänzende runde Ding entgegen.Aber auch die anderen Bandmitglieder sind Womanizer, allen voran der Bassist, der nicht nur für den immens basslastigen Sound der Gruppe enorm wichtig ist,
sondern auch mit abgefahrenen Grimassen für Unterhaltung sorgt. Allein seiner Mimik zuzugucken ist kurzweilig und hochkomisch! Heute war er allerdings stark angeschlagen, wenn ich es richtig verstanden habe, hatte er sich den Fuss gebrochen und spielte deshalb teilweise im Sitzen. Trotzdem schien er das alles supercool zu nehmen, er ist wohl hart im Nehmen!Hart im Nehmen mussten auch die Zuschauer sein, denn sie bekamen einen fetzigen Hit nach dem anderen
um die Ohren gehauen. Man nehme nur einmal die aktuelle Singleauskopplung "Down, Down, Down". Extrem eingängig, ideal zum Mitsingen geeignet und groovy wie Hölle! Perfekt geeignet, um müde Festivalgäste wieder aufzurütteln.Knüller dieses Kalibers hatten "Les Hush" massenweise zu bieten, egal ob es sich um Liveklassiker vom Debüt "The Trap", oder um neue Zugnummern vom Ambum "Silence Is Golden" handelte.
Stücke wie "Hot Shot" und natürlich "Bad Taste And Gold On The Door" verfehlten jedenfalls nicht ihre Wirkung und so glich das 50 minütige Set einem rasanten Sprint, der mit "Packt Like Sardines In A Crushtin Box" ein fulminantes Ende nahm.Zuvor hatte sich Olivier über die Sonne gefreut,
die in Evreux herrschte, bloss um hinzuzufügen: "Ich rede aber jetzt nicht von der Sonne am Himmel, die kenne ich schon aus Perpignan. Ich meine vielmehr die menschliche Wärme, die von Euch ausgeht."Ein Profi, dieser Olivier und ein mutiger und draufgängerischer Kerl obendrein. Er liess es sich nämlich wieder nicht nehmen,
ausgiebig auf den Köpfen der Fans zu surfen. Die Szenen gehörten mit Sicherheit zu den beeindruckendsten Momenten des Festivals.Und der Auftritt selbst war kaum noch zu toppen! Setlist HushPuppies, Evreux, Festival Le Rock Dans Tous Ses Etats:01: Lost Organ02: Moloko Sound Club03: You're GonnaSay Yeah!04: Love Bandit05: Bassautobahn06: Single07: Down, Down, Down08: A Trip To Vienna09: Hot Shot10: Bad Taste And Gold On The Doors (I Want My Kate Moss)11: Pale Blue Eyes12: Packt Like Sardines In A Crushtin BoxLinks:
- aus unserem Archiv:
- HushPuppies, Paris, 04.12.07
- HushPuppies, Paris, 16.10.07
- HushPuppies, Paris, 19.01.07
- mehr Fotos von den HushPuppies aus Evreux
um
00:17
Konzert: HushpuppiesOrt: La Cigale, Paris Datum: 04.12.2007 Zuschauer: volle Ränge, aber nicht ganz ausverkauft
"Das war nur ein Aufwärmtraining,
in der Cigale wird es viel, viel besser!" - Franck Pompidor, der Schlagzeuger der Hushpuppies, der nebenher noch einen gut sortierten Indie-Plattenladen betreibt und auch als Zuschauer auf viele Konzerte geht, war ganz entschlossen, als er mir das sagte. Zitiertes Gespräch fand am Rande des Festivals des Inrocks vor ein paar Wochen statt. Wir redeten über den Auftritt der Hushpuppies in der Flèche d'or, der mir bereits ziemlich gut gefallen hatte. Heute würden sie also noch einen (oder gleich mehrere) obendraufsetzen, das war ausgemachte Sache. Aber was mußte ich da lesen? Die Cigale war nicht ausverkauft? Die grünschnäbeligen Babyrocker von BB Brunes hatten dieses Kunststück für ihren in ein paar Tagen stattfindenden Auftritt doch auch geschafft, warum dann nicht die wesentlich erfahreneren und versierteren Hushpuppies? Würde es vielleicht sogar ziemlich leer und somit steril werden? - Mitnichten,
in der Cigale angekommen, konnte gleich Entwarnung gegeben werden! Der Laden war letzlich doch sehr ordentlich gefüllt und das Publikum ging von Anfang an unglaublich gut mit. Schon der erste Song, mit "Lost Organ" ein Neuling des aktuellen Albums "Silence Is Golden", schlug ein wie eine Bombe. Die Cigale bebte wieder einmal, ein Phänomen, das auftritt, weil der Parkettboden bei heftiger Bewegung wie ein Trampolin reagiert. Man muß also als Zuschauer in den ersten Reihen unwillkürlich mitwippen.
Die Beschaffenheit des Bodens war hierfür aber nicht alleine auschlaggebend. Kräfig mitgeholfen hatten natürlich die Helden des Abends selbst, die aufspielten, als hätten sie seit Jahren kein Konzert mehr gespielt und als hinge ihr Leben von einer starken Performance ab. Motiviert bis in die Haarspitzen machten sie gleich zu Beginn soviel Druck, wie eine Fußballmannschaft, die im Rückspiel unbedingt 3:0 gewinnen muß. Wie sonst ist es zu erklären, daß sie bereits an zweiter Stelle ihren bisher größten Hit "You Gonna Say Yeah" abfeuerten?
Die Taktik war also klar: stürmen was das Zeug hält! Die Reaktionen des aufgepeitschten Publikums ließen nicht lange auf sich warten. Schon nach wenigen Minuten enterten Crowdsurfer die Bühne, um waghalsige Sprünge in die vorderen Reihen zu vollziehen. Unter den Mutigen war amüsanterweise auch Labelchef und Musiker Benjamin Diamond (Diamondtraxx), der es sich nicht nehmen ließ, mit Schwung in die Massen zu springen. Auch ein bekannter Fernsehmoderator beteiligte sich an dem nicht ungefährlichen Spektakel.
Überhaupt war heute Einiges an lokaler Prominenz anwesend. Gleich neben mir tanzte JB Devay von Nelson wie ein Wilder ab, die Nachwuchsmusikerinnen von Koko von Napoo waren auch nicht weit und Louise, die langbeinige Bassistin von Plastiscines ließ sich ebenfalls blicken. Sie alle wurden Zeuge der Explosivität und Einsatzfreude der Katalanen (die Hushpuppies stammen aus Perpignan, in der Nähe der spanischen Grenze), die den Parisern mal zeigten was 'ne Harke ist. "Ca va les Parisiens?" fragte dann der smarte Sänger Olivier gleich mehrfach nach und natürlich ging es den Leuten gut, sehr gut sogar. Die meisten kannten sogar schon die nagelneuen Liedern,
die wirklich erstaunlich gut zogen, wenn man bedenkt, daß der neue Output erst seit ein paar Wochen in den Regalen steht. Dennoch kamen die alten Kracher noch einen Tick besser an, zumindest "Bassautobahn und Single", das Lied "zu dem man fabelhaft tanzen kann" (so Olivier). Und die Leute tanzten in der Tat und zwar heftig. Erneut wackelte der Boden bedenklich.
Danach wurde aber irgendwann das Tempo auch einmal zurückgenommen, damit man verschnaufen konnte.
Olivier erkundete sich, ob jemand schon einmal in Österreich gewesen sei, um so geschickt den neuen Titel "A Trip To Vienna" einzuleiten, der dort auch entstanden ist. Auch "Lunatic's Song" war neu, bevor mit "Marthelot" und "Sorry So" Altbekanntes kam. Daß aber auch ganz frische Kost spontan begeistern kann, sah man sehr schön am Beispiel "Bad Taste And Gold On The Doors".
"I want my Kate Moss, I want my Kate Moss", sprudelte es aus unzähligen Kehlen heraus. Ein Riesenhit, gar keine Frage! Hat mit Sicherheit das Potential ein zweites "You Gonna Say Yeah" zu werden, da bin ich mir sicher. Und "Hot Shot", welches das Set abschloß, ist der zweite Anwärter auf eine Singleauskopplung. Alle Musiker, als da wären der coole Bassist Guilaume Le Guen, (der als einziger aus Bordeaux stammt), Wilfried, der Bruder von Olivier Jourdan am Keyboard,
Gitarrist Cyrille Sudraud (der vorher auch eine gelungene Kuhglocken-Einlage vollführte) und Drummer Franck, legten sich noch einmal mächtig ins Zeug und schwitzten ihre blütenweißen Hemden, zu denen sie feine schwarze Krawatten trugen, komplett durch. Sie hatten es geschafft, die Cigale in einen Hexenkessel zu verwandeln. Um das hinzubekommen, schreckten sie auch nicht davor zurück, sich selbst ins Publikum zu stürzen. Olivier z.B. sang sensationellerweise rücklings auf den Händen des staunenden Publikums und ließ sich von vorne nach hinten und wieder zurück tragen.
Auch Cyrille genoß das Bad in der Menge. So war dann auch das obliagtorische "Oh wie schade!", welches immer einsetzt, wenn der letzte Titel angekündigt wird, aufrichtig gemeint. Als kleinen Trost gab es dann in der Folge immerhin noch das recht alte (aber immer noch zugkräftige) Lied "Huspuppies", welches man auf der "The Garden EP" finden kann. "Packt Up Like Sardines In A Crustin Box" beschloß dann das erfrischende und begeisternde Konzert endgültig. Setlist Hushpuppies, La Cigale, Paris:00: Intro01: Lost Organ02: You Gonna Say Yeah!03: Fiction In The Facts04: Moloko Sound Club05: 197506: Love Bandit07: Broken Matador08: Bassautobahn09: Single10: Down Down Down11: A Trip To Vienna12: Lunatic's Song13: Marthelot 'n' Clevencine14: Sorry So15: Bad Taste And Gold On The Doors (I Want My Kate Moss)16: Pale Blue Eyes17: Hot Shot18: Hushpuppies (Z)19: Packt Up Like Sardines In A Crushtin Box (Z)
Links:
- Hushpuppies im Januar 07 in Paris
um
16:48
Konzert: HushpuppiesOrt: La Flèche d'or, Paris (Radiosendung "La Bande Passante)Datum: 15.10.2207Zuschauer: 350-400
Nachdem ich kürzlich in den Studios von Canal + France Inter war, kenne ich mich nun mit Radio- und Fernsehkonzerten ein wenig besser aus. Insofern bin nicht mehr sonderlich überrascht, daß hier der Beifall für die Bands ein wenig inszeniert ist und das Publikum von einem Moderator (in diesem Fall Alain Pilot) aufgepuscht wird. In der schnieken Flèche d'or wurden heute Konzerte in der Reihe "La Bande Passante" aufgenommen, die der Radiosender RFI ausstrahlen wird. Mein persönliches Interesse konzentrierte sich hierbei auf die hippen Pariser Hushpuppies,
die demnächst ihr neues Album "Silence Is Golden " auf den Markt bringen werden. Bevor das Quintett aber auf den Brettern erschien, langweilte ich mich noch ein wenig beim Auftritt des Glatzkopfes Nicolas Repac und seiner Band. Nicht daß es sich um schlechte Musiker handelte, keineswegs, eher im Gegenteil, aber der gebotene Stil - getragene Barmusik mitsamt Cello - kam meiner Schläfrigkeit gar nicht entgegen...
Da passte es mir um so mehr in den Kram, daß mit den Hushpuppies eine Band auf dem Programm stand, die müde Menschen wieder aufrütteln kann. Nach einer ewig langen Umbaupause (es gab ein technisches Problem nach dem anderen), bei der die fesche Gruppe selbst mithalf, konnte es endlich losgehen. Moderator Alain Pilot hatte das Quintett gleich mehrfach angekündigt, damit verschiedene Aufnahmen für das Radio vorlagen.
Frauenschwarm und Sänger Olivier legte sich gleich beim ersten Stück, einem neuen Titel, ordentlich ins Zeug und man sah den Parisern (die eigentlich zum Großteil aus Südfrankreich stammen) an, daß sie richtig Lust hatten, mal wieder in der Hauptstadt Frankreichs aufzutreten. Die vorangegangenen Wochen waren gekennzeichnet durch anstrengende Studioaufnahmen, da kam ein Live Gig gerade recht. Und gerade live sind "Les Hush", wie man sie in Frankreich nennt, am besten. Sehr schön deutlich wurde dies bei der schon früh gebrachten Hitsingle "You're Gonna Say Yeah!",
die seit geraumer Zeit in diversen Werbeclips läuft. Kein Wunder, mit einem solchen Garagenrock-Kracher kann man zweifelsohne so manches Duschgel für den Herrn verkaufen. Stellt sich bloß die Frage, ob man durch das bloße Benutzen dieses Duschgels einen ähnlich flachen Bauch wie die drahtigen Burschen auf der Bühne erzielen kann. In punkto "Wer passt in die engsten Skinny-Jeans" stehen die Franzosen ihren englischen Kollegen zumindest in Nichts nach!
Nach einem anderen neuen Stück (in der Setlist mit "Fiction" bezeichnet) wollten die Jungs aber ihre Fans nicht überfordern und spielten mit dem psychedelisch rockenden "Marthelot 'N Clavencine" auch wieder Bekanntes vom Vorgängeralbum "The Trap", das sich auch in Deutschland recht ordentlich verkaufte. Danach kündigte Sänger Olivier mit "Single" ein Stück zum Tanzen an, ganz nach dem von Franz Ferdinand ausgegebenen Ziel, mit ihrer Musik "Mädchen zum Tanzen zu bringen". Das Angebot wurde dankend angenommen und ein paar dunkelhaarige Schönheiten im meiner Umgebeung schüttelten in der Tat wild ihr Haar.
Die interessanteste Stelle erreichte das Set jedoch etwas später, mit der neuen Single "Bad Taste And Gold On The Doors". Olivier wies vorsorglich darauf hin, daß das Stück nicht "I Want My Kate Moss" heiße, obwohl er auf seiner schwarzen Lederjacke einen gleichlautenden Aufkleber trug und auch in dem Lied selbst diese Songzeile vorkam! Musikalisch bietet das Stück die Zutaten,
die die Hushpuppies in der Szene bekannt machten. Tighter, fetziger Garagenrock mit plötzlicher Tempobeschleunigung und einer gehörigen Portion Sexappeal und Bad Taste (passt ja insofern auch).Nach einem weiteren Neuling (in der Setlist mit "Hot Shot" bezeichnet), kam dann zum Abschluß noch ein weiterer Fetzer. "Packt Like Sardines In A Crushtin Box" verführte nochmal zum Pogen und lockte auch Drummer Frank aus der Reserve. Der junge Mann, der nebenher auch noch einen gut sortierten CD-und Plattenladen betreibt, schlug dermaßen wild auf seine Drums ein, daß seine Haare nur so durch die Luf flogen!Der Auftritt war somit auch eine gute Werbung für das von den Fans heißerwartete Konzert in der Pariser Cigale am 4. Dezember.Setlist Hushpuppies, La Flèche d'or:01: Lost02: You're Gonna Say Yeah!03: Fiction04: Marthelot 'N Clavencine05: Single06: Down07: Bad Taste And Gold On The Doors08: Hot Shot09: Packt Like Sardines In A Crushtin Box
um
10:19
Konzertbericht HushPuppiesOrt: Elysée Montmartre, ParisDatum: 19.01.2007Zuschauer: gut gefüllt, wahrscheinlich ausverkauftUnsere zahlreichen und treuen Leser werden sich bestimmt schon des Öfteren gefragt haben, warum dieser Oliver nie über französische Bands berichtet, obwohl er doch in Paris lebt. Nun, mit den Hushpuppies biete ich den Fans jetzt mal was aus dem Land des guten Käses und der hübschen Frauen. Was, die Hushpuppies kennt ihr nicht? Das ist aber eine Bildungslücke, zumal die smarten Franzosen auch schon in Deutschland tourten und den ein oder anderen Fan in Germany gewonnen haben.
Die stylische Band besteht aus fünf gutaussehenden jungen Männern zwischen 27 und 31 (so steht es zumindest auf der Auskoppelung "Single" geschrieben), mit dem charismatischen Sänger Olivier Jourdan an der Spitze. Ein wahres Sexsymbol in der Tradition von Alain Delon, gesegnet mit einer famosen Sprungkraft und einer mächtigen, kraftvollen Stimme.
Als Cécile und ich den Saal betraten, hatten die Fünf zu unserer Entrüstung allerdings schon begonnen und dabei war es erst 20 Uhr 30. Vielleicht hat der Veranstalter Rücksicht auf die kleinen, jungen Mädchen genommen, die man zuhauf im Publikum ausfindig machen konnte. Das erste Lied, was wir zu hören bekamen, war gleich der auch international größte Hit "You're gonna say yeah!"
Ein äußerst prägnanter Basslauf setzt hierbei ein, dann gleichzeitig ein stakkatohaftes Schlagzeug plus Gitarre und ab geht die Post. Fetzt immer noch unvergleichlich gut! Selbst die Werbeindustrie hat schon das Potential des Songs erkannt und ich habe besagten Basslauf bereits in einer deutschen Werbung für Jägermeister und in einer französischen für ein Deo wiederentdeckt. Daß sie eine solche Zugnummer so früh bringen, beweist, daß sie genügend andere gutgehende Titel im Gepäck haben. Insbesondere "Bassautobahn" mit dem gekonnten Synthieintro und die aktuelle Singleauskopplung "Single" wußten mich und die anderen zu überzeugen. Etwas bedauerlich war, daß der Funke nicht so hundertprozentig überspringen wollte, obwohl Olivier und seine Mannen alles taten, was in ihrer Macht stand. Ich kann mir gut vorstellen, daß die Leute in Deutschland mehr abgegangen sind. Aber was soll's ,auch hier und heute konnte man nicht von Langweile reden. Ich habe die Band auf DVD auf einem Festival gesehen und da sind die Leute richtig durchgedreht, also die Gruppe kann live was. Irgendwann haben das auch heute die Hüftsteifsten geschnallt und am Ende verwandelte sich das ehemalige Theater in den ersehnten Hexenkessel. Zumal sie insgesamt fünf Zugaben abfeuerten und neben Titeln des Albums "The Trap" auch Stücke einer alten EP namens "The Garden" spielten. Ich ziehe auf jeden Fall ein positives Fazit und kann nur jedem empfehlen, auch mal Musik Made in France zu hören und zu sehen. Die Hushpuppies vertreten ihr Land sehr gut und haben vermutlich eine Welle losgetreten, denn mit den Shades, Naast und Plasticine stehen blutjunge neue französische Bands in den Startlöchern, die eine Menge Platten von den Ramones, Joy Division, den Smiths, oder den Clash gehört haben...
Stellt sich bloß die Frage: Vive la france oder God save the Queen?
von Oliver